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Albissers Grund – Adolf Muschg

HANDLUNG

Im Spätsommer des Jahres 1973 schiesst der ehemalige Gymnasiallehrer Peter Albisser auf Constantin Zerutt. Die Schüsse sind nicht tödlich und so landet Albisser im Gefängnis und Zerutt im Spital. Albisser bekennt sich für schuldig, weigert sich jedoch standhaft, einen Grund für seine Tat anzugeben. Ebenso wortkarg ist sein Opfer Zerutt, der den ermittelnden Beamten zwar Geschichten über Albisser erzählt, aus denen aber keinerlei Gründe für die Tat zu erkennen sind.
Die Suche nach dem eigentlichen Motiv erweist sich als äusserst schwierig. Nur nach und nach kommen Tatsachen aus Albissers Leben ans Licht. Offenbart wird seine Lebensgeschichte von Selbstfindung, gesellschaftlichen Zwängen und Resignation…

REZENSION

Adolf Muschgs Roman ist vordergründig eine Kriminalgeschichte, da er die offensichtlichen Kriterien einer solchen erfüllt. Tatsächlich geht das Werk jedoch weit über einen einfachen Kriminalroman hinaus. Wir haben es hier mit einem Stück zeitgeschichtlicher Gesellschaftskritik – kurz einem Gesellschaftsroman – zu tun.

Auf 380 Seiten werden zum einen durch Dialoge zwischen Untersuchungsrichter und Zerutt und zum anderen mittels psychiatrischen Gutachten und auktorialer Erzählung das Schicksal der beiden Protagonisten aufgedeckt. Dabei entsteht ein recht interessantes Bild der Schweiz in den 70er-Jahren. Der Zusammenprall der linken Kräfte und des urschweizerischen Spiessbürgertums ist noch in vollem Gange und Albisser – und in gewisser Weise auch Zerutt – sind seine Opfer.

Das alles wird, wie von Muschg gewohnt, eloquent und gekonnt beschrieben. Trotz der interessanten Grundgeschichte und der ansprechenden Sprache, wird einem auf jeder Seite bewusst, dass die Handlung schon etwas Staub angesetzt hat. Dazu kommt Muschgs übermässiger Drang zur Geschwätzigkeit, die dem heutigen Leser zuweilen schon einiges an Geduld abverlangt. Überhaupt erscheint mir Muschgs komplexer Schreibstil, in Kombination mit dem montageähnlichen Erzählstil und den unzähligen Seitenhieben und Anspielungen, der Hauptgrund für die Überfrachtung dieses Werkes – kurz, weniger wäre, wie so oft, mehr gewesen!
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BUCHVERARBEITUNG

Das Buch verfügt über einen blauen Leineneinband mit weissem Rückenschild. Der Vorsatz ist weiss, ebenso das Kapitalband, zudem wurde fadengeheftet.
Eine solide, gute Buchverarbeitung, welche über dem heute üblichen Standard liegt, auch wenn sie über keine besondere ästhetische Vorzüge verfügt.

FAZIT

Nach dem spannenden Einstieg und einem sehr langatmigen Mittelteil, rettet Muschg den Roman schliesslich durch eine fulminantes und originelles Ende. Gleichwohl ist das Werk, nach meinem Dafürhalten, zu sehr dem damaligen Zeitgeist verhaftet, als dass man es gelesen haben müsste – ich möchte aber auch niemanden davon abhalten…
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© 1974 Suhrkamp Verlag

Autor/Autorin:
Adolf Muschg

Originaltitel:
Albissers Grund
Erstausgabe:
© 1974 Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main
Originalsprache:
Deutsch

Diese Ausgabe:

© 1974 Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main
ISBN:
3-518-03661-0
Seiten
380
BUCH:
VERARBEITUNG:

© 2019 Blog-Fotos: T. S. Tubai

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