Spitzentitel

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Antonio Manzini



Originaltitel: Sull’orlo del precipizio
Aus dem Italienischen von Antje Peter

Originalverlag: © 2015 Sellerio Editore, Palermo

Deutsche Ausgabe: © 2017 Klaus Wagenbach Verlag, Berlin


HANDLUNG

„Tolstois Krieg und Frieden ist überarbeitet worden. Es heisst jetzt nur noch „Frieden“. Der Krieg musste weg. Er hat die Leute beunruhigt. In der Welt unserer Leser gibt es nur Liebe, Zuversicht und Gleichklang…“
Der bekannte italienische Schriftsteller Giorgio Volpe hat eben sein Werk beendet - eine grosse Chronik seiner Familie, sein Opus Magnum, als ihn die Hiobsbotschaft ereilt, dass sein Verlag mit zwei anderen grossen italienischen Verlagshäuser fusioniert wurde. Es entsteht ein neuer grosser Verlagskonzern namens „Sigma“. Seine Lektorin ist spurlos verschwunden, der ehemalige Verlagschef nicht mehr zu erreichen. Als dann einige Tage später zwei windige Typen vor Volpes Haustüre stehen und mit ihm zusammen seinen Roman umschreiben wollen, wird Giorgio Volpe klar, dass er in argen Schwierigkeiten steckt - doch er ahnt noch nicht, dass dies erst der Anfang ist…

REZENSION
Antonio Manzini hat in dieser nur siebenundsiebzig Seiten umfassenden Story eine Satire über die moderne Verlagswelt, den Umgang mit Kultur - und in gewisser Weise über die gesamte Wirtschaftswelt - verfasst. Gelungen ist ihm dies zumindest in der ersten Hälfte der Geschichte köstlich. Hier entfaltet er eine schon beinahe kafkaesk anmutende Parallelwelt, in der sich die überrumpelte Hauptfigur völlig überfordert zeigt. Manzini thematisiert nicht nur die Problematik der seelenlosen Grosskonzerne, die sprichwörtlich über Leichen zu gehen scheinen, sondern führt auch die Diskussion über politische Korrektheit ad absurdum.
Wie erwähnt, gelingt ihm dies in der ersten Hälfte dank der originellen Ausgangslage und den durchaus witzig inszenierten Szenen hervorragend. In der zweiten Hälfte lässt er aber meiner Meinung nach die Zügel etwas zu stark schiessen und wird von seiner eigenen Geschichte überrollt. Zu grotesk wird er und zu platt, wo Subtilität wesentlich mehr zu erreichen versprochen hätte.

Antonio Manzini war ein Schüler Andrea Camilleris, und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass Manzini eine vergleichbare einfache Sprache führt, die zwar keine literarischen Höhenflüge bietet, zu jeder Zeit aber ihren Zweck erfüllt.
Wer leichte Unterhaltung sucht und gerne satirische Parabeln mag, könnte an Antonio Manzinis Kurzgeschichte Gefallen finden. Für mich persönlich war zum Schluss dann doch etwas wenig „Fleisch am Knochen“…

BUCHVERARBEITUNG

Zum Buch selber ist noch zu sagen, dass es in der wunderbaren und bibliophilen SALTO-Reihe des Klaus-Wagenbach-Verlages erschienen ist. Was bedeutet, dass sich der Käufer oder die Käuferin auf einen schönen roten Leineneinband, Fadenheftung und ein farblich abgestimmtes Vorsatzblatt freuen darf. Als kleiner Gag wurde zur Feier von 30-Jahren SALTO die Fadenheftung mit einem roten Faden vorgenommen, was, wie ich finde, eine originelle gestalterische Idee ist, die mir sehr gefallen hat. Kurz, herstellungstechnisch eine einwandfreie Veröffentlichung!

Garamonds Lehrmeister

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Anne Cuneo



Originaltitel: Le maître de Garamond
Originalausgabe: © Bernard Campiche Editeur, Orbe


Übersetzung aus dem Französischen durch Erich Liebi

Deutsche Ausgabe: © 2004 Limmat Verlag, Zürich

HANDLUNG

Erzählt wird die Lebensgeschichte von Antoine Augereau, einem bedeutenden Schriftschneider, Drucker, Verleger und Buchhändler des 16. Jahrhunderts.
Als persönlicher Drucker von Marguerite von Navarra gerät der in Paris lebende und arbeitende Augereau ins Kreuzfeuer der religiösen Dispute zwischen der katholisch konservativen Sorbonne und der, in der Entstehung begriffenen, Reformationsbewegung. Dies führt schliesslich 1534 zu Augereaus Verurteilung und Verbrennung auf dem Scheiterhaufen — mit ihm werden auch seine Bücher verbrannt.
Sein Schüler Claude Garamond erzählt in Rückblenden die Lebensgeschichte seines Meisters, von dessen Liebe zur Buchdruckerkunst, sowie die Geschichte der Entstehung der modernen Schrift.

