Tragikkomödie

The Lady In The Van

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Originaltitel: The Lady in the Van

Regie: Nicholas Hytner
Musik: George Fenton
Drehbuch: Alan Bennett
Produktion: © BBC Films / TriStar Productions
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Tariq Anwar

Vereinigtes Königreich / 2015

Hauptdarsteller: Maggie Smith / Alex Jennings / Deborah Findlay / Jim Broadbent…u.a.

HANDLUNG

Wie aus dem Nichts steht eines schönen Tages ein alter, heruntergekommener Van in einer Strasse des noblen Londoner Stadtteiles Camden Town.
Wie sich herausstellt, ist das abgetakelte Gefährt der Wohnsitz einer obdachlosen alten Frau. Mary Shephard und ihr alter Van gehören bald zum gewohnten Strassenbild - sehr zum Unwillen einiger Anwohner, die sich durch die exzentrische alte Dame gestört fühlen.
Als die Stadt Miss Shepard verbietet, ihr Gefährt weiterhin auf der öffentlichen Strasse abzustellen, gestattet ihr der Theaterautor und Anwohner Alan Bennett, es in seiner Hauseinfahrt zu parkieren.
Aus einer kurzen Notlösung werden 15 Jahre, während denen sich eine sehr aussergewöhnliche Beziehung zwischen der alten Dame, Alan Bennett und den restlichen Anwohnern entwickelt. Nur langsam erfährt Bennett Details aus Miss Shephards Leben und wird gewahr, welch ein bemerkenswertes Schicksal da draussen in seiner Einfahrt parkt…

REZENSION

„The Lady in the Van“ basiert auf einer wahren Geschichte und entstand auf der Grundlage einer Erzählung des Schriftstellers Alan Bennett. Nachdem Maggie Smith die Hauptfigur schon auf der Theaterbühne in London mit grossem Erfolg verkörperte, war klar, dass sie auch für den Film die Idealbesetzung sein würde. Und in der Tat ist es dann auch der grossartigen Spielweise von Maggie Smith zu verdanken, dass die Verfilmung nicht gescheitert ist.

Die Storyline ist sehr übersichtlich, um nicht zu sagen kurz gehalten. Es wurde darauf verzichtet, die Vergangenheit der Hauptfigur filmisch aufzuarbeiten, was leider zum oben beschriebenen Effekt führt. Dazu kommt, dass alle Akteure, ausser Maggie Smith, zuweilen stark überspielen, so dass es mehr Komik in den Szenen gibt, als der Handlung gut tut. Das geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit und macht aus an sich anrührenden Szenen immer wieder eher peinliche Ereignisse, was sehr bedauerlich ist, da der Stoff mehr hergegeben hätte, als wir hier zu sehen bekommen.

Gerettet wird das Ganze aber, wie oben erwähnt, durch die unglaublich gute Darstellung der Hauptfigur durch Maggie Smith, der man den Spass, den Sie bei der Verkörperung dieser exzentrischen Dame gehabt haben muss, deutlich anmerkt. Allerdings hat diese kongeniale Verkörperung den Nachteil, dass die holzschnittartige Spielweise der übrigen Schauspieler umso deutlicher auffällt…

Ein Film, den man sich auf jeden Fall ansehen kann - und der gut unterhält, gleichzeitig aber auch ein leichtes Gefühl des Bedauerns hinterlässt, ab all der vertanen Chancen…

One Chance - Einmal im Leben

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Originaltitel: One Chance

Regie: David Frankel
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: Justin Zackham

Produktion: © Relevant Entertainment / Syco Television
Kamera: Florian Ballhaus
Schnitt: Wendy Greene Bricmont

USA, UK / 2013

Hauptdarsteller: James Corden, Mackenzie Crook, Julie Walters, Alexandra Roach…u.a.

HANDLUNG

Der etwas übergewichtige Paul Potts arbeitet in einem kleinen Handy-Store in der walisischen Kleinstadt Port Talbot.
Als Sohn eines Stahlarbeiters scheint Pauls Werdegang schon früh festzustehen, doch er hat ganz andere Pläne für seine Zukunft. Er liebte schon als Kind den Gesang und hörte sich leidenschaftlich gern Opern an. Paul verfügt über eine ausgezeichnete Stimme und singt für sich privat Opernarien.
Nach langem Sparen, reist Paul nach Venedig, um dort eine angesehene Schule für angehende Opernsänger zu besuchen. Nach einem missglückten Auftritt, eröffnet der grosse Luciano Pavarotti Paul, dass dieser sich seiner Ansicht nach nicht zum Opernsänger eigne, woraufhin Paul zutiefst verunsichert nach Hause zurück kehrt.
Trotz vieler Schicksalsschläge, gelingt es Paul Potts, dank der grossen Unterstützung seiner Freundin und späteren Ehefrau Julez sowie seiner Mutter, an seine Chance zu glauben.
Als ihn Julez schliesslich dazu überredet, an der Castingshow „Britain’s Got Talent“ teilzunehmen, verändert sich sein Leben schlagartig…

REZENSION

Regisseur David Frankel ist es gelungen, die sehr anrührende Lebensgeschichte Paul Potts glaubhaft darzustellen. Gerade zu Beginn der Geschichte wird sehr ausführlich und in bedächtiger Weise erzählt, was der Hauptfigur zugutekommt.
James Corden spielt den etwas linkischen Paul ausgezeichnet, und Alexandra Roach als Julez harmoniert hervorragend mit der Hauptfigur.
Mit fortschreitender Handlung wird die Story etwas holzschnittartiger. Dies führt unter anderem dazu, dass einzelne Vorgänge nicht mehr die selbe Wahrhaftigkeit auszeichnet, wie das noch zu Beginn der Fall ist. Die Wandlung des Vaters, der zu Beginn vom Treiben seines Sohnes alles andere als begeistert ist, erscheint irgendwie unmotiviert.

Das Ende der Geschichte wird dann recht überhastet erzählt – man ging wohl davon aus, dass dieser Teil von Paul Potts Story allgemein bekannt sei. Dennoch wäre ein etwas weniger gehetztes Ende dem Film sicher zugute gekommen.

Alles in allem eine sehenswerte Biopic über einen bemerkenswerten Menschen - zugleich ein Aussenseitermärchen, das ausgezeichnet unterhält, auch wenn man nichts für Opern übrig hat…

What We Did On Our Holiday

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Originaltitel: What We Did on Our Holiday

Regie: Andy Hamilton & Guy Jenkin
Musik: Alex Heffes
Drehbuch: Andy Hamilton & Guy Jenkin

Produktion: © BBC / Lipsync Productions / Origin Pictures
Kamera: Martin Hawkins
Schnitt: Steve Tempia / Mark Williams

Grossbritannien / 2014

Hauptdarsteller: David Tennant, Rosamund Pike, Billy Connolly, Ben Miller, Emilia Jones, Bobby Smalldridge, Amelia Bullmore…u.a.

HANDLUNG

Es sollte ein harmonischer Familienurlaub beim Grossvater in Schottland werden, doch die Konstellationen sind denkbar ungünstig. Doug und seine Noch-Ehefrau Abi streiten sich schon vor der Abfahrt in London, sehr zum Unwillen ihrer Kinder Jess, Lottie und Michey. Die baldige Scheidung des Ehepaares macht sichtlich allen zu schaffen und Doug und Abi haben beschlossen, Dougs Vater Gordie, der schwer krank ist, nichts davon zu erzählen und eine harmonische Familienidylle vorzugaukeln.
In Schottland eingetroffen, wird aber bald klar, dass das wesentlich einfacher geplant als durchgeführt ist. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf: Die Eltern streiten sich, die Kinder verplappern sich und die unter Depressionen leidende Tante und der snobistische Onkel verkomplizieren die Situation zusätzlich…
Ein dramatisches Ereignis lässt die Familie näher zusammenrücken und macht schliesslich allen klar, auf was es im Leben wirklich ankommt…

REZENSION

Obwohl sich die Geschichte mehr nach Drama denn nach Komödie anhört, haben wir es hier mit einer sehr leichten und mit viel schwarzem Humor durchsetzten Komödie/Tragikkomödie zu tun.
Der rabenschwarze englische Humor ist es denn auch, der aus einer recht konventionellen Geschichte etwas besonders macht. Die Dialoge sind ausgesprochen pointiert und intelligent. Wie die drei Kinder mit einfachen Fragen den pingeligen Onkel komplett aus dem Konzept bringen können, ist grosses Kino und zum Brüllen komisch.

Die Handlung entfernt sich zuweilen weit von realistischen Darstellungen, was interessanterweise zu keiner Zeit stört. Dies kann nicht zuletzt der hervorragenden schauspielerischen Umsetzung zugeschrieben werden – speziell auch die Kinder spielen beeindruckend.
Ebenso beeindruckend sind die wunderschönen Landschaftsaufnahmen, die nicht unwesentlich zur ruhigen Gelassenheit, die der Film ausstrahlt, beitragen.
Der einzige wirkliche Minuspunkt dürfte der völlig unpassende, sogar irreführende deutsche Titel sein…

Eine leichte, lockere Sommer-Komödie, bei der es um nichts weniger als ums Sterben und den Sinn im Leben geht – Sie denken, das geht nicht zusammen? Dann schauen Sie sich diesen Film an und Sie werden eines Besseren belehrt!

Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel

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Originaltitel: Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel

Regie: Sven Bohse
Musik: Jessica de Rooij
Drehbuch: Uli Brée

Produktion: © ARD Degeto / Tivoli Film Produktion
Kamera: Henner Besuch
Schnitt: Ronny Mattas

Deutschland / 2015

Hauptdarsteller: Michael Gwisdek / Mai Duong Kieu / Stefan Murr / Simon Schwarz / Marlene Morreis / Robert Palfrader…u.a.

HANDLUNG

Auf einer Urlaubsreise mit seinem Kumpel Otmar (dem Dorfpfarrer), heiratet Joe die junge Thailänderin Lamai. Als diese eines Tages vor der Tür seines väterlichen Bauernhofs steht, bringt das Joe in eine unangenehme Lage, denn sein Vater Hans weiss noch nichts von der Braut seines Sohnes und reagiert völlig schockiert.
Die Situation läuft total aus dem Ruder, als Joe nach der ersten Liebesnacht mit Lamai an einem Herzanfall stirbt. Laut Testament erbt Lamai den gesamten Hof, womit sich ihr Schwiegervater jedoch auf keinen Fall abfinden will - und auch Joes Ex-Frau Wiebke hat mit ihm noch eine alte Rechnung offen…

REZENSION


Culture-Clash-Komödien, oder wie in diesem Fall Tragikkomödien, sind nicht gerade eine neue Erfindung, haben jedoch ihren ganz eigenen Reiz und können - wenn sie so gut inszeniert und gespielt sind, wie in diesem vorliegenden TV-Film - bestens unterhalten.
Der Zusammenprall der beiden Welten, Thailand und das etwas rückständige Alpen-Dorf, ist heftig und nachhaltig. Der cholerische Schwiegervater wird wunderbar von Michael Gwisdek gespielt und die stoische Schwiegertochter eben so überzeugend von Mai Duong Kieu. Die beiden haben nun wirklich nichts gemeinsam, und diese Kontraste werden einander gekonnt in humorvoller und zuweilen auch nachdenklicher Weise gegenübergestellt.
Das chaotische Treiben ist vor allem zu Beginn abwechslungsreich und wird erst durch den etwas überhastet erzählten Schluss in seinem Fluss gebremst.
Alles in allem ist Sven Bohse mit seinem TV-Film eine unterhaltsame und kurzweilige Persiflage über das Fremdsein und das Spiessbürgertum gelungen, welches ich mir, trotz einiger Klischee-Fallen, gerne angesehen habe.

Vielleicht keine hohe Filmkunst, dennoch beste Unterhaltung in ansprechender Umsetzung!

Ein Hologramm für den König

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Originaltitel: A Hologram For The King

Regie: Tom Tykwer
Musik: Johnny Klimek
Drehbuch: Tom Tykwer

Produktion: © Playtone
Kamera: Frank Griebe
Schnitt: Alexander Berner

USA / Deutschland / Mexico

Hauptdarsteller: Tom Hanks / Alexander Schwarz / Sarita Choudhury / Sidse Babett Knudsen / Ben Whishaw…u.a.

