Wonderful Crazy Night

image
✮✮✮✮✮✮

Elton John



© 2016 Mercury Records Ltd. / Universal Music LLC, Japan

Aufgenommen: Januar bis April 2015 im Village Recorder Studio, Los Angeles

Genre: Rock / Soft-Rock / Pop
Spielzeit: 41:15 Minuten
Format: SHM-Audio-CD

Elton John ist der Woody Allen der Musikszene. Kaum ein Künstler in der modernen Popmusik hat derart konstant Alben veröffentlicht - und dies seit 1969!
Auch wenn sich die Kadenz in den letzten zehn Jahren ein wenig verringert hat, ist dies eine absolut einzigartige Leistung, umso mehr da diese Alben ausnahmslos unter den Top20 der relevantesten Charts zu finden waren und sind.

Das hier vorliegende Album „Wonderful Crazy Night“ ist Elton Johns dreissigstes Studio-Album, erschienen 2016. Alle Songs wurden, wie wir uns das gewohnt sind, von Elton komponiert und von Bernie Taupin getextet.

Elton John erfindet sich nicht neu mit diesem Album. Der Sound ist altbekannt und geht geschmeidig ins Ohr. Dennoch ist gleichzeitig eine frische und wohltuende Unverbrauchtheit zu spüren, wie ich sie schon seit sehr langer Zeit bei Elton nicht mehr gehört habe. Ich bin versucht zu sagen, es klingt wie eines seiner Alben aus den 70er-Jahren - und das meine ich jetzt im positivsten Sinn! Dieser fröhliche, unbeschwerte Boogie-Sound ist unverwechselbar und macht von Beginn an Spass. Dabei ist alles vertreten, was den unverwechselbaren Sound von Elton John ausmacht; rasante und rockige Stücke wie zum Beispiel „Looking Up“, wunderschöne melodische Balladen wie „Blue Wonderful“ oder etwas anspruchsvollere Songs, die sich dem Zuhörer erst beim mehrmaligen Anhören eröffnen, wie „The Open Chord“.

Ich habe mir die japanische Ausgabe besorgt, da diese noch vier zusätzliche Stücke beziehungsweise Live-Versionen beinhaltet, sowie aus SHM gefertigt ist.
Klangtechnisch kann diese SHM-CD überzeugen. Die Höhen klingen natürlich und nicht zu schrill, die Bässe sind satt ohne übertrieben zu wirken. Kurz, ein harmonisches Klangbild, das mich überzeugen konnte.

Fazit: Elton John hat es wieder einmal geschafft - er hat ein kleines Meisterwerk abgeliefert, das ich mir wohl noch oft anhören werde…

Trackliste

1
WONDERFUL CRAZY NIGHT
2
IN THE NAME OF YOU
3
CLAW HAMMER
4
BLUE WONDERFUL
5
I'VE GOT 2 WINGS
6
A GOOD HEART
7
LOOKING UP
8
GUILTY PLEASURE
9
TAMBOURINE
10
THE OPEN CHORD

Bonus Tracks

11
FREE AND EASY
12
ENGLAND AND AMERICA
13
LOOKING UP (LIVE)
14
WONDERFUL CRAZY NIGHT (LIVE)

25

image
✮✮✮✮✮✮

Adele



© XL Recordings – Columbia Japan / 2015

Format: Standard CD


2013 wurde Adele fünfundzwanzig Jahre alt. Sie stand im Studio, um ihr drittes Album aufzunehmen, das wie jeweils die Alben zuvor mit ihrem aktuellen Alter betitelt wurde.
Mich hat primär interessiert, ob sie es wirklich schaffen würde, die Qualität der extrem erfolgreichen und musikalisch hervorragend umgesetzten Vorgänger-Alben zu erreichen.
Die Frage beantwortet sich schon fast von selbst, wenn man den Einstiegssong „Hello“, der gleichzeitig die erste Single-Auskoppelung wurde, hört – ein unglaublich intensives und mitreissendes Stück, das sich noch über lange Zeit in einem festsetzt.
Nach dem genialen, aber konventionell arrangierten Einstiegssong, wird man von „Send My Love“ überrumpelt. Ein sehr fröhlich-freches Pop-Liedchen, das sich mit seinem schrägen Refrain nicht weniger intensiv in den Gehörgängen einnistet.
Nach dem etwas unscheinbarer wirkenden „I Miss You“ folgt bereits der nächste Hammer: „When We Were Young“ - Eine Balade mit schönem, getragenem Arrangement.
Mein persönliches Lieblingslied ist „Milion Years Ago“, eine wunderschöne, sehr ruhige, melancholische Gitarrenballade mit einem Hauch Bossa Nova versehen.

