Christmas Candle - Das Licht der Weihnachtsnacht

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Originaltitel: The Christmas Candle

Regie: John Stephenson
Musik: Tim Atack
Drehbuch: Candace Lee / Eric Newman / Max Lucado
Produktion: © Pinewood Studios
Kamera: Mike Brewster
Schnitt: Emma E. Hickox

USA & GB / 2013

Hauptdarsteller: Hans Matheson, Samantha Barks, Lesley Manville

HANDLUNG

Die Legende besagt, dass alle 25 Jahre ein Engel die Werkstatt des Kerzenmachers von Gladbury besucht. Dabei berührt er jeweils eine einzige Kerze. Diese Kerze wird darauf, so will es die Tradition, vom Kerzenmacher zu einem der bedürftigsten Bewohner des Dorfes gebracht. Denn wer sie entzündet, kann sich etwas wünschen, worauf dieser Wunsch auf wundersame Weise in Erfüllung geht. Als der junge Pfarrer David Richmond sein Amt in Gladbury antritt, ist er überhaupt nicht begeistert von diesem, wie er findet, gottlosen Brauch. Der Fortschritt hält Einzug im beschaulichem Gladbury und droht das traditionelle Weihnachtsfest zu verdrängen…

REZENSION

Ich habe mir lange überlegt, was mich an diesem Weihnachtsfilm gestört hat, denn bei mir kam, während ich mir diesen Film ansah, keinerlei weihnachtliche Stimmung auf.

Der Film ist in vielerlei Hinsicht perfekt. Selten habe ich so perfekte Szeneneinstellungen gesehen. Nicht wenige Bilder wirken wie Gemälde von Constable oder anderen Künstlern. Die Kostüme lassen viel Liebe zum Detail erkennen, ebenso das Film-Dorf Gladbury oder die Gestaltung der Räume für die Innenaufnahmen.
Die schauspielerische Leistung gibt ebenfalls keinen Grund zur Kritik, alles gut gespielt und glaubhaft vorgetragen.

Während ich also noch so darüber nachgrübelte, was mit mir wohl nicht stimme, wurde ich langsam gewahr, was das Problem war: Es ist alles zu perfekt! – das fällt deshalb auf, weil die Story, mit fortschreitender Handlung, immer unbefriedigender wird und letztlich diametral zur perfekten Kulisse steht. Der Streifen funktioniert einfach nicht als Weihnachtsfilm, dafür ist die Geschichte zu widersprüchlich und selbst als einfacher Märchenfilm bräuchte er zwingend eine innere Logik, um ernst genommen zu werden.

Schlussendlich kann man sich über die schönen Kameraeinstellungen freuen oder die liebevoll gestalteten Kostüme – denn dummerweise verfügt der Streifen genau über die zwei Tugenden nicht, die unerlässlich für einen guten Weihnachtsfilm sind: Er verbreitet keine Weihnachtsstimmung und weckt, zumindest bei mir, null Emotionen…

Fazit: Wenn Ihnen eine stringente Handlung in einem Film wichtig ist, sollten Sie von diesem Werk Abstand nehmen. In Weihnachtsstimmung hat er mich leider nicht versetzt.

The Lady In The Van

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Originaltitel: The Lady in the Van

Regie: Nicholas Hytner
Musik: George Fenton
Drehbuch: Alan Bennett
Produktion: © BBC Films / TriStar Productions
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Tariq Anwar

Vereinigtes Königreich / 2015

Hauptdarsteller: Maggie Smith / Alex Jennings / Deborah Findlay / Jim Broadbent…u.a.

HANDLUNG

Wie aus dem Nichts steht eines schönen Tages ein alter, heruntergekommener Van in einer Strasse des noblen Londoner Stadtteiles Camden Town.
Wie sich herausstellt, ist das abgetakelte Gefährt der Wohnsitz einer obdachlosen alten Frau. Mary Shephard und ihr alter Van gehören bald zum gewohnten Strassenbild - sehr zum Unwillen einiger Anwohner, die sich durch die exzentrische alte Dame gestört fühlen.
Als die Stadt Miss Shepard verbietet, ihr Gefährt weiterhin auf der öffentlichen Strasse abzustellen, gestattet ihr der Theaterautor und Anwohner Alan Bennett, es in seiner Hauseinfahrt zu parkieren.
Aus einer kurzen Notlösung werden 15 Jahre, während denen sich eine sehr aussergewöhnliche Beziehung zwischen der alten Dame, Alan Bennett und den restlichen Anwohnern entwickelt. Nur langsam erfährt Bennett Details aus Miss Shephards Leben und wird gewahr, welch ein bemerkenswertes Schicksal da draussen in seiner Einfahrt parkt…

REZENSION

„The Lady in the Van“ basiert auf einer wahren Geschichte und entstand auf der Grundlage einer Erzählung des Schriftstellers Alan Bennett. Nachdem Maggie Smith die Hauptfigur schon auf der Theaterbühne in London mit grossem Erfolg verkörperte, war klar, dass sie auch für den Film die Idealbesetzung sein würde. Und in der Tat ist es dann auch der grossartigen Spielweise von Maggie Smith zu verdanken, dass die Verfilmung nicht gescheitert ist.

Die Storyline ist sehr übersichtlich, um nicht zu sagen kurz gehalten. Es wurde darauf verzichtet, die Vergangenheit der Hauptfigur filmisch aufzuarbeiten, was leider zum oben beschriebenen Effekt führt. Dazu kommt, dass alle Akteure, ausser Maggie Smith, zuweilen stark überspielen, so dass es mehr Komik in den Szenen gibt, als der Handlung gut tut. Das geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit und macht aus an sich anrührenden Szenen immer wieder eher peinliche Ereignisse, was sehr bedauerlich ist, da der Stoff mehr hergegeben hätte, als wir hier zu sehen bekommen.

Gerettet wird das Ganze aber, wie oben erwähnt, durch die unglaublich gute Darstellung der Hauptfigur durch Maggie Smith, der man den Spass, den Sie bei der Verkörperung dieser exzentrischen Dame gehabt haben muss, deutlich anmerkt. Allerdings hat diese kongeniale Verkörperung den Nachteil, dass die holzschnittartige Spielweise der übrigen Schauspieler umso deutlicher auffällt…

Ein Film, den man sich auf jeden Fall ansehen kann - und der gut unterhält, gleichzeitig aber auch ein leichtes Gefühl des Bedauerns hinterlässt, ab all der vertanen Chancen…

Dallas Buyers Club

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Originaltitel: Dallas Buyers Club

Regie: Jean-Marc Vallée
Musik: Diverse
Drehbuch: Craig Borten / Melisa Wallack

Produktion: © Truth Entertainment / Voltage Pictures
Kamera: Yves Bélanger
Schnitt: Martin Pensa / Jean-Marc Vallée

USA / 2013

Hauptdarsteller: Matthew McConaughey / Jared Leto / Jenifer Garner / Michael O’Neill / Danis O’Hare / Steve Zahn…u.a.

HANDLUNG

Wir schreiben das Jahr 1985: Der texanische Rodeo-Cowboy Ron Woodroof führt ein ausschweifendes Leben, das geprägt ist durch Alkohol, Sex und Drogen. Als Ron nach einem Arbeitsunfall im Krankenhaus landet, wird ihm die Diagnose AIDS eröffnet. Der Arzt gibt ihm noch 30 Tage. Für Ron bricht eine Welt zusammen…
Nachdem Ron sich einigermassen gefangen hat, versucht er Medikamente zu finden, mit deren Hilfe er sein Leben verlängern könnte. Schliesslich wird er in Mexico fündig. Nachdem Ron die Erfahrung macht, wie gut die Präparate helfen, versucht er die Mittel, die in den USA nicht zugelassen sind, über die Grenze zu schmuggeln. Da er die Medikamente offiziell nicht verkaufen darf, gründet er einen Club, in den alle AIDS-Kranke eintreten können und eine Mitgliedschaft bezahlen müssen - die Medikamente erhalten sie dann „kostenlos“. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Behörden auf die Aktion aufmerksam werden und Gegenmassnahmen ergreifen - ein Kampf um Leben und Tod beginnt…

REZENSIION

Der Film basiert auf der Lebensgeschichte von Ron Woodroof, der Mitte der 80er-Jahre in Texas den Dallas Buyers Club gründete.
„Dallas Buyers Club“ wurde 2014 unter anderem mit drei Oscars ausgezeichnet. Ohne Frage ist die schauspielerische Leistung von Matthew McConaughey beeindruckend. Er nahm für diese Rolle 21 Kilo ab, um als AIDS-Kranker glaubhaft zu wirken. Mehr noch als mit seiner Erscheinung, überzeugt er mit seiner Spielweise. Ebenso überzeugen kann Jared Leto in der Rolle als Transfrau Rayon.
Die Geschichte wirkt vor allem in der ersten Hälfte glaubhaft, und die langsame Erzählform trägt nicht unwesentlich zum eindrücklichen Filmerlebnis bei. Leider kann der Film dieses hohe Niveau in der zweiten Hälfte nicht immer beibehalten. Es gibt einige Längen und melodramatische Ausrutscher, die den Gesamteindruck jedoch nur unmerklich beeinträchtigen.

