H. G. Wells

Tono-Bungay

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Was H. G. Wells hier vor nun mehr guten 100 Jahren schrieb, ist an Aktualität kaum zu überbieten. Sozial- und gesellschaftskritisch nimmt er Scharlatane aufs Korn, die die naive Gutgläubigkeit anderer schonungslos ausnutzen und ihren Profit daraus schlagen - und das solange, bis es zum Crash kommt und alle ihr Geld verlieren. Die Parallelen zur unlängst vergangenen Wirtschafts-/Banken-Krise ist derart frappant, dass man sich als Leser verwundert die Augen reibt und kaum glauben kann, wie weitsichtig Wells schon damals war - aber vielleicht lernen die Menschen ja auch einfach nichts dazu...

Ein sprachliches und dramaturgisches Meisterwerk, das mit viel Ironie und Schonungslosigkeit die Schwächen und Unzulänglichkeiten der freien Marktwirtschaft aufzeigt.

George Ponderevo, ein geschickter Geschäftsmann und Erfinder, entwickelt ein Wundermittel: Tono-Bungay. Unter Zuhilfenahme aller Möglichkeiten und grossen Werbekampagnen wird Tono-Bungay als Heilmittel gegen alles und jedes angepriesen.
In Wirklichkeit ist es jedoch völlig wirkungslos.
Ponderevo wird reich und reicher, baut sich ein riesiges Wirtschaftsimperium auf, das schlussendlich wieder zusammenbricht und die ganze Welt in eine Wirtschaftskrise stürzt.

Originaltitel: Tono-Bungay

Originalverlag: Macmillan Publishers Ltd, London
Erstveröffentlichung: 1909
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Grit Zoller / Heinz von Sauter

Verlag: Ullstein Verlag, Frankfurt am Main
Jahr: 1983
Verarbeitung: Taschenbuch mit Leimbindung
Seiten: 440

Verarbeitungsqualität (1-10): 3

ISBN: 3-548-20259-4

Literarische Gattung: Roman / Utopischer Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 4

Handlungsorte: England

Thema: Betrug / Leichtgläubigkeit

Schlagwörter: Heilmittel / Handel / Wirtschaft / Sozialismus / Kapitalismus / Markt / Verkauf / Geschäft / Geld

21. September 1866 in Bromley, England

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13. August 1946 in London, England

Herbert George Wells war ein englischer Schriftsteller, der vor allem durch seine weitsichtigen und zuweilen auch sozialkritischen Science-Fiction-Werke bekannt wurde. Zu einem seiner bedeutensten Werke gehört der Roman „Die Zeitmaschine“ von 1895.
Wells schrieb auch viele Gesellschaftsromane und Sachbücher, die leider grösstenteils nie ins Deutsche übersetzt worden sind…

H. G. Wells studierte Physik, Chemie, Geologie, Astronomie und Biologie, ohne diese Studien jedoch abzuschliessen. Sein umfangreiches naturwissenschaftliches Wissen liess er gekonnt in seine Werke einfliessen.

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Artur Landsberger

Liebe und Bananen

Eine wilde Sache
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„Liebe und Bananen“ ist ein sogenannter Filmroman. Eine Gattung, die in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts gross in Mode war. Die Handlung wird als Film-Inszenierung in Romanform wiedergegeben, wobei die Sprache dem zeitgenössischen Unterhaltungsroman entspricht, die Erzähltechnik sich jedoch mehr der Filmtechnik bedient. Schnelle Szenenwechsel, schlagfertige Dialoge und spannungshebende Schnitte sind es denn auch, die diesen wunderbaren und urkomischen Filmroman auszeichnen.
Auffallend sind zu Beginn die witzigen Dialoge, die den etwas einfach gestrickten Handlungsverlauf bei weitem auffängt. Die Protagonisten waren zur damaligen Zeit allgemein bekannte Persönlichkeiten aus der Berliner Film-Szene. Auch wenn diese Schiene beim heutigen Publikum natürlich nicht mehr zieht, gibt es genug anderes, über das sich der Leser amüsieren kann.
Einfache Unterhaltung könnte man meinen, wären da nicht der immerwährende subversive Unterton und die intelligenten Anspielungen, die dem Werk ungeahnte Untiefen bescheren.
Wäre es tatsächlich ein Film, würde man ihn wohl ins Genre der Screwball-Komödien einreihen.

