Ambrose Bierce

Geschichten aus dem Bürgerkrieg

1891
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Bierce, der selber im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861-1865 dabei war, beschreibt hier in einer Sammlung von kurzen Erzählungen, die Schrecken und Grauen des Krieges - einer der ersten "modernen" Kriege. Bierce ist ein Meister der kurzen Prosa und versteht es, virtuos den Leser in kürzester Zeit in eine Geschichte hinein zu ziehen. Nicht umsonst werden seine Erzählungen auch heute noch immer wieder gerne in Filmen verarbeitet. So zum Beispiel die in diesem Werk ebenfalls enthaltene Geschichte: "Der Reiter vor dem Himmel", die als Anfang des Filmes "Der mit dem Wolf tanzt" verwendet wurde. Freilich kommt der Held in Bierce Geschichte nicht so glimpflich davon und überlebt seinen "Husarenritt" nicht...
Eine der besten und gleichzeitig erschütterndsten Erzählungen ist "Chickamauga". Die Schlacht am Chickamauga Creek von 1863 war eine der schwersten Niederlagen der Unionstruppen und gleichzeitig eine der blutigsten des ganzen Krieges (ca. 34000 Tote). Bierce beschreibt einen kleinen Jungen, der in der Abenddämmerung durch eine Wald spaziert und dabei auf seltsame Wesen stößt, die er erst gar nicht als Menschen wahrnimmt. Hunderte von kriechenden und stöhnende Soldaten (Unionstruppen auf dem Rückzug). Der Junge hält das ganze für eine Spiel und setzt sich sogar auf einen der Soldaten drauf. Er folgt dem traurigen Zug bis er wieder zu seinem Heim gelangt - das er allerdings zerstört vorfindet. Wie Bierce eine Schlacht beschreibt, ohne sie eigentlich in der Erzählung stattfinden zu lassen, ist genial. Das Grauen dann auch noch aus der Perspektive eines Kindes darzustellen, ist ein typisch biercescher Einfall.
Trotz aller Schrecken, die diese Erzählungen beschreiben, macht sie Bierces lakonischer und spannender Schreibstil zu einem Erlebnis.
Bierce selber nahm später auch noch am mexikanischen Bürgerkrieg teil, aus dem er nicht zurückkehrte - wo und wie er genau umgekommen ist, wurde bis heute nicht geklärt - so endete auch sein Leben wie eine seiner "Bürgerkriegs-Geschichten".

Der Sammelband beinhaltet folgende Stories:

  • Ein Reiter vor dem Himmel
  • Ein Vorfall an der Owls-Creek-Brücke
  • Chickamauga
  • Ein Sohn der Götter
  • Einer der Vermissten
  • Tot bei Resaca
  • Das Gefecht bei Coulter’s Notch
  • Der Gnadenstoss
  • Parker Adderson, Philosoph
  • Ein Vorpostengefecht
  • Die Geschichte eines Gewissens
  • Eine Sorte Offizier
  • Ein Offizier, ein Mann
  • George Thurston
  • Die Spottdrossel
  • Ein harter Strauss
  • Eine fortgeführte Identität
  • Ein Mann mit zwei Leben
  • Drei und eins sind eins
  • Ein vereitelter Hinterhalt
  • Zwei standrechtliche Erschiessungen
  • Die Mitbewohner
  • Jupiter Doke, Brigadegeneral
  • Die Geschichte des Majors
  • Ein Biwak der Toten

Originaltitel: Tales of Soldiers and Civilians

Originalverlag: E. L. G. Steele, San Francisco, Kalifornien
Erstveröffentlichung: 1891
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe:

Übersetzung ins Deutsche durch: Jan-Wellem van Diekmes

Verlag: Haffmans Verlag, Zürich
Jahr: 1989
Verarbeitung: Halbleineneinband mit Fadenheftung, schwarzem Kopfschnitt und blauem Vorsatzblatt.
Seiten: 255

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 3-251-20033-X

Literarischer Anspruch: 6

Literarische Gattung: Belletristik / Kurzgeschichten

Thema: Krieg

Schlagwörter: Bürgerkrieg / Not / Psychologie / Sezessionskrieg / Schicksale / USA / Satire

