Frauen um Kronprinz Rudolf - Von Kaiserin Elisabeth bis Mary Vetsera

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Friedrich Weissensteiner



1991
Ausgabe: © 2004 Kremayr & Scheriau /Orac, Wien

Dieses Werk wurde 1991 erstmalig publiziert und 2004 überarbeitet und erweitert. Diese Rezension bezieht sich auf die Ausgabe von 2004.


Ein sehr spannendes Thema, dem sich Friedrich Weissensteiner hier angenommen hat. Die Frage, in wie weit Rudolfs Leben durch Frauen beeinflusst wurde, ist keine unberechtigte, stand er doch Zeit seines Lebens zwischen sehr starken und Einfluss nehmenden Frauen. Es nimmt seinen Anfang bei seiner Grossmutter, der Kaiserin Mutter Sophie, über seine, oft abwesende Mutter, Kaiserin Elisabeth, bis hin zu seinen Kinderfrauen und endet schliesslich bei seiner Ehefrau Kronprinzessin Stephanie und diversen Geliebten und Mätressen…

Weissensteiner schreibt galant und routiniert, kann aber leider in den meisten Kapiteln kaum nennenswert Neues zu Tage fördern. Das gilt speziell bei den Texten zu Erzherzogin Sophie und jenen über Kaiserin Elisabeth. Weissensteiner bewegt sich hier auf breiten, ausgetretenen Pfaden, die wohl Lesern, die schon das eine oder andere Habsburger-Werk über diese Zeit gelesen haben, etwas eintönig erscheinen. Auch zum tragischen Ende in Mayerling erfahren wir nichts Neues, weder über Mary Vetsera noch den tragischen Doppelselbstmord. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass das Werk zuweilen künstlich etwas gestreckt wurde.

Was das Buch dennoch lesenswert macht, sind die vereinzelten Perlen, die sich darin finden. Die Beschreibung Rudolfs Aja zum Beispiel oder das Kapitel über seine Beziehung zu seinen beiden Schwestern - und hier speziell zu Gisela - ist sehr informativ und aufschlussreich.

Alles in allem, ist das Werk für meinen Geschmack etwas zu sehr dem voyeuristischen Zeitgeist verhaftet und verbreitet zuweilen auch Ansichten, die historisch überholt sind. Das Werk bietet jedoch für Einsteiger, die noch über keinerlei Kenntnisse über Kronprinz Rudolf verfügen, einen interessanten Überblick, der neugierig auf mehr macht...


Das Leben auf der Burg

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Manfred Reitz



© 2004 Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern





INHALT & REZENSION

Burgen, sowohl verwitterte Ruinen, wie auch erhaltene und in der Neuzeit restaurierte Bauten, regen wohl jeden, der daran vorbei kommt, zum Nachdenken an. Wer hat wohl einst hier gelebt? Was für traurige, spektakuläre und schöne Geschichten könnten diese dicken Mauern erzählen…?
Manfred Reitz hat sich vermutlich genau diese Fragen auch gestellt und daraus ein spannendes und gut lesbares Einstiegsbuch über die Geschichte der Burgen verfasst.

Dabei geht es erfreulicherweise nicht nur um trockene Baugeschichte oder historische Fakten. Manfred Reitz versteht es ausgezeichnet, das Mittelalter aufleben zu lassen. Wie die Menschen auf der Burg lebten und ihr Alltag aussah, wird sehr authentisch geschildert. Auch das Burgumfeld kommt nicht zu kurz. Dem beschwerlichen Leben der Bauern wird ebenso Raum eingeräumt, wie den prunkvollen Ritterturnieren.
Man erfährt, wie Burgen gebaut, aber auch wie sie mit Hilfe moderner Waffentechnik zerstört werden konnten. Erfreulicherweise ist das Buch dennoch keine Aneinanderreihung von Kriegsereignissen, wie das bei deutschen Geschichtsbüchern sonst oft der Fall ist. Vielmehr stehen die Menschen im Mittelpunkt von Manfred Reitzs Interesse. Wir erfahren, was sie assen, wie die Burgen beheizt wurden und selbst die Mode jener Zeit wird in einem Kapitel behandelt. Dabei gibt es einen schönen Mix zwischen Sachtext und zeitgenössischen Anekdoten, die das Beschriebene auf lockere Weise veranschaulichen.
Lebendige Sozialgeschichte also, die dem Leser mit Hilfe von anschaulichen Beschreibungen und spannenden Fakten ein fassbares Bild der Burgen-Zeit vermittelt.

