The Lady In The Van

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Originaltitel: The Lady in the Van

Regie: Nicholas Hytner
Musik: George Fenton
Drehbuch: Alan Bennett
Produktion: © BBC Films / TriStar Productions
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Tariq Anwar

Vereinigtes Königreich / 2015

Hauptdarsteller: Maggie Smith / Alex Jennings / Deborah Findlay / Jim Broadbent…u.a.

HANDLUNG

Wie aus dem Nichts steht eines schönen Tages ein alter, heruntergekommener Van in einer Strasse des noblen Londoner Stadtteiles Camden Town.
Wie sich herausstellt, ist das abgetakelte Gefährt der Wohnsitz einer obdachlosen alten Frau. Mary Shephard und ihr alter Van gehören bald zum gewohnten Strassenbild - sehr zum Unwillen einiger Anwohner, die sich durch die exzentrische alte Dame gestört fühlen.
Als die Stadt Miss Shepard verbietet, ihr Gefährt weiterhin auf der öffentlichen Strasse abzustellen, gestattet ihr der Theaterautor und Anwohner Alan Bennett, es in seiner Hauseinfahrt zu parkieren.
Aus einer kurzen Notlösung werden 15 Jahre, während denen sich eine sehr aussergewöhnliche Beziehung zwischen der alten Dame, Alan Bennett und den restlichen Anwohnern entwickelt. Nur langsam erfährt Bennett Details aus Miss Shephards Leben und wird gewahr, welch ein bemerkenswertes Schicksal da draussen in seiner Einfahrt parkt…

REZENSION

„The Lady in the Van“ basiert auf einer wahren Geschichte und entstand auf der Grundlage einer Erzählung des Schriftstellers Alan Bennett. Nachdem Maggie Smith die Hauptfigur schon auf der Theaterbühne in London mit grossem Erfolg verkörperte, war klar, dass sie auch für den Film die Idealbesetzung sein würde. Und in der Tat ist es dann auch der grossartigen Spielweise von Maggie Smith zu verdanken, dass die Verfilmung nicht gescheitert ist.

Die Storyline ist sehr übersichtlich, um nicht zu sagen kurz gehalten. Es wurde darauf verzichtet, die Vergangenheit der Hauptfigur filmisch aufzuarbeiten, was leider zum oben beschriebenen Effekt führt. Dazu kommt, dass alle Akteure, ausser Maggie Smith, zuweilen stark überspielen, so dass es mehr Komik in den Szenen gibt, als der Handlung gut tut. Das geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit und macht aus an sich anrührenden Szenen immer wieder eher peinliche Ereignisse, was sehr bedauerlich ist, da der Stoff mehr hergegeben hätte, als wir hier zu sehen bekommen.

Gerettet wird das Ganze aber, wie oben erwähnt, durch die unglaublich gute Darstellung der Hauptfigur durch Maggie Smith, der man den Spass, den Sie bei der Verkörperung dieser exzentrischen Dame gehabt haben muss, deutlich anmerkt. Allerdings hat diese kongeniale Verkörperung den Nachteil, dass die holzschnittartige Spielweise der übrigen Schauspieler umso deutlicher auffällt…

Ein Film, den man sich auf jeden Fall ansehen kann - und der gut unterhält, gleichzeitig aber auch ein leichtes Gefühl des Bedauerns hinterlässt, ab all der vertanen Chancen…

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

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Originaltitel: Hector and the Search for Happiness

Regie: Peter Chelsom
Musik: Dan Mangan / Jesse Zubot
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rehbuch: Peter Chelsom / Tinker Lindsay / Maria von Heland

Produktion: © Wild Bunch / Head Gear Films / Erfttal Film…u.a.
Kamera: Kolja Brandt
Schnitt: Claus Wehlisch

Deutschland, Grossbritannien, Kanada, Südafrika, USA / 2014

Hauptdarsteller: Simon Pegg / Rosamund Pike / Toni Collette / Stellan Skarsgard / Jean Reno / Ming Zhao / Christopher Plummer…u.a.

HANDLUNG

Hector hat viel erreicht in seinem Leben. Er arbeitet als erfolgreicher Psychiater und führt eine harmonische Beziehung mit Clara. Trotz allem fühlt er sich zunehmend frustriert durch seine Patienten.
Von einem Tag auf den anderen beschliesst er deshalb, sich auf eine Reise zu begeben. Er will herausfinden, was wahres Glück ist und wie man dazu kommt. Seine abenteuerliche Expedition führt ihn ins Hochgebirge Chinas, in die Steppen Afrikas, um schliesslich in Los Angeles zu enden. Dabei trifft er auf viele Menschen, die ihm bei der Beantwortung seiner Frage weiterhelfen. Es wird aber auch die Frage aufgeworfen, ob es so etwas wie Glück überhaupt gibt - bis er eines Tages erkennt, was das wahre Glück für ihn bedeuten könnte…

REZENSION

„Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ reiht sich nahtlos in die Riege zahlreicher Selbstfindungs-Filme ein - und leider hebt er sich nur in der Verpackung von seinen Vorgängern ab.
Die Verpackung besteht aus unzähligen wunderschönen Landschaftssequenzen aus fernen Ländern, wodurch der Streifen eine abenteuerliche James-Bond-Note erhält.
Inhaltlich jedoch wird kaum ein Klischee ausgelassen, und die Geschichte dümpelt fröhlich an der Oberfläche der Thematik vor sich hin, ohne jemals Gefahr zu laufen, der Sache zu viel Ernst beizumessen.

