The Lady In The Van

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Originaltitel: The Lady in the Van

Regie: Nicholas Hytner
Musik: George Fenton
Drehbuch: Alan Bennett
Produktion: © BBC Films / TriStar Productions
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Tariq Anwar

Vereinigtes Königreich / 2015

Hauptdarsteller: Maggie Smith / Alex Jennings / Deborah Findlay / Jim Broadbent…u.a.

HANDLUNG

Wie aus dem Nichts steht eines schönen Tages ein alter, heruntergekommener Van in einer Strasse des noblen Londoner Stadtteiles Camden Town.
Wie sich herausstellt, ist das abgetakelte Gefährt der Wohnsitz einer obdachlosen alten Frau. Mary Shephard und ihr alter Van gehören bald zum gewohnten Strassenbild - sehr zum Unwillen einiger Anwohner, die sich durch die exzentrische alte Dame gestört fühlen.
Als die Stadt Miss Shepard verbietet, ihr Gefährt weiterhin auf der öffentlichen Strasse abzustellen, gestattet ihr der Theaterautor und Anwohner Alan Bennett, es in seiner Hauseinfahrt zu parkieren.
Aus einer kurzen Notlösung werden 15 Jahre, während denen sich eine sehr aussergewöhnliche Beziehung zwischen der alten Dame, Alan Bennett und den restlichen Anwohnern entwickelt. Nur langsam erfährt Bennett Details aus Miss Shephards Leben und wird gewahr, welch ein bemerkenswertes Schicksal da draussen in seiner Einfahrt parkt…

REZENSION

„The Lady in the Van“ basiert auf einer wahren Geschichte und entstand auf der Grundlage einer Erzählung des Schriftstellers Alan Bennett. Nachdem Maggie Smith die Hauptfigur schon auf der Theaterbühne in London mit grossem Erfolg verkörperte, war klar, dass sie auch für den Film die Idealbesetzung sein würde. Und in der Tat ist es dann auch der grossartigen Spielweise von Maggie Smith zu verdanken, dass die Verfilmung nicht gescheitert ist.

Die Storyline ist sehr übersichtlich, um nicht zu sagen kurz gehalten. Es wurde darauf verzichtet, die Vergangenheit der Hauptfigur filmisch aufzuarbeiten, was leider zum oben beschriebenen Effekt führt. Dazu kommt, dass alle Akteure, ausser Maggie Smith, zuweilen stark überspielen, so dass es mehr Komik in den Szenen gibt, als der Handlung gut tut. Das geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit und macht aus an sich anrührenden Szenen immer wieder eher peinliche Ereignisse, was sehr bedauerlich ist, da der Stoff mehr hergegeben hätte, als wir hier zu sehen bekommen.

Gerettet wird das Ganze aber, wie oben erwähnt, durch die unglaublich gute Darstellung der Hauptfigur durch Maggie Smith, der man den Spass, den Sie bei der Verkörperung dieser exzentrischen Dame gehabt haben muss, deutlich anmerkt. Allerdings hat diese kongeniale Verkörperung den Nachteil, dass die holzschnittartige Spielweise der übrigen Schauspieler umso deutlicher auffällt…

Ein Film, den man sich auf jeden Fall ansehen kann - und der gut unterhält, gleichzeitig aber auch ein leichtes Gefühl des Bedauerns hinterlässt, ab all der vertanen Chancen…

Im Dutzend heiratsfähig

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Originaltitel: Belles on Their Toes

Regie: Henry Levin
Musik: Cyril J. Mockrige
Drehbuch: Phoebe Ephron, Henry Ephron

Produktion: © Twentieth Century Fox Film Corporation

Kamera: Arthur E. Arling
Schnitt: Robert Fritch

USA / 1952

Hauptdarsteller: Myrna Loy, Debra Page, Jeanne Crain, Jeffrey Hunter… u.a.


