Ich muss gestehen, dass ich eigentlich kein grosser Krimi-Leser war. Lange habe ich sogar nur die Krimis gelesen, die ich als Buchhändler eben lesen musste.
Erst viel später habe ich dann entdeckt, dass es nicht die Krimis an sich sind, die mich langweilten, sondern deren einfallslose Ableger in der Gegenwart. Seither bin ich ein begeisterter Leser der Kriminalklassiker. Eine kleine Auswahl meiner persönlichen Highlights finden sie unter dieser Rubrik.

Wilkie Collins

Der Monddiamant

1868
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Wilkie Collins war ein Zeitgenosse und enger Freund von Charles Dickens. Während Dickens heute zu den grossen Klassiker der viktorianischen Literatur gehört und allgemein bekannt ist, kennt man Wilkie Collins kaum noch – sehr zu Unrecht, wie ich hier anfügen möchte! Hat er doch gewissermassen den Detektiv-Roman erfunden und ist somit als direkter Vorläufer von Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes) und Gilbert K. Chesterton (Pater Brown) zu sehen.
Sämtliche Anlagen dieses Genres sind im spannenden Kriminalroman „Der Monddiamant“ bereits enthalten.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln, und mit der jeweiligen Eigenheit des entsprechenden Person versehen, erzählt. Das trägt sehr zur Lebendigkeit der Handlung bei. Jede Person verfasst einen Bericht mit ihrer ganz eigenen Wahrnehmung der Geschehnisse, und nur der Leser als Empfänger aller Berichte, gelangt so nach und nach ins Bild der Ereignisse in jener Nacht, als der Stein verschwand…
Das ist erzähltechnisch hervorragend umgesetzt, spannend und mitreissend zugleich.
Mit der zentralen Figur der Rachel Verinder hat Wilkie Collins zudem eine, für das viktorianische Zeitalter, starke und selbstbestimmende Frauenfigur geschaffen, mit der er seiner Zeit ebenfalls einiges voraus war.
Sprachlich bewegt sich Collins auf sehr hohem Niveau. Man könnte hier durchaus von Sprachkunst sprechen. Ähnlichkeiten mit seinem berühmten Freund Dickens sind augenfällig, vor allem was den ironischen Unterton anbelangt.

Kurz: Wenn Sie Kriminalliteratur lesen, müssen Sie auch Wilkie Collins lesen, da bin ich jetzt mal kompromisslos…

Der britische Offizier John Herncastle erbeutet, während der Erstürmung der indischen Stadt Srinrangapattam im Jahre 1799, einen wertvollen Diamanten. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um einen Stein aus einer indischen Mondgott-Statue, der im 12. Jahrhundert gestohlen worden war. Seither versuchten Generationen von brahmanischen Priestern, den wertvollen Stein wieder zurückzuholen…
John Herncastle kehrt mit seiner wertvollen Beute nach England zurück, verbringt aber die Zeit bis zu seinem natürlichen Tode in Angst, von den indischen Priestern gefunden und ermordet zu werden.
Aus Rache an seiner Familie, die ihn wegen seines unmoralischen Lebenswandels geschnitten hatte, vermacht er den fluchbeladenen Stein Rachel Verinder, der Tochter seiner Schwester.
Doch noch in der Nacht der Übergabe verschwindet der Stein spurlos. Alle Versuche, dem mysteriösen Verschwinden auf die Spur zu kommen, bleiben erfolglos. Dass sich Rachel Verinder zudem äusserst merkwürdig verhält, macht den Fall noch rätselhafter. Da die örtliche Polizei nicht weiter kommt, bittet man Inspektor Cuff von Scotland Yard um Hilfe, doch der würde sich eigentlich lieber um seine Rosen kümmern…

Originaltitel: The Moonstone

Originalverlag: Tinsley Brothers, London, England
Erstveröffentlichung: 1868
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gisela Geisler

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main
Jahr: 2012
Verarbeitung: Bedruckter Leineneinband mit Leimbindung.
Einbandgestaltung: Katja Holst
Seiten: 608

Verarbeitungsqualität (1-10): 5

ISBN: 978-3-7632-6583-1

Literarische Gattung: Roman / Briefroman / Kriminalroman / Detektiv-Roman

Literarischer Anspruch: 7

Handlungsorte:

Shrirangapattana, Karnataka, Indien
Yorkshire, England
London, England

Thema: Diebstahl

Schlagwörter: Erbschaft / Geheimnis / Fluch / Detektiv / Erinnerung / Vergangenheit / Liebe

08. Januar 1824 in London, England

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23. September 1889 in London, England

Wilkie Collins war ein englischer Schriftsteller und gilt als einer der Erfinder des englischen Kriminalromans.
Collins arbeitete lange Jahre mit Charles Dickens zusammen für dessen Zeitschrift „Household words“.
1856 veröffentlichte Wiklie Collins mit „The Dead Secret“ seinen ersten Roman und wurde innert kürzester Zeit zu einem der meistgelesenen Autoren Englands. Seine Detektivgeschichten gelten bis heute als wegweisend für das ganze Genre.

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Arthur Conan Doyle

Eine Studie in Scharlachrot

1887
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Hatten wir weiter oben mit Wilki Collins den Begründer des Detektivromans kennen gelernt, so haben wir hier mit Sir Arthur Conan Doyle den ersten Erneuerer dieses Genres.
War es bei Collins und anderen Zeitgenossen noch häufig eine Art Stochern im Heuhaufen, übernahm in Conan Doyles Werk zum ersten Mal die Wissenschaft das Ruder. Messerscharfe Deduktion und minuziöse Beobachtung des Tatortes zeichnen diesen modernen Detektiv aus. Entstanden ist eine Figur, der wir auch heute noch in unzähligen Romanen oder TV-Serien begegnen.
In der Tat ist „Eine Studie in Scharlachrot“ der erste von vier Sherlock-Holmes-Romanen, in dem schon alles angelegt ist, das wir in späteren Werken wieder finden können.

Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Während der erste Teil den Mord und die Ermittlungen dazu schildert, wird im zweiten Teil die Vorgeschichte, wie es zu dieser Tat hatte kommen können, aufgerollt.
Das Ganze ist nicht nur erzähltechnisch sehr spannend gemacht, sondern erlangt durch die (fiktive) Berichterstattung Dr. Watsons eine zusätzliche Glaubhaftigkeit.

Sir Arthur Conan Doyle konnte damals sicher nicht ahnen, was für einen gewaltigen Stein er mit diesem Roman ins Rollen gebracht hatte. Für unzählige Romane, Hörspiele oder Verfilmungen wurde auf dieses Werk zurückgegriffen, und es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass „Eine Studie in Scharlachrot“ das Genre des Detektivromans revolutionierte…

Dr. Watson, ein Armeearzt, kehrt 1881 aus dem Afghanischen Krieg zurück. Geplagt von einer Kriegsverletzung und finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, sucht er eine günstige Unterkunft in London. Zufällig erfährt er von einem alten Studienkameraden, dass ein gewisser Sherlock Holmes auf der Suche nach einem Zimmergenossen sei.
Kurzentschlossen ziehen die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere zusammen in die Baker Street 221B.
Bald schon wird Watson klar, dass Holmes in gewissen Gebieten ein ausserordentliches Wissen besitzt. Er betreibt chemische Experimente und scheint sich in kriminalistischen Dingen ausgesprochen gut auszukennen.
Watson erfährt, dass Sherlock Holmes gelegentlich vom Scotland Yard als „Beratungsdetektiv“ engagiert wird.
Eines Tages wird in der Prixton Road die Leiche eines Amerikaners namens Enoch J. Drebber gefunden. Der Täter hatte nach der Ermordung Drebbers mit Blut das deutsche Wort „Rache“ an die Wand geschmiert. Die Polizei steht vor einem Rätsel.
Als Holmes und Watson am Tatort erscheinen, ist für Holmes schnell klar, was hier geschehen sein musste. Nur alle anderen haben Mühe, seinen deduktiven Gedanken zu folgen…

Originaltitel: A Study in Scarlet

Originalverlag: Wird Lock & Co, London
Erstveröffentlichung: 1887 (Zeitschrift) 1888 (als Buch)
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gisbert Haefs

