Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

image
✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Mirror Mirror

Regie: Tarsem Singh
Musik: Alan Menken
Drehbuch: Marc Klein, Jason Keller, Melissa Wallack

USA / 2012

Hauptdarsteller: Julia Roberts, Lily Collins, Armie Hammer...u.a.

HANDLUNG

Nachdem der König unter mysteriösen Umständen im Zauberwald verschwunden ist, bleibt seine Tochter Schneewittchen alleine mit ihrer Stiefmutter zurück.
Letztere setzt alles daran, Schneewittchen zu unterdrücken und zu demütigen. Je hübscher Schneewittchen wird, umso eifersüchtiger wird ihre Stiefmutter.
Als unerwartet ein Prinz aus Valencia auf Besuch kommt, den die Stiefmutter sofort als veritablen Ehemann bzw. Geldquelle für sich ins Auge fasst, eskaliert das Verhältnis zu ihrer Tochter vollständig. Schneewittchen gelingt die Flucht, während der sie auf merkwürdige Gestalten trifft, die sich aber alsbald als wertvolle Unterstützung für den Kampf gegen die böse Stiefmutter erweisen. Der Weg zu Krone und Prinz ist jedoch noch weit…

REZENSION

Ich stehe Märchenverfilmungen eher kritisch gegenüber. Die Gefahr, eine Geschichte ihrer Glaubwürdigkeit und Tiefe zu berauben, ist in diesem Genre unglaublich gross.
Wenn es sich dann noch um einen solchen Klassiker wie Schneewittchen handelt, ist die Gefahr umso grösser.
Auf noch dünneres Eis gerät, wer sich wie im vorliegenden Werk vornimmt, eine Persiflage des eigentlichen Märchens zu erstellen.

In der Tat hat man bei „Spieglein, Spieglein“ äusserst markante Änderungen an der Originalvorlage vorgenommen. So werden die Zwerge als Strauchdiebe vorgestellt. Nicht Schneewittchen, sondern der Prinz wird durch einen Kuss aus seiner misslichen Lage befreit, und auch den berühmten vergifteten Apfel kriegt jemand anders verabreicht.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die ganze Story nicht nur trotzdem perfekt funktioniert, sondern sogar die Kernaussage der Grundgeschichte beeindruckend beibehalten wird. Auch hier wird aus einem unbeholfenen, an sich selber zweifelnden Mädchen eine selbstbewusste Frau, die weiss was zu tun ist und sich nicht vom rechten Weg abbringen lässt, während die böse Stiefmutter an ihrer eigenen überheblichen Selbstgefälligkeit zu Grunde geht.
Die technische Umsetzung kann ebenfalls überzeugen. Es ist schon beeindruckend, was heute mit Computeranimation alles geschaffen werden kann.
Was die schauspielerische Umsetzung anbelangt, kann einem Lily Collins in der Rolle als Schneewittchen etwas leid tun, da sie neben der über sich hinauswachsenden Julia Robert als böse Stiefmutter kaum eine Chance hat. Ich kann mich nicht erinnern, Julia Roberts schon mal in einer solchen Rolle gesehen zu haben. Normalerweise stellt sie ja eigentlich nur Gutmenschen dar. Hier durfte sie mal eine Bösewichtin geben und scheint sichtlich Spass an dieser Herausforderung gefunden zu haben.

Der Film hat durchaus auch einige Schattenseiten: Der Humor hat kein durchgängiges Niveau, zudem gibt es einzelne (wenige) Szenen, wo man sich etwas verliert und Action der Action wegen zelebriert. Übers Ganze gesehen vermögen diese Makel den Filmgenuss aber nur unmerklich zu schmälern.

Fazit: Wer Märchenfilme mag, wird an dieser aufwändigen Produktion sicher seine Freude haben. Allein schon die Möglichkeit, Julia Roberts bei der Arbeit zuzusehen, macht aus diesem Film ein Erlebnis.

Bandidas

image
✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Bandidas

Regie: Joachim Ronning & Espen Sandberg
Musik: Eric Serra
Produktionsland: USA, Frankreich, Mexico

Jahr: 2006

Hauptdarsteller: Penélope Cruz, Salma Hayek, Steve Zahn.. u.a.


Ich hatte vier gute Gründe, um mir diesen Film anzusehen. Erstens, Salma Hayek, von der ich bis jetzt nur gute Filme gesehen habe. Zweitens, Penelope Cruz, die ich für eine der schönsten Schauspielerinnen halte, die zur Zeit aktiv sind. Drittens, Luc Besson, dessen originelle Filmideen ich immer wieder bewundere, und viertens liebe ich Westernparodien.

Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass hier „zwei“ Regisseure am Werk waren (die sich vielleicht dauernd widersprochen haben) oder daran, dass „zwei“ Drehbuchautoren schrieben (die sich vielleicht gegenseitig nicht erzählt haben, was sie schrieben). Auf jeden Fall ist ein unsäglicher Blödsinn dabei herausgekommen.

Man wollte sexy sein und war nur peinlich, und man wollte Action reinbringen und hat dabei vergessen, dass man auch noch eine Handlung benötigen würde.
Dabei hätte man aus der Grundgeschichte einen so wunderbaren Film machen können. Penelope Cruz ist schon sexy, wenn sie schaut, die muss man nicht in einen Fluss tauchen dafür. Das Zauberwörtchen wäre Subtilität. Ein Wort, das den beiden Regisseuren komplett unbekannt sein dürfte. Jedes Mal wenn man als Zuschauer wieder eine Peinlichkeit ertragen hatte und sich der Hoffnung hingab, es würde dann schon irgendwann etwas Lustiges geschehen, wurde man durch eine noch grössere Peinlichkeit und/oder nackten Sexismus wieder auf den Boden der Realität geholt.

Mit Selma Hayek und Penelope Cruz in den Hauptrollen einen derart schwachen Film abzuliefern, ist eine reife Leistung, die ich niemals für möglich gehalten hätte.
Das Tragische ist, dass selbst die Szenen, die im Kino-Trailer noch amüsant wirken, im Kontext des Filmes nur noch albern sind. Ich kann mich echt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Parodie gesehen habe, bei der ich nicht ein einziges Mal lachen musste.