Als Einstiegslektüre ist „Das Leben auf der Burg“ hervorragend geeignet. Für Leute, die sich schon länger mit der Thematik beschäftigt haben, dürfte darin aber nicht viel Neues zu finden sein.

VERARBEITUNG

Die Buchgestaltung besticht beim ersten Hinsehen durch gute Papierqualität, eine handliche Form und wunderschöne Illustrationen aus dem Mittelalter.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist der eigenwillige Satzspiegel, der durch einen extrem hängenden Einzug die Lesbarkeit mehr behindert, denn erleichtert. Bedauerlich ist auch, dass das Werk nicht fadengeheftet wurde.

Fazit: Alles in allem eine lohnende Lektüre für alle, die sich für das Mittelalter und speziell für Burgen interessieren - und auf der Suche nach einem geeigneten Werk für den Einstieg in diese Thematik sind!

Agathodämon

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Christoph Martin Wieland



Originalausgabe: 1799

Ausgabe: © Insel Verlag, Frankfurt am Main (2008)



HANDLUNG

Wir schreiben das 1. Jahrhundert n. Chr., Hegesias ist auf einer Forschungsreise auf Kreta unterwegs, als er auf eine Gruppe Ziegenhirten stösst, die ihm von einer übernatürlichen Erscheinung in Menschengestalt berichten. Dieser Agathodämon (Guter Geist) soll ihre Felder und Herden beschützen und ihnen Glück bringen.
Der rationale Hegesias glaubt nicht an Geister oder Götter und will der Sache selber auf den Grund gehen. Doch als er auf einen beinahe hundertjährigen Greis trifft, wird er in dessen Bann gezogen. Verunsichert, ob er vor einem Menschen oder doch einem Gott steht, wird ihm nach und nach bewusst, dass der beeindruckende Einsiedler niemand anderer sein kann, als der sagenumwobene Apollonios von Tyana.
Die drei Tage, die Hegesias beim greisen Apollonios und dessen Dienerschaft verbringt, sollten sein weiteres Leben nachhaltig prägen…

REZENSION

Christoph Martin Wieland zählt sicherlich zu den bedeutenden Schriftstellern der Aufklärung. Vor allem sein Spätwerk, zu dem auch „Agathodämon“ gehört, ist geprägt durch Kritik am Christentum.
Seine Hauptfigur in diesem Roman, Apollonios von Tyana, dient hierbei als Mittler zwischen der alten vorchristlichen und der im Entstehen befindlichen christlichen Zeit. Dabei steckt hinter Wielands sprachlich sehr poetischer Erzählung auch viel Kritik an der Leichtgläubigkeit seiner Zeitgenossen, denen er hiermit einen Spiegel vorhält.

Das Werk ist in sieben Teile gegliedert. Die ersten Teile sind der Vergangenheit Apollonios gewidmet, in den letzten Teilen wird das Entstehen des Christentums und die geschickte Agitation der Christen beschrieben. Die Handlung wird, nach klassischem Vorbild, in Gesprächen wiedergegeben.

So beeindruckend und interessant die Thematik auch ist, bin ich doch immer wieder an meine Grenzen gestossen. Als heutigem Leser fehlt mir einfach das universale Wissen und die umfassenden Kenntnisse, die ein C. M. Wieland besass. Ein Wissen, das unabdingbar ist, um dieses Werk im vollem Umfang zu würdigen.
Ohne Frage schafft es Wieland ausgezeichnet, eine eindrückliche Atmosphäre aufzubauen, die vor allem durch die sehr kontemplative Handlung entsteht.
Wieland, ein Zeitgenosse Goethes und Schillers, legte viel Wert auf Sprachrhythmik und Ausdruck. Dieser sehr geschliffenen Sprache gelingt es, auch den heutigen Leser zu beeindrucken. Man spürt doch in jedem Satz, wie durchdacht und ausgearbeitet die Wortwahl ist.

Die vorliegende Ausgabe aus dem Insel-Verlag wurde orthografisch nicht modernisiert und ist für den heutigen Leser anfänglich etwas schwer zu lesen. Zumindest ging es mir zuweilen so, dass ich an sehr ungewöhnlichen Wortschreibungen hängen blieb und dadurch der Sprachfluss etwas verloren ging.