Wieder einmal hat es eine Independend-Produktion geschafft, mit kleinem Budget und grossem Herz, Hollywoods Grossproduktionen in den Schatten zu stellen.
Wer auf gut gemachte Dramas steht, wird den „Dallas Buyers Club“ mögen!

Fazit: Ein gutes Independend-Drama mit hervorragender schauspielerischer Umsetzung.

J. Edgar

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: J. Edgar

Regie: Clint Eastwood
Musik: Clint Eastwood
Drehbuch: Dustin Lance Black

Produktion: © Imagine Entertainment / Malpaso Productions / Wintergreen Productions
Kamera: Tom Stern
Schnitt: Joel Cox / Gary D. Roach

Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Judi Dench…u.a.

HANDLUNG

Die Filmbiografie beginnt 1919 und zeigt den Aufstieg von J. Edgar Hoover. Während er zu Beginn als einfacher Angestellter im Justizministerium seinen Aufgaben nachkommt, wird schnell klar, dass er zu Höherem berufen ist.
Hoover entwickelt die Spurensuche an Tatorten weiter und wird dank seiner Beharrlichkeit zum Direktor des neu gegründeten Federal Bureau of Investigation FBI ernannt.
Sein Leben wird bestimmt durch seine obsessiv betriebene Arbeit, seine streng religiöse Mutter und seine geheime homosexuelle Beziehung mit seinem Untergebenen Clyde Tolson.
Mit wachsender Macht beginnt Hoover sein Wissen zu missbrauchen, um damit seine Karriere weiterzuführen. Er schreckt auch nicht davor zurück, selbst den amerikanischen Präsidenten unter Druck zu setzen, um seine Ziele zu erreichen.

REZENSION

Die Biopic über den übermächtigen FBI-Gründer J. Edgar Hoover wird mit unzähligen Rückblenden und Zeitsprüngen in Szene gesetzt. Der Grund für diese Erzählweise liegt auf der Hand, handelt es sich bei diesem Streifen doch um ein sehr ruhiges und bedächtig inszeniertes Filmdrama, welches durch diese Zeitsprünge etwas an Dynamik gewinnt. Zuweilen können diese häufigen Wechsel der Handlungszeit den Zuschauer aber auch etwas verwirren.

Hoovers Leben bietet wahrlich genug Stoff, um einen spannenden Film damit füllen zu können. Warum dies hier nicht ganz gelungen ist, dürfte an der unglücklichen Konstellation zwischen Regisseur, Clint Eastwood, und Drehbuchverfasser Dustin Lance Black liegen. Während Black Hoover gegenüber kritisch eingestellt ist, wird schnell deutlich, dass Eastwood eher aus der Position des Hoover-Bewunderers agiert.
Das führt zu der unglücklichen Mischung aus Kritik und Heldenepos, wobei meiner Meinung nach Hoovers positive Eigenschaften deutlich zu stark gewichtet wurden.

Alles in allem haben wir es aber mit einem durchaus sehenswerten Streifen zu tun, der vor allem durch die sehr gute schauspielerische Umsetzung bestechen kann. Leider wird diese Leistung durch die schlechte Maske, vor allem bei Armie Hammer, der Hoovers Freund Clyde verkörpert, etwas sabotiert.

So bleibt als Fazit festzuhalten, dass mit J. Edgar ein respektables Filmdrama entstanden ist, das der historischen Figur nur bedingt gerecht werden kann…

Fazit: Eine durchaus interessante Biopic, die etwas unter der persönlich gefärbten Optik des Regisseurs leidet. Kann ich nur unter Vorbehalten weiterempfehlen…

The Founder

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Founder

Regie: John Lee Hancock
Musik: Carter Burwell
Drehbuch: Robert D. Siegel

Produktion: © FiilmNation Entertainment / The Weinstein Company
Kamera: John Schwartzman
Schnitt: Robert Frazen

USA / 2016

Hauptdarsteller: Michael Keaton / Nick Offerman / John Carroll Lynch / Linda Cardellini / Patrick Wilson / Laura Dern…u.a.


HANDLUNG

Wir befinden uns in den 1950er-Jahren - Ray Kroc ist als Vertreter für Milchshakemaschinen unterwegs. In seinem Leben läuft es nicht gerade rund; er ist schon über fünfzig, seine Frau Ethel und er haben sich nicht mehr viel zu sagen, und seine Geschäfte laufen alles andere als gut.
Eines Tages trifft Ray auf einen aussergewöhnlichen Burger-Laden im kalifornischen San Bernardino. Geführt wird das Geschäft von den zwei Brüdern Mac und Dick McDonald. Ray ist begeistert von der Effizienz und der durchdachten Arbeitstechnik, die in diesem Geschäft angewendet wird. Schnell ist ihm klar, dass die Brüder McDonald hier etwas Wegweisendes geschaffen haben. Ray will ein Teil davon werden und versucht die Brüder davon zu überzeugen, ihre Gaststätten-Idee zu lizenzieren und von anderen Leuten im ganzen Land im Franchiseverfahren betreiben zu lassen. Nach anfänglichem Zögern stimmen Mac und Dick zu.
Ray Kroc gelingt es, durch seine gute Menschenkenntnis und seine Erfahrung, innert kürzester Zeit ein riesiges Imperium zu erschaffen – doch es gibt nicht nur Sieger auf dem Weg zum Erfolg…

REZENSION

Gerade zu Beginn ist die Erzählweise sehr bedächtig und schafft dadurch ein gutes Gefühl für die Zeit und die Atmosphäre der 50er-Jahre. Das kommt auch den Figuren zugute, die sehr glaubhaft und realistisch rüberkommen. Mit fortschreitender Handlung verliert sich der rote Faden etwas, ohne dass dies dem Film selber schaden würde.
Michael Keaton spielt hervorragend und verleiht der, an sich nicht gerade sympathischen, Hauptfigur Glaubhaftigkeit – überhaupt ist der gesamte Cast sehr gut gewählt.
Es ist spannend zu sehen, wie ein Restaurant, das heute wohl jeder kennt, entstanden ist. Wenn ich auch die historischen Zusammenhänge zu wenig kenne, um beurteilen zu können, ob die Umsetzung authentisch geschehen ist oder nicht, war der Film jederzeit unterhaltsam und interessant inszeniert.

Alles in allem beste Unterhaltung, bei der man auch noch was lernen kann. So oder so ähnlich hat es sich wohl abgespielt - und falls nicht, ist es zumindest gut erfunden…

Fazit: Gut gemachter Unterhaltungsfilm, der sowohl mit einer interessanten Story, als auch überzeugender schauspielerischer Leistung punkten kann.

Ein Hologramm für den König

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Originaltitel: A Hologram For The King

Regie: Tom Tykwer
Musik: Johnny Klimek
Drehbuch: Tom Tykwer

Produktion: © Playtone
Kamera: Frank Griebe
Schnitt: Alexander Berner

USA / Deutschland / Mexico

Hauptdarsteller: Tom Hanks / Alexander Schwarz / Sarita Choudhury / Sidse Babett Knudsen / Ben Whishaw…u.a.