HANDLUNG

Der 54-jährige Verkaufsmanager Alan Clay erlebt gerade keine einfache Zeit. Privat steckt er in einer finanziellen Krise, und seine Ehe ist in die Brüche gegangen.
Es ist so etwas wie seine letzte Chance für Alan, als er von seiner Firma Reliant einen wichtigen IT-Auftrag erhält. Er soll ein holografisches Kommunikationssystem verkaufen - und das an niemand Geringeren als den König von Saudi-Arabien.
Letzterer plant den Bau einer riesigen Retortenstadt mitten in der Wüste. Genau da soll ihm Alan Clay die Software präsentieren. Diese Vorführung gestaltet sich aber alles andere als einfach. Clays Team arbeitet unter unmöglichen Umständen in einem Zelt, und wann der König erscheinen wird, steht in den Sternen.
Clay versucht seinen Frust im Alkohol zu ertränken, leidet unter einer Zyste am Rücken und gerät von allen Seiten unter Druck. Er fühlt sich in dieser fremde Welt fehl am Platz und unwohl. Einzig sein Fahrer Yousef bringt ihn von Zeit zu Zeit auf andere Gedanken.
Als Alan sich wegen seiner Zyste im Spital behandeln lassen muss, lernt er die Ärztin Zahra kennen. Sie kommen sich näher, und plötzlich eröffnen sich Alan völlig neue Perspektiven…

REZENSION

Das anspruchsvollste Film-Genre ist, meiner Meinung nach, die Komödie. Nichts ist so komplex, wie zu erreichen, dass etwas komisch oder humorvoll ist, ohne gleichzeitig albern oder deplatziert zu wirken.

Der deutsche Regisseur Tom Tykwer hat viele Fähigkeiten, besitzt aber leider weder ein Gespür fürs richtige Timing, noch für Situationskomik. So kommt es in diesem Streifen, der eigentlich eine sehr tragische Geschichte einer Midlife-Crisis beschreibt, immer wieder zu hochnotpeinlichen Szenen. Die „Gags“ sind leider nicht nur peinlich, sondern vor allem auch in ihrem Timing schlecht.

Die Story um Alan Clay ist äusserst skurril und dramatisch angelegt und hätte somit durchaus grosses Potential für Komik gehabt. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich dachte: Was hätten wohl Wes Anderson, Jim Jarmusch oder die Coen-Brüder aus diesem Stoff gemacht…

Tom Hanks bemüht sich redlich, und ihm ist es schlussendlich auch zu verdanken, dass der Streifen nicht völlig versumpft.
Richtig gut wird die Geschichte immer dann, wenn sie sich von der eigentlichen Haupthandlung entfernt. Wie zum Beispiel beim Besuch von Yousefs Familie und der nächtlichen Wolfsjagd.
Solche Szenen sind aber leider sehr rar, und so bleiben vom Film nur die sehr schönen Landschaftsbilder und die Erkenntnis, dass sich Tom Tykwer offensichtlich keine Sekunde mit der gesellschaftspolitischen Seite Saudi-Arabiens auseinander gesetzt hat.

Die sehr behäbige Geschichte bietet mir persönlich zu wenig Lichtblicke, als dass ich sie schlussendlich hätte geniessen können. Einfachste Unterhaltung mit schmalzig-kitschigem Schluss. Etwas mehr hätte den Zuschauern schon zugetraut werden dürfen…

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

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Originaltitel: Hector and the Search for Happiness

Regie: Peter Chelsom
Musik: Dan Mangan / Jesse Zubot
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rehbuch: Peter Chelsom / Tinker Lindsay / Maria von Heland

Produktion: © Wild Bunch / Head Gear Films / Erfttal Film…u.a.
Kamera: Kolja Brandt
Schnitt: Claus Wehlisch

Deutschland, Grossbritannien, Kanada, Südafrika, USA / 2014

Hauptdarsteller: Simon Pegg / Rosamund Pike / Toni Collette / Stellan Skarsgard / Jean Reno / Ming Zhao / Christopher Plummer…u.a.

HANDLUNG

Hector hat viel erreicht in seinem Leben. Er arbeitet als erfolgreicher Psychiater und führt eine harmonische Beziehung mit Clara. Trotz allem fühlt er sich zunehmend frustriert durch seine Patienten.
Von einem Tag auf den anderen beschliesst er deshalb, sich auf eine Reise zu begeben. Er will herausfinden, was wahres Glück ist und wie man dazu kommt. Seine abenteuerliche Expedition führt ihn ins Hochgebirge Chinas, in die Steppen Afrikas, um schliesslich in Los Angeles zu enden. Dabei trifft er auf viele Menschen, die ihm bei der Beantwortung seiner Frage weiterhelfen. Es wird aber auch die Frage aufgeworfen, ob es so etwas wie Glück überhaupt gibt - bis er eines Tages erkennt, was das wahre Glück für ihn bedeuten könnte…

REZENSION

„Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ reiht sich nahtlos in die Riege zahlreicher Selbstfindungs-Filme ein - und leider hebt er sich nur in der Verpackung von seinen Vorgängern ab.
Die Verpackung besteht aus unzähligen wunderschönen Landschaftssequenzen aus fernen Ländern, wodurch der Streifen eine abenteuerliche James-Bond-Note erhält.
Inhaltlich jedoch wird kaum ein Klischee ausgelassen, und die Geschichte dümpelt fröhlich an der Oberfläche der Thematik vor sich hin, ohne jemals Gefahr zu laufen, der Sache zu viel Ernst beizumessen.

Die beiden Hauptfiguren wirken auf mich gekünstelt und unecht. Der männlichen Hauptfigur fehlt es nach meinem Empfinden an Glaubhaftigkeit. Sowohl Simon Pegg als Hector, wie auch Rosamund Pike als dessen Freundin Clara, überspielen ihre Rollen permanent, was zu einer unfreiwilligen Komik führt. Die Handlung aus dem kindlichen Blickwinkel zu beleuchten, wie das im Film immer wieder (erfolglos) versucht wird, kann das beschriebene Manko meines Erachtens ebenfalls nicht ausbügeln. Hätte man Jean Reno in die Hauptrolle gesteckt und Rosamund Pike etwas zurückgebunden, hätte vielleicht etwas daraus werden können…

Kurz: Der Regisseur Peter Chelsom war vermutlich noch zu stark im Hannah-Montana-Modus, um erkennen zu können, dass wirkliche Komik wie auch philosophische Fragen einer gewissen Ernsthaftigkeit bedürfen, um ihre Sprengkraft zu bewahren…

Kein Film, den man gesehen haben muss, der aber durchaus seine netten Momente hat, durch wunderschöne Landschaftsaufnahmen besticht und über einen ausgezeichneten Soundtrack verfügt - man kann halt nicht alles haben…


Hochzeitsnacht mit Hindernissen

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Originaltitel: All In Good Time

Regie: Nigel Cole
Musik: Niraj Chag
Drehbuch: Ayub Khan-Din / Bill Naughton

Produktion: © Left Bank Pictures
Kamera: David Higgs
Schnitt: Michael Parker

Grossbritannien / 2012

Hauptdarsteller: Reece Ritchie / Amara Karan / Harish Patel / Meera Syal…u.a.

HANDLUNG


Atul und Vina sind frisch verheiratet. Ihre Hochzeitsnacht verbringen sie in Bolton im Elternhaus von Atul. Dabei sorgt der von der Hochzeitsfeier völlig betrunkene Vater Atuls für so einige peinliche Szenen. Der Mangel an Privatsphäre führt schliesslich dazu, dass sich Atul und Vina derart gestört fühlen, dass sich ihre Hochzeitsnacht alles andere als geplant abspielt. Sie trösten sich damit, dass sie am nächsten Tag in ihre Flitterwochen nach Goa (Indien) reisen werden und dort viel Zeit zusammen verbringen können.
Da der Reiseveranstalter Konkurs geht, findet die Reise aber nicht statt. Das Leben unter dem selben Dach mit Atuls Eltern wird zunehmend zur Belastung. Wobei sich vor allem Atul und sein Vater immer wieder in die Haare geraten. Als schliesslich das junge Glück zu scheitern scheint, muss Atul eine Entscheidung treffen…

REZENSION

Ich sah mir diesen Film mit zwei Grunderwartungen an: Dass ich einen Bollywood-Streifen und eine Komödie sehen würde. Beide Erwartungen lösten sich nach relativ kurzer Zeit in Luft auf. 
Der Streifen hat zwar durchaus Humor, gleicht diesen aber durch seine Sozialkritik und die Darstellung zwischenmenschlicher Probleme wieder so weit aus, dass wir es hier mit einer astreinen Tragikkomödie zu tun haben. Selten habe ich mich, obwohl meine Erwartungen in keinster Weise erfüllt wurden, gleichzeitig so gut unterhalten gefühlt. Die Geschichte ist mitreissend erzählt, hat einen guten Drive und erstklassige Dialoge. Zudem merkt man jeder Szene an, dass der Regisseur früher mal am Theater gearbeitet hat; die Inszenierung und das Timing derselben ist ganz grosses Kino. 
Last but not least: Die schauspielerische Umsetzung, insbesondere
die des Vaters, ist einfach grandios. 

Für mich eine kleine Filmentdeckung, die mich sehr angenehm überrascht hat. Eine berührender, witziger wie auch ernsthafter kleiner Film mit hervorragenden Schauspielern. Wohl nichts für Bollywood-Fans, aber für alle, die einen handwerklich gutgemachten Film zu schätzen wissen...

Liebe auf den ersten Schlag

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Originaltitel: Les Combattants

Regie: Thomas Cailley
Musik: Philippe Deshaies, Lionel Flairs, Benoît Rault
Drehbuch: Thomas Cailley, Claude Le Pape

Produktion: © Nord-Ouest Productions
Kamera: David Cailley
Schnitt: Lilian Corbeille

Frankreich / 2014

Hauptdarsteller: Adèle Haenel, Kévin Azaïs, Antoine Laurent…u.a.


HANDLUNG

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, und so erstaunt es nicht, dass sich der sanftmütige und introvertierte Arnaud von der aggressiven, selbstbewussten Art von Madeleine angezogen fühlt.
Arnaud hat gerade Sommerferien und hilft seinem grossen Bruder in der Schreinerei aus. Während sich Arnaud Gedanken zu seiner Zukunft macht, ist für Madeleine klar, dass es keine Zukunft geben wird. Sie ist der festen Überzeugung, dass die Welt in absehbarer Zeit untergehen wird und nur die Stärksten eine Chance haben zu überleben. Aus diesem Grund trainiert sie wie wild und meldet sich gar bei einem Survival-Kurs der Armee an. Arnaud begleitet sie, merkt aber bald, dass Madeleine überhaupt nicht in die Armee passt. Bei einer mehrtägigen Übung in einem Wald eskaliert die Situation, und Arnaud und Madeleine setzten sich von ihrer Gruppe ab.
Sie beschliessen, ihr eigenes Survival-Programm durchzuziehen und kommen sich dabei näher. Unvermutet geraten sie in Lebensgefahr – und aus dem vermeintlichen Training wird bitterer Ernst…

REZENSION

Es stimmt, der Film hat keine sonderlichen Höhepunkte. Ebenso zeichnet sich das Drehbuch nicht gerade durch ausgesprochene Originalität aus. Auch weiss man zwischenzeitlich nicht so recht, wohin die erzählerische Reise gehen soll.
Warum, habe ich mich gefragt, hat mir dieser Film trotzdem so ausnehmend gut gefallen? Es muss an der wirklich aussergewöhnlichen Atmosphäre liegen, der Chemie, die zwischen den beiden Hauptfiguren von Anfang an spielt. Der Zuschauer wird neugierig, neugierig darauf wie diese Figuren zusammenkommen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Adèle Haenel spielt die Rolle der abgelöschten Madeleine beängstigend realistisch und wird dabei genial unterstützt durch Kévin Azaïs, der den zurückhaltenden Arnaud ebenso überzeugend verkörpert und durch seine sanfte Art Madeleines gnadenlose Weltsicht umso drastischer erscheinen lässt.
Schlussendlich wird klar, dass der Streifen vor allem an den beiden herausragenden Hauptdarstellern festgemacht ist. Es gelingt diesen beiden Jungschauspielern in absolut überzeugender Weise, das etwas fade Drehbuch vergessen zu machen. Der Film ist keine Sekunde langweilig und schafft es, Drama und feinen Humor gekonnt zu einer unterhaltsamen Tragikkomödie zu verbinden…

Fazit: Beste französische Unterhaltung mit hervorragendem Cast.

Trumbo

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Originaltitel: Trumbo

Regie: Jay Roach
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: John McNamara

Produktion: © Bleecker Street Films u.a.
Kamera: Jim Denault
Schnitt: Alan Baumgarten

USA / 2015

Hauptdarsteller: Bryan Cranston, Diane Lane, Helen Mirren, Michael Stuhlbarg, John Goodman…u.a.