Artur Landsberger war nicht nur ein sehr bekannter Autor anfangs des 20. Jahrhunderts, sondern ab 1913 auch als Drehbuchautor sehr gefragt. Wie er diese beiden Kunstformen miteinander verwoben hat, ist ganz grosses Kino, pardon, ich meinte natürlich Literatur!

Eine kleine Warnung muss ich aber noch aussprechen: Sie sollten dieses Buch nicht im Zug oder allgemein in der Öffentlichkeit lesen, Ihr anhaltendes Lachen könnte die anderen Leute irritieren…


Grossimporteur Sülstorff aus Hamburg hat einen finanziellen Engpass und kann aus diesem Grund die ausstehenden Rechnungen beim Plantagenbesitzer Paul G. Olem nicht fristgerecht begleichen. Olem stoppt daraufhin seine Bananenlieferungen aus Sumatra. Das hat natürlich Auswirkungen: Die Hafenarbeiter in Hamburg bangen um ihre Existenz, Sülstorffs Sohn, der „schöne Harry“, soll nun endlich sein Flohnerleben, das er auf Kosten seines Vaters führt, einstellen und in der Firma mit anpacken, und auch der Berliner Obsthändler Max Pika sieht den ausbleibenden Bananenlieferungen mit Sorge entgegen.
Als sich Djojo, die Tochter des Plantagenbesitzers, auf den Weg nach Berlin macht, um sich mit Harry Sülstorff zu treffen, gerät die Geschichte ausser Kontrolle - aus einem einfachen Bananenengpass entwickelt sich eine handfeste Staatskrise…

Originaltitel: Liebe und Bananen

Originalverlag: Neue Berliner Verlagsgesellschaft
Erstveröffentlichung: 1927
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland

Meine Ausgabe:

Verlag: Weidle Verlag, Bonn
Jahr: 2006
Verarbeitung: Hardcovereinband mit Schutzumschlag und Fadenheftung
Seiten: 267 (inkl. Nachwort)
Nachwort: Till Barth

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 3-931135-95-X

Literarische Gattung: Roman / Filmroman

Literarischer Anspruch (1-10): 4

Thema: Liebe / Gesellschaft / Film

Schlagwörter: Bananen / Berlin / Sumatra / Schauspieler / 1920er / Heirat / Liebe / Humor

26. März 1876 in Berlin, Deutschland

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04. Oktober 1933 in Berlin, Deutschland

Artur Hermann Landsberger war ein deutscher Schriftsteller sowie Literatur- und Filmkritiker.
Landsberger studierte Jura und gründete 1907 die Zeitschrift „Morgen“, für die namhafte Autoren wie Rainer Maria Rilke, Frank Wedekind oder Gerhard Hauptmann schrieben.
Zu seinen Lebzeiten war Artur Landsberger einer der bekanntesten und meistgelesenen Autoren. Heute kennt ihn bedauerlicherweise kaum noch jemand…

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Heinrich Hauser

Brackwasser

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Das verzweifelte Ringen zweier Menschen um ihre Existenz und die Zerrissenheit zwischen Meer und Binnenland hat Hauser mit seiner expressionistischen Sprache ergreifend und spannend wiedergegeben.
Dieser kleine Roman, der heute kaum noch bekannt ist, gehört für mich mit zum Besten, das die deutsche Literatur hervorgebracht hat.

Der junge deutsche Matrose Glenn verliebt sich auf einer seiner Seereisen in Mexiko in die Prostituierte Chiquita. Sie beschließen zusammen zu bleiben. Glenn nimmt sie mit nach Deutschland, wo er versucht, auf einer kleinen Ostseeinsel eine Existenz aufzubauen. Schlechter Boden und andere Schicksalsschläge vereiteln dies aber und als es ihm auch durch fischen nicht gelingt, ihr Leben zu sichern, kehren sie wieder zurück nach Hamburg. Dort heuert Glenn wieder auf einem Schiff an...

