Die Friseuse

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✮✮✮✮✮✮

Regie: Doris Dörrie
Musik: LaBrassBanda u.a.
Drehbuch: Laila Stieler

Deutschland / 2010

Hauptdarsteller: Gabriela Maria Schmeide, Natascha Lawiszus, Ill-Young Kim...u.a.

HANDLUNG

Nach der Trennung von ihrem Mann kehrt Kathi König zusammen mit ihrer Teenager-Tochter Julia zurück nach Berlin-Marzahn, wo sie aufgewachsen ist.
Als gelernte Friseuse macht sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Stelle, stösst aber auf Grund ihrer Fettleibigkeit nur auf Ablehnung und verschlossene Türen. Schliesslich entschliesst sie sich einen eigenen Friseur-Salon aufzumachen. Nicht gerechnet hat sie dabei aber mit den behördlichen Schikanen, dem Widerstand der Banken und windigen Beratern.
Als der Stand ihrer Verzweiflung den selben Tiefstand wie ihr Konto erreicht, lässt sie sich von einem kleinkriminellen Schleuser dazu überreden, vietnamesische Flüchtlinge von Polen nach Deutschland zu bringen. Die Aktion geht aber gründlich schief, und Kathi muss nun all ihre positive Energie aufwenden, um aus dem Schlamassel heraus zu kommen...

REZENSION

Wie man das von Doris Dörrie gewohnt ist, versteht sie es in diesem Streifen wiederum ausgesprochen gut, sich in andere Menschen einzufühlen und dies auch filmtechnisch rüberzubringen.
Wobei die Gratwanderung zwischen Tragödie – Komödie und Feel-Good-Movie erstaunlich gut funktioniert.
Ein mutiges und selten so ehrlich inszeniertes Thema wird auf sehr natürliche und schliesslich auch offene Weise dargestellt und regt zum Nachdenken an.

Das Drehbuch, das hier ausnahmsweise mal nicht von Doris Dörrie stammt, hat so seine leichten Hänger und ist vor allem zu Beginn etwas träge. Alles in allem haben wir es hier aber mit einem handwerklich gut gemachten und unterhaltsamen Film zu tun, der es versteht, schwierige Themen auf erträgliche Weise darzustellen.

Fazit: Gute gemachte Unterhaltung Made in Germany - ist seltener als man glauben könnte - und deshalb gibt es von mir eine Empfehlung für diesen Streifen!

Alice im Wunderland

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Alice in Wonderland

Regie: Tim Burton
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Linda Woolverton

USA / 2010

Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Johnny Depp, Anne Hathaway…u.a.


HANDLUNG

Die mittlerweile erwachsene Alice hat ihre Abenteuer im Wunderland, welche sie als Sechsjährige erlebt hatte, längst vergessen. Als sie bei einer Gartenparty einen Heiratsantrag erhält, bittet sie um Bedenkzeit. Sie sieht ein merkwürdiges Kaninchen mit Taschenuhr und folgt diesem. Sie fällt durch das Loch des Kaninchenbaus ins vermeintliche Wunderland. Dort wird sie in die Auseinandersetzung zwischen der bösen Roten Königin und deren Schwester der Weissen Königin hineingezogen. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle im Unterland (Alice hatte als Kind den Namen falsch verstanden) glauben, dass es sich bei der jungen Frau um die selbe Alice wie vor 13 Jahren handelt und ihr skeptisch gegenüber stehen. Wird sie der Weissen Königin helfen können und wieder zurück in ihre Welt finden…?

REZENSION

Wer Disneys Alice-Verfilmung im Hinterkopf hat, dürfte über diesen Film doch etwas irritiert sein - mir hat er aber sehr gut gefallen. In der Burton-typischen Art ist alles sehr finster und unheimlicher gehalten, als das aus der Originalgeschichte bekannt ist. Diese ganze Fantasy-Welt, die Burton da erschaffen hat, ist sehr faszinierend und hat mir um Längen besser gefallen, als zum Beispiel die glattgebügelte, sterile Welt in Avatar. Die Geschichte wird spannend erzählt und spielt mit dem Original.
Für meinen Geschmack war das Ende dann aber etwas zu überhastet und gehetzt.
Mia Wasikowska verkörpert die Alice sehr überzeugend und verpasst ihr einen eigenen Charme, Johnny Depp spielt gut wie immer und gehört bei Burton-Filmen ja längst zum festen Inventar…

Fazit: Ein sehenswerter Fantasy-Streifen mit Tim Burtons eigenem finsteren Charme. Wer Burton mag, wird auch diesen Streifen mögen…

Another Year

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Another Year

Regie: Mike Leigh
Musik: Gary Yershon
Drehbuch: Mike Leigh

Grossbritannien / 2010

Hauptdarsteller: Jim Broadbent, Ruth Sheen, Lesley Manville, Oliver Maltman…u.a.

HANDLUNG

Das ältere Ehepaar Tom und Gerri leben glücklich und zufrieden in ihrem kleinen Haus. Ihr Heim ist eine Oase des Friedens und ihre Ehe verläuft ausgesprochen harmonisch. Das wird auch von der unglücklichen Mary so empfunden, die sich in regelmässigen Abständen bei den beiden einfindet. Sie ist auf der Suche nach einem Mann und hat ein Auge auf Joe, den Sohn von Tom und Gerri geworfen. Joe zeigt aber keinerlei Interesse an Mary, was zu einem Konflikt und schliesslich sogar zum Bruch mit Tom und Gerri führt. Als dann noch die Ehefrau von Toms Bruder verstirbt, treten ganz andere Probleme in den Vordergrund.
Die Geschichte ist nach Jahreszeiten aufgeteilt, die nicht nur das fortschreiten der Zeit symbolisieren, sondern auch die Vergänglichkeit des Lebens…

REZENSION

Eine wunderbare kleine Filmperle. Ich mag Filme, in denen einem nicht alles vorgekaut und auf dem Silbertablett serviert wird. Der Streifen besticht aber nicht nur durch ein exzellentes Drehbuch, sondern auch durch wirklich gute Dialoge - Wobei das Nichtgesagte mindestens ebenso gewichtig ist, wie das Ausgesprochene. Was einen dann endgültig umhaut, ist die schauspielerische Leistung, die ich schlicht als genial bezeichnen würde. Wahrlich kein leichter Film für zwischendurch, sondern einer, der den Zuschauer fordert und der sich auch nach dem Ende im Kopf weiterdreht.

Fazit: Ein genialer Streifen für Liebhaber des gepflegten Dialogfilmes - für Hollywood-Junkies jedoch vollständig ungeeignet...