Der Garten über dem Meer

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Mercè Rodoreda



Originaltitel: Jardi vora el mar / 1967

© Deutsche Ausgabe: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main (Lizenz von Mare Verlag) / 2015

HANDLUNG

Sechs Sommer lang beobachtet der Gärtner eines schönen Anwesens über dem Meer die neuen Besitzer und frisch vermählten Francesc und Rosamaria und ihre Freunde. Es finden rauschende Feste statt, es wird gebadet, gemalt, geliebt und gestritten.
Verschiedenste Besucher des Paares treffen ein, mit denen der Gärtner über die Jahre bekannt wird.
Als auf dem Nachbargrundstück eine Villa gebaut wird, beginnt sich die Atmosphäre zu verändern. Der neue Nachbar ist Eugeni, die einstige Jugendliebe Rosamarias…

REZENSION

Der in den 20er-Jahren spielende Roman von Mercè Rodoreda wird in den Medien zuweilen mit dem Grossen Gatsby verglichen. Ich halte diesen Vergleich aber für sehr weit hergeholt. Natürlich, es bevölkern auch hier reiche Snobs, die mit ihrer Zeit nicht viel Sinnvolles anzustellen wissen, die Szenerie. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Im Zentrum dieser Geschichte steht der Gärtner und sein Garten mit den unzähligen Blumen, Sträuchern und Bäumen. Wir erleben die Jahreszeiten, den Sommer mit den Snobs und den Herbst/Winter, in der der sich der Gärtner mehr oder weniger allein um sein Reich kümmert.
Rodoreda erzählt unglaublich atmosphärisch und stilvoll. Die Stimmung ist immer leicht melancholisch, hat aber durchaus auch einen dezent humorvolle Note. Die Geschichte durch den Gärtner erzählen zu lassen, ist ein gelungenes Stilmittel, das sehr zur Lebendigkeit der Erzählung beiträgt. Seine Launen und Vorurteile wirken wie ein Filter und können vom Leser schnell decodiert werden. Die Tatsache, dass er alles aus der Erinnerung erzählt und sich zuweilen auch gar nicht sicher ist, die Ereignisse noch recht im Gedächtnis zu haben, verleihen dem Ganzen einen vagen und zugleich charmanten Reiz.

Die Geschichte an sich ist recht konventionell, entfaltet aber vielleicht gerade deshalb eine ungeahnte Tiefe. Rodoreda versteht es, einen Realismus zu schaffen, der höchste Dramatik, Komik und Alltägliches zu einem harmonischen Lebensbild verflechtet, welches Hand in Hand mit der Vergänglichkeit der Jahreszeiten einherschreitet...

„Der Garten über dem Meer“ ist einer der schönsten Romane, die ich seit langem gelesen habe. Eines jener Bücher eben, um die man alle beneidet, die es noch nicht entdeckt haben, denn die haben noch eine wunderbare Leseentdeckung vor sich...

Der grüne Blitz

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Jules Verne



Originaltitel: Le Rayon-vert / 1882

© Deutsche Ausgabe: Mare Verlag / 2013

HANDLUNG

Helena Campbell lebt in der Nähe von Glasgow bei ihren Onkeln Sib und Sam Melvill, von denen sie auch aufgezogen wurde.
Als sich Sib und Sam in den Kopf setzen Helena zu verheiraten, weigert sich Helena. Erst wolle sie den „grünen Blitz“ sehen, ein Naturphänomen, das unter bestimmten Voraussetzungen beim Sonnenuntergang zu beobachten ist. Vorher käme eine Heirat nicht in Frage.
Auf der Suche nach dem geeigneten Ort an der schottischen Westküste, macht Helena auf dramatische Weise Bekanntschaft mit Olivier Sinclair.
Wer den grünen Blitz gesehen hat, wird sich in Gefühlsangelegenheiten nicht mehr täuschen lassen, besagt die Legende, und dies scheint sich in Helenas Fall zu bewahrheiten…

REZENSION

Die zum Spätwerk zählende Geschichte „Der grüne Blitz“ ist alles andere als ein typischer Jules-Verne-Roman. Es gibt keine futuristischen Erfindungen wie U-Boote, Mondraketen oder dergleichen. Auch weisst die Story keinerlei Science-Fiction-Elemente auf. Vielmehr haben wir es hier mit dem ersten und einzigen Liebesroman aus Vernes Feder zu tun.
Erzählt wird die Geschichte der selbstbewussten jungen Helena nicht ohne Schalk. Wobei dem Leser schon sehr schnell klar wird, wohin die Reise gehen wird. Der eigentliche Heiratskandidat Aristobulus Ursiclos, wird von Beginn an derart plump und als pedantischer Langweiler eingeführt, dass keinerlei Zweideutigkeiten aufzukommen drohen.
Der Roman ist aber mehr als eine einfache Liebesgeschichte, vielmehr eine Huldigung an die schottische Literatur und Landschaft. Die Hebriden werden derart genau beschrieben, dass man aufgrund dieses Romans problemlos seine nächste Schottlandreise planen könnte.

So haben wir schlussendlich eine einfache, sprachlich schön beschriebene, romantische Liebesgeschichte, eingepackt zwischen einem wissenschaftlichen Naturphänomen und tosender Meeresbrandung.
Der Autor hat es verstanden, eine sehr ruhige, fast entschleunigte Erzählform zu finden, die zu keiner Zeit langweilig wird.
Sicher nicht der beste Roman Jules Vernes, aber ebenso nicht sein schlechtester…

VERARBEITUNG

Die deutsche Ausgabe aus dem Mare Verlag wurde passend mit einem grünen Leineneinband versehen und fadengeheftet. Zusammen mit dem stabilen und schön gestalteten Schuber und den Kupferstichen der Originalausgabe von 1882, haben wir es hier mit einer wahren Prachtausgabe zu tun.
Mit der Neuübersetzung gelingt es Cornelia Hasting ausgezeichnet, die Sprache des 19. Jahrhunderts behutsam in die Gegenwart zu retten.