HANDLUNG

Nach dem Tod des Vaters muss sich die Grossfamilie Gilbreth neu organisieren. Mutter Lillian will nicht, dass ihre elf Kinder auf die ganze Verwandtschaft aufgeteilt werden und versucht deshalb mit allen Mitteln Geld zu verdienen. Als Ingenieurin hat sie früher mit ihrem Mann zusammen junge Ingenieure ausgebildet und Vortragsreisen unternommen. Nun muss sie feststellen, dass es als alleinstehende Frau gar nicht so einfach ist, in die von Männern dominierte Berufswelt einzusteigen. Sie wird mit viel Unverständnis und Vorurteilen konfrontiert.
Gleichzeitig hat sich die älteste Tochter Ann in einen jungen Arzt verliebt, glaubt aber, dass sie in der Familie gebraucht werde und nicht heiraten dürfe…

REZENSION

„Im Dutzend heiratsfähig“ ist der Fortsetzungsfilm des Streifens „Im Dutzend billiger“ von 1950.
Für den heutigen Zuschauer ist es in gewisser Weise eine doppelte Zeitreise: Der Film wurde 1952 gedreht, die Handlung selber ist in den 20er-Jahren angesiedelt. Dieser nostalgische Touch ist es dann auch, der diesem Streifen einen gewissen Reiz verleiht.
Die Story ist nach heutigen Massstäben gemessen etwas dürftig und einfach gestrickt. Auf der einen Seite ist es beachtlich, dass man 1952 das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Arbeitswelt thematisierte. Auf der anderen Seite wird die heile Familienidylle dermassen penetrant in Szene gesetzt, dass es zuweilen schon eher belustigend wirkt.
Die Geschichte selber verzettelt sich immer wieder in erzähltechnischen Einbahnstrassen. Zudem ist der Einfall, das Ganze als Musical vorzutragen, eher suboptimal - auch wenn die Lieder und Tanzeinlagen durchaus gut gemacht sind.

Alles in allem eine Zeitreise der besonderen Art, die trotz aller Mängel durchaus Charme aufweist und die, in der rechten Stimmung genossen, durchaus zu gefallen weiss…

Man lernt nie aus

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Originaltitel: The Intern

Regie: Nancy Meyers
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: Nancy Meyers

USA / 2015

Hauptdarsteller: Robert De Niro, Anne Hathaway, Rene Russo…u.a.


HANDLUNG

Der 70-jährige Witwer Ben Whittaker fühlt sich vereinsamt und unterfordert. Als ein neu gegründetes E-Commerce-Modeunternehmen Senioren-Praktikumsstellen ausschreibt, bewirbt sich Ben kurzentschlossen.
Zu seiner grossen Freude erhält er eine der begehrten Stellen. Die neue Internet-Welt ist ihm aber gänzlich fremd und das hektische Treiben ungewohnt. Nach und nach gelingt es ihm, durch seine grosse Erfahrung und seine charmante Art, sich unentbehrlich zu machen. Und selbst für Jules Ostin, die Chefin und Gründerin der Firma, wird er bald unverzichtbar…

REZENSION

Es lässt sich nicht verleugnen, dass wir es hier mit einem recht einfach gestrickten Film zu tun haben. Dennoch wird der Zuschauer, vor allem zu Beginn, erfreulich gut ins Geschehen hineingezogen. Die Umsetzung ist witzig und die Dialoge für Hollywood-Verhältnisse ansprechend.
Mit fortschreitender Handlung wird das eigentliche Thema etwas verwässert und wandelt sich zu einem Beziehungsdrama. Dass das Ganze dann nicht Schiffbruch erleidet, ist in erster Linie der hervorragenden, nuancierten Spielweise De Niros geschuldet, der dem Film die Glaubwürdigkeit rettet. Dabei ist er Gentlemen genug, auch Anne Hathaway genügend Raum zur Entfaltung zuzugestehen, auch wenn sie dieses Angebot nicht immer ganz befriedigend nutzt.
Im Grossen und Ganzen haben wir schlussendlich, wie wir das von Nancy Meyer gewohnt sind, ein Feelgood-Movie, ohne Ecken und Kanten, aber mit viel Charme. Wie auch immer, Langeweile kommt zu keiner Zeit auf...

Fazit: Gute Unterhaltung für zwischendurch, kann man sich auf jeden Fall ansehen - und für alle Robert de Niro-Fans sowieso ein Muss!

Das Glück an meiner Seite

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Originaltitel: You‘re Not You

Regie: Geroge C. Wolfe
Musik: Jeanine Tesori
Drehbuch: Shana Feste / Jordan Roberts

USA / 2014

Hauptdarsteller: Hillary Swank, Emmy Rossum, Josh Duhamel...u.a.

