Die Bestimmer

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Parental Guidance

Regie: Andy Fickman
Musik: Marc Shaiman
Drehbuch: Lisa Addario, Joe Syracuse

Produktion: © Dune Entertainment III / 20th Century Fox
Kamera: Dean Semler
Schnitt: Kent Beyda

USA / 2012

Hauptdarsteller: Billy Crystal, Bette Midler, Marisa Tomei, Tom Everett Scott… u.a.

HANDLUNG

Artie Decker (Billy Crystal) wird entlassen. Er war Stadionsprecher eines Baseballteams. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, sagt seine Frau Diane (Bette Midler) zu, ihre Enkelkinder zu beaufsichtigen, während ihre Tochter und der Schwiegersohn wegfahren. Artie ist alles andere als begeistert von diesem Unterfangen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, gelingt es ihm aber den Kindern näher zu kommen.

REZENSION

Ein Film, in dem Billy Crystal, Bette Midler und Marisa Tomei mitspielen, kann eigentlich gar nicht schlecht sein. So zumindest war meine Grundhaltung, bevor ich diesen Streifen besichtigt habe. In der Tat sind es dann auch die oben genannten, die aus einem unglaublich platten Drehbuch und einer ebenso lahmen Inszenierung, ohne irgendwelche Überraschungen oder auch nur originellen Wendungen, einen Film gemacht haben, den man sich dennoch ansehen kann. Ich hätte mich wohl vorher über die anderen Filme des Regisseurs schlau machen sollen. Vielleicht wäre ich dann von selber auf die Idee gekommen, dass das nichts für mich ist. Es wird hier wirklich kein Kalauer ausgelassen, und in der ersten Hälfte der Geschichte bewegen wir uns auf der Stufe von recht infantilem Humor. Zum Glück wird das in der zweiten Hälfte etwas besser. Wobei auch dann noch kaum eine Gelegenheit ausgelassen wird einen platten Witz anzubringen. Selbstverständlich darf auch die seit ca. 100 Jahren in diesen Filmen obligate "Tortenschlacht" nicht fehlen (wobei das 1922 durchaus noch originell und lustig war). Alles in allem, war ich dann froh, dass diese Familienkomödie irgendwann ein Ende fand.
Als Fan der drei Hauptdarsteller kann man sich das durchaus mal ansehen, weiterempfehlen kann ich ihn leider nicht...


Liebe auf den ersten Schlag

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Originaltitel: Les Combattants

Regie: Thomas Cailley
Musik: Philippe Deshaies, Lionel Flairs, Benoît Rault
Drehbuch: Thomas Cailley, Claude Le Pape

Produktion: © Nord-Ouest Productions
Kamera: David Cailley
Schnitt: Lilian Corbeille

Frankreich / 2014

Hauptdarsteller: Adèle Haenel, Kévin Azaïs, Antoine Laurent…u.a.


HANDLUNG

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, und so erstaunt es nicht, dass sich der sanftmütige und introvertierte Arnaud von der aggressiven, selbstbewussten Art von Madeleine angezogen fühlt.
Arnaud hat gerade Sommerferien und hilft seinem grossen Bruder in der Schreinerei aus. Während sich Arnaud Gedanken zu seiner Zukunft macht, ist für Madeleine klar, dass es keine Zukunft geben wird. Sie ist der festen Überzeugung, dass die Welt in absehbarer Zeit untergehen wird und nur die Stärksten eine Chance haben zu überleben. Aus diesem Grund trainiert sie wie wild und meldet sich gar bei einem Survival-Kurs der Armee an. Arnaud begleitet sie, merkt aber bald, dass Madeleine überhaupt nicht in die Armee passt. Bei einer mehrtägigen Übung in einem Wald eskaliert die Situation, und Arnaud und Madeleine setzten sich von ihrer Gruppe ab.
Sie beschliessen, ihr eigenes Survival-Programm durchzuziehen und kommen sich dabei näher. Unvermutet geraten sie in Lebensgefahr – und aus dem vermeintlichen Training wird bitterer Ernst…

REZENSION

Es stimmt, der Film hat keine sonderlichen Höhepunkte. Ebenso zeichnet sich das Drehbuch nicht gerade durch ausgesprochene Originalität aus. Auch weiss man zwischenzeitlich nicht so recht, wohin die erzählerische Reise gehen soll.
Warum, habe ich mich gefragt, hat mir dieser Film trotzdem so ausnehmend gut gefallen? Es muss an der wirklich aussergewöhnlichen Atmosphäre liegen, der Chemie, die zwischen den beiden Hauptfiguren von Anfang an spielt. Der Zuschauer wird neugierig, neugierig darauf wie diese Figuren zusammenkommen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Adèle Haenel spielt die Rolle der abgelöschten Madeleine beängstigend realistisch und wird dabei genial unterstützt durch Kévin Azaïs, der den zurückhaltenden Arnaud ebenso überzeugend verkörpert und durch seine sanfte Art Madeleines gnadenlose Weltsicht umso drastischer erscheinen lässt.
Schlussendlich wird klar, dass der Streifen vor allem an den beiden herausragenden Hauptdarstellern festgemacht ist. Es gelingt diesen beiden Jungschauspielern in absolut überzeugender Weise, das etwas fade Drehbuch vergessen zu machen. Der Film ist keine Sekunde langweilig und schafft es, Drama und feinen Humor gekonnt zu einer unterhaltsamen Tragikkomödie zu verbinden…

Fazit: Beste französische Unterhaltung mit hervorragendem Cast.

