Memphis Blues

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Cyndi Lauper



© Downtown Records / 2010

Format: Audio-CD



Als Cyndi Lauper als unbekannte Sängerin quer durch die Nachtclubs und Bars von New York tingelte und irgendwie zu überleben versuchte, sang sie Janis Joplin-Songs.
Es ist also nichts Neues, was uns Frau Lauper hier vorlegt, sondern gewissermassen eine Rückbesinnung auf ihre Wurzeln.

Wer noch zweifelt, ob sich ihre Stimme für Blues-Musik überhaupt eignet, dürfte schon nach dem ersten Song: „Just Your Fool“ restlos überzeugt sein, dass dem so ist.
Es macht unglaublichen Spass zuzuhören, wie sie sich in die Songs hineinfühlt und ihre Seele auf der Zunge trägt.
Obwohl das schon mehr ist, als man von den meisten modernen Veröffentlichungen erwarten darf, hat sie sich auch gleich noch mächtige Unterstützung ins Tonstudio nach Memphis geholt. Klingende Grössen wie Allen Toussaint, Jonny Lang, B. B. King und Ann Peebles waren mit von der Partie. Vor allem das Duett mit Ann Peebles: „Rollin' and Tumblin“ ist grossartig und zeigt eindrücklich, wie gut Cyndi Lauper ihre Sache hier macht.
Es gibt auf dieser Veröffentlichung schlicht keine schwachen Songs, und die Mischung zwischen langsamen Balladen, Midtempo Stücken und Dampfhammer Blues à la ZZ-Top ist schlicht genial.

Spätestens bei Song 12: „ Wild Women Don't Have The Blues“, was ja nur eine reifere Formulierung ihres Evergreens: „Girls Just Want to Have Fun“ ist, schliesst sich auch der Kreis wieder...

Für mich ist dieses Album die beste Veröffentlichung des Jahres 2010.

Meine Lieblingssongs auf diesem Album sind Nr. 3: „Early in the Morning“, Nr. 7: „Don't Cry No More“, Nr. 8: „Rollin' and Tumblin“ und Nr. 13: „Don't Wanna Cry“.

Titelverzeichnis

  1. Just Your Fool (featuring Charlie Musselwhite)
  2. Shattered Dreams (featuring Allen Toussaint)
  3. Early in the Mornin (featuring Allen Toussaint and B.B. King)
  4. Romance in the Dark
  5. How Blue Can You Get? (featuring Jonny Lang)
  6. Down Don't Bother Me (featuring Charlie Musselwhite)
  7. Don't Cry No More
  8. Rollin' and Tumblin (featuring Ann Peebles)
  9. Down So Low 
  10. Mother Earth (featuring Allen Toussaint)
  11. Crossroads (featuring Jonny Lang)
  12. Wild Women Don't Have the Blues
  13. I Don't Want to Cry (featuring Leo Gandelman)

20 Feet From Stardom

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Diverse Interpreten



© 2013 Project B. S. LLC / Columbia Records

Format: Standard-CD

Nachdem ich mir den gleichnamigen Dokumentarfilm angesehen hatte und begeistert war, musste ich natürlich den Soundtrack haben.
Solche emotionalen Einkäufe können ins Auge gehen und in Enttäuschung enden… Leider bewahrheitete sich diese Erkenntnis in diesem Fall wieder einmal. Ich möchte Ihnen in Folge erklären, weshalb Sie sich dieses Soundtrack-Album nicht unbedingt zulegen müssen.

Enttäuschung Nummer eins: Während im Film ganze 42 (hervorragende) Songs verwendet wurden, haben leider nur gerade mickrige dreizehn davon ihren Weg auf diese CD gefunden - und es kommt noch schlimmer: Von den dreizehn Songs sind lediglich neun identisch mit der Filmmusik, Track 6, 9, 11 und 12 wurden in abgeänderter Form auf diesen Tonträger gebracht. Ich gehe davon aus, dass das möglicherweise lizenzrechtliche Gründe hat, was aber die Enttäuschung nicht mindern kann.

Enttäuschung Nummer zwei: Die Klangqualität ist alles andere als berauschend. Da man hier Aufnahmen aus den 60/70er-Jahren mit Neuaufnahmen von 2013 gemischt hat, war mir klar, dass die Klanggüte nicht bei allen Songs gleich gut sein kann. Irritierenderweise klingen aber auf dieser CD alle Songs recht ähnlich. Da man alte Aufnahmen schlicht nicht auf das Niveau von aktuellen Veröffentlichungen bringen kann, vermute ich, dass hier bewusst die neuen Aufnahmen den älteren angepasst wurden, um eine einheitliche Klangqualität zu erzielen. Und so haben dann die modernen Produktionen von 2013 eine ähnlich schlechte Dynamik und eingeschränkte Klarheit, wie die Oldies aus den Sechzigerjahren - ein suboptimale Lösung, wie ich finde…

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, jeder Song für sich genommen ist grossartig und hörenswert - als Ergänzung jedoch zum hervorragenden Film ist dieser Soundtrack eine Enttäuschung…

So kann ich zum Abschluss zusammenfassend Folgendes festhalten: Sehen Sie sich diesen Film an, er ist grossartig! Aber lassen Sie ihre Finger von dieser CD-Veröffentlichung, sie ist eine Enttäuschung.