REZENSION

Anne Cuneo hat sich einiges vorgenommen mit diesem Werk. Die Geschichte der modernen Typografie sowie die Ursprünge des heutigen Verlagswesens wären an sich schon Bibliotheken füllende Stoffe. Darüber hinaus beschreibt Cuneo die religiösen Konflikte während der Reformationszeit.
Die Tatsache, dass über das Leben von Antoine Augereau so gut wie nichts bekannt ist, machte Anne Cuneos Aufgabe nicht eben einfacher. So hat sie sich redlich bemüht, den Figuren Gesichter zu geben, dem Zeitgeist und der Geschichte gerecht zu werden.
Anne Cuneos Schreibstil ist sehr nüchtern — um es einmal nett auszudrücken — und steht in irritierendem Gegensatz zur, an Dramatik und menschlichen Schicksalen reichen, Handlung. Damit alleine hätte ich mich vielleicht abfinden können, leider ist es der Autorin jedoch nie gelungen, den Figuren so etwas wie Leben einzuhauchen. So werden unzählige historisch bedeutende Personen durch das Geschehen gezogen, ohne beim Leser nennenswerte Emotionen oder Stimmungen hervorzurufen.
Ich hatte mit zunehmender Lesedauer den Eindruck, dass die Verfasserin mit dem Stoff überfordert war. Zu sehr wollte sie wohl alles richtig machen, den historischen Begebenheiten gerecht werden, dass derweil die Phantasie und damit die Gefühlswelt völlig vergessen gingen. Wie seriös und gewissenhaft Anne Cuneo sich mit dem Stoff beschäftigt hatte, lässt das umfangreiche Nachwort erahnen, welches, nebenbei erwähnt, spannender zu lesen ist, als der eigentliche Roman. Dort zeigt sie ihre Begeisterung für die Lebensgeschichte des Antoine Augereau und ihre Sympathie für den Stoff — etwas, das ich im Roman leider zu keiner Zeit gespürt habe…

Natürlich kann man das Werk der interessanten Fakten wegen lesen — ich vermute allerdings, dass es nicht viele Leser gibt, die einen 558 Seiten dicken Wälzer nur deshalb lesen mögen… Für mich war es kein Lesevergnügen, und ich habe das vermisst, was James A. Michener, Umberto Eco oder Ken Follett so meisterhaft verstehen: Die Geschichte zum Leben zu erwecken.

HERSTELLUNG

Wenn man ein Buch über das Thema Buchdruckerkunst und Typographie herausgibt, dürfte es selbstverständlich sein, dass dieses Werk selber dementsprechend etwas zu bieten hat. Der Limmat Verlag in Zürich scheint das genau anders herum gesehen zu haben und hat ein äusserst liebloses, leimgebundenes Buch mit Pappdeckel und schlechtem Satzspiegel geschaffen. Als Krönung: Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Buch mit derart vielen Druckfehlern — zuweilen sogar falschen Zeitformen — gelesen habe. Der Spass beginnt schon auf Seite eins, auf welcher der denkwürdige Satz steht: „Er wollte einen Abschnitt daraus mit Pfarrer Marcourt besprochen.“
Kurz, eine in jeder Hinsicht lieblose Umsetzung, die sich in ihrer gefühlskalten Zweckform wunderbar mit dem leblosen Text von Anne Cuneo verbindet — so gesehen stimmt es also wieder…

FAZIT

Kurz und gut: Wenn Sie gerne historische Romane lesen, kann ich Ihnen dieses Werk leider nicht empfehlen. Wenn Sie etwas in Romanform über die Anfänge der modernen Typografie lesen möchten, können Sie Ihr Glück damit versuchen…

Vertrauen

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Henry James



Originaltitel: Confidence (1879)