Trumbo

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Trumbo

Regie: Jay Roach
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: John McNamara

Produktion: © Bleecker Street Films u.a.
Kamera: Jim Denault
Schnitt: Alan Baumgarten

USA / 2015

Hauptdarsteller: Bryan Cranston, Diane Lane, Helen Mirren, Michael Stuhlbarg, John Goodman…u.a.

HANDLUNG

In „Trumbo“ wird die wahre Geschichte des Hollywood-Drehbuchautors Dalton Trumbo erzählt, der in den 1940er Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei war und deshalb vom Ausschuss für unamerikanische Umtriebe vorgeladen wurde. Dalton Trumbo gehörte zu der, später als „Hollywood Ten“ bekannt gewordenen, Gruppe von Regisseuren und Drehbuchautoren, die sich weigerten, vor dem besagten Ausschuss auszusagen und aus diesem Grund 1948 zu Haftstrafen verurteilt wurden.
Trumbo landete wie viele andere auf der „schwarzen Liste“ und fand nach seiner Haftstrafe keine Arbeit mehr. Es gelang ihm, anonym als Drehbuchautor für den Filmproduzenten Frank King (King Brothers) zu schreiben.
Ein beinahe aussichtsloser Kampf gegen die Studiobosse und die US-Regierung begann. Während Trumbos Arbeit als Ghostwriter langsam aber sicher an die Öffentlichkeit drang, setzte Trumbo alles auf eine Karte, um seine Familie zu schützen und endlich wieder ein normales Leben zu führen…

REZENSION

Es gibt nicht viele Filme, die sich mit diesem finsteren US-Amerikanischen Kapitel beschäftigen. Mir persönlich ist nur noch der Streifen „Der Strohmann“ von Martin Ritt bekannt, der dieses Thema aufgriff – und das ist schon über dreissig Jahre her.
Hollywood tut sich aus nachvollziehbaren Gründen äusserst schwer, wenn es um die Aufarbeitung dieser heiklen Ereignisse geht, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch Trumbo nicht von einem grossen Hollywood-Studio produziert wurde.

Dem vorliegenden Film gelingt es sehr eindrücklich, die unmenschlichen Machenschaften der McCarthy-Ära aufzuzeigen. Wobei das nicht unbedingt dem Drehbuch geschuldet ist, sondern vor allem der grossartigen schauspielerischen Leistung – allen voran Bryan Cranstons, der Dalton Trumbo kongenial verkörpert.
Den einzigen Vorwurf, den man dem Drehbuch machen kann: Zuweilen wurden die Ecken und Kanten sehr stark geschliffen. Es stellt sich dadurch eine Harmonie ein, die einen etwas irritierenden Kontrast zur eigentlichen Handlung bildet. Zudem hat man der Versuchung nicht widerstehen können, historische Begebenheiten zugunsten dramaturgischer Effekte etwas zu verfälschen.

Alles in allem aber ein ausgezeichneter Film, der ein äusserst wichtiges und erzählenswertes Zeitalter amerikanischer Geschichte behandelt…

James Bond 007 - In tödlicher Mission

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Originaltitel: For Your Eyes Only

Regie: John Glen
Musik: Bill Conti (Titelsong: Sheena Easton)
Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

Produktion: © Eon Productions
Kamera: Alan Hume
Schnitt: John Grover

Grossbritannien / 1981

Hauptdarsteller: Roger Moore, Carole Bouquet, Julian Glover, Desmond Llewelyn…u.a.


HANDLUNG

Ein Fischfangschiff fährt im Ionischen Meer auf eine Mine und geht unter. An Bord befindet sich eine Spezialeinheit der britischen Marine, die mit einem Lenkwaffen-Computer-System ausgerüstet ist.
Bond erhält den Auftrag, dieses ATAC-System wiederzubeschaffen. Unerwartete Unterstützung erhält er durch Melina Havelock, deren Eltern ebenfalls im Auftrag des britischen Geheimdienstes nach dem ATAC tauchten, dann aber von einem Auftragskiller getötet wurden.
Die Spur führt erst nach Madrid und weiter nach Cortina d’Ampezzo, wo Bond vom griechischen Reeder Kristatos den Hinweis erhält, dass der bekannte Schmuggler Milos Columbo hinter der Sache stecke und Melinas Eltern auf dem Gewissen habe. Doch mit der Zeit wird Bond klar, dass er an der Nase herum geführt wird…

REZENSION

Nach dem Technikspektakel „Moonraker“ (1979), in dem die Bond-Figur etwas in den Hintergrund gedrängt worden war, besann man sich in „In tödlicher Mission“ wieder auf die Wurzeln.
Inszeniert wurde ein klassischer Bond, wie man ihn aus den Sechzigerjahren kennt. Ganz zu Beginn gibt es sogar einen Link zu „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969): Bond besucht das Grab seiner ermordeten Frau Teresa.
Auch wenn man sich in diesem Bond-Abenteuer wieder mehr auf Menschen als auf Gadgets konzentrierte, bekommen die Actionszenen viel Raum. Unvergesslich sind sicher die Autoverfolgungsjagd im Deux-Chevaux oder die abenteuerliche Kletterpartie in den Felsen der Metéora-Klöster in Griechenland.
Herausgekommen ist ein äusserst kurzweiliger, abenteuerlicher und unterhaltsamer Agentenfilm, der kaum Wünsche offen lässt. Das ist umso erstaunlicher, da man bei dieser Bond-Verfilmung erstmals auf keinen Roman Ian Flemings zurückgriff, sondern die Handlung aus verschiedenen Kurzgeschichten Flemings zusammensetzte. Dass die Geschichte trotzdem so kohärent daher kommt, dürfte dem Drehbuchautor Richard Maibaum geschuldet sein, der mit seiner Erfahrung und Professionalität die Bond-Figur wieder etwas menschlicher machte.