HANDLUNG

Der 54-jährige Verkaufsmanager Alan Clay erlebt gerade keine einfache Zeit. Privat steckt er in einer finanziellen Krise, und seine Ehe ist in die Brüche gegangen.
Es ist so etwas wie seine letzte Chance für Alan, als er von seiner Firma Reliant einen wichtigen IT-Auftrag erhält. Er soll ein holografisches Kommunikationssystem verkaufen - und das an niemand Geringeren als den König von Saudi-Arabien.
Letzterer plant den Bau einer riesigen Retortenstadt mitten in der Wüste. Genau da soll ihm Alan Clay die Software präsentieren. Diese Vorführung gestaltet sich aber alles andere als einfach. Clays Team arbeitet unter unmöglichen Umständen in einem Zelt, und wann der König erscheinen wird, steht in den Sternen.
Clay versucht seinen Frust im Alkohol zu ertränken, leidet unter einer Zyste am Rücken und gerät von allen Seiten unter Druck. Er fühlt sich in dieser fremde Welt fehl am Platz und unwohl. Einzig sein Fahrer Yousef bringt ihn von Zeit zu Zeit auf andere Gedanken.
Als Alan sich wegen seiner Zyste im Spital behandeln lassen muss, lernt er die Ärztin Zahra kennen. Sie kommen sich näher, und plötzlich eröffnen sich Alan völlig neue Perspektiven…

REZENSION

Das anspruchsvollste Film-Genre ist, meiner Meinung nach, die Komödie. Nichts ist so komplex, wie zu erreichen, dass etwas komisch oder humorvoll ist, ohne gleichzeitig albern oder deplatziert zu wirken.

Der deutsche Regisseur Tom Tykwer hat viele Fähigkeiten, besitzt aber leider weder ein Gespür fürs richtige Timing, noch für Situationskomik. So kommt es in diesem Streifen, der eigentlich eine sehr tragische Geschichte einer Midlife-Crisis beschreibt, immer wieder zu hochnotpeinlichen Szenen. Die „Gags“ sind leider nicht nur peinlich, sondern vor allem auch in ihrem Timing schlecht.

Die Story um Alan Clay ist äusserst skurril und dramatisch angelegt und hätte somit durchaus grosses Potential für Komik gehabt. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich dachte: Was hätten wohl Wes Anderson, Jim Jarmusch oder die Coen-Brüder aus diesem Stoff gemacht…

Tom Hanks bemüht sich redlich, und ihm ist es schlussendlich auch zu verdanken, dass der Streifen nicht völlig versumpft.
Richtig gut wird die Geschichte immer dann, wenn sie sich von der eigentlichen Haupthandlung entfernt. Wie zum Beispiel beim Besuch von Yousefs Familie und der nächtlichen Wolfsjagd.
Solche Szenen sind aber leider sehr rar, und so bleiben vom Film nur die sehr schönen Landschaftsbilder und die Erkenntnis, dass sich Tom Tykwer offensichtlich keine Sekunde mit der gesellschaftspolitischen Seite Saudi-Arabiens auseinander gesetzt hat.

Die sehr behäbige Geschichte bietet mir persönlich zu wenig Lichtblicke, als dass ich sie schlussendlich hätte geniessen können. Einfachste Unterhaltung mit schmalzig-kitschigem Schluss. Etwas mehr hätte den Zuschauern schon zugetraut werden dürfen…

Der Butler - Ein Mann. Ein Leben. Sieben Präsidenten

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Butler

Regie: Lee Daniels
Musik: Rodirigo Leão
Drehbuch: Danny Strong

Produktion: © Laura Ziskin Productions / Windy Hill Pictures u.a.
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Joe Klotz

USA / 2013

Hauptdarsteller: Forest Whitaker / Oprah Winfrey / David Oyelowo / Cuba Gooding Jr.

HANDLUNG

Der Film basiert auf der wahren Geschichte Eugene Allens, der von 1952 bis 1986 als Butler im Weissen Haus tätig war.
Im Film wurde der Name der Hauptfigur in Cecil Gaines abgeändert. Erzählt wird die Geschichte seiner schweren, von Armut geprägten Kindheit im Süden der USA, als Sohn eines Baumwollpflückers.
Gaines schafft es, als Butler Fuss zu fassen und landet schliesslich in Washington D. C., wo er eine Familie gründet und als Butler im Weissen Haus Beschäftigung findet.
Während Cecil Gaines vordergründig als angepasster Diener von sieben Präsidenten arbeitet, wendet sich sein Sohn Louis offen gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung und schliesst sich anfänglich der Bewegung um Martin Luther King an. Louis landet unzählige Male im Gefängnis, was schliesslich zum Bruch mit seinem Vater führt. Bis sie wieder zueinander finden, vergehen Jahre - Jahre, in denen die USA sich wandelt und die afroamerikanische Bevölkerung ihrem Recht auf Gleichstellung immer näher kommt…

REZENSION

Forest Whitaker, Oprah Winfrey und David Oyelowo können in diesem Film, in dem ein knappes Jahrhundert der amerikanischer Bürgerrechtsbewegung ausgebreitet wird, auf der ganzen Linie überzeugen. Anhand der eindrücklichen Vater-Sohn-Beziehung, wird gekonnt aufgezeigt, dass es nicht nur ein Konflikt zwischen Weiss und Schwarz war, sondern auch ein Generationenkonflikt innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft. Es gelingt dem Regisseur Lee Daniels ausgezeichnet, die daraus entstehenden Konflikte und innere Zerrissenheit darzustellen.
Die Dialoge waren für meinen Geschmack allzu einfach gestrickt und mit sehr vielen Klischees durchwirkt. Ab und an hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet. Allerdings ist es natürlich ein schwieriges Unterfangen, eine so grosse Zeitspanne (82 Jahre) in gut zwei Stunden historisch seriös abzuhandeln.
Schlussendlich wurde die hervorragende Vater-Sohn-Geschichte etwas durch die holzschnittartige Grundgeschichte geschmälert.

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Streifen, der nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Umsetzung und auch den zahlreichen Kurzauftritte vieler Weltstars (Robin Williams, Vanessa Redgrave, Jane Fonda, Mariah Carey etc…) sehenswert ist.

Fazit: Eine gefühlvolle und mitreissend inszenierte Vater-Sohn-Geschichte, die lediglich etwas unter der Menge der Ereignisse, die erzählt werden wollen, zu leiden hat.

Trumbo

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Trumbo

Regie: Jay Roach
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: John McNamara

Produktion: © Bleecker Street Films u.a.
Kamera: Jim Denault
Schnitt: Alan Baumgarten

USA / 2015

Hauptdarsteller: Bryan Cranston, Diane Lane, Helen Mirren, Michael Stuhlbarg, John Goodman…u.a.

HANDLUNG

In „Trumbo“ wird die wahre Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Dalton Trumbo erzählt, der in den 1940er Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei war und deshalb vom Ausschuss für unamerikanische Umtriebe vorgeladen wurde. Dalton Trumbo gehörte zu der, später als „Hollywood Ten“ bekannt gewordenen, Gruppe von Regisseuren und Drehbuchautoren, die sich weigerten, vor dem besagten Ausschuss auszusagen und aus diesem Grund 1948 zu Haftstrafen verurteilt wurden.
Trumbo landete wie viele andere auf der „schwarzen Liste“ und fand nach seiner Haftstrafe keine Arbeit mehr. Es gelang ihm, anonym als Drehbuchautor für den Filmproduzenten Frank King (King Brothers) zu schreiben.
Ein beinahe aussichtsloser Kampf gegen die Studiobosse und die US-Regierung begann. Während Trumbos Arbeit als Ghostwriter langsam aber sicher an die Öffentlichkeit drang, setzte Trumbo alles auf eine Karte, um seine Familie zu schützen und endlich wieder ein normales Leben zu führen…

REZENSION

Es gibt nicht viele Filme, die sich mit diesem finsteren US-Amerikanischen Kapitel beschäftigen. Mir persönlich ist nur noch der Streifen „Der Strohmann“ von Martin Ritt bekannt, der dieses Thema aufgriff – und das ist schon über dreissig Jahre her.
Hollywood tut sich aus nachvollziehbaren Gründen äusserst schwer, wenn es um die Aufarbeitung dieser heiklen Ereignisse geht, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch Trumbo nicht von einem grossen Hollywood-Studio produziert wurde.

Dem vorliegenden Film gelingt es sehr eindrücklich, die unmenschlichen Machenschaften der McCarthy-Ära aufzuzeigen. Wobei das nicht unbedingt dem Drehbuch geschuldet ist, sondern vor allem der grossartigen schauspielerischen Leistung – allen voran Bryan Cranstons, der Dalton Trumbo kongenial verkörpert.
Den einzigen Vorwurf, den man dem Drehbuch machen kann: Zuweilen wurden die Ecken und Kanten sehr stark geschliffen. Es stellt sich dadurch eine Harmonie ein, die einen etwas irritierenden Kontrast zur eigentlichen Handlung bildet. Zudem hat man der Versuchung nicht widerstehen können, historische Begebenheiten zugunsten dramaturgischer Effekte etwas zu verfälschen.

