Geschichte des Kapuziner-Klosters Rapperswil

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P. Rufin Steimer



© Ausgabe: Verlag: Karl Didierjean / 1927



Zugegeben, es mag etwas verschroben wirken, in einem Buch-Blog ein Sachbuch zu rezensieren, das 1927 erschienen ist.
Tatsache ist aber, dass dieser Buch-Blog meine Leseabenteuer wiedergibt, und die sind nun mal verschroben...

Schon unzählige Male bin ich durchs schöne Städtchen Rapperswil gewandelt und eben so unzählige Male auch am wunderschön gelegenen Kapuziner-Kloster vorbeigekommen. Eigentlich immer habe ich mich bei diesen Gelegenheiten gefragt, was wohl für Geschichten von diesen alten Mauern erzählt werden könnten.
Als ich dann zufällig in einem deutschen Antiquariat über dieses Buch des Kapuzinermönches Rufin Steimer gestossen bin, war klar, dass ich es kaufen und lesen musste.

Pater Rufin ist ein hoch gebildeter und weiser Mann, das wird schon schnell klar, wenn man sich der Lektüre widmet.
Er erzählt uns die ganzen geschichtlichen Zusammenhänge der Region vor der Klostergründung 1604.
Rapperswil zwischen den katholischen Regionen St. Gallen und Schwyz und dem protestantischen Zürich gelegen, hatte von je her eine Pufferfunktion und wurde gerade deshalb auch von einigen Belagerungen und Zerstörungen heimgesucht. Gerade da ein Kloster zu gründen, wurde natürlich von den Zürchern als reine Provokation empfunden. So ist dieser Konflikt mit ein Grund, warum sich die Errichtung des Klosters zehn Jahre (1596-1606) hinzog.

Pater Rufin nimmt den Leser mit über die Jahrhunderte und die wechselhafte Geschichte des Klosters und der Region am oberen Zürichsee. Die politischen Zusammenhänge werden dabei stets ausführlich miteinbezogen, wenn auch etwas tendenziös aus katholischer Sicht.
Spannend sind auch die Beschreibung über die liberalen Geistesströmungen Mitte des 19. Jahrhunderts, die zeitweise beinahe zur Auflösung des Klosters geführt hätten.
Dazwischen gibt es dann auch immer wieder etwas langatmige Ausführungen über die Kostenaufstellung der verschiedenen Bauphasen oder Konflikte mit der Bürgergemeinde Rapperswil, die auf den heutigen Leser etwas ermüdend wirken können.

Alles in allem habe ich aber vieles gelernt über die Geschichte dieser Region und auch über den Kapuzinerorden und dessen Bestrebungen. Was ich zuweilen vermisst habe, sind etwas persönlichere Einblicke in den Klosteralltag, der so gut wie gar nicht beschrieben wird.