J. Edgar

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: J. Edgar

Regie: Clint Eastwood
Musik: Clint Eastwood
Drehbuch: Dustin Lance Black

Produktion: © Imagine Entertainment / Malpaso Productions / Wintergreen Productions
Kamera: Tom Stern
Schnitt: Joel Cox / Gary D. Roach

Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Judi Dench…u.a.

HANDLUNG

Die Filmbiografie beginnt 1919 und zeigt den Aufstieg von J. Edgar Hoover. Während er zu Beginn als einfacher Angestellter im Justizministerium seinen Aufgaben nachkommt, wird schnell klar, dass er zu Höherem berufen ist.
Hoover entwickelt die Spurensuche an Tatorten weiter und wird dank seiner Beharrlichkeit zum Direktor des neu gegründeten Federal Bureau of Investigation FBI ernannt.
Sein Leben wird bestimmt durch seine obsessiv betriebene Arbeit, seine streng religiöse Mutter und seine geheime homosexuelle Beziehung mit seinem Untergebenen Clyde Tolson.
Mit wachsender Macht beginnt Hoover sein Wissen zu missbrauchen, um damit seine Karriere weiterzuführen. Er schreckt auch nicht davor zurück, selbst den amerikanischen Präsidenten unter Druck zu setzen, um seine Ziele zu erreichen.

REZENSION

Die Biopic über den übermächtigen FBI-Gründer J. Edgar Hoover wird mit unzähligen Rückblenden und Zeitsprüngen in Szene gesetzt. Der Grund für diese Erzählweise liegt auf der Hand, handelt es sich bei diesem Streifen doch um ein sehr ruhiges und bedächtig inszeniertes Filmdrama, welches durch diese Zeitsprünge etwas an Dynamik gewinnt. Zuweilen können diese häufigen Wechsel der Handlungszeit den Zuschauer aber auch etwas verwirren.

Hoovers Leben bietet wahrlich genug Stoff, um einen spannenden Film damit füllen zu können. Warum dies hier nicht ganz gelungen ist, dürfte an der unglücklichen Konstellation zwischen Regisseur, Clint Eastwood, und Drehbuchverfasser Dustin Lance Black liegen. Während Black Hoover gegenüber kritisch eingestellt ist, wird schnell deutlich, dass Eastwood eher aus der Position des Hoover-Bewunderers agiert.
Das führt zu der unglücklichen Mischung aus Kritik und Heldenepos, wobei meiner Meinung nach Hoovers positive Eigenschaften deutlich zu stark gewichtet wurden.

Alles in allem haben wir es aber mit einem durchaus sehenswerten Streifen zu tun, der vor allem durch die sehr gute schauspielerische Umsetzung bestechen kann. Leider wird diese Leistung durch die schlechte Maske, vor allem bei Armie Hammer, der Hoovers Freund Clyde verkörpert, etwas sabotiert.

So bleibt als Fazit festzuhalten, dass mit J. Edgar ein respektables Filmdrama entstanden ist, das der historischen Figur nur bedingt gerecht werden kann…

Fazit: Eine durchaus interessante Biopic, die etwas unter der persönlich gefärbten Optik des Regisseurs leidet. Kann ich nur unter Vorbehalten weiterempfehlen…

The Founder

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Originaltitel: The Founder

Regie: John Lee Hancock
Musik: Carter Burwell
Drehbuch: Robert D. Siegel

Produktion: © FiilmNation Entertainment / The Weinstein Company
Kamera: John Schwartzman
Schnitt: Robert Frazen

USA / 2016

Hauptdarsteller: Michael Keaton / Nick Offerman / John Carroll Lynch / Linda Cardellini / Patrick Wilson / Laura Dern…u.a.


HANDLUNG

Wir befinden uns in den 1950er-Jahren - Ray Kroc ist als Vertreter für Milchshakemaschinen unterwegs. In seinem Leben läuft es nicht gerade rund; er ist schon über fünfzig, seine Frau Ethel und er haben sich nicht mehr viel zu sagen, und seine Geschäfte laufen alles andere als gut.
Eines Tages trifft Ray auf einen aussergewöhnlichen Burger-Laden im kalifornischen San Bernardino. Geführt wird das Geschäft von den zwei Brüdern Mac und Dick McDonald. Ray ist begeistert von der Effizienz und der durchdachten Arbeitstechnik, die in diesem Geschäft angewendet wird. Schnell ist ihm klar, dass die Brüder McDonald hier etwas Wegweisendes geschaffen haben. Ray will ein Teil davon werden und versucht die Brüder davon zu überzeugen, ihre Gaststätten-Idee zu lizenzieren und von anderen Leuten im ganzen Land im Franchiseverfahren betreiben zu lassen. Nach anfänglichem Zögern stimmen Mac und Dick zu.
Ray Kroc gelingt es, durch seine gute Menschenkenntnis und seine Erfahrung, innert kürzester Zeit ein riesiges Imperium zu erschaffen – doch es gibt nicht nur Sieger auf dem Weg zum Erfolg…

REZENSION

Gerade zu Beginn ist die Erzählweise sehr bedächtig und schafft dadurch ein gutes Gefühl für die Zeit und die Atmosphäre der 50er-Jahre. Das kommt auch den Figuren zugute, die sehr glaubhaft und realistisch rüberkommen. Mit fortschreitender Handlung verliert sich der rote Faden etwas, ohne dass dies dem Film selber schaden würde.
Michael Keaton spielt hervorragend und verleiht der, an sich nicht gerade sympathischen, Hauptfigur Glaubhaftigkeit – überhaupt ist der gesamte Cast sehr gut gewählt.
Es ist spannend zu sehen, wie ein Restaurant, das heute wohl jeder kennt, entstanden ist. Wenn ich auch die historischen Zusammenhänge zu wenig kenne, um beurteilen zu können, ob die Umsetzung authentisch geschehen ist oder nicht, war der Film jederzeit unterhaltsam und interessant inszeniert.

Alles in allem beste Unterhaltung, bei der man auch noch was lernen kann. So oder so ähnlich hat es sich wohl abgespielt - und falls nicht, ist es zumindest gut erfunden…

Fazit: Gut gemachter Unterhaltungsfilm, der sowohl mit einer interessanten Story, als auch überzeugender schauspielerischer Leistung punkten kann.

Der Butler - Ein Mann. Ein Leben. Sieben Präsidenten

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Originaltitel: The Butler

Regie: Lee Daniels
Musik: Rodirigo Leão
Drehbuch: Danny Strong

Produktion: © Laura Ziskin Productions / Windy Hill Pictures u.a.
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Joe Klotz

USA / 2013

Hauptdarsteller: Forest Whitaker / Oprah Winfrey / David Oyelowo / Cuba Gooding Jr.

HANDLUNG

Der Film basiert auf der wahren Geschichte Eugene Allens, der von 1952 bis 1986 als Butler im Weissen Haus tätig war.
Im Film wurde der Name der Hauptfigur in Cecil Gaines abgeändert. Erzählt wird die Geschichte seiner schweren, von Armut geprägten Kindheit im Süden der USA, als Sohn eines Baumwollpflückers.
Gaines schafft es, als Butler Fuss zu fassen und landet schliesslich in Washington D. C., wo er eine Familie gründet und als Butler im Weissen Haus Beschäftigung findet.
Während Cecil Gaines vordergründig als angepasster Diener von sieben Präsidenten arbeitet, wendet sich sein Sohn Louis offen gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung und schliesst sich anfänglich der Bewegung um Martin Luther King an. Louis landet unzählige Male im Gefängnis, was schliesslich zum Bruch mit seinem Vater führt. Bis sie wieder zueinander finden, vergehen Jahre - Jahre, in denen die USA sich wandelt und die afroamerikanische Bevölkerung ihrem Recht auf Gleichstellung immer näher kommt…

REZENSION

Forest Whitaker, Oprah Winfrey und David Oyelowo können in diesem Film, in dem ein knappes Jahrhundert der amerikanischer Bürgerrechtsbewegung ausgebreitet wird, auf der ganzen Linie überzeugen. Anhand der eindrücklichen Vater-Sohn-Beziehung, wird gekonnt aufgezeigt, dass es nicht nur ein Konflikt zwischen Weiss und Schwarz war, sondern auch ein Generationenkonflikt innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft. Es gelingt dem Regisseur Lee Daniels ausgezeichnet, die daraus entstehenden Konflikte und innere Zerrissenheit darzustellen.
Die Dialoge waren für meinen Geschmack allzu einfach gestrickt und mit sehr vielen Klischees durchwirkt. Ab und an hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet. Allerdings ist es natürlich ein schwieriges Unterfangen, eine so grosse Zeitspanne (82 Jahre) in gut zwei Stunden historisch seriös abzuhandeln.
Schlussendlich wurde die hervorragende Vater-Sohn-Geschichte etwas durch die holzschnittartige Grundgeschichte geschmälert.

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Streifen, der nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Umsetzung und auch den zahlreichen Kurzauftritte vieler Weltstars (Robin Williams, Vanessa Redgrave, Jane Fonda, Mariah Carey etc…) sehenswert ist.

Fazit: Eine gefühlvolle und mitreissend inszenierte Vater-Sohn-Geschichte, die lediglich etwas unter der Menge der Ereignisse, die erzählt werden wollen, zu leiden hat.

Trumbo

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Trumbo

Regie: Jay Roach
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: John McNamara

Produktion: © Bleecker Street Films u.a.
Kamera: Jim Denault
Schnitt: Alan Baumgarten

USA / 2015

Hauptdarsteller: Bryan Cranston, Diane Lane, Helen Mirren, Michael Stuhlbarg, John Goodman…u.a.

HANDLUNG

In „Trumbo“ wird die wahre Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Dalton Trumbo erzählt, der in den 1940er Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei war und deshalb vom Ausschuss für unamerikanische Umtriebe vorgeladen wurde. Dalton Trumbo gehörte zu der, später als „Hollywood Ten“ bekannt gewordenen, Gruppe von Regisseuren und Drehbuchautoren, die sich weigerten, vor dem besagten Ausschuss auszusagen und aus diesem Grund 1948 zu Haftstrafen verurteilt wurden.
Trumbo landete wie viele andere auf der „schwarzen Liste“ und fand nach seiner Haftstrafe keine Arbeit mehr. Es gelang ihm, anonym als Drehbuchautor für den Filmproduzenten Frank King (King Brothers) zu schreiben.
Ein beinahe aussichtsloser Kampf gegen die Studiobosse und die US-Regierung begann. Während Trumbos Arbeit als Ghostwriter langsam aber sicher an die Öffentlichkeit drang, setzte Trumbo alles auf eine Karte, um seine Familie zu schützen und endlich wieder ein normales Leben zu führen…

REZENSION

Es gibt nicht viele Filme, die sich mit diesem finsteren US-Amerikanischen Kapitel beschäftigen. Mir persönlich ist nur noch der Streifen „Der Strohmann“ von Martin Ritt bekannt, der dieses Thema aufgriff – und das ist schon über dreissig Jahre her.
Hollywood tut sich aus nachvollziehbaren Gründen äusserst schwer, wenn es um die Aufarbeitung dieser heiklen Ereignisse geht, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch Trumbo nicht von einem grossen Hollywood-Studio produziert wurde.