Fazit: Ein anspruchsvolles Werk, das hochinteressant ist und eine sprachliche sowie inhaltliche Herausforderung darstellt…


Dunkle Wälder

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S. Corinna Bille



Originaltitel: Forêts obscures (1989)

Deutsche Ausgabe: © Rotpunktverlag, Zürich (2012)
Übersetzung: Hilde Fieguth



HANDLUNG

Bianca, eine Frau um die fünfzig, lebt einen Sommer lang in einem Chalet in den Walliser Bergen. Sie fühlt sich wohl in dem von ihrem Mann erworbenen Haus und auf dem dazugehörenden Land. Ab und zu erhält sie Besuch von ihrem Mann und den Kindern, ansonsten geniesst sie die Einsamkeit, die nur ganz selten durch einen Wanderknecht namens Guérin unterbrochen wird.
Bianca streift durch die Wälder, sucht Pilze und geniesst die wiedergefundene Freiheit, die sie mit ihrem Kater und ihrem Hund teilt.
Eines Tages wird sie tot im Chalet gefunden. Der Verdacht fällt auf Guérin, den etwas sonderbaren Eigenbrötler, der sich immer in der Gegend herumtrieb, und auch auf Biancas Ehemann…

REZENSION

Ich hatte noch nie etwas von Corinna Bille gelesen und beabsichtigte, diese „Bildungslücke“ mit der Lektüre dieses Werkes zu schliessen.
Leider hatte ich aber so meine liebe Mühe mit diesem aus ihrem Nachlass herausgegebenen Werk.
Die Sprache ist sehr einfach - dagegen gibt es an sich nichts einzuwenden - in Kombination mit den zuweilen schon sehr schrägen Metaphern und der von mir als plump empfundenen Symbolik, ergab sich aber zunehmend ein sehr unangenehmes Lesegefühl.
Auch die Erzählungen der alltäglichen Belanglosigkeiten und den gleich darauf folgenden fundamental philosophischen Grundsatzfragen, schienen mir eher dem Geist einer 12-Jährigen entsprungen zu sein.
Es gibt durchaus auch interessante Sequenzen. Meistens dann, wenn die Figur des Guérin auftaucht. Das sind aber leider sehr kurze Szenen und führen zu keinem befriedigendem Erzählstrom.
Ich bin durchaus ein Freund von Selbsfindungsliteratur. Warum aber Corinna Bille, laut Verlag, zu den bedeutensten Westschweizer Autorinnen zählen soll, erschliesst sich mir nach der Lektüre dieser Novelle nicht.

Maurice Chappaz, der die Novelle seiner 1979 verstorbenen Frau Corinna Bille 1989 überarbeitete und herausgab, hat ihr meines Erachtens damit keinen Dienst erwiesen. Ganz offensichtlich ist die Geschichte unausgereift und weist viele grundsätzliche Mängel auf. Corinna Bille hatte wohl schon ihre Gründe, warum sie es trotz jahrelanger Arbeit nie veröffentlicht hat.


Der Friedhof in Prag

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Umberto Eco



Originaltitel: Il Cimitero di Praga

2010
Deutsche Ausgabe: © Carl Hanser Verlag, München

Der 1830 in Turin geborene Simon Simonini ist Jurist und spezialisiert auf das Fälschen von amtlichen Dokumenten. Seine fragwürdigen Fähigkeiten diesbezüglich führen dazu, dass er ins Visier von Geheimdiensten gerät. Diese wollen den talentierten Simonini aber nicht unschädlich machen, sondern vielmehr für ihre Zwecke benutzen.
So gerät der ebenso skrupellose wie karriereorientierte Anwalt in die Wirren der italienischen Unabhängigkeitskriege unter Giuseppe Garibaldi und später nach Paris. Dort ist er massgeblich an der Dreyfus-Affäre beteiligt.
Verschiedenste Geheimdienste verlangen von Simonini Dokumente, die die jüdische Weltverschwörung belegen sollen, und der windige Advokat lässt sich nicht lange bitten und kreiert diverse Texte, die auf seine jeweiligen Auftraggebern zugeschnitten sind. Ein wirres Spiel, in das die Freimaurer, die Jesuiten sowie allerlei Spione und Geheimpolizisten involviert sind, beginnt.
Als Simonini schliesslich einen Anschlag auf die im Bau befindliche Pariser Metro plant, unterläuft ihm ein folgenschweren Fehler…