24. Juni 1842 in Meigs County, Ohio, USA

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ca. 1914 verschollen in Mexico

Ambrose Gwinnett Bierce war ein amerikanischer Journalist und Schriftsteller.
Bierce war ein Meister der Kurzprosa, in der es schaffte, mit satirischer, präziser Sprache eine Geschichte auf den Punkt zu bringen.
Ambrose Bierce nahm am amerikanischen Bürgerkrieg teil. 1914 verschwand er in den Wirren der mexikanischen Revolution. Weder der Ort noch die genauen Umstände seines Todes sind bis heute bekannt…

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Public Domain: Ambrose Bierce 7. Oktober 1892

H. G. Wells

Tono-Bungay

1909
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Was H. G. Wells hier vor nun mehr guten 100 Jahren schrieb, ist an Aktualität kaum zu überbieten. Sozial- und gesellschaftskritisch nimmt er Scharlatane aufs Korn, die die naive Gutgläubigkeit anderer schonungslos ausnutzen und ihren Profit daraus schlagen - und das solange, bis es zum Crash kommt und alle ihr Geld verlieren. Die Parallelen zur unlängst vergangenen Wirtschafts-/Banken-Krise ist derart frappant, dass man sich als Leser verwundert die Augen reibt und kaum glauben kann, wie weitsichtig Wells schon damals war - aber vielleicht lernen die Menschen ja auch einfach nichts dazu...

Ein sprachliches und dramaturgisches Meisterwerk, das mit viel Ironie und Schonungslosigkeit die Schwächen und Unzulänglichkeiten der freien Marktwirtschaft aufzeigt.

George Ponderevo, ein geschickter Geschäftsmann und Erfinder, entwickelt ein Wundermittel: Tono-Bungay. Unter Zuhilfenahme aller Möglichkeiten und grossen Werbekampagnen wird Tono-Bungay als Heilmittel gegen alles und jedes angepriesen.
In Wirklichkeit ist es jedoch völlig wirkungslos.
Ponderevo wird reich und reicher, baut sich ein riesiges Wirtschaftsimperium auf, das schlussendlich wieder zusammenbricht und die ganze Welt in eine Wirtschaftskrise stürzt.

Originaltitel: Tono-Bungay

Originalverlag: Macmillan Publishers Ltd, London
Erstveröffentlichung: 1909
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Grit Zoller / Heinz von Sauter

Verlag: Ullstein Verlag, Frankfurt am Main
Jahr: 1983
Verarbeitung: Taschenbuch mit Leimbindung
Seiten: 440

Verarbeitungsqualität (1-10): 3

ISBN: 3-548-20259-4

Literarische Gattung: Roman / Utopischer Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 4

Handlungsorte: England

Thema: Betrug / Leichtgläubigkeit

Schlagwörter: Heilmittel / Handel / Wirtschaft / Sozialismus / Kapitalismus / Markt / Verkauf / Geschäft / Geld

21. September 1866 in Bromley, England

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13. August 1946 in London, England

Herbert George Wells war ein englischer Schriftsteller, der vor allem durch seine weitsichtigen und zuweilen auch sozialkritischen Science-Fiction-Werke bekannt wurde. Zu einem seiner bedeutensten Werke gehört der Roman „Die Zeitmaschine“ von 1895.
Wells schrieb auch viele Gesellschaftsromane und Sachbücher, die leider grösstenteils nie ins Deutsche übersetzt worden sind…

H. G. Wells studierte Physik, Chemie, Geologie, Astronomie und Biologie, ohne diese Studien jedoch abzuschliessen. Sein umfangreiches naturwissenschaftliches Wissen liess er gekonnt in seine Werke einfliessen.