Dem vorliegenden Film gelingt es sehr eindrücklich, die unmenschlichen Machenschaften der McCarthy-Ära aufzuzeigen. Wobei das nicht unbedingt dem Drehbuch geschuldet ist, sondern vor allem der grossartigen schauspielerischen Leistung – allen voran Bryan Cranstons, der Dalton Trumbo kongenial verkörpert.
Den einzigen Vorwurf, den man dem Drehbuch machen kann: Zuweilen wurden die Ecken und Kanten sehr stark geschliffen. Es stellt sich dadurch eine Harmonie ein, die einen etwas irritierenden Kontrast zur eigentlichen Handlung bildet. Zudem hat man der Versuchung nicht widerstehen können, historische Begebenheiten zugunsten dramaturgischer Effekte etwas zu verfälschen.

Alles in allem aber ein ausgezeichneter Film, der ein äusserst wichtiges und erzählenswertes Zeitalter amerikanischer Geschichte behandelt…

Das Mädchen im Park

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Originaltitel: The Girl in the Park

Regie: David Auburn
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: David Auburn

Produktion: © Furst Films / Oak 3 Films / Open Pictures
Kamera: Stuart Dyburgh
Schnitt: Kristina Boden

USA / 2007

Hauptdarsteller: Sigourney Weaver, Kate Bosworth, Alessandro Nivola, Keri Russell, David Rasche, Elias Koteas…u.a.


HANDLUNG

Julia Sandburg geht mit ihrer kleinen Tochter Maggie zum Kinderspielplatz. Nach einem kurzen Moment der Unachtsamkeit, ist Maggie plötzlich verschwunden. Die Suche der verzweifelten Mutter bleibt erfolglos…
16 Jahre später ist Julias Leben nach wie vor geprägt durch den schicksalshaften Verlust. Ihre Ehe ist mittlerweile geschieden, und sie hat kaum noch Kontakt zu ihrem Sohn und ihrem Ex-Ehemann. Noch immer kann sie nicht glauben, dass Maggie tot sein soll…
Als sie eines Tages der Obdachlosen Louise begegnet, verändert sich ihr Leben. Sie fühlt sich der jungen Frau verbunden und lässt sie bei sich wohnen. Mehr und mehr glaubt Julia, in Louise ihre verschwundene Tochter wiederzuerkennen.
Emotional labil, wie Julia ist, gerät sie zunehmend in eine verhängnisvolle Abhängigkeit von Louise…

REZENSION

Die Horrorvorstellung aller Eltern wird in diesem kleinen Film Wirklichkeit: Das eigene Kind verschwindet spurlos.
Dass aus diesem Grundthema kein Psychothriller wurde, liegt einzig an der sehr zurückhaltenden Inszenierung durch David Auburn. Es ist dem Film deutlich anzumerken, dass David Auburn vor allem Theaterstücke verfasst. „Das Mädchen im Park“ wirkt stellenweise wie ein Kammerspiel. Nur selten gibt es einige Längen, die aber durch die ausgezeichnete Vortragsweise der beiden Hauptdarstellerinnen Sigourney Weaver und Kate Bosworth nicht wirklich negativ auffallen.

David Auburn hat es ausgezeichnet verstanden, eine sehr tragische Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen und Subtilität zu erzählen. Keine billige Effekthascherei oder melodramatische Überzeichnung beeinträchtigt die Handlung - und genau dies verleiht dem Streifen eine eindrückliche Ernsthaftigkeit.
Ein intelligenter Film, der den Zuschauer immer wieder ein wenig fordert und nicht alles bis ins Detail zu Ende palavert.

Kurz: Ein hervorragender Streifen, der jedoch absolut ungeeignet für Hollywood-Junkies ist…

Fazit: Wer sich auf dieses Independent-Film einlässt, bekommt ein spannendes und gut inszeniert und gespieltes Film-Drama zu sehen!
Kann ich weiterempfehlen…

10 Dinge, die ich an Dir hasse

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Originaltitel: 10 Things I Hate About You

Regie: Gil Junger
Musik: Richard Gibbs
Drehbuch: Karen McCullah Lutz / Kristen Smith

USA / 1999

Hauptdarsteller: Heath Ledger, Julia Stiles, Joseph Gordon-Levitt, Larisa Oleynik...u.a.

HANDLUNG

Bianca Stratford ist eine der beliebtesten Schülerinnen an der Padua-High-School. Ihr einziges Problem ist ihre Schwester Kat, die am untersten Ende der Beliebtheitsskala der Schule steht und mit ihrer ruppigen Art bei Lehrern wie Mitschülern aneckt.
Bianca möchte unbedingt mit ihrem Schulschwarm Joey ausgehen, was ihr aber von ihrem gestrengen Vater untersagt wird. Er stellt die Regel auf, dass Bianca erst mit einem männlichen Mitschüler ausgehen darf, wenn auch ihre ältere Schwester Kat ein solche Verabredung hat. Kat kann der Männerwelt allerdings gar nichts abgewinnen und bringt die kleine Schwester mit ihrer widerspenstigen Art auf die Palme.
Um endlich mit Bianca ausgehen zu können, besticht Joey den rebellischen Patrick, damit dieser Kat zu einem Date überredet. Doch der Plan geht gründlich schief, da sich Patrick tatsächlich in Kat verliebt und der schüchterne Cameron Bianca davon zu überzeugen versucht, dass Joey alles andere als der nette Schönling ist, für den ihn Bianca hält. Es kommt wie es kommen muss – die Geschichte gerät gründlich ausser Kontrolle...

REZENSION

In den 80er- und 90er-Jahren wurden unzählige High-School-Teenie-Kömödien produziert. Die meisten sind heute (zu recht) in Vergessenheit geraten. Ganz anders sieht das bei dem hier vorliegenden Werk aus, das sich mit seiner frischen originellen Art deutlich von seinen Genre-Kollegen abhebt.
Das ist zum einen auf die recht komplexe und vielschichtige Grundstory zurückzuführen, die sich im Wesentlichen auf Shakespeares „Die Widerspenstige Zähmung“ abstützt. Mit diesem Shakespeare-Element wird dann auch immer wieder gespielt. Zum anderen haben wir es hier mit einem unglaublich guten Cast zu tun, allen voran der leider viel zu früh verstorbene Heath Ledger, der mit der weiblichen Hauptdarstellerin Julia Stiles hervorragend harmoniert und dadurch eine Tiefe aufkommen lässt, wie sie normalerweise bei solchen High-School-Filmen nicht zu finden ist.
Im Grunde ist es kein High-School-Film, vielmehr ein gut gemachter Coming-of-Age-Film, bei dem die Akteure zufällig High-School-Schüler sind. So stehen dann auch nicht die Schulprobleme oder die Lehrer im Mittelpunkt, sondern die Beziehungen unter den Schülern.
Abschliessend will ich noch auf die kongeniale Filmmusik eingehen, die zum Gelingen des Filmes einen nicht unwesentlichen Beitrag leistet. Verwendet wurde hauptsächlich Independent-Musik aus dem Ska-Bereich. Es entsteht eine ausgezeichnete Atmosphäre, indem einzelne Bands wie beispielsweise die Save Ferris während des Filmes life performen und so den Szenen ein sehr authentisches Flair verleihen.

Learning to Drive - Fahrstunden fürs Leben

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Originaltitel: Learning to Drive

Regie: Isabel Coixet
Musik: Dhani Harrison / Paul Hicks
Drehbuch: Sarah Kernochan

USA / 2014

Hauptdarsteller: Ben Kingsley, Patricia Clarkson, Jake Weber, Grace Gummer...u.a

HANDLUNG

Die erfolgreiche Literaturkritikerin Wendy wird nach 21 Ehejahren von ihrem Mann verlassen. Zudem lebt ihre Tochter Tasha vorübergehend weit weg von New York im Hinterland von Vermont. Wendy will aus der Not eine Tugend machen und beschliesst, nun endlich ihren Führerschein zu machen, um ihre Tochter besuchen zu können.
Ihr Fahrlehrer ist in jeder Beziehung ungewöhnlich. Darwan ist ein Sikh und musste sein Heimatland aus politischen Gründen verlassen. Wendy ist schnell durch die bedachte und weise Art Darwans beeindruckt und erlangt ihre gewohnte Sicherheit zurück.
Während die beiden in den Strassenschluchten New Yorks herum kurven, wird bald beiden klar, dass jeder vom anderen etwas lernen kann. Eine aussergewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Lauf…

REZENSION

Positiv zu vermerken ist, dass Ben Kingsley nach wie vor ein beindruckender Schauspieler ist und auch in diesem Streifen der spanischen Regisseurin Isabel Coixet zeigt, dass er in jede x-beliebige Rolle zu schlüpfen und diese glaubhaft zu verkörpern versteht. Er ist dann auch das Highlight dieser ansonsten eher konservativ umgesetzten Tragikkomödie.
Leider gewährt das Drehbuch keinen tieferen Einblick in die verschiedenen Charaktere. Während der Streifen zu Beginn noch recht flott inszeniert ist, gerät er dann etwas aus der Spur, wirkt allzu harmlos und uninspiriert. Erst im letzten Drittel, wo sich die Geschichte etwas mehr Darwan und seiner Ehefrau zuwendet, gewinnt das Ganze wieder an Fahrt – hinterlässt jedoch durch sein unvermitteltes Ende beim Zuschauer mehr Fragen als Antworten. Ich mag an sich Filme mit Enden, die offen gehalten sind, aber hier wirkt das unfertig und nicht zu Ende erzählt.
Grundsätzlich haben wir es mit einem netten Unterhaltungsfilm zu tun, den man sich durchaus mal ansehen kann - allein schon wegen Ben Kingsley…

Das Glück an meiner Seite

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: You‘re Not You

Regie: Geroge C. Wolfe
Musik: Jeanine Tesori
Drehbuch: Shana Feste / Jordan Roberts

USA / 2014

Hauptdarsteller: Hillary Swank, Emmy Rossum, Josh Duhamel...u.a.

HANDLUNG

Die glücklich verheiratete erfolgreiche Konzertpianistin Kate hat eigentlich alles, was sie sich wünschen kann. Um so grösser sitzt der Schock, als bei ihr ALS, eine unheilbare degenerative Nervenerkrankung, diagnostiziert wird.
Kate verliert nach und nach ihre motorischen Fähigkeiten und ist auf ihren Mann und später auf Pflegehilfen angewiesen.
Eines Tages bewirbt sich die chaotische Studentin Bec für die Stelle als Pflegerin. Obwohl sie keinerlei Erfahrungen in diesem Bereich aufweisen kann, stellt sie Kate, sehr zum Ärger ihres Mannes, ein.
Die unkonventionelle Bec schafft es, Kate wieder etwas Lebensfreude zu vermitteln, und umgekehrt sorgt Kate dafür, dass Bec zu mehr Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein findet. Doch Kates Krankheit schreitet fort und beiden ist klar, dass die neu entstandene Freundschaft schon bald auf eine schwere Probe gestellt werden wird...