Titelverzeichnis:

01 “Walk On the Wild Side” performed by Lou Reed
02 “Slippery People” performed by Talking Heads
03 “Nobody’s Fault But Mine” performed by Merry Clayton featuring Oren Waters , Judith Hill , Tata Vega and Charlotte Crossley
04 “He’s a Rebel” performed by the Crystals
05 “Space Captain” performed by Joe Cocker from the film “Mad Dogs and Englishmen”
06 “Gimme Shelter” performed by Merry Clayton
07 “Sure On This Shining Night” performed by Lisa Fischer
08 “Let’s Make The World A Better Place” performed by Tata Vega and Judith Hill
09 “Young Americans” performed by Davie Bowie
10 “Southern Man” performed by Merry Clayton
11 “Desperation” performed by Judith Hill
12 “Fine Fine Boy (with intro rehearsal)” performed by Darlene Love
13 “Lean On Me” performed by Darlene Love featuring Lisa Fischer , Jo Lawry , and Judith Hill

Peter, Paul and Mary

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Peter, Paul & Mary



© TopMusic International (Hong Kong) / 2014

Aufgenommen: 1962 (Warner Bros. Records)

Format: Single Layer SACD (Stereo)


1962 erschien das Debüt-Album von Peter, Paul & Mary, das ihren Namen trug. Ich glaube, es ist keine Übertreibung zu sagen, dass sie mit diesem Album die Musikwelt ein wenig veränderten. Das Album hatte Einfluss auf das musikalische Schaffen Bob Dylans, und vor allem hat es auch unverkennbare Spuren bei Simon & Garfunkel hinterlassen.
Plötzlich war Folk-Musik in aller Munde, oder besser Ohren. Und nicht nur das, das Album wanderte schnurstracks auf Platz 1 der Billboard Charts. Schliesslich verblieb es über drei Jahre in den Charts und erreichte Doppel-Platin in den USA. Kurz, wir haben es hier mit einem der erfolgreichsten Folk-Alben aller Zeiten zu tun.
Es handelt sich bei den Songs aber mitnichten um reine Folk-Songs. Wir finden auf diesem Album ebenso Gospel, Jazz oder Kinderlieder, die aber alle genial zu Folk-Stücken umarrangiert wurden.

Auf die einzelnen Song hier nun einzeln einzugehen, wäre so, als wollte man den Mond mit einer Laterne beleuchten - und deshalb lass ich es. Interessanter ist die Qualität der hier veröffentlichten SACD!
Povee Chan hat das Mastering übernommen, und soweit ich das beurteilen kann, sehr gute Arbeit geleistet. Ich habe jedenfalls Peter, Paul & Mary nie in besserer Klangqualität gehört. Die Höhen sind sehr ausgewogen, nicht übersteuert und die Bässe sehr präzis und kräftig. Nebengeräusche sind keine zu hören, was bei so alten Aufnahmen alles andere als selbstverständlich ist. Der klangtechnische Gesamteindruck ist ohne Frage beeindruckend. Es handelt sich hierbei übrigens um eine Single-Layer SACD, die sich nur auf SACD-Playern abspielen lässt!

Fazit: Es ist schon bedauerlich, dass solche wunderbaren Veröffentlichungen nur für den asiatischen Markt produziert werden und, wie im vorliegenden Fall, eigentlich nur für Hong Kong. Witzig dabei ist, dass auf der Rückseite der SACD „Made in Germany“ steht – wir leben schon in einer verkehrten Welt...

Weniger begeistert bin ich von der Covergestaltung. Warum man nicht das originale Album-Cover verwendet hat, erschliesst sich mir nicht ganz. Zudem ist das Booklet sehr spartanisch gehalten. Songtexte oder Informationen zu den Komponisten sucht man leider vergeblich...

Titelverzeichnis:

01 Early In The Morning
02 500 Miles
03 Sorrow
04 This Train
05 Bamboo
06 It‘s Raining
07 If I Had My Way
08 Cruel War
09 Lemmon Tree
10 If I Had A Hammer
11 Autumn To May
12 Where Have All The Flowers Gone

Belafonte Sings The Blues

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Harry Belafonte



© Impex Records / 2010

Aufgenommen: 1958 (RCA Victor)