HANDLUNG

In „Trumbo“ wird die wahre Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Dalton Trumbo erzählt, der in den 1940er Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei war und deshalb vom Ausschuss für unamerikanische Umtriebe vorgeladen wurde. Dalton Trumbo gehörte zu der, später als „Hollywood Ten“ bekannt gewordenen, Gruppe von Regisseuren und Drehbuchautoren, die sich weigerten, vor dem besagten Ausschuss auszusagen und aus diesem Grund 1948 zu Haftstrafen verurteilt wurden.
Trumbo landete wie viele andere auf der „schwarzen Liste“ und fand nach seiner Haftstrafe keine Arbeit mehr. Es gelang ihm, anonym als Drehbuchautor für den Filmproduzenten Frank King (King Brothers) zu schreiben.
Ein beinahe aussichtsloser Kampf gegen die Studiobosse und die US-Regierung begann. Während Trumbos Arbeit als Ghostwriter langsam aber sicher an die Öffentlichkeit drang, setzte Trumbo alles auf eine Karte, um seine Familie zu schützen und endlich wieder ein normales Leben zu führen…

REZENSION

Es gibt nicht viele Filme, die sich mit diesem finsteren US-Amerikanischen Kapitel beschäftigen. Mir persönlich ist nur noch der Streifen „Der Strohmann“ von Martin Ritt bekannt, der dieses Thema aufgriff – und das ist schon über dreissig Jahre her.
Hollywood tut sich aus nachvollziehbaren Gründen äusserst schwer, wenn es um die Aufarbeitung dieser heiklen Ereignisse geht, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch Trumbo nicht von einem grossen Hollywood-Studio produziert wurde.

Dem vorliegenden Film gelingt es sehr eindrücklich, die unmenschlichen Machenschaften der McCarthy-Ära aufzuzeigen. Wobei das nicht unbedingt dem Drehbuch geschuldet ist, sondern vor allem der grossartigen schauspielerischen Leistung – allen voran Bryan Cranstons, der Dalton Trumbo kongenial verkörpert.
Den einzigen Vorwurf, den man dem Drehbuch machen kann: Zuweilen wurden die Ecken und Kanten sehr stark geschliffen. Es stellt sich dadurch eine Harmonie ein, die einen etwas irritierenden Kontrast zur eigentlichen Handlung bildet. Zudem hat man der Versuchung nicht widerstehen können, historische Begebenheiten zugunsten dramaturgischer Effekte etwas zu verfälschen.

Alles in allem aber ein ausgezeichneter Film, der ein äusserst wichtiges und erzählenswertes Zeitalter amerikanischer Geschichte behandelt…

The King's Speech - Die Rede des Königs

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Originaltitel: The King’s Speech

Regie: Tom Hooper
Musik: Alexandre Desolat
Drehbuch: David Seidler

Produktion: © Sea-Saw Films / Bedlam Productions
Kamera: Danny Cohen
Schnitt: Tariq Anwar

Grossbritannien, USA, Australien / 2010

Hauptdarsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter…u.a.


HANDLUNG

Albert, der zweitälteste Sohn des englischen Königs George V., leidet darunter, dass er stottert und kaum einen Satz ohne Unterbruch zustande bringt.
Da er von seinem strengen Vater immer wieder zu öffentlichen Auftritten verdonnert wird, sucht er schliesslich den Sprachtrainer Lionel Logue auf, der ihm dabei helfen soll, endlich ohne zu stottern zu sprechen.
Als sein Vater stirbt und der älteste Sohn abdankt, um eine bürgerliche Amerikanerin zu heiraten, ist für Albert die schlimmstmögliche Wendung eingetreten: Er wird 1937 zum König George VI. ernannt.
Die eigentliche Bewährungsprobe für ihn findet aber im Jahre 1939 statt. Er soll via Radio zu seiner Nation reden, um sie auf den herannahenden Krieg vorzubereiten - mit Lionel an seiner Seite, stellt er sich der Herausforderung…

REZENSION

„The King’s Speech“ wurde 2011 förmlich mit Oscars überhäuft. Dies ist insofern bemerkenswert, da in der Regel so ruhige und zurückhaltend inszenierte Streifen im grossen Oscar-Getümmel eher untergehen. Dazu kommt, dass es sich hier weder um eine umfassende Biopic über König George VI. handelt, noch die politischen oder wenigsten privaten Hintergründe übermässig ausführlich behandelt werden.
Aber vielleicht ist es eben gerade die Tatsache, dass sich das Drehbuch zu keiner Zeit verhaspelt und die Story konsequent dem einen roten Faden der Geschichte folgt. Dies geschieht mit einer derart bemerkenswerten Ruhe und Ernsthaftigkeit in der Inszenierung und einer schauspielerischen Präsenz, dass man sich als Zuschauer dem Geschehen kaum zu entziehen vermag.
„The King’s Speech“ ist ein bemerkenswerter Film, wie es ihn nur alle paar Jahre mal gibt, und bei dem einfach alles wie in einem perfekten Uhrwerk zusammenspielt. Dies betrifft sowohl die schauspielerische Umsetzung, wie auch die Inszenierung, die an Timing und Schlüssigkeit keine Wünsche offen lässt.

Es mag nur ein kleines historisches Versatzstück sein, das die grossen Zusammenhänge ausblendet - und macht gerade deshalb neugierig auf mehr…

Fazit: Wenn Sie etwas mit Historienfilmen am Hut haben oder einfach wieder einmal einen wirklich gut umgesetzten und stimmigen Film sehen möchten, sind sie hier genau richtig. Kann ich weiterempfehlen!

Birdman - oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

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Originaltitel: Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance

Regie: Alejandro González Iñárritu
Musik: Antonia Sanchez
Drehbuch: Alejandro González Iñárritu u.a.

Produktion: © New Regency Pictures / M Productions
Kamera: Emmanuel Lubezki
Schnitt: Douglas Crise / Stephen Mirrione

USA / 2014

Hauptdarsteller: Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Emma Stone...u.a.


HANDLUNG

Riggan Thomson, ein in die Jahre gekommener Schauspieler, versucht in einem Broadway-Theater Raymond Carvers „What We Talk About When We Talk About Love“ zu inszenieren.
Thomson war in den 90er-Jahren ein Filmstar, als er in drei Birdman-Filmen die Titelfigur verkörperte. Seit damals ist viel Zeit vergangen, seine Ehe ist den Bach runter, seine Beziehung zur Tochter Sam alles andere als gut, und schauspielerisch konnte er keine Erfolge mehr erzielen.
Nun will er sich am Broadway neu erfinden und setzt alles auf eine Karte. Als Regisseur und Hauptdarsteller kommt er aber immer wieder an seine Grenzen. Finanzielle Probleme, Ärger mit divenhaften Kollegen und der Druck der Theaterkritiker setzen ihm schwer zu. Dass er dann auch noch die Stimme seines Alter Ego Birdman zu hören beginnt, macht das Ganze auch nicht einfacher...

REZENSION

In der Literatur gibt es die Erzähltechniken des „inneren Monologes“ und des „Bewusstseinsstroms“. Dabei wird, einfach ausgedrückt, das Innenleben einer Person anhand von Stimmen im Kopf der Figur dem Leser mitgeteilt.
In dieser Verfilmung hat man etwas ganz Ähnliches versucht, was ich interessant fand, da ich es in Film-Form so noch nicht gesehen habe.
Der getriebene Gedankenstrom der Hauptfigur wird durch die Kameratechnik, die praktisch schnittlos von einer Szene in die nächste hinübergleitet, unterstützt. Dies lässt einen sehr mitreissenden Handlungsfluss entstehen, bei dem man kaum zum Atemholen kommt. Die Leiden der Hauptfigur werden so beinahe physisch auf den Zuschauer übertragen.
Das ist faszinierend und lässt ein wenig vergessen, dass die Handlung an sich nicht gerade spektakulär ist.
Die Geschichte liegt irgendwo zwischen Woody Allen und Coen-Brüder. Von ersterem hat man die schlagfertigen Dialoge und von zweiteren den skurrilen Humor entlehnt, allerdings ohne deren Untiefen.
Auch wenn die eigentliche Story etwas kurz gehalten wird und die absurden Ideen zuweilen etwas aufgesetzt wirken, hat mich dieser Film von der ersten bis zur letzten Minute fasziniert und bestens unterhalten. Ob sich das nun Tragikkomödie, Dramedy oder gar schwarzes Drama mit albernen Einlagen nennt, ist egal, man muss ja nicht alles in eine Schublade stecken können...

Fazit: Erzähltechnisch interessantes Autorenkino, allerdings sollte man einen Hang für schwarze Komödien haben und Dialogfilme mögen...

Die grosse Versuchung

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Originaltitel: The Grand Seduction

Regie: Don McKellar
Musik: Francois-Pierre Lue u.a.
Drehbuch: Ken Scott

Kanada / 2013

Hauptdarsteller: Brendan Gleeson, Taylor Kitsch, Liane Balaban..u.a.


HANDLUNG

Das kleine Fischerdorf Tickle Head, liegt zwar idyllisch auf einer kleinen neufundländischen Insel, ist aber kurz vor dem Aussterben. Die Bewohner haben keine Arbeit und wandern in die Städte ab. Der zurückgebliebene kleine Haufen, allen voran Murray French, will das aber nicht einfach so hinnehmen und versucht, eine Ölfirma dazu zu bringen, eine Fabrik im Dorf zu bauen. Diese macht jedoch viele Auflagen, eine davon: Es muss ein Arzt im Ort wohnen. Als endlich ein solcher gefunden ist, setzt die kleine Gemeinschaft alles daran, dass sich der Mediziner wohl fühlen wird in Tickle Head. Dazu greifen sie auch zu fragwürdigen Mitteln, die anfangs durchaus Erfolg bringen. Doch die heile Fassade kann natürlich nicht bis zum Schluss aufrecht erhalten werden…

REZENSION

Was wie ein etwas skurriles sozialkritisches Drama beginnt, wendet sich bald in eine unterhaltsame und äusserst witzige Komödie. Wobei vor allem die hervorragende Spielweise von Brendan Gleeson, der den schrulligen Murray French verkörpert, dem Streifen die nötige Glaubwürdigkeit verleiht.
Zusammen mit der wunderschönen kanadischen Landschaft und den ideenreichen Wendungen der Geschichte, ist für gute Unterhaltung gesorgt.
Über das Ende der Story kann man sicher geteilter Meinung sein, ich hätte mir da etwas mehr Kreativität gewünscht…

Wer gute und humorvolle Unterhaltung sucht, wird hier sicher auf seine Kosten kommen.

Die Friseuse

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Regie: Doris Dörrie
Musik: LaBrassBanda u.a.
Drehbuch: Laila Stieler

Deutschland / 2010

Hauptdarsteller: Gabriela Maria Schmeide, Natascha Lawiszus, Ill-Young Kim...u.a.

HANDLUNG

Nach der Trennung von ihrem Mann kehrt Kathi König zusammen mit ihrer Teenager-Tochter Julia zurück nach Berlin-Marzahn, wo sie aufgewachsen ist.
Als gelernte Friseuse macht sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Stelle, stösst aber auf Grund ihrer Fettleibigkeit nur auf Ablehnung und verschlossene Türen. Schliesslich entschliesst sie sich einen eigenen Friseur-Salon aufzumachen. Nicht gerechnet hat sie dabei aber mit den behördlichen Schikanen, dem Widerstand der Banken und windigen Beratern.
Als der Stand ihrer Verzweiflung den selben Tiefstand wie ihr Konto erreicht, lässt sie sich von einem kleinkriminellen Schleuser dazu überreden, vietnamesische Flüchtlinge von Polen nach Deutschland zu bringen. Die Aktion geht aber gründlich schief, und Kathi muss nun all ihre positive Energie aufwenden, um aus dem Schlamassel heraus zu kommen...

REZENSION

Wie man das von Doris Dörrie gewohnt ist, versteht sie es in diesem Streifen wiederum ausgesprochen gut, sich in andere Menschen einzufühlen und dies auch filmtechnisch rüberzubringen.
Wobei die Gratwanderung zwischen Tragödie – Komödie und Feel-Good-Movie erstaunlich gut funktioniert.
Ein mutiges und selten so ehrlich inszeniertes Thema wird auf sehr natürliche und schliesslich auch offene Weise dargestellt und regt zum Nachdenken an.

Das Drehbuch, das hier ausnahmsweise mal nicht von Doris Dörrie stammt, hat so seine leichten Hänger und ist vor allem zu Beginn etwas träge. Alles in allem haben wir es hier aber mit einem handwerklich gut gemachten und unterhaltsamen Film zu tun, der es versteht, schwierige Themen auf erträgliche Weise darzustellen.

Fazit: Gute gemachte Unterhaltung Made in Germany - ist seltener als man glauben könnte - und deshalb gibt es von mir eine Empfehlung für diesen Streifen!