REZENSION

Wer sich bei der Grundstory an „Ziemlich beste Freunde“ erinnert fühlt, liegt richtig. Die Gemeinsamkeiten sind vor allem zu Beginn der Geschichte unverkennbar. Ebenso unverkennbar wird aber mit fortschreitender Handlung, dass wir es hier nicht mit einer französischen Produktion zu tun haben, sondern mit einer US-amerikanischen. Das wird vor allem in der stetig wachsenden Melodramatik spürbar, die sich ab der Mitte des Filmes deutlich bemerkbar macht. Das ist schade, zerstört sie doch so etwas die Glaubhaftigkeit und menschliche Tragödie, die von Hilary Swank grandios verkörpert wird.
Was am Anfang etwas zu locker und beinahe schon slapstickartig inszeniert wird, kippt in der zweiten Hälfte ins Dramatische, gar Weinerliche. Wobei beides eigentlich gut inszeniert ist, der Kontrast vom einen zum anderen ist nur zu gross und wirkt deshalb ungewollt unrealistisch.

Alles in allem haben wir es aber mit einem durchaus sehenswerten Streifen zu tun, der vor allem auf schauspielerischer Ebene wirklich zu überzeugen weiss und die leichten Schwachpunkte im Drehbuch beinahe vergessen lässt.

Auch die Engel essen Bohnen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Anche gli angeli mangiano fagioli

Regie: Enzo Barboni
Musik: Oiliver Onions
Drehbuch: Tulio Demicheli u.a.

Italien / 1973

Hauptdarsteller: Bud Spencer, Giuliano Gemma, Robert Middleton...u.a.

HANDLUNG

Die Geschichte spielt in New York in den 1920er Jahren.
Der ausgefuchste Sonny und der geistig eher etwas schwerfällige Catcher Charlie treffen zufällig aufeinander. Beide sind sie ziemlich abgebrannt und auch die Zukunftsaussichten sehen düster aus.
Sie lassen sich vom Mafia-Boss Don Angelo anheuern und sollen fortan für ihn allerlei krumme Geschäfte erledigen.
Die zwei sind aber alles andere als geeignet für dieses Business, und so kommt es, dass sie, nachdem sie die Schutzgelder eingetrieben haben, weniger Geld in der Tasche haben als zuvor.
Als sie die fehlenden Moneten von einem rivalisierenden Syndikat klauen, lösen sie damit einen gnadenlosen Unterweltkrieg aus, der die halbe Stadt ins Chaos stürzt...

REZENSION

Der Film ist als Parodie auf den Gangsterfilm angelegt, kann sich aber nicht so richtig entscheiden, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Die Slapstick-Einlagen nehmen zuweilen bedrohliche Ausmasse an, und aus der Parodie wird schnell ein Rumgeblödel, in dem die parodistische Tiefe eindeutig verloren geht.
Zudem harmoniert Bud Spencer mit Giuliano Gemma nicht so gut, wie man das von ihm mit Terence Hill gewohnt ist. Was man sich bei Hill irgendwie noch vorstellen könnte, wirkt bei Gemma zu albern und aufgesetzt.
Ich möchte den Streifen hier aber nicht nur schlechtreden. Er hat durchaus seine heiteren und gelungenen Momente. Die Szene, in der sie die Schutzgelder eintreiben müssen, ist grossartig gelungen und zum Brüllen komisch. Schade nur, dass dieses Niveau nicht über den gesamten Film hindurch gehalten werden kann.
Alles in allem ein Film, den man sich ansehen kann, der aber kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird...

Fazit: Ein unterhaltsamer Klamauk-Streifen für die eher anspruchslosen Momente im Leben.

Der grosse Trip

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Wild

Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Nick Hornby
Musik: Yves Bélanger

USA / 2014

Hauptdarsteller: Reese Witherspoon, Laura Dern, Thomas Sadoski...u.a.

HANDLUNG

Charyl Strayed macht sich auf die 1600 Kilometer lange Wanderung entlang des Pacific Crest Trails (PCT). Es sind vor allem persönliche Gründe, die sie dazu treiben, den langen Weg alleine durch brütende Hitze, klirrende Kälte und menschenverlassene Gegenden zu unternehmen. Der gewalttätige Vater, sowie der frühe Tod ihrer Mutter haben sie aus der Spur gebracht und schliesslich auch ihre Ehe zerstört.
Sie kämpft aber nicht nur gegen die Natur, sondern auch mit zu engen Wanderschuhen und einem überladenen Rucksack, der von PCT-Bekanntschaften bald den Spitznamen „Monster“ erhält.
Auf sich alleine gestellt, gelingt es ihr nach und nach mit ihren Schuldgefühlen und den Strapazen fertig zu werden. Ihr Ziel ist die Bridge oft the Gods, die über den Columbia River führt…

REZENSIION

Es ist der Geschichte deutlich anzumerken, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Es wird weitgehend auf billige Effekthascherei verzichtet, wie es sonst bei solchen Produktionen üblich ist.
In unzähligen Rückblenden wird die Geschichte von Charyl Strayed aufgerollt und so den Zuschauer nach und nach ins Bild gesetzt. Diese Erzähltechnik bringt zum einen etwas Unruhe in den Storyverlauf, macht die Handlung zum anderen allerdings etwas abwechslungsreicher.
Das Drehbuch ist schlüssig und stimmig verfasst, Nick Hornbys Handschrift ist da deutlich zu erkennen. Dazu kommt die sehr gute schauspielerische Umsetzung durch Reese Witherspoon, die nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern den Streifen auch gleich mitproduzierte.
Es lassen sich aber durchaus auch leichte Schwächen bei der Figurentwicklung feststellen. So richtig fassbar wird die Hauptfigur bis zum Schluss nicht, vielleicht wurde das auch bewusst so angelegt…

Ein wichtiges stilistisches Element bildet die Filmmusik, die omnipräsent und sehr subtil eingesetzt wird. Im Zentrum steht dabei Simon & Garfunkels „El condor pasa“, welches während des ganzen Filmes immer wieder als Leitmotiv Verwendung findet, aber erst gegen Ende der Geschichte über die Anfangstakte hinauskommt.

Alles in allem eine kurzweilige Geschichte mit realistischer Umsetzung und wunderschönen Landschaftsaufnahmen.

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Monuments Men

Regie: George Clooney
Musik: Alexandre Desplat
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov

USA, Deutschland / 2014

Hauptdarsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Cate Blanchett...u.a.

HANDLUNG

Während sich der Zweite Weltkrieg langsam seinem Ende zuneigt, wird immer deutlicher, dass die deutschen Einheiten gezielt, Kunstschätze stehlen und abtransportieren. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, wird in den USA unter der Leitung von Lt. Commander Frank Stokes eine Spezialeinheit „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“ gegründet. Die Einheit besteht ausschliesslich aus Kunsthistorikern, Kuratoren, Architekten und Museumsdirektoren, die „Monuments Men“ genannt werden.
Ihr Auftrag besteht darin, hinter den Kampflinien die Kunstgüter in Kirchen, Museen etc. zu schützen und bereits gestohlene Kulturschätze wieder zu finden und zu sammeln.
Nach einem kurzen militärischen Crashkurs wird die Einheit ins Kriegsgebiet gebracht, wo sie sich an ihre Aufgabe macht.
Schnell wird klar, dass der Auftrag noch viel schwieriger wird als vorgestellt und ehe sie sich versehen, sind sie mitten drin im Krieg...

REZENSION

Kann ein Film, in dem Bill Murray, John Goodman, Matt Damon und George Clooney mitspielen, schlecht sein, habe ich mich gefragt. Wobei ich die beiden erstgenannten mit zu meinen Lieblingsschauspielern zähle. Dazu kommt eine sehr originelle Grundgeschichte. Ich muss gestehen, dass ich zuvor noch nie etwas von diesen „Monuments Men“ gehört hatte. Die Story interessierte mich, und ich habe mich auf den Streifen gefreut.

Bedauerlicherweise war die Vorfreude die einzige Freude, die mir dieses Werk bereitet hat. Das Drehbuch ist äusserst behäbig aufgebaut, die Dialoge, um es mal zurückhaltend zu formulieren, banal. Zudem erinnert die ganze Inszenierung an Kriegsfilme aus den 50er- oder 60er-Jahren. Wobei man nur die pathetische Opulenz und die äusserst einseitige Weltsicht aus dieser Zeit übernommen hat.
So werden sämtliche Figuren äusserst holzschnittartig wiedergegeben. Die Deutschen sind alle charakterlose Lumpen oder Naivlinge und die Russen natürlich böse und angsteinflössend. Als wären siebzig Jahre historischer Aufarbeitung komplett spurlos an Herrn Clooney, der das Drehbuch verfasst hatte, vorbeigezogen.
Selbst so herausragende Schauspieler wie John Goodman und Bill Murray wurden derart zurückgebunden, dass sie grösstenteils blass und unscheinbar wirken. Cate Blanchett als französische Résistance-Aktivistin ist meiner Meinung nach eine Fehlbesetzung. Eine Audrey Tautou oder Sophie Marceau wären wohl die bessere Wahl gewesen.
Wie auch immer. Ich habe daraus zwei Dinge gelernt: Erstens, es gab Monuments Men im Zweiten Weltkrieg und zweitens, ich werde mir keinen Film mehr ansehen, bei dem George Clooney Regie führte oder das Drehbuch verfasst hat – so gesehen war der Streifen nicht ganz für die Katz...

Fazit: Kann man sich ansehen, wenn einem langweilig ist, muss man aber nicht gesehen haben, dafür ist das Leben eigentlich zu kurz.

Ich, beide & sie

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Me, Myself & Irene

Regie: Peter und Bobby Farrelly
Musik: Pete Yorn, Lee Scott
Drehbuch: B. und P. Farrelly, Mike Cerrone
USA / 2000

Darsteller: Jim Carrey, Renée Zellweger, Chris Cooper…u.a.


HANDLUNG

Charlie Baileygates ist Polizist bei der Highway Patrol und vermutlich einer der gutmütigsten und naivsten Zeitgenossen, die es gibt, was von seinen Mitmenschen auch schamlos ausgenutzt wird.
Eines Tages passiert, was passieren muss, er erleidet einen Zusammenbruch. Sein Alter Ego Hank Evans ist das genaue Gegenteil von ihm, ein Draufgänger und unangenehmer Zeitgenosse. Die Psychologen stellen bei Charlie eine gespaltene Persönlichkeit fest und geben ihm Medikamente, um sein böses Ich zu unterdrücken… doch das gelingt nicht wirklich…

REZENSION

Nachdem ich mich nach einer halben Stunde recht gut unterhalten gefühlt habe und gespannt war auf die weitere Entwicklung, kam dann der Schock. Dabei wäre die Ausgangslage doch durchaus vielversprechend gewesen. Der super nette Durchschnitts-Typ, der von allen verarscht und ausgenutzt wird, entwickelt eine gespaltene Persönlichkeit und zeigt es allen mal so richtig (Die im Film immer wieder erwähnte "Schizophrenie“, ist übrigens eine völlig falsche Bezeichnung, da es sich dabei um eine ganz andere Krankheit handelt. Die korrekte medizinische Bezeichnung hier wäre: Dissoziative Identitätsstörung). Was hätte man daraus für einen tollen Streifen machen können... Nicht so hier. Der Humor rasselt so richtig tief und immer tiefer in den Keller und bleibt dann so beim vorpubertären Schmuddel-Witz hängen. Ok, wenn man einen Jim Carrey-Film schaut, erwartet man keinen kulturell hochstehenden, psychologisch tiefgreifenden cineastischen Höhenflug. Aber wenn Klamauk nur noch als Selbstzweck dient und die Spässe konstant nur noch unter der Gürtellinie stattfinden, kann man nach meinem Verständnis nicht mehr von einem gelungenen Filmprojekt sprechen. Der völlig verblödete Hollywood-like Schluss ist dann gewissermassen nur noch die abschliessende Bestätigung, dass man es hier wohl mit einem der schwächsten Carrey-Filme zu tun hat, der gewissermassen nur eine Neuverfilmung von "Die Maske" darstellt, ohne jedoch jemals auch nur entfernt an die Ironie und das perfekte Timing dieses Streifens heranzureichen...

