Ähnlich wie die Biografien, ermöglichen uns historische Reiseberichte eine Zeitreise. Zusätzlich lernt man aus Reiseberichten oft mehr über Länder, deren Bewohner und Sitten, als wenn man sich durch dicke Geschichtsbücher quälen würde. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Reise durch diese Rubrik!

Karl Philipp Moritz

Reisen eines Deutschen in England im Jahr 1782

Reisezeit: 1782
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Im Unterschied zu allgemein bekannten Literaturgrössen wie Friedrich Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe ist Carl Philipp Moritz heute kaum noch ein Begriff. Und wer ihn noch kennt, hat allenfalls seinen psychologischen Roman „Anton Reiser“, der zwischen 1785 und 1790 entstanden ist, gelesen.
Weniger bekannt sind seine Reisebeschreibungen. Moritz reiste gerne und dies vor allem zu Fuss. Sein erstes Reiseziel galt dem Mutterland der Aufklärung: England. Er machte sich im Mai des Jahres 1782 von Hamburg aus auf die Reise, und das Schiff erreichte am 31. Mai die Themse vor den Toren Londons. Damals waren die Londoner Docks die vielbefahrenste Hafenanlage der Welt, und man musste nicht selten eine Woche warten, bis der Ausstieg im Zielhafen möglich wurde. Um der untätigen Wartezeit zu entgehen, stieg Moritz noch auf der Themse aus und begab sich nach London.
Von seiner zentral gelegenen Unterkunft aus, begann die Entdeckungsreise durch das London des 18. Jahrhunderts. Dabei besuchte Moritz heute noch allseits bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Westminster Abbey, die St. Paul’s Kathedrale oder das britische Museum. Am meisten angetan war er jedoch von den englischen Parlamentssitzungen, die er aus der Besucherloge interessiert verfolgte und die ihn, aus dem absolutistischen Preussen kommend, sehr beeindruckten.

Nach einigen Wochen London hatte Moritz genug und machte sich Richtung Richmond auf, um die englische Landschaft kennenzulernen. Erst jetzt bemerkte er, wie verrusst, dreckig und stinkig die Grossstadt doch gewesen war. Die wunderschöne Landschaft um Windsor bezauberte ihn regelrecht, und er wanderte von Dorf zu Dorf weiter Richtung Oxford…

Ganz so begeistert wie unser Held, waren die Engländer nicht - Reisen, war im 18. Jahrhundert noch nicht sehr verbreitet und wenn doch, dann nur bei der reichen Oberschicht, die angemessen in Kutschen unterwegs war. Dieser komische Wandervogel aus dem Ausland stiess auf viel Unverständnis und Skepsis - nur Bettler und Spitzbuben gingen damals zu Fuss. Nicht selten wurde Moritz aus diesem Grund gar ein Nachlager verwehrt.
Seine Reise führte ihn weiter durch Stratford-upon-Avon, der Geburtsstadt Shakespeares, den er sehr bewunderte, schliesslich nach Birmingham und weiter nach Norden über Matlock, Bakewell, Tideswell bis nach Castleton in Derbyshire. Hier engagierte er einen Ortskundigen, der ihn durch ein Labyrinth von Tropfsteinhöhlen führte - ein Erlebnis, das ohne Frage zum Höhepunkt seiner Reise gehörte. Danach begab sich Moritz über Nottingham und Leicester wieder zurück nach London, wo er Mitte Juli 1782 eintraf und sich auf die Heimfahrt machte.

Das Werk ist, wie in der damaligen Zeit nicht unüblich, in Briefform verfasst. In diesem Fall war der Adressat Moritz’ Freund Friederich Gedike. Dieser Reisebericht ist tatsächlich der erste in deutscher Sprache erschienene über England. Umso interessanter und faszinierender liest sich das Werk. Sehr lebendig und ehrlich, lässt uns der Wanderer an seinem Innenleben teilhaben.
Carl Philipp Moritz ist nicht sonderlich an Kultur oder Städten interessiert, sondern liebt die Landschaften und beschreibt seine zuweilen skurrilen Zusammentreffen mit der englischen Bevölkerung verschiedenster Stände. Es entsteht so vor des Lesers Augen eine farbige und mitreissende Welt, die zwar äusserst fern und gleichzeitig auch sehr vertraut wirkt.