Format: 24K Gold-CD

Als Harry Belafonte 1958 in New York ins Aufnahmestudio ging, war er bereits ein Star.
Seine Karriere begann er mit populären Jazz-Standards, die ihm aber wenig Erfolg einbrachten. Nachdem er die Folkmusik für sich entdeckte und mit gutem Gespür für Timing und Effekt anfing karibische Folkstücke neu zu arrangieren, gelang ihm der Durchbruch. Bald galt er als König des Calypso, was ihm aber selber gar nicht so recht war, wurde er dadurch doch beträchtlich auf einen ganz bestimmten Stil festgelegt.
Mit der Motivation, mal was ganz anderes zu versuchen, nahm er 1958 in New York und später noch in Hollywood das Album „Belafonte Sings The Blues“ auf. Wie der Titel schon offenlegt, ein Blues-Album.
Wer Harry Belafonte nur mit seinen bekannten Stücken wie: „Jamaica Farewell“ oder „Day O“ kennt, wird erstaunt sein über das hier zu Hörende. Harrys Stimme ist ebenso zurückhaltend, wie das ganze Arrangement der Stücke, die nicht alle reine Blues-Stücke sind, sondern zum Teil zu Blues-Nummern umgeschrieben wurden.
Das gesamte Album ist sehr getragen und unaufgeregt. Umso mehr fällt Harrys Stimmgewalt auf. Die Atmosphäre des Albums wirkt sehr entschleunigend auf den Zuhörer. Dieser Höreindruck wird durch die hervorragende neue Digitalisierung durch Impex Records noch unterstützt. Man hat es ausgezeichnet verstanden, den warmen und beeindruckenden Klangteppich der Originalaufnahme zu erhalten. Mir sind nicht viele Aufnahmen bekannt, die beinahe sechzig Jahre auf dem Buckel haben, und gleichzeitig noch so frisch und transparent klingen.

Für mich persönlich bildet der Song „Cotton Fields“, im Original von Huddie William Ledbetter, den Höhepunkt dieses sehr stimmigen und einzigartige Belafonte-Albums.

Sollten Sie Blues mögen und eine andere Seite von Harry Belafonte kennenlernen wollen, sind sie hier genau richtig!

Titelverzeichnis:

  1. A Fool For You
  2. Losing Hand
  3. One For My Baby
  4. In The Evenin' Mama
  5. Hallelujah I Love Her So
  6. The Way I Feel
  7. Cotton Fields
  8. God Bless The Child
  9. Mary Ann
  10. Sinner's Prayer
  11. Fare Thee Well

I'm Leavin'

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Elvis Presley



© Sony Music / 2016

Genre: Country / Folk
Format: Vinyl LP (schwarz) 140g / Limitiert auf 5000 Exemplare

Als Sony Music in diesem Frühjahr ankündigten, dass sie, anlässlich eines „Record Store Day“, diese LP von Elvis veröffentlichen würden, war für mich schnell klar, dass ich sie haben musste.
Die Songauswahl ist genial und beinhaltet nicht weniger als sieben meiner liebsten Elvis-Songs! Hätte ich die LP-Titel selber zusammenstellen dürfen, die Auswahl wäre wohl nicht viel anders herausgekommen!

Zu finden sind darauf Folk und Country Stücke, die zwischen den Jahren 1966 und 1973 entstanden sind. Der Kern der Aufnahmen stammt allerdings aus den 1971er-Sessions.
Als herausragend ist sicher die kongeniale Coverversion von Dylans „Tomorrow Is A Long Time“ zu bezeichnen, in die Elvis sein ganzes Können steckte und von der Bob Dylan damals meinte, dass es sich um eine der besten Coverversion handle, die je von einem seiner Songs gemacht worden sei... dem ist nichts hinzuzufügen.
Auch das Titelstück „I‘m Leavin‘“ ist ein wunderbarer Song, mit dem Elvis damals seiner Zeit meiner Meinung nach weit voraus war – ist leider heute kaum noch im Radio zu hören.
Warum auf der B-Seite Take 2 (also ein Outtake) von „Loving Arms“ Verwendung fand, anstelle des offiziellen Master-Takes, erschliesst sich mir nicht. Das kann aber den guten Gesamteindruck dieser Veröffentlichung kaum schmälern.
Eine LP, wie Elvis sie hätte in den 70ern veröffentlichen sollen! Stimmlich war er auf dem Höhepunkt und musikalisch reifer und professioneller als je zuvor oder danach... Schön, dass wir nun, wenigstens vierzig Jahre später, die Highlights dieser Schaffensphase vorgesetzt bekommen.

Die LP selbst besteht aus 140g-Vinyl – also nicht gerade audiophil, aber dennoch ordentliche Qualität, und der Klang ist als gut, wenn auch nicht überragend, zu bezeichnen. Das Cover ist stilvoll in zurückhaltender Eleganz gehalten, während das „Innenleben“ dann schon etwas ernüchternder ausfällt: Eine einfache Papierschutzhülle ohne Bedruckung oder Texte – hier ist Sony sich bei seiner Vermarktungspolitik treu geblieben...(Dafür habe ich den einen Stern abgezogen!)