Verlag: Haffmans Verlag, Zürich
Jahr: 1984
Verarbeitung: Bedruckter Pappeinband mit Leimbindung.
Einbandgestaltung: Tatjana Hauptmann
Seiten: 156

Verarbeitungsqualität (1-10): 4

ISBN: 3-251-20100-X

Literarische Gattung: Roman / Detektivroman / Kriminalroman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte:

London, England
Salt Lake City, Utah, USA

Thema: Rache

Schlagwörter: Sherlock Holmes / Dr. Watson / Ermittlung / Deduktion / Mord / Gift / Mormonen / Vergeltung

22. Mai 1859 in Edinburgh, Schottland

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07. Juli 1930 in Crowborough, Sussex, England

Arthur Ignatius Conan Doyle war ein schottischer Arzt und Schriftsteller.
Bekanntheit erlangte Conan Doyle vor allem durch seine Sherlock-Holmes-Romane und Erzählungen, darüber hinaus schrieb er unzählige historische Romane, Fantasieromane und Sachbücher zu verschiedenen Themen.
Ohne Frage hat Conan Doyle mit seiner Figur des Sherlock Holmes und dessen helfenden Hand Dr. Watson das Kriminalroman-Genre revolutioniert und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Er hat damit eine kriminalistische Vorgehensweise vorweggenommen, die heute zum Alltag gehört, sei es in Romanen, TV-Serien, Spielfilmen – oder der effektiven Polizeiarbeit.

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Theodore Dreiser

Eine amerikanische Tragödie

1925
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Die Story klingt verrückt, wie kommt ein junger, unbescholtener Mann dazu, sich mit dem Gedanken und schließlich sogar der Ausführung eines Mordes an seiner Freundin zu beschäftigen, nur weil sie seinem gesellschaftlichen Aufstieg und seinen Karriereplänen im Weg steht.
Was anfängt wie eine ganz normale Sozialstudie, wächst sich zu einem handfesten Krimi, am Ende sogar Thriller aus. Dreisers Kritik an Karrieren-Gesellschaft und Materialismus ist durchaus auch heute noch als modern zu bezeichnen.
Die psychologische Genauigkeit, mit der er die Handlung vorantreibt, mag bei einem heutigen Leser zuweilen die Geduld strapazieren, ist aber in ihrer Kohärenz einzigartig und beeindruckend. Es gibt wenig Romane, die es an Spannung und psychologischer Raffinesse mit diesem Werk aufnehmen können.

Clyde Griffiths wächst in einer sehr religiösen, armen Familie auf. Kaum erwachsen versucht er sich gesellschaftlich zu verbessern, sich hochzuarbeiten.
Er gelangt so zu seinem Onkel Samuel Griffiths, einem sehr wohlhabenden Fabrikanten, der ihm in seiner Kragenfabrik eine Anstellung gibt. Clydes Versuche, sich in die ihm fremde "bessere Gesellschaft" einzuleben, gelingen nur zaghaft.
Er verliebt sich in die arme Arbeiterin Sondra, die er aber vor seiner Verwandtschaft versteckt aus Angst, sich seine Zukunft zu verbauen. Nachdem Sondra aber schwanger wird und eine Abtreibung fehlschlägt, sieht er seine Pläne gefährdet und er beginnt sich zuerst unbewusst, danach gezielt, mit dem Plan eines Mordes auseinander zu setzen...

Originaltitel: An American Tragedy

Originalverlag: Boni & Liveright, New York City
Erstveröffentlichung: 17. Dezember 1925
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe:

Übersetzung ins Deutsche durch: Marianne Schön

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Zürich
Jahr: 1950
Verarbeitung: Blauer Leineneinband mit Fadenheftung
Seiten: 755

Verarbeitungsqualität (1-10): 7

Literarische Gattung: Belletristik / Kriminalroman / Thriller

Literarische Anspruch (1-10): 7

Handlungsorte:

  • Kansas City, Missouri, USA
  • Chicago, Illinois, USA
  • Upstate New York, New York, USA

Thema: Mord

Schlagwörter: Unterschicht, Freundin, Karriere, Aufstieg, Gericht, Justiz

27. August 1871 in Terre Haute, USA

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28. Dezember 1945 in Los Angeles, USA

Theodore Dreiser gilt als einer der wichtigsten amerikanischen Vertreter des literarischen Naturalismus. Seine Geisteshaltung war noch stark vom viktorianischen Weltbild beeinflusst.
Dreiser beschäftigte sich in seinen Werken vornehmlich mit den sozialen Problemen, die infolge der schnellen amerikanischen Industrialisierung auftraten.

