Agathodämon

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Christoph Martin Wieland



Originalausgabe: 1799

Ausgabe: © Insel Verlag, Frankfurt am Main (2008)



HANDLUNG

Wir schreiben das 1. Jahrhundert n. Chr., Hegesias ist auf einer Forschungsreise auf Kreta unterwegs, als er auf eine Gruppe Ziegenhirten stösst, die ihm von einer übernatürlichen Erscheinung in Menschengestalt berichten. Dieser Agathodämon (Guter Geist) soll ihre Felder und Herden beschützen und ihnen Glück bringen.
Der rationale Hegesias glaubt nicht an Geister oder Götter und will der Sache selber auf den Grund gehen. Doch als er auf einen beinahe hundertjährigen Greis trifft, wird er in dessen Bann gezogen. Verunsichert, ob er vor einem Menschen oder doch einem Gott steht, wird ihm nach und nach bewusst, dass der beeindruckende Einsiedler niemand anderer sein kann, als der sagenumwobene Apollonios von Tyana.
Die drei Tage, die Hegesias beim greisen Apollonios und dessen Dienerschaft verbringt, sollten sein weiteres Leben nachhaltig prägen…

REZENSION

Christoph Martin Wieland zählt sicherlich zu den bedeutenden Schriftstellern der Aufklärung. Vor allem sein Spätwerk, zu dem auch „Agathodämon“ gehört, ist geprägt durch Kritik am Christentum.
Seine Hauptfigur in diesem Roman, Apollonios von Tyana, dient hierbei als Mittler zwischen der alten vorchristlichen und der im Entstehen befindlichen christlichen Zeit. Dabei steckt hinter Wielands sprachlich sehr poetischer Erzählung auch viel Kritik an der Leichtgläubigkeit seiner Zeitgenossen, denen er hiermit einen Spiegel vorhält.

Das Werk ist in sieben Teile gegliedert. Die ersten Teile sind der Vergangenheit Apollonios gewidmet, in den letzten Teilen wird das Entstehen des Christentums und die geschickte Agitation der Christen beschrieben. Die Handlung wird, nach klassischem Vorbild, in Gesprächen wiedergegeben.

So beeindruckend und interessant die Thematik auch ist, bin ich doch immer wieder an meine Grenzen gestossen. Als heutigem Leser fehlt mir einfach das universale Wissen und die umfassenden Kenntnisse, die ein C. M. Wieland besass. Ein Wissen, das unabdingbar ist, um dieses Werk im vollem Umfang zu würdigen.
Ohne Frage schafft es Wieland ausgezeichnet, eine eindrückliche Atmosphäre aufzubauen, die vor allem durch die sehr kontemplative Handlung entsteht.
Wieland, ein Zeitgenosse Goethes und Schillers, legte viel Wert auf Sprachrhythmik und Ausdruck. Dieser sehr geschliffenen Sprache gelingt es, auch den heutigen Leser zu beeindrucken. Man spürt doch in jedem Satz, wie durchdacht und ausgearbeitet die Wortwahl ist.

Die vorliegende Ausgabe aus dem Insel-Verlag wurde orthografisch nicht modernisiert und ist für den heutigen Leser anfänglich etwas schwer zu lesen. Zumindest ging es mir zuweilen so, dass ich an sehr ungewöhnlichen Wortschreibungen hängen blieb und dadurch der Sprachfluss etwas verloren ging.

Fazit: Ein anspruchsvolles Werk, das hochinteressant ist und eine sprachliche sowie inhaltliche Herausforderung darstellt…