Fazit: Als Elvis-Fan besitzt man diese Songs natürlich alle schon zigfach, in Vinyl-Zusammenstellung gab‘s das aber noch nie in dieser konsequenten Form und für alle, die noch nicht viel von Elvis im Regal stehen haben, ist das hier ein Pflichtkauf – schlicht das Beste, das es von Elvis in dieser Schaffensphase zu hören gibt!

Titelverzeichnis

Seite A

01 I‘m Leavin‘ (3:52)
02 Early Mornin‘ Rain (3:00
03 Good time Charlie‘s Got The Blues (3:10)
04 Until It‘s Time For You To Go (4:02)
05 Help Me Make It Through The Night (2:51)
06 Don‘t Think Twice, It‘s All Right (2:45)

Seite B

07 You Asked Me To (2:52)
08 Gentle On My Mind (3:26)
09 Tomorrow Is A Long Time (5:24)
10 I‘m Movin‘ On (2:56)
11 (That‘s What You Get) For Lovin‘ Me (2:11)
12 Lonving Arms (Take 2) (2:52)

Badlands

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Trampled Under Foot



© Telarc / 2013

Genre: Blues
Format: Standard-CD

Danielle Schnebelen (Bass / Vocals)
Nick Schnebelen (Guitar / Vocals)
Kris Schnebelen (Drums / Vocals)

Zusätzlich:
Mike Finnigan (Keyboards)
Tony Braunagel (Percussion)
Johnny Lee Schell (Acoustic Guitar)
Lisa Swedelund (Background Vocals)

Klassische Blues-Musik ist ja zur Zeit nicht gerade gross in Mode. Umso erfreulicher ist es, wenn man dann auf so eine wunderbare Blues-CD stösst.
Schon der erste Titel „Bad Bad Feeling“, mein Lieblingssong auf dieser Scheibe, lässt einen verwundert auf die CD-Hülle blicken, doch tatsächlich, das wurde 2013 eingespielt.
Die Stimme von Danielle Schnebelen haut einen wirklich vom Hocker. Überhaupt ist der Sound, der hier aus den Lautsprechern kommt, eine wahre Urgewalt. Da werden Assoziationen geweckt mit Robert Cray, Doug MacLeod, aber auch John Lee Hooker lässt grüssen. Ohne dass das Ganze aber in irgendeiner Form abgekupfert wirkt. Die Schnebelen-Geschwister haben da durchaus ihren eigenen Stil entwickelt und nebst richtigen Dampfhammerstücken gibt es auch Raum für schöne Mid-Tempo-Songs wie „Mary“.

Ohne Frage eine der besten Blues-CDs, die mir in letzter Zeit untergekommen ist. Einen Stern Abzug gibt es für den etwas dumpfen Sound dieser CD-Produktion und die sehr spartanische Verpackung, bei der es nicht mal für ein Booklet gereicht hat...

Meine Lieblingsstücke auf dieser CD:

Nr. 1 Bad Bad Feeling, Nr. 10 Down To The River und Nr. 13 It's A Man's Man's Man's World

Titelverzeichnis

  1. Bad Bad Feeling
  2. Dark Of The Night
  3. Don't Want No Woman
  4. Mary
  5. Badlands
  6. You Never Really Loved Me
  7. Pain In My Mind
  8. I Didn't Try
  9. Desperate Heart
  10. Down To The River
  11. Home To You
  12. Two Go Down
  13. It's A Man's Man's Man's World


Pearls - Songs of Goffin and King

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Carole King



© Rockingale Records / 2012

Aufgenommen: 1980 – © Capitol Records / Pecan Street Studios Texas

Format: Standard-CD


Carole King und Gerry Goffin gehörten im 20. Jahrhundert ohne Frage zu den besten Songwriter-Paaren überhaupt.
Die Hitdichte, die diese beiden begnadeten Künstler zusammen schufen, ist beeindruckend.
Als die Musik Carole Kings Ende der 70er-Jahre nicht mehr so erfolgreich in den Charts vertreten war, wie zu Beginn des Jahrzehnts, machte sie das, was viele Künstler tun, in solchen Zeiten: Sie veröffentlichte ein Album mit ihren grössten Hits. Die Instrumentalisierung wurde teilweise markant verändert, zuweilen auch das ganze Arrangement dem Zeitgeist angepasst.

Allen hier vertretenen Songs ist gemein, dass sie ursprünglich von King/Goffin für andere Künstler geschrieben worden sind. Und so hören wir von Carole King erstmalig Songs wie zum Beispiel „The Loco-Motion“ (1962) oder „One Fine Day“, letzterer war 1963 ein Welthit der Girl-Group The Chiffons.
Trotz moderner Arrangements, wird auf diesem Album vorwiegend den Sechzigerjahren gehuldigt. Wobei ich anfügen muss, dass die oben genannten Songs nicht an die Wucht der Originalversionen heranreichen. Überhaupt wirken viele Stücke etwas überarrangiert und zu glattgebügelt. Der erste eigentliche Höhepunkt des Albums bildet meiner Meinung nach erst Track 7: „Oh No, Not My Baby“, ein R&B-Song, der Mitte der Sechzigerjahre durch Maxine Brown zum Hit wurde. Ebenso überzeugen kann Song 8: „Wasn‘t Born To Follow“, ein Country-Folk-Song, der mit origineller Banjo-Begleitung und guter Rhythmik punkten kann.