Deutsche Ausgabe: © 1996 Manesse Verlag, Zürich




HANDLUNG

Bernard, ein junger Amerikaner, geniesst seinen Wohlstand, der ihm ermöglicht, unbeschwert durch Europa zu reisen und sich niederzulassen, wo es ihm gerade gefällt.
In Siena trifft er auf eine unbekannte junge Frau, die in fasziniert, die aber ebenso schnell auch wieder verschwindet.
Wenig später erhält Bernard von seinem Freund George, der ebenfalls in Europa unterwegs ist, ein Schreiben, in dem dieser Bernard bittet, in einer wichtigen Angelegenheit nach Baden-Baden zu kommen. Dort stellt George seinem Freund die Dame seines Herzens vor und bittet ihn, die junge Frau etwas genauer unter die Lupe zu nehmen…
Das ist leichter gesagt als getan, handelt es sich bei der Frau doch um die besagte Dame, der Bernard in Siena begegnet war und die in ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.
Gefangen zwischen seinem bestem Freund und einer jungen Frau, zu der er ehrliche Gefühle entwickelt, beginnt für Bernard eine Liebesgeschichte, die die Freundschaft der beiden Hauptprotagonisten auf eine ernsthafte Probe stellt…

REZENSION

Das Werk „Confidence“ (Vertrauen) wurde 1879 veröffentlicht und gehört zu Henry James’ (1843-1916) Frühwerken.
Dass es sich um ein Frühwerk handelt, ist gerade diesem Roman deutlich anzumerken, fehlt es ihm doch an Perfektion und einer bis ins letzte ausgefeilten Geschichte. Interessant ist es insofern, als dass hier alle Anlagen, die Henry James Schreibstil auszeichnen, schon vorhanden sind. Die psychologischen Verstrickungen wie auch die zwischenmenschlichen Beziehungen werden humorvoll und gekonnt ausgebreitet.
„Vertrauen“ zeichnet sich durch eine sehr einfach gestrickte Geschichte aus, die stellenweise sogar banale Züge annimmt. Gerettet wird das Werk ohne Frage durch die immer wieder ansprechenden und gekonnt arrangierten Dialoge und durch die Tatsache, dass der Autor hier wohl ganz bewusst eine leichte und luftige Geschichte verfassen wollte.
Über diese sehr gefällige Inszenierung und die anspruchslose Umsetzung, kann man geteilter Meinung sein. Für meinen Geschmack ist die Handlung etwas zu glatt und das an den Haaren herbei gezogene Happy-End wirkt überhastet und unmotiviert.

Alles in allem bietet „Vertrauen“ eine unterhaltsame Lektüre. Ein Werk, welches mehr durch seine technische Umsetzung beeindruckt, denn durch seine zuweilen etwas langatmige Geschichte. Hat man schon viel von Henry James gelesen, bietet dieses Frühwerk gewissermassen einen Rückblick auf die Anfänge seiner Schreibkunst. Kennt man Henry James noch nicht, ist dieses Werk wohl nicht die geeignete Lektüre - die Gefahr, Henry James für banal zu halten und nie wieder etwas von ihm zu lesen, wäre zu gross… - und es gibt doch so viele hervorragende Werke von ihm…

Jefta und seine Tochter

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Lion Feuchtwanger



Erstausgabe: 1957 Rowohlt Verlag, Hamburg

Diese Ausgabe: © 1995 Aufbau Verlag, Berlin



HANDLUNG

Die Geschichte spielt 1’300 Jahre vor unserer Zeitrechnung im Jordanland. Der angesehene Richter Gilead ist gestorben, noch während der Trauerzeit beginnt das Ringen um seine Nachfolge. Jefta, Gileads unehelicher Sohn, wird von Gileads Witwe und deren Söhnen aus der Sippe verstossen. Dies, obwohl Jefta Gileads Lieblingssohn war und die Verheissung vorhersagte, dass er dereinst die Stämme Israels einen sollte.
Jefta zieht mit seiner Familie und seinen Getreuen ins Land Tob. Hier, im Niemandsland, wird er zum gefürchteten Bandenführer und Oberhaupt einer stetig wachsenden Armee.
Als seine einstige Heimat von Feinden bedroht wird, bittet man Jefta und seine Streitmacht um Hilfe. Während einer entscheidenden Schlacht, ruft Jefta seinen Gott Jahwe um Beistand an und gelobt, dafür nach seiner Heimkehr den ersten Menschen, der ihm entgegenkäme, Jahwe zu opfern. Als er als gefeierter Sieger zu seinem Lager zurückkehrt, eilt ihm seine geliebte Tochter Ja’ala als Erste entgegen…