Keine Frage, beim Roman „Der Friedhof in Prag“ handelt es sich unverkennbar um ein typisches Eco-Werk. Sämtliche Zutaten, die in seinen historischen Romanen zu finden sind, trifft der Leser auch in diesem Werk an. Verschwörungstheorien, windige Scharlatane sowie diverse Geheimbünde werden wie in einem Panoptikum am Leser vorbeigezogen. Dabei wird einem einmal mehr bewusst, wie umfassend, phantasievoll und gebildet Umberto Eco war. Ein Umstand, der dazu führt, dass man als Leser zuweilen etwas an seine Grenzen stösst und dem gelehrten Autoren nicht immer ganz zu folgen vermag (zumindest ging es mir bei der Lektüre so…).

In diesem Werk erfährt man unglaublich viel über die Geschichte der Dokumentenfälschungen des 19. Jahrhunderts. Wie gefälschte Dokumente als Spielball zur Massen-Manipulation benutzt wurden, wird eindrücklich beschrieben. Eco wäre nicht Eco, wäre da nicht auch stets die Doppelbödigkeit zwischen den Zeilen, die dem Leser klarmacht, dass es heute im Internetzeitalter genau so läuft, nur eben mit modernen Mitteln.
Sämtliche Ereignisse in diesem Roman beruhen auf tatsächlichen Begebenheiten, was das Ganze noch ungeheuerlicher macht. Die einzige Eco’sche Erfindung ist der Anwalt Simone Simonini, der gewissermassen als Bindeglied zwischen den Ereignissen dient und den Leser kreuz und quer durch die Geschichte der Fälschungen und Manipulationen des 19. Jahrhunderts führt.

Der Roman ist unterhaltsam und ohne Frage lehrreich, zuweilen sogar faszinierend. Er hat aber auch seine Längen und Wirrungen, die ihn vor allem gegen den Schluss hin zäh wirken lassen.
Hat man noch nie was von Eco gelesen, ist dieses Werk vermutlich nicht der richtige Einstieg. Für alle die Eco schon kennen und mögen; ein durchaus lesenswertes Werk!

25

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Adele



© XL Recordings – Columbia Japan / 2015

Format: Standard CD


2013 wurde Adele fünfundzwanzig Jahre alt. Sie stand im Studio, um ihr drittes Album aufzunehmen, das wie jeweils die Alben zuvor mit ihrem aktuellen Alter betitelt wurde.
Mich hat primär interessiert, ob sie es wirklich schaffen würde, die Qualität der extrem erfolgreichen und musikalisch hervorragend umgesetzten Vorgänger-Alben zu erreichen.
Die Frage beantwortet sich schon fast von selbst, wenn man den Einstiegssong „Hello“, der gleichzeitig die erste Single-Auskoppelung wurde, hört – ein unglaublich intensives und mitreissendes Stück, das sich noch über lange Zeit in einem festsetzt.
Nach dem genialen, aber konventionell arrangierten Einstiegssong, wird man von „Send My Love“ überrumpelt. Ein sehr fröhlich-freches Pop-Liedchen, das sich mit seinem schrägen Refrain nicht weniger intensiv in den Gehörgängen einnistet.
Nach dem etwas unscheinbarer wirkenden „I Miss You“ folgt bereits der nächste Hammer: „When We Were Young“ - Eine Balade mit schönem, getragenem Arrangement.
Mein persönliches Lieblingslied ist „Milion Years Ago“, eine wunderschöne, sehr ruhige, melancholische Gitarrenballade mit einem Hauch Bossa Nova versehen.

Ich habe hier nun bewusst die Highlights herausgepickt. 25 bietet noch weit mehr, denn einen wirklich schlechten Song sucht man auf diesem Album vergeblich. Selbst Songs, die beim ersten Hinhören noch etwas blass und unscheinbar erscheinen, eröffnen beim wiederholten Anhören eine ungeahnte Tiefe und Schönheit.

Stimmlich war Adele nie besser, und auch die Songs sind sowohl musikalisch wie auch textlich reifer und erwachsener geworden.
Die zum Teil etwas zurückhaltenden Arrangements kommen dem Album sehr zu gute und verstärken die erwähnte Wahrnehmung.