HANDLUNG

Die glücklich verheiratete erfolgreiche Konzertpianistin Kate hat eigentlich alles, was sie sich wünschen kann. Um so grösser sitzt der Schock, als bei ihr ALS, eine unheilbare degenerative Nervenerkrankung, diagnostiziert wird.
Kate verliert nach und nach ihre motorischen Fähigkeiten und ist auf ihren Mann und später auf Pflegehilfen angewiesen.
Eines Tages bewirbt sich die chaotische Studentin Bec für die Stelle als Pflegerin. Obwohl sie keinerlei Erfahrungen in diesem Bereich aufweisen kann, stellt sie Kate, sehr zum Ärger ihres Mannes, ein.
Die unkonventionelle Bec schafft es, Kate wieder etwas Lebensfreude zu vermitteln, und umgekehrt sorgt Kate dafür, dass Bec zu mehr Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein findet. Doch Kates Krankheit schreitet fort und beiden ist klar, dass die neu entstandene Freundschaft schon bald auf eine schwere Probe gestellt werden wird...

REZENSION

Wer sich bei der Grundstory an „Ziemlich beste Freunde“ erinnert fühlt, liegt richtig. Die Gemeinsamkeiten sind vor allem zu Beginn der Geschichte unverkennbar. Ebenso unverkennbar wird aber mit fortschreitender Handlung, dass wir es hier nicht mit einer französischen Produktion zu tun haben, sondern mit einer US-amerikanischen. Das wird vor allem in der stetig wachsenden Melodramatik spürbar, die sich ab der Mitte des Filmes deutlich bemerkbar macht. Das ist schade, zerstört sie doch so etwas die Glaubhaftigkeit und menschliche Tragödie, die von Hilary Swank grandios verkörpert wird.
Was am Anfang etwas zu locker und beinahe schon slapstickartig inszeniert wird, kippt in der zweiten Hälfte ins Dramatische, gar Weinerliche. Wobei beides eigentlich gut inszeniert ist, der Kontrast vom einen zum anderen ist nur zu gross und wirkt deshalb ungewollt unrealistisch.

Alles in allem haben wir es aber mit einem durchaus sehenswerten Streifen zu tun, der vor allem auf schauspielerischer Ebene wirklich zu überzeugen weiss und die leichten Schwachpunkte im Drehbuch beinahe vergessen lässt.

Miss Bodyguard - In High Heels auf der Flucht

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Originaltitel: Hot Pursuit

Regie: Anne Fletcher
Musik: Christophe Beck
Drehbuch: David Feeney / John Quaintance

USA / 2015

Hauptdarsteller: Reese Witherspoon, Sofia Vergara…u.a.


HANDLUNG

Daniella Riva und ihr Mann sind die einzigen Zeugen, die gegen den inhaftierten Kartellboss Vicente Cortez aussagen können. Als die beiden in ihrem Haus von der Polizistin Rose Cooper und ihrem Kollegen abgeholt werden, geraten sie in einen Hinterhalt, dem Daniellas Ehemann und auch Roses Kollege zum Opfer fallen.
Die beiden sehr ungleichen Frauen sind nun auf sich allein gestellt. Bald zeigt sich, dass wohl nicht nur Kartellmitglieder hinter den beiden Frauen her sind, sonder gewisse Polizisten ebenfalls auf der Gehaltsliste des Kartellbosses stehen. Der Weg bis zum Gericht in Dallas ist lang und Gefahr lauert an jeder Strassenecke. Officer Cooper ist eine pedantische Paragrafenreiterin und Danielle Riva eine exzentrische Nervensäge, was schon bald für ordentlich Ärger zwischen den beiden Damen sorgt…