REZENSION

„Jefta und seine Tochter“ ist Lion Feuchtwangers letztes Werk. Als Meister von historischen Romanen, hatte er sich viel vorgenommen. Erzählt wird die Geschichte der alttestamentarischen Figur Jiftach aus dem „Buch der Richter“ (Das 7. Buch des alten Testaments). Dabei war es Feuchtwanger wichtig zu betonen, dass er nicht einfach einen biblischen Roman schreiben wollte, sondern vielmehr ein historisches Werk, welches mit dem Wissen der Gegenwart die biblische Geschichte nacherzählt.

In diesem Sinne hat Feuchtwanger denn auch viel Zeit investiert und Detailgenauigkeit walten lassen. Dies ist sowohl bei den Beschreibungen der verschiedenen Völker, wie auch bei jenen der historischen Gepflogenheiten im Jordanland deutlich zu bemerken. Der Roman lässt die vorchristliche Zeit eindrücklich aufleben. Unterstützt werden die gewissenhaften Beschreibungen durch eine wunderbare Sprache, die Feuchtwanger bewusst an der klassischen Bibel-Sprache anlehnte. Dadurch entsteht eine eindrückliche Atmosphäre, die nicht nur die Geschichte, sondern auch die darin agierenden Menschen überzeugend zum Leben erweckt. Besonders gut gelungen ist ihm dies bei den weiblichen Figuren. So gehört die Beschreibung von Jeftas Ehefrau Ketura, sowie die der Tochter Ja’ala mit zum Besten, das es in Feuchtwangers Romanen zu finden gibt. Nicht ganz so überzeugend ist ihm die Hauptfigur Jefta gelungen. Der zunächst von Ehrgeiz und Vergeltung getriebene Protagonist, wird schliesslich als verbitterter und unglücklicher Richter dargestellt und wirkte auf mich immer sehr distanziert und unnahbar. Es ist aber gut möglich, dass Lion Feuchtwanger dies ganz bewusst als Stilmittel angelegt hatte, weil er nicht wollte, dass der Leser eine zu enge Beziehung mit diesem Unglücklichen aufnimmt.

Wie auch immer, „Jeftas Tochter“ ist eine Reise in eine sehr ferne und äusserst fremde Zeit. Lion Feuchtwanger ist es gelungen, diese Zeit wieder aufleben zu lassen. Er hat einen eindrücklichen historischen Roman verfasst, der an Spannung, Unterhaltung und Wissenswertem einiges zu bieten hat.

BUCHVERARBEITUNG

Das hier vorliegende Buch ist in Leinen gebunden, mit einer Fadenheftung versehen und ist Teil der Gesammelten Werke aus dem Aufbau-Verlag. Eine sehr schöne und handwerklich bibliophil verarbeite Ausgabe, die kaum Wünsche offen lässt!

Elizabeth und ihr deutscher Garten

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Elizabeth von Arnim



Originaltitel: Elizabeth and her German Garden
Verlag: MacMillan & Co. / 1898

Deutsche Ausgabe: © 2014 Edition fünf, Gräfelfingen



HANDLUNG

Die junge Ehefrau Elizabeth überredet ihren Ehemann, mit der ganzen Familie auf den Landsitz in Norddeutschland zu ziehen. Dort macht sich Elizabeth zusammen mit einem Gärtner dran, den völlig verwilderten Garten neu anzulegen und zu bepflanzen. Sie geniesst ihre neu gewonnene Freiheit, die es ihr erlaubt, unliebsamen gesellschaftlichen Verpflichtungen zu entfliehen und statt dessen den Blumen in ihrem Garten Gesellschaft zu leisten.
Nur ganz selten verirren sich Besucher in die Einsamkeit und stören Elizabeths Ruhe…

REZENSION

Elizabeth von Arnim wurde 1866 als Mary Annette Beauchamp in Australien geboren und zog in früher Kinderzeit mit ihren Eltern nach England. Nachdem sie den deutschen Henning August von Arnim-Schlagenthin ehelichte, lebte sie in einem abgelegenen Herrensitz in Pommern. Hier schrieb sie auch ihr Erstlingswerk „Elizabeth and her German Garden“.