Ich habe hier nun bewusst die Highlights herausgepickt. 25 bietet noch weit mehr, denn einen wirklich schlechten Song sucht man auf diesem Album vergeblich. Selbst Songs, die beim ersten Hinhören noch etwas blass und unscheinbar erscheinen, eröffnen beim wiederholten Anhören eine ungeahnte Tiefe und Schönheit.

Stimmlich war Adele nie besser, und auch die Songs sind sowohl musikalisch wie auch textlich reifer und erwachsener geworden.
Die zum Teil etwas zurückhaltenden Arrangements kommen dem Album sehr zu gute und verstärken die erwähnte Wahrnehmung.

Ich bin wirklich beeindruckt, dass es Adele nicht nur gelungen ist, an die äusserst erfolgreichen Vorgänger-Alben anzuknüpfen, sondern diese noch zu toppen. Das hatte ich so nicht erwartet. Ich freue mich jetzt schon auf die 28, 29 oder 30...

Ich kaufe mir seit Jahren bei aktuellen Veröffentlichungen die japanischen Ausgaben. Nicht selten gibt es dort noch Bonus-Songs , die man auf der europäischen Version vergeblich sucht. So ist es auch bei 25 von Adele. Ich kann Ihnen also nur raten, sich ebenfalls die japanische CD zu besorgen, alleine der Song „Why Do You Love me“ ist den Aufwand wert... versprochen!

Titelverzeichnis:

01 Hello
02 Send My Love (To Your New Lover)
03 I Miss You
04 When We Were Young
05 Remedy
06 Water Under The Bridge
07 River Lea
08 Love In The Dark
09 Million Years Ago
10 All I Ask
11 Sweetest Devotion

Bonus-Songs (Japan):

12 Can‘t Let Go
13 Lay Me Down
14 Why Do You Love Me

Pearls - Songs of Goffin and King

image
✮✮✮✮✮✮

Carole King



© Rockingale Records / 2012

Aufgenommen: 1980 – © Capitol Records / Pecan Street Studios Texas

Format: Standard-CD


Carole King und Gerry Goffin gehörten im 20. Jahrhundert ohne Frage zu den besten Songwriter-Paaren überhaupt.
Die Hitdichte, die diese beiden begnadeten Künstler zusammen schufen, ist beeindruckend.
Als die Musik Carole Kings Ende der 70er-Jahre nicht mehr so erfolgreich in den Charts vertreten war, wie zu Beginn des Jahrzehnts, machte sie das, was viele Künstler tun, in solchen Zeiten: Sie veröffentlichte ein Album mit ihren grössten Hits. Die Instrumentalisierung wurde teilweise markant verändert, zuweilen auch das ganze Arrangement dem Zeitgeist angepasst.

Allen hier vertretenen Songs ist gemein, dass sie ursprünglich von King/Goffin für andere Künstler geschrieben worden sind. Und so hören wir von Carole King erstmalig Songs wie zum Beispiel „The Loco-Motion“ (1962) oder „One Fine Day“, letzterer war 1963 ein Welthit der Girl-Group The Chiffons.
Trotz moderner Arrangements, wird auf diesem Album vorwiegend den Sechzigerjahren gehuldigt. Wobei ich anfügen muss, dass die oben genannten Songs nicht an die Wucht der Originalversionen heranreichen. Überhaupt wirken viele Stücke etwas überarrangiert und zu glattgebügelt. Der erste eigentliche Höhepunkt des Albums bildet meiner Meinung nach erst Track 7: „Oh No, Not My Baby“, ein R&B-Song, der Mitte der Sechzigerjahre durch Maxine Brown zum Hit wurde. Ebenso überzeugen kann Song 8: „Wasn‘t Born To Follow“, ein Country-Folk-Song, der mit origineller Banjo-Begleitung und guter Rhythmik punkten kann.