Alles in allem aber ein ausgezeichneter Film, der ein äusserst wichtiges und erzählenswertes Zeitalter amerikanischer Geschichte behandelt…

Das Mädchen im Park

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Originaltitel: The Girl in the Park

Regie: David Auburn
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: David Auburn

Produktion: © Furst Films / Oak 3 Films / Open Pictures
Kamera: Stuart Dyburgh
Schnitt: Kristina Boden

USA / 2007

Hauptdarsteller: Sigourney Weaver, Kate Bosworth, Alessandro Nivola, Keri Russell, David Rasche, Elias Koteas…u.a.


HANDLUNG

Julia Sandburg geht mit ihrer kleinen Tochter Maggie zum Kinderspielplatz. Nach einem kurzen Moment der Unachtsamkeit, ist Maggie plötzlich verschwunden. Die Suche der verzweifelten Mutter bleibt erfolglos…
16 Jahre später ist Julias Leben nach wie vor geprägt durch den schicksalshaften Verlust. Ihre Ehe ist mittlerweile geschieden, und sie hat kaum noch Kontakt zu ihrem Sohn und ihrem Ex-Ehemann. Noch immer kann sie nicht glauben, dass Maggie tot sein soll…
Als sie eines Tages der Obdachlosen Louise begegnet, verändert sich ihr Leben. Sie fühlt sich der jungen Frau verbunden und lässt sie bei sich wohnen. Mehr und mehr glaubt Julia, in Louise ihre verschwundene Tochter wiederzuerkennen.
Emotional labil, wie Julia ist, gerät sie zunehmend in eine verhängnisvolle Abhängigkeit von Louise…

REZENSION

Die Horrorvorstellung aller Eltern wird in diesem kleinen Film Wirklichkeit: Das eigene Kind verschwindet spurlos.
Dass aus diesem Grundthema kein Psychothriller wurde, liegt einzig an der sehr zurückhaltenden Inszenierung durch David Auburn. Es ist dem Film deutlich anzumerken, dass David Auburn vor allem Theaterstücke verfasst. „Das Mädchen im Park“ wirkt stellenweise wie ein Kammerspiel. Nur selten gibt es einige Längen, die aber durch die ausgezeichnete Vortragsweise der beiden Hauptdarstellerinnen Sigourney Weaver und Kate Bosworth nicht wirklich negativ auffallen.

David Auburn hat es ausgezeichnet verstanden, eine sehr tragische Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen und Subtilität zu erzählen. Keine billige Effekthascherei oder melodramatische Überzeichnung beeinträchtigt die Handlung - und genau dies verleiht dem Streifen eine eindrückliche Ernsthaftigkeit.
Ein intelligenter Film, der den Zuschauer immer wieder ein wenig fordert und nicht alles bis ins Detail zu Ende palavert.

Kurz: Ein hervorragender Streifen, der jedoch absolut ungeeignet für Hollywood-Junkies ist…

Fazit: Wer sich auf dieses Independent-Film einlässt, bekommt ein spannendes und gut inszeniert und gespieltes Film-Drama zu sehen!
Kann ich weiterempfehlen…

König der heissen Rhythmen

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Originaltitel: Roustabout

Regie: John Rich
Musik: Joseph J. Lilley
Drehbuch: Anthony Lawrence & Allan Weiss

Produktion: © Hal Wallis
Kamera: Lucien Ballard
Schnitt: Hal Pereira / Walter H. Tyler

USA / 1964

Hauptdarsteller: Elvis Presley, Barbara Stanwyck, Joan Freeman..u.a.


HANDLUNG

Nach einem Motorradunfall kommt Charlie Rogers (Elvis Presley) auf einem Rummelplatz unter. Während er auf sein repariertes Motorrad wartet, macht er sich nützlich und geht der Schausteller-Truppe zur Hand.
Als er anfängt, Lieder vorzutragen, wird plötzlich viel Publikum angezogen, und das beinahe bankrotte Unternehmen beginnt wieder etwas zu laufen. Charlie hat derweil anderes im Sinn und ist hinter der schönen Cathy her, sehr zum Unmut ihres Vaters...

REZENSION

Roustabout, so der Originaltitel, gehört ohne Frage zum Besseren, was es von Elvis in den 60er-Jahren zu sehen und zu hören gab. Zudem spielte mit Barbara Stanwyck eine veritable Hollywood-Grösse mit.
So etwas wie eine Handlung mit rotem Faden ist ebenfalls zu finden, auch dies bei Elvis-Filmen keine Selbstverständlichkeit.
Elvis singt insgesamt elf Songs, wobei der Titel-Song „Roustabout“, „Poison Ivy League“ und „Little Egypt“ herausragen.

Als Kuriosum kann man vielleicht noch erwähnen, dass die damals noch gänzlich unbekannte Raquel Welch in einer winzigen Nebenrolle als „College-Girl“ zu sehen ist, allerdings im Abspann nicht mal erwähnt wird...

Birdman - oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

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Originaltitel: Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance

Regie: Alejandro González Iñárritu
Musik: Antonia Sanchez
Drehbuch: Alejandro González Iñárritu u.a.

Produktion: © New Regency Pictures / M Productions
Kamera: Emmanuel Lubezki
Schnitt: Douglas Crise / Stephen Mirrione

USA / 2014

Hauptdarsteller: Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Emma Stone...u.a.


HANDLUNG

Riggan Thomson, ein in die Jahre gekommener Schauspieler, versucht in einem Broadway-Theater Raymond Carvers „What We Talk About When We Talk About Love“ zu inszenieren.
Thomson war in den 90er-Jahren ein Filmstar, als er in drei Birdman-Filmen die Titelfigur verkörperte. Seit damals ist viel Zeit vergangen, seine Ehe ist den Bach runter, seine Beziehung zur Tochter Sam alles andere als gut, und schauspielerisch konnte er keine Erfolge mehr erzielen.
Nun will er sich am Broadway neu erfinden und setzt alles auf eine Karte. Als Regisseur und Hauptdarsteller kommt er aber immer wieder an seine Grenzen. Finanzielle Probleme, Ärger mit divenhaften Kollegen und der Druck der Theaterkritiker setzen ihm schwer zu. Dass er dann auch noch die Stimme seines Alter Ego Birdman zu hören beginnt, macht das Ganze auch nicht einfacher...

REZENSION

In der Literatur gibt es die Erzähltechniken des „inneren Monologes“ und des „Bewusstseinsstroms“. Dabei wird, einfach ausgedrückt, das Innenleben einer Person anhand von Stimmen im Kopf der Figur dem Leser mitgeteilt.
In dieser Verfilmung hat man etwas ganz Ähnliches versucht, was ich interessant fand, da ich es in Film-Form so noch nicht gesehen habe.
Der getriebene Gedankenstrom der Hauptfigur wird durch die Kameratechnik, die praktisch schnittlos von einer Szene in die nächste hinübergleitet, unterstützt. Dies lässt einen sehr mitreissenden Handlungsfluss entstehen, bei dem man kaum zum Atemholen kommt. Die Leiden der Hauptfigur werden so beinahe physisch auf den Zuschauer übertragen.
Das ist faszinierend und lässt ein wenig vergessen, dass die Handlung an sich nicht gerade spektakulär ist.
Die Geschichte liegt irgendwo zwischen Woody Allen und Coen-Brüder. Von ersterem hat man die schlagfertigen Dialoge und von zweiteren den skurrilen Humor entlehnt, allerdings ohne deren Untiefen.
Auch wenn die eigentliche Story etwas kurz gehalten wird und die absurden Ideen zuweilen etwas aufgesetzt wirken, hat mich dieser Film von der ersten bis zur letzten Minute fasziniert und bestens unterhalten. Ob sich das nun Tragikkomödie, Dramedy oder gar schwarzes Drama mit albernen Einlagen nennt, ist egal, man muss ja nicht alles in eine Schublade stecken können...

Fazit: Erzähltechnisch interessantes Autorenkino, allerdings sollte man einen Hang für schwarze Komödien haben und Dialogfilme mögen...

