Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

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Originaltitel: The Monuments Men

Regie: George Clooney
Musik: Alexandre Desplat
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov

USA, Deutschland / 2014

Hauptdarsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Cate Blanchett...u.a.

HANDLUNG

Während sich der Zweite Weltkrieg langsam seinem Ende zuneigt, wird immer deutlicher, dass die deutschen Einheiten gezielt, Kunstschätze stehlen und abtransportieren. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, wird in den USA unter der Leitung von Lt. Commander Frank Stokes eine Spezialeinheit „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“ gegründet. Die Einheit besteht ausschliesslich aus Kunsthistorikern, Kuratoren, Architekten und Museumsdirektoren, die „Monuments Men“ genannt werden.
Ihr Auftrag besteht darin, hinter den Kampflinien die Kunstgüter in Kirchen, Museen etc. zu schützen und bereits gestohlene Kulturschätze wieder zu finden und zu sammeln.
Nach einem kurzen militärischen Crashkurs wird die Einheit ins Kriegsgebiet gebracht, wo sie sich an ihre Aufgabe macht.
Schnell wird klar, dass der Auftrag noch viel schwieriger wird als vorgestellt und ehe sie sich versehen, sind sie mitten drin im Krieg...

REZENSION

Kann ein Film, in dem Bill Murray, John Goodman, Matt Damon und George Clooney mitspielen, schlecht sein, habe ich mich gefragt. Wobei ich die beiden erstgenannten mit zu meinen Lieblingsschauspielern zähle. Dazu kommt eine sehr originelle Grundgeschichte. Ich muss gestehen, dass ich zuvor noch nie etwas von diesen „Monuments Men“ gehört hatte. Die Story interessierte mich, und ich habe mich auf den Streifen gefreut.

Bedauerlicherweise war die Vorfreude die einzige Freude, die mir dieses Werk bereitet hat. Das Drehbuch ist äusserst behäbig aufgebaut, die Dialoge, um es mal zurückhaltend zu formulieren, banal. Zudem erinnert die ganze Inszenierung an Kriegsfilme aus den 50er- oder 60er-Jahren. Wobei man nur die pathetische Opulenz und die äusserst einseitige Weltsicht aus dieser Zeit übernommen hat.
So werden sämtliche Figuren äusserst holzschnittartig wiedergegeben. Die Deutschen sind alle charakterlose Lumpen oder Naivlinge und die Russen natürlich böse und angsteinflössend. Als wären siebzig Jahre historischer Aufarbeitung komplett spurlos an Herrn Clooney, der das Drehbuch verfasst hatte, vorbeigezogen.
Selbst so herausragende Schauspieler wie John Goodman und Bill Murray wurden derart zurückgebunden, dass sie grösstenteils blass und unscheinbar wirken. Cate Blanchett als französische Résistance-Aktivistin ist meiner Meinung nach eine Fehlbesetzung. Eine Audrey Tautou oder Sophie Marceau wären wohl die bessere Wahl gewesen.
Wie auch immer. Ich habe daraus zwei Dinge gelernt: Erstens, es gab Monuments Men im Zweiten Weltkrieg und zweitens, ich werde mir keinen Film mehr ansehen, bei dem George Clooney Regie führte oder das Drehbuch verfasst hat – so gesehen war der Streifen nicht ganz für die Katz...

Fazit: Kann man sich ansehen, wenn einem langweilig ist, muss man aber nicht gesehen haben, dafür ist das Leben eigentlich zu kurz.

Kabinett ausser Kontrolle

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Originaltitel: In the Loop

Regie: Armando Iannucci
Musik: Adem Ilhan
Drehbuch: Armando Iannucci

Grossbritannien / 2009

Hauptdarsteller: Peter Capaldi, Tom Hollander, Chris Addison, Anna Chlumsky..u.a.


HANDLUNG

Der britische Entwicklungsminister Simon Foster ist alles andere als geschickt im Umgang mit der Presse. So äussert er sich in einem BBC-Interview zum drohenden Einmarsch im Irak sehr ungeschickt und bringt dadurch den Kommunikationsdirektor des Premierministers gegen sich auf.
Simon Foster versucht seinen Fauxpas ausbügeln und will in einem internationalen Meeting seinen Standpunkt richtigstellen. Seine unbeholfene Art führt zu noch mehr Verwirrung und der Konflikt zwischen Kriegsgegnern und -befürwortern spitzt sich zu.
Foster wird sowohl von der einen, wie auch von der anderen Seite manipuliert und ausgenützt. Als die verschiedenen Ränkespiele schliesslich zum Kriegseintritt führen, wird Simon Foster als Bauernopfer fallengelassen.