REZENSION

Roadmovies mit zwei weiblichen Hauptdarstellerinnen sind auch heutzutage immer noch etwas eher Seltenes. Vermutlich war das auch der Reiz, den Reese Witherspoon dazu verleitete, nicht nur eine Hauptrolle zu übernehmen, sondern den Streifen auch gleich mitzuproduzieren.
Es gibt einige durchaus witzige Dialoge zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen. Die Handlung an sich ist jedoch sehr einfach gestrickt und leicht zu durchschauen. Auch das Drehbuch besticht nicht gerade durch Originalität.
Obwohl Reese Witherspoon und Sofia Vergara ihre Parts gut verkörpern, gelingt es ihnen nicht, die beschriebenen Mängel zu überspielen. Vielmehr operieren die beiden in nicht wenigen Szenen an der Grenze zum Overacting, was die Geschichte zuweilen noch alberner wirken lässt, als der Glaubwürdigkeit gut tut.
Es sind dann immer wieder kleine Szenen, kurze Sätze oder gar nonverbale Einlagen zwischen den beiden, die einem von Zeit zu Zeit doch wieder ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern und aufzeigen, dass die Chemie zwischen ihnen sehr gut funktioniert. Dass beide Figuren dem Zuschauer nicht wirklich ans Herz wachsen, liegt eindeutig am etwas unbeholfenen Drehbuch und der konzeptionellen Umsetzung und nicht am schauspielerischen Können.

Alles in allem eine einfach gestrickte Roadmovie-Komödie, die vor allem Fans der beiden Hauptdarstellerinnen ansprechen dürfte. Ansonsten nette Unterhaltung für zwischendurch ohne Anspruch auf mehr…

Fazit: Ein Streifen, den man nicht gesehen haben muss, den man sich aber durchaus mal ansehen kann.

Stolz und Vorurteil

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Originaltitel: Pride & Prejudice

Regie: Joe Wright
Musik: Dario Marianelli
Drehbuch: Deborah Moggach

Frankreich, Grossbritannien / 2005

Hauptdarsteller: Keira Knightley, Matthew Macfadyen, Rosamund Pike, Donald Sutherland...u.a.


HANDLUNG

Mrs. Bennets Lebensziel scheint es zu sein, alle ihre fünf Töchter schnellst und bestmöglich zu verheiraten. Dies sehr zum Missfallen ihrer zweitältesten Tochter Lizzie, die Männer grundsätzlich als etwas rückständig und anstrengend erachtet.
Die Bekanntschaft mit dem sehr stolz wirkenden Mr. Darcy scheint ihre Vorurteile nur noch zu bestärken. Doch mit der Zeit bemerkt Lizzie, dass nicht alles so ist, wie es scheint und sie versuchen sollte, ihre Vorurteile zu überwinden...

REZENSION

Ich bin der Ansicht, dass man einen Roman von Jane Austen ebenso wenig verfilmen kann wie die Werke von Virginia Woolf.
Dennoch wird es jedoch mit schöner Regelmässigkeit gemacht.
Was dabei herauskommt, ist in den meisten Fällen eine etwas einfach gestrickt wirkende Liebesgeschichte, die im Einzelfall auch Anzeichen einer Telenovela aufweisen kann. Das deshalb, weil man die ganzen Tiefen der Austen-Figuren nur schwerlich zeigen kann, ebenso wie die psychologischen Verwicklungen und inneren Konflikte. Was dann übrig bleibt, ist meist eine ziemlich oberflächliche Geschichte.
Die hier vorliegende Verfilmung von „Pride & Prejudice“ macht da im Grossen und Ganzen keine Ausnahme. Die Umsetzung wirkt etwas weichgespült. Mr. Bennet ist nicht so zynisch und Mrs. Bennet nur ansatzweise so hysterisch wie in der Buchvorlage. Auch der Hauptfigur Lizzie fehlt der typische Charme und die witzige Pfiffigkeit des Originals.
Betrachtet man den Film aber mal völlig autark, findet sich auch Gutes: Man hat sich redlich bemüht, das Lokalkolorit des 18. Jahrhunderts aufleben zu lassen. Die Dialoge sind zuweilen witzig und originell. Die schauspielerische Leistung weiss zudem zu gefallen, und die Landschaftsaufnahmen sind wunderschön.
Alles in allem also ein unterhaltsamer Streifen, der für sich betrachtet durchaus zu geniessen ist...

Fazit: Wer damit leben kann, dass die sozialkritischen Elemente aus Jane Austens Romanvorlage gestrichen wurden, wird an dieser Verfilmung gefallen finden.

Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

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Originaltitel: Mirror Mirror

Regie: Tarsem Singh
Musik: Alan Menken
Drehbuch: Marc Klein, Jason Keller, Melissa Wallack

USA / 2012

Hauptdarsteller: Julia Roberts, Lily Collins, Armie Hammer...u.a.