Noch lange, nachdem man das Buch weggelegt hat, verfolgt einen der Miltons „Paradise Lost“ lesende und gemütlich drauflos wandernde Geselle, wie ein Bote aus einer längst vergangenen Zeit…

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© T. S. Tubai. Unter Verwendung einer Karte von Friedrich Wilhelm Spehr von 1824

Originaltitel: Reisen eines Deutschen in England im Jahre 1782

Originalverlag: Friedrich Maurer, Berlin
Erstverffentlilchung: 1783
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland

Meine Ausgabe

Verlag: Süddeutsche Zeitung
Edition: Bibliotheca Anna Amalia
Jahr: 2007
Verarbeitung: Himmelblauer Leineneinband mit petrolfarbenem Vorsatz, Lesebändchen und Fadenheftung in Schuber
Einbandgestalung: Eberhard Wolf
Nachwort: Willi Winkler
Seiten: 184

Verarbeitsungsqualität (1-10): 8

ISBN: 978-3-86615-411-7

Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht / Briefe

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte:

  • London, England
  • Oxford, England
  • Birmingham, England
  • Derby, England
  • Castleton, England
  • Nottingham, England
  • Leicester, England…u.a.

Thema: Reise / England

Schlagwörter: England / Engländer / Wanderung / Landschaft / London / Höhlen / Sitten / Reisen

Meriweather Lewis & William Clark

Tagebuch

Reisezeit: 1804-1806
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Reise

Im Jahre 1803 gelang es dem amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson, dem napoleonischen Frankreich das Louisiana-Territorium abzukaufen. Der Deal sollte als „Louisiana-Purchase“ in die Geschichtsbücher eingehen.
Mit einem Schlag hatten die USA ihre Landfläche mehr als verdoppelt. Thomas Jefferson konnte nun endlich einen schon lange gehegten Plan in die Tat umsetzen und beauftragte seinen Privatsekretär Meriwether Lewis damit, eine Expeditionsgruppe zusammenzustellen, welche das riesige Territorium westlich des Mississippi erkunden sollte. Lewis engagierte seinen ehemaligen Militärkameraden William Clark und stellte eine schlagkräftige Truppe, bestehend aus US-Soldaten, Zimmerleuten, Jägern und Dolmetschern, zusammen.
Die Reise sollte auf dem Mississippi von St. Louis bis an die Küste des pazifischen Ozeans führen. Geplant war, dem Mississippi und danach dem Missouri nach Norden zu folgen, bis zu dessen Quelle, um danach einen geeigneten Weg über die Rocky Mountains zu finden. Danach beabsichtigte Lewis dem Columbia River bis an die Küste des Pazifiks zu folgen. Unterwegs sollte kartografiert, die Flora und Fauna erfasst und Kontakt zu den eingeborenen Völkern aufgenommen werden.
Als der Trupp am 14. Mai 1804 mit einem Kielboot und zwei Piroguen aufbrach, ahnte keiner der Beteiligten, welch beschwerliche, entbehrungsreiche, lange Reise vor ihnen liegen würde. Noch nie waren Weisse auf diesem Weg über den Oberlauf des Missouris hinausgekommen. Vor ihnen lagen die Ungewissheit, die Weiten der Great Plains und die schneebedeckten Gipfeln der Rockys…
Nebst den interessanten Beobachtungen über die Tier- und Pflanzenwelt, beinhalten die Tagebücher von Lewis & Clark völkerkundliche Beschreibungen, die den Ethnologen bis heute als wertvolle Fundgruben dienen. Die Expedition begegnete Völkern wie den Arikara, Lakotas, Hidatsa, Mandan, Shoshonen, Flat Heads und Nez Percé, um nur einige zu nennen. Dass dieser, zum Teil erstmalige, Kontakt so unerwartet friedlich vonstatten ging, war nicht zuletzt Sacajawea zu verdanken. Sacajawea war eine Lemhi-Shoshonin, die von den Hidatsas als Kind entführt worden war und schliesslich bei diesen aufwuchs. Sie diente als wertvolle Dolmetscherin, als der Tross ins Land der Shoshonen vordrang. Zudem gebar sie kurz nach Expeditionsbeginn einen Sohn, was, in nicht wenigen kritischen Situationen, beruhigend auf die Ureinwohner wirkte - eine Truppe, die mit Frau und Kleinkind unterwegs war, konnte nicht in kriegerischer Absicht handeln…
Die Reise, bis zum Pazifik und wieder zurück, dauerte wesentlich länger als geplant. Bei gewissen Abschnitten hatte man vorgängig mit zwei bis drei Tagen gerechnet und war schliesslich mehr als einen Monat unterwegs. Als die Expedition schliesslich am 23. September 1806 wieder in St. Louis eintraf, hatte niemand mehr mit ihrer Rückkehr gerechnet (!).
In den USA ist diese Entdeckungsreise längst ein Teil ihres Gründungsmythos geworden und der darauf folgende Slogan „Go west!“ die logische Folge.