Fazit: Ein wirklich guter Bond-Streifen, der für mich klar zu den Top 10 der Filmreihe gehört.

Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Raiders Of The Lost Ark

Regie: Steven Spielberg
Musik: John Williams
Drehbuch: George Lucas, Philip Kaufman, Lawrence Kasdan
Produktion: © Paramount Pictures / Lucasfilm
Kamera: Douglas Slocombe
Schnitt: Michael Kahn

USA / 1981

Hauptdarsteller: Harrison Ford, Karen Allen, Paul Freeman...u.a.

HANDLUNG

Im Unterschied zum englischen Original, lässt der deutsche Titel den Zuschauer im Dunkeln, um was es hier eigentlich geht.
Wir schreiben das Jahr 1936. Der amerikanische Archäologieprofessor Henry Jones (gennant Indiana Jones) wird vom US-Geheimdienst engagiert, um in Ägypten die Nazis daran zu hindern, die sagenumwobene Bundeslade zu finden. Jones soll verhindern, dass die Nationalsozialisten in deren Besitz gelangen, da man befürchtet, dass Hitlers Armee unbesiegbar würde, sollte sie in den Besitz dieser Lade gelangen.
Indiana Jones gelingt es die Bundeslade zu finden, er verliert sie aber gleich darauf wieder an die Nazis. Eine wilde Jagd und viele Abenteuer später gelingt es Jones mit Unterstützung von Marion Ravenwood und seinem Freund Sallah, den Nazis die Bundeslade wieder abzujagen...

REZENSION

Vorneweg gilt es festzustellen, dass man in der Lage sein muss, seine linke Hirnhälfte weitestgehend auszublenden, um diesen Film geniessen zu können. Diesem ersten Teil der Indiana-Jones Tetralogie ist, was die Story anbelangt, mit Logik und tieferliegendem Sinn kaum beizukommen.
Gelingt einem dies aber, hat man vergnügliche, spannende und sehr actiongeladene zwei Filmstunden vor sich.
Ursprünglich hätte eigentlich Tom Selleck die Rolle des Indiana Jones spielen sollen, er war aber vertraglich bereits an die damals anlaufende Magnum-Serie gebunden. Harrison Ford macht seine Sache aber ausgezeichnet und spielt, sofern es die hanebüchene Story zulässt, glaubhaft und mit dem nötigen Schalk. Überhaupt wird mit viel Ironie und schwarzem Humor versucht, die an sich ernsthafte Geschichte etwas zu brechen, und entstanden ist so etwas wie eine wilde Mischung aus James Bond und Tim und Struppi.
Die gebotenen Action-Szenen sind imposant und eindrücklich umgesetzt. Dem Zuschauer wird kaum eine Minute zum Durchschnaufen gegönnt, da die ganze Dramaturgie vollständig auf Rasanz und äussere Ereignisse getrimmt ist. Reflexion und Analyse ist Indiana Jones Ding nicht...

Fazit: Vergnügliches Popcorn-Kino für Freunde des gepflegten Action- und Abenteuer-Kinos.

The King's Speech - Die Rede des Königs

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: The King’s Speech

Regie: Tom Hooper
Musik: Alexandre Desolat
Drehbuch: David Seidler

Produktion: © Sea-Saw Films / Bedlam Productions
Kamera: Danny Cohen
Schnitt: Tariq Anwar

Grossbritannien, USA, Australien / 2010

Hauptdarsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter…u.a.


HANDLUNG

Albert, der zweitälteste Sohn des englischen Königs George V., leidet darunter, dass er stottert und kaum einen Satz ohne Unterbruch zustande bringt.
Da er von seinem strengen Vater immer wieder zu öffentlichen Auftritten verdonnert wird, sucht er schliesslich den Sprachtrainer Lionel Logue auf, der ihm dabei helfen soll, endlich ohne zu stottern zu sprechen.
Als sein Vater stirbt und der älteste Sohn abdankt, um eine bürgerliche Amerikanerin zu heiraten, ist für Albert die schlimmstmögliche Wendung eingetreten: Er wird 1937 zum König George VI. ernannt.
Die eigentliche Bewährungsprobe für ihn findet aber im Jahre 1939 statt. Er soll via Radio zu seiner Nation reden, um sie auf den herannahenden Krieg vorzubereiten - mit Lionel an seiner Seite, stellt er sich der Herausforderung…

REZENSION

„The King’s Speech“ wurde 2011 förmlich mit Oscars überhäuft. Dies ist insofern bemerkenswert, da in der Regel so ruhige und zurückhaltend inszenierte Streifen im grossen Oscar-Getümmel eher untergehen. Dazu kommt, dass es sich hier weder um eine umfassende Biopic über König George VI. handelt, noch die politischen oder wenigsten privaten Hintergründe übermässig ausführlich behandelt werden.
Aber vielleicht ist es eben gerade die Tatsache, dass sich das Drehbuch zu keiner Zeit verhaspelt und die Story konsequent dem einen roten Faden der Geschichte folgt. Dies geschieht mit einer derart bemerkenswerten Ruhe und Ernsthaftigkeit in der Inszenierung und einer schauspielerischen Präsenz, dass man sich als Zuschauer dem Geschehen kaum zu entziehen vermag.
„The King’s Speech“ ist ein bemerkenswerter Film, wie es ihn nur alle paar Jahre mal gibt, und bei dem einfach alles wie in einem perfekten Uhrwerk zusammenspielt. Dies betrifft sowohl die schauspielerische Umsetzung, wie auch die Inszenierung, die an Timing und Schlüssigkeit keine Wünsche offen lässt.