Originalverlag: Philipp Reclam Verlag Jun., Leipzig
Erstveröffentlichung: 1928
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland


Meine Ausgabe

Verlag: Philipp Reclam Verlag Jun., Leipzig
Jahr: 1928
Verarbeitung: Roter Leineneinband mit Fadenheftung
Seiten: 219

Verarbeitungsqualität (1-10): 7

Literarische Gattung: Belletristik / Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte: Mexiko / Ostsee / Meer

Thema: Liebe / Existenz

Schlagwörter: Ostsee / Insel / Existenz / Verlust / Seemann / Fremde / Meer

27. August 1901 in Berlin, Deutschland

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25. März 1955 in Diessen am Ammersee, Deutschland

Heinrich Hauser war ein deutscher Seekadett, Schriftsteller, Journalist, Fotograf und Weltreisender. Er lebte von 1938-1948 in den USA.
Hauser war ein prägender Autor der Neuen Sachlichkeit und verfasste etliche Romane, Reiseberichte und Essays. Zu seinen bedeutendsten Werke gehören: „Brackwasser“ (1928), „Die letzten Segelschiffe“ (1930), „Donner überm Meer“ (1931) und „Feldwege nach Chicago“ (1931).

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Arthur van Schendel

Das Fregattschiff Johanna Maria

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Mit einer schlichten aber sehr schönen Sprache, gelingt es van Schendel, den Leser in die Welt der Seefahrer zu entführen, wobei der ganze Roman vor allem auch durch die Stille geprägt ist. Dialoge sind selten und wenn vorhanden sehr wortkarg gehalten. Überhaupt ist das Unausgesprochene oft vielsagender als jede Erklärung.
Dieser Kontrast der Stille der Personen und Dramatik der Geschehnisse macht meiner Meinung nach die Faszination dieses Buches aus.
Zudem halte ich diese Geschichte für eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen habe. Diese Beziehung der Hauptfigur zu seinem Schiff wird derart glaubhaft und auch nachvollziehbar geschildert, dass der Leser oft vergisst, dass es sich um keine Johanna Maria aus Fleisch und Blut handelt.
Van Schendel erzählt hier nicht nur eine sehr spannende und romantische Geschichte, sondern hat durchaus auch dem harten, entbehrungsreichen Dasein der Seemänner des Segelschiffzeitalters ein sehr realistisches Denkmal gesetzt.

Dieses 1930 erstmals erschienene Werk gilt längst als Klassiker der niederländischen Literatur - ich würde es auf die Stufe der Weltliteratur heben - ein überaus lesenswertes Buch!

Was beginnt wie eine klassische Seefahrergeschichte, entwickelt sich im Laufe der Handlung zum Psychogramm einer einzelnen Figur. Jakob Brouwer, der Segelmacher der "Johanna Maria", verliebt sich in "sein" Schiff und ordnet fortan sein ganzes künftiges Leben dem Ziel unter, dieses Schiff eines Tages selbst zu besitzen. Es wird zur Obsession und die Folgen seiner Handlungen führen schlussendlich zu ganz grundsätzlichen Fragen nach dem Sinn des Lebens und den Beweggründen menschlichen Strebens.

Originaltitel: Het fregatship “Johanna Maria”

Originalverlag: Meulenhoff & Co, Amsterdam, Niederlande
Erstveröffentlichung: 1930
Sprache: Niederländisch
Land: Niederlande


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Gregor Seferens (2007)

Verlag: Manesse Verlag, Zürich, Schweiz
Jahr: 2007
Verarbeitung: Orangefarbener Leineneinband mit Fadenhaftung und Schutzumschlag.
Seiten: 268

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 978-3-7175-2146-4

Literarische Gattung: Roman / Psychologischer Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 7

Handlungsorte: Meer

Thema: Seefahrt

Schlagwörter: Meer / Matrosen / Leben auf See / Psychologie / Liebe / Leidenschaft / Treue / Geschichte / Schiffe / Handel

5. März 1874 in Batavia (Jakarta), Indonesien

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11. September 1946 in Amsterdam, Niederlanden

Arthur François Emile van Schendel war ein niederländischer Schriftsteller und Verfasser von Romanen und Kurzgeschichten.
Seine besondere schriftstellerische Eigenheit ist die sprachliche Kunst, romantische Themen und Geschichten in realistischer Form wiederzugeben.