Editionsgeschichte

Die Editionsgeschichte der Lewis & Clark-Expeditions-Tagebücher liest sich genauso spannend, wie die Expeditionsberichte selber.
Neben den beiden Anführern wurden auch andere Teilnehmer verpflichtet Tagebuch zu führen, dies als Sicherheit, falls dem einen oder anderen Werk auf der ungewissen Reise etwas zustossen sollte. Geplant war, diese ganzen Berichte nach der Rückkehr zu veröffentlichen. Es hat schliesslich bis zum Jahre 2011 gedauert, bis dieses Unterfangen von Gary E. Moulton in 13 Bänden herausgegeben werden konnte – allerdings ist auch diese Ausgabe nicht vollständig.

Die hier vorliegende deutsche Ausgabe wurde vom Herausgeber und Übersetzer Friedhelm Rathjen veröffentlicht und umfasst lediglich eine, auf etwas über 600 Seiten, gekürzte Version. Trotz dieser massiven Kürzung, haben wir es hier mit einer ausgezeichneten Auswahl zu tun, die die Reise Tag für Tag beschreibt und alles Wesentliche beinhaltet.
Lewis, und vor allem Clark, waren wahrlich keine Literaten. Ihr Schreibstil ist gelinde gesagt haarsträubend und wie Rathjen schreibt: “…eigentlich nur von einem Legastheniker richtig zu übersetzen…“. Es ist dem deutschen Übersetzer ausgezeichnet gelungen, die zum Teil nur nach Gehör geschriebenen Originaltexte, ins Deutsche zu übertragen. Gerade diese fehlerhafte Sprache ist es denn auch, die dem Werk seinen ganz eigenen Charme verleiht und vor dem geistigen Auge des Lesers Schneestürme, Moskitoplagen und leises „Grasgewischel“ zum Leben erweckt…

Das Werk wird mit einem ausführlichen und sehr informativen Nachwort des Herausgebers, einer Bibliografie und einem Sach- und Personen-Lexikon abgeschlossen.

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cc Autor: Maximilian Dörrbecker via Wikipedia

Originaltitel: The Journals of the Lewis and Clark Expedition (13 Bände)

Originalverlag: University of Nebraska Press, Nebraska, USA
Erstveröffentlichung: 2002 *
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe **

Übersetzung ins Deutsche durch: Friedhelm Rathjen

Verlag: Zweitausendeins, Frankfurt a. Main
Jahr: 2003
Verarbeitung: Halbleineneinband mit grün marmoriertem Überzugspapier, versilbertem Kopfschnitt, Fadenheftung und grünem Vorsatzblatt.
Einbandgestaltung: G. Lachenmaier, Reutlingen
Nachwort: Friedhelm Rathjen
Limitierte Auflage (3’600 Expl.): Nr. 2811
Seiten: 656