Smashed

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Originaltitel: Smashed

Regie: James Ponsoldt
Musik: Eric D. Johnson / Andy Cabic
Drehbuch: James Ponsoldt / Susan Burke

USA / 2012


Hauptdarsteller: Mary Elizabeth Winstead, Aaron Paul, Octavia Spencer, Nick Offerman…u.a.

HANDLUNG

Die junge Grundschullehrerin Kate und ihr Ehemann Charlie geniessen ihr Leben in vollen Zügen. Sie lieben Musik, hängen in Bars herum und feiern Partys mit ihren Freunden. Nie fehlen dabei darf der Alkohol, der in rauen Mengen fliesst. Kate hat ihren Konsum langsam aber sicher nicht mehr im Griff, und als sie sich eines Morgens vor ihrer Schulklasse übergeben muss, wird ihr klar, dass es Zeit ist, etwas zu verändern.
Ein Arbeitskollege rät ihr, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen, was Kate auch tut. Ihr neues, nüchternes Leben ist alles andere als einfach. Plötzlich sieht sie sich mit ganz ungewohnten Problemen konfrontiert. Zudem verschlechtert sich das Verhältnis zu Charlie von Tag zu Tag, da dieser sein Trinkverhalten kaum verändert…

REZENSION

Wieder einmal einer dieser Independent-Filme, die einen so richtig aus den Socken haut!
Die Story ist sehr authentisch und realistisch aufgebaut. Das Verhältnis zwischen den beiden Ehepartnern wird psychologisch glaubhaft erzählt und von den beiden Hauptdarstellern auch sehr überzeugend dargestellt.
Schön ist, dass nicht versucht wird schwarz/weiss zu malen. Die einzelnen Charaktere werden von allen Seiten beleuchtet und weisen, jeder für sich genommen, eine hohe Glaubhaftigkeit auf. Diese exzellente Umsetzung macht die schon per se tragische Handlung noch eindrücklicher und mitreissender.
Es gibt unzählige Filme über Alkoholismus, dieser hier dürfte einer der besten Darstellungen dieser Thematik sein.

Wie man aus unzähligen Hollywood-Filmen weiss, gelingt es nur selten, so eine Geschichte ohne jegliche Pathetik oder tragische Übertreibung zu inszenieren. Hier hat man genau das geschafft und es ist zusätzlich gelungen, den Zuschauer für ein ernstes Thema zu sensibilisieren.

Das Glück an meiner Seite

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Originaltitel: You‘re Not You

Regie: Geroge C. Wolfe
Musik: Jeanine Tesori
Drehbuch: Shana Feste / Jordan Roberts

USA / 2014

Hauptdarsteller: Hillary Swank, Emmy Rossum, Josh Duhamel...u.a.

HANDLUNG

Die glücklich verheiratete erfolgreiche Konzertpianistin Kate hat eigentlich alles, was sie sich wünschen kann. Um so grösser sitzt der Schock, als bei ihr ALS, eine unheilbare degenerative Nervenerkrankung, diagnostiziert wird.
Kate verliert nach und nach ihre motorischen Fähigkeiten und ist auf ihren Mann und später auf Pflegehilfen angewiesen.
Eines Tages bewirbt sich die chaotische Studentin Bec für die Stelle als Pflegerin. Obwohl sie keinerlei Erfahrungen in diesem Bereich aufweisen kann, stellt sie Kate, sehr zum Ärger ihres Mannes, ein.
Die unkonventionelle Bec schafft es, Kate wieder etwas Lebensfreude zu vermitteln, und umgekehrt sorgt Kate dafür, dass Bec zu mehr Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein findet. Doch Kates Krankheit schreitet fort und beiden ist klar, dass die neu entstandene Freundschaft schon bald auf eine schwere Probe gestellt werden wird...

REZENSION

Wer sich bei der Grundstory an „Ziemlich beste Freunde“ erinnert fühlt, liegt richtig. Die Gemeinsamkeiten sind vor allem zu Beginn der Geschichte unverkennbar. Ebenso unverkennbar wird aber mit fortschreitender Handlung, dass wir es hier nicht mit einer französischen Produktion zu tun haben, sondern mit einer US-amerikanischen. Das wird vor allem in der stetig wachsenden Melodramatik spürbar, die sich ab der Mitte des Filmes deutlich bemerkbar macht. Das ist schade, zerstört sie doch so etwas die Glaubhaftigkeit und menschliche Tragödie, die von Hilary Swank grandios verkörpert wird.
Was am Anfang etwas zu locker und beinahe schon slapstickartig inszeniert wird, kippt in der zweiten Hälfte ins Dramatische, gar Weinerliche. Wobei beides eigentlich gut inszeniert ist, der Kontrast vom einen zum anderen ist nur zu gross und wirkt deshalb ungewollt unrealistisch.

Alles in allem haben wir es aber mit einem durchaus sehenswerten Streifen zu tun, der vor allem auf schauspielerischer Ebene wirklich zu überzeugen weiss und die leichten Schwachpunkte im Drehbuch beinahe vergessen lässt.

Heute bin ich Samba

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Originaltitel: Samba

Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache
Musik: Ludovico Einaudi
Drehbuch: Erich Toledano, Olivier Nakache

Frankreich / 2014

Hauptdarsteller: Omar Sy, Charlotte Gainsbourg, Tahar Rahim, Izïa Higelin...u.a.


HANDLUNG

Der aus Senegal stammende Samba Cissé lebt und arbeitet, da er keine Aufenthaltserlaubnis besitzt, seit zehn Jahren illegal in Paris.
Er ist als Tellerwäscher in einer Grossküche beschäftigt. Als sich die Möglichkeit einer Festanstellung als Koch eröffnet, tritt Samba den dafür notwendigen Gang zu den Behörden an. Er erhält aber nicht wie erhofft eine Aufenthaltserlaubnis, sondern wird in Abschiebehaft gesetzt. Hier trifft er auf Alice, die sich nach einem Burnout ehrenamtlich im Sozialdienst engagiert.
Nachdem Samba freigelassen und aufgefordert wird Frankreich zu verlassen, taucht er unter. Es beginnt ein Leben mit ständig wechselnden Gelegenheitsjobs und Angst vor der Polizei.
Derweil kommen sich die schwermütige Alice und der unsichere Samba näher...

REZENSION

Wer diese Geschichte liest, kann kaum glauben, dass daraus ein humorvoller Film entstehen könnte. Und doch ist es den Machern von „Ziemlich beste Freunde“ ein weiteres Mal gelungen, aus einem sehr heiklen Thema, mit viel Einfühlungsvermögen und guten Dialogen, ein humoristisches Sozialdrama zu machen, wie ich es auf diesem Niveau schon lange nicht mehr gesehen habe.
Nur ganz selten gehen der Inszenierung etwas die „Pferde durch“ und wird der Humor etwas zu forciert eingesetzt. Ansonsten gelingt der Balance-Akt bewundernswert und eindrücklich.
Selbst die Gegenüberstellung eines Burnouts einer Managerin mit der existenziellen Not eines illegalen Einwanderers, wirkt auf mich nie deplatziert oder verfehlt. Beide Figuren sind in ihrer eigenen Welt gefangen und können sich durch ihre gegenseitige Hilfe aus ihrer jeweiligen Notlage heraus befreien. Die Geschichte wirkt glaubhaft und nachvollziehbar. Ehrlich gesagt finde ich in dieser Beziehung den hier vorliegende Film sogar besser als „Ziemlich beste Freunde“. Man hat es hier vorteilhafter verstanden, Komik und Realismus zu vermengen, ohne dass die Glaubwürdigkeit darunter zu leiden hätte.
Geschuldet ist diese Wirkung natürlich, nebst der einwandfreien Inszenierung, der grossartigen schauspielerischen Leistung von Omar Sy und Charlotte Gainsbourg.

Fazit: Ein brandaktuelles und anspruchsvolles Thema in erträglicher Form auf die Leinwand zu bringen, ist alles andere als eine leichtes Unterfangen. Hier ist das grandios gelungen!

Fest steht, Freunde des französischen Kinos kommen hier voll auf ihre Kosten!

Der grosse Trip

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Wild

Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Nick Hornby
Musik: Yves Bélanger

USA / 2014

Hauptdarsteller: Reese Witherspoon, Laura Dern, Thomas Sadoski...u.a.

