Anbringen eines Tonabnehmers

Ich habe mir vor Kurzem einen neuen Plattenspieler gekauft. Den RP8 von Rega. Da ich das Tonabnehmersystem separat erworben hatte (Ortofon 2m Black), ergab sich für mich das Vergnügen, dieses selber am Player anzubringen zu dürfen. Ein Unterfangen, das nicht ohne Tücken ist. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine Schritt für Schritt Anleitung zu verfassen, die aufzeigt, wie das Ganze von statten geht.

Nachdem der Plattenspieler mit Hilfe einer Wasserwaage perfekt steht, liegen folgende fünf Schritte vor uns:

  1. Anbringen und Anschliessen des Tonabnehmers (TA) an den Tonarm
  2. Auflagegewicht des TA einstellen
  3. Höhe des Tonarmes kontrollieren
  4. Überhang & Kröpfungswinkel des TA einstellen
  5. Anti-Skating-Gewicht justieren

Schritt 1


Gleich zu Beginn kommt der heikelste Part: Das Anbringen des Tonabnehmers. Dieser wird mit Hilfe eines kleinen Schraubenziehers am Tonarm befestigt. Danach müssen die vier aus dem Tonarm hängenden Kabel an die vorgesehenen Kontakte des TA gesteckt werden. Wobei folgende Farbzuweisung gilt: Rot: Rechts +, Grün: Rechts -, Weiss: Links +, Blau: Links -. Am besten kann man die Kabelhülsen mit Hilfe einer kleinen Flachzange an die vorgesehenen Kontakte stecken. Sollten die Hülsen etwas zu locker sitzen, können sie mit der Flachzange leicht zusammengedrückt werden. Die Betonung liegt hierbei auf „leicht“ und nicht auf „zusammendrücken“!!

01 ta_anschluss

Sollten Sie nur drei Kabel haben und zudem noch in anderen Farben, sind Sie möglicherweise gerade dabei, den Tonabnehmer an Ihrer Schreibtischlampe anzubringen – kleiner Scherz zur Auflockerung.
Sie haben Schritt eins erfolgreich gemeistert. Es folgt…

Schritt 2


Nun da wir den TA am Tonarm befestigt haben, können wir das ideale Auflagegewicht einstellen. Wie hoch dieses Gewicht ist, wird vom jeweiligen Hersteller des TAs vorgegeben. Bei meinem Ortofon 2m Black ist dies 1,5 g.
Nachdem wir das Auflagegewicht am Tonarm manuell auf 0 gestellt haben, senken wir den Tonarm mit dem Tonarmlift ab und stellen dabei das Gegengewicht so ein, dass der Tonarm waagerecht in der Luft schwebt. Ist dies geschafft, kann am Einstellrad die vorgegebene Auflage eingestellt werden. In meinem Fall also 1,5 g.
Diese Einstellung ist nie zu hundert Prozent genau, was mich veranlasst hat, eine elektrische Tonarmwaage zu kaufen. Gibt es für wenig Geld in jedem HiFi-Fachgeschäft. Damit können die eingestellten Gramm nun kontrolliert und gegebenenfalls nachjustiert werden.

02 auflagegewicht

Schritt 3


Nun stellen wir die Tonarmhöhe richtig ein.
Um festzustellen, ob dies überhaupt notwendig ist, legen wir eine LP auf den Plattenteller und setzen die Nadel auf die LP (ohne den Plattenspieler anzustellen!). Der Tonarm muss nun parallel zur LP stehen. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Tonarm je nach dem erhöht oder abgesenkt werden.
Bei mir war eine Erhöhung des Tonarmes notwendig. Leider besitzt der Rega RP8 kein Liftsystem, wie das zum Teil bei anderen Herstellern verbaut wird. So war ich gezwungen, den Tonarm abzumontieren und einen sogenannten Spacer einzusetzen.

03 tonarmhoehe

Schritt 4


Wir kommen nun zur Einstellung des Tonabnehmer-Überhangs und des Kröpfungswinkels.
Dazu benötigen wir eine Schablone, die auf den Plattenteller gesteckt wird. So eine Schablone kann man sich im Internet herunterladen und ausdrucken, oder es liegt beim gekauften Plattenspieler bereits eine solche bei - wie das bei mir der Fall war.
Wir legen nun den Tonabnehmer vorsichtig in die vorgegebenen Markierungen auf der Schablone. Den Kröpfungswinkel findet man, indem der Tonabnehmer genau parallel auf der Markierung der Justierschablone platziert wird. Um die perfekte Übergangposition zu finden, richtet man sich nach der eingezeichneten Linie auf der Schablone. Ist eine Ausrichtung notwendig, werden die Schrauben des TAs leicht gelöst und der TA bewegt, bis es passt – Millimeterarbeit ist angesagt…
Wenn alles stimmt, werden die Schrauben wieder festgezogen.
Mit der Einstellung des Überhangs und des Kröpfungswinkels wird gewährleistet, dass der TA perfekt auf der LP steht und die Nadel in der idealen Abtaststellung ihrer Arbeit nachgehen kann – eine wichtige Einstellung, die man möglichst genau vornehmen sollte!

04 ueberhang

Schritt 5


Zum Schluss wird noch das richtige Anti-Skating-Gewicht eingestellt.
Die Nadel, die auf einer sich drehenden LP steht, wird durch die Rotation nach innen gezogen und zwar umso stärker, je weiter innen sie steht – physikalisch logisch. Diesen Vorgang nennt man Skating. Um diesen Vorgang zu neutralisieren, braucht es eine Anti-Skating-Einstellung. Diese ist relativ simpel zu bewerkstelligen. Die Faustregel besagt, dass es der selbe Wert wie beim Auflagegewicht ist. Wenn das Auflagegewicht also 1,5 g beträgt, stellt man beim Anti-Skating-Rädchen ebenfalls 1,5 g ein. Nun gibt es Fachleute, die sagen, es sei besser, nur 75% dieses Wertes einzustellen. In unserem Beispiel wären das also 1,12 g. Vermutlich muss das jeder bei seinem Dreher selber ausprobieren, ob es dadurch zu Klangverbesserungen kommt oder nicht…
Ich jedenfalls habe den Eindruck, dass mein Rega-Spieler bei 75% besser klingt.

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Ein Plattenspieler ist ein analoges Gerät und nicht zu vergleichen mit einem CD-Player. Das heisst, jede Einstellung hat eine direkte Auswirkung auf die Klanggüte. Demzufolge kann durch gute Einstellungen eine deutliche Qualitätssteigerung erzielt werden. Leider bedeutet das aber im Umkehrschluss auch, dass durch falsche oder schlechte Einstellungen die Klangqualität leidet. Es ist meiner Meinung nach deshalb äusserst wichtig, sich die nötige Zeit zu nehmen, um die perfekten Voraussetzungen zu schaffen.
Ich hoffe, dass mein kleiner Beitrag für Sie dabei von Nutzen sein kann…


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