Für hartgesottene Jim Carry-Fans mag der Film was taugen, alle anderen sollten einen Bogen darum machen...

Miss Bodyguard - In High Heels auf der Flucht

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Originaltitel: Hot Pursuit

Regie: Anne Fletcher
Musik: Christophe Beck
Drehbuch: David Feeney / John Quaintance

USA / 2015

Hauptdarsteller: Reese Witherspoon, Sofia Vergara…u.a.


HANDLUNG

Daniella Riva und ihr Mann sind die einzigen Zeugen, die gegen den inhaftierten Kartellboss Vicente Cortez aussagen können. Als die beiden in ihrem Haus von der Polizistin Rose Cooper und ihrem Kollegen abgeholt werden, geraten sie in einen Hinterhalt, dem Daniellas Ehemann und auch Roses Kollege zum Opfer fallen.
Die beiden sehr ungleichen Frauen sind nun auf sich allein gestellt. Bald zeigt sich, dass wohl nicht nur Kartellmitglieder hinter den beiden Frauen her sind, sonder gewisse Polizisten ebenfalls auf der Gehaltsliste des Kartellbosses stehen. Der Weg bis zum Gericht in Dallas ist lang und Gefahr lauert an jeder Strassenecke. Officer Cooper ist eine pedantische Paragrafenreiterin und Danielle Riva eine exzentrische Nervensäge, was schon bald für ordentlich Ärger zwischen den beiden Damen sorgt…

REZENSION

Roadmovies mit zwei weiblichen Hauptdarstellerinnen sind auch heutzutage immer noch etwas eher Seltenes. Vermutlich war das auch der Reiz, den Reese Witherspoon dazu verleitete, nicht nur eine Hauptrolle zu übernehmen, sondern den Streifen auch gleich mitzuproduzieren.
Es gibt einige durchaus witzige Dialoge zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen. Die Handlung an sich ist jedoch sehr einfach gestrickt und leicht zu durchschauen. Auch das Drehbuch besticht nicht gerade durch Originalität.
Obwohl Reese Witherspoon und Sofia Vergara ihre Parts gut verkörpern, gelingt es ihnen nicht, die beschriebenen Mängel zu überspielen. Vielmehr operieren die beiden in nicht wenigen Szenen an der Grenze zum Overacting, was die Geschichte zuweilen noch alberner wirken lässt, als der Glaubwürdigkeit gut tut.
Es sind dann immer wieder kleine Szenen, kurze Sätze oder gar nonverbale Einlagen zwischen den beiden, die einem von Zeit zu Zeit doch wieder ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern und aufzeigen, dass die Chemie zwischen ihnen sehr gut funktioniert. Dass beide Figuren dem Zuschauer nicht wirklich ans Herz wachsen, liegt eindeutig am etwas unbeholfenen Drehbuch und der konzeptionellen Umsetzung und nicht am schauspielerischen Können.

Alles in allem eine einfach gestrickte Roadmovie-Komödie, die vor allem Fans der beiden Hauptdarstellerinnen ansprechen dürfte. Ansonsten nette Unterhaltung für zwischendurch ohne Anspruch auf mehr…

Fazit: Ein Streifen, den man nicht gesehen haben muss, den man sich aber durchaus mal ansehen kann.

Restless

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Restless

Regie: Gus Van Sant
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Jason Lew

USA / 2011

Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Henry Hopper, Ryô Kase…u.a.


HANDLUNG

Das Leben von Enoch Brae ist nach dem Unfalltod seiner Eltern ziemlich aus dem Ruder gelaufen.
Er hat mit seinem eigenen Leben abgeschlossen, geht nicht mehr zur Schule und verbringt seine Freizeit mit Besuchen von Beerdigungen. Zudem sieht er den Geist eines japanischen Kamikazefliegers, mit dem er sich unterhält.
An einer Beerdigung trifft er auf Annabel Cotton. Die junge lebenslustige Frau ist fasziniert von Enoch, und bald schon finden die beiden zusammen. Trotz offensichtlichen Gegensätzen merken die beiden, dass sie viele Gemeinsamkeiten verbindet.
Als Enoch erfährt, dass Annabel Krebs im Endstadium hat, verspricht er ihr, sie bis zum nahen Ende zu begleiten. Annabel versucht, die kurze verbleibende Zeit mit Enoch zu geniessen und Enoch hat, anders als beim Tod seiner Eltern, die Möglichkeit sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden…

REZENSION

Die Geschichte ist stellenweise sehr anrührend. Immer wieder schleichen sich aber auch etwas skurrile Momente ein, die die ganze Handlung etwas unglaubhaft werden lassen. Die Geschichte mit dem japanischen Kamikazeflieger zum Beispiel, nimmt, nach meinem Dafürhalten, viel zu viel Raum ein. Umso mehr, da bis zum Schluss eigentlich nicht klar wird, weshalb Enoch einen Kamikazeflieger als Geist sieht.
Henry Hopper als Enoch ist hier in seiner ersten Rolle zu sehen, und seine Unsicherheit ist deutlich zu spüren. Dies führt zu einigen Szenen, in denen die Harmonie zwischen den beiden Hauptfiguren etwas leidet.
Die Dialoge wirken zuweilen etwas hölzern und aufgesetzt. Ich bin mir jedoch bewusst, dass man versucht hat „natürlich“ zu wirken. Die Grenzen zwischen natürlich und gekünstelt sind allerdings fliessend und das Drehbuch holpert hier schon einige Male beträchtlich.
Dessen ungeachtet ein sehenswerter Independent-Film, der einen originellen Blick auf das Thema Tod und Abschied wirft. Der Streifen strahlt (trotz aller Tragik) eine lebensbejahende Gelassenheit aus, die dem Zuschauer etwas hilft, die traurigen Ereignisse zu verdauen.
Der Soundtrack ist zudem sehr gut, wenn auch ab und an etwas zu penetrant eingesetzt…
Ein für Genreliebhaber, trotz einiger Mängel, sehenswerter Film.

Alice im Wunderland

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Alice in Wonderland

Regie: Tim Burton
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Linda Woolverton

USA / 2010

Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Johnny Depp, Anne Hathaway…u.a.


HANDLUNG

Die mittlerweile erwachsene Alice hat ihre Abenteuer im Wunderland, welche sie als Sechsjährige erlebt hatte, längst vergessen. Als sie bei einer Gartenparty einen Heiratsantrag erhält, bittet sie um Bedenkzeit. Sie sieht ein merkwürdiges Kaninchen mit Taschenuhr und folgt diesem. Sie fällt durch das Loch des Kaninchenbaus ins vermeintliche Wunderland. Dort wird sie in die Auseinandersetzung zwischen der bösen Roten Königin und deren Schwester der Weissen Königin hineingezogen. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle im Unterland (Alice hatte als Kind den Namen falsch verstanden) glauben, dass es sich bei der jungen Frau um die selbe Alice wie vor 13 Jahren handelt und ihr skeptisch gegenüber stehen. Wird sie der Weissen Königin helfen können und wieder zurück in ihre Welt finden…?

REZENSION

Wer Disneys Alice-Verfilmung im Hinterkopf hat, dürfte über diesen Film doch etwas irritiert sein - mir hat er aber sehr gut gefallen. In der Burton-typischen Art ist alles sehr finster und unheimlicher gehalten, als das aus der Originalgeschichte bekannt ist. Diese ganze Fantasy-Welt, die Burton da erschaffen hat, ist sehr faszinierend und hat mir um Längen besser gefallen, als zum Beispiel die glattgebügelte, sterile Welt in Avatar. Die Geschichte wird spannend erzählt und spielt mit dem Original.
Für meinen Geschmack war das Ende dann aber etwas zu überhastet und gehetzt.
Mia Wasikowska verkörpert die Alice sehr überzeugend und verpasst ihr einen eigenen Charme, Johnny Depp spielt gut wie immer und gehört bei Burton-Filmen ja längst zum festen Inventar…

Fazit: Ein sehenswerter Fantasy-Streifen mit Tim Burtons eigenem finsteren Charme. Wer Burton mag, wird auch diesen Streifen mögen…

Kabinett ausser Kontrolle

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: In the Loop

Regie: Armando Iannucci
Musik: Adem Ilhan
Drehbuch: Armando Iannucci

Grossbritannien / 2009

Hauptdarsteller: Peter Capaldi, Tom Hollander, Chris Addison, Anna Chlumsky..u.a.


HANDLUNG

Der britische Entwicklungsminister Simon Foster ist alles andere als geschickt im Umgang mit der Presse. So äussert er sich in einem BBC-Interview zum drohenden Einmarsch im Irak sehr ungeschickt und bringt dadurch den Kommunikationsdirektor des Premierministers gegen sich auf.
Simon Foster versucht seinen Fauxpas ausbügeln und will in einem internationalen Meeting seinen Standpunkt richtigstellen. Seine unbeholfene Art führt zu noch mehr Verwirrung und der Konflikt zwischen Kriegsgegnern und -befürwortern spitzt sich zu.
Foster wird sowohl von der einen, wie auch von der anderen Seite manipuliert und ausgenützt. Als die verschiedenen Ränkespiele schliesslich zum Kriegseintritt führen, wird Simon Foster als Bauernopfer fallengelassen.

REZENSION

Was hätte man aus dieser wunderbaren Grundgeschichte nicht alles herausholen können! Leider ist der Film aber in jeder Beziehung übermotiviert.
Es wurde viel zu viel ins Drehbuch gepackt, dadurch wirkt der Streifen völlig überladen. Dazu kommt, dass es so viele Figuren gibt, dass es unmöglich ist, auch nur eine davon vertieft darzustellen, was wiederum dazu führt, dass die Geschichte markant an Gehalt und Glaubwürdigkeit verliert.
Sämtliche Protagonisten werden zudem entweder als durchgeknallte Choleriker, rückgratlose Wendehälse oder schlicht naive Deppen dargestellt. Natürlich gibt es Politiker, die in diese Kategorien gehören, wenn aber sämtliche Figuren so drauf sind, verliert die Geschichte extrem an Authentizität.
Wer noch die geniale BBC-Serie aus den 80er-Jahren „Yes Minister“ kennt, kann erahnen wie viel Potential bei dem hier vorliegenden Werk verschenkt wurde.
Ich bin ein grosser Fan des britischen schwarzen Humors, und auch für Satire und groteske Komödien bin ich stets zu haben. Was die Macher von „In the Loop“ aber ignoriert haben, ist die Tatsache, dass erwachsene Menschen, die sich 100 Minuten lang Fäkalausdrücke an den Kopf werfen, keineswegs satirisch wirken, und mit schwarzem Humor hat das ebenso wenig zu tun.
Eines muss ich noch zur deutschen Synchronisation los werden: Die ist wirklich grauenvoll. Die Stimmen passen nicht zu den Figuren, die Sprache wirkt gekünstelt aufgesetzt und die Hintergrundgeräusche wurden grösstenteils weggelassen, was die Atmosphäre völlig kaputt macht. Da der ganze Streifen im Dokumentarstil gedreht wurde, wirkt diese stummfilmartige Hintergrundumsetzung zusätzlich grotesk und zerstört die Bemühung um Glaubhaftigkeit, bevor sie zur Wirkung kommt...

