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Beim Hute meiner Mutter – Adelheid Duvanel

REZENSION

Adelheid Duvanel wurde 1936 in Basel geboren und gehört, trotz ihrer literarisch hochinteressanten Texte, zu den eher unbekannten Schweizer Schriftstellerinnen. Dafür mag es verschiedene Gründe geben. Zum einen schrieb sie keine Romane, sie war eine Meisterin der Kurzform und verfasste ausschliesslich Kurzgeschichten, Erzählungen und dergleichen. Zum anderen ist Duvanel literarisch schwer einzuordnen. In ihren Geschichten behandelt sie Aussenseiter, Gefallene und verlorene Seelen, wobei sie stark von den 70er-Jahren geprägt ist, und beispielsweise Themen wie die Drogenproblematik allgegenwärtig sind.
In Duvanels Erzählungen begegnen sich Katastrophen und Wunder, Abgründe und Offenbarungen auf Augenhöhe. Dazu kommt ihre traumhafte Sprache, die den Leser all zu oft im Ungewissen darüber lässt, ob Erzähltes nun wirklich oder eben tatsächlich nur geträumt ist.
Allen Figuren Duvanels ist gemein, dass sie einsam sind. Eine stete Suche nach Zweisamkeit und Kontakt zu anderen Menschen ist denn auch eine immer wiederkehrende Thematik. Markant an Duvanels Erzählungen: Sie enden nie mit Pointen oder einem gelösten Problem. Wer gerne abgeschlossene Geschichten hat, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Alles bleibt offen und im Fluss bei dieser Autorin, und nur ganz selten gewährt sie dem Leser eine kleine Atempause. Ihren Figuren haftet eine stetige Suizidalität an, welche, durch den ganzen Erzählband hinweg, dem Leser auch etwas aufs Gemüt schlagen kann. Adelheid Duvanels Geschichten sollten sowieso in kleinen Dosen genossen werden. Erst dann wird man der unglaublichen Sprachdichte gewahr, mit der die Autorin operiert. Jedes Wort befindet sich am richtigen Platz - diese Stimmigkeit steht in latentem Gegensatz zu den aus den Fugen geratenen Lebensgeschichten der Protagonisten.
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BUCHVERARBEITUNG

Die Buchverarbeitung basiert (leider) auf zu unserer Zeit üblichem Standard. Das Buch wurde mit Leimbindung versehen, in einen weissen Pappeinband gebunden und mit einem Schutzumschlag ausgestattet. Das Vorsatzblatt ist weiss, ebenso das Kapitalband. Satzspiegel wie auch Schrift geben keinen Anlass zur Beschwerde. Die Papierqualität ist ordentlich, aber nicht besonders hochwertig.

FAZIT

Adelheid Duvanels Erzählungen, von denen einige in diesem Band erstmalig in Buchform erschienen sind, besitzen nicht alle die gleiche hohe literarische Qualität. Dennoch halte ich Duvanel für eine sehr bedeutende und interessante Autorin, die es wert ist, gelesen zu werden…
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© Nagel & Kimche Verlag

Autor/Autorin:
Adelheid Duvanel

Originaltitel:
Beim Hute meiner Mutter
Erstausgabe:
© 2004 Nagel & Kimche Verlag
Originalsprache:
Deutsch

Diese Ausgabe:

© 2004 Nagel & Kimche Verlag
ISBN:
978-3-312-00332-6
Nachwort:
Peter von Matt
Seiten
173
BUCH:
VERARBEITUNG:

© 2019 Blog-Fotos: T. S. Tubai

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