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Artur Landsberger

Liebe und Bananen

Eine wilde Sache (1927)
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„Liebe und Bananen“ ist ein sogenannter Filmroman. Eine Gattung, die in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts gross in Mode war. Die Handlung wird als Film-Inszenierung in Romanform wiedergegeben, wobei die Sprache dem zeitgenössischen Unterhaltungsroman entspricht, die Erzähltechnik sich jedoch mehr der Filmtechnik bedient. Schnelle Szenenwechsel, schlagfertige Dialoge und spannungshebende Schnitte sind es denn auch, die diesen wunderbaren und urkomischen Filmroman auszeichnen.
Auffallend sind zu Beginn die witzigen Dialoge, die den etwas einfach gestrickten Handlungsverlauf bei weitem auffängt. Die Protagonisten waren zur damaligen Zeit allgemein bekannte Persönlichkeiten aus der Berliner Film-Szene. Auch wenn diese Schiene beim heutigen Publikum natürlich nicht mehr zieht, gibt es genug anderes, über das sich der Leser amüsieren kann.
Einfache Unterhaltung könnte man meinen, wären da nicht der immerwährende subversive Unterton und die intelligenten Anspielungen, die dem Werk ungeahnte Untiefen bescheren.
Wäre es tatsächlich ein Film, würde man ihn wohl ins Genre der Screwball-Komödien einreihen.

Artur Landsberger war nicht nur ein sehr bekannter Autor anfangs des 20. Jahrhunderts, sondern ab 1913 auch als Drehbuchautor sehr gefragt. Wie er diese beiden Kunstformen miteinander verwoben hat, ist ganz grosses Kino, pardon, ich meinte natürlich Literatur!

Eine kleine Warnung muss ich aber noch aussprechen: Sie sollten dieses Buch nicht im Zug oder allgemein in der Öffentlichkeit lesen, Ihr anhaltendes Lachen könnte die anderen Leute irritieren…


Grossimporteur Sülstorff aus Hamburg hat einen finanziellen Engpass und kann aus diesem Grund die ausstehenden Rechnungen beim Plantagenbesitzer Paul G. Olem nicht fristgerecht begleichen. Olem stoppt daraufhin seine Bananenlieferungen aus Sumatra. Das hat natürlich Auswirkungen: Die Hafenarbeiter in Hamburg bangen um ihre Existenz, Sülstorffs Sohn, der „schöne Harry“, soll nun endlich sein Flohnerleben, das er auf Kosten seines Vaters führt, einstellen und in der Firma mit anpacken, und auch der Berliner Obsthändler Max Pika sieht den ausbleibenden Bananenlieferungen mit Sorge entgegen.
Als sich Djojo, die Tochter des Plantagenbesitzers, auf den Weg nach Berlin macht, um sich mit Harry Sülstorff zu treffen, gerät die Geschichte ausser Kontrolle - aus einem einfachen Bananenengpass entwickelt sich eine handfeste Staatskrise…

Originaltitel: Liebe und Bananen

Originalverlag: Neue Berliner Verlagsgesellschaft
Erstveröffentlichung: 1927
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland

Meine Ausgabe:

Verlag: Weidle Verlag, Bonn
Jahr: 2006
Verarbeitung: Hardcovereinband mit Schutzumschlag und Fadenheftung
Seiten: 267 (inkl. Nachwort)
Nachwort: Till Barth

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 3-931135-95-X

Literarische Gattung: Roman / Filmroman

Literarischer Anspruch (1-10): 4

Thema: Liebe / Gesellschaft / Film

Schlagwörter: Bananen / Berlin / Sumatra / Schauspieler / 1920er / Heirat / Liebe / Humor

26. März 1876 in Berlin, Deutschland

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04. Oktober 1933 in Berlin, Deutschland

Artur Hermann Landsberger war ein deutscher Schriftsteller sowie Literatur- und Filmkritiker.
Landsberger studierte Jura und gründete 1907 die Zeitschrift „Morgen“, für die namhafte Autoren wie Rainer Maria Rilke, Frank Wedekind oder Gerhard Hauptmann schrieben.
Zu seinen Lebzeiten war Artur Landsberger einer der bekanntesten und meistgelesenen Autoren. Heute kennt ihn bedauerlicherweise kaum noch jemand…

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Heinrich Hauser

Brackwasser

1928
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Das verzweifelte Ringen zweier Menschen um ihre Existenz und die Zerrissenheit zwischen Meer und Binnenland hat Hauser mit seiner expressionistischen Sprache ergreifend und spannend wiedergegeben.
Dieser kleine Roman, der heute kaum noch bekannt ist, gehört für mich mit zum Besten, das die deutsche Literatur hervorgebracht hat.