St. Vincent

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: St. Vincent

Regie: Theodore Melfi
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: Thedore Melfi

USA / 2014

Hauptdarsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Jaeden Lieberher, Naomi Watts...u.a.

HANDLUNG

Zu behaupten, Vincent MacKenna stünde vor dem Abgrund, beschreibt seine Situation nur unzureichend, eigentlich ist er bereits einen Schritt weiter…
Er trinkt was das Zeug hält und steht genau genommen nur auf, um in die Strippbar oder zum Pferderennen zu gehen. Er hat bei allen und jedem Schulden und keine Aussicht, dass sich daran in Zukunft etwas ändern könnte.
Die alleinstehende Maggie Bronstein und ihr kleiner Sohn Oliver ziehen, nichts ahnend, ins Nachbarhaus. Als Maggie Vincent bittet, nach der Schule auf ihren Sohn aufzupassen, ist niemand erstaunter als Vincent selber.
Oliver begleitet Vincent in Nachtclubs, Bars und auf die Rennbahn. Zudem stellt Vincent dem Jungen die schwangere Stripperin Daka vor.
Als Oliver in der katholischen Schule, den Auftrag erhält, einen Vortrag über einen „Heiligen“ der Gegenwart zu halten, ist für Oliver schnell klar, dass dies nur Vincent sein kann… Das verrückte daran ist, er kann es sogar plausibel begründen…

REZENSION

Bill Murray wird, wie ein guter Wein, mit zunehmendem Alter immer besser. Die schauspielerische Darbietung in diesem Streifen gehört mit zum Besten, das ich bis jetzt von ihm gesehen habe. Niemals zuvor habe ich einen abgehalfterten, misanthropischeren, kauzigeren und gleichzeitig irgendwie liebenswerteren Vietnamveteran gesehen, als in diesem wunderbaren Streifen.
Zugegeben, die Handlung als solche strotzt nicht gerade vor Originalität. Die Geschichte wurde so oder ähnlich schon unzählige Male in Hollywood abgedreht. Die Mischung zwischen Drama und Komödie ist hier jedoch unglaublich gut gelungen. Man leidet und lacht mit, was zu einem Grossteil der ausgezeichneten schauspielerischen Umsetzung geschuldet ist. Wobei beileibe nicht nur Bill Murray brilliert. Melissa McCarthy und Jaeden Lieberher stehen ihm kaum nach.

Bei all dem Gutgemachten schaut man generös über den etwas schmalzigen Schluss hinweg und wird spätestens beim Abspann, wo wir Bill Murray beim Topfpflanzen giessen zusehen dürfen, während im Hintergrund Bob Dylans „Shelter From The Storm“ läuft, voll und ganz entschädigt.

Fazit: Wer gut gemachte Tragikkomödien zu schätzen weiss und einen Bill Murray in Bestform erleben möchte, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Der Weg nach Westen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Way West

Regie: Andrew V. McLaglen
Musik: Bronislau Kaper
Drehbuch: A. B. Guthrie Jr., Mitch Lindemann, Ben Maddow

USA / 1967

Hauptdarsteller: Kirk Douglas, Robert Mitchum, Richard Widmark, Sally Field...u.a.

HANDLUNG

Captain William J. Tadlock organisiert einen Siedlertreck, der von Missouri nach Oregon führen soll. Tadlocks Vision ist der Bau einer neuen Stadt nach seinen Vorstellungen.
Er heuert Dick Summers, einen erfahrenen Pfadfinder an.
Schon bald nach Aufbruch des Trecks, stösst Tadlocks autoritäre Art und sein menschenverachtender Umgang auf Kritik bei seinen Mitreisenden. Als er schliesslich, um Zeit zu sparen, die Abkürzung durch die Wüste wählt, eskaliert das Ganze, und es kommt zur offenen Meuterei gegen Tadlock. Doch der schwierigste Teil der Reise steht erst noch bevor, denn eine tiefe Schlucht stellt alle vor eine beinahe unlösbare Aufgabe. Nun wird sich zeigen, ob die Gruppe es schafft, sich wieder zusammen zu raufen, um ihr Ziel zu erreichen…

REZENSION

„Der Weg Nach Westen“ gehört zu jenen Monumental-Western, die zu einer Zeit entstanden, in der das klassische Western-Genre eigentlich schon zu einer aussterbenden Filmgattung gehörte.
Noch einmal wurde versucht, mit viel Aufwand und Authentizität, die grossen Themen und Tugenden aufleben zu lassen.
Herausgekommen ist ein relativ harmlos inszenierter und wenig mutig umgesetzter Standard-Western. Auch das Indianerbild ist noch stark dem klassischen Klischee verhaftet.
Dennoch hat er auch Bemerkenswertes zu bieten. Wunderschöne Szenenbilder zum Beispiel oder ein ganz gut agierendes Dreierteam in den Hauptrollen mit Kirk Douglas, Richard Widmark und Robert Mitchum.
Das wirkliche Highlight dieses Streifens ist aber eine junge Dame, die hier ihren allerersten Auftritt in einem Spielfilm hat und meiner Meinung nach die drei Herren locker an die Wand spielt: Sally Field. Allein schon deswegen ein sehenswerter Western.

Bernie - Leichen pflastern seinen Weg

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Bernie

Regie: Richard Linklater
Musik: Graham Reynolds
Drehbuch: Skip Hollandsworth & Richard Linklater

USA / 2011

Hauptdarsteller: Jack Black, Shirley MacLaine, Matthew McConaughey...u.a.

HANDLUNG

Die Sonne geht auf, als der herzliche und zuvorkommende Bernie Tiede ins kleine texanische Städtchen Carthage zieht. Er findet Arbeit im ansässigen Bestattungsunternehmen und geht förmlich auf in seiner Arbeit. Seine freundliche und aufopfernde Art lässt keinen unberührt, der mit ihm zu tun hat, und bald schon ist er einer der beliebtesten und angesehensten Persönlichkeiten von Carthage.
Als Marjorie Nugents Ehemann stirbt, kümmert er sich auch um sie, wie um jede andere Witwe, sehr zum Erstaunen der Gemeinde, da Marjorie das absolute Gegenteil von Bernie darstellt. Sie ist herrisch, verbittert und äusserst besitzergreifend. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden, die eigentlich nicht gut gehen kann, und so geraten die beiden in einen Sog, der schliesslich für beide in der Katastrophe endet…

REZENSION

So harmlos und unscheinbar die Geschichte beginnt, so unfassbar und dramatisch endet sie. Dabei sollte man sich nicht durch den völlig unangebrachten deutschen Titel irritieren lassen, da wollte wohl jemand witzig sein…

Jack Black in einer Paraderolle - wieder mal, ist man versucht zu sagen. Er glänzt einmal mehr mit einer absolut überzeugenden Darstellung und punktet auch als Sänger. Diesmal allerdings nicht als Rocksänger, sondern als Gospelinterpret, und das klingt richtig gut!
Da die Story auf einer wahren Begebenheit beruht, hat Richard Linklater die dokumentarische Erzählform gewählt. So wird ein Grossteil der Handlung retrospektiv durch Interviews mit Bewohnern erzählt. Das führt zu einer sehr guten Authentizität.
Im Englischen wird bei solchen Filmen von Dark Comedy gesprochen, was auf Deutsch wohl am besten mit Tragikkomödie übersetzt werden könnte. Wobei mir der komödiantische Teil zuweilen etwas zu ausgeprägt ausgelebt wurde. Alles in allem wird aber das bigotte Kleinstadtleben sehr eindrücklich eingefangen.
Jack Blacks One-Man-Show ist etwas vom Besten und Eindrücklichsten, das ich seit langem gesehen habe. Auch wenn der Film selber vielleicht nicht gerade ein Meisterwerk darstellt, so ist auf jeden Fall ein bemerkenswerter Streifen entstanden, der einen zum Nachdenken bringt…

It's Kind of a Funny Story

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: It’s Kind of a Funny Story

Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Musik: Broken Social Scene
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck

USA / 2010

Hauptdarsteller: Keir Gilchrist, Zach Galifianakis, Emma Roberts…u.a.

HANDLUNG

Der 16-jährige Craig Gilner ist überfordert. Unter Druck gesetzt durch seinen Vater und andere belastende Situationen, hat er Suizidgedanken und entschliesst sich deshalb, sich in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses einweisen zu lassen.
Da die Jugendpsychiatrie wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, kommt er in die Erwachsenenabteilung.
Nach und nach lernt er andere Patienten kennen, schliesst Freundschaften, verliebt sich gar und findet nach und nach den Schlüssel für seinen eigenen Weg…

REZENSION

Ich habe selten einen Film gesehen, der ein so heikles Thema mit so viel Witz, Charme, Wärme und ehrlichem Ernst behandelt, ohne dabei ins Lächerliche oder Kitschige abzugleiten. Obwohl er sich einiger Klischees bedient, versteht er sie auch immer wieder zu brechen und dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. Auch die schauspielerische Leistung kann nicht hoch genug gelobt werden. Ein Streifen, der einfach Spass macht beim Zusehen und der es versteht, intelligent zu unterhalten - was man beileibe nicht von vielen Filmen der Gegenwart behaupten kann...

Shine a Light

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Shine a Light

Regie: Martin Scorsese
Musik: The Rolling Stones

USA / 2008

Im Herbst 2006 veranstalteten die Rolling Stones im New Yorker Beacon Theater zwei Konzerte. Begleitet wurden sie von niemand Geringerem als von Martin Scorsese, der bei dieser Gelegenheit einen Konzertfilm mit der Band aufnahm.
Weltpremiere feierte der Streifen dann am 7. Februar 2008 als Eröffnungsfilm der Berlinale.

Zu Beginn war ich ja echt geschockt. Dieses verrauschte Bild, die banalen Texte von Scorsese & Co., dazu die MTV-Schnitttechnik, bei der mir beinahe übel wurde...
Zum Glück fing dann bald schon das Konzert an, und das ist wirklich gut und mitreissend. Echt beeindruckend wie diese Alt-Herren-Truppe immer noch abrockt. Auch wenn ab und an ein falscher Ton dabei war, macht ja gerade das den Charme eines Konzerts aus. Auch die Gastauftritte von Jack White und Buddy Guy sind absolut sehenswert. Christina Aguilera hat nicht ihren besten Tag erwischt, dafür steht sie vollständig bekleidet auf der Bühne, was auch schon erwähnenswert ist.
Zum Schluss war ich dann wieder versöhnt mit dem Streifen und konnte diesen Konzert-Film wirklich geniessen.