Es mag nur ein kleines historisches Versatzstück sein, das die grossen Zusammenhänge ausblendet - und macht gerade deshalb neugierig auf mehr…

Fazit: Wenn Sie etwas mit Historienfilmen am Hut haben oder einfach wieder einmal einen wirklich gut umgesetzten und stimmigen Film sehen möchten, sind sie hier genau richtig. Kann ich weiterempfehlen!

Das Mädchen im Park

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Girl in the Park

Regie: David Auburn
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: David Auburn

Produktion: © Furst Films / Oak 3 Films / Open Pictures
Kamera: Stuart Dyburgh
Schnitt: Kristina Boden

USA / 2007

Hauptdarsteller: Sigourney Weaver, Kate Bosworth, Alessandro Nivola, Keri Russell, David Rasche, Elias Koteas…u.a.


HANDLUNG

Julia Sandburg geht mit ihrer kleinen Tochter Maggie zum Kinderspielplatz. Nach einem kurzen Moment der Unachtsamkeit, ist Maggie plötzlich verschwunden. Die Suche der verzweifelten Mutter bleibt erfolglos…
16 Jahre später ist Julias Leben nach wie vor geprägt durch den schicksalshaften Verlust. Ihre Ehe ist mittlerweile geschieden, und sie hat kaum noch Kontakt zu ihrem Sohn und ihrem Ex-Ehemann. Noch immer kann sie nicht glauben, dass Maggie tot sein soll…
Als sie eines Tages der Obdachlosen Louise begegnet, verändert sich ihr Leben. Sie fühlt sich der jungen Frau verbunden und lässt sie bei sich wohnen. Mehr und mehr glaubt Julia, in Louise ihre verschwundene Tochter wiederzuerkennen.
Emotional labil, wie Julia ist, gerät sie zunehmend in eine verhängnisvolle Abhängigkeit von Louise…

REZENSION

Die Horrorvorstellung aller Eltern wird in diesem kleinen Film Wirklichkeit: Das eigene Kind verschwindet spurlos.
Dass aus diesem Grundthema kein Psychothriller wurde, liegt einzig an der sehr zurückhaltenden Inszenierung durch David Auburn. Es ist dem Film deutlich anzumerken, dass David Auburn vor allem Theaterstücke verfasst. „Das Mädchen im Park“ wirkt stellenweise wie ein Kammerspiel. Nur selten gibt es einige Längen, die aber durch die ausgezeichnete Vortragsweise der beiden Hauptdarstellerinnen Sigourney Weaver und Kate Bosworth nicht wirklich negativ auffallen.

David Auburn hat es ausgezeichnet verstanden, eine sehr tragische Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen und Subtilität zu erzählen. Keine billige Effekthascherei oder melodramatische Überzeichnung beeinträchtigt die Handlung - und genau dies verleiht dem Streifen eine eindrückliche Ernsthaftigkeit.
Ein intelligenter Film, der den Zuschauer immer wieder ein wenig fordert und nicht alles bis ins Detail zu Ende palavert.

Kurz: Ein hervorragender Streifen, der jedoch absolut ungeeignet für Hollywood-Junkies ist…

Fazit: Wer sich auf dieses Independent-Film einlässt, bekommt ein spannendes und gut inszeniert und gespieltes Film-Drama zu sehen!
Kann ich weiterempfehlen…

König der heissen Rhythmen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Roustabout

Regie: John Rich
Musik: Joseph J. Lilley
Drehbuch: Anthony Lawrence & Allan Weiss

Produktion: © Hal Wallis
Kamera: Lucien Ballard
Schnitt: Hal Pereira / Walter H. Tyler

USA / 1964

Hauptdarsteller: Elvis Presley, Barbara Stanwyck, Joan Freeman..u.a.


HANDLUNG

Nach einem Motorradunfall kommt Charlie Rogers (Elvis Presley) auf einem Rummelplatz unter. Während er auf sein repariertes Motorrad wartet, macht er sich nützlich und geht der Schausteller-Truppe zur Hand.
Als er anfängt, Lieder vorzutragen, wird plötzlich viel Publikum angezogen, und das beinahe bankrotte Unternehmen beginnt wieder etwas zu laufen. Charlie hat derweil anderes im Sinn und ist hinter der schönen Cathy her, sehr zum Unmut ihres Vaters...

REZENSION

Roustabout, so der Originaltitel, gehört ohne Frage zum Besseren, was es von Elvis in den 60er-Jahren zu sehen und zu hören gab. Zudem spielte mit Barbara Stanwyck eine veritable Hollywood-Grösse mit.
So etwas wie eine Handlung mit rotem Faden ist ebenfalls zu finden, auch dies bei Elvis-Filmen keine Selbstverständlichkeit.
Elvis singt insgesamt elf Songs, wobei der Titel-Song „Roustabout“, „Poison Ivy League“ und „Little Egypt“ herausragen.

Als Kuriosum kann man vielleicht noch erwähnen, dass die damals noch gänzlich unbekannte Raquel Welch in einer winzigen Nebenrolle als „College-Girl“ zu sehen ist, allerdings im Abspann nicht mal erwähnt wird...

Birdman - oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance

Regie: Alejandro González Iñárritu
Musik: Antonia Sanchez
Drehbuch: Alejandro González Iñárritu u.a.

Produktion: © New Regency Pictures / M Productions
Kamera: Emmanuel Lubezki
Schnitt: Douglas Crise / Stephen Mirrione

USA / 2014

Hauptdarsteller: Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Emma Stone...u.a.