Ganz weit hinten

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Originaltitel: The Way, Way Back

Regie: Nat Faxon & Jim Rash
Musik: Rob Simonsen
Drehbuch: Nat Faxon & Jim Rash

USA / 2013

Hauptdarsteller: Liam James, Steve Carell, Toni Collette...u.a.

HANDLUNG

Der Schüchterne und introvertierte 14-jährige Duncan verbringt die Sommerferien mit seiner Mutter, ihrem neuen Freund und dessen Tochter in einem Strandhaus auf Cape Cod.
Da er Trent, den neuen Freund seiner Mutter, überhaupt nicht leiden kann und dessen Tochter Steph ihn wie Luft behandelt, versucht er der gespielten Familienidylle zu entfliehen. Er heuert im nahe gelegenen Water-Wizz-Wasserpark an und freundet sich mit dem Manager Owen an.
Hier trifft Duncan auf eine ganz neue Welt. Er wird respektiert und so genommen, wie er ist. Sein wachsendes Selbstvertrauen bringt ihm zuhause aber nur noch mehr Probleme mit Trent ein. Allerdings beginnt sich die hübsche Susanna, die im benachbarten Strandhaus mit ihrer Mutter wohnt, für Duncan zu interessieren, und es sieht ganz so aus, als ob dieser Sommer für Duncan doch noch besser werden würde, als befürchtet...

REZENSION

Erwartet hatte ich ein unterhaltsames, einfach gestricktes Coming-of-Age-Filmchen. Geboten wurde mir eine sehr kurzweilige und vielschichtige Tragikkomödie, die sich weit von den 08/15-Coming-of-Age-Filmen abhebt.
Der etwas melancholische Charme dieser Sommergeschichte harmoniert hervorragend mit der schüchternen, unbeholfen wirkenden Hauptfigur und lässt eine ausgezeichnete Atmosphäre entstehen. Dabei wird von Beginn weg kräftig mit Klischees gespielt, ohne ihnen aber jemals zum Opfer zu fallen.
Die sehr ausgewogene Mischung aus Drama und Komödie machen den Film zu einem richtigen Wohlfühlfilm. Dabei ist er zu keiner Zeit langweilig. Die Dialoge sind stimmig und heben sich angenehm ab vom üblichen Hollywood-Kitsch, den man üblicherweise in solchen Filmen zu hören bekommt.
Die Story an sich ist glaubhaft und sehr gut in Szene gesetzt.
Kurz, wir haben es hier mit einem dieser Filme zu tun, bei denen man es sehr bereut, wenn sie zu Ende sind – ich hätte den Protagonisten noch lange zusehen können…

Fazit: Ein Coming-of-Age-Film mit Tiefgang und Witz, der sich angenehm von der Masse abhebt!

Heute bin ich Samba

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Samba

Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache
Musik: Ludovico Einaudi
Drehbuch: Erich Toledano, Olivier Nakache

Frankreich / 2014

Hauptdarsteller: Omar Sy, Charlotte Gainsbourg, Tahar Rahim, Izïa Higelin...u.a.


HANDLUNG

Der aus Senegal stammende Samba Cissé lebt und arbeitet, da er keine Aufenthaltserlaubnis besitzt, seit zehn Jahren illegal in Paris.
Er ist als Tellerwäscher in einer Grossküche beschäftigt. Als sich die Möglichkeit einer Festanstellung als Koch eröffnet, tritt Samba den dafür notwendigen Gang zu den Behörden an. Er erhält aber nicht wie erhofft eine Aufenthaltserlaubnis, sondern wird in Abschiebehaft gesetzt. Hier trifft er auf Alice, die sich nach einem Burnout ehrenamtlich im Sozialdienst engagiert.
Nachdem Samba freigelassen und aufgefordert wird Frankreich zu verlassen, taucht er unter. Es beginnt ein Leben mit ständig wechselnden Gelegenheitsjobs und Angst vor der Polizei.
Derweil kommen sich die schwermütige Alice und der unsichere Samba näher...

REZENSION

Wer diese Geschichte liest, kann kaum glauben, dass daraus ein humorvoller Film entstehen könnte. Und doch ist es den Machern von „Ziemlich beste Freunde“ ein weiteres Mal gelungen, aus einem sehr heiklen Thema, mit viel Einfühlungsvermögen und guten Dialogen, ein humoristisches Sozialdrama zu machen, wie ich es auf diesem Niveau schon lange nicht mehr gesehen habe.
Nur ganz selten gehen der Inszenierung etwas die „Pferde durch“ und wird der Humor etwas zu forciert eingesetzt. Ansonsten gelingt der Balance-Akt bewundernswert und eindrücklich.
Selbst die Gegenüberstellung eines Burnouts einer Managerin mit der existenziellen Not eines illegalen Einwanderers, wirkt auf mich nie deplatziert oder verfehlt. Beide Figuren sind in ihrer eigenen Welt gefangen und können sich durch ihre gegenseitige Hilfe aus ihrer jeweiligen Notlage heraus befreien. Die Geschichte wirkt glaubhaft und nachvollziehbar. Ehrlich gesagt finde ich in dieser Beziehung den hier vorliegende Film sogar besser als „Ziemlich beste Freunde“. Man hat es hier vorteilhafter verstanden, Komik und Realismus zu vermengen, ohne dass die Glaubwürdigkeit darunter zu leiden hätte.
Geschuldet ist diese Wirkung natürlich, nebst der einwandfreien Inszenierung, der grossartigen schauspielerischen Leistung von Omar Sy und Charlotte Gainsbourg.

Fazit: Ein brandaktuelles und anspruchsvolles Thema in erträglicher Form auf die Leinwand zu bringen, ist alles andere als eine leichtes Unterfangen. Hier ist das grandios gelungen!

Fest steht, Freunde des französischen Kinos kommen hier voll auf ihre Kosten!

Song für Marion

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Song for Marion

Regie: Paul Andrew Williams
Musik: Laura Rossi
Drehbuch: Paul Andrew Williams

Grossbritannien, Deutschland / 2012

Hauptdarsteller: Terence Stamp, Vanessa Redgrave, Gemma Arterton…u.a.

HANDLUNG

Arthur Harris ist der mürrische Ehemann von Marion, die
unheilbar an Krebs erkrankt ist. Trotzdem engagiert sie sich weiterhin mit viel Freude im örtlichen Seniorenchor. Dies sehr zum Unmut ihres mürrischen Ehemannes Arthur, der befürchtet, dass Sie sich damit zu viel zumutet. Abgesehen davon hält er die Songs, die einstudiert werden, für peinlich.
Als Marion schliesslich stirbt, bricht für Arthur eine Welt zusammen. Er bricht den Kontakt zu seinem Sohn ab und verliert seinen Lebensmut.
Der jungen Chorleiterin Elizabeth gelingt es, Arthur davon zu überzeugen, dass Marion stolz darauf wäre, wenn er ihren Platz im Chor einnehmen würde.
Auch wenn Arthur nicht über seinen Schatten springen kann, begibt er sich doch mit dem Chor auf eine Reise, die alle verändern wird…

REZENSION


Manchmal sind es eben gerade kleine Independent-Filme, die ohne grosses Budget und ohne grossartige Kulissen auskommen, welche es schaffen, einen Zauber auszuströmen, der den Zuschauer in seinen Bann zieht.
Genau so eine Filmperle ist „Song for Marion“. Schauspielerisch absolut überragend gespielt, mit realistischem und packendem Drehbuch versehen, taucht man als Zuschauer völlig in die Geschichte ein.
Die sehr rührende Erzählweise wird zu keiner Zeit rührselig oder gar kitschig. Man kann nicht mal behaupten, dass die Gratwanderung gelungen sei, denn es gibt keine solche.
Die wunderbare Inszenierung überzeugt von Anfang an durch Souveränität und treibt die Story gekonnt voran.
Diese sehr realistische und überlegene Umsetzung hat freilich aber den Nachteil, dass kaum ein Auge trocken bleibt und man den Taschentuchvorrat mit Bedacht schon vorgängig bereitlegen sollte…

Fazit: Eine Liebesgeschichte, verpackt in einer Tragikkomödie mit überzeugendem Drehbuch und hervorragender schauspielerischer Umsetzung. Was will man mehr?

Honig im Kopf

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✮✮✮✮✮✮

Regie: Til Schweiger
Musik: Rik Reichardt, Martin Todsharow
Drehbuch: Til Schweiger, Hilly Martinek

Deutschland / 2014

Hauptdarsteller: Dieter Hallervorden, Emma Schweiger, Til Schweiger, Jeanette Hain...u.a.


HANDLUNG

Amandus Rosenbach, ehemaliger Tierarzt, weist nach dem Tod seiner Frau immer mehr Anzeichen einer fortschreitenden Demenz auf. Da er nicht mehr alleine leben kann, nimmt ihn sein Sohn Niko bei sich auf. Seine Ehefrau Sarah ist von dem chaotischen Durcheinander, das der zunehmend verwirrter werdende Amandus anrichtet, überfordert. Die elfjährige Tilda hingegen freut sich sehr, ihren geliebten Grossvater bei sich zu haben.
Als Tilda befürchtet, dass ihr Grossvater in ein Heim für Alzheimer-Patienten gesteckt werden soll, reisst sie zusammen mit Amandus aus. Sie machen sich auf den Weg nach Venedig, wo Amandus und seine Frau in jungen Jahren glücklich waren. Eine lange Reise beginnt, die von vielen unvorhergesehenen Ereignissen geprägt ist…

REZENSION

Ich möchte mit dem Positiven anfangen: Die schauspielerische Leistung von Dieter Hallervorden ist grossartig. Er spielt den an Alzheimer erkrankten Grossvater sehr glaubhaft und bewegend. Auch Emma Schweiger spielt ihre Rolle überzeugend.
Weniger überzeugend, und damit wären wir nun bereits beim Negativen, ist das Drehbuch und die Inszenierung.
Der ganze Streifen ist auf geradezu penetrante Weise auf Effekthascherei ausgerichtet. Kaum eine Szene, bei der nicht das Gefühl aufkommt, dass der Requisiteur Amok gelaufen sei.
Am Auffälligsten wird das zum Beispiel in der Klosterszene, wo hunderte von brennenden Kerzen im ganzen Kloster verteilt sind.
Die Dialoge konnten mich ebenfalls nicht überzeugen. Zuviel wird auf Kallauerbasis operiert, zu oft mit billigem Sexismus nach platten Lachern gefischt.
Es spricht an sich nichts dagegen, ein so heikles Thema in Komödienform aufzuarbeiten. Für dieses Unterfangen dürfte Til Schweiger aber definitiv nicht die geeignete Person gewesen sein, dafür fehlte es im sowohl an Einfühlungsvermögen wie auch Sensibilität. So werden dann auch immer wieder Szenen, die eigentlich todtraurig wären, durch die grobschlächtige Umsetzung zu irritierenden Erlebnissen.

Auf die ganzen handlungstechnischen Unstimmigkeiten möchte ich hier gar nicht weiter eingehen. Es sind einfach zu viele an den Haaren herbeigezogene Handlungsverläufe, als dass man sie alle aufzählen könnte.

Man kann sich diesen Streifen durchaus mal ansehen, alleine schon wegen Dieter Hallervorden, aber sowas wie eine schlüssige Story oder gar intelligenten Humor darf man nicht erwarten…

Mr. Turner - Meister des Lichts

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Mr. Turner

Regie: Mike Leigh
Musik: Gary Yershon
Drehbuch: Mike Leigh

Grossbritannien / 2014

Hauptdarsteller: Timothy Spall, Paul Jesson, Marion Bailey, Dorothy Atkinson…u.a.