Und dann kommt Song 10: „Goin‘ Back“. Ein Song, den Carole King ursprünglich für ihr Album „Writer“ 1970 aufgenommen hatte.
Dieser Song ist der eigentliche Grund dafür, warum ich mir dieses Album zugelegt habe, handelt es sich dabei doch um meinen absoluten Lieblingssong von Carole King. Auch dieses Stück hat sie etwas umarrangiert. Ich muss gestehen, dass es mir schwer fällt zu entscheiden, welche Version die Bessere ist. Beide haben so ihre Stärken und Schwächen. Beim Original von 1970 ist die Instrumentalisierung etwas dezenter ausgefallen, die 1980er Version hingegen ist gefälliger und runder, das Piano kommt mehr zu Geltung. Auch schön ist die neu eingebaute Mundharmonika. Dafür hat sie das Gitarrensolo zum Schluss des Songs in der neuen Version weggelassen...

Alles in allem ein Album, das nur wenige wirkliche Höhepunkte aufweisen kann. Zudem ist es etwas bedauerlich, dass es bei einem so erfolgreichen und produktiven Songwriter-Duo lediglich zehn Stücke auf ein Album geschafft haben.

Klangtechnisch ist diese CD-Ausgabe von 2012 gut ausgefallen. Einzig der Bassbereich könnten etwas klarer ausgebildet sein.
Im Booklet sind sämtliche Songtexte zu finden – auch nicht mehr selbstverständlich heutzutage...

Titelverzeichnis

  1. Dancin‘ with Tears in My Eyes
  2. The Loco-Motion
  3. One Fine Day
  4. Hey Girl
  5. Snow Queen
  6. Chains
  7. Oh No Not My Baby
  8. Hi De Ho
  9. Wasn‘t Born to Follow
  10. Goin‘ Back

Duets

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Linda Ronstadt



© Rhino Entertainment Company – 2014

Standard-Audio-CD

Wie der Titel schon vermuten lässt, haben wir es hier mit Duet-Aufnahmen von Linda Ronstadt zu tun. Da sie leider an Parkinson erkrankte und ihre Karriere 2013 aufgab, handelt es sich bei dieser Veröffentlichung nicht um neue Duette, sondern um ein Zusammenstellung aus vergangenen Zeiten. Die älteste Aufnahme ist aus dem Jahr 1974.

Eingefleischte Ronstadt-Fans sollten also eigentlich schon alles besitzen, was auf dieser CD zu finden ist. Mit einer Ausnahme: Wir finden als Song Nummer 6 „Pretty Bird“ im Duett mit Laurie Lewis. Dieser Song war ursprünglich für ein Hazel Dickens Tribute-Album aufgenommen worden, welches dann aber nie veröffentlich wurde. Nun hat die Aufnahme den Weg in die Öffentlichkeit doch noch gefunden.

Linda Ronstadt hat ja eine Stimme, die sich wunderbar eignet für Duett-Aufnahmen. Das wird hier immer wieder sehr schön aufgezeigt. In verschiedenen Songs zusammen mit Carl Jackson, Dolly Parton, Emmylou Harris, Don Henley, Aaron Neville u.s.w...
Ganze drei Songs singt sie zusammen mit Ann Savoy, wobei die tiefe Stimme von Ann und die glockenklare Stimme von Linda sich wunderschön ergänzen.
Zuweilen wirkt das Ganze etwas überproduziert wie im Song „Prisoner in Disguise“ mit J.D. Souther. Kaum hat man diesen Gedanken aber gefasst, kommt eine wunderbare, frische Rock-Ballade, „I Think It's Gonna Work Out Fine“ mit James Taylor, und die Zweifel sind wieder weggewischt.

Als Schlusspunkt der CD hat man das Duett von 1994 mit Frank Sinatra gesetzt, für mich eher einer der langweiligeren Songs, da ist der zweitletzte „Sisters“ mit Bette Midler schon eindrücklicher.
Meine persönlichen Höhepunkte sind auf jeden Fall die Aufnahmen mit Emmylou Harris und Ann Savoy.
Wir hören Country, Rock, Pop, Jazz, so wie man sich das von Linda Ronstadt eben gewohnt ist, denn in eine Schublade liess sie sich ja nie stecken.
Die Tonqualität der CD ist recht gut. Die Hochtöne sind schön klar, man hat sich wirklich Mühe gegeben, diese ganz verschiedenen Musikepochen in einem einheitlichen Sound auf die CD zu bekommen.
Weniger angestrengt hat man sich bei der CD-Verpackung. So was wie ein Booklet sucht man vergebens. Infos zu den Songs? – Fehlanzeige!