Fazit: Ein toller Konzert-Film, der zum Teil etwas darunter leidet, dass man besonders originell sein wollte. Nicht unbedingt für Scorsese-Fans geeignet. Alle, die auf die Rolling Stones oder wie ich einfach auf gute Rockmusik stehen, werden bei diesem Streifen auf ihre Kosten kommen!

Soul Men

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Soul Men

Regie: Malcolm D. Lee
Musik: Stanley Clarke
Drehbuch: Robert Ramsey & Matthew Stone

USA / 2008

Hauptdarsteller: Samuel L. Jackson, Bernie Mac, Sharon Leal…u.a.

HANDLUNG

Louis und Floyd hatten vor zwanzig Jahren zusammen in einer Soulband als Background-Sänger gearbeitet.
Nachdem sich der Lead-Sänger entschieden hatte, eine Solokarriere zu starten, blieben Louis und Floyd alleine zurück und traten fortan als „The Real Deal“ auf. Bald schon gerieten sie aber in Streit und trennten sich.
Jahre später stirbt der Lead-Sänger und Floyd hat die Idee, zusammen mit seinem alten Kumpel Louis auf eine Reunion-Tour zu gehen. Es gelingt ihm, Louis zu überreden.
Bald schon haben sie mit ersten Problemen zu kämpfen und stellen fest, dass sie sich noch immer nicht ausstehen können.

REZENSION

Die Grundstory wäre eigentlich vielversprechend, aber mit der Umsetzung hatte ich so meine Mühe. Obwohl es immer wieder gute Sprüche und ganz witzige Szenen gibt, ist der Humor in diesem Film für mich etwas zu derb geraten.
Dazu kommt, dass Bernie Mac seine Rolle völlig überspielt. Man möchte förmlich als Zuschauer in den Film hineinrufen: Bitte etwas dezenter, bitte etwas leiser..! Samuel L. Jackson spielt gewohnt souverän und entschädigt etwas für den Rest. Wären da nicht einige ganz gute musikalische Einlagen, würde der Film kaum aus der Masse herausragen. Die Handlung an sich ist zu banal und vorhersehbar und macht das Ganze zu einem durchschnittlichen 08/15-Streifen.
Anlehnungen an die „Blues-Brothers-Filme“ sind nicht zu übersehen. Das vorliegende Werk kann aber in Sachen Charme, Witz und Timing zu keiner Zeit mit den Blues-Brothers-Streifen mithalten.

Fazit: Irgendwie hat man alles schon mal irgendwo besser und origineller gesehen. Aber als einfacher Feel-Good-Movie für ein verregnetes Wochenende taugt er durchaus...

Young Adult

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Young Adult

Regie: Jason Reitman
Musik: Rolfe Kent
Drehbuch: Diablo Cody

USA / 2011

Hauptdarsteller: Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson… u.a..


HANDLUNG

Mavis Gary (Charlize Theron) steckt in einer Lebenskrise. Sie wohnt alleine in Minneapolis, ist frisch geschieden und beruflich auf dem Abstellgleis gelandet. Als sie in einer E-Mail erfährt, dass ihr Ex-Freund aus der Jugendzeit, Buddy Slade, eine Tochter bekommen hat, entschliesst sie sich in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Ihr Ziel: Sie will Buddy zurückerobern – eine bescheuerte Idee, aber es kommt noch schlimmer. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

REZENSION

Ich mag die Filme von Jason Reitman sehr. Sie strahlen eine frische und natürliche Kraft aus, die sie von anderen modernen Produktionen abhebt. So auch in diesem Streifen "Young Adult", in dem die Geschichte einer psychisch sehr angeschlagenen, unter dem Borderline-Syndrom leidenden Autorin erzählt wird. Die Figuren sind allesamt hervorragend gespielt und wirken glaubhaft. Der Film ist zu keiner Zeit romantisch, nie nett und schon gar keine Liebesgeschichte. Aus dem Leben gegriffen eben und mit allem Realismus versehen, den Hollywood so fürchtet.
Und was den Schluss angeht... nun, die meisten Probleme lösen sich eben tatsächlich nicht einfach so in Wohlgefallen auf...

Nicht gerade ein Film, den man sich ansehen sollte, wenn es einem nicht so gut geht. Er kann schon etwas deprimieren, trotz vereinzelten komischen Szenen. Die schauspielerische Leistung von Charlize Theron jedenfalls ist grossartig und die Story originell.

Saving Mr. Banks

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Saving Mr. Banks

Regie: John Lee Hancock
Musik: Thomas Newman
Drehbuch: Kelly Marcel & Sue Smith
USA / 2013

Hauptdarsteller: Tom Hanks, Emma Thompson, Annie Rose Buckley...u.a.


HANDLUNG

Walt Disney (Tom Hanks) versucht der Autorin P.L. Travers (Emma Thompson) die Erlaubnis abzuringen, ihr Erfolgsbuch „Mary Poppins“ als Kinoadaption verfilmen zu dürfen. Dies erweist sich allerdings als sehr schwieriges Unterfangen, da Mrs. Travers sehr genaue Vorstellungen hat, wie ihr Buch umgesetzt werden soll.
Eines ist für sie klar, es darf auf keinen Fall ein Trickfilm werden, und auch von der Idee ein Musical daraus zu machen, ist sie alles andere als begeistert. Ihre direkte und unverblümte Art führt in der Zusammenarbeit mit dem Drehbuchteam immer wieder zu Konflikten, die schliesslich im Eklat enden.
Erst als Walt Disney die Hintergründe von Mrs. Travers Verhalten erkennt, beginnt eine Annäherung...

REZENSION

Ich kannte den Hintergrund der Entstehung des Mary-Poppins-Film nicht und finde, dass die filmische Umsetzung sehr gut gelungen ist und spannend inszeniert wurde.
Natürlich ist es keine Walt-Disney-Biografie, und auch sonst wurde vielleicht etwas viel Rührseligkeit hineingepackt, die eigentliche Grundgeschichte ist aber sehr gekonnt und mit viel Drive inszeniert worden. Man hat es ausgezeichnet verstanden, die 60er-Jahre aufleben zu lassen. Die regelmässigen Rückblenden in die Kindheit von P.L. Travers sind ausgezeichnet arrangiert, sie decken nach und nach den eigentlichen Kern der Geschichte auf.
Ich habe schon lange keinen Unterhaltungsfilm mehr gesehen, bei dem das Verhältnis von Information, Umsetzung und Konzept derart stimmig war, wie bei diesem Werk.
Zusammen mit den wunderschönen Landschaftsaufnahmen und der beeindruckenden schauspielerischen Leistung der Hauptfiguren ein sehr zu empfehlender Film.

Kiss The Cook - So schmeckt das Leben!

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Chef

Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Jon Favreau
USA / 2014

Hauptdarsteller: Jon Favreau, Sofia Vergara, John Leguizamo, Scarlett Johansson...ua.

HANDLUNG


Carl Casper ist mit Leib und Seele Koch und arbeitet in einem der beliebtesten Restaurants Los Angeles.
Kreativ ist er aber in eine Sackgasse geraten. Der Besitzer des Restaurants will nichts verändern und verlangt von Carl die immer gleichen Menus. Als ihm ein berühmter Gastrokritiker diese Ideenlosigkeit vorwirft und ihn über seinen Blog öffentlich blossstellt, hat Carl die Nase voll und versucht sich zu wehren. Was als virtueller Disput im Internet beginnt, entwickelt sich zum offenen Streit im Restaurant und vor allen Gästen…
Carl wird gefeuert und sucht nach einer neuen Herausforderung.
Da die Beziehung zu seinem achtjährigen Sohn aus seiner gescheiterten Ehe sowieso immer zu kurz kam, entschliesst er sich, das Angebot seiner Ex-Frau anzunehmen und als „Kindermädchen“ die beiden nach Miami zu begleiten. Dort eröffnet sich eine neue Möglichkeit für ihn, mit einem Food-Truck die Gastrowelt aufzumischen, und er packt die Chance…

REZENSION

Ein Kochfilm, der in einem Roadmovie endet. Ist doch mal was anderes. Der Streifen macht richtig gute Laune. Die Kochszenen sollte man sich jedenfalls nicht mit leerem Magen ansehen, und auch sonst hat der Film einiges zu bieten.
Kongenial wird das Ganze durch einen mitreissenden und sehr überlegt ausgewählten Soundtrack unterstützt, der aus einer Mischung aus Folk, Soul und kubanischer Musik daherkommt.
Will man ein Haar in der Suppe suchen, wird man am ehesten bei den Dialogen fündig. Man merkt schon, dass Jon Favreau hier nicht in seinem üblichen Filmgenre ist, den Dialogen fehlt es etwas an Substanz und Spritzigkeit. Dies wird jedoch sehr gekonnt durch die unterhaltsame Handlung sowie die bereits erwähnte gute Musik kaschiert.

Fazit: Wer Kochfilme mag und auch noch etwas für kubanische Musik übrig hat, wird an diesem Gute-Laune-Film seine helle Freude haben.

The Magic of Belle Isle - Ein verzauberter Sommer

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Magic of Belle Isle

Regie: Rob Reiner
Musik: Marc Shaiman
Drehbuch: Guy Thomas
USA / 2012

Hauptdarsteller: Morgan Freeman, Virginia Madsen, Emma Fuhrmann... u.a.

HANDLUNG

Der Western-Schriftsteller Monte Wildhorn leidet unter einer Schreibblockade. Der Tod seiner geliebten Frau hat aus ihm einen mit seiner Umwelt hadernden Trinker gemacht. Seine Verwanden verfrachten den in einem Rollstuhl sitzenden Schriftsteller in ein Sommerhäuschen aufs Land.
Am beschaulichen Greenwood Lake verwandelt sich der Griesgram Monte nach und nach wieder zu einem liebenswerten und hilfsbereiten Menschen. Dabei sind der Hund Ringo, den er kurzerhand in Spot umtauft, und seine Nachbarin Charlotte O’Neil nicht ganz unschuldig an seiner Verwandlung.
Die wichtigste Bezugsperson wird aber Charlottes 9-jährige Tochter Finnegan, die von Monte unbedingt die Kunst des Geschichtenerzählens erlernen will. Monte wird zu Beginn eher gegen seinen Willen von ihr als Mentor engagiert, findet aber zunehmend gefallen an seinem neuen „Job“…

REZENSION

Ich habe selten einen Film gesehen, auf den die Bezeichnung „Feel-Good-Movie“ treffender gewesen wäre, als bei dem vorliegenden Werk von Rob Reiner.
Morgan Freeman spielt seine Rolle gewohnt souverän und liebenswert. Ohne dass die Figur überzeichnet oder kitschig wirken würde.
Man hat nun nicht gerade das Kino neu erfunden mit der Grundgeschichte, es ist aber eine liebenswerte und sehr unterhaltsame Variation.
Zusammen mit der wunderschönen Landschaft und dem pittoresken Städtchen ist eine emotional packende Komödie entstanden, die durchaus auch Raum für ernste Themen lässt.
Rob Reiner, der schon Filmperlen wie „Harry und Sally“ oder „Stand by Me“ geschaffen hat, ist es einmal mehr gelungen, grosses Kino zu machen oder anders ausgedrückt: Beste Unterhaltung!