Der Roman ist im Tagebuch-Stil verfasst und beschäftigt sich vornehmlich, wie der Titel schon erahnen lässt, mit ihrem Garten, den sie liebevoll pflegt und hegt. Wobei vor allem ihre Unkenntnis in der Gartenkunst und ihre, für damalige Verhältnisse, gesellschaftsfeindliche Einstellung für den Leser amüsant ist.
Während der Anfang des Werkes noch sehr behäbig und etwas langatmig daherkommt, findet die Autorin schon bald eine humorvolle, satirische Sprache, die dem romantischen Touch etwas die Spitze nimmt und das Werk auch für heutige Leser lesenswert macht.

Ohne Frage finden sich in diesem Werk viele autobiografische Elemente aus Elizabeth von Arnims Leben - ebenso fraglos entspricht ihr hier beschriebenes Leben dennoch kaum den tatsächlichen Lebensumständen…
So lässt sich Elizabeth von ihrem Kutscher alleine in den Wald fahren, um die Stille zu geniessen, oder sitzt in Winterskälte in ihrem Garten und lässt sich von den verdutzten Bediensteten ihren Tee servieren. Ihr Ehemann, den sie „den Zornmütigen“ nennt, steht dem Treiben seiner Frau ebenso verständnis- wie machtlos gegenüber - und spätestens hier wird dem Leser klar, es ist nicht die reale Elizabeth, die hier erzählt, wie es war, sondern ihr Alter Ego, das schildert, wie sie es gerne hätte. Wir haben es hier also gewissermassen mit einem, wenn auch sehr subtilen, feministischen Manifest zu tun.

Veröffentlicht wurde das Werk anonym und avancierte in kürzester Zeit zu einem Bestseller, der den Beginn von Elizabeth von Arnims Karriere als erfolgreiche Autorin markierte.

„Elizabeth und ihr deutscher Garten“ ist fraglos ein amüsantes und stellenweise auch gesellschaftskritisches Werk, welches aber derart subtil und filigran daherkommt, dass es in der heutigen Zeit (zu unrecht) als harmlos wahrgenommen wird.
Die Übersetzung dieser Ausgabe wurde von Hans-Ulrich Möhring erstellt, und Karen Nölle verfasste ein kurzes, interessantes Nachwort.

BUCHVERARBEITUNG

Die Ausgabe ist mit einem feuerroten Leineneinband und einem gleichfarbigen Vorsatzblatt versehen. Darüber hinaus verfügt sie über ein Lesebändchen sowie edle Fadenheftung. Eine verarbeitungstechnische Buchqualität, die heutzutage nur noch selten in dieser Form anzutreffen ist!

Wonderful Crazy Night

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Elton John



© 2016 Mercury Records Ltd. / Universal Music LLC, Japan

Aufgenommen: Januar bis April 2015 im Village Recorder Studio, Los Angeles

Genre: Rock / Soft-Rock / Pop
Spielzeit: 41:15 Minuten
Format: SHM-Audio-CD

Elton John ist der Woody Allen der Musikszene. Kaum ein Künstler in der modernen Popmusik hat derart konstant Alben veröffentlicht - und dies seit 1969!
Auch wenn sich die Kadenz in den letzten zehn Jahren ein wenig verringert hat, ist dies eine absolut einzigartige Leistung, umso mehr da diese Alben ausnahmslos unter den Top20 der relevantesten Charts zu finden waren und sind.

Das hier vorliegende Album „Wonderful Crazy Night“ ist Elton Johns dreissigstes Studio-Album, erschienen 2016. Alle Songs wurden, wie wir uns das gewohnt sind, von Elton komponiert und von Bernie Taupin getextet.

Elton John erfindet sich nicht neu mit diesem Album. Der Sound ist altbekannt und geht geschmeidig ins Ohr. Dennoch ist gleichzeitig eine frische und wohltuende Unverbrauchtheit zu spüren, wie ich sie schon seit sehr langer Zeit bei Elton nicht mehr gehört habe. Ich bin versucht zu sagen, es klingt wie eines seiner Alben aus den 70er-Jahren - und das meine ich jetzt im positivsten Sinn! Dieser fröhliche, unbeschwerte Boogie-Sound ist unverwechselbar und macht von Beginn an Spass. Dabei ist alles vertreten, was den unverwechselbaren Sound von Elton John ausmacht; rasante und rockige Stücke wie zum Beispiel „Looking Up“, wunderschöne melodische Balladen wie „Blue Wonderful“ oder etwas anspruchsvollere Songs, die sich dem Zuhörer erst beim mehrmaligen Anhören eröffnen, wie „The Open Chord“.