Verarbeitungsqualität (1-10): 10

ISBN: 978-3-86150619-5

Literarische Gattung: Sachbuch / Tagebuch / Reisebericht

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte:

  • St. Louis, Missouri, USA
  • Missouri River, USA
  • Rocky Mountains, USA
  • Yellowstone River, USA
  • Columbia River, USA

Thema: Expeditionsreise

Schlagwörter: Reise / Expedition / Entdeckung / Forschungsreise / Indianer / Kulturen / Handel / Eroberung / Kielboot / US-Armee / Fort Mandan / Fort Clatsop / Shoshonen / Nez Percé / Blackfeet / Lakota

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Patrick Gass

Lewis und Clark - Tagebuch einer Entdeckungsreise durch Nordamerika

Reisezeit: 1804-1806
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Es ist ein glücklicher und zudem seltener Umstand, wenn es von einer Expedition gleich zwei Reiseberichte gibt, die die Zeiten überdauert haben. Dies ist bei der Lewis- & Clark-Expedition der Fall. Das hier vorliegende Werk wurde von Sergeant Patrick Gass verfasst.

Gass diente zuvor in der Armee und war als gelernter Zimmermann von unschätzbarem Wert für die Expedition. Er war nicht nur für den Bau der Kanus zuständig, sondern auch massgeblich an der Erstellung der beiden Winterquartiere während der Expedition beteiligt.

Dieses Werk, und das ist bemerkenswert, wurde als erstes Buch über die Lewis- & Clark-Expedition bereits 1807 in den USA veröffentlicht. Reiseberichte waren zu dieser Zeit beim Lesepublikum sehr gefragt, weshalb kurz darauf bereits die ersten Veröffentlichungen in England und eine Übersetzung ins Französische folgten. Die französische Ausgabe bildete die Übersetzungsgrundlage für die hier vorliegende und 1814 erstmals veröffentlichte deutsche Ausgabe. Das ist bei der Lektüre auch gut zu bemerken, weist sie doch viele Fehler auf, die nur aufgrund missverständlicher Übersetzung entstanden sein konnten. Warum man das Werk nicht direkt aus dem englischsprachigen Original übersetzte, entzieht sich meinem Wissen…

Wie auch immer, dieses Tagebuch bietet grundsätzlich keine grossen Abweichungen zum oben beschriebenen Reisebericht der beiden Expeditions-Führer. Dennoch ist es lesenswert, da Patrick Gass die Reise aus der Sicht eines Untergebenen beschreibt - und das hat oft seinen unbestreitbaren Reiz. Die unterschiedlichsten Notlagen, in die der Trupp immer wieder geriet, werden durch Sergeant Grass noch unmittelbarer und direkter beschrieben, als in den etwas distanzierter geführten Tagebüchern von Lewis und Clark. Allerdings wurde Gass’ Tagebuch vor der Veröffentlichung durch den Verlag stark bearbeitet, was der Grund dafür sein dürfte, dass ihm der Charme, den die Lewis-& Clark-Tagebücher verströmen, deutlich abgeht.

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cc Autor: Maximilian Dörrbecker via Wikipedia

Originaltitel: A Journal of the Voyages and Travels of a Corps of Discovery

Originalverlag: Mathew Carey, Philadelphia
Erstveröffentlichung: 1807
Sprache: Englisch
Land: USA

Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Ph. Ch. Weyland (1814)

Verlag: Verlag Für Amerikanistik, Wyk auf Föhr
Jahr: 1998
Verarbeitung: Baiger Leineneinband mit Fadenheftung, gestrichenem Papier und Schutzumschlag.
Einbandgestaltung: Dietmar Kuegler
Nachwort: Dietmar Kuegler
Limitierte Auflage (300 Expl.): Nr. 83
Seiten: 199

Verarbeitungsqualität (1-10): 7

ISBN: 3-89510-054-4

Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht / Tagebuch

Literarischer Anspruch (1-10): 3

Handlungsorte:

  • St. Louis, Missouri, USA
  • Missouri River, USA
  • Rocky Mountains, USA
  • Yellowstone River, USA
  • Columbia River, USA


Thema: Expeditionsreise

Schlagwörter: Forschungsreise / Flussreise / Expedition / Entdeckung / Forschung / Indianer / Völker / Kielboot / Handel / Überleben

Graham Greene

Reise ohne Landkarten

Reisezeit: 1935
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Bei „Journey Without Maps“, so der Originaltitel, handelt es sich um einen Reisebericht des bekannten Romanciers Graham Greene, der 1935 während vier Wochen ca. 600 Kilometer durch das Landesinnere von Liberia wanderte.
Auf der Suche nach Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ verliess er die Zivilisation und durchstreifte das liberianische Hinterland, das praktisch noch nicht kartografiert war. Es blieb Greene nichts anderes übrig, als sich auf lokale Führer und ortsansässige Ausländer zu verlassen, was zu vielen unfreiwilligen Abenteuern führte.

Mit von der Partie war Greenes Cousine Barbara Greene, die mit ihm das Schiff in Liverpool bestieg und sich auf dieses ungewisse Abenteuer einliess.
Die zwei fuhren auf der „Livingston“ bis zur Hafenstadt Freetown in Sierra Leone. Von dort ging die Reise weiter mit dem Zug bis zur liberianischen Grenze. Hier heuerte Graham Greene Träger und einen Koch an und zusammen begab man sich ohne Landkarten und ohne genauere Vorstellung, was zu erwarten wäre, über die Grenze.
Die Reise durch die weissen Stellen der Landkarten wurden anfänglich zum Zivilisationsschock. Das Zusammentreffen mit unterschiedlichsten Kulturen und Völkern barg viele Herausforderungen für Greene. Ein abwechslungsreicher und gleichzeitig eintöniger Marsch durch Dschungel und Hochebenen begann, der von beglückenden, erheiternden wie auch frustrierenden Momenten durchzogen war.

Die Gruppe traf auch auf Weisse, amerikanische und englische Missionare, einen deutschen Abenteurer sowie Goldsucher.
Am interessantesten zu lesen sind jedoch die Beschreibungen über das Zusammentreffen mit den lokalen Würdenträgern und ihren Völkern. In den meist sehr abgelegenen und primitiven Dörfern hatte man zuvor kaum Weisse zu Gesicht bekommen, und dementsprechend aufsehenerregend war das Erscheinen von Graham Greene und seiner Cousine.
Greene beschreibt in einer einfachen, guten Sprache das Gesehene und Erlebte, die sehr mangelhafte Gesundheitsversorgung beispielsweise und die daraus resultierenden unzähligen Krankheiten.
Einer der Höhepunkte der Reportage ist das Zusammentreffen mit Oberst Elwood Davis, einem ehemaligen Angehörigen der US-Streitkräfte, der von der liberianischen Regierung angeheuert worden war, um im liberianischen Hinterland die Aufstände verschiedener Volksgruppen niederzuschlagen. Davis nistete sich danach in der Region ein und beherrschte grosse Gebiete über Jahre hinweg als eine Art Warlord. Graham Greene ist sichtlich beeindruckt von dieser vordergründig sehr höflichen und zuvorkommenden Erscheinung, lässt aber zwischen den Zeilen auch in die Abgründe blicken.

Graham Greenes Werk ist ein Reisebericht mit viel Authentizität und Lakonie. Obwohl Greene ein sehr nüchterner Mensch war, ist deutlich zu spüren, wie ihn die Mystik verschiedener afrikanischer Riten und Gebräuche fasziniert und beeindruckt haben. Greene selber kam bei seiner ersten Reise ausserhalb Europas beinahe ums Leben und wurde durch das Erlebte nachhaltig geprägt - und seine Cousine, die in seinem Werk übrigens kaum Erwähnung findet, schrieb 1938 ihre eigenen Memoiren über diese Reise, mit dem alles erahnenden Titel: „Too Late to Turn Back“…

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© 2015 Karte bei Liebeskind Verlag, München / Fotografie und Bearbeitung T. S. Tubai 2017

