Elizabeth und ihr deutscher Garten

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Elizabeth von Arnim



Originaltitel: Elizabeth and her German Garden
Verlag: MacMillan & Co. / 1898

Deutsche Ausgabe: © 2014 Edition fünf, Gräfelfingen



HANDLUNG

Die junge Ehefrau Elizabeth überredet ihren Ehemann, mit der ganzen Familie auf den Landsitz in Norddeutschland zu ziehen. Dort macht sich Elizabeth zusammen mit einem Gärtner dran, den völlig verwilderten Garten neu anzulegen und zu bepflanzen. Sie geniesst ihre neu gewonnene Freiheit, die es ihr erlaubt, unliebsamen gesellschaftlichen Verpflichtungen zu entfliehen und statt dessen den Blumen in ihrem Garten Gesellschaft zu leisten.
Nur ganz selten verirren sich Besucher in die Einsamkeit und stören Elizabeths Ruhe…

REZENSION

Elizabeth von Arnim wurde 1866 als Mary Annette Beauchamp in Australien geboren und zog in früher Kinderzeit mit ihren Eltern nach England. Nachdem sie den deutschen Henning August von Arnim-Schlagenthin ehelichte, lebte sie in einem abgelegenen Herrensitz in Pommern. Hier schrieb sie auch ihr Erstlingswerk „Elizabeth and her German Garden“.

Der Roman ist im Tagebuch-Stil verfasst und beschäftigt sich vornehmlich, wie der Titel schon erahnen lässt, mit ihrem Garten, den sie liebevoll pflegt und hegt. Wobei vor allem ihre Unkenntnis in der Gartenkunst und ihre, für damalige Verhältnisse, gesellschaftsfeindliche Einstellung für den Leser amüsant ist.
Während der Anfang des Werkes noch sehr behäbig und etwas langatmig daherkommt, findet die Autorin schon bald eine humorvolle, satirische Sprache, die dem romantischen Touch etwas die Spitze nimmt und das Werk auch für heutige Leser lesenswert macht.

Ohne Frage finden sich in diesem Werk viele autobiografische Elemente aus Elizabeth von Arnims Leben - ebenso fraglos entspricht ihr hier beschriebenes Leben dennoch kaum den tatsächlichen Lebensumständen…
So lässt sich Elizabeth von ihrem Kutscher alleine in den Wald fahren, um die Stille zu geniessen, oder sitzt in Winterskälte in ihrem Garten und lässt sich von den verdutzten Bediensteten ihren Tee servieren. Ihr Ehemann, den sie „den Zornmütigen“ nennt, steht dem Treiben seiner Frau ebenso verständnis- wie machtlos gegenüber - und spätestens hier wird dem Leser klar, es ist nicht die reale Elizabeth, die hier erzählt, wie es war, sondern ihr Alter Ego, das schildert, wie sie es gerne hätte. Wir haben es hier also gewissermassen mit einem, wenn auch sehr subtilen, feministischen Manifest zu tun.

Veröffentlicht wurde das Werk anonym und avancierte in kürzester Zeit zu einem Bestseller, der den Beginn von Elizabeth von Arnims Karriere als erfolgreiche Autorin markierte.

„Elizabeth und ihr deutscher Garten“ ist fraglos ein amüsantes und stellenweise auch gesellschaftskritisches Werk, welches aber derart subtil und filigran daherkommt, dass es in der heutigen Zeit (zu unrecht) als harmlos wahrgenommen wird.
Die Übersetzung dieser Ausgabe wurde von Hans-Ulrich Möhring erstellt, und Karen Nölle verfasste ein kurzes, interessantes Nachwort.

BUCHVERARBEITUNG

Die Ausgabe ist mit einem feuerroten Leineneinband und einem gleichfarbigen Vorsatzblatt versehen. Darüber hinaus verfügt sie über ein Lesebändchen sowie edle Fadenheftung. Eine verarbeitungstechnische Buchqualität, die heutzutage nur noch selten in dieser Form anzutreffen ist!

Der Garten über dem Meer

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Mercè Rodoreda



Originaltitel: Jardi vora el mar / 1967

© Deutsche Ausgabe: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main (Lizenz von Mare Verlag) / 2015

HANDLUNG

Sechs Sommer lang beobachtet der Gärtner eines schönen Anwesens über dem Meer die neuen Besitzer und frisch vermählten Francesc und Rosamaria und ihre Freunde. Es finden rauschende Feste statt, es wird gebadet, gemalt, geliebt und gestritten.
Verschiedenste Besucher des Paares treffen ein, mit denen der Gärtner über die Jahre bekannt wird.
Als auf dem Nachbargrundstück eine Villa gebaut wird, beginnt sich die Atmosphäre zu verändern. Der neue Nachbar ist Eugeni, die einstige Jugendliebe Rosamarias…

REZENSION

Der in den 20er-Jahren spielende Roman von Mercè Rodoreda wird in den Medien zuweilen mit dem Grossen Gatsby verglichen. Ich halte diesen Vergleich aber für sehr weit hergeholt. Natürlich, es bevölkern auch hier reiche Snobs, die mit ihrer Zeit nicht viel Sinnvolles anzustellen wissen, die Szenerie. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.
Im Zentrum dieser Geschichte steht der Gärtner und sein Garten mit den unzähligen Blumen, Sträuchern und Bäumen. Wir erleben die Jahreszeiten, den Sommer mit den Snobs und den Herbst/Winter, in der der sich der Gärtner mehr oder weniger allein um sein Reich kümmert.
Rodoreda erzählt unglaublich atmosphärisch und stilvoll. Die Stimmung ist immer leicht melancholisch, hat aber durchaus auch einen dezent humorvolle Note. Die Geschichte durch den Gärtner erzählen zu lassen, ist ein gelungenes Stilmittel, das sehr zur Lebendigkeit der Erzählung beiträgt. Seine Launen und Vorurteile wirken wie ein Filter und können vom Leser schnell decodiert werden. Die Tatsache, dass er alles aus der Erinnerung erzählt und sich zuweilen auch gar nicht sicher ist, die Ereignisse noch recht im Gedächtnis zu haben, verleihen dem Ganzen einen vagen und zugleich charmanten Reiz.

Die Geschichte an sich ist recht konventionell, entfaltet aber vielleicht gerade deshalb eine ungeahnte Tiefe. Rodoreda versteht es, einen Realismus zu schaffen, der höchste Dramatik, Komik und Alltägliches zu einem harmonischen Lebensbild verflechtet, welches Hand in Hand mit der Vergänglichkeit der Jahreszeiten einherschreitet...

„Der Garten über dem Meer“ ist einer der schönsten Romane, die ich seit langem gelesen habe. Eines jener Bücher eben, um die man alle beneidet, die es noch nicht entdeckt haben, denn die haben noch eine wunderbare Leseentdeckung vor sich...