Eine CD, die ich mir sicher immer wieder mal anhören werde...

Titelverzeichnis

  1. Adieu False Heart - (featuring Ann Savoy)
  2. I Can't Get Over You - (featuring Ann Savoy)
  3. Walk Away Renee - (featuring Ann Savoy)
  4. The New Partner Waltz - (featuring Carl Jackson)
  5. I Never Will Marry - (featuring Dolly Parton)
  6. Pretty Bird - (featuring Laurie Lewis)
  7. I Can't Help It (If I'm Still In Love With You) - (featuring Emmylou Harris)
  8. Hasten Down the Wind - (featuring Don Henley)
  9. Prisoner In Disguise - (featuring J.D. Souther)
  10. I Think It's Gonna Work Out Fine - (featuring James Taylor)
  11. Don't Know Much - (featuring Aaron Neville)
  12. All My Life - (featuring Aaron Neville)
  13. Somewhere Out There - (featuring James Ingram)
  14. Sisters - (featuring Bette Midler)
  15. Moonlight In Vermont - (featuring Frank Sinatra)

Same Trailer Different Park

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Kacey Musgraves



© Mercury Nashville / 2013

Format: Standard CD


Kacey Musgraves gilt als neuer Star am US-Country-Himmel.
Wenn man sich dieses Album anhört, kommt das nicht von ungefähr. Musgraves besticht durch ein gutes Gespür für gefällige Refrains und gute Harmonien. Die Texte sind ebenfalls recht ansprechend, was ja nicht gerade ein übliches Markenzeichen gegenwärtiger Countrymusik darstellt.
Der grosse Durchbruch kam mit dem auf diesem Album befindlichen Song, „Merry Go `Round“, der schon kurz nach Erscheinen in den US-Country-Sendern in Dauerschlaufe lief. Obwohl der Song ohne Frage bemerkenswert ist, gibt es Besseres auf diesem Album.
Das sehr klassische, mit schönen Mundharmonikaeinlagen versehene „My House“, zum Beispiel, hat es mir angetan. Oder auch der Song „Follow Your Arrow“ verbreitet eine gute Stimmung.
Wir haben es hier aber nicht mit reiner Countrymusik zu tun. Wie schon berühmte Vorgängerinnen Shania Twain oder Taylor Swift es vorgemacht haben, bedient sich Kacey Musgraves verschiedener Elemente aus Country Folk, Blues Rock und Country Pop.
Zuweilen mag das Album etwas zu durcharrangiert und glattgebügelt wirken, gleichwohl ist immer wieder ein erfreulich frischer Wind zu spüren.
Die Tatsache, dass Musgraves bei allen Songs als Co-Autorin und Co-Produzentin auftritt, spricht zudem für sich.
In den USA wird sie als Erbin von Dolly Parton und Loretta Lynn gehandelt. Für mich ein etwas gewagter Vergleich. Tatsache ist aber, dass Kacey Musgraves ohne Frage frischen Wind in die amerikanische Country-Szene gebracht hat. Ob sie diesen recht hohen Standard, den sie mit „Same Trailer Different Park“ gesetzt hat, halten oder gar übertreffen kann, wird die Zukunft zeigen...

Die klangliche Qualität der CD ist recht beachtlich. Die Höhen wie auch die Bässe wirken ausgewogen und stimmig. Die Räumlichkeit lässt es etwas an Transparenz vermissen.

Titelverzeichnis:

01 Silver Lining
02 My House
03 Merry Go 'Round
04 Dandelion
05 Blowin' Smoke
06 I Miss You
07 Step Off
08 Back On The Map
09 Keep It To Yours
10 Stupid Stupid
11 Follow Your Arrow
12 It Is What It Is

Maggie Yellow Cloud: Mord auf Pine Ridge

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Brita Rose-Billert




© Ausgabe: Traumfänger Verlag, Hohenthann-Schönau / 2011


Die junge Lakota-Ärztin Maggie Yellow Cloud arbeitet im Pine Ridge Indian Hospital, in der gleichnamigen Reservation.
Eines Tages wird ihr Schwager ermordet. Sowohl die Stammespolizei wie auch das FBI tappen im Dunkeln.
Maggie versucht sich durch Arbeit von diesem traumatischen Ereignis abzulenken. Als aber immer mehr Medikamente und Verbandsstoff aus der Notaufnahme verschwindet und sie diesem Verschwinden auf den Grund gehen will, findet sie Hinweise, die mit dem Mordfall in Zusammenhang stehen.
Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und begibt sich dabei in grosse Gefahr…