Der junge deutsche Matrose Glenn verliebt sich auf einer seiner Seereisen in Mexiko in die Prostituierte Chiquita. Sie beschließen zusammen zu bleiben. Glenn nimmt sie mit nach Deutschland, wo er versucht, auf einer kleinen Ostseeinsel eine Existenz aufzubauen. Schlechter Boden und andere Schicksalsschläge vereiteln dies aber und als es ihm auch durch fischen nicht gelingt, ihr Leben zu sichern, kehren sie wieder zurück nach Hamburg. Dort heuert Glenn wieder auf einem Schiff an...

Originalverlag: Philipp Reclam Verlag Jun., Leipzig
Erstveröffentlichung: 1928
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland


Meine Ausgabe

Verlag: Philipp Reclam Verlag Jun., Leipzig
Jahr: 1928
Verarbeitung: Roter Leineneinband mit Fadenheftung
Seiten: 219

Verarbeitungsqualität (1-10): 7

Literarische Gattung: Belletristik / Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte: Mexiko / Ostsee / Meer

Thema: Liebe / Existenz

Schlagwörter: Ostsee / Insel / Existenz / Verlust / Seemann / Fremde / Meer

27. August 1901 in Berlin, Deutschland

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25. März 1955 in Diessen am Ammersee, Deutschland

Heinrich Hauser war ein deutscher Seekadett, Schriftsteller, Journalist, Fotograf und Weltreisender. Er lebte von 1938-1948 in den USA.
Hauser war ein prägender Autor der Neuen Sachlichkeit und verfasste etliche Romane, Reiseberichte und Essays. Zu seinen bedeutendsten Werke gehören: „Brackwasser“ (1928), „Die letzten Segelschiffe“ (1930), „Donner überm Meer“ (1931) und „Feldwege nach Chicago“ (1931).

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Thomas Wolfe

Schau heimwärts, Engel!

1929
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Es ist kein Zufall, dass der Erzähler Eugene Gant und der Autor im selben Jahr (1900) geboren wurden. „Schau heimwärts, Engel“ ist ein stark autobiografischer Roman – oder müsste man besser sagen Epos? Denn wir haben es hier ohne Frage mit einem gewaltigen und imposanten Familienepos zu tun. Eine Geschichte, die gleichzeitig auch ein Abbild der US-amerikanischen Gesellschaft im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts darstellt.

Die Geschichte zeichnet sich durch einen gewaltigen Hunger nach Wissen und Leben aus, eine Entwicklungsgeschichte, die alles abdeckt, was vorstellbar ist. Die Handlung ist tieftraurig, mitreissend und grotesk komisch zugleich. Die Figuren sind, obwohl sie zuweilen stark überzeichnet erscheinen, aus dem Leben gegriffen und psychologisch unglaublich gut getroffen. Gleichzeitig ist „Schau heimwärts, Engel“ auch ein intellektueller Roman, denn die Seiten sind gespickt mit Andeutungen, Zitaten und Vergleichen aus der klassischen Literatur; vor allem Shakespeare wird oft bemüht und zitiert. Thomas Wolfes Belesenheit wird dem Leser auf jeder Seite deutlich.

Die Handlung ist episodenhaft aufgebaut und wirkt stellenweise wie aneinandergereihte Short-Stories. Genau diese Technik verleiht dem Roman seinen Schwung und erzählerische Raffinesse. Trotz der zuweilen stark verfremdeten Sprache, die den Alltag mitunter romantisiert wiedergibt, entsteht ein unglaublich eindrückliches Familienportrait und gleichzeitig eine der mitreissendsten und anrührendsten Adoleszenzgeschichten, die ich je gelesen habe. Ähnlich wie gewisse Werke von Hermann Hesse oder Jerome David Salinger vermag Thomas Wolfes Roman eher ein jugendliches Gemüt anzusprechen - die literarische Qualität und epische Opulenz jedoch sind zeitlos…