The English Teacher

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✮✮✮✮✮✮

Origianltitel: The English Teacher

Regie: Craig Zisk
Musik: Rob Simonsen
Drehbuch: Dan Chariton & Stacy Chariton
USA / 2013

Hauptdarsteller: Julianne Moore, Michael Angarano, Greg Kinnear...u.a.

HANDLUNG

Linda Sinclair ist Englischlehrerin an der High-School in der Kleinstadt Kingston. Die sehr zurückgezogen lebende Lehrerin lebt für die Literatur und versteht es, diese Begeisterung auch ihren Schülern weiterzugeben.
Zufällig trifft sie auf ihren ehemaligen Schüler Jason Sherwood, der sein Glück als Dramatiker in New York versucht hat, aber gescheitert ist, und nun desillusioniert seine Karriere aufgeben will. Linda liest eines seiner Theaterstücke und ist begeistert. Sie überredet Jason einer Aufführung am Schultheater zuzustimmen.
Die erst professionelle Unterstützung nimmt unerwartet ganz persönliche Formen an, was schliesslich zur Gefährdung des ganzen Projekts führt...

REZENSION

So wirklich glücklich wurde ich nicht mit dieser Geschichte. Die Story beginnt recht rasant und vielversprechend, verbummelt sich dann aber irgendwie und verliert den Schwung.
Zudem gibt es ausser der Hauptfigur kaum sympathische Charaktere, entweder sind sie von Anfang an unsympathisch angelegt oder entwickeln sich im Laufe der Handlung dazu. Erschwerend kommt hinzu, dass Julianne Moore, die ich sehr gerne sehe, konstant an der Grenze zum Overacting operiert.
Ich möchte den Streifen aber jetzt nicht schlechter reden als er ist. Es gibt durchaus witzige Szenen und gute Dialoge. Der Film ist im Grossen und Ganzen recht unterhaltsam und als gemütlicher Sonntagsnachmittags-Zeitvertreib durchaus zu gebrauchen. Es fehlt einfach etwas an Tiefe und Raffinesse, um daraus einen wirklich guten Film zu machen, der sich von der Masse abheben würde…

Fazit: Nette Unterhaltung für zwischendurch – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Fools Rush In - Herz über Kopf

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Fools Rush In

Regie: Andy Tennant
Musik: Alan Silvestrie
Drehbuch: Katherine Reback
USA / 1997

Hauptdarsteller: Selma Hayek, Matthew Perry


HANDLUNG

Die zufällige Bekanntschaft der mexikanisch stämmigen Isabel Fuentes und des New Yorker Bauleiters Alex Whitman führt zu einer gemeinsamen Nacht. Eine Nacht mit Folgen: Isabel ist schwanger. Sie teilt es Alex mit, und der verspricht, für sie da zu sein. Eine wechselhafte Beziehungsgeschichte nimmt ihren Lauf, in der Kulturen aufeinander prallen und so manches Missverständnis aus dem Weg geräumt werden will…

REZENSION

Wenn ich eine Liste meiner liebsten Schnulzenfilme erstellen müsste, wäre "Fools Rush In" ganz weit oben aufgeführt.
Zugegeben, er trieft vor Kitsch und Klischees. Die Handlung mag zuweilen leicht grotesk anmuten, und auch die Dialoge haben keinen philosophischen Tiefgang, und dennoch gilt hier das selbe wie bei "Pretty Woman": Die Figuren sind mitreissend und der Handlungsverlauf ist genau so wie in einem solchen Streifen gewünscht. Zudem spielt Salma Hayek so überragend, dass sie die etwas unbeholfene Spielweise von Matthew Perry komplett vergessen lässt. Im Gegenteil, es entsteht eine ausgezeichnete Harmonie zwischen den beiden, die sich auf den Zuschauer überträgt und den Film zu einem richtigen Feel-Good-Movie macht.
Ach ja, und der Soundtrack ist der Hammer!

American Hustle

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: American Hustle

Regie: David O. Russell
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Eric Waren Singer & David O. Russel
USA / 2013

Hauptdarsteller: Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jennifer Lawrence...u.a.


HANDLUNG

Gemeinsam mit seiner Geliebten Sydney Prosser (Amy Adams) betreibt Irving Rosenfeld (Christian Bale) eine Waschsalonkette. Diese dient den beiden Trickbetrügern jedoch nur als Tarnung. Hinter den Kulissen werden krumme Geschäfte abgewickelt, wie der Handel mit gefälschter Kunst oder Kreditbetrug. Bei letzterem werden die beiden vom FBI-Agent Richie DiMaso überführt und danach gezwungen, bei einer verdeckten FBI-Operation als Lockvögel mitzumachen. Was als harmlose Überführung anderer Trickbetrüger beginnt, führt bald in einen Sumpf von Korruption und Bestechung, wobei ranghohe Politiker ebenso darin verstrickt sind, wie auch diverse Mafia-Organisationen der Ostküste.
DiMasos grössenwahnsinnige Pläne werden immer gefährlicher und die Lage zunehmend undurchschaubar. Höchste Zeit also für Sydney und Irving, sich aus der Sache auszuklinken. Das ist aber alles andere als einfach und erfordert einen gutdurchdachten Plan...

REZENSION

Ein wirklich geniales Stück Schauspielkunst wird uns in dem rasant inszenierten und abwechslungsreich verfilmten Streifen von David Russell geboten. Wobei der Humor sehr skurril und die Handlung äusserst komplex ist.
Obwohl alle Rollen hervorragend besetzt sind, hat mir Jennifer Lawrence als frustrierte und sitzengelassene Ehefrau am besten gefallen.
Während ich von Minute zu Minute begeisterter dem wilden Treiben folgte und schliesslich beim Auftauchen von Robert De Niro (wer sonst) als Mafia-Boss endgültig sicher war, es mit einem filmischen Meisterwerk zu tun zu haben, wurde ich dann in den letzten Minuten etwas auf den harten Boden der Wirklichkeit zurückgeholt.
Während man der Entwicklung der Geschichte und auch dem Hauptteil sehr viel Zeit einräumte, wurde das Ende leider viel zu überhastet erzählt. Das raubt der Geschichte die Glaubwürdigkeit und macht aus einem Meisterwerk eben „nur“ noch einen sehr guten Film.
Diese fehlende Luft gegen Schluss führt dazu, dass ich jetzt nicht wie beabsichtigt sagen kann: Der Streifen spielt auf Augenhöhe mit Filmen wie „The Big Lebwoski“ oder „Jackie Brown“, sondern lediglich attestiere, dass er diese grösstenteils erfolgreich nachzuahmen versucht.

Der Jane Austen Club

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The Jane Austen Book Club

Regie: Robin Swicord
Drehbuch: Robin Swicord & Karen Joy Fowler
Musik: Aaron Zigman

USA / 2007

Hauptdarsteller: Kathy Baker, Maria Bello, Amy Brenneman, Emily Blunt… u.a.


HANDLUNG

Bernadette gründet einen Jane Austen Buchclub, um damit ihre Freundin Silvia etwas abzulenken, die gerade von ihrem Mann nach zwanzig Ehejahren verlassen wurde.
Schnell finden sich 5 Frauen, die sich regelmässig treffen, um über die sechs Romane Jane Austens zu diskutieren. Als Jocelyn ihre Zufallsbekanntschaft Grigg, als einzigen Mann, in den Club mitbringt, entwickelt sich eine ganz neue Dynamik in der Runde, und nicht alle haben die selben Beweggründe, um an den Treffen teilzunehmen…

REZENSION

Das war nun mal wieder ein richtig herzerwärmender, kluger und pointierter Film. Ich habe mich keine einzige Sekunde gelangweilt. Die spannenden Dialoge und intelligent eingefädelten Handlungsstränge haben mich von Beginn an gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Spiel mit der Literatur von Jane Austen und die Vermischung mit der realen Geschichte, in der sich gewissermassen genau die Themen aus den Austen-Romanen widerspiegeln, ist hervorragend gelöst und schauspielerisch grandios umgesetzt. Wobei mich vor allem Emily Blunt einmal mehr sehr beeindruckt hat. Es ist tatsächlich nicht zwingend, dass man die Romane von Austen kennt, um der Handlung folgen zu können. Unbestritten ist hingegen, dass man die eine oder andere unkommentierte Anspielung nicht versteht, wenn man die Romane nicht kennt... Alles in allem ein hervorragender Streifen für einen gemütlichen Filmabend zu zweit.
Wer auf Dialogfilme steht und Filme wie zum Beispiel "Another Year" oder "Up In The Air" mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten gefühlt und werde diesen Streifen sicher nicht zum letzen Mal gesehen haben.

Ob blond, ob braun

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✮✮✮✮✮✮

It Happened At The World's Fair

Regie: Norman Taurog
Musik: Leith Stevens
Drehbuch: Seaman Jacobs / Si Rose

USA / 1963

Hauptdarsteller: Elvis Presley, Joan O'Brien, Gary Lockwood, Vicky Tiu... u.a.

HANDLUNG

Mike Edwards (Elvis Presley) und sein Freund Danny (Gary Lockwood) haben ein Problem. Danny hat im Spielrausch so viel Schulden gemacht, dass nun das Kleinflugzeug, mit dem sie Aufträge erledigen, vom Sheriff beschlagnahmt wird.
Auf der Suche nach Arbeit treffen sie auf Walter Ling und seine Nichte Sue-Lin. Beide sind auf dem Weg nach Seattle und nehmen Mike und Danny mit.
Mike lässt sich überreden auf Sue-Lin aufzupassen, während ihr Onkel etwas erledigen will. Nachdem der Onkel aber spurlos verschwindet, hat Mike nun plötzlich zwei Probleme, mit denen er sich rumschlagen muss...

REZENSION

Zugegeben, es gibt noch wesentlich schlechtere Filme mit Elvis. „It happened At The World's Fair“ darf aber für sich in Anspruch nehmen, der Anfang vom Ende von Elvis' Filmkarriere gewesen zu sein. Hier kam erstmals alles zusammen, was in den Folgejahren zum Standard bei Elvis-Filmen wurde: Eine belanglose Story, in der Elvis einen fast schon pathologisch anmutenden Frauenhelden mimt und ein schlechter, teilweise peinlicher Soundtrack.
Der Filmsoundtrack umfasste hier lediglich zehn Songs, was schon arg wenig war, und vom damaligen Publikum auch mit Unmut zur Kenntnis genommen wurde. Die Single-Auskopplung: „One Broken Heart For Sale“ war nicht schlecht, aber dennoch die erste Single seit 1956, die nicht in die US Top 10 kam.
Über die Story gibt es nicht viel zu sagen. Man nützt die Weltausstellung in Seattle von 1962 als Kulisse, das ist dann aber auch schon das Aufregendste, was es über den Streifen zu sagen gibt. Auch schauspielerisch passt Elvis mit seiner weiblichen Hauptdarstellerin so gar nicht zusammen. Wäre nicht Vicky Tiu in der Rolle der kleinen Sue-Lin gewesen, die mit ihrem Charme zu verzaubern mag, wäre der Streifen wohl vor allem durch ein eher langweiliges und einfallsloses Drehbuch aufgefallen.
Selbst die Filmtechnik ist derart billig aufgezogen, dass man bei jeder Szene sofort merkt, wenn man Studioaufnahmen mit Aussenaufnahmen zusammengemixt hat.
Aber wie gesagt, es kam danach noch schlimmer, erst im Jahr 1968 war ein leichter Lichtschimmer am Horizont auszumachen...