Ich bin wirklich beeindruckt, dass es Adele nicht nur gelungen ist, an die äusserst erfolgreichen Vorgänger-Alben anzuknüpfen, sondern diese noch zu toppen. Das hatte ich so nicht erwartet. Ich freue mich jetzt schon auf die 28, 29 oder 30...

Ich kaufe mir seit Jahren bei aktuellen Veröffentlichungen die japanischen Ausgaben. Nicht selten gibt es dort noch Bonus-Songs , die man auf der europäischen Version vergeblich sucht. So ist es auch bei 25 von Adele. Ich kann Ihnen also nur raten, sich ebenfalls die japanische CD zu besorgen, alleine der Song „Why Do You Love me“ ist den Aufwand wert... versprochen!

Titelverzeichnis:

01 Hello
02 Send My Love (To Your New Lover)
03 I Miss You
04 When We Were Young
05 Remedy
06 Water Under The Bridge
07 River Lea
08 Love In The Dark
09 Million Years Ago
10 All I Ask
11 Sweetest Devotion

Bonus-Songs (Japan):

12 Can‘t Let Go
13 Lay Me Down
14 Why Do You Love Me

20 Feet From Stardom

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Diverse Interpreten



© 2013 Project B. S. LLC / Columbia Records

Format: Standard-CD

Nachdem ich mir den gleichnamigen Dokumentarfilm angesehen hatte und begeistert war, musste ich natürlich den Soundtrack haben.
Solche emotionalen Einkäufe können ins Auge gehen und in Enttäuschung enden… Leider bewahrheitete sich diese Erkenntnis in diesem Fall wieder einmal. Ich möchte Ihnen in Folge erklären, weshalb Sie sich dieses Soundtrack-Album nicht unbedingt zulegen müssen.

Enttäuschung Nummer eins: Während im Film ganze 42 (hervorragende) Songs verwendet wurden, haben leider nur gerade mickrige dreizehn davon ihren Weg auf diese CD gefunden - und es kommt noch schlimmer: Von den dreizehn Songs sind lediglich neun identisch mit der Filmmusik, Track 6, 9, 11 und 12 wurden in abgeänderter Form auf diesen Tonträger gebracht. Ich gehe davon aus, dass das möglicherweise lizenzrechtliche Gründe hat, was aber die Enttäuschung nicht mindern kann.

Enttäuschung Nummer zwei: Die Klangqualität ist alles andere als berauschend. Da man hier Aufnahmen aus den 60/70er-Jahren mit Neuaufnahmen von 2013 gemischt hat, war mir klar, dass die Klanggüte nicht bei allen Songs gleich gut sein kann. Irritierenderweise klingen aber auf dieser CD alle Songs recht ähnlich. Da man alte Aufnahmen schlicht nicht auf das Niveau von aktuellen Veröffentlichungen bringen kann, vermute ich, dass hier bewusst die neuen Aufnahmen den älteren angepasst wurden, um eine einheitliche Klangqualität zu erzielen. Und so haben dann die modernen Produktionen von 2013 eine ähnlich schlechte Dynamik und eingeschränkte Klarheit, wie die Oldies aus den Sechzigerjahren - ein suboptimale Lösung, wie ich finde…

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, jeder Song für sich genommen ist grossartig und hörenswert - als Ergänzung jedoch zum hervorragenden Film ist dieser Soundtrack eine Enttäuschung…

So kann ich zum Abschluss zusammenfassend Folgendes festhalten: Sehen Sie sich diesen Film an, er ist grossartig! Aber lassen Sie ihre Finger von dieser CD-Veröffentlichung, sie ist eine Enttäuschung.

Titelverzeichnis:

01 “Walk On the Wild Side” performed by Lou Reed
02 “Slippery People” performed by Talking Heads
03 “Nobody’s Fault But Mine” performed by Merry Clayton featuring Oren Waters , Judith Hill , Tata Vega and Charlotte Crossley
04 “He’s a Rebel” performed by the Crystals
05 “Space Captain” performed by Joe Cocker from the film “Mad Dogs and Englishmen”
06 “Gimme Shelter” performed by Merry Clayton
07 “Sure On This Shining Night” performed by Lisa Fischer
08 “Let’s Make The World A Better Place” performed by Tata Vega and Judith Hill
09 “Young Americans” performed by Davie Bowie
10 “Southern Man” performed by Merry Clayton
11 “Desperation” performed by Judith Hill
12 “Fine Fine Boy (with intro rehearsal)” performed by Darlene Love
13 “Lean On Me” performed by Darlene Love featuring Lisa Fischer , Jo Lawry , and Judith Hill

Memphis Blues

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Cyndi Lauper



© Downtown Records / 2010

Format: Audio-CD



Als Cyndi Lauper als unbekannte Sängerin quer durch die Nachtclubs und Bars von New York tingelte und irgendwie zu überleben versuchte, sang sie Janis Joplin-Songs.
Es ist also nichts Neues, was uns Frau Lauper hier vorlegt, sondern gewissermassen eine Rückbesinnung auf ihre Wurzeln.