HANDLUNG

Nachdem der König unter mysteriösen Umständen im Zauberwald verschwunden ist, bleibt seine Tochter Schneewittchen alleine mit ihrer Stiefmutter zurück.
Letztere setzt alles daran, Schneewittchen zu unterdrücken und zu demütigen. Je hübscher Schneewittchen wird, umso eifersüchtiger wird ihre Stiefmutter.
Als unerwartet ein Prinz aus Valencia auf Besuch kommt, den die Stiefmutter sofort als veritablen Ehemann bzw. Geldquelle für sich ins Auge fasst, eskaliert das Verhältnis zu ihrer Tochter vollständig. Schneewittchen gelingt die Flucht, während der sie auf merkwürdige Gestalten trifft, die sich aber alsbald als wertvolle Unterstützung für den Kampf gegen die böse Stiefmutter erweisen. Der Weg zu Krone und Prinz ist jedoch noch weit…

REZENSION

Ich stehe Märchenverfilmungen eher kritisch gegenüber. Die Gefahr, eine Geschichte ihrer Glaubwürdigkeit und Tiefe zu berauben, ist in diesem Genre unglaublich gross.
Wenn es sich dann noch um einen solchen Klassiker wie Schneewittchen handelt, ist die Gefahr umso grösser.
Auf noch dünneres Eis gerät, wer sich wie im vorliegenden Werk vornimmt, eine Persiflage des eigentlichen Märchens zu erstellen.

In der Tat hat man bei „Spieglein, Spieglein“ äusserst markante Änderungen an der Originalvorlage vorgenommen. So werden die Zwerge als Strauchdiebe vorgestellt. Nicht Schneewittchen, sondern der Prinz wird durch einen Kuss aus seiner misslichen Lage befreit, und auch den berühmten vergifteten Apfel kriegt jemand anders verabreicht.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die ganze Story nicht nur trotzdem perfekt funktioniert, sondern sogar die Kernaussage der Grundgeschichte beeindruckend beibehalten wird. Auch hier wird aus einem unbeholfenen, an sich selber zweifelnden Mädchen eine selbstbewusste Frau, die weiss was zu tun ist und sich nicht vom rechten Weg abbringen lässt, während die böse Stiefmutter an ihrer eigenen überheblichen Selbstgefälligkeit zu Grunde geht.
Die technische Umsetzung kann ebenfalls überzeugen. Es ist schon beeindruckend, was heute mit Computeranimation alles geschaffen werden kann.
Was die schauspielerische Umsetzung anbelangt, kann einem Lily Collins in der Rolle als Schneewittchen etwas leid tun, da sie neben der über sich hinauswachsenden Julia Robert als böse Stiefmutter kaum eine Chance hat. Ich kann mich nicht erinnern, Julia Roberts schon mal in einer solchen Rolle gesehen zu haben. Normalerweise stellt sie ja eigentlich nur Gutmenschen dar. Hier durfte sie mal eine Bösewichtin geben und scheint sichtlich Spass an dieser Herausforderung gefunden zu haben.

Der Film hat durchaus auch einige Schattenseiten: Der Humor hat kein durchgängiges Niveau, zudem gibt es einzelne (wenige) Szenen, wo man sich etwas verliert und Action der Action wegen zelebriert. Übers Ganze gesehen vermögen diese Makel den Filmgenuss aber nur unmerklich zu schmälern.

Fazit: Wer Märchenfilme mag, wird an dieser aufwändigen Produktion sicher seine Freude haben. Allein schon die Möglichkeit, Julia Roberts bei der Arbeit zuzusehen, macht aus diesem Film ein Erlebnis.

Der Jane Austen Club

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The Jane Austen Book Club

Regie: Robin Swicord
Drehbuch: Robin Swicord & Karen Joy Fowler
Musik: Aaron Zigman

USA / 2007

Hauptdarsteller: Kathy Baker, Maria Bello, Amy Brenneman, Emily Blunt… u.a.