REZENSION

Was hätte man aus dieser wunderbaren Grundgeschichte nicht alles herausholen können! Leider ist der Film aber in jeder Beziehung übermotiviert.
Es wurde viel zu viel ins Drehbuch gepackt, dadurch wirkt der Streifen völlig überladen. Dazu kommt, dass es so viele Figuren gibt, dass es unmöglich ist, auch nur eine davon vertieft darzustellen, was wiederum dazu führt, dass die Geschichte markant an Gehalt und Glaubwürdigkeit verliert.
Sämtliche Protagonisten werden zudem entweder als durchgeknallte Choleriker, rückgratlose Wendehälse oder schlicht naive Deppen dargestellt. Natürlich gibt es Politiker, die in diese Kategorien gehören, wenn aber sämtliche Figuren so drauf sind, verliert die Geschichte extrem an Authentizität.
Wer noch die geniale BBC-Serie aus den 80er-Jahren „Yes Minister“ kennt, kann erahnen wie viel Potential bei dem hier vorliegenden Werk verschenkt wurde.
Ich bin ein grosser Fan des britischen schwarzen Humors, und auch für Satire und groteske Komödien bin ich stets zu haben. Was die Macher von „In the Loop“ aber ignoriert haben, ist die Tatsache, dass erwachsene Menschen, die sich 100 Minuten lang Fäkalausdrücke an den Kopf werfen, keineswegs satirisch wirken, und mit schwarzem Humor hat das ebenso wenig zu tun.
Eines muss ich noch zur deutschen Synchronisation los werden: Die ist wirklich grauenvoll. Die Stimmen passen nicht zu den Figuren, die Sprache wirkt gekünstelt aufgesetzt und die Hintergrundgeräusche wurden grösstenteils weggelassen, was die Atmosphäre völlig kaputt macht. Da der ganze Streifen im Dokumentarstil gedreht wurde, wirkt diese stummfilmartige Hintergrundumsetzung zusätzlich grotesk und zerstört die Bemühung um Glaubhaftigkeit, bevor sie zur Wirkung kommt...

Das Schwein von Gaza

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Originaltitel: Le cochon de Gaza

Regie: Sylvain Estibal
Musik: Aqualactica
Drehbuch: Sylvain Estibal
Frankreich, Belgien, Deutschland / 2011

Hauptdarsteller: Sasson Gabai, Baya Belal, Gassan Abbas… u.a.


HANDLUNG

Der palästinensische Fischer Jafaar (Sasson Gabai) ist wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Der oberste Stock seines Hauses wird von der Israelischen Armee als Beobachtungsposten beschlagnahmt, Fische fängt er auch kaum noch, und als Folge davon muss er Schulden machen. Die Krönung kommt dann in jener stürmischen Nacht, wo er anstatt Fische ein lebendiges Schwein in seinem Fischernetz findet.
Schweine gelten als unrein und deren Haltung ist deshalb verboten. Verzweifelt versucht er es los zu werden. Womit eine groteske und zugleich tragisch-komische Geschichte ihren Lauf nimmt…

REZENSION

Eine Groteske? Eine Fabel? Eine Parabel? Wohl von allem ein wenig. Gewürzt wird das Ganze noch mit einem guten Schuss klamaukhafter Tragik.
Entstanden ist ein unvergleichliches Filmvergnügen, das man aber stets mit dem Bauch betrachten sollte und weniger mit dem Kopf, denn mit Logik und Vernunft wird man diese kleine Filmperle wohl nicht geniessen können. Die tatsächlichen politischen und sozialen Probleme im Gaza-Streifen sind derart grotesk, dass man sie in einem "normalen" Film wohl auch gar nicht darstellen könnte. Das Ganze ist derart gut umgesetzt und gespielt, dass man auch grosszügig den etwas holprigen Schluss verzeihen mag...