Was Musik-Medien anbelangt, gehöre ich noch der „Old School“ an. Ich kann nicht so viel anfangen mit Spotify & Co. Lieber habe ich meine Musik physisch auf CD oder LP und geniesse sie in bestmöglicher Auflösung und Klangqualität.

Leider ist das ein Wunsch, den die Musikindustrie in Europa nicht erfüllen kann. Die hierzulande angebotenen CDs, vor allem von den Major-Labels, sind nicht selten grauenvoll gemastert und klingen nur laut aber nicht gut.
Natürlich gibt es einzelne kleine Labels wie Chesky Records, Dramatico oder Stockfisch Records etc. die sich diesem Treiben entgegenzusetzen versuchen, aber der grosse Strom fliesst leider in eine ganz andere Richtung.

Während in Europa die „Geiz ist geil“-Mentalität herrscht und man mit möglichst kleinem Aufwand und Billigstproduktionen den Markt beglückt, oder anders formuliert, die physischen Datenträger eigentlich bereits aufgegeben hat, gibt es für Audiophile wie mich, einen Lichtstreifen am östlichen Horizont zu sehen: In Hong Kong, Singapur und vor allem Japan sieht man das ganz anders. Dort herrscht das Motto: „Wir wollen mit technischer Innovation den bestmöglichen Klang auf eine CD bringen“.
Wobei man sich nicht nur auf neue Masteringverfahren beschränkt, sondern auch interessante und zukunftsweisende neue CD-Medien entwickelt hat.

Ich möchte Ihnen hier einige der interessantesten Medien aus dem Audio- und Filmbereich kurz vorstellen.

AUDIO-FORMATE


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SACD - SUPER AUDIO CD

Die Super Audio Compact Disc ist ein Audio-Datenträger, der 1999 von Sony und Philips entwickelt wurde.
Technisch gesehen, ist es eine besondere Form der DVD. Die grössten Vorteile der SACD sind: die Mehrkanalfähigkeit (bis 5.1-Kanäle), die längere Spielzeit (max. 200 Minuten) und die Möglichkeit, hochauflösende Aufnahmen verlustfrei speichern zu können.

Es gibt grundsätzlich drei verschiedene SACD-Typen:

1. Single Layer: Diese enthält eine HD-Schicht und lässt sich ausschliesslich an SACD-Playern abspielen.
2. Dual Layer: Hier gibt es zusätzlich eine zweite HD-Schicht, was zu einer Verdopplung der Spielzeit führt. Auch diese Version kann nur von SACD-Playern ausgelesen werden.
3. Hybrid Layer: Hier gibt es ebenfalls zwei Schichten, allerdings ist eine Schicht mit normalen PCM Audio-Daten beschrieben und kann somit auch an konventionellen CD-Playern abgespielt werden.

Theoretisch hätte dieses CD-Format die normale Standard-CD ablösen sollen, was aber faktisch bis heute nicht geschehen ist. In Europa konnte sich die SACD nie durchsetzen. Im Unterschied zu Asien, speziell Hong Kong und Japan, wo die SACD heute einen beachtlichen Marktanteil einnimmt.

Ein grosser Nachteil der SACD ist, dass sie mit einem rigorosen Kopierschutz versehen ist, der zum Beispiel das Abspielen am Computer verhindert.

Klangtechnisch sind vor allem die Mehrkanal-Ton SACDs interessant, da sie einen Raumklang erzeugen können, der einer einfachen Stereowiedergabe überlegen ist.

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DVD-AUDIO

Die DVD-Audio wurde als direkte Konkurrenz zur SACD lanciert. Sie bietet im grossen und ganzen die selben Vorteile wie die SACD. Der grösste ist ebenfalls die Mehrkanalfähigkeit.
Leider hat sie aber einige beträchtliche Nachteile, so ist sie ausschliesslich mit DVD-Playern (neuerer Generation) oder sogenannten Multiplayern abspielbar. Dazu kommt, dass man für die vollständige Bedienung häufig einen Fernseher benötigt.

Auch die DVD-Audio konnte sich im Massenmarkt nicht durchsetzen und ist heute sogar mehrheitlich aus dem Markt verschwunden. Neuerscheinungen gibt es meines Wissens so gut wie keine mehr.