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Virginia Woolf

Die Wellen

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"Die Wellen" ist ähnlich wie Joyce's „Ulysses“ oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Proust eine literarische Herausforderung für jeden Leser. Man muss sich auf diesen Text einlassen und sich blind von dieser Sprache tragen lassen. Die emotionale Tiefe und erzählerische Dichte dieses Werkes ist etwas vom Beeindruckendsten, auf das ich je gestossen bin.
Die inneren Monologe von Bernard, Louis, Neville, Rhoda, Jinny und Susan sind sehr unterschiedlich, jeder Leser wird sich mit der einen oder anderen Stimme näher verbunden fühlen.
In diesem Werk hat Virginia Woolf den Höhepunkt erreicht in ihrem literarischen Schaffen. Was sie in "Jakobs Raum" begonnen und in Werken wie "Mrs. Dolloway" und "Zum Leuchturm" weitergeführt hatte, wurde in "Die Wellen" zum krönenden Abschluss gebracht: Eines der radikalsten und zugleich besten Werke der 20. Jahrhunderts.

Eine Handlung wiederzugeben ist bei diesem Werk sehr schwierig. Das Buch besteht eigentlich nur aus Monologen der sechs Hauptfiguren. Man durchlebt, deren Kindheit, ihre Jugendzeit etc. Die Stimmen wechseln sich jeweils ab, ergänzen das Gesagte, verlaufen ineinander, beschreiben Emotionen, Erlebnisse und reflektieren Durchlebtes. Diesem Erzählstrom werden Naturelemente wie der Sonnenverlauf und eben das Brechen der Wellen am Strand gegenübergestellt...

Originaltitel: The waves

Originalverlag: Hogarth Press
Erstveröffentlichung: 1931
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Maria Bosse-Sporleder

Verlag: S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
Jahr: 1991
Verarbeitung: Leineneinband mit Fadenheftung und Schutzumschlag
Einbandgestaltung: Sarah Schumann
Seiten: 262

Verarbeitungsqualität (1-10): 9

ISBN: 3-596-12184-1

Literarische Gattung: Roman / Episoden-Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 10

Handlungsort: Grossbritannien

Thema: Lebenswege

Schlagwörter: Jugend / Alter / Fremdheit / Selbsterforschung / Männer / Frauen / England / Innerer Monolog / Bewusstseinsstrom

25. Januar 1882 in London, England

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28. März 1941 bei Rodmell, England

Virginia Woolf war eine bedeutende britische Schriftstellerin und Mitglied der intellektuellen Bloomsbury Group. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die Romane "Mrs. Dalloway" (1925), "Zum Leuchtturm" (1927) und "Orlando" (1928).
Zusammen mit Ihrem Mann Leonard Woolf gründete sie 1917 den literarischen Verlag The Hogarth Press.
Virginia Woolf litt zeitlebens unter schweren Depressionen und nahm sich 1941, im Alter von 59 Jahren, das Leben.

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Willa Cather

Schatten auf dem Fels

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Ich habe selten eine derart anrührende und gleichzeitig kraftvolle Geschichte gelesen. Willa Cathers besitzt ein hervorragendes Gespür für Atmosphäre. Zudem sind die Figuren, allen voran Cécile, psychologisch sehr authentisch und eindrücklich gelungen.
Die politischen Hintergründe werden nur gestreift, bilden gewissermassen eine ferne Kulisse, von der die agierenden Figuren nur am Rande betroffen sind. Im Zentrum stehen das einfache (Über)-Leben, die kleinen und grösseren Alltagssorgen der Menschen und Quebec. Cather versteht es, auf ihre gewohnt unnachahmliche Weise, ein bewegtes Bild dieser Stadt am Rande der Wildnis zu erschaffen. Gleichzeitig beschreibt sie auf eindrückliche Weise die Begegnung von Alter und Neuer Welt...