HANDLUNG

Charyl Strayed macht sich auf die 1600 Kilometer lange Wanderung entlang des Pacific Crest Trails (PCT). Es sind vor allem persönliche Gründe, die sie dazu treiben, den langen Weg alleine durch brütende Hitze, klirrende Kälte und menschenverlassene Gegenden zu unternehmen. Der gewalttätige Vater, sowie der frühe Tod ihrer Mutter haben sie aus der Spur gebracht und schliesslich auch ihre Ehe zerstört.
Sie kämpft aber nicht nur gegen die Natur, sondern auch mit zu engen Wanderschuhen und einem überladenen Rucksack, der von PCT-Bekanntschaften bald den Spitznamen „Monster“ erhält.
Auf sich alleine gestellt, gelingt es ihr nach und nach mit ihren Schuldgefühlen und den Strapazen fertig zu werden. Ihr Ziel ist die Bridge oft the Gods, die über den Columbia River führt…

REZENSIION

Es ist der Geschichte deutlich anzumerken, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Es wird weitgehend auf billige Effekthascherei verzichtet, wie es sonst bei solchen Produktionen üblich ist.
In unzähligen Rückblenden wird die Geschichte von Charyl Strayed aufgerollt und so den Zuschauer nach und nach ins Bild gesetzt. Diese Erzähltechnik bringt zum einen etwas Unruhe in den Storyverlauf, macht die Handlung zum anderen allerdings etwas abwechslungsreicher.
Das Drehbuch ist schlüssig und stimmig verfasst, Nick Hornbys Handschrift ist da deutlich zu erkennen. Dazu kommt die sehr gute schauspielerische Umsetzung durch Reese Witherspoon, die nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern den Streifen auch gleich mitproduzierte.
Es lassen sich aber durchaus auch leichte Schwächen bei der Figurentwicklung feststellen. So richtig fassbar wird die Hauptfigur bis zum Schluss nicht, vielleicht wurde das auch bewusst so angelegt…

Ein wichtiges stilistisches Element bildet die Filmmusik, die omnipräsent und sehr subtil eingesetzt wird. Im Zentrum steht dabei Simon & Garfunkels „El condor pasa“, welches während des ganzen Filmes immer wieder als Leitmotiv Verwendung findet, aber erst gegen Ende der Geschichte über die Anfangstakte hinauskommt.

Alles in allem eine kurzweilige Geschichte mit realistischer Umsetzung und wunderschönen Landschaftsaufnahmen.

Song für Marion

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Song for Marion

Regie: Paul Andrew Williams
Musik: Laura Rossi
Drehbuch: Paul Andrew Williams

Grossbritannien, Deutschland / 2012

Hauptdarsteller: Terence Stamp, Vanessa Redgrave, Gemma Arterton…u.a.

HANDLUNG

Arthur Harris ist der mürrische Ehemann von Marion, die
unheilbar an Krebs erkrankt ist. Trotzdem engagiert sie sich weiterhin mit viel Freude im örtlichen Seniorenchor. Dies sehr zum Unmut ihres mürrischen Ehemannes Arthur, der befürchtet, dass Sie sich damit zu viel zumutet. Abgesehen davon hält er die Songs, die einstudiert werden, für peinlich.
Als Marion schliesslich stirbt, bricht für Arthur eine Welt zusammen. Er bricht den Kontakt zu seinem Sohn ab und verliert seinen Lebensmut.
Der jungen Chorleiterin Elizabeth gelingt es, Arthur davon zu überzeugen, dass Marion stolz darauf wäre, wenn er ihren Platz im Chor einnehmen würde.
Auch wenn Arthur nicht über seinen Schatten springen kann, begibt er sich doch mit dem Chor auf eine Reise, die alle verändern wird…

REZENSION


Manchmal sind es eben gerade kleine Independent-Filme, die ohne grosses Budget und ohne grossartige Kulissen auskommen, welche es schaffen, einen Zauber auszuströmen, der den Zuschauer in seinen Bann zieht.
Genau so eine Filmperle ist „Song for Marion“. Schauspielerisch absolut überragend gespielt, mit realistischem und packendem Drehbuch versehen, taucht man als Zuschauer völlig in die Geschichte ein.
Die sehr rührende Erzählweise wird zu keiner Zeit rührselig oder gar kitschig. Man kann nicht mal behaupten, dass die Gratwanderung gelungen sei, denn es gibt keine solche.
Die wunderbare Inszenierung überzeugt von Anfang an durch Souveränität und treibt die Story gekonnt voran.
Diese sehr realistische und überlegene Umsetzung hat freilich aber den Nachteil, dass kaum ein Auge trocken bleibt und man den Taschentuchvorrat mit Bedacht schon vorgängig bereitlegen sollte…

Fazit: Eine Liebesgeschichte, verpackt in einer Tragikkomödie mit überzeugendem Drehbuch und hervorragender schauspielerischer Umsetzung. Was will man mehr?

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Monuments Men

Regie: George Clooney
Musik: Alexandre Desplat
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov

USA, Deutschland / 2014

Hauptdarsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Cate Blanchett...u.a.

HANDLUNG

Während sich der Zweite Weltkrieg langsam seinem Ende zuneigt, wird immer deutlicher, dass die deutschen Einheiten gezielt, Kunstschätze stehlen und abtransportieren. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, wird in den USA unter der Leitung von Lt. Commander Frank Stokes eine Spezialeinheit „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“ gegründet. Die Einheit besteht ausschliesslich aus Kunsthistorikern, Kuratoren, Architekten und Museumsdirektoren, die „Monuments Men“ genannt werden.
Ihr Auftrag besteht darin, hinter den Kampflinien die Kunstgüter in Kirchen, Museen etc. zu schützen und bereits gestohlene Kulturschätze wieder zu finden und zu sammeln.
Nach einem kurzen militärischen Crashkurs wird die Einheit ins Kriegsgebiet gebracht, wo sie sich an ihre Aufgabe macht.
Schnell wird klar, dass der Auftrag noch viel schwieriger wird als vorgestellt und ehe sie sich versehen, sind sie mitten drin im Krieg...

REZENSION

Kann ein Film, in dem Bill Murray, John Goodman, Matt Damon und George Clooney mitspielen, schlecht sein, habe ich mich gefragt. Wobei ich die beiden erstgenannten mit zu meinen Lieblingsschauspielern zähle. Dazu kommt eine sehr originelle Grundgeschichte. Ich muss gestehen, dass ich zuvor noch nie etwas von diesen „Monuments Men“ gehört hatte. Die Story interessierte mich, und ich habe mich auf den Streifen gefreut.

Bedauerlicherweise war die Vorfreude die einzige Freude, die mir dieses Werk bereitet hat. Das Drehbuch ist äusserst behäbig aufgebaut, die Dialoge, um es mal zurückhaltend zu formulieren, banal. Zudem erinnert die ganze Inszenierung an Kriegsfilme aus den 50er- oder 60er-Jahren. Wobei man nur die pathetische Opulenz und die äusserst einseitige Weltsicht aus dieser Zeit übernommen hat.
So werden sämtliche Figuren äusserst holzschnittartig wiedergegeben. Die Deutschen sind alle charakterlose Lumpen oder Naivlinge und die Russen natürlich böse und angsteinflössend. Als wären siebzig Jahre historischer Aufarbeitung komplett spurlos an Herrn Clooney, der das Drehbuch verfasst hatte, vorbeigezogen.
Selbst so herausragende Schauspieler wie John Goodman und Bill Murray wurden derart zurückgebunden, dass sie grösstenteils blass und unscheinbar wirken. Cate Blanchett als französische Résistance-Aktivistin ist meiner Meinung nach eine Fehlbesetzung. Eine Audrey Tautou oder Sophie Marceau wären wohl die bessere Wahl gewesen.
Wie auch immer. Ich habe daraus zwei Dinge gelernt: Erstens, es gab Monuments Men im Zweiten Weltkrieg und zweitens, ich werde mir keinen Film mehr ansehen, bei dem George Clooney Regie führte oder das Drehbuch verfasst hat – so gesehen war der Streifen nicht ganz für die Katz...

Fazit: Kann man sich ansehen, wenn einem langweilig ist, muss man aber nicht gesehen haben, dafür ist das Leben eigentlich zu kurz.

Restless

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Restless

Regie: Gus Van Sant
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Jason Lew

USA / 2011

Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Henry Hopper, Ryô Kase…u.a.


