Frauen um Kronprinz Rudolf - Von Kaiserin Elisabeth bis Mary Vetsera

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Friedrich Weissensteiner



1991
Ausgabe: © 2004 Kremayr & Scheriau /Orac, Wien

Dieses Werk wurde 1991 erstmalig publiziert und 2004 überarbeitet und erweitert. Diese Rezension bezieht sich auf die Ausgabe von 2004.


Ein sehr spannendes Thema, dem sich Friedrich Weissensteiner hier angenommen hat. Die Frage, in wie weit Rudolfs Leben durch Frauen beeinflusst wurde, ist keine unberechtigte, stand er doch Zeit seines Lebens zwischen sehr starken und Einfluss nehmenden Frauen. Es nimmt seinen Anfang bei seiner Grossmutter, der Kaiserin Mutter Sophie, über seine, oft abwesende Mutter, Kaiserin Elisabeth, bis hin zu seinen Kinderfrauen und endet schliesslich bei seiner Ehefrau Kronprinzessin Stephanie und diversen Geliebten und Mätressen…

Weissensteiner schreibt galant und routiniert, kann aber leider in den meisten Kapiteln kaum nennenswert Neues zu Tage fördern. Das gilt speziell bei den Texten zu Erzherzogin Sophie und jenen über Kaiserin Elisabeth. Weissensteiner bewegt sich hier auf breiten, ausgetretenen Pfaden, die wohl Lesern, die schon das eine oder andere Habsburger-Werk über diese Zeit gelesen haben, etwas eintönig erscheinen. Auch zum tragischen Ende in Mayerling erfahren wir nichts Neues, weder über Mary Vetsera noch den tragischen Doppelselbstmord. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass das Werk zuweilen künstlich etwas gestreckt wurde.

Was das Buch dennoch lesenswert macht, sind die vereinzelten Perlen, die sich darin finden. Die Beschreibung Rudolfs Aja zum Beispiel oder das Kapitel über seine Beziehung zu seinen beiden Schwestern - und hier speziell zu Gisela - ist sehr informativ und aufschlussreich.

Alles in allem, ist das Werk für meinen Geschmack etwas zu sehr dem voyeuristischen Zeitgeist verhaftet und verbreitet zuweilen auch Ansichten, die historisch überholt sind. Das Werk bietet jedoch für Einsteiger, die noch über keinerlei Kenntnisse über Kronprinz Rudolf verfügen, einen interessanten Überblick, der neugierig auf mehr macht...


Meine Tochter Amy

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Mitch Winehouse



Originaltitel: Amy, My Daughter / 2012

© Deutsche Ausgabe: Edel Books / 2012


Es ist immer etwas heikel, wenn engste Familienangehörige eine Biografie verfassen. Dies deshalb, weil die nötige Distanz zur biografierten Person fehlt, was einer objektiven Beschreibung im Weg steht.

Grundsätzlich trifft diese Feststellung auch auf die vorliegende, von ihrem Vater verfasste, Amy Winehouse-Biografie zu. In diesem Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass Mitch Winehouse dieses Werk wohl aus therapeutischen Gründen verfasst hat, um über den Verlust hinwegzukommen und sich in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, alles für seine Tochter getan zu haben.
So erstaunt es dann auch nicht weiter, dass er selbst fast mehr im Zentrum der Biografie steht, als seine Tochter Amy. Hat man sich als Leser erst mal auf diese Perspektive eingelassen, hat das Buch durchaus auch Interessantes zu bieten.

Die Kindheit wird relativ rasch abgehandelt, enthält aber einige interessante Charakterstudien und Anekdoten, die einem ein recht gutes Bild der kleinen Amy vermitteln.
Ihr Weg zur Musik wird ebenfalls sehr anschaulich, wenn auch sehr kurz, aufgezeigt. Da Amy wohl sehr verschlossen war, was ihre Musik anbelangte, erfahren wir über die Entstehung ihres Erstlingswerkes „Frank“ sehr wenig. Überhaupt nimmt die künstlerische Entfaltung mit den daraus entstehenden Werken einen eher bescheidenen Raum ein. Klar im Zentrum dieser Veröffentlichung steht Amys Drogensucht und das anschliessende Alkoholproblem. Mitch Winehouse räumt diesem Thema ausserordentlich viel Platz ein und lässt erahnen, wie traumatisch es für den Vater und die ganze Familie gewesen sein muss, zuzusehen wie Amys Leben zunehmend ausser Kontrolle geriet.
So richtig sein Fett weg kriegt auch sein damaliger Schwiegersohn Blake Fielder-Civil, dem Mitch Winehouse die Hauptverantwortung für Amys Heroinabhängigkeit zuspricht.
Alles in allem wird man mit zunehmender Lesedauer den Verdacht nicht los, dass hinter Mitch Winehouses Beteuerungen, alles für seine Tochter getan zu haben, ein Schuldgefühl steht, ausgelöst durch die Vermutung, dass dem eben nicht so war…

Die Sicht des Vaters ist durchaus interessant. Allerdings eben auch äusserst tendenziös. Wer etwas über die geniale Sängerin und Songwriterin Amy Winehouse erfahren möchte, wird wohl mit dieser Veröffentlichung nicht wirklich glücklich werden.
Wer sich aber für die dunkle Seite ihrer Karriere interessiert und einen eindrücklichen Bericht über ihre letzten Jahren lesen möchte, ist hier richtig.