Originaltitel: Journey without maps

Originalverlag: William Heineman, London
Erstveröffentlichung: 1936
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Michael Kleeberg

Verlag: Liebeskind, München
Jahr: 2015
Verarbeitung: Halbleinen Einband mit Leimbindung, bordeauxrotem Vorsatz und Lesebändchen
Einbandgestaltung: Marc Müller-Bremer, München
Seiten: 367

Verarbeitungsqualität (1-10): 6

ISBN: 978-3-95438-041-1

Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht / Erinnerung

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte:

Freetown, Sierra Leone
Monrovia, Liberia
Liberia
Französisch Guinea

Thema: Afrikareise

Schlagwörter: Liberia / Afrika / Reise / Ungeziefer / Krankheit / Warlord / Fussmarsch / 1935 / Politik

Harold Nicolson

Reise nach Java

Reisezeit: 1957
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Harold Nicolson erhält 1956 zu seinem 70. Geburtstag von 250 Freunden und Bekannten eine Schiffsreise nach Java geschenkt.
Ein Jahr später macht er sich zusammen mit seiner Frau Vita Sackville-West auf die Reise. Sie besteigen in Southampton das Kreuzfahrtschiff Willem Ruys, mit dem sie via Ostende nach Kapstadt, über Colombo und Singapur zum Zielhafen auf Java (Jakarta) fahren. Während der Reise führt Harold Nicolson gewissenhaft Tagebuch.

Nicolson beschreibt das gemächliche Leben auf See. Er liest Rousseau, Amiel, Novalis, Byron und Kafka, um das Problem der grundlosen Melancholie zu studieren.
Seine Beschreibungen und Skizzen diverser Menschen an Bord wechseln sich ab mit faszinierenden Meeres- und Landschaftsbeschreibungen, auch die politischen Geschehnisse werden von Nicolson weiter verfolgt und kommentiert.
Es handelt sich bei „Reise nach Java“ demzufolge um keinen klassischen Reisebericht. So erfährt der Leser wesentlich mehr über die politischen Verhältnisse in Grossbritannien und über das bewegte Innenleben des Verfassers, als über die Reiseregionen, die gerade durchquert werden. Die fremden Gestaden bilden gewissermassen eine exotische Kulisse, vor der die innere Reise von Harold Nicolson ausgebreitet wird. Es ist kein Buch für Geografen, sondern für Literaten oder Menschen, die sich für die Kultur und Politik der 50er-Jahre interessieren.

Ein wunderschönes, harmonisches und satirisches Buch, bei dem auch der Intellekt nicht zu kurz kommt. Harold und seine Frau Vita haben die Reise sehr genossen, was in Harolds Bordtagebuch gut zu spüren ist. Harold schrieb später über diese Schiffsfahrt: „Der Grosszügigkeit meiner Freunde verdanke ich zwei der schönsten Monate, die ich in einem Leben völlig unverdienten Glücks je genossen habe…“ - dem ist nichts hinzuzufügen.

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© 2017 Reiseroute erstellt durch T. S. Tubai

Originaltitel: Journey to Java

Originalverlag: Constable & Co. Lmt., London
Erstveröffentlichung: 1957
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Jutta und Theodor Knust

Verlag: Langen-Müller, München
Jahr: 1958
Verarbeitung: Beiger Leineneinband mit Fadenheftung und Schutzumschlag
Einbandgestaltung: Langen-Müller Verlag
Seiten: 343

Verarbeitungsqualität (1-10): 7

ISBN: Keine

Literarische Gattung: Sachbuch / Reisetagebuch

Literarischer Anspruch (1-10): 8

Reiseroute:

Southampton, England
Gran Canaria, Spanien
Kapstadt, Südafrika
Colombo, Sri Lanka
Singapur
Java (Jakarta), Indonesien

Thema: Schiffsreise

Schlagwörter: Literatur, Meer, Menschen, Philosophie, Reisen, Entspannen, Kultur, Länder, Südostasien, Schriftsteller, Ehe

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