...mit Säbel und Koran

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Jörg-Dieter Brandes



Saudi-Arabien oder der Aufstieg der Königsfamilie Saud und der Wahabiten.



© Ausgabe: Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart / 1999


Jörg-Dieter Brandes ist ein profunder Kenner des nahen Ostens und beschreibt im vorliegenden Werk nicht nur den Aufstieg der Familie Saud, sondern geht zurück bis in die Anfänge des Islams.

Brandes beschreibt sehr anschaulich die wechselhafte Geschichte sowie die Wanderbewegungen der vielen Beduinenstämme.
Nebst den grossen historischen Zusammenhängen, wird der Leser aber durchaus auch mit kleinen, wissenswerten Details bedient. So lernt man ganz zu Beginn, dass „Allahu akbar“ eben nicht, wie vielfach und oft falsch übersetzt, „Allah ist gross“ heisst, sondern Allah ist „grösser“, woraus sich dann schon interessante philosophische Gedanken spinnen lassen.

Die äusserst wechselhafte Geschichte der arabischen Halbinsel ist unwahrscheinlich komplex und für Zentraleuropäer beinahe undurchschaubar. Dabei macht es die Tatsache, dass viele arabische Herrscher oder Regenten den selben Namen tragen auch nicht einfacher. Brandes versteht es aber ausgezeichnet, die verwirrenden Verläufe der Geschichte sehr anschaulich und in einer bildhaften Sprache wiederzugeben. Wobei zuweilen sogar etwas Humor in seinen Beschreibungen liegt und die an sich gewalttätigen Ereignisse etwas erträglicher macht.
Jörg-Dieter Brandes stellt uns die wichtigen Figuren der arabischen Geschichte vor, wie etwa Mohammed ibn Abdul Wahab, auf dessen Lehren sich die Wahabiten berufen. Die Entstehung des Gottesstaates wird beschrieben und die daraus entstehenden Konflikte im zentralarabischen Raum. Einer dieser Konflikte rückte im 18. Jahrhundert das heutige Saudi-Arabien erstmals auch in den Fokus der damaligen Grossmacht Grossbritannien und des Osmanischen Reiches.
Dem eigentlichen Staatsgründer Abd al-Aziz ibn Saud wird aus naheliegendem Grund viel Raum zugestanden. Eines wird bei der Lektüre aber klar, die Geschichte Saudi Arabiens beginnt nicht mit ibn Saud sondern reicht bis weit ins 15. Jahrhundert zurück.

Alles in allem habe ich viel gelernt bei diesem Werk. Es war spannend zu lesen, äusserst unterhaltsam verfasst, ohne es aber an der nötigen Tiefe fehlen zu lassen. Will man einen Kritikpunkt anbringen, könnte man feststellen, dass das Buch die Sozialgeschichte Saudi-Arabiens komplett weglässt und sich weitestgehend auf die militärischen, beziehungsweise kriegerischen Bereiche der Geschichtsschreibung beschränkt.
Fakt bleibt, dass einem nach der Lektüre einige Zusammenhänge der heutigen Ereignisse im gesamten Nahen Osten um einiges klarer werden. Auch die Entstehung von fanatischen, religiösen Gruppierungen ist bei Leibe keine „Erfindung“ der Neuzeit, sondern begründen sich auf einer langen und blutigen „Tradition“.
Alles in allem also ein Rückblick, der einem die Gegenwart verständlicher macht; mehr kann man von einem guten Geschichtswerk denn auch kaum verlangen.