Die Geschichte beginnt zwei Generationen bevor der eigentliche Protagonist und Erzähler Eugene Gant in Erscheinung tritt. 1900 geboren, erzählt Eugene von seiner Kindheit mit der grossen Geschwisterschar, dem gescheiterten Vater, der sich immer wieder übermässig dem Alkohol hingibt und sich gleichzeitig in einem Dauerkrieg mit seiner dominanten und ehrgeizigen Frau, Eugenes Mutter, befindet. Auf der Flucht vor seiner erdrückenden Familie wendet sich Eugene der Literatur zu. Er liest alles, was er in seinem Zuhause finden kann, durchkämmt danach die örtliche Bibliothek. Beim Abtauchen in diese friedliche Welt des Wissens und der Antworten wird Eugene jedoch bald durch die Wirklichkeit eingeholt: Es muss Geld verdient werden. Eugene ist auf der Suche nach dem Sinn in seinem Leben und weiss, dass er ihn nicht zwischen der überbordenden Vitalität seines Vaters und seiner Verbundenheit zur Mutter finden wird: Sein Fernweh treibt ihn davon…

Originaltitel: Look Homeward, Angel – A Story of the Burried Life

Originalverlag: Charles Scribner's Sons, New York City
Erstveröffentlichung: 1929
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Hans Schiebelhuth

Verlag: Ernst Rowohlt, Reinbek bei Hamburg
Jahr: 1986
Verarbeitung:
Blauer Pappeinband mit schwarzem Kapitalband, Leimbindung und Schutzumschlag.
Einbandgestaltung: Rowohlt
Seiten: 712

Verarbeitungsqualität (1-10): 5

ISBN: 3-498-07308-7

Literarische Gattung: Bildungsroman

Literarischer Anspruch (1-10): 7

Handlungsorte: Asheville, North Carolina, USA

Thema: Familiengeschichte

Schlagwörter: Familie / Lebenserinnerungen / Kindheit / Eltern / Vater / Mutter / Entwicklung / Erinnerung

03. Oktober 1900 in Asheville, North Carolina, USA

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15. September 1938 in Baltimore, Maryland, USA

Thomas Clayton Wolfe war ein US-amerikanischer Schriftsteller.
Wolfe verfasste vier monumentale Romane sowie viele Kurzgeschichten, Theaterstücke und Novellen. Er verstand es meisterhaft, autobiografischen Stoff mit origineller Sprache und impressionistischen Stilelementen zu verbinden. In all seinen Werken wird auf anschauliche Weise die amerikanische Gesellschaft und der Zeitgeist dargestellt.

Trotz seiner kurzen Lebenszeit, gelang es Thomas Wolfe, zu einem der wichtigsten Vertreter der modernen amerikanischen Literatur zu werden. Er übte grossen Einfluss auf nachfolgende Schriftstellergenerationen aus. Wolfe starb, nur neun Jahre nachdem seine schriftstellerische Karriere begonnen hatte, an Gehirntuberkulose…

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Quelle: Library of Congress: Thomas Wolfe 1937

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Arthur van Schendel

Das Fregattschiff Johanna Maria

1930
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Mit einer schlichten aber sehr schönen Sprache, gelingt es van Schendel, den Leser in die Welt der Seefahrer zu entführen, wobei der ganze Roman vor allem auch durch die Stille geprägt ist. Dialoge sind selten und wenn vorhanden sehr wortkarg gehalten. Überhaupt ist das Unausgesprochene oft vielsagender als jede Erklärung.
Dieser Kontrast der Stille der Personen und Dramatik der Geschehnisse macht meiner Meinung nach die Faszination dieses Buches aus.
Zudem halte ich diese Geschichte für eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen habe. Diese Beziehung der Hauptfigur zu seinem Schiff wird derart glaubhaft und auch nachvollziehbar geschildert, dass der Leser oft vergisst, dass es sich um keine Johanna Maria aus Fleisch und Blut handelt.
Van Schendel erzählt hier nicht nur eine sehr spannende und romantische Geschichte, sondern hat durchaus auch dem harten, entbehrungsreichen Dasein der Seemänner des Segelschiffzeitalters ein sehr realistisches Denkmal gesetzt.

