Meine Tochter Amy

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Mitch Winehouse



Originaltitel: Amy, My Daughter / 2012

© Deutsche Ausgabe: Edel Books / 2012


Es ist immer etwas heikel, wenn engste Familienangehörige eine Biografie verfassen. Dies deshalb, weil die nötige Distanz zur biografierten Person fehlt, was einer objektiven Beschreibung im Weg steht.

Grundsätzlich trifft diese Feststellung auch auf die vorliegende, von ihrem Vater verfasste, Amy Winehouse-Biografie zu. In diesem Fall kommt noch erschwerend hinzu, dass Mitch Winehouse dieses Werk wohl aus therapeutischen Gründen verfasst hat, um über den Verlust hinwegzukommen und sich in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, alles für seine Tochter getan zu haben.
So erstaunt es dann auch nicht weiter, dass er selbst fast mehr im Zentrum der Biografie steht, als seine Tochter Amy. Hat man sich als Leser erst mal auf diese Perspektive eingelassen, hat das Buch durchaus auch Interessantes zu bieten.

Die Kindheit wird relativ rasch abgehandelt, enthält aber einige interessante Charakterstudien und Anekdoten, die einem ein recht gutes Bild der kleinen Amy vermitteln.
Ihr Weg zur Musik wird ebenfalls sehr anschaulich, wenn auch sehr kurz, aufgezeigt. Da Amy wohl sehr verschlossen war, was ihre Musik anbelangte, erfahren wir über die Entstehung ihres Erstlingswerkes „Frank“ sehr wenig. Überhaupt nimmt die künstlerische Entfaltung mit den daraus entstehenden Werken einen eher bescheidenen Raum ein. Klar im Zentrum dieser Veröffentlichung steht Amys Drogensucht und das anschliessende Alkoholproblem. Mitch Winehouse räumt diesem Thema ausserordentlich viel Platz ein und lässt erahnen, wie traumatisch es für den Vater und die ganze Familie gewesen sein muss, zuzusehen wie Amys Leben zunehmend ausser Kontrolle geriet.
So richtig sein Fett weg kriegt auch sein damaliger Schwiegersohn Blake Fielder-Civil, dem Mitch Winehouse die Hauptverantwortung für Amys Heroinabhängigkeit zuspricht.
Alles in allem wird man mit zunehmender Lesedauer den Verdacht nicht los, dass hinter Mitch Winehouses Beteuerungen, alles für seine Tochter getan zu haben, ein Schuldgefühl steht, ausgelöst durch die Vermutung, dass dem eben nicht so war…

Die Sicht des Vaters ist durchaus interessant. Allerdings eben auch äusserst tendenziös. Wer etwas über die geniale Sängerin und Songwriterin Amy Winehouse erfahren möchte, wird wohl mit dieser Veröffentlichung nicht wirklich glücklich werden.
Wer sich aber für die dunkle Seite ihrer Karriere interessiert und einen eindrücklichen Bericht über ihre letzten Jahren lesen möchte, ist hier richtig.