Das Glück an meiner Seite

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Originaltitel: You‘re Not You

Regie: Geroge C. Wolfe
Musik: Jeanine Tesori
Drehbuch: Shana Feste / Jordan Roberts

USA / 2014

Hauptdarsteller: Hillary Swank, Emmy Rossum, Josh Duhamel...u.a.

HANDLUNG

Die glücklich verheiratete erfolgreiche Konzertpianistin Kate hat eigentlich alles, was sie sich wünschen kann. Um so grösser sitzt der Schock, als bei ihr ALS, eine unheilbare degenerative Nervenerkrankung, diagnostiziert wird.
Kate verliert nach und nach ihre motorischen Fähigkeiten und ist auf ihren Mann und später auf Pflegehilfen angewiesen.
Eines Tages bewirbt sich die chaotische Studentin Bec für die Stelle als Pflegerin. Obwohl sie keinerlei Erfahrungen in diesem Bereich aufweisen kann, stellt sie Kate, sehr zum Ärger ihres Mannes, ein.
Die unkonventionelle Bec schafft es, Kate wieder etwas Lebensfreude zu vermitteln, und umgekehrt sorgt Kate dafür, dass Bec zu mehr Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein findet. Doch Kates Krankheit schreitet fort und beiden ist klar, dass die neu entstandene Freundschaft schon bald auf eine schwere Probe gestellt werden wird...

REZENSION

Wer sich bei der Grundstory an „Ziemlich beste Freunde“ erinnert fühlt, liegt richtig. Die Gemeinsamkeiten sind vor allem zu Beginn der Geschichte unverkennbar. Ebenso unverkennbar wird aber mit fortschreitender Handlung, dass wir es hier nicht mit einer französischen Produktion zu tun haben, sondern mit einer US-amerikanischen. Das wird vor allem in der stetig wachsenden Melodramatik spürbar, die sich ab der Mitte des Filmes deutlich bemerkbar macht. Das ist schade, zerstört sie doch so etwas die Glaubhaftigkeit und menschliche Tragödie, die von Hilary Swank grandios verkörpert wird.
Was am Anfang etwas zu locker und beinahe schon slapstickartig inszeniert wird, kippt in der zweiten Hälfte ins Dramatische, gar Weinerliche. Wobei beides eigentlich gut inszeniert ist, der Kontrast vom einen zum anderen ist nur zu gross und wirkt deshalb ungewollt unrealistisch.

Alles in allem haben wir es aber mit einem durchaus sehenswerten Streifen zu tun, der vor allem auf schauspielerischer Ebene wirklich zu überzeugen weiss und die leichten Schwachpunkte im Drehbuch beinahe vergessen lässt.

Ganz weit hinten

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Originaltitel: The Way, Way Back

Regie: Nat Faxon & Jim Rash
Musik: Rob Simonsen
Drehbuch: Nat Faxon & Jim Rash

USA / 2013

Hauptdarsteller: Liam James, Steve Carell, Toni Collette...u.a.

HANDLUNG

Der Schüchterne und introvertierte 14-jährige Duncan verbringt die Sommerferien mit seiner Mutter, ihrem neuen Freund und dessen Tochter in einem Strandhaus auf Cape Cod.
Da er Trent, den neuen Freund seiner Mutter, überhaupt nicht leiden kann und dessen Tochter Steph ihn wie Luft behandelt, versucht er der gespielten Familienidylle zu entfliehen. Er heuert im nahe gelegenen Water-Wizz-Wasserpark an und freundet sich mit dem Manager Owen an.
Hier trifft Duncan auf eine ganz neue Welt. Er wird respektiert und so genommen, wie er ist. Sein wachsendes Selbstvertrauen bringt ihm zuhause aber nur noch mehr Probleme mit Trent ein. Allerdings beginnt sich die hübsche Susanna, die im benachbarten Strandhaus mit ihrer Mutter wohnt, für Duncan zu interessieren, und es sieht ganz so aus, als ob dieser Sommer für Duncan doch noch besser werden würde, als befürchtet...