Dieses 1930 erstmals erschienene Werk gilt längst als Klassiker der niederländischen Literatur - ich würde es auf die Stufe der Weltliteratur heben - ein überaus lesenswertes Buch!

Was beginnt wie eine klassische Seefahrergeschichte, entwickelt sich im Laufe der Handlung zum Psychogramm einer einzelnen Figur. Jakob Brouwer, der Segelmacher der "Johanna Maria", verliebt sich in "sein" Schiff und ordnet fortan sein ganzes künftiges Leben dem Ziel unter, dieses Schiff eines Tages selbst zu besitzen. Es wird zur Obsession und die Folgen seiner Handlungen führen schlussendlich zu ganz grundsätzlichen Fragen nach dem Sinn des Lebens und den Beweggründen menschlichen Strebens.

Originaltitel: Het fregatship “Johanna Maria”

Originalverlag: Meulenhoff & Co, Amsterdam, Niederlande
Erstveröffentlichung: 1930
Sprache: Niederländisch
Land: Niederlande


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gregor Seferens (2007)

Verlag: Manesse Verlag, Zürich, Schweiz
Jahr: 2007
Verarbeitung: Orangefarbener Leineneinband mit Fadenhaftung und Schutzumschlag.
Seiten: 268

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 978-3-7175-2146-4

Literarische Gattung: Roman / Psychologischer Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 7

Handlungsorte: Meer

Thema: Seefahrt

Schlagwörter: Meer / Matrosen / Leben auf See / Psychologie / Liebe / Leidenschaft / Treue / Geschichte / Schiffe / Handel

5. März 1874 in Batavia (Jakarta), Indonesien

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11. September 1946 in Amsterdam, Niederlanden

Arthur François Emile van Schendel war ein niederländischer Schriftsteller und Verfasser von Romanen und Kurzgeschichten.
Seine besondere schriftstellerische Eigenheit ist die sprachliche Kunst, romantische Themen und Geschichten in realistischer Form wiederzugeben.

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Virginia Woolf

Die Wellen

1931
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"Die Wellen" ist ähnlich wie Joyce's „Ulysses“ oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Proust eine literarische Herausforderung für jeden Leser. Man muss sich auf diesen Text einlassen und sich blind von dieser Sprache tragen lassen. Die emotionale Tiefe und erzählerische Dichte dieses Werkes ist etwas vom Beeindruckendsten, auf das ich je gestossen bin.
Die inneren Monologe von Bernard, Louis, Neville, Rhoda, Jinny und Susan sind sehr unterschiedlich, jeder Leser wird sich mit der einen oder anderen Stimme näher verbunden fühlen.
In diesem Werk hat Virginia Woolf den Höhepunkt erreicht in ihrem literarischen Schaffen. Was sie in "Jakobs Raum" begonnen und in Werken wie "Mrs. Dolloway" und "Zum Leuchturm" weitergeführt hatte, wurde in "Die Wellen" zum krönenden Abschluss gebracht: Eines der radikalsten und zugleich besten Werke der 20. Jahrhunderts.

Eine Handlung wiederzugeben ist bei diesem Werk sehr schwierig. Das Buch besteht eigentlich nur aus Monologen der sechs Hauptfiguren. Man durchlebt, deren Kindheit, ihre Jugendzeit etc. Die Stimmen wechseln sich jeweils ab, ergänzen das Gesagte, verlaufen ineinander, beschreiben Emotionen, Erlebnisse und reflektieren Durchlebtes. Diesem Erzählstrom werden Naturelemente wie der Sonnenverlauf und eben das Brechen der Wellen am Strand gegenübergestellt...