Die beiden Hauptfiguren wirken auf mich gekünstelt und unecht. Der männlichen Hauptfigur fehlt es nach meinem Empfinden an Glaubhaftigkeit. Sowohl Simon Pegg als Hector, wie auch Rosamund Pike als dessen Freundin Clara, überspielen ihre Rollen permanent, was zu einer unfreiwilligen Komik führt. Die Handlung aus dem kindlichen Blickwinkel zu beleuchten, wie das im Film immer wieder (erfolglos) versucht wird, kann das beschriebene Manko meines Erachtens ebenfalls nicht ausbügeln. Hätte man Jean Reno in die Hauptrolle gesteckt und Rosamund Pike etwas zurückgebunden, hätte vielleicht etwas daraus werden können…

Kurz: Der Regisseur Peter Chelsom war vermutlich noch zu stark im Hannah-Montana-Modus, um erkennen zu können, dass wirkliche Komik wie auch philosophische Fragen einer gewissen Ernsthaftigkeit bedürfen, um ihre Sprengkraft zu bewahren…

Kein Film, den man gesehen haben muss, der aber durchaus seine netten Momente hat, durch wunderschöne Landschaftsaufnahmen besticht und über einen ausgezeichneten Soundtrack verfügt - man kann halt nicht alles haben…


Der Butler - Ein Mann. Ein Leben. Sieben Präsidenten

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Originaltitel: The Butler

Regie: Lee Daniels
Musik: Rodirigo Leão
Drehbuch: Danny Strong

Produktion: © Laura Ziskin Productions / Windy Hill Pictures u.a.
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Joe Klotz

USA / 2013

Hauptdarsteller: Forest Whitaker / Oprah Winfrey / David Oyelowo / Cuba Gooding Jr.

HANDLUNG

Der Film basiert auf der wahren Geschichte Eugene Allens, der von 1952 bis 1986 als Butler im Weissen Haus tätig war.
Im Film wurde der Name der Hauptfigur in Cecil Gaines abgeändert. Erzählt wird die Geschichte seiner schweren, von Armut geprägten Kindheit im Süden der USA, als Sohn eines Baumwollpflückers.
Gaines schafft es, als Butler Fuss zu fassen und landet schliesslich in Washington D. C., wo er eine Familie gründet und als Butler im Weissen Haus Beschäftigung findet.
Während Cecil Gaines vordergründig als angepasster Diener von sieben Präsidenten arbeitet, wendet sich sein Sohn Louis offen gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung und schliesst sich anfänglich der Bewegung um Martin Luther King an. Louis landet unzählige Male im Gefängnis, was schliesslich zum Bruch mit seinem Vater führt. Bis sie wieder zueinander finden, vergehen Jahre - Jahre, in denen die USA sich wandelt und die afroamerikanische Bevölkerung ihrem Recht auf Gleichstellung immer näher kommt…

REZENSION

Forest Whitaker, Oprah Winfrey und David Oyelowo können in diesem Film, in dem ein knappes Jahrhundert der amerikanischer Bürgerrechtsbewegung ausgebreitet wird, auf der ganzen Linie überzeugen. Anhand der eindrücklichen Vater-Sohn-Beziehung, wird gekonnt aufgezeigt, dass es nicht nur ein Konflikt zwischen Weiss und Schwarz war, sondern auch ein Generationenkonflikt innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft. Es gelingt dem Regisseur Lee Daniels ausgezeichnet, die daraus entstehenden Konflikte und innere Zerrissenheit darzustellen.
Die Dialoge waren für meinen Geschmack allzu einfach gestrickt und mit sehr vielen Klischees durchwirkt. Ab und an hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet. Allerdings ist es natürlich ein schwieriges Unterfangen, eine so grosse Zeitspanne (82 Jahre) in gut zwei Stunden historisch seriös abzuhandeln.
Schlussendlich wurde die hervorragende Vater-Sohn-Geschichte etwas durch die holzschnittartige Grundgeschichte geschmälert.

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Streifen, der nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Umsetzung und auch den zahlreichen Kurzauftritte vieler Weltstars (Robin Williams, Vanessa Redgrave, Jane Fonda, Mariah Carey etc…) sehenswert ist.

Fazit: Eine gefühlvolle und mitreissend inszenierte Vater-Sohn-Geschichte, die lediglich etwas unter der Menge der Ereignisse, die erzählt werden wollen, zu leiden hat.