Der Roman spielt im 17. Jahrhundert in Quebec. Die Geschichte handelt von der französischen Einwandererfamilie Auclair. Im Mittelpunkt steht die zehnjährige Cécile Auclair, die sich nach dem Tod ihrer Mutter plötzlich in der Rolle der Hausfrau wiederfindet.
Ihr Vater ist Apotheker und auf seine kleine Tochter angewiesen. Zusammen versuchen sie sich mit den langen kanadischen Wintern anzufreunden und ihr Leben nach dem Tod der Mutter neu zu ordnen. Nach und nach gelingt es ihnen sich zu arrangieren.
Cécile hört spannende Geschichten über die Wildnis, der Jagd und dem Tauschhandel mit den Indianern, die sie zum Träumen bringen.
Währenddessen macht sich der Vater Sorgen, ob Quebec der richtige Ort für seine Tochter sei und nicht eine Rückkehr nach Frankreich die bessere Alternative wäre…

Originaltitel: Shadows on the Rock

Originalverlag: Alfred A. Knopf, New York
Erstveröffentlichung: 1931
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Elisabeth Schnack (1992)

Verlag: Manesse Verlag, Zürich, Schweiz
Jahr: 2009
Verarbeitung: Beigefarbener Leineneinband mit Prägung, Fadenheftung und Schutzumschlag.
Seiten: 412

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 978-3-7175-2192-1

Literarische Gattung: Roman / Historischer Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 6

Handlungsorte:

Québec, Kanada
Cap Diamant, Québec City, Kanada

Thema: Siedler / Kanada

Schlagwörter: Mädchen / Kolonie / Entbehrung / Stadt / Winter / Kindheit / Vater

07. Dezember 1873 in Winchester, USA

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24. April 1947 in New York, USA

Willa Siebt Cather war eine bedeutende, amerikanische Schriftstellerin, die sich vor allem durch ihre sehr einfühlsamen und authentischen historischen Romane hervortat.
Beeinflusst durch Edith Wharton und Henry James, beschrieb sie eindrücklich das Schicksal der Kolonisten in den USA.
Zu ihren Hauptwerken gehören: „O Pioneers!“ (1913), „Meine Antonia“ (1918), „Der Tod Kommt zum Erzbischof“ (1927) und „Lucy Gayheart“ (1935).

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John Steinbeck

Die Strasse der Ölsardinen

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Steinbecks unnachahmlicher, heiterer Schreibstil macht dieses kleine Werk zum grossen Lesevergnügen. Ein auf den ersten Blick humorvoll verpackte, einfache Geschichte offenbart dem Leser gerade durch diese Einfachheit einen Einblick in menschliche (Un)-Tiefen und erhebt selbst den einfachen Landstreicher zum Philosophen.
Trotz der vielen skurrilen Figuren wachsen einem die Protagonisten von Seite zu Seiten mehr ans Herz. Wenn dann noch Sätze folgen wie...

"Henri, der Maler, war kein Franzose und hiess auch nicht Henri. Er war auch kein richtiger Maler".

...hat mich der Autor schon restlos überzeugt davon, dass ich weiss, dass ich nichts weiss (Sokrates).

Das einzige, das mich ärgert, ist die Tatsache, dass ich dieses wunderbare Buch nicht schon viel früher gelesen habe. In diesem Sinne: Sehr zu empfehlen!

Tagediebe und Lebenskünstler, Sonderlinge und die Dirnen aus Doras Bordell: Sie alle bevölkern die Straße der Ölsardinen im kalifornischen Fischerstädtchen Monterey. Sie leben in alten Lagerhallen, wie Mack und seine Kumpel, denen jede geregelte Arbeit verhasst ist. Sie hausen in ausrangierten Dampfkesseln und alten Röhren oder wie Henri, der Maler, in einem Boot Marke Eigenbau, in dem es keine seiner Freundinnen lange aushält. Sie treffen sich im unerschöpflichen Kramladen des Chinesen Lee Chong, in den Kneipen rund um die Fischkonservenfabriken, in Doras Etablissement oder im Laboratorium des Meeresbiologen "Doc", den sie eines Tages mit einer grandiosen Party überraschen wollten. Doch die Sache geht schief …

Originaltitel: Cannery Row

Originalverlag: Viking Press, New York, USA
Erstveröffentlichung: 1945
Sprache: Englisch
Land: USA


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Rudolf Frank (1993)