Und dann kommt Song 10: „Goin‘ Back“. Ein Song, den Carole King ursprünglich für ihr Album „Writer“ 1970 aufgenommen hatte.
Dieser Song ist der eigentliche Grund dafür, warum ich mir dieses Album zugelegt habe, handelt es sich dabei doch um meinen absoluten Lieblingssong von Carole King. Auch dieses Stück hat sie etwas umarrangiert. Ich muss gestehen, dass es mir schwer fällt zu entscheiden, welche Version die Bessere ist. Beide haben so ihre Stärken und Schwächen. Beim Original von 1970 ist die Instrumentalisierung etwas dezenter ausgefallen, die 1980er Version hingegen ist gefälliger und runder, das Piano kommt mehr zu Geltung. Auch schön ist die neu eingebaute Mundharmonika. Dafür hat sie das Gitarrensolo zum Schluss des Songs in der neuen Version weggelassen...

Alles in allem ein Album, das nur wenige wirkliche Höhepunkte aufweisen kann. Zudem ist es etwas bedauerlich, dass es bei einem so erfolgreichen und produktiven Songwriter-Duo lediglich zehn Stücke auf ein Album geschafft haben.

Klangtechnisch ist diese CD-Ausgabe von 2012 gut ausgefallen. Einzig der Bassbereich könnten etwas klarer ausgebildet sein.
Im Booklet sind sämtliche Songtexte zu finden – auch nicht mehr selbstverständlich heutzutage...

Titelverzeichnis

  1. Dancin‘ with Tears in My Eyes
  2. The Loco-Motion
  3. One Fine Day
  4. Hey Girl
  5. Snow Queen
  6. Chains
  7. Oh No Not My Baby
  8. Hi De Ho
  9. Wasn‘t Born to Follow
  10. Goin‘ Back

Duets

image
✮✮✮✮✮✮

Linda Ronstadt



© Rhino Entertainment Company – 2014

Standard-Audio-CD

Wie der Titel schon vermuten lässt, haben wir es hier mit Duet-Aufnahmen von Linda Ronstadt zu tun. Da sie leider an Parkinson erkrankte und ihre Karriere 2013 aufgab, handelt es sich bei dieser Veröffentlichung nicht um neue Duette, sondern um ein Zusammenstellung aus vergangenen Zeiten. Die älteste Aufnahme ist aus dem Jahr 1974.

Eingefleischte Ronstadt-Fans sollten also eigentlich schon alles besitzen, was auf dieser CD zu finden ist. Mit einer Ausnahme: Wir finden als Song Nummer 6 „Pretty Bird“ im Duett mit Laurie Lewis. Dieser Song war ursprünglich für ein Hazel Dickens Tribute-Album aufgenommen worden, welches dann aber nie veröffentlich wurde. Nun hat die Aufnahme den Weg in die Öffentlichkeit doch noch gefunden.

Linda Ronstadt hat ja eine Stimme, die sich wunderbar eignet für Duett-Aufnahmen. Das wird hier immer wieder sehr schön aufgezeigt. In verschiedenen Songs zusammen mit Carl Jackson, Dolly Parton, Emmylou Harris, Don Henley, Aaron Neville u.s.w...
Ganze drei Songs singt sie zusammen mit Ann Savoy, wobei die tiefe Stimme von Ann und die glockenklare Stimme von Linda sich wunderschön ergänzen.
Zuweilen wirkt das Ganze etwas überproduziert wie im Song „Prisoner in Disguise“ mit J.D. Souther. Kaum hat man diesen Gedanken aber gefasst, kommt eine wunderbare, frische Rock-Ballade, „I Think It's Gonna Work Out Fine“ mit James Taylor, und die Zweifel sind wieder weggewischt.

Als Schlusspunkt der CD hat man das Duett von 1994 mit Frank Sinatra gesetzt, für mich eher einer der langweiligeren Songs, da ist der zweitletzte „Sisters“ mit Bette Midler schon eindrücklicher.
Meine persönlichen Höhepunkte sind auf jeden Fall die Aufnahmen mit Emmylou Harris und Ann Savoy.
Wir hören Country, Rock, Pop, Jazz, so wie man sich das von Linda Ronstadt eben gewohnt ist, denn in eine Schublade liess sie sich ja nie stecken.
Die Tonqualität der CD ist recht gut. Die Hochtöne sind schön klar, man hat sich wirklich Mühe gegeben, diese ganz verschiedenen Musikepochen in einem einheitlichen Sound auf die CD zu bekommen.
Weniger angestrengt hat man sich bei der CD-Verpackung. So was wie ein Booklet sucht man vergebens. Infos zu den Songs? – Fehlanzeige!