HANDLUNG

Wir lernen in dieser Filmbiografie den Maler William Turner (1975-1851) näher kennen, wobei der Fokus auf die letzen 25 Lebensjahre gelegt wird.
Turner war alles andere als ein einfacher Zeitgenosse. Verschroben, mürrisch und unnahbar begegnet er seiner Umwelt. Nur in seinem Atelier oder unterwegs mit seinem Skizzenbuch konnte er aus sich herausgehen.
Seine getriebene Art wird nach dem Tod seines Vaters noch exzessiver. Mehr und mehr entfernt er sich mit seiner Malerei von der realen Darstellung und stösst damit in der Öffentlichkeit auf Unverständnis, die schliesslich in Hohn mündet.
Turner versucht, aus seinem Alltag zu fliehen. Als sich das anfängliche Verhältnis zur Witwe Sophia Booth zu einer Beziehung entwickelt, beginnt Turner ein Doppelleben zu führen, von dem bis zu seinem Tod niemand weiss…

REZENSION

Mike Leigh hatte schon in seinem letzten Werk „Another Year“ bewiesen, dass er ein unglaublich gutes Gespür für langsame Inszenierungen hat.
Turner lebte in einer aufregenden Zeit, in der neue Technologien wie die Eisenbahn oder der Fotoapparat zu markanten Veränderungen führten. Auch seine Malerei war modern, für manchen Zeitgenossen wohl zu modern.
Der Film ist sehr bedächtig inszeniert und gibt den Schauspielern Raum zur Entfaltung. Es ist spannend, den Figuren bei ihrer Entwicklung zuzusehen. Dank dieser vorsichtigen und behutsamen Herangehensweise wirken die Bilder für sich und werden lediglich durch Dialoge unterstützt. Oft reicht ein Blick oder eine Geste, um das Wesentliche auszudrücken.
Ein dezenter Streifen, auf dem man sich einlassen muss und, der so manch gestressten Zuschauer durch seine Bedächtigkeit wohl auch auf die Palme bringen kann…
Mit beträchtlichem Aufwand wird das frühe 19. Jahrhundert zum Leben erweckt. Dies gelingt durch hervorragend gewählte Drehorte und anspruchsvolle Kulissen, die den Film sehr authentisch rüber bringen. Dazu kommt eine Kameraführung, die unter anderem durch extrem schöne Landschaftsaufnahmen beeindruckt.

Zugegeben, der Film lässt zum Schluss mehr Fragen offen, als er beantwortet, aber es wäre auch etwas vermessen, von einer Filmbiografie etwas anderes zu erwarten. Mir hat er sehr gefallen, und ich kann ihn allen empfehlen, die etwas mit Malerei am Hut haben oder gerne gut umgesetzte Historienfilme sehen.

Restless

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Restless

Regie: Gus Van Sant
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Jason Lew

USA / 2011

Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Henry Hopper, Ryô Kase…u.a.


HANDLUNG

Das Leben von Enoch Brae ist nach dem Unfalltod seiner Eltern ziemlich aus dem Ruder gelaufen.
Er hat mit seinem eigenen Leben abgeschlossen, geht nicht mehr zur Schule und verbringt seine Freizeit mit Besuchen von Beerdigungen. Zudem sieht er den Geist eines japanischen Kamikazefliegers, mit dem er sich unterhält.
An einer Beerdigung trifft er auf Annabel Cotton. Die junge lebenslustige Frau ist fasziniert von Enoch, und bald schon finden die beiden zusammen. Trotz offensichtlichen Gegensätzen merken die beiden, dass sie viele Gemeinsamkeiten verbindet.
Als Enoch erfährt, dass Annabel Krebs im Endstadium hat, verspricht er ihr, sie bis zum nahen Ende zu begleiten. Annabel versucht, die kurze verbleibende Zeit mit Enoch zu geniessen und Enoch hat, anders als beim Tod seiner Eltern, die Möglichkeit sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden…

REZENSION

Die Geschichte ist stellenweise sehr anrührend. Immer wieder schleichen sich aber auch etwas skurrile Momente ein, die die ganze Handlung etwas unglaubhaft werden lassen. Die Geschichte mit dem japanischen Kamikazeflieger zum Beispiel, nimmt, nach meinem Dafürhalten, viel zu viel Raum ein. Umso mehr, da bis zum Schluss eigentlich nicht klar wird, weshalb Enoch einen Kamikazeflieger als Geist sieht.
Henry Hopper als Enoch ist hier in seiner ersten Rolle zu sehen, und seine Unsicherheit ist deutlich zu spüren. Dies führt zu einigen Szenen, in denen die Harmonie zwischen den beiden Hauptfiguren etwas leidet.
Die Dialoge wirken zuweilen etwas hölzern und aufgesetzt. Ich bin mir jedoch bewusst, dass man versucht hat „natürlich“ zu wirken. Die Grenzen zwischen natürlich und gekünstelt sind allerdings fliessend und das Drehbuch holpert hier schon einige Male beträchtlich.
Dessen ungeachtet ein sehenswerter Independent-Film, der einen originellen Blick auf das Thema Tod und Abschied wirft. Der Streifen strahlt (trotz aller Tragik) eine lebensbejahende Gelassenheit aus, die dem Zuschauer etwas hilft, die traurigen Ereignisse zu verdauen.
Der Soundtrack ist zudem sehr gut, wenn auch ab und an etwas zu penetrant eingesetzt…
Ein für Genreliebhaber, trotz einiger Mängel, sehenswerter Film.

Kabinett ausser Kontrolle

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: In the Loop

Regie: Armando Iannucci
Musik: Adem Ilhan
Drehbuch: Armando Iannucci

Grossbritannien / 2009

Hauptdarsteller: Peter Capaldi, Tom Hollander, Chris Addison, Anna Chlumsky..u.a.


HANDLUNG

Der britische Entwicklungsminister Simon Foster ist alles andere als geschickt im Umgang mit der Presse. So äussert er sich in einem BBC-Interview zum drohenden Einmarsch im Irak sehr ungeschickt und bringt dadurch den Kommunikationsdirektor des Premierministers gegen sich auf.
Simon Foster versucht seinen Fauxpas ausbügeln und will in einem internationalen Meeting seinen Standpunkt richtigstellen. Seine unbeholfene Art führt zu noch mehr Verwirrung und der Konflikt zwischen Kriegsgegnern und -befürwortern spitzt sich zu.
Foster wird sowohl von der einen, wie auch von der anderen Seite manipuliert und ausgenützt. Als die verschiedenen Ränkespiele schliesslich zum Kriegseintritt führen, wird Simon Foster als Bauernopfer fallengelassen.

REZENSION

Was hätte man aus dieser wunderbaren Grundgeschichte nicht alles herausholen können! Leider ist der Film aber in jeder Beziehung übermotiviert.
Es wurde viel zu viel ins Drehbuch gepackt, dadurch wirkt der Streifen völlig überladen. Dazu kommt, dass es so viele Figuren gibt, dass es unmöglich ist, auch nur eine davon vertieft darzustellen, was wiederum dazu führt, dass die Geschichte markant an Gehalt und Glaubwürdigkeit verliert.
Sämtliche Protagonisten werden zudem entweder als durchgeknallte Choleriker, rückgratlose Wendehälse oder schlicht naive Deppen dargestellt. Natürlich gibt es Politiker, die in diese Kategorien gehören, wenn aber sämtliche Figuren so drauf sind, verliert die Geschichte extrem an Authentizität.
Wer noch die geniale BBC-Serie aus den 80er-Jahren „Yes Minister“ kennt, kann erahnen wie viel Potential bei dem hier vorliegenden Werk verschenkt wurde.
Ich bin ein grosser Fan des britischen schwarzen Humors, und auch für Satire und groteske Komödien bin ich stets zu haben. Was die Macher von „In the Loop“ aber ignoriert haben, ist die Tatsache, dass erwachsene Menschen, die sich 100 Minuten lang Fäkalausdrücke an den Kopf werfen, keineswegs satirisch wirken, und mit schwarzem Humor hat das ebenso wenig zu tun.
Eines muss ich noch zur deutschen Synchronisation los werden: Die ist wirklich grauenvoll. Die Stimmen passen nicht zu den Figuren, die Sprache wirkt gekünstelt aufgesetzt und die Hintergrundgeräusche wurden grösstenteils weggelassen, was die Atmosphäre völlig kaputt macht. Da der ganze Streifen im Dokumentarstil gedreht wurde, wirkt diese stummfilmartige Hintergrundumsetzung zusätzlich grotesk und zerstört die Bemühung um Glaubhaftigkeit, bevor sie zur Wirkung kommt...

St. Vincent

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: St. Vincent

Regie: Theodore Melfi
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: Thedore Melfi

USA / 2014

Hauptdarsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Jaeden Lieberher, Naomi Watts...u.a.

HANDLUNG

Zu behaupten, Vincent MacKenna stünde vor dem Abgrund, beschreibt seine Situation nur unzureichend, eigentlich ist er bereits einen Schritt weiter…
Er trinkt was das Zeug hält und steht genau genommen nur auf, um in die Strippbar oder zum Pferderennen zu gehen. Er hat bei allen und jedem Schulden und keine Aussicht, dass sich daran in Zukunft etwas ändern könnte.
Die alleinstehende Maggie Bronstein und ihr kleiner Sohn Oliver ziehen, nichts ahnend, ins Nachbarhaus. Als Maggie Vincent bittet, nach der Schule auf ihren Sohn aufzupassen, ist niemand erstaunter als Vincent selber.
Oliver begleitet Vincent in Nachtclubs, Bars und auf die Rennbahn. Zudem stellt Vincent dem Jungen die schwangere Stripperin Daka vor.
Als Oliver in der katholischen Schule, den Auftrag erhält, einen Vortrag über einen „Heiligen“ der Gegenwart zu halten, ist für Oliver schnell klar, dass dies nur Vincent sein kann… Das verrückte daran ist, er kann es sogar plausibel begründen…

REZENSION

Bill Murray wird, wie ein guter Wein, mit zunehmendem Alter immer besser. Die schauspielerische Darbietung in diesem Streifen gehört mit zum Besten, das ich bis jetzt von ihm gesehen habe. Niemals zuvor habe ich einen abgehalfterten, misanthropischeren, kauzigeren und gleichzeitig irgendwie liebenswerteren Vietnamveteran gesehen, als in diesem wunderbaren Streifen.
Zugegeben, die Handlung als solche strotzt nicht gerade vor Originalität. Die Geschichte wurde so oder ähnlich schon unzählige Male in Hollywood abgedreht. Die Mischung zwischen Drama und Komödie ist hier jedoch unglaublich gut gelungen. Man leidet und lacht mit, was zu einem Grossteil der ausgezeichneten schauspielerischen Umsetzung geschuldet ist. Wobei beileibe nicht nur Bill Murray brilliert. Melissa McCarthy und Jaeden Lieberher stehen ihm kaum nach.

Bei all dem Gutgemachten schaut man generös über den etwas schmalzigen Schluss hinweg und wird spätestens beim Abspann, wo wir Bill Murray beim Topfpflanzen giessen zusehen dürfen, während im Hintergrund Bob Dylans „Shelter From The Storm“ läuft, voll und ganz entschädigt.

Fazit: Wer gut gemachte Tragikkomödien zu schätzen weiss und einen Bill Murray in Bestform erleben möchte, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Another Year

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Another Year

Regie: Mike Leigh
Musik: Gary Yershon
Drehbuch: Mike Leigh

Grossbritannien / 2010

Hauptdarsteller: Jim Broadbent, Ruth Sheen, Lesley Manville, Oliver Maltman…u.a.

HANDLUNG

Das ältere Ehepaar Tom und Gerri leben glücklich und zufrieden in ihrem kleinen Haus. Ihr Heim ist eine Oase des Friedens und ihre Ehe verläuft ausgesprochen harmonisch. Das wird auch von der unglücklichen Mary so empfunden, die sich in regelmässigen Abständen bei den beiden einfindet. Sie ist auf der Suche nach einem Mann und hat ein Auge auf Joe, den Sohn von Tom und Gerri geworfen. Joe zeigt aber keinerlei Interesse an Mary, was zu einem Konflikt und schliesslich sogar zum Bruch mit Tom und Gerri führt. Als dann noch die Ehefrau von Toms Bruder verstirbt, treten ganz andere Probleme in den Vordergrund.
Die Geschichte ist nach Jahreszeiten aufgeteilt, die nicht nur das fortschreiten der Zeit symbolisieren, sondern auch die Vergänglichkeit des Lebens…

REZENSION

Eine wunderbare kleine Filmperle. Ich mag Filme, in denen einem nicht alles vorgekaut und auf dem Silbertablett serviert wird. Der Streifen besticht aber nicht nur durch ein exzellentes Drehbuch, sondern auch durch wirklich gute Dialoge - Wobei das Nichtgesagte mindestens ebenso gewichtig ist, wie das Ausgesprochene. Was einen dann endgültig umhaut, ist die schauspielerische Leistung, die ich schlicht als genial bezeichnen würde. Wahrlich kein leichter Film für zwischendurch, sondern einer, der den Zuschauer fordert und der sich auch nach dem Ende im Kopf weiterdreht.

Fazit: Ein genialer Streifen für Liebhaber des gepflegten Dialogfilmes - für Hollywood-Junkies jedoch vollständig ungeeignet...

Heidi

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✮✮✮✮✮

Regie: Alain Gsponer
Musik: Niki Reiser
Drehbuch: Petra Volpe

Schweiz, Deutschland / 2015

Hauptdarsteller: Anuk Steffen, Bruno Ganz, Quirin Agrippi, Isabelle Ottmann…u.a.