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main
Jahr: 2009
Verarbeitung: Bedruckter Pappdeckel mit Fadenhaftung und farbigem Vorsatzblatt.
Illustrationen von: Philip Waechter
Seiten: 251

Verarbeitungsqualität (1-10): 7

ISBN: 978-3-7632-5948-9

Literarische Gattung: Roman / Gesellschaftsroman / Episoden-Roman

Literarischer Anspruch (1-10): 5

Handlungsorte: Monterey, Kalifornien, USA

Thema: Armut

Schlagwörter: Depression / Menschen / Zusammenleben / Freundschaft / Meer / Leben

27. Februar 1902 in Salinas, USA

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20. Dezember 1968 in New York City, USA

John Steinbeck ist einer der ganz grossen amerikanischen Romanciers. Viele seiner Werke gelten heute als Klassiker. 1962 wurde Steinbeck der Nobelpreis für Literatur verliehen.
Zu seinen Hauptwerken gehören: „Von Mäusen und Menschen“ (1937), „Die Früchte des Zornes“ (1939), „Die Strasse der Ölsardinen“ (1945) sowie „Jenseits von Eden“ (1953).

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Henry Green

Der Butler

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Henry Green ist ein Meister des Dialogromans und bewerkstelligte diese Kunst nie eindrücklicher als in diesem Roman - und dies unterhaltend und kunstvoll.
Green lässt seine Figuren aus dem Dienstbotentrakt in ihrer eigenen Sprache sprechen und schafft es auf diese Art, sie äusserst authentisch und glaubhaft darzustellen.
Henry Greens dezente und gleichzeitig urkomische Art ist einzigartig in der englischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ein grossartiges Werk!

Um dem Zweiten Weltkrieg möglichst aus dem Weg zu gehen, hat sich eine englische Familie auf ihren Landsitz in Irland zurückgezogen.
Der alte Butler liegt noch im Sterben, da macht sich der Diener Charley Raunce schon bereit, dessen Nachfolge anzutreten. Dazu bringt er erst einmal die Notizbücher und die Whisky-Karaffe des Sterbenden an sich. Die Notizbücher geben Auskunft über die Höhe der Trinkgelder, der Whisky löst ihm die Zunge zum ersten Kompliment für das junge Hausmädchen Edith, dieser wahren "Heldin" des Buches.
Bis beide ein Paar sein werden, vergeht ein ganzer Roman, in dem die Fortschritte und Umwege dieser Liebe genau beobachtet und mit realistischer und ironischer Sprache verzeichnet sind.

Originaltitel: Loving

Originalverlag: Hogarth Press, London, England
Erstveröffentlichung: 1945
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien


Meine Ausgabe

Übersetzung ins Deutsche durch: Walter Schürenberg (1988)

Verlag: Steidl Verlag, Göttingen, Deutschland
Jahr: 1988
Verarbeitung: Blauer Leineneinband mit Prägung, Fadenheftung und Schutzumschlag.
Seiten: 285

Verarbeitungsqualität (1-10): 8

ISBN: 3-88243-101-6

Literarische Gattung: Roman / Gesellschaftsroman / Dialogroman

Literarischer Anspruch (1-10): 7

Handlungsort: Irland

Thema: Liebe

Schlagwörter: Dienstboten / Personal / Hierarchie / Herrschaft / Irland / Beziehungen / Mann / Frau / Dialog

29. Oktober 1905 in Tewkesbury, England

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13. Dezember 1973 in London, England

Henry Green hiess eigentlich Henry Vincent Yorke und stammte aus einer Industriellen-Familie.
Seine Romane behandeln die Veränderungen in der englischen Klassenstruktur der Nachkriegszeit. Mit seiner lakonischen, sozialkritischen Sprache und seiner subtilen Erzähltechnik, gilt er heute als einer der einflussreichsten englischen Autoren der modernistischen Literatur.

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Ilse Aichinger

Die grössere Hoffnung

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Die aus Wien stammende Autorin Ilse Aichinger hat in ihrem Leben nur einen Roman verfasst. Dies, so lässt der Text vermuten, um die unglaublichen Gräuel zu verarbeiten, die sie während der Herrschaft der Nationalsozialisten in Wien erlebt hatte.