Wer noch zweifelt, ob sich ihre Stimme für Blues-Musik überhaupt eignet, dürfte schon nach dem ersten Song: „Just Your Fool“ restlos überzeugt sein, dass dem so ist.
Es macht unglaublichen Spass zuzuhören, wie sie sich in die Songs hineinfühlt und ihre Seele auf der Zunge trägt.
Obwohl das schon mehr ist, als man von den meisten modernen Veröffentlichungen erwarten darf, hat sie sich auch gleich noch mächtige Unterstützung ins Tonstudio nach Memphis geholt. Klingende Grössen wie Allen Toussaint, Jonny Lang, B. B. King und Ann Peebles waren mit von der Partie. Vor allem das Duett mit Ann Peebles: „Rollin' and Tumblin“ ist grossartig und zeigt eindrücklich, wie gut Cyndi Lauper ihre Sache hier macht.
Es gibt auf dieser Veröffentlichung schlicht keine schwachen Songs, und die Mischung zwischen langsamen Balladen, Midtempo Stücken und Dampfhammer Blues à la ZZ-Top ist schlicht genial.

Spätestens bei Song 12: „ Wild Women Don't Have The Blues“, was ja nur eine reifere Formulierung ihres Evergreens: „Girls Just Want to Have Fun“ ist, schliesst sich auch der Kreis wieder...

Für mich ist dieses Album die beste Veröffentlichung des Jahres 2010.

Meine Lieblingssongs auf diesem Album sind Nr. 3: „Early in the Morning“, Nr. 7: „Don't Cry No More“, Nr. 8: „Rollin' and Tumblin“ und Nr. 13: „Don't Wanna Cry“.

Titelverzeichnis

  1. Just Your Fool (featuring Charlie Musselwhite)
  2. Shattered Dreams (featuring Allen Toussaint)
  3. Early in the Mornin (featuring Allen Toussaint and B.B. King)
  4. Romance in the Dark
  5. How Blue Can You Get? (featuring Jonny Lang)
  6. Down Don't Bother Me (featuring Charlie Musselwhite)
  7. Don't Cry No More
  8. Rollin' and Tumblin (featuring Ann Peebles)
  9. Down So Low 
  10. Mother Earth (featuring Allen Toussaint)
  11. Crossroads (featuring Jonny Lang)
  12. Wild Women Don't Have the Blues
  13. I Don't Want to Cry (featuring Leo Gandelman)

Anbringen eines Tonabnehmers

Ich habe mir vor Kurzem einen neuen Plattenspieler gekauft. Den RP8 von Rega. Da ich das Tonabnehmersystem separat erworben hatte (Ortofon 2m Black), ergab sich für mich das Vergnügen, dieses selber am Player anzubringen zu dürfen. Ein Unterfangen, das nicht ohne Tücken ist. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine Schritt für Schritt Anleitung zu verfassen, die aufzeigt, wie das Ganze von statten geht.

Nachdem der Plattenspieler mit Hilfe einer Wasserwaage perfekt steht, liegen folgende fünf Schritte vor uns:

  1. Anbringen und Anschliessen des Tonabnehmers (TA) an den Tonarm
  2. Auflagegewicht des TA einstellen
  3. Höhe des Tonarmes kontrollieren
  4. Überhang & Kröpfungswinkel des TA einstellen
  5. Anti-Skating-Gewicht justieren

Schritt 1


Gleich zu Beginn kommt der heikelste Part: Das Anbringen des Tonabnehmers. Dieser wird mit Hilfe eines kleinen Schraubenziehers am Tonarm befestigt. Danach müssen die vier aus dem Tonarm hängenden Kabel an die vorgesehenen Kontakte des TA gesteckt werden. Wobei folgende Farbzuweisung gilt: Rot: Rechts +, Grün: Rechts -, Weiss: Links +, Blau: Links -. Am besten kann man die Kabelhülsen mit Hilfe einer kleinen Flachzange an die vorgesehenen Kontakte stecken. Sollten die Hülsen etwas zu locker sitzen, können sie mit der Flachzange leicht zusammengedrückt werden. Die Betonung liegt hierbei auf „leicht“ und nicht auf „zusammendrücken“!!