Ich habe mir die japanische Ausgabe besorgt, da diese noch vier zusätzliche Stücke beziehungsweise Live-Versionen beinhaltet, sowie aus SHM gefertigt ist.
Klangtechnisch kann diese SHM-CD überzeugen. Die Höhen klingen natürlich und nicht zu schrill, die Bässe sind satt ohne übertrieben zu wirken. Kurz, ein harmonisches Klangbild, das mich überzeugen konnte.

Fazit: Elton John hat es wieder einmal geschafft - er hat ein kleines Meisterwerk abgeliefert, das ich mir wohl noch oft anhören werde…

Trackliste

1
WONDERFUL CRAZY NIGHT
2
IN THE NAME OF YOU
3
CLAW HAMMER
4
BLUE WONDERFUL
5
I'VE GOT 2 WINGS
6
A GOOD HEART
7
LOOKING UP
8
GUILTY PLEASURE
9
TAMBOURINE
10
THE OPEN CHORD

Bonus Tracks

11
FREE AND EASY
12
ENGLAND AND AMERICA
13
LOOKING UP (LIVE)
14
WONDERFUL CRAZY NIGHT (LIVE)

Frauen um Kronprinz Rudolf - Von Kaiserin Elisabeth bis Mary Vetsera

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Friedrich Weissensteiner



1991
Ausgabe: © 2004 Kremayr & Scheriau /Orac, Wien

Dieses Werk wurde 1991 erstmalig publiziert und 2004 überarbeitet und erweitert. Diese Rezension bezieht sich auf die Ausgabe von 2004.


Ein sehr spannendes Thema, dem sich Friedrich Weissensteiner hier angenommen hat. Die Frage, in wie weit Rudolfs Leben durch Frauen beeinflusst wurde, ist keine unberechtigte, stand er doch Zeit seines Lebens zwischen sehr starken und Einfluss nehmenden Frauen. Es nimmt seinen Anfang bei seiner Grossmutter, der Kaiserin Mutter Sophie, über seine, oft abwesende Mutter, Kaiserin Elisabeth, bis hin zu seinen Kinderfrauen und endet schliesslich bei seiner Ehefrau Kronprinzessin Stephanie und diversen Geliebten und Mätressen…

Weissensteiner schreibt galant und routiniert, kann aber leider in den meisten Kapiteln kaum nennenswert Neues zu Tage fördern. Das gilt speziell bei den Texten zu Erzherzogin Sophie und jenen über Kaiserin Elisabeth. Weissensteiner bewegt sich hier auf breiten, ausgetretenen Pfaden, die wohl Lesern, die schon das eine oder andere Habsburger-Werk über diese Zeit gelesen haben, etwas eintönig erscheinen. Auch zum tragischen Ende in Mayerling erfahren wir nichts Neues, weder über Mary Vetsera noch den tragischen Doppelselbstmord. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass das Werk zuweilen künstlich etwas gestreckt wurde.

Was das Buch dennoch lesenswert macht, sind die vereinzelten Perlen, die sich darin finden. Die Beschreibung Rudolfs Aja zum Beispiel oder das Kapitel über seine Beziehung zu seinen beiden Schwestern - und hier speziell zu Gisela - ist sehr informativ und aufschlussreich.

Alles in allem, ist das Werk für meinen Geschmack etwas zu sehr dem voyeuristischen Zeitgeist verhaftet und verbreitet zuweilen auch Ansichten, die historisch überholt sind. Das Werk bietet jedoch für Einsteiger, die noch über keinerlei Kenntnisse über Kronprinz Rudolf verfügen, einen interessanten Überblick, der neugierig auf mehr macht...


Das Leben auf der Burg

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Manfred Reitz



© 2004 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern





INHALT & REZENSION

Burgen, sowohl verwitterte Ruinen, wie auch erhaltene und in der Neuzeit restaurierte Bauten, regen wohl jeden, der daran vorbei kommt, zum Nachdenken an. Wer hat wohl einst hier gelebt? Was für traurige, spektakuläre und schöne Geschichten könnten diese dicken Mauern erzählen…?
Manfred Reitz hat sich vermutlich genau diese Fragen auch gestellt und daraus ein spannendes und gut lesbares Einstiegsbuch über die Geschichte der Burgen verfasst.