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Raymond Chandler

Der grosse Schlaf

1939
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Wenn wir es oben mit dem „Erfinder“ des Detektiv-Romans zu tun hatten, werden wir hier gewissermassen Zeugen der revolutionären Neuschaffung dieses Genres. Raymond Chandler führt hier erstmalig seine Figur des Philip Marlowe ein. Marlowe ist das krasse Gegenteil von allem, was man bis dato als Detektiv kennengelernt hatte. Seine lässige, sarkastische Art und der Typus des sentimentalen Einzelgängers wurde von unzähligen nachfolgenden Schriftstellern als Vorbild genommen.
Die Figur fand auch Eingang in die Filmindustrie, direkt in Form von Verfilmungen der Romane Chandlers, aber auch indirekt durch unzählige Nachahmungen. TV-Serien wie „Detektiv Rockford“, „Kojak“, „Colombo“ oder auch „Magnum“ sind ohne diese Vorlage von Chandler undenkbar.
Zu „Der grosse Schlaf“ kann ich nur bemerken, dass er Kult ist. Die atmosphärische Erzählweise, die komplexe Handlungsführung und die unnachahmliche Sprache machen ihn zu etwas ganz Besonderem.

Privatdetektiv Philip Marlowe erhält vom alten, an den Rollstuhl gefesselten General Sternwood den Auftrag, einen Erpressungsversuch aufzuklären. Offenbar versucht ein gewisser Arthur Geiger Carmen, die jüngere der beiden Sternwood-Töchter, zu erpressen. Nebenbei erwähnt der kränkliche aber schwerreiche General Sternwood auch, dass seine ältere Tochter Vivian mit Rusty Regan, einem Alkoholschmuggler, verheiratet, dieser aber spurlos verschwunden sei.
Marlowe macht sich auf die Suche nach Arthur Geiger und gerät dabei in ein Netz von Intrigen. Marlowe findet schliesslich Geiger, erschossen in seinem Haus, bei ihm die sturzbetrunkene Carmen. Vom Täter fehlt jede Spur.
Schnell wird Marlowe klar, dass Geiger nur ein kleiner Fisch war und im Hintergrund ganz andere Kaliber am Werk sind. Was aber die Sternwood-Töchter damit zu schaffen haben, bemerkt er erst, als es beinahe schon zu spät ist…

Originaltitel: The Big Sleep

Originalverlag: Alfred A. Knopf, New York, USA
Erstveröffentlichung: 1939
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gunnar Ortlepp (1974)

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main
Jahr: 2013
Verarbeitung: Bedruckter und geprägter Leineneinband mit Fadenhaftung und farbigem Vorsatzblatt.
Illustrationen von: Thomas Müller
Seiten: 307

Verarbeitungsqualität (1-10): 9

ISBN: 978-3-7632-6344-8

Literarische Gattung: Roman / Detectiv-Roman / Kriminalroman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsort: Los Angeles und Umgebung, Kalifornien, USA

Thema: Erpressung

Schlagwörter: Philip Marlowe / Krimi / Los Angeles / Mord / Regen / Reichtum / Töchter

23. Juli 1888 in Chicago, Illinois, USA

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26. März 1959 in La Jolla, Kalifornien, USA

Raymond Chandler war Sohn irischer Emigranten und wurde zu einem der bekanntesten amerikanischen Kriminalautoren.
Nachdem seine anfängliche Karriere in der Ölindustrie scheiterte, verlegte Chandler sich auf die Schriftstellerei und schuf mit der Figur des Philip Marlowe, die er 1939 im Roman „The Big Sleep“ erstmals einführte, eine der markantesten und stilprägendsten Detektiv-Figuren der Pop-Kultur.

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© Associated Press

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