01 ta_anschluss

Sollten Sie nur drei Kabel haben und zudem noch in anderen Farben, sind Sie möglicherweise gerade dabei, den Tonabnehmer an Ihrer Schreibtischlampe anzubringen – kleiner Scherz zur Auflockerung.
Sie haben Schritt eins erfolgreich gemeistert. Es folgt…

Schritt 2


Nun da wir den TA am Tonarm befestigt haben, können wir das ideale Auflagegewicht einstellen. Wie hoch dieses Gewicht ist, wird vom jeweiligen Hersteller des TAs vorgegeben. Bei meinem Ortofon 2m Black ist dies 1,5 g.
Nachdem wir das Auflagegewicht am Tonarm manuell auf 0 gestellt haben, senken wir den Tonarm mit dem Tonarmlift ab und stellen dabei das Gegengewicht so ein, dass der Tonarm waagerecht in der Luft schwebt. Ist dies geschafft, kann am Einstellrad die vorgegebene Auflage eingestellt werden. In meinem Fall also 1,5 g.
Diese Einstellung ist nie zu hundert Prozent genau, was mich veranlasst hat, eine elektrische Tonarmwaage zu kaufen. Gibt es für wenig Geld in jedem HiFi-Fachgeschäft. Damit können die eingestellten Gramm nun kontrolliert und gegebenenfalls nachjustiert werden.

02 auflagegewicht

Schritt 3


Nun stellen wir die Tonarmhöhe richtig ein.
Um festzustellen, ob dies überhaupt notwendig ist, legen wir eine LP auf den Plattenteller und setzen die Nadel auf die LP (ohne den Plattenspieler anzustellen!). Der Tonarm muss nun parallel zur LP stehen. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Tonarm je nach dem erhöht oder abgesenkt werden.
Bei mir war eine Erhöhung des Tonarmes notwendig. Leider besitzt der Rega RP8 kein Liftsystem, wie das zum Teil bei anderen Herstellern verbaut wird. So war ich gezwungen, den Tonarm abzumontieren und einen sogenannten Spacer einzusetzen.

03 tonarmhoehe

Schritt 4


Wir kommen nun zur Einstellung des Tonabnehmer-Überhangs und des Kröpfungswinkels.
Dazu benötigen wir eine Schablone, die auf den Plattenteller gesteckt wird. So eine Schablone kann man sich im Internet herunterladen und ausdrucken, oder es liegt beim gekauften Plattenspieler bereits eine solche bei - wie das bei mir der Fall war.
Wir legen nun den Tonabnehmer vorsichtig in die vorgegebenen Markierungen auf der Schablone. Den Kröpfungswinkel findet man, indem der Tonabnehmer genau parallel auf der Markierung der Justierschablone platziert wird. Um die perfekte Übergangposition zu finden, richtet man sich nach der eingezeichneten Linie auf der Schablone. Ist eine Ausrichtung notwendig, werden die Schrauben des TAs leicht gelöst und der TA bewegt, bis es passt – Millimeterarbeit ist angesagt…
Wenn alles stimmt, werden die Schrauben wieder festgezogen.
Mit der Einstellung des Überhangs und des Kröpfungswinkels wird gewährleistet, dass der TA perfekt auf der LP steht und die Nadel in der idealen Abtaststellung ihrer Arbeit nachgehen kann – eine wichtige Einstellung, die man möglichst genau vornehmen sollte!

04 ueberhang

Schritt 5


Zum Schluss wird noch das richtige Anti-Skating-Gewicht eingestellt.
Die Nadel, die auf einer sich drehenden LP steht, wird durch die Rotation nach innen gezogen und zwar umso stärker, je weiter innen sie steht – physikalisch logisch. Diesen Vorgang nennt man Skating. Um diesen Vorgang zu neutralisieren, braucht es eine Anti-Skating-Einstellung. Diese ist relativ simpel zu bewerkstelligen. Die Faustregel besagt, dass es der selbe Wert wie beim Auflagegewicht ist. Wenn das Auflagegewicht also 1,5 g beträgt, stellt man beim Anti-Skating-Rädchen ebenfalls 1,5 g ein. Nun gibt es Fachleute, die sagen, es sei besser, nur 75% dieses Wertes einzustellen. In unserem Beispiel wären das also 1,12 g. Vermutlich muss das jeder bei seinem Dreher selber ausprobieren, ob es dadurch zu Klangverbesserungen kommt oder nicht…
Ich jedenfalls habe den Eindruck, dass mein Rega-Spieler bei 75% besser klingt.