Dabei geht es erfreulicherweise nicht nur um trockene Baugeschichte oder historische Fakten. Manfred Reitz versteht es ausgezeichnet, das Mittelalter aufleben zu lassen. Wie die Menschen auf der Burg lebten und ihr Alltag aussah, wird sehr authentisch geschildert. Auch das Burgumfeld kommt nicht zu kurz. Dem beschwerlichen Leben der Bauern wird ebenso Raum eingeräumt, wie den prunkvollen Ritterturnieren.
Man erfährt, wie Burgen gebaut, aber auch wie sie mit Hilfe moderner Waffentechnik zerstört werden konnten. Erfreulicherweise ist das Buch dennoch keine Aneinanderreihung von Kriegsereignissen, wie das bei deutschen Geschichtsbüchern sonst oft der Fall ist. Vielmehr stehen die Menschen im Mittelpunkt von Manfred Reitzs Interesse. Wir erfahren, was sie assen, wie die Burgen beheizt wurden und selbst die Mode jener Zeit wird in einem Kapitel behandelt. Dabei gibt es einen schönen Mix zwischen Sachtext und zeitgenössischen Anekdoten, die das Beschriebene auf lockere Weise veranschaulichen.
Lebendige Sozialgeschichte also, die dem Leser mit Hilfe von anschaulichen Beschreibungen und spannenden Fakten ein fassbares Bild der Burgen-Zeit vermittelt.

Als Einstiegslektüre ist „Das Leben auf der Burg“ hervorragend geeignet. Für Leute, die sich schon länger mit der Thematik beschäftigt haben, dürfte darin aber nicht viel Neues zu finden sein.

VERARBEITUNG

Die Buchgestaltung besticht beim ersten Hinsehen durch gute Papierqualität, eine handliche Form und wunderschöne Illustrationen aus dem Mittelalter.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist der eigenwillige Satzspiegel, der durch einen extrem hängenden Einzug die Lesbarkeit mehr behindert, denn erleichtert. Bedauerlich ist auch, dass das Werk nicht fadengeheftet wurde.

Fazit: Alles in allem eine lohnende Lektüre für alle, die sich für das Mittelalter und speziell für Burgen interessieren - und auf der Suche nach einem geeigneten Werk für den Einstieg in diese Thematik sind!

Agathodämon

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Christoph Martin Wieland



Originalausgabe: 1799

Ausgabe: © Insel Verlag, Frankfurt am Main (2008)



HANDLUNG

Wir schreiben das 1. Jahrhundert n. Chr., Hegesias ist auf einer Forschungsreise auf Kreta unterwegs, als er auf eine Gruppe Ziegenhirten stösst, die ihm von einer übernatürlichen Erscheinung in Menschengestalt berichten. Dieser Agathodämon (Guter Geist) soll ihre Felder und Herden beschützen und ihnen Glück bringen.
Der rationale Hegesias glaubt nicht an Geister oder Götter und will der Sache selber auf den Grund gehen. Doch als er auf einen beinahe hundertjährigen Greis trifft, wird er in dessen Bann gezogen. Verunsichert, ob er vor einem Menschen oder doch einem Gott steht, wird ihm nach und nach bewusst, dass der beeindruckende Einsiedler niemand anderer sein kann, als der sagenumwobene Apollonios von Tyana.
Die drei Tage, die Hegesias beim greisen Apollonios und dessen Dienerschaft verbringt, sollten sein weiteres Leben nachhaltig prägen…

REZENSION

Christoph Martin Wieland zählt sicherlich zu den bedeutenden Schriftstellern der Aufklärung. Vor allem sein Spätwerk, zu dem auch „Agathodämon“ gehört, ist geprägt durch Kritik am Christentum.
Seine Hauptfigur in diesem Roman, Apollonios von Tyana, dient hierbei als Mittler zwischen der alten vorchristlichen und der im Entstehen befindlichen christlichen Zeit. Dabei steckt hinter Wielands sprachlich sehr poetischer Erzählung auch viel Kritik an der Leichtgläubigkeit seiner Zeitgenossen, denen er hiermit einen Spiegel vorhält.

