Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel

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Originaltitel: Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel

Regie: Sven Bohse
Musik: Jessica de Rooij
Drehbuch: Uli Brée

Produktion: © ARD Degeto / Tivoli Film Produktion
Kamera: Henner Besuch
Schnitt: Ronny Mattas

Deutschland / 2015

Hauptdarsteller: Michael Gwisdek / Mai Duong Kieu / Stefan Murr / Simon Schwarz / Marlene Morreis / Robert Palfrader…u.a.

HANDLUNG

Auf einer Urlaubsreise mit seinem Kumpel Otmar (dem Dorfpfarrer), heiratet Joe die junge Thailänderin Lamai. Als diese eines Tages vor der Tür seines väterlichen Bauernhofs steht, bringt das Joe in eine unangenehme Lage, denn sein Vater Hans weiss noch nichts von der Braut seines Sohnes und reagiert völlig schockiert.
Die Situation läuft total aus dem Ruder, als Joe nach der ersten Liebesnacht mit Lamai an einem Herzanfall stirbt. Laut Testament erbt Lamai den gesamten Hof, womit sich ihr Schwiegervater jedoch auf keinen Fall abfinden will - und auch Joes Ex-Frau Wiebke hat mit ihm noch eine alte Rechnung offen…

REZENSION


Culture-Clash-Komödien, oder wie in diesem Fall Tragikkomödien, sind nicht gerade eine neue Erfindung, haben jedoch ihren ganz eigenen Reiz und können - wenn sie so gut inszeniert und gespielt sind, wie in diesem vorliegenden TV-Film - bestens unterhalten.
Der Zusammenprall der beiden Welten, Thailand und das etwas rückständige Alpen-Dorf, ist heftig und nachhaltig. Der cholerische Schwiegervater wird wunderbar von Michael Gwisdek gespielt und die stoische Schwiegertochter eben so überzeugend von Mai Duong Kieu. Die beiden haben nun wirklich nichts gemeinsam, und diese Kontraste werden einander gekonnt in humorvoller und zuweilen auch nachdenklicher Weise gegenübergestellt.
Das chaotische Treiben ist vor allem zu Beginn abwechslungsreich und wird erst durch den etwas überhastet erzählten Schluss in seinem Fluss gebremst.
Alles in allem ist Sven Bohse mit seinem TV-Film eine unterhaltsame und kurzweilige Persiflage über das Fremdsein und das Spiessbürgertum gelungen, welches ich mir, trotz einiger Klischee-Fallen, gerne angesehen habe.

Vielleicht keine hohe Filmkunst, dennoch beste Unterhaltung in ansprechender Umsetzung!

Stolz und Vorurteil

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Originaltitel: Pride & Prejudice

Regie: Joe Wright
Musik: Dario Marianelli
Drehbuch: Deborah Moggach

Frankreich, Grossbritannien / 2005

Hauptdarsteller: Keira Knightley, Matthew Macfadyen, Rosamund Pike, Donald Sutherland...u.a.


HANDLUNG

Mrs. Bennets Lebensziel scheint es zu sein, alle ihre fünf Töchter schnellst und bestmöglich zu verheiraten. Dies sehr zum Missfallen ihrer zweitältesten Tochter Lizzie, die Männer grundsätzlich als etwas rückständig und anstrengend erachtet.
Die Bekanntschaft mit dem sehr stolz wirkenden Mr. Darcy scheint ihre Vorurteile nur noch zu bestärken. Doch mit der Zeit bemerkt Lizzie, dass nicht alles so ist, wie es scheint und sie versuchen sollte, ihre Vorurteile zu überwinden...

REZENSION

Ich bin der Ansicht, dass man einen Roman von Jane Austen ebenso wenig verfilmen kann wie die Werke von Virginia Woolf.
Dennoch wird es jedoch mit schöner Regelmässigkeit gemacht.
Was dabei herauskommt, ist in den meisten Fällen eine etwas einfach gestrickt wirkende Liebesgeschichte, die im Einzelfall auch Anzeichen einer Telenovela aufweisen kann. Das deshalb, weil man die ganzen Tiefen der Austen-Figuren nur schwerlich zeigen kann, ebenso wie die psychologischen Verwicklungen und inneren Konflikte. Was dann übrig bleibt, ist meist eine ziemlich oberflächliche Geschichte.
Die hier vorliegende Verfilmung von „Pride & Prejudice“ macht da im Grossen und Ganzen keine Ausnahme. Die Umsetzung wirkt etwas weichgespült. Mr. Bennet ist nicht so zynisch und Mrs. Bennet nur ansatzweise so hysterisch wie in der Buchvorlage. Auch der Hauptfigur Lizzie fehlt der typische Charme und die witzige Pfiffigkeit des Originals.
Betrachtet man den Film aber mal völlig autark, findet sich auch Gutes: Man hat sich redlich bemüht, das Lokalkolorit des 18. Jahrhunderts aufleben zu lassen. Die Dialoge sind zuweilen witzig und originell. Die schauspielerische Leistung weiss zudem zu gefallen, und die Landschaftsaufnahmen sind wunderschön.
Alles in allem also ein unterhaltsamer Streifen, der für sich betrachtet durchaus zu geniessen ist...

Fazit: Wer damit leben kann, dass die sozialkritischen Elemente aus Jane Austens Romanvorlage gestrichen wurden, wird an dieser Verfilmung gefallen finden.

Maria, ihm schmeckt's nicht

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Regie: Neele Vollmar
Musik: Niki Reiser
Drehbuch: Daniel Speck & Jan Weiler

Deutschland, Italien / 2009

Hauptdarsteller: Christian Ulmen, Lino Banfi, Mina Tander, Maren Kroymann…u.a.

HANDLUNG

Jan möchte seine grosse Liebe Sara heiraten. Geplant ist eine ruhige, einfache Hochzeit. Sara hat einen italienischen Vater und eine deutsche Mutter. Ersterer ist gar nicht begeistert von Jans Vorstellungen. Wenn schon Hochzeit, dann richtig. Saras Vater besteht auf einer traditionellen Hochzeit mit der ganzen Familie in seinem italienischen Heimatdorf. Jan, der kein Wort italienisch spricht, ist nicht sonderlich begeistert von dieser Idee, kann sich aber gegen Saras sehr resoluten Vater nicht durchsetzen. So machen sie sich also auf ins apulische Dorf…

REZENSION

Nette, aber harmlose Komödie, die leider kaum mit überraschenden Momenten aufwarten kann. Die Geschichte ist schnell durchschaut und wird dann auch dementsprechend abgespult. Ein Lichtblick ist für mich Christian Ulmen, der durch seine zurückhaltende Spielweise das Ganze auf einem einigermassen annehmbaren Niveau hält. Für eine Fehlbesetzung halte ich den Schwiegervater (Lino Banfi). Es ist unglaubwürdig, dass ein italienischer Gastarbeiter, der seit 38 Jahren in Deutschland lebt und fast ebenso lang mit einer deutschen Frau verheiratet ist, kaum Deutsch spricht. Da hätte man entweder synchronisieren oder besser einen anderen Schauspieler engagieren sollen. Wirklich lachen musste ich während dieses Filmes eigentlich nie. Ab und an ein Schmunzeln, mehr war mir leider nicht vergönnt...

Fazit: Wer sich nicht von der an sich banalen Handlung abschrecken lässt, sieht einen netten Unterhaltungsfilm, den man sich an einem verregneten Nachmittag durchaus mal ansehen kann - für mehrmaliges Ansehen ist er jedoch kaum geeignet...