Religion

Christmas Candle - Das Licht der Weihnachtsnacht

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Originaltitel: The Christmas Candle

Regie: John Stephenson
Musik: Tim Atack
Drehbuch: Candace Lee / Eric Newman / Max Lucado
Produktion: © Pinewood Studios
Kamera: Mike Brewster
Schnitt: Emma E. Hickox

USA & GB / 2013

Hauptdarsteller: Hans Matheson, Samantha Barks, Lesley Manville

HANDLUNG

Die Legende besagt, dass alle 25 Jahre ein Engel die Werkstatt des Kerzenmachers von Gladbury besucht. Dabei berührt er jeweils eine einzige Kerze. Diese Kerze wird darauf, so will es die Tradition, vom Kerzenmacher zu einem der bedürftigsten Bewohner des Dorfes gebracht. Denn wer sie entzündet, kann sich etwas wünschen, worauf dieser Wunsch auf wundersame Weise in Erfüllung geht. Als der junge Pfarrer David Richmond sein Amt in Gladbury antritt, ist er überhaupt nicht begeistert von diesem, wie er findet, gottlosen Brauch. Der Fortschritt hält Einzug im beschaulichem Gladbury und droht das traditionelle Weihnachtsfest zu verdrängen…

REZENSION

Ich habe mir lange überlegt, was mich an diesem Weihnachtsfilm gestört hat, denn bei mir kam, während ich mir diesen Film ansah, keinerlei weihnachtliche Stimmung auf.

Der Film ist in vielerlei Hinsicht perfekt. Selten habe ich so perfekte Szeneneinstellungen gesehen. Nicht wenige Bilder wirken wie Gemälde von Constable oder anderen Künstlern. Die Kostüme lassen viel Liebe zum Detail erkennen, ebenso das Film-Dorf Gladbury oder die Gestaltung der Räume für die Innenaufnahmen.
Die schauspielerische Leistung gibt ebenfalls keinen Grund zur Kritik, alles gut gespielt und glaubhaft vorgetragen.

Während ich also noch so darüber nachgrübelte, was mit mir wohl nicht stimme, wurde ich langsam gewahr, was das Problem war: Es ist alles zu perfekt! – das fällt deshalb auf, weil die Story, mit fortschreitender Handlung, immer unbefriedigender wird und letztlich diametral zur perfekten Kulisse steht. Der Streifen funktioniert einfach nicht als Weihnachtsfilm, dafür ist die Geschichte zu widersprüchlich und selbst als einfacher Märchenfilm bräuchte er zwingend eine innere Logik, um ernst genommen zu werden.

Schlussendlich kann man sich über die schönen Kameraeinstellungen freuen oder die liebevoll gestalteten Kostüme – denn dummerweise verfügt der Streifen genau über die zwei Tugenden nicht, die unerlässlich für einen guten Weihnachtsfilm sind: Er verbreitet keine Weihnachtsstimmung und weckt, zumindest bei mir, null Emotionen…

Fazit: Wenn Ihnen eine stringente Handlung in einem Film wichtig ist, sollten Sie von diesem Werk Abstand nehmen. In Weihnachtsstimmung hat er mich leider nicht versetzt.

Das Schwein von Gaza

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Originaltitel: Le cochon de Gaza

Regie: Sylvain Estibal
Musik: Aqualactica
Drehbuch: Sylvain Estibal
Frankreich, Belgien, Deutschland / 2011

Hauptdarsteller: Sasson Gabai, Baya Belal, Gassan Abbas… u.a.


HANDLUNG

Der palästinensische Fischer Jafaar (Sasson Gabai) ist wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Der oberste Stock seines Hauses wird von der Israelischen Armee als Beobachtungsposten beschlagnahmt, Fische fängt er auch kaum noch, und als Folge davon muss er Schulden machen. Die Krönung kommt dann in jener stürmischen Nacht, wo er anstatt Fische ein lebendiges Schwein in seinem Fischernetz findet.
Schweine gelten als unrein und deren Haltung ist deshalb verboten. Verzweifelt versucht er es los zu werden. Womit eine groteske und zugleich tragisch-komische Geschichte ihren Lauf nimmt…

REZENSION

Eine Groteske? Eine Fabel? Eine Parabel? Wohl von allem ein wenig. Gewürzt wird das Ganze noch mit einem guten Schuss klamaukhafter Tragik.
Entstanden ist ein unvergleichliches Filmvergnügen, das man aber stets mit dem Bauch betrachten sollte und weniger mit dem Kopf, denn mit Logik und Vernunft wird man diese kleine Filmperle wohl nicht geniessen können. Die tatsächlichen politischen und sozialen Probleme im Gaza-Streifen sind derart grotesk, dass man sie in einem "normalen" Film wohl auch gar nicht darstellen könnte. Das Ganze ist derart gut umgesetzt und gespielt, dass man auch grosszügig den etwas holprigen Schluss verzeihen mag...