Obwohl der Verlag es als Thriller anpreist, haben wir es hier mit einem eher lahmen Ethno-Krimi zu tun, und selbst der kommt erst nach etwa sechzig Seiten so langsam in die Gänge. Wirklich spannend wird es aber auch dann nur selten. Auch der ethnologische bzw. sozialkritische Teil ist nur etwas für Leute, die sich noch nie mit der indigenen Gegenwart in Nordamerika beschäftigt haben. Dem Leser wird bald klar, dass die Pine Ridge Reservation hier nur als Kulisse missbraucht wird.
Die Figuren besitzen keine Tiefe oder Charakter, die Beschreibungen wirken aufgesetzt und blutleer. Zudem strotzt die Geschichte vor grauenvollen Klischeevorstellungen und platten Handlungsabläufen, die man so eigentlich nur aus Telenovelas kennt.
Telenovela ist ein gutes Stichwort, wenn man die Sprache in diesem kleinen Büchlein beschreiben möchte. Vor allem die Dialoge sind voller Allgemeinplätze und abgedroschenen Redewendungen. Alles in allem seicht und banal. Ich habe wirklich keine grosse Literatur erwartet, aber meine Schmerzgrenze nach unten wurde arg strapaziert. Ab und an kam mir auch der Verdacht, dass hier wohl kein allzu seriöses Lektorat stattgefunden haben konnte, zumal in gewissen Sätzen sogar Wörter fehlen.

Fazit: Für mich eine absolute Enttäuschung. Die Geschichte ist vorhersehbar, nur bedingt spannend oder unterhaltsam und vollgestopft mit Klischees. Wer gute Ethno-Krimis lesen möchte, sollte sich etwas von Tony Hillerman besorgen und seine Zeit nicht mit diesem Werk vertun…

Die Regulatoren in Arkansas

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Friedrich Gerstäcker



Originalausgabe: 1846

© Ausgabe: Friedrich-Gerstäcker-Gesellschaft, Braunschweig / 2004


Eine brutale Verbrecherbande treibt ihr Unwesen im spärlich besiedelten Arkansas des 19. Jahrhunderts. Recht und Gesetz sind fern, in der Hauptstadt Little Rock, und schließlich greifen die Siedler im unwegsamen Gebiet am Fuß des Ozark-Gebirges zur Selbsthilfe. Sie gründen den Regulatoren-Bund und verfolgen die Verbrecher gnadenlos. Assowaum, der Indianer, erweist sich dabei als wertvoller Helfer, auch wenn der zwielichtige Prediger Rowson versucht, die Siedler zu beschwichtigen - langsam zieht sich die Schlinge um die Verbrecher zusammen...

Gerstäcker steht heute sehr zu Unrecht im Schatten von Karl May. Dabei sind seine Geschichten, wie die hier vorliegende eindrücklich beweist, genau so spannend und einfallsreich konzipiert wie die von May. Mehr noch, während Karl May mit Hilfe von Lexiken und Reisebeschreibungen von anderen Autoren seine Werke zusammenschreiben musste, war Gerstäcker in den USA unterwegs und eignete sich viele Kenntnisse über Land und Leute an. Seine Beschreibungen sind genauer und kenntnisreicher, und das macht seine Story glaubhafter.
Natürlich ist die Sprache etwas behäbiger als man sich das heute gewohnt ist und die Handlungen für heutiges Verständnis zuweilen etwas gar romantisiert oder dramatisch überhöht. Das schmälert das Lesevergnügen aber nur unmerklich.
Er hat diese Geschichte übrigens im Jahre 1848 mit dem Roman „Die Flusspiraten des Mississippi“ weitergeführt!

God's Country

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Percival Everett



Originaltitel: God's Country / 1994

© Deutsche Ausgabe: Büchergilde Gutenberg / 2014


1871, irgendwo im Wilden Westen. Jock Marder muss mitansehen wie sein Haus abgebrannt, seine Frau entführt und sein geliebter Hund umgebracht wird, wobei ihn vor allem Letzteres arg mitnimmt.
Um seine Frau wieder zu finden, heuert er den besten Fährtenleser der Gegend an, den schwarzen Bubba. Das ungleiche Paar macht sich auf den Weg und schon bald wird klar: Das Ganze wird nicht gut enden. Zuviel läuft schief, und dass Marder ein Feigling, Trunkenbold und Möchtegern-Frauenheld ist, macht das ganze Unternehmen auch nicht gerade einfacher...

In salopper Sprache erzählt uns die Hauptfigur Jock Marder was ihm widerfährt, und wie er die Welt sieht, und schon bald wird dem Leser klar, dass man es hier mit einem äusserst unsympathischen, schmierigen und widerwärtigen Gesellen zu tun hat.
Es ist nicht wirklich ein Western-Roman, vielmehr eine Parodie oder Persiflage desselben.
Der eigentliche Held der Geschichte, Bubba, muss sich gegen die Ignoranz und Intoleranz der weissen Welt, in der er lebt, zur Wehr setzen. Bald wird klar, dass der eigentliche Held keine Chance haben wird, in dieser gesetzlosen Welt zu überleben.
So verfolgt man als Leser gebannt das wilde Treiben und ist zunehmend fasziniert von der zielstrebigen Orientierungslosigkeit, mit der die Figuren dem dramatischen Höhepunkt zustreben.
Die Sprache ist genial und die deutsche Übersetzung ist ausgezeichnet ausgefallen.

