Hochzeitsnacht mit Hindernissen

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Originaltitel: All In Good Time

Regie: Nigel Cole
Musik: Niraj Chag
Drehbuch: Ayub Khan-Din / Bill Naughton

Produktion: © Left Bank Pictures
Kamera: David Higgs
Schnitt: Michael Parker

Grossbritannien / 2012

Hauptdarsteller: Reece Ritchie / Amara Karan / Harish Patel / Meera Syal…u.a.

HANDLUNG


Atul und Vina sind frisch verheiratet. Ihre Hochzeitsnacht verbringen sie in Bolton im Elternhaus von Atul. Dabei sorgt der von der Hochzeitsfeier völlig betrunkene Vater Atuls für so einige peinliche Szenen. Der Mangel an Privatsphäre führt schliesslich dazu, dass sich Atul und Vina derart gestört fühlen, dass sich ihre Hochzeitsnacht alles andere als geplant abspielt. Sie trösten sich damit, dass sie am nächsten Tag in ihre Flitterwochen nach Goa (Indien) reisen werden und dort viel Zeit zusammen verbringen können.
Da der Reiseveranstalter Konkurs geht, findet die Reise aber nicht statt. Das Leben unter dem selben Dach mit Atuls Eltern wird zunehmend zur Belastung. Wobei sich vor allem Atul und sein Vater immer wieder in die Haare geraten. Als schliesslich das junge Glück zu scheitern scheint, muss Atul eine Entscheidung treffen…

REZENSION

Ich sah mir diesen Film mit zwei Grunderwartungen an: Dass ich einen Bollywood-Streifen und eine Komödie sehen würde. Beide Erwartungen lösten sich nach relativ kurzer Zeit in Luft auf. 
Der Streifen hat zwar durchaus Humor, gleicht diesen aber durch seine Sozialkritik und die Darstellung zwischenmenschlicher Probleme wieder so weit aus, dass wir es hier mit einer astreinen Tragikkomödie zu tun haben. Selten habe ich mich, obwohl meine Erwartungen in keinster Weise erfüllt wurden, gleichzeitig so gut unterhalten gefühlt. Die Geschichte ist mitreissend erzählt, hat einen guten Drive und erstklassige Dialoge. Zudem merkt man jeder Szene an, dass der Regisseur früher mal am Theater gearbeitet hat; die Inszenierung und das Timing derselben ist ganz grosses Kino. 
Last but not least: Die schauspielerische Umsetzung, insbesondere
die des Vaters, ist einfach grandios. 

Für mich eine kleine Filmentdeckung, die mich sehr angenehm überrascht hat. Eine berührender, witziger wie auch ernsthafter kleiner Film mit hervorragenden Schauspielern. Wohl nichts für Bollywood-Fans, aber für alle, die einen handwerklich gutgemachten Film zu schätzen wissen...

Der Butler - Ein Mann. Ein Leben. Sieben Präsidenten

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Originaltitel: The Butler

Regie: Lee Daniels
Musik: Rodirigo Leão
Drehbuch: Danny Strong

Produktion: © Laura Ziskin Productions / Windy Hill Pictures u.a.
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Joe Klotz

USA / 2013

Hauptdarsteller: Forest Whitaker / Oprah Winfrey / David Oyelowo / Cuba Gooding Jr.

HANDLUNG

Der Film basiert auf der wahren Geschichte Eugene Allens, der von 1952 bis 1986 als Butler im Weissen Haus tätig war.
Im Film wurde der Name der Hauptfigur in Cecil Gaines abgeändert. Erzählt wird die Geschichte seiner schweren, von Armut geprägten Kindheit im Süden der USA, als Sohn eines Baumwollpflückers.
Gaines schafft es, als Butler Fuss zu fassen und landet schliesslich in Washington D. C., wo er eine Familie gründet und als Butler im Weissen Haus Beschäftigung findet.
Während Cecil Gaines vordergründig als angepasster Diener von sieben Präsidenten arbeitet, wendet sich sein Sohn Louis offen gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung und schliesst sich anfänglich der Bewegung um Martin Luther King an. Louis landet unzählige Male im Gefängnis, was schliesslich zum Bruch mit seinem Vater führt. Bis sie wieder zueinander finden, vergehen Jahre - Jahre, in denen die USA sich wandelt und die afroamerikanische Bevölkerung ihrem Recht auf Gleichstellung immer näher kommt…

REZENSION

Forest Whitaker, Oprah Winfrey und David Oyelowo können in diesem Film, in dem ein knappes Jahrhundert der amerikanischer Bürgerrechtsbewegung ausgebreitet wird, auf der ganzen Linie überzeugen. Anhand der eindrücklichen Vater-Sohn-Beziehung, wird gekonnt aufgezeigt, dass es nicht nur ein Konflikt zwischen Weiss und Schwarz war, sondern auch ein Generationenkonflikt innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft. Es gelingt dem Regisseur Lee Daniels ausgezeichnet, die daraus entstehenden Konflikte und innere Zerrissenheit darzustellen.
Die Dialoge waren für meinen Geschmack allzu einfach gestrickt und mit sehr vielen Klischees durchwirkt. Ab und an hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet. Allerdings ist es natürlich ein schwieriges Unterfangen, eine so grosse Zeitspanne (82 Jahre) in gut zwei Stunden historisch seriös abzuhandeln.
Schlussendlich wurde die hervorragende Vater-Sohn-Geschichte etwas durch die holzschnittartige Grundgeschichte geschmälert.

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Streifen, der nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Umsetzung und auch den zahlreichen Kurzauftritte vieler Weltstars (Robin Williams, Vanessa Redgrave, Jane Fonda, Mariah Carey etc…) sehenswert ist.

Fazit: Eine gefühlvolle und mitreissend inszenierte Vater-Sohn-Geschichte, die lediglich etwas unter der Menge der Ereignisse, die erzählt werden wollen, zu leiden hat.