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XRCD - Extended Resolution CD

Bei der Extended Resolution Compact Disc (XRCD) handelt es sich um eine Standard-CD, die sich durch ein spezielles, sehr aufwändiges Masteringverfahren auszeichnet. Entwickelt wurde dieses Verfahren in den 1990er Jahren von JVC Japan.
Das Mastering wurde standardisiert, um einen möglichst geringe Abweichung zwischen Masterband und fertiger Audio-CD zu erzielen.

Wenn ein analoges Masterband vorliegt, werden die XRCDs heute mit 24-Bit digitalisiert (XRCD24). Bei älteren Aufnahmen (ohne Analogband) gibt es neben der normalen XRCD noch eine 20-Bit-Variante (XRCD2).

Da diese XRCDs ausschliesslich von JVC in Yokohama produziert werden, gibt es leider nur einige Hundert Tonträger, wobei das Genre Jazz wohl am meisten vertreten sein dürfte.
Leider hat sich, vor allem in China, ein riesiger Schwarzmarkt entwickelt, der mit illegalen Kopien, aber auch mit schlichten Fälschungen der XRCD arbeitet. Es ist deshalb vor einem Kauf einer XRCD immer wichtig abzuklären, ob es diese CD überhaupt offiziell gibt und eine seriöse Quelle für die Beschaffung zu finden.

XRCDs lassen sich mit jedem handelsüblichen CD-Player abspielen, sind aber leider nicht Mehrkanaltonfähig.

Meiner Meinung nach bieten die XRCDs eine hervorragende Klangqualität, die der einer Stereo-SACD um Längen überlegen ist.

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Pure Audio CD

Die Blu-ray Pure Audio, die, wie der Name schon sagt, eine reine Audiospur besitzt, ist als Konkurrenz zur SACD zu sehen. Die theoretischen Vorteile wären eine höhere Auflösung (192 KHz/24 Bit) und die Mehrkanaltonfähigkeit.
Ich habe da aber so meine Zweifel bei diesem Format. Zum einen gibt es wohl kaum Audiophile, die einen Blu-ray-Player in ihrer HiFi-Kette stehen haben, und zum anderen sind die meisten Blu-ray-Player nicht für die audiophile Musikwiedergabe ausgerichtet. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Musikindustrie bis jetzt nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen konnte, und im Moment jeder sein eigenes Süppchen kocht. Die Zeit wird zeigen, ob dieses neue Format angenommen werden wird – ich bin da eher skeptisch…

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HDCD - High Definition Compatible Digital

Die HDCD wurde 1995 durch Pacific Microsonics Inc. entwickelt und 2000 von Microsoft aufgekauft.
Bei der HDCD handelt es sich um eine Technologie, mit deren Hilfe Audiodaten ko- und dekodiert werden.
Dieses Verfahren ermöglicht eine bessere Dynamik und einen hochwertigeren Klang bei digitalen Aufnahmen, wobei eine Auflösung bis zu 20 Bit erreicht werden kann.
Es gibt vor allem im asiatischen Raum etliche HDCDs, die zum Teil eine sehr gute Tonqualität aufweisen. Auch in den USA und seltener in Europa wurden vereinzelt HDCDs produziert. Heute ist dieses Format allerdings praktisch nicht mehr im Handel anzutreffen.

Die HDCDs sind zwar kompatibel mit Standard-CD-Players, um in den Genuss der höheren Auflösung zu kommen, benötigt man aber einen Player, der HDCDs dekodieren kann, und solche Geräte sind, zumindest bei uns, sehr selten. Allerdings können praktisch alle Blu-ray- und DVD-Player HDCDs auslesen.

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SHM-CD - Super High Material Compact Disc

Bei der SHM-CD handelt es sich, wie der Name schon vermuten lässt, um ein neuartiges Datenträgermaterial, welches das übliche Polycarbonat ersetzt. Entwickelt wurde dieses Material von Universal Music Japan und JVC.
Dieses spezielle Polycarbonat lässt sich einfacher verarbeiten und führt bei der CD-Wiedergabe zu weniger Lesefehler. Da es sich hier lediglich um eine Rohlingsänderung handelt, können diese CDs an allen CD-Playern abgespielt werden.

Dieses neuartige Material wird heute vermehrt bei der SACD-Produktion eingesetzt, was dann zur Bezeichnung SHM-SACD führt.

