Brügge tote Stadt

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Georges Rodenbach



Originaltitel: Bruges-la-Morte / 1892

© Deutsche Ausgabe: Manholt Verlag / 2003


Nach dem Tod seiner abgöttisch geliebten, jungen Frau, beschliesst Hugues Viane, den Rest seiner Tage in Brügge zu verbringen, einer Stadt, die ebenso tot ist wie seine Frau.
In den Grachten und tristen Häuserzeilen dieser Stadt glaubt er, die Entsprechung seiner eigenen Seelenlandschaft zu finden. Nach Jahren abgeschiedenen Lebens, während denen er nur abends einen kurzen Spaziergang in den finsteren Gassen Brügges gemacht hatte, trifft er auf die Schauspielerin Jane Scott, in der er ein Ebenbild der geliebten Verstorbenen sieht.
Ohne ihr je sein Geheimnis zu offenbaren, umwirbt er die unbeschwerte, junge Frau, bietet ihr das standesgemässe Leben einer Mätresse gutbetuchter Bürger. Doch das Drama nimmt seinen lauf, Liebe schlägt um in Hass...

Ein ungewöhnlicher Roman, der mich sowohl abgestossen aber gleichzeitig auch sehr fasziniert hat.
Es ist sehr unheimlich, diese langsam in den Wahn abrutschende Hauptfigur zu verfolgen. Diese morbide Atmosphäre und die niedergeschlagene Stimmung, drückt auch dem Leser aufs Gemüt, was aber natürlich für das schriftstellerische Können des Autoren spricht.
Rodenbachs Novelle gilt als wichtiger Vertreter des französischsprachigen Symbolismus, warum wird nach der Lektüre klar.
Ich kann das Buch weiterempfehlen, aber nicht uneingeschränkt, die künstlerisch-symbolhafte Umsetzung dürfte nicht die breiten Massen ansprechen und den heutigen Leser wohl etwas verstören.