Jefta und seine Tochter

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Lion Feuchtwanger



Erstausgabe: 1957 Rowohlt Verlag, Hamburg

Diese Ausgabe: © 1995 Aufbau Verlag, Berlin



HANDLUNG

Die Geschichte spielt 1’300 Jahre vor unserer Zeitrechnung im Jordanland. Der angesehene Richter Gilead ist gestorben, noch während der Trauerzeit beginnt das Ringen um seine Nachfolge. Jefta, Gileads unehelicher Sohn, wird von Gileads Witwe und deren Söhnen aus der Sippe verstossen. Dies, obwohl Jefta Gileads Lieblingssohn war und die Verheissung vorhersagte, dass er dereinst die Stämme Israels einen sollte.
Jefta zieht mit seiner Familie und seinen Getreuen ins Land Tob. Hier, im Niemandsland, wird er zum gefürchteten Bandenführer und Oberhaupt einer stetig wachsenden Armee.
Als seine einstige Heimat von Feinden bedroht wird, bittet man Jefta und seine Streitmacht um Hilfe. Während einer entscheidenden Schlacht, ruft Jefta seinen Gott Jahwe um Beistand an und gelobt, dafür nach seiner Heimkehr den ersten Menschen, der ihm entgegenkäme, Jahwe zu opfern. Als er als gefeierter Sieger zu seinem Lager zurückkehrt, eilt ihm seine geliebte Tochter Ja’ala als Erste entgegen…

REZENSION

„Jefta und seine Tochter“ ist Lion Feuchtwangers letztes Werk. Als Meister von historischen Romanen, hatte er sich viel vorgenommen. Erzählt wird die Geschichte der alttestamentarischen Figur Jiftach aus dem „Buch der Richter“ (Das 7. Buch des alten Testaments). Dabei war es Feuchtwanger wichtig zu betonen, dass er nicht einfach einen biblischen Roman schreiben wollte, sondern vielmehr ein historisches Werk, welches mit dem Wissen der Gegenwart die biblische Geschichte nacherzählt.

In diesem Sinne hat Feuchtwanger denn auch viel Zeit investiert und Detailgenauigkeit walten lassen. Dies ist sowohl bei den Beschreibungen der verschiedenen Völker, wie auch bei jenen der historischen Gepflogenheiten im Jordanland deutlich zu bemerken. Der Roman lässt die vorchristliche Zeit eindrücklich aufleben. Unterstützt werden die gewissenhaften Beschreibungen durch eine wunderbare Sprache, die Feuchtwanger bewusst an der klassischen Bibel-Sprache anlehnte. Dadurch entsteht eine eindrückliche Atmosphäre, die nicht nur die Geschichte, sondern auch die darin agierenden Menschen überzeugend zum Leben erweckt. Besonders gut gelungen ist ihm dies bei den weiblichen Figuren. So gehört die Beschreibung von Jeftas Ehefrau Ketura, sowie die der Tochter Ja’ala mit zum Besten, das es in Feuchtwangers Romanen zu finden gibt. Nicht ganz so überzeugend ist ihm die Hauptfigur Jefta gelungen. Der zunächst von Ehrgeiz und Vergeltung getriebene Protagonist, wird schliesslich als verbitterter und unglücklicher Richter dargestellt und wirkte auf mich immer sehr distanziert und unnahbar. Es ist aber gut möglich, dass Lion Feuchtwanger dies ganz bewusst als Stilmittel angelegt hatte, weil er nicht wollte, dass der Leser eine zu enge Beziehung mit diesem Unglücklichen aufnimmt.

Wie auch immer, „Jeftas Tochter“ ist eine Reise in eine sehr ferne und äusserst fremde Zeit. Lion Feuchtwanger ist es gelungen, diese Zeit wieder aufleben zu lassen. Er hat einen eindrücklichen historischen Roman verfasst, der an Spannung, Unterhaltung und Wissenswertem einiges zu bieten hat.

BUCHVERARBEITUNG

Das hier vorliegende Buch ist in Leinen gebunden, mit einer Fadenheftung versehen und ist Teil der Gesammelten Werke aus dem Aufbau-Verlag. Eine sehr schöne und handwerklich bibliophil verarbeite Ausgabe, die kaum Wünsche offen lässt!

Zita - Kaiserin von Österreich. Königin von Ungarn

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E. H. P. Cordfunke



Originaltitel: Zita. Keizerin van Oostenrijk. Koningin van Hongarije / 1985

Deutsche Ausgabe: Hermann Böhlau Verlag, Wien / 1986


Zita, die letzte Kaiserin der Donaumonarchie, hatte wahrlich ein bewegtes Leben. Sie hat den Untergang eines riesigen Reiches miterlebt, nachdem sie als erst 24-Jährige zusammen mit ihrem Mann Karl mitten in den Wirren des 1. Weltkrieges den Thron des verstorbenen Kaisers Franz Josef geerbt hatte.
Nach dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches mussten sie und ihre Familie Österreich verlassen. Eine Odyssee begann, die erst in die Schweiz, später nach Madeira, Spanien, Belgien und schliesslich nach Kanada und in die USA führte.
Nachdem Kaiser Karl bereits 1922 verstarb, trug sie die Verantwortung für ihre neun (!) Kinder alleine.

Ich habe ein sehr zwiespältiges Gefühl bei diesem Buch. Zum einen ist es sehr flüssig und gut lesbar. Die historischen Ereignisse, vor allem die zwei Restaurationsversuche durch Kaiser Karl, werden sehr spannend und informativ geschildert. Zudem ist das Buch reich bebildert, mit zum Teil sehr interessanten Familienfotos, die ich so noch nie gesehen habe.

Zum anderen weist das Werk aber auch grosse Defizite auf. Es ist komplett kritiklos. Es fehlt von Seiten des Autors jegliche Distanz, die ein seriöser Biograf schaffen muss, um glaubhaft zu wirken. Alles, was Zita getan oder unterlassen hat, wird als vollkommen und gut beschrieben. Beinah liest sich das Werk wie eine Auftragsarbeit für das Haus Habsburg-Lothringen und weniger wie eine neutrale Biografie über ein bewegtes Leben.

Das ist sehr schade, da diese Lebensbeschreibung dadurch an Glaubhaftigkeit verliert und schlussendlich nicht mehr ist, als eine schön bebilderte Lobhudelei.