HANDLUNG

Das Leben von Enoch Brae ist nach dem Unfalltod seiner Eltern ziemlich aus dem Ruder gelaufen.
Er hat mit seinem eigenen Leben abgeschlossen, geht nicht mehr zur Schule und verbringt seine Freizeit mit Besuchen von Beerdigungen. Zudem sieht er den Geist eines japanischen Kamikazefliegers, mit dem er sich unterhält.
An einer Beerdigung trifft er auf Annabel Cotton. Die junge lebenslustige Frau ist fasziniert von Enoch, und bald schon finden die beiden zusammen. Trotz offensichtlichen Gegensätzen merken die beiden, dass sie viele Gemeinsamkeiten verbindet.
Als Enoch erfährt, dass Annabel Krebs im Endstadium hat, verspricht er ihr, sie bis zum nahen Ende zu begleiten. Annabel versucht, die kurze verbleibende Zeit mit Enoch zu geniessen und Enoch hat, anders als beim Tod seiner Eltern, die Möglichkeit sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden…

REZENSION

Die Geschichte ist stellenweise sehr anrührend. Immer wieder schleichen sich aber auch etwas skurrile Momente ein, die die ganze Handlung etwas unglaubhaft werden lassen. Die Geschichte mit dem japanischen Kamikazeflieger zum Beispiel, nimmt, nach meinem Dafürhalten, viel zu viel Raum ein. Umso mehr, da bis zum Schluss eigentlich nicht klar wird, weshalb Enoch einen Kamikazeflieger als Geist sieht.
Henry Hopper als Enoch ist hier in seiner ersten Rolle zu sehen, und seine Unsicherheit ist deutlich zu spüren. Dies führt zu einigen Szenen, in denen die Harmonie zwischen den beiden Hauptfiguren etwas leidet.
Die Dialoge wirken zuweilen etwas hölzern und aufgesetzt. Ich bin mir jedoch bewusst, dass man versucht hat „natürlich“ zu wirken. Die Grenzen zwischen natürlich und gekünstelt sind allerdings fliessend und das Drehbuch holpert hier schon einige Male beträchtlich.
Dessen ungeachtet ein sehenswerter Independent-Film, der einen originellen Blick auf das Thema Tod und Abschied wirft. Der Streifen strahlt (trotz aller Tragik) eine lebensbejahende Gelassenheit aus, die dem Zuschauer etwas hilft, die traurigen Ereignisse zu verdauen.
Der Soundtrack ist zudem sehr gut, wenn auch ab und an etwas zu penetrant eingesetzt…
Ein für Genreliebhaber, trotz einiger Mängel, sehenswerter Film.

Another Year

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Another Year

Regie: Mike Leigh
Musik: Gary Yershon
Drehbuch: Mike Leigh

Grossbritannien / 2010

Hauptdarsteller: Jim Broadbent, Ruth Sheen, Lesley Manville, Oliver Maltman…u.a.

HANDLUNG

Das ältere Ehepaar Tom und Gerri leben glücklich und zufrieden in ihrem kleinen Haus. Ihr Heim ist eine Oase des Friedens und ihre Ehe verläuft ausgesprochen harmonisch. Das wird auch von der unglücklichen Mary so empfunden, die sich in regelmässigen Abständen bei den beiden einfindet. Sie ist auf der Suche nach einem Mann und hat ein Auge auf Joe, den Sohn von Tom und Gerri geworfen. Joe zeigt aber keinerlei Interesse an Mary, was zu einem Konflikt und schliesslich sogar zum Bruch mit Tom und Gerri führt. Als dann noch die Ehefrau von Toms Bruder verstirbt, treten ganz andere Probleme in den Vordergrund.
Die Geschichte ist nach Jahreszeiten aufgeteilt, die nicht nur das fortschreiten der Zeit symbolisieren, sondern auch die Vergänglichkeit des Lebens…

REZENSION

Eine wunderbare kleine Filmperle. Ich mag Filme, in denen einem nicht alles vorgekaut und auf dem Silbertablett serviert wird. Der Streifen besticht aber nicht nur durch ein exzellentes Drehbuch, sondern auch durch wirklich gute Dialoge - Wobei das Nichtgesagte mindestens ebenso gewichtig ist, wie das Ausgesprochene. Was einen dann endgültig umhaut, ist die schauspielerische Leistung, die ich schlicht als genial bezeichnen würde. Wahrlich kein leichter Film für zwischendurch, sondern einer, der den Zuschauer fordert und der sich auch nach dem Ende im Kopf weiterdreht.

Fazit: Ein genialer Streifen für Liebhaber des gepflegten Dialogfilmes - für Hollywood-Junkies jedoch vollständig ungeeignet...

Der Weg nach Westen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Way West

Regie: Andrew V. McLaglen
Musik: Bronislau Kaper
Drehbuch: A. B. Guthrie Jr., Mitch Lindemann, Ben Maddow

USA / 1967

Hauptdarsteller: Kirk Douglas, Robert Mitchum, Richard Widmark, Sally Field...u.a.

HANDLUNG

Captain William J. Tadlock organisiert einen Siedlertreck, der von Missouri nach Oregon führen soll. Tadlocks Vision ist der Bau einer neuen Stadt nach seinen Vorstellungen.
Er heuert Dick Summers, einen erfahrenen Pfadfinder an.
Schon bald nach Aufbruch des Trecks, stösst Tadlocks autoritäre Art und sein menschenverachtender Umgang auf Kritik bei seinen Mitreisenden. Als er schliesslich, um Zeit zu sparen, die Abkürzung durch die Wüste wählt, eskaliert das Ganze, und es kommt zur offenen Meuterei gegen Tadlock. Doch der schwierigste Teil der Reise steht erst noch bevor, denn eine tiefe Schlucht stellt alle vor eine beinahe unlösbare Aufgabe. Nun wird sich zeigen, ob die Gruppe es schafft, sich wieder zusammen zu raufen, um ihr Ziel zu erreichen…

REZENSION

„Der Weg Nach Westen“ gehört zu jenen Monumental-Western, die zu einer Zeit entstanden, in der das klassische Western-Genre eigentlich schon zu einer aussterbenden Filmgattung gehörte.
Noch einmal wurde versucht, mit viel Aufwand und Authentizität, die grossen Themen und Tugenden aufleben zu lassen.
Herausgekommen ist ein relativ harmlos inszenierter und wenig mutig umgesetzter Standard-Western. Auch das Indianerbild ist noch stark dem klassischen Klischee verhaftet.
Dennoch hat er auch Bemerkenswertes zu bieten. Wunderschöne Szenenbilder zum Beispiel oder ein ganz gut agierendes Dreierteam in den Hauptrollen mit Kirk Douglas, Richard Widmark und Robert Mitchum.
Das wirkliche Highlight dieses Streifens ist aber eine junge Dame, die hier ihren allerersten Auftritt in einem Spielfilm hat und meiner Meinung nach die drei Herren locker an die Wand spielt: Sally Field. Allein schon deswegen ein sehenswerter Western.

Bernie - Leichen pflastern seinen Weg

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Bernie

Regie: Richard Linklater
Musik: Graham Reynolds
Drehbuch: Skip Hollandsworth & Richard Linklater

USA / 2011

Hauptdarsteller: Jack Black, Shirley MacLaine, Matthew McConaughey...u.a.