REZENSION

Erwartet hatte ich ein unterhaltsames, einfach gestricktes Coming-of-Age-Filmchen. Geboten wurde mir eine sehr kurzweilige und vielschichtige Tragikkomödie, die sich weit von den 08/15-Coming-of-Age-Filmen abhebt.
Der etwas melancholische Charme dieser Sommergeschichte harmoniert hervorragend mit der schüchternen, unbeholfen wirkenden Hauptfigur und lässt eine ausgezeichnete Atmosphäre entstehen. Dabei wird von Beginn weg kräftig mit Klischees gespielt, ohne ihnen aber jemals zum Opfer zu fallen.
Die sehr ausgewogene Mischung aus Drama und Komödie machen den Film zu einem richtigen Wohlfühlfilm. Dabei ist er zu keiner Zeit langweilig. Die Dialoge sind stimmig und heben sich angenehm ab vom üblichen Hollywood-Kitsch, den man üblicherweise in solchen Filmen zu hören bekommt.
Die Story an sich ist glaubhaft und sehr gut in Szene gesetzt.
Kurz, wir haben es hier mit einem dieser Filme zu tun, bei denen man es sehr bereut, wenn sie zu Ende sind – ich hätte den Protagonisten noch lange zusehen können…

Fazit: Ein Coming-of-Age-Film mit Tiefgang und Witz, der sich angenehm von der Masse abhebt!

Columbo - Des Teufels Corporal

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Originaltitel: By Dawn’s Early Light

Regie: Harvey Hart
Musik: Bernardo Segall
Drehbuch: Howard Berk

USA / 1974

Hauptdarsteller: Peter Falk, Patrick McGoohan, Bruce Kirby…u.a.


HANDLUNG

Colonel Lyle C. Rumford ist Kommandant einer privaten Kadettenakademie. Als er erfährt, dass wegen sinkenden Kadettenzahlen die Militärakademie in ein gemischtes College umgewandelt werden soll, greift er zu drastischen Mitteln. Er manipuliert die Munition einer Kanone, die am Gründungstag durch William Haynes, dem zivilen Leiter der Akademie, abgefeuert werden soll. Haynes kommt bei der Explosion ums Leben. Die Polizei geht von einem Defekt an der alten Kanone und somit von einem Unfall aus. Inspektor Columbo sieht das aber etwas anders und hätte da noch ein paar Fragen…

REZENSION

Die deutschen Filmverleihe übertrumpfen sich ja immer mal wieder damit, den bescheuertsten Filmtitel zu finden.
So auch im vorliegenden Beispiel, wo man den fast schon lyrischen Titel: „By Dawn’s Early Light“ (Während der ersten Morgendämmerung) in den stumpfsinnigen deutschen Titel: „Des Teufels Corporal“ umwandelte. Da im gesamten Film kein Korporal vorkommt, dürfte wohl der Colonel gemeint sein…
Wie auch immer. Es ist erfreulich, dass es endlich eine Folge der Columbo-Serie auf Blu-ray geschafft hat. Allerdings wäre es noch erfreulicher gewesen, wenn gleich eine ganze Staffel den Weg ins HD-Zeitalter gefunden hätte.
Die vorliegende Folge gehört sicherlich nicht zu den schlechtesten, allerdings auch nicht unbedingt zum Besten, was Columbo zu bieten hat.
Schauspielerisch gibt es aber nicht viel zu meckern, Peter Falk spielt gewohnt gut und Patrick McGoohan ist hervorragend in der Rolle des Militaristen.
Die Story selber bietet nicht übermässig viele Überraschungsmomente, verbreitet aber den vertrauten Columbo-Charme.

Heute bin ich Samba

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Originaltitel: Samba

Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache
Musik: Ludovico Einaudi
Drehbuch: Erich Toledano, Olivier Nakache

Frankreich / 2014

Hauptdarsteller: Omar Sy, Charlotte Gainsbourg, Tahar Rahim, Izïa Higelin...u.a.