Es gibt nicht viele literarische Möglichkeiten, Unsagbares zu Papier zu bringen. Ein dokumentarischer Stil wäre denkbar, Ilse Aichinger entschied sich für ein anderes Stilmittel: Sie verwendete eine stark reduzierte, allegorische Sprache, wie sie sonst nur in lyrischen Werken zu finden ist. Dieser Kunstgriff verhilft dem Werk zu eindrücklicher Tiefe und Unmittelbarkeit.

Es ist schwer zu sagen, was kafkaesker ist, die Sprache oder das Beschriebene. Das Gänsehaut verursachende Krippenspiel der Kinder, die bald darauf ins Vernichtungslager deportiert werden oder der Munitionszug, der nicht mehr an die Front gefahren werden kann, weil sich der Lokomotivführer nicht mehr an den Weg dahin erinnert, sind nur zwei Beispiele der surrealen Ereignisse. Der Leser folgt fassungslos der Hauptfigur Ellen quer durch den Kosmos von Demütigung, Vernichtung und Zerstörung.

Die Sprache ist formvollendet und erschliesst ihre wahre Schönheit erst nach dem Einlesen, welches deutlich länger dauert, als bei herkömmlicher Belletristik. Die verdichtete und mit metaphorischer Spielerei durchsetzte Sprache fordert den Leser. Hat man sich aber erst mal frei gemacht von der Erwartung konventioneller Handlungsabläufe und sich mit der stellenweise sehr lyrischen Rhythmik des Textes angefreundet, folgt die Belohnung in Form einer unglaublich sprachgewaltigen und gleichzeitig sprachlosmachenden Geschichte.

Ilse Aichinger hat es geschafft, dem Terror eine Sprache und ein Gesicht zu geben und sie hat unzähligen namenlosen Opfern eine Stimme verliehen. All dies, ohne die Täter oder den Handlungsort beim Namen zu nennen. Das Beschriebene wird deshalb zeitlos und gegenwärtig und macht das Grauen nur noch unmittelbarer.
Ilse Aichinger hat mit diesem Werk grosse Literatur verfasst und damit ein neues Zeitalter deutschsprachiger Wortkunst geschaffen - und all dies mit einem einzigen Roman…

Es wird die Geschichte von jüdischen Kindern erzählt, die eltern-und zukunftslos leben. Sie tragen einen Judenstern, dürfen nicht mehr im Stadtpark spielen und werden schlussendlich von der Gestapo in ein Vernichtungslager gebracht. Die zurückgebliebene Halbjüdin Ellen versucht sich, durch die zerstörte Stadt irrend, nach dem Selbstmord ihrer Grossmutter alleine durchzuschlagen - in der Hoffnung auf Erlösung…

Originaltitel: Die grössere Hoffnung

Originalverlag: Bermann-Fischer Verlag, Amsterdam
Erstveröffentlichung: 1948
Sprache: Deutsch
Land: Niederlande


Meine Ausgabe

Verlag: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt a. M.
Jahr: 1994
Verarbeitung: Gelber Leineneinband mit Prägung, blaues Vorsatzpapier, Fadenheftung und Schutzumschlag.
Einbandgestaltung: Anakonda Ateliers, Frankfurt a. M.
Seiten: 277

Verarbeitungsqualität (1-10): 9

ISBN: 3-7632-4199-X

Literarische Gattung: Roman / Trümmerliteratur

Literarischer Anspruch (1-10): 10

Handlungsorte: Wien, Österreich

Thema: Krieg / 2. Weltkrieg

Schlagwörter: Kinder / Juden / Verfolgung / Ausgrenzung / Leid / Hoffnung / Vernichtung / Trauer / Zerstörung

1. November 1921 in Wien, Österreich

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11. November 2016 in Wien, Österreich

Ilse Aichinger war eine bedeutende Vertreterin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.
Sie hatte als Halbjüdin den 2. Weltkrieg in Wien mit- und überlebt und verarbeitete diese traumatische Zeit in ihrem stark autobiografischen Roman "Die grössere Hoffnung“ sowie in unzähligen Kurzgeschichten, Gedichten und Essays.

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