Belafonte Sings The Blues

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Harry Belafonte



© Impex Records / 2010

Aufgenommen: 1958 (RCA Victor)

Format: 24K Gold-CD

Als Harry Belafonte 1958 in New York ins Aufnahmestudio ging, war er bereits ein Star.
Seine Karriere begann er mit populären Jazz-Standards, die ihm aber wenig Erfolg einbrachten. Nachdem er die Folkmusik für sich entdeckte und mit gutem Gespür für Timing und Effekt anfing karibische Folkstücke neu zu arrangieren, gelang ihm der Durchbruch. Bald galt er als König des Calypso, was ihm aber selber gar nicht so recht war, wurde er dadurch doch beträchtlich auf einen ganz bestimmten Stil festgelegt.
Mit der Motivation, mal was ganz anderes zu versuchen, nahm er 1958 in New York und später noch in Hollywood das Album „Belafonte Sings The Blues“ auf. Wie der Titel schon offenlegt, ein Blues-Album.
Wer Harry Belafonte nur mit seinen bekannten Stücken wie: „Jamaica Farewell“ oder „Day O“ kennt, wird erstaunt sein über das hier zu Hörende. Harrys Stimme ist ebenso zurückhaltend, wie das ganze Arrangement der Stücke, die nicht alle reine Blues-Stücke sind, sondern zum Teil zu Blues-Nummern umgeschrieben wurden.
Das gesamte Album ist sehr getragen und unaufgeregt. Umso mehr fällt Harrys Stimmgewalt auf. Die Atmosphäre des Albums wirkt sehr entschleunigend auf den Zuhörer. Dieser Höreindruck wird durch die hervorragende neue Digitalisierung durch Impex Records noch unterstützt. Man hat es ausgezeichnet verstanden, den warmen und beeindruckenden Klangteppich der Originalaufnahme zu erhalten. Mir sind nicht viele Aufnahmen bekannt, die beinahe sechzig Jahre auf dem Buckel haben, und gleichzeitig noch so frisch und transparent klingen.

Für mich persönlich bildet der Song „Cotton Fields“, im Original von Huddie William Ledbetter, den Höhepunkt dieses sehr stimmigen und einzigartige Belafonte-Albums.

Sollten Sie Blues mögen und eine andere Seite von Harry Belafonte kennenlernen wollen, sind sie hier genau richtig!

Titelverzeichnis:

  1. A Fool For You
  2. Losing Hand
  3. One For My Baby
  4. In The Evenin' Mama
  5. Hallelujah I Love Her So
  6. The Way I Feel
  7. Cotton Fields
  8. God Bless The Child
  9. Mary Ann
  10. Sinner's Prayer
  11. Fare Thee Well

Made For Pleasure

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The New Mastersounds



© Légère Recordings / 2015

Medium: Standard-LP


Ist Ihnen das auch schon passiert, dass Sie auf einer Homepage nach etwas Bestimmtem gesucht und dann etwas ganz anderes gefunden haben?
Also, ich war kürzlich auf der Suche nach einer LP von Bobby Gentry. Ich gab den Namen ins Suchfenster ein - und dann kam eine einzige LP: The New Mastersounds.
Ich war etwas verwirrt, was hat das mit Bobby Genry zu tun? Nun, die Antwort war denkbar einfach: Nichts!
Da ich noch nie etwas von einer Band mit dem Namen The New Mastersounds gehört hatte und mich zudem der Titel ansprach, habe ich es mir dann etwas genauer angesehen und schliesslich gekauft. Den Mutigen gehört die Welt, oder so...

Was ich dann zu hören bekam, hat mich ziemlich umgehauen. Die Mischung aus Jazz, Funk und Reggae ist wirklich cool und mitreissend. Reine Instrumentalstücke wechseln sich ab mit Gesangsstücken. Das klingt alles sehr durchdacht und gut arrangiert.
Ein breites Grinsen im Gesicht hatte ich bei der Cover-Version des Songs „Fancy“, im Original von der australischen Rapperin Iggy Azalea geschrieben. Daraus haben die Leute von The New Mastersound ein originell klingendes Reggae-Stück gemacht. Der typische Reggae-Rhythmus wird durch Bläser und Elektrogitarren unterstützt.
Ebenso gut gefällt mir das Instrumentalstück „Cigar Time“, das mich sehr stark an Wes Montgomerys lockeres Gitarrenspiel erinnert.

Alles in allem ein Blindkauf, den ich keine Sekunde bereut habe. Ein Hoch auf die unzulänglichen Suchmaschinen!

Ein kleiner Negativpunkt gibt es dennoch zu erwähnen: Die LP klingt recht dumpf und in den Höhen nicht so sauber, wie man das von modernen Produktionen eigentlich erwarten könnte. Vielleicht ist das aber auch gewollt und es wurde versucht, passend zur Musik, eine Art 70er-Feeling aufkommen zu lassen...