HANDLUNG

Der aus Senegal stammende Samba Cissé lebt und arbeitet, da er keine Aufenthaltserlaubnis besitzt, seit zehn Jahren illegal in Paris.
Er ist als Tellerwäscher in einer Grossküche beschäftigt. Als sich die Möglichkeit einer Festanstellung als Koch eröffnet, tritt Samba den dafür notwendigen Gang zu den Behörden an. Er erhält aber nicht wie erhofft eine Aufenthaltserlaubnis, sondern wird in Abschiebehaft gesetzt. Hier trifft er auf Alice, die sich nach einem Burnout ehrenamtlich im Sozialdienst engagiert.
Nachdem Samba freigelassen und aufgefordert wird Frankreich zu verlassen, taucht er unter. Es beginnt ein Leben mit ständig wechselnden Gelegenheitsjobs und Angst vor der Polizei.
Derweil kommen sich die schwermütige Alice und der unsichere Samba näher...

REZENSION

Wer diese Geschichte liest, kann kaum glauben, dass daraus ein humorvoller Film entstehen könnte. Und doch ist es den Machern von „Ziemlich beste Freunde“ ein weiteres Mal gelungen, aus einem sehr heiklen Thema, mit viel Einfühlungsvermögen und guten Dialogen, ein humoristisches Sozialdrama zu machen, wie ich es auf diesem Niveau schon lange nicht mehr gesehen habe.
Nur ganz selten gehen der Inszenierung etwas die „Pferde durch“ und wird der Humor etwas zu forciert eingesetzt. Ansonsten gelingt der Balance-Akt bewundernswert und eindrücklich.
Selbst die Gegenüberstellung eines Burnouts einer Managerin mit der existenziellen Not eines illegalen Einwanderers, wirkt auf mich nie deplatziert oder verfehlt. Beide Figuren sind in ihrer eigenen Welt gefangen und können sich durch ihre gegenseitige Hilfe aus ihrer jeweiligen Notlage heraus befreien. Die Geschichte wirkt glaubhaft und nachvollziehbar. Ehrlich gesagt finde ich in dieser Beziehung den hier vorliegende Film sogar besser als „Ziemlich beste Freunde“. Man hat es hier vorteilhafter verstanden, Komik und Realismus zu vermengen, ohne dass die Glaubwürdigkeit darunter zu leiden hätte.
Geschuldet ist diese Wirkung natürlich, nebst der einwandfreien Inszenierung, der grossartigen schauspielerischen Leistung von Omar Sy und Charlotte Gainsbourg.

Fazit: Ein brandaktuelles und anspruchsvolles Thema in erträglicher Form auf die Leinwand zu bringen, ist alles andere als eine leichtes Unterfangen. Hier ist das grandios gelungen!

Fest steht, Freunde des französischen Kinos kommen hier voll auf ihre Kosten!

Auch die Engel essen Bohnen

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Originaltitel: Anche gli angeli mangiano fagioli

Regie: Enzo Barboni
Musik: Oiliver Onions
Drehbuch: Tulio Demicheli u.a.

Italien / 1973

Hauptdarsteller: Bud Spencer, Giuliano Gemma, Robert Middleton...u.a.

HANDLUNG

Die Geschichte spielt in New York in den 1920er Jahren.
Der ausgefuchste Sonny und der geistig eher etwas schwerfällige Catcher Charlie treffen zufällig aufeinander. Beide sind sie ziemlich abgebrannt und auch die Zukunftsaussichten sehen düster aus.
Sie lassen sich vom Mafia-Boss Don Angelo anheuern und sollen fortan für ihn allerlei krumme Geschäfte erledigen.
Die zwei sind aber alles andere als geeignet für dieses Business, und so kommt es, dass sie, nachdem sie die Schutzgelder eingetrieben haben, weniger Geld in der Tasche haben als zuvor.
Als sie die fehlenden Moneten von einem rivalisierenden Syndikat klauen, lösen sie damit einen gnadenlosen Unterweltkrieg aus, der die halbe Stadt ins Chaos stürzt...

REZENSION

Der Film ist als Parodie auf den Gangsterfilm angelegt, kann sich aber nicht so richtig entscheiden, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Die Slapstick-Einlagen nehmen zuweilen bedrohliche Ausmasse an, und aus der Parodie wird schnell ein Rumgeblödel, in dem die parodistische Tiefe eindeutig verloren geht.
Zudem harmoniert Bud Spencer mit Giuliano Gemma nicht so gut, wie man das von ihm mit Terence Hill gewohnt ist. Was man sich bei Hill irgendwie noch vorstellen könnte, wirkt bei Gemma zu albern und aufgesetzt.
Ich möchte den Streifen hier aber nicht nur schlechtreden. Er hat durchaus seine heiteren und gelungenen Momente. Die Szene, in der sie die Schutzgelder eintreiben müssen, ist grossartig gelungen und zum Brüllen komisch. Schade nur, dass dieses Niveau nicht über den gesamten Film hindurch gehalten werden kann.
Alles in allem ein Film, den man sich ansehen kann, der aber kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird...