Eine CD, die ich mir sicher immer wieder mal anhören werde...

Titelverzeichnis

  1. Adieu False Heart - (featuring Ann Savoy)
  2. I Can't Get Over You - (featuring Ann Savoy)
  3. Walk Away Renee - (featuring Ann Savoy)
  4. The New Partner Waltz - (featuring Carl Jackson)
  5. I Never Will Marry - (featuring Dolly Parton)
  6. Pretty Bird - (featuring Laurie Lewis)
  7. I Can't Help It (If I'm Still In Love With You) - (featuring Emmylou Harris)
  8. Hasten Down the Wind - (featuring Don Henley)
  9. Prisoner In Disguise - (featuring J.D. Souther)
  10. I Think It's Gonna Work Out Fine - (featuring James Taylor)
  11. Don't Know Much - (featuring Aaron Neville)
  12. All My Life - (featuring Aaron Neville)
  13. Somewhere Out There - (featuring James Ingram)
  14. Sisters - (featuring Bette Midler)
  15. Moonlight In Vermont - (featuring Frank Sinatra)

I See Stars

image
✮✮✮✮✮

La Honda



© AMS / 2013
Format: Audio CD

Sarah Joyce: Lead Vocals
Malcolm Doherty: Acoustic Guitars, Electric Guitars, Piano, Hammond Organ, Vocals
David Roberts: Drums, Percussion, Vocals
Mark George Brown: Bass Guitar, Violin, Vocals
Daron Robinson: Eletric Guitars
Brian O'Shaugnessy: Guitar solo on „Tokyo Ladyboy“

Wir schreiben das Jahr 2001. Die Londoner Indie-Band La Honda geht ins Tonstudio und nimmt ihr Debut-Album auf.
Soweit so gut, allerdings wurden diese Aufnahmen dann nie ganz fertig gemastert, und veröffentlicht wurden die Songs auch nicht.
Noch im selben Jahr trennt sich die Band.
Die Leadsängerin, die damals unter ihrem bürgerlichen Namen Sarah Joyce aufnahm, ist heute ein Welt-Star, allerdings unter ihrem Künstlernamen Rumer. Was lag also näher, als ihre „Jugendsünde“ auszugraben und endlich zur Veröffentlichung zu bringen...

Wider Erwarten ist es alles andere als ein Verbraten von unausgereiften frühen Versuchen. Rumers wunderschöne Stimme, die mich immer wieder verblüffend an Karen Carpenter erinnert, ist wunderbar auf diesem Album. Überhaupt hören wir hier eigentlich schon den typischen Rumer-Sound, mit dem sie später bekannt werden sollte.
Sie und ihre Bandkollegen nehmen uns mit auf eine Zeitreise. Die 70er-Jahre, zuweilen auch die 60er lassen grüssen. Ein entspannter, leichter Sound weht durch den Raum, der zum Träumen einlädt. Wobei leicht und entspannt nicht mit einfach verwechselt werden darf, um so easy zu klingen, muss man schon einiges drauf haben. Es ist ein bisschen wie beim Film, je einfacher es aussieht, um so mehr Arbeit steckt dahinter.

Für mich ist dieses Album eine wunderbare Entdeckung, und ich kann es jedem, der etwas mit Rumers Musik am Hut hat, nur wärmstens empfehlen.

Meine Lieblingsstücke auf diesem Album sind: Nr. 1 „Take A Look Around You“, Nr. 3 „I See Stars“ und Nr. 5 „Rich Man's World“


Titelverzeichnis

  1. Take a Look Around You
  2. Tokyo Ladyboy
  3. I See Stars
  4. Solid Gold
  5. Rich Man's Wine
  6. Where Does It Go ?
  7. Music For Girls
  8. Maybe Sunshine
  9. Moth In The Incubator
  10. The One That Got Away