HANDLUNG

Riggan Thomson, ein in die Jahre gekommener Schauspieler, versucht in einem Broadway-Theater Raymond Carvers „What We Talk About When We Talk About Love“ zu inszenieren.
Thomson war in den 90er-Jahren ein Filmstar, als er in drei Birdman-Filmen die Titelfigur verkörperte. Seit damals ist viel Zeit vergangen, seine Ehe ist den Bach runter, seine Beziehung zur Tochter Sam alles andere als gut, und schauspielerisch konnte er keine Erfolge mehr erzielen.
Nun will er sich am Broadway neu erfinden und setzt alles auf eine Karte. Als Regisseur und Hauptdarsteller kommt er aber immer wieder an seine Grenzen. Finanzielle Probleme, Ärger mit divenhaften Kollegen und der Druck der Theaterkritiker setzen ihm schwer zu. Dass er dann auch noch die Stimme seines Alter Ego Birdman zu hören beginnt, macht das Ganze auch nicht einfacher...

REZENSION

In der Literatur gibt es die Erzähltechniken des „inneren Monologes“ und des „Bewusstseinsstroms“. Dabei wird, einfach ausgedrückt, das Innenleben einer Person anhand von Stimmen im Kopf der Figur dem Leser mitgeteilt.
In dieser Verfilmung hat man etwas ganz Ähnliches versucht, was ich interessant fand, da ich es in Film-Form so noch nicht gesehen habe.
Der getriebene Gedankenstrom der Hauptfigur wird durch die Kameratechnik, die praktisch schnittlos von einer Szene in die nächste hinübergleitet, unterstützt. Dies lässt einen sehr mitreissenden Handlungsfluss entstehen, bei dem man kaum zum Atemholen kommt. Die Leiden der Hauptfigur werden so beinahe physisch auf den Zuschauer übertragen.
Das ist faszinierend und lässt ein wenig vergessen, dass die Handlung an sich nicht gerade spektakulär ist.
Die Geschichte liegt irgendwo zwischen Woody Allen und Coen-Brüder. Von ersterem hat man die schlagfertigen Dialoge und von zweiteren den skurrilen Humor entlehnt, allerdings ohne deren Untiefen.
Auch wenn die eigentliche Story etwas kurz gehalten wird und die absurden Ideen zuweilen etwas aufgesetzt wirken, hat mich dieser Film von der ersten bis zur letzten Minute fasziniert und bestens unterhalten. Ob sich das nun Tragikkomödie, Dramedy oder gar schwarzes Drama mit albernen Einlagen nennt, ist egal, man muss ja nicht alles in eine Schublade stecken können...

Fazit: Erzähltechnisch interessantes Autorenkino, allerdings sollte man einen Hang für schwarze Komödien haben und Dialogfilme mögen...

Im Dutzend heiratsfähig

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Belles on Their Toes

Regie: Henry Levin
Musik: Cyril J. Mockrige
Drehbuch: Phoebe Ephron, Henry Ephron

Produktion: © Twentieth Century Fox Film Corporation

Kamera: Arthur E. Arling
Schnitt: Robert Fritch

USA / 1952

Hauptdarsteller: Myrna Loy, Debra Page, Jeanne Crain, Jeffrey Hunter… u.a.


HANDLUNG

Nach dem Tod des Vaters muss sich die Grossfamilie Gilbreth neu organisieren. Mutter Lillian will nicht, dass ihre elf Kinder auf die ganze Verwandtschaft aufgeteilt werden und versucht deshalb mit allen Mitteln Geld zu verdienen. Als Ingenieurin hat sie früher mit ihrem Mann zusammen junge Ingenieure ausgebildet und Vortragsreisen unternommen. Nun muss sie feststellen, dass es als alleinstehende Frau gar nicht so einfach ist, in die von Männern dominierte Berufswelt einzusteigen. Sie wird mit viel Unverständnis und Vorurteilen konfrontiert.
Gleichzeitig hat sich die älteste Tochter Ann in einen jungen Arzt verliebt, glaubt aber, dass sie in der Familie gebraucht werde und nicht heiraten dürfe…

REZENSION

„Im Dutzend heiratsfähig“ ist der Fortsetzungsfilm des Streifens „Im Dutzend billiger“ von 1950.
Für den heutigen Zuschauer ist es in gewisser Weise eine doppelte Zeitreise: Der Film wurde 1952 gedreht, die Handlung selber ist in den 20er-Jahren angesiedelt. Dieser nostalgische Touch ist es dann auch, der diesem Streifen einen gewissen Reiz verleiht.
Die Story ist nach heutigen Massstäben gemessen etwas dürftig und einfach gestrickt. Auf der einen Seite ist es beachtlich, dass man 1952 das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Arbeitswelt thematisierte. Auf der anderen Seite wird die heile Familienidylle dermassen penetrant in Szene gesetzt, dass es zuweilen schon eher belustigend wirkt.
Die Geschichte selber verzettelt sich immer wieder in erzähltechnischen Einbahnstrassen. Zudem ist der Einfall, das Ganze als Musical vorzutragen, eher suboptimal - auch wenn die Lieder und Tanzeinlagen durchaus gut gemacht sind.

Alles in allem eine Zeitreise der besonderen Art, die trotz aller Mängel durchaus Charme aufweist und die, in der rechten Stimmung genossen, durchaus zu gefallen weiss…

Der kleine Nick macht Ferien

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Originaltitel: Les vacances du petit Nicolas

Regie : Laurent Tirard
Musik : Éric Neveux
Drehbuch : Laurent Tirard, Jaco Van Dormael, Grégoire Vigneron

Produktion: © Fidélité Films

Kamera: Denis Rouden
Schnitt: Valérie Deseine

Frankreich / 2014

Hauptdarsteller : Kad Merad, Valérie Lemercier, Mathéo Boisselier…u.a.


