Pilgerreise nach dem Berge Zion – John Bunyan

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HANDLUNG

1. Teil

Der Verfasser sieht in einem Traum die Geschichte von Christ, einem einfachen Menschen, der die Erkenntnis erlangt, sein bisheriges Leben radikal ändern zu müssen und sich aus diesem Grund auf eine lange Pilgerreise nach Zion (Himmel) begibt. Seine Frau Christine und seine Kinder wollen ihn nicht begleiten, und so begibt er sich alleine auf die gefahrenvolle Reise ins himmlische Land.

Auf dem Weg begegnen Christ viele Aufgaben, welche er zu bewältigen und bestehen hat, um ins gelobte Land zu gelangen. Er muss durch den «Sumpf der Verzagtheit», wird von Riesen und Löwen bedroht, schreitet durchs «Tal der Demütigung», um schliesslich ins «Tal der Todesschatten» zu gelangen, wo er von bösen Geistern heimgesucht wird…
Kurz, sein Weg ist gespickt von Schlingen, Gruben, Fallen und Netzen sowie von Betrügern und Verführern.
Nach langem Kampf gelangt Christ schliesslich zum «Strom des Todes», nach dessen glücklicher Überquerung er in der Stadt Gottes anlangt.

2. Teil

Christs zurück gebliebene Frau Christine und die Söhne vermissen Christ und folgen seinen Spuren auf dem Weg zum gelobten Land. Begleitet werden sie von der Nachbarin Barmherzig.

Die beiden Frauen und die Kinder müssen die selben Aufgaben bestehen wie zuvor Christ, haben aber den bewaffneten Mutherz als Führer erhalten, welcher der kleinen Gruppe beisteht und sie wacker beschützt.
Auf dem Weg erzählt Mutherz seiner Pilgergruppe von den Taten Christs, um ihnen Mut zu machen.
Die mittlerweile erwachsenen Söhne werden auf der langen Reise verheiratet, und so wächst die Pilgergruppe, bis schliesslich auch sie an der letzten Station angelangt…

REZENSION

Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr nachvollziehen kann, wie ich erstmals auf dieses Werk aufmerksam wurde, oder was genau mich dazu bewog, es zu kaufen. Vermutlich haben mich die Eckdaten beeindruckt – und die lesen sich auch imposant: Der erste Teil von «Pilgrim’s Progress» erschien 1678 und gilt als einziges englisches Werk, abgesehen von der Bibel, welches seit Erscheinen bis heute nie vergriffen war. Gleichzeitig darf es für sich in Anspruch nehmen, zu den ersten Romanen in englischer Sprache zu zählen.

Das sind eindrucksvolle Fakten, welche dazu geführt haben, dass ich dieses bedeutende Werk der englischen Literaturgeschichte gelesen habe.
Es wird zur christlichen Erbauungsliteratur gezählt und wurde vom englischen Baptistenprediger John Bunyan verfasst. Die Entstehung des Werkes geht auf eine Zeit zurück, in welcher Bunyan wegen Verstössen gegen den Conventicle Act von 1864 im Gefängnis sass. Dieses Gesetz untersagte das Abhalten von Gottesdiensten und Predigten ausserhalb der englischen (anglikanischen) Staatskirche.

«Pilgrim’s Progress» erinnert in seiner Sprache stark an die Bibel, denn die beschriebenen Abenteuer sind in bibelähnlichen, allegorischen Geschichten verfasst und zudem gespickt mit unzähligen, in Klammern gesetzte, Bibelverweise.
Inhaltlich haben wir es hier mit einer äusserst radikalen und christlich-dogmatischen Weltsicht zu tun, welche in der heutigen Zeit recht antiquiert erscheint – mehr noch, die im ersten Teil zelebrierte Kompromisslosigkeit erschien mir geradezu unchristlich. Wichtige Elemente, mit denen ich persönlich das Christentum in Verbindung bringe, wie Nächstenliebe, Erbarmen oder Vergebung, finden in Bunyans Werk keinen Einzug. Die Radikalität und menschenverachtende Weltsicht des ersten Teiles erinnerte mich stellenweise an Schriften, welche wir heute vom «Islamischen Staat» kennen…

Der zweite Teil des Werkes ist etwas weniger dogmatisch, dafür nach heutigen Massstäben frauenverachtend. Was natürlich dem damaligen – und wohl auch noch heutigen – baptistischen Frauenbild entspricht, welches Frauen keine eigene Handlungsfähigkeit ohne Anleitung oder Unterstützung durch einen Mann zugesteht.

Ich muss gestehen, dass ich mich zeitweise richtiggehend durch den Text quälen musste, entspricht der Inhalt doch in keiner Weise meinem persönlichen, agnostischen Weltbild.
Das Werk ist für mich deshalb nur aus literaturhistorischer Sicht noch lesenswert – oder ertragbar. Und selbst aus tief religiöser, christlicher Sicht erscheint mir Bunyans «Pilgerreise» nicht mehr zeitgemäss…
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BUCHVERARBEITUNG

Ich hatte das Buch 1999 in einem Antiquariat in Heidelberg erworben.
Das Werk wurde 1930 herausgebracht und mit einem orange-roten Pappeinband überzogen. Die Vorderdecke wurde mit dem Titel in Goldprägung und einem Bild versehen. Der Buchblock verfügt über einen rot gefärbten Kopfschnitt. Im Buch selber finden sich zahlreiche schwarz-weiss Bilder sowie wenige farbige Zeichnungen.
Die gebrochene Schrift wurde in Schwabacher Lettern gesetzt. Der Satzspiegel ist angenehm und die Schrift, wenn man sich dann erstmals an die gebrochene Schrift gewöhnt hat, gut lesbar.
Zusammen mit der fadengebundenen Verarbeitung, kann hier von einer hochwertigen Buchverarbeitung gesprochen werden.

FAZIT

Literarisch war dieses Werk für mich eine Enttäuschung. Für heutige Leserinnen und Leser deshalb kaum weiterzuempfehlen…

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© 1930 J. G. Onken Verlag, Kassel

Autor/Autorin:
John Bunyan


Originaltitel:
The Pilgrim's Progress
Originalverlag:
© John Bunyan, London
Erstausgabe:
1. Teil: 1678 / 2. Teil: 1684
Originalsprache:
Englisch

Diese Ausgabe:

© 1930 J. G. Onken Verlag, Kassel
Übersetzung:
Anonym
ISBN:
Keine
Umschlaggestaltung:
J. G. Onkel Verlag, Kassel
Seiten

384
BUCH:
VERARBEITUNG:

© 2022 Blog-Fotos: T. S. Tubai

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