Originaltitel: The waves

Originalverlag: Hogarth Press
Erstveröffentlichung: 1931
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Maria Bosse-Sporleder

Verlag: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
Jahr: 1991
Verarbeitung: Leineneinband mit Fadenheftung und Schutzumschlag
Einbandgestaltung: Sarah Schumann
Seiten: 262

Verarbeitungsqualität (1-10): 9

ISBN: 3-596-12184-1

Literarische Gattung: Roman / Episoden-Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 10

Handlungsort: Grossbritannien

Thema: Lebenswege

Schlagwörter: Jugend / Alter / Fremdheit / Selbsterforschung / Männer / Frauen / England / Innerer Monolog / Bewusstseinsstrom

25. Januar 1882 in London, England

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28. März 1941 bei Rodmell, England

Virginia Woolf war eine bedeutende britische Schriftstellerin und Mitglied der intellektuellen Bloomsbury Group. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die Romane "Mrs. Dalloway" (1925), "Zum Leuchtturm" (1927) und "Orlando" (1928).
Zusammen mit Ihrem Mann Leonard Woolf gründete sie 1917 den literarischen Verlag The Hogarth Press.
Virginia Woolf litt zeitlebens unter schweren Depressionen und nahm sich 1941, im Alter von 59 Jahren, das Leben.

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Willa Cather

Schatten auf dem Fels

1931
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Ich habe selten eine derart anrührende und gleichzeitig kraftvolle Geschichte gelesen. Willa Cathers besitzt ein hervorragendes Gespür für Atmosphäre. Zudem sind die Figuren, allen voran Cécile, psychologisch sehr authentisch und eindrücklich gelungen.
Die politischen Hintergründe werden nur gestreift, bilden gewissermassen eine ferne Kulisse, von der die agierenden Figuren nur am Rande betroffen sind. Im Zentrum stehen das einfache (Über)-Leben, die kleinen und grösseren Alltagssorgen der Menschen und Quebec. Cather versteht es, auf ihre gewohnt unnachahmliche Weise, ein bewegtes Bild dieser Stadt am Rande der Wildnis zu erschaffen. Gleichzeitig beschreibt sie auf eindrückliche Weise die Begegnung von Alter und Neuer Welt...

Der Roman spielt im 17. Jahrhundert in Quebec. Die Geschichte handelt von der französischen Einwandererfamilie Auclair. Im Mittelpunkt steht die zehnjährige Cécile Auclair, die sich nach dem Tod ihrer Mutter plötzlich in der Rolle der Hausfrau wiederfindet.
Ihr Vater ist Apotheker und auf seine kleine Tochter angewiesen. Zusammen versuchen sie sich mit den langen kanadischen Wintern anzufreunden und ihr Leben nach dem Tod der Mutter neu zu ordnen. Nach und nach gelingt es ihnen sich zu arrangieren.
Cécile hört spannende Geschichten über die Wildnis, der Jagd und dem Tauschhandel mit den Indianern, die sie zum Träumen bringen.
Währenddessen macht sich der Vater Sorgen, ob Quebec der richtige Ort für seine Tochter sei und nicht eine Rückkehr nach Frankreich die bessere Alternative wäre…

Originaltitel: Shadows on the Rock

Originalverlag: Alfred A. Knopf, New York
Erstveröffentlichung: 1931
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Elisabeth Schnack (1992)

Verlag: Manesse Verlag, Zürich, Schweiz
Jahr: 2009
Verarbeitung: Beigefarbener Leineneinband mit Prägung, Fadenheftung und Schutzumschlag.
Seiten: 412

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 978-3-7175-2192-1

Literarische Gattung: Roman / Historischer Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte:

Québec, Kanada
Cap Diamant, Québec City, Kanada

Thema: Siedler / Kanada

Schlagwörter: Mädchen / Kolonie / Entbehrung / Stadt / Winter / Kindheit / Vater

07. Dezember 1873 in Winchester, USA

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24. April 1947 in New York, USA

Willa Siebt Cather war eine bedeutende, amerikanische Schriftstellerin, die sich vor allem durch ihre sehr einfühlsamen und authentischen historischen Romane hervortat.
Beeinflusst durch Edith Wharton und Henry James, beschrieb sie eindrücklich das Schicksal der Kolonisten in den USA.
Zu ihren Hauptwerken gehören: „O Pioneers!“ (1913), „Meine Antonia“ (1918), „Der Tod Kommt zum Erzbischof“ (1927) und „Lucy Gayheart“ (1935).

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