Anschauen kann man sich das natürlich. An einem verregneten Sonntagnachmittag zum Beispiel, aber gesehen haben muss man ihn nicht...

Cadillac Records

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Cadillac Records

Regie: Darnell Martin
Musik: Terence Blanchard
Drehbuch: Darnell Martin
USA / 2008

Hauptdarsteller: Adrien Brody, Jeffrey Wright, Gabrielle Union, Beyoncé Knowles... u.a.


HANDLUNG

Erzählt wird die Geschichte des Plattenlabels Chess Records und ihres Gründers Leonard Chess.
Das kleine Independent-Lable wurde 1950 gegründet und machte so legendäre Musiker wie Muddy Waters, Little Walter, Etta James, Howlin' Wolf oder Chuck Berry bekannt.
Die Rassentrennung in den damaligen USA und der Konflikt zwischen Geld und Kunst bilden die Kernthemen dieses Musikfilmes.

REZENSION

Obwohl die Umsetzung sich herausnimmt, mit den tatsächliche Ereignissen sehr frei umzugehen, so wird zum Beispiel der Bruder und Mitbegründer Phil Chess praktisch weggelassen, ist ein durchaus interessanter und spannender Film entstanden.
Die schauspielerische Umsetzung der verschiedenen Musiker war wirklich überzeugend und kommt zum Teil dem Original unglaublich nah.
Am meisten überrascht hat mich die Umsetzung von Beyoncé Knwoles als Etta James. Sie hat das wirklich grossartig hinbekommen, und die Rolle war alles andere als einfach zu spielen. Bei den performten Songs entsteht dann auch mal Gänsehaut.
Die Darstellung der, damals noch sehr rassistischen, Verhältnisse in den USA wird sehr anschaulich dargestellt, und auch die Entstehung einer neuen musikalischen Ära kommt wirklich gut rüber.
Der Film ist natürlich viel zu kurz, um der wirklichen Bedeutung von Chess Records gerecht zu werden. Zu viel wurde nur angerissen oder sogar ganz weggelassen.

Die Karte meiner Träume

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Young and Prodigious T.S. Spivet

Regie: Jean-Pierre Jeunet
Musik: Denis Sanacore
Drehbuch: Reif Larsen

Frankreich / Kanada / 2013

Hauptdarsteller: Kyle Catlett, Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum keith Rennie... u.a.


HANDLUNG

Der 10-jährige T.S. Spivet hat es nicht leicht. Er lebt mit seiner Familie auf einer Farm abgelegen in Montana.
Er ist hochbegabt, beschäftigt sich mit naturwissenschaftlichen Projekten und irritiert mit seinem Wissen und Können seine Umgebung ziemlich. Sein Vater kann mit den Fähigkeiten und Interessen seines Sohnes nichts anfangen, und dann ist da auch noch ein tragisches Ereignis, das auf der ganzen Familie lastet.
Als T.S. für eine seiner Erfindungen eine Auszeichnung erhält und vom berühmten Smithsonian Institut eingeladen wird, hat er ein Problem: Die wissen nämlich nicht, dass er erst zehn ist.
Er macht sich bei Nacht und Nebel auf nach Washington D.C..

REZENSION


Ich mag Jean-Pierre Jeunets Filme in der Regel sehr, sie zeichnen sich durch eine sprühende Fantasie, Humor und gute, etwas skurrile Geschichten aus.
Der hier vorliegende Streifen macht diesbezüglich keine Ausnahme. Es ist eigentlich alles dabei, was man von einem unterhaltsamen Filmabend erwartet. Dazu kommen noch fotografisch wunderschöne Aufnahmen, denen man zuweilen allerdings etwas anmerkt, dass sie fürs 3D-Kino inszeniert wurden.
Inhaltlich ist es schwer, den Film in eine Schublade zu stecken. Es ist sicher keine Komödie, aber ebenso auch kein reines Drama. Vielleicht könnte man es als eine Tragikkomödie mit Abenteuerelementen umschreiben.
Die Story ist zuweilen etwas kitschig, übertreibt es aber zum Glück nicht, so dass schlussendlich eine ausgewogene und interessante Geschichte erzählt wird.
Wer die Art von Jeunets Filmen mag, wird sicher auch an diesem Werk gefallen finden

Blue Jasmine

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Blue Jasmine

Regie: Woody Allen
Musik: Christopher Lennertz
Drehbuch: Woody Allen
USA / 2013

Hauptdarsteller: Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins… u.a.


HANDLUNG

Die ehemalige High-Society-Lady Jasmine Francis (Cate Blanchett) ist ganz unten angekommen, mittellos, ohne Job und ohne Dach über dem Kopf. Was ist geschehen?
Sie reist zu ihrer in ärmlichen Verhältnissen lebenden Schwester um wieder auf die Beine zu kommen. In Rückblenden wird das Drama Schritt für Schritt offenbart. Jasmines Ehemann war in dubiose Geschäfte verwickelt. Nachdem er Jasmine betrogen hatte, rächte sich diese, indem sie ihn bei der Polizei anzeigte. Nach der Verhaftung brachte er sich in seiner Zelle um.
Jasmines Versuch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und gleichzeitig mit der Schuld fertig zu werden, bringen sie in arge Nöte. Dann taucht Dwight Westlake (Peter Sarsgaard) auf, und sie will diesmal alles besser machen…

REZENSION

Blue Jasmine mag nicht der beste Woody-Allen-Film sein, gehört aber ohne Frage zu den stärksten Produktionen der letzten zehn Jahre. Die Inszenierung ist hervorragend und das Timing einfach nur gut. Dazu kommt ein durchaus interessant umgesetztes Psychogramm der Hauptfigur, das gekonnt bis zum schlimmstmöglichen Ende abgehandelt wird. Zusammen mit der, zu Recht mit einem Oscar bedachten, schauspielerischen Umsetzung und der kongenialen Filmmusik, haben wir eine gute Tragikkomödie mit Tiefgang und Wortwitz, wie man es von Woody Allen seit Jahren gewohnt ist. Es ist schon beachtlich, wie er es immer wieder schafft, sich neue Geschichten auszudenken und diese dann auch noch so ansprechend umzusetzen.

Man sollte sich vielleicht nicht mit der Erwartungshaltung, eine Komödie zu sehen, vor den Film setzen, denn um eine solche handelt es sich nun definitiv nicht. Die tragischen Elemente überwiegen in diesem Woody-Allen-Film bei weitem. Alles in allem ist es aber ein sehr unterhaltsamer und sehenswerter Streifen, den ich sicher nicht zum letzten Mal gesehen habe!

America's Sweethearts

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: America's Sweethearts

Regie: Joe Roth
Musik: James Newton Howard
Produktionsland: USA
Jahr: 2001
Hauptdarsteller: Julia Roberts, Catherine Zita-Jones, Billy Crystal, John Cusack.. u.a

HANDLUNG

Ein berühmtes Hollywood-Ehepaar, das sich getrennt hat, soll für die Premiere ihres letzten gemeinsamen Filmes nochmals zusammengebracht werden.
Lee Phillips (Billy Crystal) kriegt diesen undankbaren Auftrag und tut sein Möglichstes, um die beiden, zumindest für die Öffentlichkeit, wieder zusammenzuführen.
Schnell wird klar, dass dieses Unterfangen nicht nur schwierig, sondern ausweglos ist. Als dann die versammelte Presseschar in einem abgelegenen Hotel in Nevada den Premierenfilm, den noch nicht mal der Studioboss gesehen hat, zu sehen bekommt, löst das exzentrische Machwerk endgültig das Chaos aus.

REZENSION

Eine vergnügliche Komödie, die zuweilen mit slapstickartigem Humor, aber auch immer wieder mit witzigen Wortgefechten und Ironie zu punkten weiss. Getragen wird das Ganze jedoch eindeutig durch die hervorragende Spielweise von Billy Crystal, Julia Roberts und vor allem Catherine Zeta-Jones, die wunderbar harmonieren und alle Register ziehen dürfen. Ganz nebenbei wird auch noch die gesamte Hollywood-Maschinerie aufs Korn genommen und das nicht zu knapp...

Genug gesagt

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Enough Said

Regie: Nicole Holofcener
Musik: Marcelo Zarvos
Produktionsland: USA
Jahr: 2013
Hauptdarsteller: Julia Louis-Dreyfus, James Gandolfini, Catherine Keener

Eines lässt sich über diesen kleinen Film mit Bestimmtheit sagen, eine 08/15-Produktion ist es auf keinen Fall.
Es ist nicht nur eine einfache Beziehungsgeschichte, sondern eine recht in die Tiefe gehende psychologische Studie von verschiedenen Paarbeziehungen mit der Erkenntnis, dass jeder zum einen seinen eigenen Empfindungen vertrauen sollte und zum anderen eine Beziehung nur so lange funktioniert, wie jeder sich selbst treu bleiben kann und darf. Zugegeben, keine weltbewegend neuen Erkenntnisse, aber in diesem Film amüsant und pointiert verpackt.
Die Dialoge sind sehr offen und beinahe „zu realistisch“. Es entwickelt sich dadurch eine ungewohnte Nähe zu den Akteuren, die den Zuschauer sehr unmittelbar ins Geschehen einbindet.
Emotional ist alles da, was man in einem solchen Streifen braucht: Witz, Charme, Drama und auch etwas Kitsch, alles aber ausgezeichnet ausbalanciert und stimmig verabreicht.
Zudem ist das Ganze schauspielerisch sehr überzeugend vorgetragen. Julia Louis-Dreyfus und James Gandolfini harmonieren hervorragend und spielen sämtliche Stadien einer Beziehung äusserst souverän und gekonnt durch.
Als Zuseher hat man am Schluss das Gefühl einen ehrlichen und amüsanten Film gesehen zu haben, der realistisch und zugleich unterhaltend erzählt ist.

Die Waffen der Frauen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Working Girl

Regie: Mike Nichols
Musik: Carly Simon
Produktionsland: USA

USA / 1988

Hauptdarsteller: Melanie Griffith, Harrison Ford, Sigourney Weaver

HANDLUNG

Es ist schon spannend zu sehen wie anders das Frauenbild vor knapp 30 Jahren so aussah. Dieser Streifen ist gewissermassen eine Reise in die Soziologiegeschichte und zeigt uns neben dem Paarungsverhalten auch interessante Einblicke in die weibliche Frisurgestaltung sowie das Zusammenspiel von Männchen und Weibchen im ganz normalen Büroalltag.

REZENSION

Wie alles, was man mal überlebt hat, erscheinen einem im Rückblick auch die 80er-Jahre als coole Zeit, in der es tolle Musik und gigantische Föhnfrisuren gab.

Damit man mich recht versteht, ich finde den Film wirklich gut. Er unterhält mich, er ist amüsant. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob alles so ironisch gemeint ist, wie ich es verstehe, aber das ist ja im Grunde egal.
Das Zusammenspiel von Griffith und Ford holpert ein wenig, aber dafür reisst die fulminant aufspielende Sigourney Weaver alle beide wieder raus.