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UHQCD - Ultimate High Quality CD

Mit der UHQCD wird ein mit der SHM-CD vergleichbares Konzept verfolgt.
Es handelt sich hierbei um einen neu entwickelten Kunststoff bei der Rohlingsherstellung. Anstelle des üblichen Polycarbonats wird Photopolymer verwendet und die CD anschliessend mit einer Polycarbonatschicht versiegelt. Durch die weichere Photopolymerschicht ist ein exakteres Giessverfahren möglich, dadurch soll die Präzision der Wiedergabe erhöht werden.
Entwickelt wurde dieses Verfahren, beziehungsweise das neuartige Material, von der japanischen Firma Memory-Tech in Zusammenarbeit mit der in Hong Kong ansässigen Audio Quality CD Company.
UHQCDs lassen sich auf allen handelsüblichen CD-Playern abspielen.

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K2HD - K2 High Definition

Bei den K2HD CDs handelt es sich wie bei der XRCD um ein spezielles Masteringverfahren, das ebenfalls von JVC entwickelt wurde.
Auch hier ist der grosse Vorteil, dass diese CDs mit normalen CD-Playern abspielbar sind.
Hergestellt werden diese CDs in Japan, wobei aber der Hauptmarkt hauptsächlich in Hong Kong zu finden ist.
Meine Erfahrung mit den K2HD-CDs sind unterschiedlich, ich habe schon hervorragende Scheiben erwischt, die sogar einer XRCD2 überlegen waren, bei anderen dagegen konnte ich kaum einen Unterschied zur normalen Standard-CD ausmachen.

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Blu-spec CD

2008 führte Sony ein neues Verfahren zum Beschreiben von Audio-CDs ein. Anstelle des traditionellen Infrarotlasers wird ein blauer Laser verwendet, um die Master-CD zu beschreiben, ähnlich der Technik, wie man sie in der Blu-ray-Herstellung einsetzt.
Der blaue Laser erzeugt genauere Pits* auf der Master-CD, die für die Massenproduktion verwendet wird.
Der Vorteil ist eine geringere Verzerrung beim optischen Auslesevorgang im CD-Player.
2012 führte Sony eine verbesserte Form der Blu-spec-CD ein: die BSCD2
In der neusten Form wurde die Präzision der Fertigung der Master-CD verbessert und ein neues Material der Aufzeichnungsschicht eingeführt.
Bei der Blu-spec CD (wie auch bei der BSCD2) handelt es sich um eine Red Book Standard CD, die somit an allen handelsüblichen CD-Playern abspielbar ist. Ausserhalb Japans ist sie jedoch kaum zu finden.

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Gold CD

Bei der Gold-CD handelt es sich ebenfalls um eine Standard-CD, die sich lediglich materialtechnisch unterscheidet. Hierbei wird die übliche Aluminiumschicht durch eine Goldschicht ersetzt.
Ein grosser Vorteil von Gold-CDs ist, dass sie nicht wie Standard-CDs durch Korrosion gefährdet sind. Die normale Aluminiumschicht wird mit den Jahren transparent, was zu Lesefehlern oder im Extremfall sogar zu Verhinderung der Wiedergabe führen kann.
Gold-CDs werden immer wieder mal auch bei Sammler-Editionen eingesetzt und können zum Teil eine HDCD-Kodierung aufweisen.

Tontechnisch gibt es kaum nennenswerte Unterschiede zur Standard-CD.

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DualDisc

Die DualDisc wurde ca. 2005 von verschiedenen grossen Musikfirmen lanciert.
Es handelt sich dabei technisch gesehen um eine zweiseitige DVD, wobei die eine Seite konventionell wie eine Audio-CD mit 16-bit-Daten beschrieben wird. Auf der zweiten Seite sind DVD-Daten zu finden wie zum Beispiel Musikvideos, biografische Daten zu den Musikern etc…
Die Musikindustrie erhoffte sich dadurch die Attraktivität der Musik-CD zu steigern und der Internet-Piraterie entgegenzuwirken. Zudem verfolgte man damit das Ziel, die Standard-CD abzulösen.
Bis heute ist man aber weit davon entfernt, diese Ziele erreicht zu haben. Erschwerend kommt dazu, dass einzelne Mitstreiter wie zum Beispiel Sony sich weigerten, hochauflösliche Inhalte auf die DVD-Seite zu schreiben, da sie befürchteten, ihre eigenen Medien (SACD) zu konkurrenzieren.
Die DualDisc ist zudem ca. 1mm dünner als eine normale Audio-CD und entspricht somit nicht dem Red Book-Standard, was dazu führt, dass es immer wieder CD-Player gibt, die DualDiscs nicht abspielen können…