HANDLUNG

Das Waisenmädchen Heidi wird von ihrer Tante zu ihrem Grossvater gebracht. Dieser lebt als Einsiedler in den Schweizer Bergen. Wider Erwarten rührt Heidi den wortkargen Eigenbrötler und endlich erfährt sie, was es bedeutet, ein Zuhause zu haben.
Zusammen mit dem Geissenpeter geniesst Heidi ihre Freiheit und die wunderschöne Natur in den Bergen.
Diese Idylle wird durch ihre Tante zerstört, die Heidi völlig unerwartet wieder abholt und nach Frankfurt bringt. Dort soll sie bei der wohlhabenden Familie Sesemann leben, als Spielkameradin für die an den Rollstuhl gefesselte Klara.
Obwohl Heidi und Klara bald Freundinnen werden, hat Heidi schreckliches Heimweh nach den Bergen und natürlich nach ihrem Grossvater. Als sie schliesslich krank wird, ist allen klar, dass es nur eine Lösung geben kann…

REZENSION

Es gibt schon so viele Heidi-Verfilmungen, dass ich mich zu Beginn gefragt habe, ob es wirklich nötig sei, eine weitere abzudrehen. Schlussendlich ist aber jede Verfilmung ein Spiegel der jeweiligen Zeit, und da bildet auch diese aktuelle Veröffentlichung keine Ausnahme.
Die meisten Figuren sind ausgesprochen gut und authentisch umgesetzt worden. Allen voran Heidi, die von Anuk Steffen grossartig verkörpert wird. Auch der Geissenpeter (Quirin Agrippi) oder der von Bruno Ganz gespielte Grossvater sind souverän umgesetzt. Einzig die Figur des Vaters Sesemann wirkt gegenüber der Buchvorlage etwas weniger sympathisch.

Wie so oft bietet die Verfilmung natürlich eine sehr verkürzte Version der eigentlichen Geschichte. So wurde zum Beispiel die ganze Vorgeschichte des Grossvaters weggelassen oder die enge Beziehung zu Peters Grossmutter extrem eingeschränkt dargestellt.
Ebenfalls gestrichen, und da wären wir nun wohl beim eingangs erwähnten Zeitgeist, wurden sämtliche religiösen Elemente.
Trotz dieser und allen anderen Verkürzungen, hat man es aber ausgezeichnet verstanden den Kern der Geschichte herauszuschälen und eine Atmosphäre zu schaffen, die derjenigen der Originalgeschichte schon sehr nah kommt. Ebenfalls schön gelungen sind die Naturaufnahmen.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass dies nun die ultimative Heidi-Verfilmung geworden sei. Wir haben es aber zweifellos mit einer sehr authentischen und gelungenen Umsetzung zu tun, die dieser alterslosen und universellen Geschichte durchaus gerecht wird.

Bernie - Leichen pflastern seinen Weg

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Bernie

Regie: Richard Linklater
Musik: Graham Reynolds
Drehbuch: Skip Hollandsworth & Richard Linklater

USA / 2011

Hauptdarsteller: Jack Black, Shirley MacLaine, Matthew McConaughey...u.a.

HANDLUNG

Die Sonne geht auf, als der herzliche und zuvorkommende Bernie Tiede ins kleine texanische Städtchen Carthage zieht. Er findet Arbeit im ansässigen Bestattungsunternehmen und geht förmlich auf in seiner Arbeit. Seine freundliche und aufopfernde Art lässt keinen unberührt, der mit ihm zu tun hat, und bald schon ist er einer der beliebtesten und angesehensten Persönlichkeiten von Carthage.
Als Marjorie Nugents Ehemann stirbt, kümmert er sich auch um sie, wie um jede andere Witwe, sehr zum Erstaunen der Gemeinde, da Marjorie das absolute Gegenteil von Bernie darstellt. Sie ist herrisch, verbittert und äusserst besitzergreifend. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden, die eigentlich nicht gut gehen kann, und so geraten die beiden in einen Sog, der schliesslich für beide in der Katastrophe endet…

REZENSION

So harmlos und unscheinbar die Geschichte beginnt, so unfassbar und dramatisch endet sie. Dabei sollte man sich nicht durch den völlig unangebrachten deutschen Titel irritieren lassen, da wollte wohl jemand witzig sein…

Jack Black in einer Paraderolle - wieder mal, ist man versucht zu sagen. Er glänzt einmal mehr mit einer absolut überzeugenden Darstellung und punktet auch als Sänger. Diesmal allerdings nicht als Rocksänger, sondern als Gospelinterpret, und das klingt richtig gut!
Da die Story auf einer wahren Begebenheit beruht, hat Richard Linklater die dokumentarische Erzählform gewählt. So wird ein Grossteil der Handlung retrospektiv durch Interviews mit Bewohnern erzählt. Das führt zu einer sehr guten Authentizität.
Im Englischen wird bei solchen Filmen von Dark Comedy gesprochen, was auf Deutsch wohl am besten mit Tragikkomödie übersetzt werden könnte. Wobei mir der komödiantische Teil zuweilen etwas zu ausgeprägt ausgelebt wurde. Alles in allem wird aber das bigotte Kleinstadtleben sehr eindrücklich eingefangen.
Jack Blacks One-Man-Show ist etwas vom Besten und Eindrücklichsten, das ich seit langem gesehen habe. Auch wenn der Film selber vielleicht nicht gerade ein Meisterwerk darstellt, so ist auf jeden Fall ein bemerkenswerter Streifen entstanden, der einen zum Nachdenken bringt…

It's Kind of a Funny Story

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: It’s Kind of a Funny Story

Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Musik: Broken Social Scene
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck

USA / 2010

Hauptdarsteller: Keir Gilchrist, Zach Galifianakis, Emma Roberts…u.a.

HANDLUNG

Der 16-jährige Craig Gilner ist überfordert. Unter Druck gesetzt durch seinen Vater und andere belastende Situationen, hat er Suizidgedanken und entschliesst sich deshalb, sich in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses einweisen zu lassen.
Da die Jugendpsychiatrie wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, kommt er in die Erwachsenenabteilung.
Nach und nach lernt er andere Patienten kennen, schliesst Freundschaften, verliebt sich gar und findet nach und nach den Schlüssel für seinen eigenen Weg…

REZENSION

Ich habe selten einen Film gesehen, der ein so heikles Thema mit so viel Witz, Charme, Wärme und ehrlichem Ernst behandelt, ohne dabei ins Lächerliche oder Kitschige abzugleiten. Obwohl er sich einiger Klischees bedient, versteht er sie auch immer wieder zu brechen und dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. Auch die schauspielerische Leistung kann nicht hoch genug gelobt werden. Ein Streifen, der einfach Spass macht beim Zusehen und der es versteht, intelligent zu unterhalten - was man beileibe nicht von vielen Filmen der Gegenwart behaupten kann...

Young Adult

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Young Adult

Regie: Jason Reitman
Musik: Rolfe Kent
Drehbuch: Diablo Cody

USA / 2011

Hauptdarsteller: Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson… u.a..


HANDLUNG

Mavis Gary (Charlize Theron) steckt in einer Lebenskrise. Sie wohnt alleine in Minneapolis, ist frisch geschieden und beruflich auf dem Abstellgleis gelandet. Als sie in einer E-Mail erfährt, dass ihr Ex-Freund aus der Jugendzeit, Buddy Slade, eine Tochter bekommen hat, entschliesst sie sich in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Ihr Ziel: Sie will Buddy zurückerobern – eine bescheuerte Idee, aber es kommt noch schlimmer. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

REZENSION

Ich mag die Filme von Jason Reitman sehr. Sie strahlen eine frische und natürliche Kraft aus, die sie von anderen modernen Produktionen abhebt. So auch in diesem Streifen "Young Adult", in dem die Geschichte einer psychisch sehr angeschlagenen, unter dem Borderline-Syndrom leidenden Autorin erzählt wird. Die Figuren sind allesamt hervorragend gespielt und wirken glaubhaft. Der Film ist zu keiner Zeit romantisch, nie nett und schon gar keine Liebesgeschichte. Aus dem Leben gegriffen eben und mit allem Realismus versehen, den Hollywood so fürchtet.
Und was den Schluss angeht... nun, die meisten Probleme lösen sich eben tatsächlich nicht einfach so in Wohlgefallen auf...

Nicht gerade ein Film, den man sich ansehen sollte, wenn es einem nicht so gut geht. Er kann schon etwas deprimieren, trotz vereinzelten komischen Szenen. Die schauspielerische Leistung von Charlize Theron jedenfalls ist grossartig und die Story originell.

The Magic of Belle Isle - Ein verzauberter Sommer

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Magic of Belle Isle

Regie: Rob Reiner
Musik: Marc Shaiman
Drehbuch: Guy Thomas
USA / 2012

Hauptdarsteller: Morgan Freeman, Virginia Madsen, Emma Fuhrmann... u.a.

HANDLUNG

Der Western-Schriftsteller Monte Wildhorn leidet unter einer Schreibblockade. Der Tod seiner geliebten Frau hat aus ihm einen mit seiner Umwelt hadernden Trinker gemacht. Seine Verwanden verfrachten den in einem Rollstuhl sitzenden Schriftsteller in ein Sommerhäuschen aufs Land.
Am beschaulichen Greenwood Lake verwandelt sich der Griesgram Monte nach und nach wieder zu einem liebenswerten und hilfsbereiten Menschen. Dabei sind der Hund Ringo, den er kurzerhand in Spot umtauft, und seine Nachbarin Charlotte O’Neil nicht ganz unschuldig an seiner Verwandlung.
Die wichtigste Bezugsperson wird aber Charlottes 9-jährige Tochter Finnegan, die von Monte unbedingt die Kunst des Geschichtenerzählens erlernen will. Monte wird zu Beginn eher gegen seinen Willen von ihr als Mentor engagiert, findet aber zunehmend gefallen an seinem neuen „Job“…

REZENSION

Ich habe selten einen Film gesehen, auf den die Bezeichnung „Feel-Good-Movie“ treffender gewesen wäre, als bei dem vorliegenden Werk von Rob Reiner.
Morgan Freeman spielt seine Rolle gewohnt souverän und liebenswert. Ohne dass die Figur überzeichnet oder kitschig wirken würde.
Man hat nun nicht gerade das Kino neu erfunden mit der Grundgeschichte, es ist aber eine liebenswerte und sehr unterhaltsame Variation.
Zusammen mit der wunderschönen Landschaft und dem pittoresken Städtchen ist eine emotional packende Komödie entstanden, die durchaus auch Raum für ernste Themen lässt.
Rob Reiner, der schon Filmperlen wie „Harry und Sally“ oder „Stand by Me“ geschaffen hat, ist es einmal mehr gelungen, grosses Kino zu machen oder anders ausgedrückt: Beste Unterhaltung!

Die Tochter meines besten Freundes

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Oranges

Regie: Julian Farino
Drehbuch: Ian Helfer & Dean Vanech
Musik: Klaus Badelt & Andrew Raiher

USA / 2011

Hauptdarsteller: Hugh Laurie, Oliver Platt, Leighton Meester…u.a.


HANDLUNG

Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Familien, die seit Jahren eng befreundet sind. Die Väter gehen zusammen joggen, die Familien grillieren zusammen usw..
Das idyllische Vorstadtleben wird aber auf eine harte Probe gestellt, als sich David Walings in die Tochter seines Freundes und Nachbarn verliebt…

REZENSION

Nein, ein "Feel-Good-Movie" mit kitschigem Happy End ist das nicht, was man in "The Oranges" (ich weigere mich, den schwachsinnigen deutschen Synchro-Titel zu nennen) geboten kriegt, deshalb wohl auch die vielen kritischen Meinungen zu diesem Streifen… Mir hat er ausserordentlich gut gefallen. Sehr realistisch, mit Humor und ruhigen Bildern wird hier eine richtig gute Geschichte erzählt. Vieles bleibt unausgesprochen oder unvollendet, und genau diese Feinheiten sind es, die diesen kleinen Film zu einem bemerkenswerten Werk machen. Hugh Laurie und auch Leighton Meester spielen richtig stark und harmonieren erstaunlich gut zusammen. Wer sich gerne interessante Geschichten ansieht und kein hoffnungsloser Hollywood-Junkie ist, dürfte an diesem Film Gefallen finden. Fazit: Eine originelle und in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Tragikkomödie, die auch etwas zum Nachdenken anregen kann. Von mir eine klare Empfehlung!


The English Teacher

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✮✮✮✮✮✮

Origianltitel: The English Teacher

Regie: Craig Zisk
Musik: Rob Simonsen
Drehbuch: Dan Chariton & Stacy Chariton
USA / 2013

Hauptdarsteller: Julianne Moore, Michael Angarano, Greg Kinnear...u.a.

