St. Ives

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Robert Louis Stevenson



St. Ives, Being the Adventures of a French Prisoner in England / 1897

© Deutsche Ausgabe: Hanser Verlag / 2011


Die Hauptfigur ist Kéroual de Saint-Yves oder eben kurz St. Ives, ein französischer Adliger, der in der Armee Napoleons dient. Er wird in Spanien von den Engländern als Spion enttarnt und festgenommen.
Nun sitzt er als Gefangener mit anderen Napoleonischen Soldaten in der Burg von Edinburgh. Es gelingt ihm unter halsbrecherischen Umständen zu entfliehen.
Auf der Flucht begegnet er Flora, einem schottischen Mädchen, in das er sich verliebt. Eine wilde Verfolgungsjagd durch ganz England beginnt, die schlussendlich bis an die Küsten der Vereinigten Staaten und zurück nach Frankreich führt.
Sein Ziel aber bleibt die Rückkehr zu Flora…

Stevenson, bekannt als Autor von Klassikern wie „Die Schatzinsel“ oder „Die Abenteuer des David Balfour“, schrieb diesen Abenteuerroman kurz vor seinem Tod (1894). Da er das Werk nicht mehr selber zu Ende führen konnte, wurden die letzten sechs Kapitel durch einen jungen Autoren namens Arthur Quiller-Couch vollendet.
Dies war möglich, da Stevenson die abschliessende Handlung bereits skizziert hatte und diese gewissermassen nur noch ausformuliert werden musste. Während man bei diesen letzten Kapiteln zu Beginn noch etwas ins Stocken gerät, wird mit jeder Seite spürbarer, dass der Jungautor die Sprache des Meisters hervorragend aufnahm und sich die Lesbarkeit deutlich verbessert.

Die Geschichte an sich ist abenteuerlich und mit viel Ironie und Sprachwitz verfasst. Stevensons schrieb diesen Roman auf Samoa, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte, und obwohl er so fern wie nie von Schottland war, erschuf er ein unglaublich eindrückliches Portrait seiner Heimat.

Auch wenn der Roman die eine oder andere Länge aufweist, wird man gut unterhalten und kann sich über eine wunderbare Sprache und eine ebenso wunderbare deutsche Übersetzung durch Andreas Nohl erfreuen.

Das Werk ist liegt hier übrigens erstmals vollständig in deutscher Sprache vor!

Ich kann jedem, der etwas mit schön gemachten Büchern anfangen kann, die in Leinen gebundene und fadengeheftete Ausgabe des Hanser Verlages empfehlen. Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass es noch Verlagshäuser gibt, die solch exzellente Bücher produzieren und neu übersetzten lassen.