HANDLUNG

Endlich sind die Sommerferien angebrochen. Nick fährt mit seiner Familie ans Meer. Im schönen Strandhotel angekommen, findet Nick schnell Freunde. Nur eines bereitet im Sorge: Es gibt da ein Mädchen, Isabelle, das ihn stets mit ihren grossen unheimlichen Augen ansieht und die Nick überhaupt nicht geheuer ist. Als er dann auch noch den Verdacht hegt, dass seine Eltern ihn mit Isabelle verheiraten möchten, setzt er zusammen mit seinen neuen Freunden alles daran, damit Isabelles Familie schnellst möglich abreist.
Es kommt aber natürlich alles ganz anders als geplant. Isabelle entpuppt sich als unerwartet nett und bringt Nicks Pläne gehörig ins Schleudern. Von seinen Eltern ist kaum Hilfe zu erwarten, die sind derweil mit einem italienischen Filmregisseur beschäftigt, der Nicks Mutter zur Schauspielkarriere überreden will…

REZENSION

Der zweite Teil der „Kleine-Nick-Reihe“ steht, was Atmosphäre und Humor anbelangt, dem ersten Teil in nichts nach. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es die Franzosen hinbekommen, so leichte und unterhaltsame, familientaugliche Komödien abzudrehen ohne dabei die Intelligenz zu beleidigen. Die Dialoge sind amüsant und der feine Humor von Sempés Zeichnungen wurden filmisch wunderbar eingefangen.
So weit so gut. Etwas schade finde ich, dass in diesem zweiten Teil die Geschichte nicht konsequent fortgesetzt wurde, so fehlt zum Beispiel die im ersten Teil geborene kleine Schwester Nicks.
Schauspielerisch kann der Film, wie meist bei französischen Produktionen, überzeugen. Selbst die überdrehtesten Szenen wirken glaubhaft und charmant zugleich.

Alles in allem haben wir es hier mit einem familientauglichen Unterhaltungsstreifen zu tun, der mit seinem Blick aus der kindlichen Perspektive kaum jemanden unberührt lassen wird. Gleichzeitig ist der Film auch eine Hommage an grosse französische Klassiker wie „Monsieur Hulot macht Ferien“ oder an den unerreichten Mimen Louis de Funès…

Smashed

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Originaltitel: Smashed

Regie: James Ponsoldt
Musik: Eric D. Johnson / Andy Cabic
Drehbuch: James Ponsoldt / Susan Burke

USA / 2012


Hauptdarsteller: Mary Elizabeth Winstead, Aaron Paul, Octavia Spencer, Nick Offerman…u.a.

HANDLUNG

Die junge Grundschullehrerin Kate und ihr Ehemann Charlie geniessen ihr Leben in vollen Zügen. Sie lieben Musik, hängen in Bars herum und feiern Partys mit ihren Freunden. Nie fehlen dabei darf der Alkohol, der in rauen Mengen fliesst. Kate hat ihren Konsum langsam aber sicher nicht mehr im Griff, und als sie sich eines Morgens vor ihrer Schulklasse übergeben muss, wird ihr klar, dass es Zeit ist, etwas zu verändern.
Ein Arbeitskollege rät ihr, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen, was Kate auch tut. Ihr neues, nüchternes Leben ist alles andere als einfach. Plötzlich sieht sie sich mit ganz ungewohnten Problemen konfrontiert. Zudem verschlechtert sich das Verhältnis zu Charlie von Tag zu Tag, da dieser sein Trinkverhalten kaum verändert…

REZENSION

Wieder einmal einer dieser Independent-Filme, die einen so richtig aus den Socken haut!
Die Story ist sehr authentisch und realistisch aufgebaut. Das Verhältnis zwischen den beiden Ehepartnern wird psychologisch glaubhaft erzählt und von den beiden Hauptdarstellern auch sehr überzeugend dargestellt.
Schön ist, dass nicht versucht wird schwarz/weiss zu malen. Die einzelnen Charaktere werden von allen Seiten beleuchtet und weisen, jeder für sich genommen, eine hohe Glaubhaftigkeit auf. Diese exzellente Umsetzung macht die schon per se tragische Handlung noch eindrücklicher und mitreissender.
Es gibt unzählige Filme über Alkoholismus, dieser hier dürfte einer der besten Darstellungen dieser Thematik sein.

Wie man aus unzähligen Hollywood-Filmen weiss, gelingt es nur selten, so eine Geschichte ohne jegliche Pathetik oder tragische Übertreibung zu inszenieren. Hier hat man genau das geschafft und es ist zusätzlich gelungen, den Zuschauer für ein ernstes Thema zu sensibilisieren.

Die grosse Versuchung

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Originaltitel: The Grand Seduction

Regie: Don McKellar
Musik: Francois-Pierre Lue u.a.
Drehbuch: Ken Scott

Kanada / 2013

Hauptdarsteller: Brendan Gleeson, Taylor Kitsch, Liane Balaban..u.a.


HANDLUNG

Das kleine Fischerdorf Tickle Head, liegt zwar idyllisch auf einer kleinen neufundländischen Insel, ist aber kurz vor dem Aussterben. Die Bewohner haben keine Arbeit und wandern in die Städte ab. Der zurückgebliebene kleine Haufen, allen voran Murray French, will das aber nicht einfach so hinnehmen und versucht, eine Ölfirma dazu zu bringen, eine Fabrik im Dorf zu bauen. Diese macht jedoch viele Auflagen, eine davon: Es muss ein Arzt im Ort wohnen. Als endlich ein solcher gefunden ist, setzt die kleine Gemeinschaft alles daran, dass sich der Mediziner wohl fühlen wird in Tickle Head. Dazu greifen sie auch zu fragwürdigen Mitteln, die anfangs durchaus Erfolg bringen. Doch die heile Fassade kann natürlich nicht bis zum Schluss aufrecht erhalten werden…

REZENSION

Was wie ein etwas skurriles sozialkritisches Drama beginnt, wendet sich bald in eine unterhaltsame und äusserst witzige Komödie. Wobei vor allem die hervorragende Spielweise von Brendan Gleeson, der den schrulligen Murray French verkörpert, dem Streifen die nötige Glaubwürdigkeit verleiht.
Zusammen mit der wunderschönen kanadischen Landschaft und den ideenreichen Wendungen der Geschichte, ist für gute Unterhaltung gesorgt.
Über das Ende der Story kann man sicher geteilter Meinung sein, ich hätte mir da etwas mehr Kreativität gewünscht…

Wer gute und humorvolle Unterhaltung sucht, wird hier sicher auf seine Kosten kommen.