HANDLUNG

Linda Sinclair ist Englischlehrerin an der High-School in der Kleinstadt Kingston. Die sehr zurückgezogen lebende Lehrerin lebt für die Literatur und versteht es, diese Begeisterung auch ihren Schülern weiterzugeben.
Zufällig trifft sie auf ihren ehemaligen Schüler Jason Sherwood, der sein Glück als Dramatiker in New York versucht hat, aber gescheitert ist, und nun desillusioniert seine Karriere aufgeben will. Linda liest eines seiner Theaterstücke und ist begeistert. Sie überredet Jason einer Aufführung am Schultheater zuzustimmen.
Die erst professionelle Unterstützung nimmt unerwartet ganz persönliche Formen an, was schliesslich zur Gefährdung des ganzen Projekts führt...

REZENSION

So wirklich glücklich wurde ich nicht mit dieser Geschichte. Die Story beginnt recht rasant und vielversprechend, verbummelt sich dann aber irgendwie und verliert den Schwung.
Zudem gibt es ausser der Hauptfigur kaum sympathische Charaktere, entweder sind sie von Anfang an unsympathisch angelegt oder entwickeln sich im Laufe der Handlung dazu. Erschwerend kommt hinzu, dass Julianne Moore, die ich sehr gerne sehe, konstant an der Grenze zum Overacting operiert.
Ich möchte den Streifen aber jetzt nicht schlechter reden als er ist. Es gibt durchaus witzige Szenen und gute Dialoge. Der Film ist im Grossen und Ganzen recht unterhaltsam und als gemütlicher Sonntagsnachmittags-Zeitvertreib durchaus zu gebrauchen. Es fehlt einfach etwas an Tiefe und Raffinesse, um daraus einen wirklich guten Film zu machen, der sich von der Masse abheben würde…

Fazit: Nette Unterhaltung für zwischendurch – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

American Hustle

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: American Hustle

Regie: David O. Russell
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Eric Waren Singer & David O. Russel
USA / 2013

Hauptdarsteller: Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jennifer Lawrence...u.a.


HANDLUNG

Gemeinsam mit seiner Geliebten Sydney Prosser (Amy Adams) betreibt Irving Rosenfeld (Christian Bale) eine Waschsalonkette. Diese dient den beiden Trickbetrügern jedoch nur als Tarnung. Hinter den Kulissen werden krumme Geschäfte abgewickelt, wie der Handel mit gefälschter Kunst oder Kreditbetrug. Bei letzterem werden die beiden vom FBI-Agent Richie DiMaso überführt und danach gezwungen, bei einer verdeckten FBI-Operation als Lockvögel mitzumachen. Was als harmlose Überführung anderer Trickbetrüger beginnt, führt bald in einen Sumpf von Korruption und Bestechung, wobei ranghohe Politiker ebenso darin verstrickt sind, wie auch diverse Mafia-Organisationen der Ostküste.
DiMasos grössenwahnsinnige Pläne werden immer gefährlicher und die Lage zunehmend undurchschaubar. Höchste Zeit also für Sydney und Irving, sich aus der Sache auszuklinken. Das ist aber alles andere als einfach und erfordert einen gutdurchdachten Plan...

REZENSION

Ein wirklich geniales Stück Schauspielkunst wird uns in dem rasant inszenierten und abwechslungsreich verfilmten Streifen von David Russell geboten. Wobei der Humor sehr skurril und die Handlung äusserst komplex ist.
Obwohl alle Rollen hervorragend besetzt sind, hat mir Jennifer Lawrence als frustrierte und sitzengelassene Ehefrau am besten gefallen.
Während ich von Minute zu Minute begeisterter dem wilden Treiben folgte und schliesslich beim Auftauchen von Robert De Niro (wer sonst) als Mafia-Boss endgültig sicher war, es mit einem filmischen Meisterwerk zu tun zu haben, wurde ich dann in den letzten Minuten etwas auf den harten Boden der Wirklichkeit zurückgeholt.
Während man der Entwicklung der Geschichte und auch dem Hauptteil sehr viel Zeit einräumte, wurde das Ende leider viel zu überhastet erzählt. Das raubt der Geschichte die Glaubwürdigkeit und macht aus einem Meisterwerk eben „nur“ noch einen sehr guten Film.
Diese fehlende Luft gegen Schluss führt dazu, dass ich jetzt nicht wie beabsichtigt sagen kann: Der Streifen spielt auf Augenhöhe mit Filmen wie „The Big Lebwoski“ oder „Jackie Brown“, sondern lediglich attestiere, dass er diese grösstenteils erfolgreich nachzuahmen versucht.

Der Jane Austen Club

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✮✮✮✮✮

The Jane Austen Book Club

Regie: Robin Swicord
Drehbuch: Robin Swicord & Karen Joy Fowler
Musik: Aaron Zigman

USA / 2007

Hauptdarsteller: Kathy Baker, Maria Bello, Amy Brenneman, Emily Blunt… u.a.


HANDLUNG

Bernadette gründet einen Jane Austen Buchclub, um damit ihre Freundin Silvia etwas abzulenken, die gerade von ihrem Mann nach zwanzig Ehejahren verlassen wurde.
Schnell finden sich 5 Frauen, die sich regelmässig treffen, um über die sechs Romane Jane Austens zu diskutieren. Als Jocelyn ihre Zufallsbekanntschaft Grigg, als einzigen Mann, in den Club mitbringt, entwickelt sich eine ganz neue Dynamik in der Runde, und nicht alle haben die selben Beweggründe, um an den Treffen teilzunehmen…

REZENSION

Das war nun mal wieder ein richtig herzerwärmender, kluger und pointierter Film. Ich habe mich keine einzige Sekunde gelangweilt. Die spannenden Dialoge und intelligent eingefädelten Handlungsstränge haben mich von Beginn an gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Spiel mit der Literatur von Jane Austen und die Vermischung mit der realen Geschichte, in der sich gewissermassen genau die Themen aus den Austen-Romanen widerspiegeln, ist hervorragend gelöst und schauspielerisch grandios umgesetzt. Wobei mich vor allem Emily Blunt einmal mehr sehr beeindruckt hat. Es ist tatsächlich nicht zwingend, dass man die Romane von Austen kennt, um der Handlung folgen zu können. Unbestritten ist hingegen, dass man die eine oder andere unkommentierte Anspielung nicht versteht, wenn man die Romane nicht kennt... Alles in allem ein hervorragender Streifen für einen gemütlichen Filmabend zu zweit.
Wer auf Dialogfilme steht und Filme wie zum Beispiel "Another Year" oder "Up In The Air" mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten gefühlt und werde diesen Streifen sicher nicht zum letzen Mal gesehen haben.

Terminal

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Terminal

Regie: Steven Spielberg
Musik: John Williams
Drehbuch: Sacha Gervasi, Jeff Nathanson
USA / 2004

Hauptdarsteller: Tom Hanks, Catherine Zeta-Jones, Stanley Tucci

HANDLUNG

Victor Navorski landet in New York, JFK. Da während seiner Anreise in seinem Heimatland ein Bürgerkrieg ausgebrochen ist, wird sein Pass von der Flughafenbehörde eingezogen. Er darf weder einreisen, noch kann er wieder zurück in sein Heimatland. Victor richtet sich in der Folge im Flughafenterminal häuslich ein, schliesst Freundschaften mit Angestellten und verliebt sich sogar in eine attraktive Flugbegleiterin.
Dem angehenden Leiter des Flugsicherheitsdienstes Frank Dixon ist Victors Anwesenheit auf „seinem“ Flughafen aber ein Dorn im Auge, und er versucht den lästigen Staatenlosen los zu werden. Derweil kämpft Victor unermüdlich ums tägliche Überleben und versucht verbissen, den eigentlichen Grund seiner Reise doch noch erfüllen zu können und den letzten Wunsch seines verstorbenen Vaters umzusetzen…

REZENSION

Zugegeben, Steven Spielberg hat schon bessere Filme gemacht. Dennoch haben wir es hier mit einem sehr unterhaltsamen und, trotz aller Tragik, auch sehr humorvollen Verfilmung zu tun.
Die Grundgeschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, die von Spielberg aber von Paris nach New York verlegt und sehr frei umgesetzt wurde.
Tom Hanks spielt, wie meistens, grossartig und gibt den etwas linkischen, aber sympathischen, Victor Navorski. Catherine Zeta-Jones' Rolle der Flugbegleiterin dagegen wirkt auf mich etwas überspielt. Überhaupt ist der typische Spielbergsche Pathos auf Schritt und Tritt zu beobachten, was manchmal etwas irritierend wirkt.
Die Spannung bleibt aber bis zum Schluss bestehen. Zum Glück verschont uns Spielberg vor einem übermässig kitschigen Happy-End.
Alles in allem ein vergnüglicher, gut unterhaltender Streifen, der sich an so fundamentale Themen wie Fremdsein oder Heimat heran wagt.

Für Fans von Tom Hanks oder Steven Spielberg sicher ein Pflichtfilm, aber auch für alle anderen ist solide Unterhaltung garantiert.

Portugal Mon Amour

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: La cage dorée

Regie: Ruben Alves
Musik: Rodrigo Leao
Drehbuch: Ruben Alves u.a.
Frankreich, Portugal / 2013

Hauptdarsteller: Rita Blanco, Joaquim de Almeida, Barbara Cabrita... u.a.


HANDLUNG

Die Familie Ribeiro lebt und arbeitet in Paris, Mutter Maria als Concierge in einem herrschaftlichen Haus, der Vater José ist angesehener Vorarbeiter in einer Baufirma.
Sie haben sich zusammen mit ihren fast erwachsenen Kindern ein beschauliches, wenn auch einfaches Leben eingerichtet.
Ihre alte Heimat Portugal spielt höchstens noch in versteckten Träumen eine Rolle.
Eines Tages erhalten sie die Todesanzeige von Josés Bruder. Dieser hinterlässt seinem Bruder ein grosses Haus samt Weingut in Portugal. Das Erbe kann aber nur angetreten werden, wenn die Ribeiros nach Hause zurückkehren und dort leben.
Vater und Mutter Ribeiro geraten in einen Konflikt. Zum einen fühlen sie sich ihren Arbeitgebern gegenüber verpflichtet und zum anderen ist ihr Sohn alles andere als begeistert davon, in ein, für ihn fremdes Land, auszuwandern...

REZENSION

Wir haben es hier wieder einmal mit einem jener typischen Vertreter des französischen Unterhaltungskinos zu tun, bei denen man sich immer wieder fragt, wie sie es schaffen, ein an sich heikles Thema auf so lockere und charmante Art zu verarbeiten.
Dabei wird keineswegs nur an der Oberfläche gekratzt. Der Zwiespalt der Eltern wird sehr schön herausgearbeitet, und auch das Verhalten der Kinder ist glaubhaft eingefangen. Man merkt, dass der Regisseur Ruben Alves hier wohl einiges an autobiografischem Material in diesen Film einfliessen liess...
Auch schauspielerisch können alle Protagonisten überzeugen, und der Soundtrack ist einfach grossartig.
Ein Streifen, der sich nicht hinter Werken wie „Willkommen bei den Sch'tis“ oder „Nur für Personal“ zu verstecken braucht.
Der Schluss mag vielleicht allzu euphorisch ausgefallen sein, gehört aber in dieser Form einfach zu dieser Art von Filmen dazu.

Fazit: Wer etwas fürs französische Wohlfühlkino übrig hat, ist hier goldrichtig. Einer der besten Vertreter dieses Genres, den ich in der letzten Zeit gesehen habe.

The Ramen Girl

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Ramen Girl

Regie: Robert Allan Ackerman
Musik: Carlo Siliotto
Drehbuch: Becca Topol
USA / Japan / 2008

Hauptdarsteller: Brittany Murphy, Daniel Evans, Judai Ikeshita, Kimiko Yo... u.a.


HANDLUNG

Die junge Amerikanerin Abby (Brittany Murphy) reist nach Tokio, wo ihr Freund arbeitet. Dieser ist allerdings alles andere als begeistert von Abbys Erscheinen, und bald schon lässt er sie alleine zurück und verdrückt sich nach Osaka.
Die alleingelassene Abby fühlt sich verloren und einsam in der riesigen, fremden Metropole.
In der Nähe ihres Wohnhauses gibt es eine Ramen-Küche. Abby fühlt sich magisch angezogen von diesem Ort, und eines Tages reift der Wunsch in ihr, eine Ramen-Köchin zu werden.
Doch der Weg dahin ist hart und steinig. Ihr „Sensei“ ist alles andere als begeistert davon, dieser seltsamen Amerikanerin sein Handwerk beizubringen, und Abby spricht und versteht kein Wort japanisch...