Es spricht übrigens nicht gerade für die deutschsprachige Verlagswelt, dass so ein grossartiger Roman erst 20 Jahre nach Erscheinen und dann erst noch von einem Buchclub herausgegeben wird...

Der Glanzrappe

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Robert Olmstead



Originaltitel: Coal Black Horse / 2007

© Deutsche Ausgabe: Eichborn Verlag / 2008

HANDLUNG

Robey Childs ist vierzehn Jahre alt, als er von seiner Mutter von zu Hause weggeschickt wird, um seinen Vater aus dem Bürgerkrieg heimzuholen. Ein alter Farmer, den Robey am Anfang seines Weges nach Gettysburg trifft, schenkt ihm einen ungewöhnlich schönen Rappen. Auf seinem alptraumhaften Ritt, durch die von Krieg und Zerstörung geschundenen Landschaften, muss Robey zahlreiche Prüfungen und Herausforderungen bestehen, bis er die Schlachtfelder von Gettysburg erreicht...

REZENSION

Eine sehr packende und gleichzeitig irritierende Geschichte, die Olmstead uns da erzählt. Mit einer gradlinigen, schnörkellosen Sprache beschreibt er einen geradezu apokalyptischen Ritt. Die sehr authentischen, grauenvollen Beschreibungen der Kriegsgreuel hinterlassen beim Leser eine Mischung aus Abscheu und Ungläubigkeit, und immer wenn man denkt, jetzt ist's aber gut, wir haben es verstanden, setzt der Autor noch einen drauf.
Die beinahe in zeitlupenartiger Genauigkeit zelebrierte Brutalität befremdet, macht aber auch klar, dass diese Geschichte wohl mit keinem anderen erzählerischen Stilmittel so genau auf den Punkt hätte gebracht werden können.
Aus der Distanz betrachtet, ist dieses Werk bemerkenswert. Die Gradlinigkeit und Ehrlichkeit, mit der der Erzähler die Geschichte vorantreibt, weitab von aller Cowboy-Romantik oder verkitschten Hollywood Klischees, ist beeindruckend und wird nur noch von sehr wenigen amerikanischen Autoren in dieser Perfektion erreicht. Mir fällt im Moment nur Cormac McCarthy ein, der einen ähnlich eindringlichen Schreibstil pflegt.

Alles in allem kein Buch für zimperliche Gemüter. Es wird schon einiges abverlangt vom Leser. Die Tatsache, dass der Autor die Handlung sehr offen lässt und mehr dem Leser überlässt, die Verschwiegenheit seiner Figuren zu interpretieren, macht die Lektüre auch nicht einfacher - aber spannend!

Bob Dylan - Ein Leben

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Willi Winkler



© Verlag: Alexander Fest, Berlin / 2001


Das Werk bietet einen knappen aber prägnanten Einblick in das Leben und Schaffen von Bob Dylan. Zuweilen hatte ich etwas Mühe mit der sehr saloppen Sprache und dem mir krankhaft anmutenden Versuchs des Autoren "witzig" zu sein. Auch die Bemerkungen über andere Sänger bzw. Musiker offenbarten zum Teil erhebliche Schwächen und Fehler.
Im Großen und Ganzen erhält man einen guten Überblick, man sollte aber keine fundierte Biografie erwarten und den Anspruch an die sprachliche Qualität etwas herunter schrauben...

Jenseits des Flusses

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Caryl Phillips



Originaltitel: Crossing the River / 1993

© Deutsche Ausgabe: Hanser Verlag / 1995

Caryl Phillip's Werk "Jenseits des Flusses" beinhaltet auf 256 Seiten nicht mehr oder weniger als Schicksal und Leid der schwarzen Bevölkerung der USA.
In vier unabhängigen Geschichten lässt der Autor Vergangenheit und Gegenwart am Auge des Lesers vorbeiziehen.
Phillips schafft es, seine Sprache von Geschichte zu Geschichte zu variieren. Wunderschöne, fast lyrische Stellen wechseln mit reportagenhafter Knappheit.
Der auf Saint Kitts, Westindien, geborene Autor schafft es, die verschiedenen Geschichten wie Akte in einem Theaterstück zu verbinden. Und wenn auch ganz verschiedene Schicksale erzählt werden, so verbindet sie doch alle gemeinsam eine erschütternde kollektive Erinnerung.

Caryl Phillips gilt in Großbritannien als einer der wichtigsten Autoren der jüngeren Generation. Mit seiner Fabulierkunst führt er die große Tradition eines Rushdie oder Naipaul erfolgreich fort - unglaublich traurig, doch auch unglaublich schön...