Das Werk ist in sieben Teile gegliedert. Die ersten Teile sind der Vergangenheit Apollonios gewidmet, in den letzten Teilen wird das Entstehen des Christentums und die geschickte Agitation der Christen beschrieben. Die Handlung wird, nach klassischem Vorbild, in Gesprächen wiedergegeben.

So beeindruckend und interessant die Thematik auch ist, bin ich doch immer wieder an meine Grenzen gestossen. Als heutigem Leser fehlt mir einfach das universale Wissen und die umfassenden Kenntnisse, die ein C. M. Wieland besass. Ein Wissen, das unabdingbar ist, um dieses Werk im vollem Umfang zu würdigen.
Ohne Frage schafft es Wieland ausgezeichnet, eine eindrückliche Atmosphäre aufzubauen, die vor allem durch die sehr kontemplative Handlung entsteht.
Wieland, ein Zeitgenosse Goethes und Schillers, legte viel Wert auf Sprachrhythmik und Ausdruck. Dieser sehr geschliffenen Sprache gelingt es, auch den heutigen Leser zu beeindrucken. Man spürt doch in jedem Satz, wie durchdacht und ausgearbeitet die Wortwahl ist.

Die vorliegende Ausgabe aus dem Insel-Verlag wurde orthografisch nicht modernisiert und ist für den heutigen Leser anfänglich etwas schwer zu lesen. Zumindest ging es mir zuweilen so, dass ich an sehr ungewöhnlichen Wortschreibungen hängen blieb und dadurch der Sprachfluss etwas verloren ging.

Fazit: Ein anspruchsvolles Werk, das hochinteressant ist und eine sprachliche sowie inhaltliche Herausforderung darstellt…


Dunkle Wälder

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S. Corinna Bille



Originaltitel: Forêts obscures (1989)

Deutsche Ausgabe: © Rotpunktverlag, Zürich (2012)
Übersetzung: Hilde Fieguth



HANDLUNG

Bianca, eine Frau um die fünfzig, lebt einen Sommer lang in einem Chalet in den Walliser Bergen. Sie fühlt sich wohl in dem von ihrem Mann erworbenen Haus und auf dem dazugehörenden Land. Ab und zu erhält sie Besuch von ihrem Mann und den Kindern, ansonsten geniesst sie die Einsamkeit, die nur ganz selten durch einen Wanderknecht namens Guérin unterbrochen wird.
Bianca streift durch die Wälder, sucht Pilze und geniesst die wiedergefundene Freiheit, die sie mit ihrem Kater und ihrem Hund teilt.
Eines Tages wird sie tot im Chalet gefunden. Der Verdacht fällt auf Guérin, den etwas sonderbaren Eigenbrötler, der sich immer in der Gegend herumtrieb, und auch auf Biancas Ehemann…

REZENSION

Ich hatte noch nie etwas von Corinna Bille gelesen und beabsichtigte, diese „Bildungslücke“ mit der Lektüre dieses Werkes zu schliessen.
Leider hatte ich aber so meine liebe Mühe mit diesem aus ihrem Nachlass herausgegebenen Werk.
Die Sprache ist sehr einfach - dagegen gibt es an sich nichts einzuwenden - in Kombination mit den zuweilen schon sehr schrägen Metaphern und der von mir als plump empfundenen Symbolik, ergab sich aber zunehmend ein sehr unangenehmes Lesegefühl.
Auch die Erzählungen der alltäglichen Belanglosigkeiten und den gleich darauf folgenden fundamental philosophischen Grundsatzfragen, schienen mir eher dem Geist einer 12-Jährigen entsprungen zu sein.
Es gibt durchaus auch interessante Sequenzen. Meistens dann, wenn die Figur des Guérin auftaucht. Das sind aber leider sehr kurze Szenen und führen zu keinem befriedigendem Erzählstrom.
Ich bin durchaus ein Freund von Selbsfindungsliteratur. Warum aber Corinna Bille, laut Verlag, zu den bedeutensten Westschweizer Autorinnen zählen soll, erschliesst sich mir nach der Lektüre dieser Novelle nicht.

Maurice Chappaz, der die Novelle seiner 1979 verstorbenen Frau Corinna Bille 1989 überarbeitete und herausgab, hat ihr meines Erachtens damit keinen Dienst erwiesen. Ganz offensichtlich ist die Geschichte unausgereift und weist viele grundsätzliche Mängel auf. Corinna Bille hatte wohl schon ihre Gründe, warum sie es trotz jahrelanger Arbeit nie veröffentlicht hat.