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LP - Langspielplatte

Der Vollständigkeit halber möchte ich hier natürlich auch noch die gute alte Schallplatte aufführen.
Während die ersten Schallplatten noch aus Schellack gefertigt waren, wurde die erste aus Polyvinylchlorid, oder kurz Vinyl, 1930 von RCA Victor auf den Markt gebracht. So richtig durchgesetzt hat sich die Vinyl-Platte aber erst in der Zeit des 2. Weltkrieges, als es immer schwieriger wurde, Schellack aufzutreiben.
1958 erfolgte dann der nächste revolutionäre Schritt, die erste Stereo-Schallplatte wurde durch Mercury Records veröffentlicht.
Bis 1982 war die Schallplatte oder LP das Mass aller Dinge bei der Musikwiedergabe. Nach der Einführung der CD nahmen die Verkaufszahlen dann kontinuierlich ab, bis die LP Mitte der 90er Jahre praktisch nicht mehr existierte.
In den vergangenen Jahren gab es ein richtiggehendes Revival der LP, die sich vor allem unter Audiophilen wieder zu etablieren begann.
Der Klang einer Schallplatte ist zwar technisch gesehen eigentlich unzulänglich, wenn man sie mit der CD vergleicht, wird aber zum Teil als angenehmer wahrgenommen, da es etwas wärmer und weniger grell klingt. Vorausgesetzt natürlich, dass es sich um eine hochwertige Vinylfertigung handelt.
Ich besitze selber noch eine ansehnliche Zahl an LPs aus meiner Jugendzeit und habe mich in den letzten Jahren immer wieder mal dabei ertappt, wie ich plötzlich mit einer neu erworbenen Platte im HiFi-Keller stand…


FILM-FORMATE


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BD - Blu-ray Disc

Die Blu-ray Disc (BD), ist das Nachfolgemedium der DVD. Die BD ist in der Lage, High Definition-Daten zu speichern. Die BD hat sich gegenüber dem Konkurrenzformat HD-DVD durchgesetzt.
Die maximale Filmauflösung einer Blu-ray liegt bei 1920 X 1080 Pixel. Zusätzlich gibt es mittlerweile auch noch BDs mit 3D-Inhalten. Diese sind aber eher als Nischenprodukt zu sehen und haben sich bis heute nicht relevant durchsetzen können.
Die Standard-Blu-ray selber tut sich ebenfalls schwer gegenüber der DVD. Man kann zur Zeit nicht sagen, dass die BD die DVD in absehbarer Zeit wirklich ablösen wird.
Gründe dafür könnten unter anderem in der sehr restriktiven Kopierschutzpolitik liegen sowie der Tatsache, dass vor allem im deutschen Sprachgebiet die Tonumsetzung meist mangelhaft ausfällt und nicht selten auf DVD-Niveau ist.

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UHDBD - UltraHD Blu-ray

Die Ultra HD Blu-ray ist als Nachfolgeformat für die Blu-ray zu sehen und weist eine maximale Auflösung von 3840 X 2160 Pixel auf.
Tontechnisch ist sie mit den neuen Tonformaten DTS:X, Dolby Atmos und Auro-3D kompatibel.
Ob dieses neue Format die Standard-Blu-ray ablösen wird, ist fraglich. Ich vermute, dass es schlicht zu wenig Inhalte geben wird, die sich qualitativ eignen, in einer solch hohen Auflösung wiedergegeben zu werden. Möglicherweise wird sich die Ultra HD Blu-ray als Nischenprodukt etablieren, wie zuvor bereits die 3D-Blu-ray.
Ein grosser Nachteil der Ultra HD Blu-ray ist zudem, dass sie nicht kompatibel mit AV-Verstärkern, Blu-ray-Playern und TVs ist, die Standard-Blu-rays wiedergeben können.

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