Die Friseuse

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Regie: Doris Dörrie
Musik: LaBrassBanda u.a.
Drehbuch: Laila Stieler

Deutschland / 2010

Hauptdarsteller: Gabriela Maria Schmeide, Natascha Lawiszus, Ill-Young Kim...u.a.

HANDLUNG

Nach der Trennung von ihrem Mann kehrt Kathi König zusammen mit ihrer Teenager-Tochter Julia zurück nach Berlin-Marzahn, wo sie aufgewachsen ist.
Als gelernte Friseuse macht sie sich auf die Suche nach einer geeigneten Stelle, stösst aber auf Grund ihrer Fettleibigkeit nur auf Ablehnung und verschlossene Türen. Schliesslich entschliesst sie sich einen eigenen Friseur-Salon aufzumachen. Nicht gerechnet hat sie dabei aber mit den behördlichen Schikanen, dem Widerstand der Banken und windigen Beratern.
Als der Stand ihrer Verzweiflung den selben Tiefstand wie ihr Konto erreicht, lässt sie sich von einem kleinkriminellen Schleuser dazu überreden, vietnamesische Flüchtlinge von Polen nach Deutschland zu bringen. Die Aktion geht aber gründlich schief, und Kathi muss nun all ihre positive Energie aufwenden, um aus dem Schlamassel heraus zu kommen...

REZENSION

Wie man das von Doris Dörrie gewohnt ist, versteht sie es in diesem Streifen wiederum ausgesprochen gut, sich in andere Menschen einzufühlen und dies auch filmtechnisch rüberzubringen.
Wobei die Gratwanderung zwischen Tragödie – Komödie und Feel-Good-Movie erstaunlich gut funktioniert.
Ein mutiges und selten so ehrlich inszeniertes Thema wird auf sehr natürliche und schliesslich auch offene Weise dargestellt und regt zum Nachdenken an.

Das Drehbuch, das hier ausnahmsweise mal nicht von Doris Dörrie stammt, hat so seine leichten Hänger und ist vor allem zu Beginn etwas träge. Alles in allem haben wir es hier aber mit einem handwerklich gut gemachten und unterhaltsamen Film zu tun, der es versteht, schwierige Themen auf erträgliche Weise darzustellen.

Fazit: Gute gemachte Unterhaltung Made in Germany - ist seltener als man glauben könnte - und deshalb gibt es von mir eine Empfehlung für diesen Streifen!

Man lernt nie aus

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Intern

Regie: Nancy Meyers
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: Nancy Meyers

USA / 2015

Hauptdarsteller: Robert De Niro, Anne Hathaway, Rene Russo…u.a.


HANDLUNG

Der 70-jährige Witwer Ben Whittaker fühlt sich vereinsamt und unterfordert. Als ein neu gegründetes E-Commerce-Modeunternehmen Senioren-Praktikumsstellen ausschreibt, bewirbt sich Ben kurzentschlossen.
Zu seiner grossen Freude erhält er eine der begehrten Stellen. Die neue Internet-Welt ist ihm aber gänzlich fremd und das hektische Treiben ungewohnt. Nach und nach gelingt es ihm, durch seine grosse Erfahrung und seine charmante Art, sich unentbehrlich zu machen. Und selbst für Jules Ostin, die Chefin und Gründerin der Firma, wird er bald unverzichtbar…

REZENSION

Es lässt sich nicht verleugnen, dass wir es hier mit einem recht einfach gestrickten Film zu tun haben. Dennoch wird der Zuschauer, vor allem zu Beginn, erfreulich gut ins Geschehen hineingezogen. Die Umsetzung ist witzig und die Dialoge für Hollywood-Verhältnisse ansprechend.
Mit fortschreitender Handlung wird das eigentliche Thema etwas verwässert und wandelt sich zu einem Beziehungsdrama. Dass das Ganze dann nicht Schiffbruch erleidet, ist in erster Linie der hervorragenden, nuancierten Spielweise De Niros geschuldet, der dem Film die Glaubwürdigkeit rettet. Dabei ist er Gentlemen genug, auch Anne Hathaway genügend Raum zur Entfaltung zuzugestehen, auch wenn sie dieses Angebot nicht immer ganz befriedigend nutzt.
Im Grossen und Ganzen haben wir schlussendlich, wie wir das von Nancy Meyer gewohnt sind, ein Feelgood-Movie, ohne Ecken und Kanten, aber mit viel Charme. Wie auch immer, Langeweile kommt zu keiner Zeit auf...

Fazit: Gute Unterhaltung für zwischendurch, kann man sich auf jeden Fall ansehen - und für alle Robert de Niro-Fans sowieso ein Muss!

10 Dinge, die ich an Dir hasse

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: 10 Things I Hate About You

Regie: Gil Junger
Musik: Richard Gibbs
Drehbuch: Karen McCullah Lutz / Kristen Smith

USA / 1999

Hauptdarsteller: Heath Ledger, Julia Stiles, Joseph Gordon-Levitt, Larisa Oleynik...u.a.