Nofretete - Die historische Gestalt hinter der Büste

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Franz Meciejewski



© Ausgabe: Osburg Verlag, Hamburg / 2012


Vor über hundert Jahren entdeckten deutsche Archäologen die berühmte Büste der Amarna-Königin Nofretete.
Franz Maciejewski begibt sich in seinem Werk auf Spurensuche nach der für ihre Schönheit bekannten Pharaonin und zeigt uns die historische Gestalt, die hinter der berühmten Büste steckt.

Der Autor verfügt über ein beeindruckendes Hintergrundwissen und versteht es eindrücklich, uns in die Zeit um das 14. Jahrhundert v. Chr. einzuführen .
Nofretete wird vor den Augen des Lesers als Ehefrau des Pharao Amenophis IV, der sich später Echnaton nennen wird, wieder zum Leben erweckt.
Interessant wird die Einführung des Monotheismus in Ägypten beschrieben und auch die äusserst verwirrenden, zuweilen inzestuösen, Familienverhältnisse werden vom Autoren mittels DNA-Beweisen schlüssig aufgezeigt.
Maciejewski beschreibt Nofretetes Aufstieg sehr anschaulich, bis hin zum Höhepunkt nach dem Tod ihres Mannes, wo sie für kurze Zeit zur allein regierenden Pharaonin aufstieg. Damit widerspricht Maciejewski allerdings der unter Archäologen verbreiteten Theorie, dass Nofretete bereits vor Echnaton gestorben beziehungsweise vor dessen Tod verstossen worden sein soll.
Fest steht, dass Nofretete gestürzt wurde. Ob sie dabei umgebracht wurde oder sich selbst das Leben nahm, ist bis heute unklar. Ebenso hat man ihre Grabstätte bis heute nicht ausfindig machen können.
Schlussendlich bleibt die Erkenntnis, dass Vieles im Dunklen oder ein Frage der Deutung bleiben wird…
Das Werk ist reichlich mit interessanten und sehr anschaulichen Zeichnungen und Bebilderungen in schwarz/weiss versehen, die die Aussagen im Text hervorragend unterstützen. Zusätzlich gibt es auf einzelnen Seiten sehr informative Kurzabrisse über einzelne relevante Sachthemen wie zum Beispiel die Hethiter, religiöse Bräuche, DNA-Analysen von Mumien etc..

Auch wenn einige Thesen, die Franz Maciejewski aufstellt, spekulativ sind, und er zuweilen etwas gar populistisch argumentiert, haben wir es hier mit einer ausgezeichneten und sehr kenntnisreichen Abhandlung über Nofretete und ihre Zeit zu tun.
Dank der anschaulichen und verständlichen Sprache, ist dieses kleine Werk auch als Einstieg in die Materie bestens geeignet.

Zita - Kaiserin von Österreich. Königin von Ungarn

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E. H. P. Cordfunke



Originaltitel: Zita. Keizerin van Oostenrijk. Koningin van Hongarije / 1985

Deutsche Ausgabe: Hermann Böhlau Verlag, Wien / 1986


Zita, die letzte Kaiserin der Donaumonarchie, hatte wahrlich ein bewegtes Leben. Sie hat den Untergang eines riesigen Reiches miterlebt, nachdem sie als erst 24-Jährige zusammen mit ihrem Mann Karl mitten in den Wirren des 1. Weltkrieges den Thron des verstorbenen Kaisers Franz Josef geerbt hatte.
Nach dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches mussten sie und ihre Familie Österreich verlassen. Eine Odyssee begann, die erst in die Schweiz, später nach Madeira, Spanien, Belgien und schliesslich nach Kanada und in die USA führte.
Nachdem Kaiser Karl bereits 1922 verstarb, trug sie die Verantwortung für ihre neun (!) Kinder alleine.

Ich habe ein sehr zwiespältiges Gefühl bei diesem Buch. Zum einen ist es sehr flüssig und gut lesbar. Die historischen Ereignisse, vor allem die zwei Restaurationsversuche durch Kaiser Karl, werden sehr spannend und informativ geschildert. Zudem ist das Buch reich bebildert, mit zum Teil sehr interessanten Familienfotos, die ich so noch nie gesehen habe.

Zum anderen weist das Werk aber auch grosse Defizite auf. Es ist komplett kritiklos. Es fehlt von Seiten des Autors jegliche Distanz, die ein seriöser Biograf schaffen muss, um glaubhaft zu wirken. Alles, was Zita getan oder unterlassen hat, wird als vollkommen und gut beschrieben. Beinah liest sich das Werk wie eine Auftragsarbeit für das Haus Habsburg-Lothringen und weniger wie eine neutrale Biografie über ein bewegtes Leben.

Das ist sehr schade, da diese Lebensbeschreibung dadurch an Glaubhaftigkeit verliert und schlussendlich nicht mehr ist, als eine schön bebilderte Lobhudelei.