REZENSION


Zugegeben, man hat die Pathosgrenze etwas stark ausgedehnt, aber davon mal abgesehen, ist ein sehr unterhaltsamer und interessanter Film entstanden.
Die Geschichte ist etwas skurril inszeniert, was aber ausgezeichnet zu Japan passt. Die japanisch gesprochenen Sequenzen wurden bewusst nicht synchronisiert, was den Zuschauer ebenso verständnislos bleiben lässt wie Abby. Ein guter Schachzug, der Abbys Fremdheit und Isolation sehr eindrücklich auf den Zuschauer überträgt. Zudem erhält man einen interessanten, wenn auch oberflächlichen, Einblick in die Kunst der Ramen-Herstellung.
Die schauspielerische Leistung aller Beteiligten ist sehr gut, wobei mir vor allem der japanische Prüfungsexperte am Schluss am besten gefallen hat.
Wer sich für japanische Esskultur interessiert, oder aber einfach eine unterhaltsame Tragikkomödie sehen möchte, ist hier goldrichtig.

Angel-A

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Angel-A

Regie: Luc Besson
Musik: Anja Garbarek
Drehbuch: Luc Besson
Frankreich / 2005

Hauptdarsteller: Jamel Debbouze, Rie Rasmussen, Gilbert Melki… u.a..


HANDLUNG

Der verschuldete und frustrierte Kleinganove André steht in Paris auf einer Seine-Brücke und will sich das Leben nehmen. Da taucht plötzlich neben ihm eine äusserst attraktive Frau auf, die sich angeblich ebenfalls umbringen will und vor seinen Augen in die Fluten stürzt. André springt hinterher, um sie zu retten, was ihm gelingt.
Das ungleiche Paar macht sich zusammen auf den Weg durch Paris und wie sich herausstellt, erweist sich Angela als sehr nützlich für den etwas linkischen André.
Während er die rätselhafte Angela anfänglich für eine Prostituierte hält, kommen ihm nach und nach Zweifel, die schliesslich in einer unglaublichen Entdeckung gipfeln…

REZENSION

An diesem Film scheiden sich ja die Geister. Die einen halten ihn für einen verworrenen, sinnentleerten Kitschstreifen, die anderen dagegen für ein ästhetisch tiefsinniges Meisterwerk - Die Wahrheit liegt, wie so oft wohl, irgendwo in der Mitte... Es wird sehr viel mit Ästhetik gearbeitet. Die Wahl, den Film in schwarz/weiss zu drehen, oder die zum Teil fotografischen Bildsequenzen von Paris, mögen da als Beispiel herhalten. Das ist schon schön und eindrücklich gemacht. Allerdings gibt es in der Story einige Schwachpunkte und Ungereimtheiten. Auch mit dem Ende war ich alles andere als glücklich. Dennoch hat der Film etwas, das einen packt und emotional kaum mehr loslässt. So oder so, auf jeden Fall ein Film, der in Erinnerung bleibt und einen bewegt - und genau das sollten gute Filme tun...

Ein sehenswerter Streifen für Freunde des ästhetischen, französischen Kinos, die sich nicht von leicht schwächelnden Storyverläufen abschrecken lassen.

Das Schwein von Gaza

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Le cochon de Gaza

Regie: Sylvain Estibal
Musik: Aqualactica
Drehbuch: Sylvain Estibal
Frankreich, Belgien, Deutschland / 2011

Hauptdarsteller: Sasson Gabai, Baya Belal, Gassan Abbas… u.a.


HANDLUNG

Der palästinensische Fischer Jafaar (Sasson Gabai) ist wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Der oberste Stock seines Hauses wird von der Israelischen Armee als Beobachtungsposten beschlagnahmt, Fische fängt er auch kaum noch, und als Folge davon muss er Schulden machen. Die Krönung kommt dann in jener stürmischen Nacht, wo er anstatt Fische ein lebendiges Schwein in seinem Fischernetz findet.
Schweine gelten als unrein und deren Haltung ist deshalb verboten. Verzweifelt versucht er es los zu werden. Womit eine groteske und zugleich tragisch-komische Geschichte ihren Lauf nimmt…

REZENSION

Eine Groteske? Eine Fabel? Eine Parabel? Wohl von allem ein wenig. Gewürzt wird das Ganze noch mit einem guten Schuss klamaukhafter Tragik.
Entstanden ist ein unvergleichliches Filmvergnügen, das man aber stets mit dem Bauch betrachten sollte und weniger mit dem Kopf, denn mit Logik und Vernunft wird man diese kleine Filmperle wohl nicht geniessen können. Die tatsächlichen politischen und sozialen Probleme im Gaza-Streifen sind derart grotesk, dass man sie in einem "normalen" Film wohl auch gar nicht darstellen könnte. Das Ganze ist derart gut umgesetzt und gespielt, dass man auch grosszügig den etwas holprigen Schluss verzeihen mag...

Die Karte meiner Träume

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Young and Prodigious T.S. Spivet

Regie: Jean-Pierre Jeunet
Musik: Denis Sanacore
Drehbuch: Reif Larsen

Frankreich / Kanada / 2013

Hauptdarsteller: Kyle Catlett, Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum keith Rennie... u.a.


HANDLUNG

Der 10-jährige T.S. Spivet hat es nicht leicht. Er lebt mit seiner Familie auf einer Farm abgelegen in Montana.
Er ist hochbegabt, beschäftigt sich mit naturwissenschaftlichen Projekten und irritiert mit seinem Wissen und Können seine Umgebung ziemlich. Sein Vater kann mit den Fähigkeiten und Interessen seines Sohnes nichts anfangen, und dann ist da auch noch ein tragisches Ereignis, das auf der ganzen Familie lastet.
Als T.S. für eine seiner Erfindungen eine Auszeichnung erhält und vom berühmten Smithsonian Institut eingeladen wird, hat er ein Problem: Die wissen nämlich nicht, dass er erst zehn ist.
Er macht sich bei Nacht und Nebel auf nach Washington D.C..

REZENSION


Ich mag Jean-Pierre Jeunets Filme in der Regel sehr, sie zeichnen sich durch eine sprühende Fantasie, Humor und gute, etwas skurrile Geschichten aus.
Der hier vorliegende Streifen macht diesbezüglich keine Ausnahme. Es ist eigentlich alles dabei, was man von einem unterhaltsamen Filmabend erwartet. Dazu kommen noch fotografisch wunderschöne Aufnahmen, denen man zuweilen allerdings etwas anmerkt, dass sie fürs 3D-Kino inszeniert wurden.
Inhaltlich ist es schwer, den Film in eine Schublade zu stecken. Es ist sicher keine Komödie, aber ebenso auch kein reines Drama. Vielleicht könnte man es als eine Tragikkomödie mit Abenteuerelementen umschreiben.
Die Story ist zuweilen etwas kitschig, übertreibt es aber zum Glück nicht, so dass schlussendlich eine ausgewogene und interessante Geschichte erzählt wird.
Wer die Art von Jeunets Filmen mag, wird sicher auch an diesem Werk gefallen finden

Blue Jasmine

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Blue Jasmine

Regie: Woody Allen
Musik: Christopher Lennertz
Drehbuch: Woody Allen
USA / 2013

Hauptdarsteller: Cate Blanchett, Alec Baldwin, Sally Hawkins… u.a.


HANDLUNG

Die ehemalige High-Society-Lady Jasmine Francis (Cate Blanchett) ist ganz unten angekommen, mittellos, ohne Job und ohne Dach über dem Kopf. Was ist geschehen?
Sie reist zu ihrer in ärmlichen Verhältnissen lebenden Schwester um wieder auf die Beine zu kommen. In Rückblenden wird das Drama Schritt für Schritt offenbart. Jasmines Ehemann war in dubiose Geschäfte verwickelt. Nachdem er Jasmine betrogen hatte, rächte sich diese, indem sie ihn bei der Polizei anzeigte. Nach der Verhaftung brachte er sich in seiner Zelle um.
Jasmines Versuch, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und gleichzeitig mit der Schuld fertig zu werden, bringen sie in arge Nöte. Dann taucht Dwight Westlake (Peter Sarsgaard) auf, und sie will diesmal alles besser machen…

REZENSION

Blue Jasmine mag nicht der beste Woody-Allen-Film sein, gehört aber ohne Frage zu den stärksten Produktionen der letzten zehn Jahre. Die Inszenierung ist hervorragend und das Timing einfach nur gut. Dazu kommt ein durchaus interessant umgesetztes Psychogramm der Hauptfigur, das gekonnt bis zum schlimmstmöglichen Ende abgehandelt wird. Zusammen mit der, zu Recht mit einem Oscar bedachten, schauspielerischen Umsetzung und der kongenialen Filmmusik, haben wir eine gute Tragikkomödie mit Tiefgang und Wortwitz, wie man es von Woody Allen seit Jahren gewohnt ist. Es ist schon beachtlich, wie er es immer wieder schafft, sich neue Geschichten auszudenken und diese dann auch noch so ansprechend umzusetzen.

Man sollte sich vielleicht nicht mit der Erwartungshaltung, eine Komödie zu sehen, vor den Film setzen, denn um eine solche handelt es sich nun definitiv nicht. Die tragischen Elemente überwiegen in diesem Woody-Allen-Film bei weitem. Alles in allem ist es aber ein sehr unterhaltsamer und sehenswerter Streifen, den ich sicher nicht zum letzten Mal gesehen habe!

Angels' Share - Ein Schluck für die Engel

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Angels' Share

Regie: Ken Loach
Musik: George Fenton
Produktionsland: GB / F / B / I

Jahr: 2012

Hauptdarsteller: Paul Brannigan, John Henshaw, Gary Maitland...


Trotz einiger Drehbuchbedingter Mängel habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt bei diesem Streifen. Die Balance zwischen Humor und Drama ist gelungen und geben der Geschichte eine realistische Tiefe.
Auch die Idee der Verknüpfung von Underdogs und Upper Class fand ich gelungen und macht nicht zu Letzt den Reiz dieser Verfilmung aus.
Der Schluss mag etwas zu weit hergeholt sein, führt aber letztlich zu einem Happy-End, wie man ihn sich für eine solche Story wünscht...

Wer „Trainspotting „ mag oder etwas für britische Tragikkomödien übrig hat, wird diesen Film sicher mögen.

Frances Ha

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Frances Ha

Regie: Noah Baumbach
Musik: George Drakoulias

USA / 2012

Darsteller: Greta Gerwig, Mickey Sumner, Adam Driver,



Frances Ha ist eine sehr ruhig, aber auch mitreissend erzählte Tragikkomödie, die mich von Anfang an in ihren Bann gezogen hat. Die etwas ziellos und leicht chaotisch wirkende Frances und ihre Freundin Sophie leben in einer beinah symbiotischen Beziehung. Beide auf der Suche nach ihrem Glück oder wenigstens dem Weg dorthin.
Die Geschichte ist komisch, zuweilen aber auch tief traurig, und die orientierungslose Frances wächst einem von Minute zu Minute mehr ans Herz.
Frances Ha ist wieder mal einer jener kleinen Low Budget Independent-Filme, die den grossen Brüdern in Hollywood so richtig zeigen, wo der Hammer hängt. Es braucht eben keine bombastischen Kulissen und Millionen schwere Special Effects, um grosses Kino zu machen.
Die Entscheidung, den Film in schwarz/weiss zu drehen, reduziert die Geschichte zusätzlich noch aufs Wesentliche und sorgt für die sehr eindrückliche Grundstimmung.
Ein wenig hat es mich an die Frühwerke von Woody Allen erinnert.

Erbsen auf halb 6

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✮✮✮✮✮✮

Regie: Lars Büchel
Musik: Max Berghaus
Produktionsland: Deutschland
Jahr: 2004

Hauptdarsteller: Fritzi Haberlandt, Hilmir Snaer Gudnason


Irgendwie hat dieser Film sehr irritierend auf mich gewirkt. War ich zu Anfang noch voll in der Geschichte drin, konnte ich mich mit fortlaufender Spieldauer des Eindrucks nicht erwehren, dass hier Kunst der Kunst willen gemacht wird.
Wunderschöne Bilder werden so oft gezeigt, bis sie plump wirken. Dazu der eher befremdlich wirkende Humor, bei dem mir das Lachen meist schon im Hals stecken blieb.
Dabei wäre aus dieser Geschichte wirklich ein toller Film entstanden, hätte man nicht konstant versucht, zu viel hinein zu packen.
Auf jeden Fall kein Streifen, den man sich mit dem Kopf ansehen sollte, dafür geht einfach zu viel nicht auf.
Am Schluss bleibt die Erkenntnis, einen in Ansätzen zwar recht ambitionierten und gut gemeinten Film gesehen zu haben, bei dem man aber vor allem regietechnisch einfach zu viel wollte und am Ende daran gescheitert ist.