Titelverzeichnis:

A-Seite
  1. Made For Pleasure
  2. High & Wide
  3. Enough Is Enough
  4. Fancy
  5. Cigar Time

B-Seite
  1. Joy
  2. Sitting On My Knees
  3. Let's Do Another
  4. PHO Baby
  5. Just Gotta Run

Ellington Indigos

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Duke Ellington



Impex Records / 2014

Aufgenommen: 1957

Format: 24K Gold CD


Ellington Indigos ist eines jener klassischen Jazz-Standard-Alben, die vermutlich die meisten Jazz-Liebhaber in ihrer Sammlung haben. Ein wunderschön arrangiertes und völlig entspanntes Album hat Duke Ellington mit seinem Orchester hier 1957 eingespielt.
Das Album hat eigentlich alles, was Duke Ellington auszeichnet, und ist deshalb wohl auch sehr beliebt.
Alles in allem aber ein sehr ruhiges und getragenes Album, auf dem es kaum schnellere Stücke gibt, das wohl gerade deshalb wunderbar zum Träumen einlädt...

Impex Records liess anhand der originalen Bänder ein neues Mastering erstellen. Die Gold-CD beinhaltet zusätzlich zum vollständigen Original-Album in Stereo acht Bonus-Stücke in Mono.
Bei den Bonus-Stücken handelt es sich zum Teil um alternative Takes sowie unveröffentlichtes Material.

Der Klang der Impex-CD ist sehr gut ausgefallen. Man hat es vorzüglich verstanden, den analogen Charakter der Aufnahmen zu erhalten. Der Sound klingt sehr warm und weist keine grellen Höhen auf.

Ein sehr stimmiges und rundes Album, bei dem es schwer fällt, einzelne Höhepunkte hervorzuheben. Ein Album zum ganz Durchhören eben...

Titelliste

01. Solitude
02. Where Or When
03. Mood Indigo
04. Autumn Leaves
05. Prelude To A Kiss
06. Willow Weep For Me
07. Tenderly
08. Dancing In The Dark

Bonus Tracks (Mono)

09. Night and Day
10. All the Things You Are
11. The Sky Fell Down
12. Mood Indigo (Alternate Take 1)
13. Mood Indigo (Alternate Take 2)
14. Willow Weep For Me
15. Where or When
16. Love (My Heart, My Mind, My Everything)

Potions (From the 50's)

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Lyn Stanley



© A. T. Music LLC / 2014
Hybrid SACD

Lyn Stanley (Vocals)
Kenny Werner, Mike Lang, Bill Cunliffe (Piano)
Mike Valerio, Johannes Weidenmüller (Bass)
Joe La Barbera, Ari Hoenig, John Robinson (Drum)
Glenn Drewes (Trumpet/Flugelhorn),
Thom Rotella (Guitar)
Tom Rainier (Clarinet)
Luis Conte (Percussion)
Rickey Woodard (Tenor Saxophone)

Lyn Stanley ist schon eine aussergewöhnliche Erscheinung in der heutigen Musikwelt. Sie schwimmt gegen jeden Trend und macht was ihr gefällt.
Die hier vorliegende CD ist ein Beweis für diese These.
Wir finden auf ihr Hits aus den 50ern. Als ich vor dem Hören die Titelliste durchging, war ich erst etwas enttäuscht. Es sind nur Standard-Songs drauf, die man schon gefühlte tausendmal von diversen anderen Interpreten kennt. Songs wie: „Cry Me A River“, „Hey There“, „Misty“ etc...

Wir haben es hier aber mit Lyn Stanley zu tun, und so habe ich erwartungsvoll reingehört und wurde nicht enttäuscht.
Die Arrangements sind wunderschön, Lyns etwas rauchige, schöne Stimme nie besser und die tontechnische Umsetzung dieser SACD schlicht genial. Es legt sich ein unglaublich entspannter Klangteppich über den Raum, und man vergisst ganz schnell, dass es sich um Standard-Titel handelt, denn so hat man sie noch nie gehört. Die Songs sind wärmer und leichter als die Versionen von Diana Krall, und wenn Lyn Stanley Klassiker wie „I'm Walkin'“ von Fats Domino zum besten gibt, mit ihrem ganz eigenen Stil, bleiben eigentlich keine Fragen offen.

12 der 15 Titel wurden analog aufgenommen, abgemischt und gemastert, wie in den 50ern eben. Auch das für die Aufnahmen verwendete Mikrofon war stilecht ein U47, wie es schon Nat King Cole oder Frank Sinatra benutzt hat.

Meine Lieblingsstücke auf dieser CD:

Nr. 3 Fly Me To The Moon, Nr. 4 Hey There, Nr. 5 I'm Walking und Nr. 6 You Don't Know Me

Titelverzeichnis

  • Lullaby Of Birdland 
  • Cry Me A River 
  • Fly Me To The Moon 
  • Hey There 
  • I’m Walkin’ 
  • You Don’t Know Me 
  • In The Still Of The Night 
  • The Thrill Is Gone 
  • A Summer Place 
  • Love Potion #9 
  • Teach Me Tonight 
  • After The Lights Go Down 
  • Misty 
  • The Party’s Over 
  • The Man I Love