05 antiskating

Ein Plattenspieler ist ein analoges Gerät und nicht zu vergleichen mit einem CD-Player. Das heisst, jede Einstellung hat eine direkte Auswirkung auf die Klanggüte. Demzufolge kann durch gute Einstellungen eine deutliche Qualitätssteigerung erzielt werden. Leider bedeutet das aber im Umkehrschluss auch, dass durch falsche oder schlechte Einstellungen die Klangqualität leidet. Es ist meiner Meinung nach deshalb äusserst wichtig, sich die nötige Zeit zu nehmen, um die perfekten Voraussetzungen zu schaffen.
Ich hoffe, dass mein kleiner Beitrag für Sie dabei von Nutzen sein kann…


06 rega_rp8

Peter, Paul and Mary

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Peter, Paul & Mary



© TopMusic International (Hong Kong) / 2014

Aufgenommen: 1962 (Warner Bros. Records)

Format: Single Layer SACD (Stereo)


1962 erschien das Debüt-Album von Peter, Paul & Mary, das ihren Namen trug. Ich glaube, es ist keine Übertreibung zu sagen, dass sie mit diesem Album die Musikwelt ein wenig veränderten. Das Album hatte Einfluss auf das musikalische Schaffen Bob Dylans, und vor allem hat es auch unverkennbare Spuren bei Simon & Garfunkel hinterlassen.
Plötzlich war Folk-Musik in aller Munde, oder besser Ohren. Und nicht nur das, das Album wanderte schnurstracks auf Platz 1 der Billboard Charts. Schliesslich verblieb es über drei Jahre in den Charts und erreichte Doppel-Platin in den USA. Kurz, wir haben es hier mit einem der erfolgreichsten Folk-Alben aller Zeiten zu tun.
Es handelt sich bei den Songs aber mitnichten um reine Folk-Songs. Wir finden auf diesem Album ebenso Gospel, Jazz oder Kinderlieder, die aber alle genial zu Folk-Stücken umarrangiert wurden.

Auf die einzelnen Song hier nun einzeln einzugehen, wäre so, als wollte man den Mond mit einer Laterne beleuchten - und deshalb lass ich es. Interessanter ist die Qualität der hier veröffentlichten SACD!
Povee Chan hat das Mastering übernommen, und soweit ich das beurteilen kann, sehr gute Arbeit geleistet. Ich habe jedenfalls Peter, Paul & Mary nie in besserer Klangqualität gehört. Die Höhen sind sehr ausgewogen, nicht übersteuert und die Bässe sehr präzis und kräftig. Nebengeräusche sind keine zu hören, was bei so alten Aufnahmen alles andere als selbstverständlich ist. Der klangtechnische Gesamteindruck ist ohne Frage beeindruckend. Es handelt sich hierbei übrigens um eine Single-Layer SACD, die sich nur auf SACD-Playern abspielen lässt!

Fazit: Es ist schon bedauerlich, dass solche wunderbaren Veröffentlichungen nur für den asiatischen Markt produziert werden und, wie im vorliegenden Fall, eigentlich nur für Hong Kong. Witzig dabei ist, dass auf der Rückseite der SACD „Made in Germany“ steht – wir leben schon in einer verkehrten Welt...

Weniger begeistert bin ich von der Covergestaltung. Warum man nicht das originale Album-Cover verwendet hat, erschliesst sich mir nicht ganz. Zudem ist das Booklet sehr spartanisch gehalten. Songtexte oder Informationen zu den Komponisten sucht man leider vergeblich...

Titelverzeichnis:

01 Early In The Morning
02 500 Miles
03 Sorrow
04 This Train
05 Bamboo
06 It‘s Raining
07 If I Had My Way
08 Cruel War
09 Lemmon Tree
10 If I Had A Hammer
11 Autumn To May
12 Where Have All The Flowers Gone