HANDLUNG

Bianca Stratford ist eine der beliebtesten Schülerinnen an der Padua-High-School. Ihr einziges Problem ist ihre Schwester Kat, die am untersten Ende der Beliebtheitsskala der Schule steht und mit ihrer ruppigen Art bei Lehrern wie Mitschülern aneckt.
Bianca möchte unbedingt mit ihrem Schulschwarm Joey ausgehen, was ihr aber von ihrem gestrengen Vater untersagt wird. Er stellt die Regel auf, dass Bianca erst mit einem männlichen Mitschüler ausgehen darf, wenn auch ihre ältere Schwester Kat ein solche Verabredung hat. Kat kann der Männerwelt allerdings gar nichts abgewinnen und bringt die kleine Schwester mit ihrer widerspenstigen Art auf die Palme.
Um endlich mit Bianca ausgehen zu können, besticht Joey den rebellischen Patrick, damit dieser Kat zu einem Date überredet. Doch der Plan geht gründlich schief, da sich Patrick tatsächlich in Kat verliebt und der schüchterne Cameron Bianca davon zu überzeugen versucht, dass Joey alles andere als der nette Schönling ist, für den ihn Bianca hält. Es kommt wie es kommen muss – die Geschichte gerät gründlich ausser Kontrolle...

REZENSION

In den 80er- und 90er-Jahren wurden unzählige High-School-Teenie-Kömödien produziert. Die meisten sind heute (zu recht) in Vergessenheit geraten. Ganz anders sieht das bei dem hier vorliegenden Werk aus, das sich mit seiner frischen originellen Art deutlich von seinen Genre-Kollegen abhebt.
Das ist zum einen auf die recht komplexe und vielschichtige Grundstory zurückzuführen, die sich im Wesentlichen auf Shakespeares „Die Widerspenstige Zähmung“ abstützt. Mit diesem Shakespeare-Element wird dann auch immer wieder gespielt. Zum anderen haben wir es hier mit einem unglaublich guten Cast zu tun, allen voran der leider viel zu früh verstorbene Heath Ledger, der mit der weiblichen Hauptdarstellerin Julia Stiles hervorragend harmoniert und dadurch eine Tiefe aufkommen lässt, wie sie normalerweise bei solchen High-School-Filmen nicht zu finden ist.
Im Grunde ist es kein High-School-Film, vielmehr ein gut gemachter Coming-of-Age-Film, bei dem die Akteure zufällig High-School-Schüler sind. So stehen dann auch nicht die Schulprobleme oder die Lehrer im Mittelpunkt, sondern die Beziehungen unter den Schülern.
Abschliessend will ich noch auf die kongeniale Filmmusik eingehen, die zum Gelingen des Filmes einen nicht unwesentlichen Beitrag leistet. Verwendet wurde hauptsächlich Independent-Musik aus dem Ska-Bereich. Es entsteht eine ausgezeichnete Atmosphäre, indem einzelne Bands wie beispielsweise die Save Ferris während des Filmes life performen und so den Szenen ein sehr authentisches Flair verleihen.

Learning to Drive - Fahrstunden fürs Leben

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Originaltitel: Learning to Drive

Regie: Isabel Coixet
Musik: Dhani Harrison / Paul Hicks
Drehbuch: Sarah Kernochan

USA / 2014

Hauptdarsteller: Ben Kingsley, Patricia Clarkson, Jake Weber, Grace Gummer...u.a

HANDLUNG

Die erfolgreiche Literaturkritikerin Wendy wird nach 21 Ehejahren von ihrem Mann verlassen. Zudem lebt ihre Tochter Tasha vorübergehend weit weg von New York im Hinterland von Vermont. Wendy will aus der Not eine Tugend machen und beschliesst, nun endlich ihren Führerschein zu machen, um ihre Tochter besuchen zu können.
Ihr Fahrlehrer ist in jeder Beziehung ungewöhnlich. Darwan ist ein Sikh und musste sein Heimatland aus politischen Gründen verlassen. Wendy ist schnell durch die bedachte und weise Art Darwans beeindruckt und erlangt ihre gewohnte Sicherheit zurück.
Während die beiden in den Strassenschluchten New Yorks herum kurven, wird bald beiden klar, dass jeder vom anderen etwas lernen kann. Eine aussergewöhnliche Freundschaft nimmt ihren Lauf…

REZENSION

Positiv zu vermerken ist, dass Ben Kingsley nach wie vor ein beindruckender Schauspieler ist und auch in diesem Streifen der spanischen Regisseurin Isabel Coixet zeigt, dass er in jede x-beliebige Rolle zu schlüpfen und diese glaubhaft zu verkörpern versteht. Er ist dann auch das Highlight dieser ansonsten eher konservativ umgesetzten Tragikkomödie.
Leider gewährt das Drehbuch keinen tieferen Einblick in die verschiedenen Charaktere. Während der Streifen zu Beginn noch recht flott inszeniert ist, gerät er dann etwas aus der Spur, wirkt allzu harmlos und uninspiriert. Erst im letzten Drittel, wo sich die Geschichte etwas mehr Darwan und seiner Ehefrau zuwendet, gewinnt das Ganze wieder an Fahrt – hinterlässt jedoch durch sein unvermitteltes Ende beim Zuschauer mehr Fragen als Antworten. Ich mag an sich Filme mit Enden, die offen gehalten sind, aber hier wirkt das unfertig und nicht zu Ende erzählt.
Grundsätzlich haben wir es mit einem netten Unterhaltungsfilm zu tun, den man sich durchaus mal ansehen kann - allein schon wegen Ben Kingsley…