HANDLUNG

Bernadette gründet einen Jane Austen Buchclub, um damit ihre Freundin Silvia etwas abzulenken, die gerade von ihrem Mann nach zwanzig Ehejahren verlassen wurde.
Schnell finden sich 5 Frauen, die sich regelmässig treffen, um über die sechs Romane Jane Austens zu diskutieren. Als Jocelyn ihre Zufallsbekanntschaft Grigg, als einzigen Mann, in den Club mitbringt, entwickelt sich eine ganz neue Dynamik in der Runde, und nicht alle haben die selben Beweggründe, um an den Treffen teilzunehmen…

REZENSION

Das war nun mal wieder ein richtig herzerwärmender, kluger und pointierter Film. Ich habe mich keine einzige Sekunde gelangweilt. Die spannenden Dialoge und intelligent eingefädelten Handlungsstränge haben mich von Beginn an gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Spiel mit der Literatur von Jane Austen und die Vermischung mit der realen Geschichte, in der sich gewissermassen genau die Themen aus den Austen-Romanen widerspiegeln, ist hervorragend gelöst und schauspielerisch grandios umgesetzt. Wobei mich vor allem Emily Blunt einmal mehr sehr beeindruckt hat. Es ist tatsächlich nicht zwingend, dass man die Romane von Austen kennt, um der Handlung folgen zu können. Unbestritten ist hingegen, dass man die eine oder andere unkommentierte Anspielung nicht versteht, wenn man die Romane nicht kennt... Alles in allem ein hervorragender Streifen für einen gemütlichen Filmabend zu zweit.
Wer auf Dialogfilme steht und Filme wie zum Beispiel "Another Year" oder "Up In The Air" mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten gefühlt und werde diesen Streifen sicher nicht zum letzen Mal gesehen haben.

Blue Jasmine

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Originaltitel: Blue Jasmine

Regie: Woody Allen
Musik: Christopher Lennertz
Drehbuch: Woody Allen
USA / 2013

Hauptdarsteller: Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins… u.a.


HANDLUNG

Die ehemalige High-Society-Lady Jasmine Francis (Cate Blanchett) ist ganz unten angekommen, mittellos, ohne Job und ohne Dach über dem Kopf. Was ist geschehen?
Sie reist zu ihrer in ärmlichen Verhältnissen lebenden Schwester um wieder auf die Beine zu kommen. In Rückblenden wird das Drama Schritt für Schritt offenbart. Jasmines Ehemann war in dubiose Geschäfte verwickelt. Nachdem er Jasmine betrogen hatte, rächte sich diese, indem sie ihn bei der Polizei anzeigte. Nach der Verhaftung brachte er sich in seiner Zelle um.
Jasmines Versuch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und gleichzeitig mit der Schuld fertig zu werden, bringen sie in arge Nöte. Dann taucht Dwight Westlake (Peter Sarsgaard) auf, und sie will diesmal alles besser machen…

REZENSION

Blue Jasmine mag nicht der beste Woody-Allen-Film sein, gehört aber ohne Frage zu den stärksten Produktionen der letzten zehn Jahre. Die Inszenierung ist hervorragend und das Timing einfach nur gut. Dazu kommt ein durchaus interessant umgesetztes Psychogramm der Hauptfigur, das gekonnt bis zum schlimmstmöglichen Ende abgehandelt wird. Zusammen mit der, zu Recht mit einem Oscar bedachten, schauspielerischen Umsetzung und der kongenialen Filmmusik, haben wir eine gute Tragikkomödie mit Tiefgang und Wortwitz, wie man es von Woody Allen seit Jahren gewohnt ist. Es ist schon beachtlich, wie er es immer wieder schafft, sich neue Geschichten auszudenken und diese dann auch noch so ansprechend umzusetzen.

Man sollte sich vielleicht nicht mit der Erwartungshaltung, eine Komödie zu sehen, vor den Film setzen, denn um eine solche handelt es sich nun definitiv nicht. Die tragischen Elemente überwiegen in diesem Woody-Allen-Film bei weitem. Alles in allem ist es aber ein sehr unterhaltsamer und sehenswerter Streifen, den ich sicher nicht zum letzten Mal gesehen habe!

Bandidas

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Originaltitel: Bandidas

Regie: Joachim Ronning & Espen Sandberg
Musik: Eric Serra
Produktionsland: USA, Frankreich, Mexico

Jahr: 2006

Hauptdarsteller: Penélope Cruz, Salma Hayek, Steve Zahn.. u.a.


Ich hatte vier gute Gründe, um mir diesen Film anzusehen. Erstens, Salma Hayek, von der ich bis jetzt nur gute Filme gesehen habe. Zweitens, Penelope Cruz, die ich für eine der schönsten Schauspielerinnen halte, die zur Zeit aktiv sind. Drittens, Luc Besson, dessen originelle Filmideen ich immer wieder bewundere, und viertens liebe ich Westernparodien.

Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass hier „zwei“ Regisseure am Werk waren (die sich vielleicht dauernd widersprochen haben) oder daran, dass „zwei“ Drehbuchautoren schrieben (die sich vielleicht gegenseitig nicht erzählt haben, was sie schrieben). Auf jeden Fall ist ein unsäglicher Blödsinn dabei herausgekommen.

Man wollte sexy sein und war nur peinlich, und man wollte Action reinbringen und hat dabei vergessen, dass man auch noch eine Handlung benötigen würde.
Dabei hätte man aus der Grundgeschichte einen so wunderbaren Film machen können. Penelope Cruz ist schon sexy, wenn sie schaut, die muss man nicht in einen Fluss tauchen dafür. Das Zauberwörtchen wäre Subtilität. Ein Wort, das den beiden Regisseuren komplett unbekannt sein dürfte. Jedes Mal wenn man als Zuschauer wieder eine Peinlichkeit ertragen hatte und sich der Hoffnung hingab, es würde dann schon irgendwann etwas Lustiges geschehen, wurde man durch eine noch grössere Peinlichkeit und/oder nackten Sexismus wieder auf den Boden der Realität geholt.

Mit Selma Hayek und Penelope Cruz in den Hauptrollen einen derart schwachen Film abzuliefern, ist eine reife Leistung, die ich niemals für möglich gehalten hätte.
Das Tragische ist, dass selbst die Szenen, die im Kino-Trailer noch amüsant wirken, im Kontext des Filmes nur noch albern sind. Ich kann mich echt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Parodie gesehen habe, bei der ich nicht ein einziges Mal lachen musste.

Die Waffen der Frauen

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Originaltitel: Working Girl

Regie: Mike Nichols
Musik: Carly Simon
Produktionsland: USA

USA / 1988

Hauptdarsteller: Melanie Griffith, Harrison Ford, Sigourney Weaver

HANDLUNG

Es ist schon spannend zu sehen wie anders das Frauenbild vor knapp 30 Jahren so aussah. Dieser Streifen ist gewissermassen eine Reise in die Soziologiegeschichte und zeigt uns neben dem Paarungsverhalten auch interessante Einblicke in die weibliche Frisurgestaltung sowie das Zusammenspiel von Männchen und Weibchen im ganz normalen Büroalltag.

REZENSION

Wie alles, was man mal überlebt hat, erscheinen einem im Rückblick auch die 80er-Jahre als coole Zeit, in der es tolle Musik und gigantische Föhnfrisuren gab.

Damit man mich recht versteht, ich finde den Film wirklich gut. Er unterhält mich, er ist amüsant. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob alles so ironisch gemeint ist, wie ich es verstehe, aber das ist ja im Grunde egal.
Das Zusammenspiel von Griffith und Ford holpert ein wenig, aber dafür reisst die fulminant aufspielende Sigourney Weaver alle beide wieder raus.

Frances Ha

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Originaltitel: Frances Ha

Regie: Noah Baumbach
Musik: George Drakoulias

USA / 2012

Darsteller: Greta Gerwig, Mickey Sumner, Adam Driver,



Frances Ha ist eine sehr ruhig, aber auch mitreissend erzählte Tragikkomödie, die mich von Anfang an in ihren Bann gezogen hat. Die etwas ziellos und leicht chaotisch wirkende Frances und ihre Freundin Sophie leben in einer beinah symbiotischen Beziehung. Beide auf der Suche nach ihrem Glück oder wenigstens dem Weg dorthin.
Die Geschichte ist komisch, zuweilen aber auch tief traurig, und die orientierungslose Frances wächst einem von Minute zu Minute mehr ans Herz.
Frances Ha ist wieder mal einer jener kleinen Low Budget Independent-Filme, die den grossen Brüdern in Hollywood so richtig zeigen, wo der Hammer hängt. Es braucht eben keine bombastischen Kulissen und Millionen schwere Special Effects, um grosses Kino zu machen.
Die Entscheidung, den Film in schwarz/weiss zu drehen, reduziert die Geschichte zusätzlich noch aufs Wesentliche und sorgt für die sehr eindrückliche Grundstimmung.
Ein wenig hat es mich an die Frühwerke von Woody Allen erinnert.