Atala – François-René de Chateaubriand

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HANDLUNG

Der alte Natchez-Indianer Chactas erzählt die Geschichte, wie er als junger Krieger in Gefangenschaft gerät und dabei auf Atala trifft, in die er sich verliebt. Chactas soll den qualvollen Martertod sterben, zuvor wird er jedoch von Atala befreit. Zusammen fliehen sie in die unbewohnten Wälder, wo sie schließlich von einem weißen Missionar gefunden und gerettet werden.
Atala wird jedoch von einem großen Schuldgefühl geplagt. Vor die Wahl gestellt, das Leben mit ihrem Geliebten zu verbringen oder das ihrer Mutter gegenüber abgelegte Gelübde einzuhalten, ihr Leben der heiligen Jungfrau zu widmen, entscheidet sie sich für den Freitod...

REZENSION

Chateaubriands Novelle Atala gilt als Klassiker der französischen Literatur. Beeinflusst durch Rousseaus «Edle-Wilden-Theorie» gilt Atala als eines der wichtigsten Werke dieses Genres.
Abgesehen davon, dass diese Theorie heute längst überholt ist, birgt das Werk einige grundlegende Mängel. So heißt es beispielsweise ganz zu Beginn beim ersten Kontakt mit Weissen gegenüber Chactas:

«Bist du wieder in deinen Wäldern, so erinnere dich des alten Spaniers, der sich dir gastlich bezeigte, und denke daran, dass deine erste Fühlungnahme mit den Menschen eine freundliche war...»

Den Indianern wird also schlicht abgesprochen, Menschen zu sein. Eine zeitgenössische Ansicht, die heute doch sehr rassistisch anmutet und den Leser irritiert.
In diesem Stil geht es munter weiter. Selbstverständlich ist die Hauptfigur Atala eine getaufte Christin und dem Leser wird nachdrücklich erklärt, dass Indianer selbstverständlich nur als Christen (Katholiken) wertvolle Mitglieder der menschlichen, zivilisierten Rasse sein könnten.
Wenn man weiß, wie viel Leid bei den verschiedenen indigenen Nationen Amerikas durch die christliche Missionierung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ausgelöst wurde, dann erscheinen einem diese Erläuterungen heute geradezu sarkastisch. Kaum eine indianische Biografie ist frei von den traumatischen Erlebnissen, die sie während ihrer Kindheit in Missionsschulen gehabt haben. Physische und seelische Gewalt, die auch vor sexuellen Übergriffen nicht halt machte, sind heute noch Bestandteil von kollektiven Traumata ganzer Kulturen Nordamerikas.
Werke, wie das hier besprochene, sind meiner Meinung nach der kulturelle Boden, mit dem diese ungeheuerlichen Verbrechen an den Indianern über Jahrhunderte hinweg legitimiert wurden. Solange solche Werke als klassisch und wertvoll gelten, wird auch dieses eurozentrische und menschenverachtende Weltbild nicht aus den Köpfen verschwinden.
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BUCHVERARBEITUNG

Das Werk wurde mit einem dunkelgrünen Kunstledereinband mit Goldprägungen versehen. Auf dem Buchrücken ist ein lindengrünes Schild mit Goldschrift und weiteren Goldverzierungen sowie eine angedeutete französischer Bindung zu sehen.
Leider trügt der, auf den ersten Blick, hochwertig erscheinende Einband, denn im Buchinnern sind nur minderwertige Materialien und schlechteste Verarbeitung zu finden. Das Buch wurde mit einer billigen Leimbindung verarbeitet. Das Papier ist unzulänglich und derart säurebelastet, dass sich die Seiten schon sehr brüchig anfühlen und starke Verfärbungen zu sehen sind. Die Schriftgrösse ist derart klein gewählt, dass ich aus normaler Lesedistanz nicht in der Lage war, die Buchstaben zu erkennen. Das Vorsatzblatt ist weiss und das Kapitalband in
Grün-Gelb gehalten.

Alles in allem eine grauenvolle Verarbeitung, die dem Inhalt gerecht wird (!).

FAZIT

Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir es hier mit einem Hauptwerk der französischen Romantik zu tun haben und sich Literaturwissenschaftler möglicherweise an einem solchen Text erfreuen können. Aus Lesersicht ist dieses Werk, meiner Meinung nach, überholt, veraltet und derart ideologisch verblendet, dass es einfach nicht mehr aufgelegt werden sollte – ich kann es Ihnen also nicht nur nicht empfehlen, sonder sehe mich sogar dazu veranlasst, Sie davor zu warnen…
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© 1986 Harenberg Kommunikation, Dortmund

Autor/Autorin:
François-René de Chateaubriand

Originaltitel:
Atala, ou Les Amours de deux sauvages dans le désert
Erstausgabe:
1801 Migneret, Paris
Originalsprache:
Französisch

Diese Ausgabe:

© 1986 Harenberg Kommunikation, Dortmund
ISBN:
3-88379-893-2
Übersetzung:
S. Born
Reihe:
Die grosse Erzähler-Bibliothek der Weltliteratur
Nachwort:
S. Born
Seiten
38
BUCH:
VERARBEITUNG:

© 2015 Blog-Fotos: T. S. Tubai

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