HANDLUNG

Die Sonne geht auf, als der herzliche und zuvorkommende Bernie Tiede ins kleine texanische Städtchen Carthage zieht. Er findet Arbeit im ansässigen Bestattungsunternehmen und geht förmlich auf in seiner Arbeit. Seine freundliche und aufopfernde Art lässt keinen unberührt, der mit ihm zu tun hat, und bald schon ist er einer der beliebtesten und angesehensten Persönlichkeiten von Carthage.
Als Marjorie Nugents Ehemann stirbt, kümmert er sich auch um sie, wie um jede andere Witwe, sehr zum Erstaunen der Gemeinde, da Marjorie das absolute Gegenteil von Bernie darstellt. Sie ist herrisch, verbittert und äusserst besitzergreifend. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden, die eigentlich nicht gut gehen kann, und so geraten die beiden in einen Sog, der schliesslich für beide in der Katastrophe endet…

REZENSION

So harmlos und unscheinbar die Geschichte beginnt, so unfassbar und dramatisch endet sie. Dabei sollte man sich nicht durch den völlig unangebrachten deutschen Titel irritieren lassen, da wollte wohl jemand witzig sein…

Jack Black in einer Paraderolle - wieder mal, ist man versucht zu sagen. Er glänzt einmal mehr mit einer absolut überzeugenden Darstellung und punktet auch als Sänger. Diesmal allerdings nicht als Rocksänger, sondern als Gospelinterpret, und das klingt richtig gut!
Da die Story auf einer wahren Begebenheit beruht, hat Richard Linklater die dokumentarische Erzählform gewählt. So wird ein Grossteil der Handlung retrospektiv durch Interviews mit Bewohnern erzählt. Das führt zu einer sehr guten Authentizität.
Im Englischen wird bei solchen Filmen von Dark Comedy gesprochen, was auf Deutsch wohl am besten mit Tragikkomödie übersetzt werden könnte. Wobei mir der komödiantische Teil zuweilen etwas zu ausgeprägt ausgelebt wurde. Alles in allem wird aber das bigotte Kleinstadtleben sehr eindrücklich eingefangen.
Jack Blacks One-Man-Show ist etwas vom Besten und Eindrücklichsten, das ich seit langem gesehen habe. Auch wenn der Film selber vielleicht nicht gerade ein Meisterwerk darstellt, so ist auf jeden Fall ein bemerkenswerter Streifen entstanden, der einen zum Nachdenken bringt…

It's Kind of a Funny Story

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: It’s Kind of a Funny Story

Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Musik: Broken Social Scene
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck

USA / 2010

Hauptdarsteller: Keir Gilchrist, Zach Galifianakis, Emma Roberts…u.a.

HANDLUNG

Der 16-jährige Craig Gilner ist überfordert. Unter Druck gesetzt durch seinen Vater und andere belastende Situationen, hat er Suizidgedanken und entschliesst sich deshalb, sich in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses einweisen zu lassen.
Da die Jugendpsychiatrie wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, kommt er in die Erwachsenenabteilung.
Nach und nach lernt er andere Patienten kennen, schliesst Freundschaften, verliebt sich gar und findet nach und nach den Schlüssel für seinen eigenen Weg…

REZENSION

Ich habe selten einen Film gesehen, der ein so heikles Thema mit so viel Witz, Charme, Wärme und ehrlichem Ernst behandelt, ohne dabei ins Lächerliche oder Kitschige abzugleiten. Obwohl er sich einiger Klischees bedient, versteht er sie auch immer wieder zu brechen und dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. Auch die schauspielerische Leistung kann nicht hoch genug gelobt werden. Ein Streifen, der einfach Spass macht beim Zusehen und der es versteht, intelligent zu unterhalten - was man beileibe nicht von vielen Filmen der Gegenwart behaupten kann...

Young Adult

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Young Adult

Regie: Jason Reitman
Musik: Rolfe Kent
Drehbuch: Diablo Cody

USA / 2011

Hauptdarsteller: Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson… u.a..


HANDLUNG

Mavis Gary (Charlize Theron) steckt in einer Lebenskrise. Sie wohnt alleine in Minneapolis, ist frisch geschieden und beruflich auf dem Abstellgleis gelandet. Als sie in einer E-Mail erfährt, dass ihr Ex-Freund aus der Jugendzeit, Buddy Slade, eine Tochter bekommen hat, entschliesst sie sich in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Ihr Ziel: Sie will Buddy zurückerobern – eine bescheuerte Idee, aber es kommt noch schlimmer. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

REZENSION

Ich mag die Filme von Jason Reitman sehr. Sie strahlen eine frische und natürliche Kraft aus, die sie von anderen modernen Produktionen abhebt. So auch in diesem Streifen "Young Adult", in dem die Geschichte einer psychisch sehr angeschlagenen, unter dem Borderline-Syndrom leidenden Autorin erzählt wird. Die Figuren sind allesamt hervorragend gespielt und wirken glaubhaft. Der Film ist zu keiner Zeit romantisch, nie nett und schon gar keine Liebesgeschichte. Aus dem Leben gegriffen eben und mit allem Realismus versehen, den Hollywood so fürchtet.
Und was den Schluss angeht... nun, die meisten Probleme lösen sich eben tatsächlich nicht einfach so in Wohlgefallen auf...

Nicht gerade ein Film, den man sich ansehen sollte, wenn es einem nicht so gut geht. Er kann schon etwas deprimieren, trotz vereinzelten komischen Szenen. Die schauspielerische Leistung von Charlize Theron jedenfalls ist grossartig und die Story originell.

Saving Mr. Banks

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Saving Mr. Banks

Regie: John Lee Hancock
Musik: Thomas Newman
Drehbuch: Kelly Marcel & Sue Smith
USA / 2013

Hauptdarsteller: Tom Hanks, Emma Thompson, Annie Rose Buckley...u.a.


HANDLUNG

Walt Disney (Tom Hanks) versucht der Autorin P.L. Travers (Emma Thompson) die Erlaubnis abzuringen, ihr Erfolgsbuch „Mary Poppins“ als Kinoadaption verfilmen zu dürfen. Dies erweist sich allerdings als sehr schwieriges Unterfangen, da Mrs. Travers sehr genaue Vorstellungen hat, wie ihr Buch umgesetzt werden soll.
Eines ist für sie klar, es darf auf keinen Fall ein Trickfilm werden, und auch von der Idee ein Musical daraus zu machen, ist sie alles andere als begeistert. Ihre direkte und unverblümte Art führt in der Zusammenarbeit mit dem Drehbuchteam immer wieder zu Konflikten, die schliesslich im Eklat enden.
Erst als Walt Disney die Hintergründe von Mrs. Travers Verhalten erkennt, beginnt eine Annäherung...

REZENSION

Ich kannte den Hintergrund der Entstehung des Mary-Poppins-Film nicht und finde, dass die filmische Umsetzung sehr gut gelungen ist und spannend inszeniert wurde.
Natürlich ist es keine Walt-Disney-Biografie, und auch sonst wurde vielleicht etwas viel Rührseligkeit hineingepackt, die eigentliche Grundgeschichte ist aber sehr gekonnt und mit viel Drive inszeniert worden. Man hat es ausgezeichnet verstanden, die 60er-Jahre aufleben zu lassen. Die regelmässigen Rückblenden in die Kindheit von P.L. Travers sind ausgezeichnet arrangiert, sie decken nach und nach den eigentlichen Kern der Geschichte auf.
Ich habe schon lange keinen Unterhaltungsfilm mehr gesehen, bei dem das Verhältnis von Information, Umsetzung und Konzept derart stimmig war, wie bei diesem Werk.
Zusammen mit den wunderschönen Landschaftsaufnahmen und der beeindruckenden schauspielerischen Leistung der Hauptfiguren ein sehr zu empfehlender Film.

Kramer gegen Kramer

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Kramer vs. Kramer

Regie: Robert Benton
Musik: Paul Gemignani
Drehbuch: Robert Benton

USA / 1979


Darsteller: Dustin Hoffman, Meryl Streep, Justin Henry…u.a.


HANDLUNG

Ted Kramer ist ein angesehener Werbefachmann und erhält von seiner Firma sogar das Angebot, Vizepräsident der Werbeagentur zu werden.
Für ihn völlig unerwartet, wird er von seiner Frau verlassen, die ihm eröffnet, von ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter überfordert zu sein.
Allein gelassen mit dem fünfjährigen Sohn, versucht er sich zu arrangieren, was mit der Zeit auch einigermassen gelingt.
Die Mutter überlegt es sich derweil anders und will ihren Sohn zurück. Der entstehende Scheidungskrieg und der Streit um das Sorgerecht bringt alle Beteiligten an ihre Grenzen. Es scheint nicht so, als ob es dabei wirklich einen Gewinner geben könnte…

REZENSION

Ohne ins Rührselige abzurutschen oder dramatisch zu dick aufzutragen, ist Robert Benton hier eine aussergewöhnliche Inszenierung gelungen. Ein schwieriges Thema wurde mit viel Fingerspitzengefühl und Können vorgetragen.
Eine unglaublich authentische Umsetzung, einer an sich einfachen Story, wird durch die meisterhafte schauspielerische Leistung und die ruhige Kameraführung zum Meisterwerk. Dustin Hoffman, Meryl Streep und Justin Henry spielen derart intensiv und glaubhaft, dass einem die Geschichte schon ganz schön nah geht und noch sehr lange nachhallt.