Fazit: Ein unterhaltsamer Klamauk-Streifen für die eher anspruchslosen Momente im Leben.

Der grosse Trip

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Originaltitel: Wild

Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Nick Hornby
Musik: Yves Bélanger

USA / 2014

Hauptdarsteller: Reese Witherspoon, Laura Dern, Thomas Sadoski...u.a.

HANDLUNG

Charyl Strayed macht sich auf die 1600 Kilometer lange Wanderung entlang des Pacific Crest Trails (PCT). Es sind vor allem persönliche Gründe, die sie dazu treiben, den langen Weg alleine durch brütende Hitze, klirrende Kälte und menschenverlassene Gegenden zu unternehmen. Der gewalttätige Vater, sowie der frühe Tod ihrer Mutter haben sie aus der Spur gebracht und schliesslich auch ihre Ehe zerstört.
Sie kämpft aber nicht nur gegen die Natur, sondern auch mit zu engen Wanderschuhen und einem überladenen Rucksack, der von PCT-Bekanntschaften bald den Spitznamen „Monster“ erhält.
Auf sich alleine gestellt, gelingt es ihr nach und nach mit ihren Schuldgefühlen und den Strapazen fertig zu werden. Ihr Ziel ist die Bridge oft the Gods, die über den Columbia River führt…

REZENSIION

Es ist der Geschichte deutlich anzumerken, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Es wird weitgehend auf billige Effekthascherei verzichtet, wie es sonst bei solchen Produktionen üblich ist.
In unzähligen Rückblenden wird die Geschichte von Charyl Strayed aufgerollt und so den Zuschauer nach und nach ins Bild gesetzt. Diese Erzähltechnik bringt zum einen etwas Unruhe in den Storyverlauf, macht die Handlung zum anderen allerdings etwas abwechslungsreicher.
Das Drehbuch ist schlüssig und stimmig verfasst, Nick Hornbys Handschrift ist da deutlich zu erkennen. Dazu kommt die sehr gute schauspielerische Umsetzung durch Reese Witherspoon, die nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern den Streifen auch gleich mitproduzierte.
Es lassen sich aber durchaus auch leichte Schwächen bei der Figurentwicklung feststellen. So richtig fassbar wird die Hauptfigur bis zum Schluss nicht, vielleicht wurde das auch bewusst so angelegt…

Ein wichtiges stilistisches Element bildet die Filmmusik, die omnipräsent und sehr subtil eingesetzt wird. Im Zentrum steht dabei Simon & Garfunkels „El condor pasa“, welches während des ganzen Filmes immer wieder als Leitmotiv Verwendung findet, aber erst gegen Ende der Geschichte über die Anfangstakte hinauskommt.

Alles in allem eine kurzweilige Geschichte mit realistischer Umsetzung und wunderschönen Landschaftsaufnahmen.

Madagascar

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Madagascar

Regie: Eric Darnell, Tom McGrath
Musik: Hans Zimmer
Drehbuch: Mark Burton, Billy Frolick…u.a.

USA / 2005

Studio: Dreamworks Animation


HANDLUNG

Marty, ein in einem New Yorker Zoo lebendes Zebra, befindet sich in einer Midlife Crisis. Er träumt von der Freiheit und den Weiten der afrikanischen Steppe. Sein Freund, Alex der Löwe, kann dieses Ansinnen gar nicht verstehen.
Nach einem missglückten Zooausbruch, wird Marty, zusammen mit seinen Freunden, dem Löwen Alex, der Giraffe Melman, der Nilpferd-Dame Gloria sowie den durchtriebenen Pinguinen Skipper, Kowalski, Rico und Privat auf einem Frachtschiff in ein Naturreservat in Kenia verschifft. Die Pinguine sind aber gar nicht begeistert vom Reiseziel und kapern kurzerhand das Schiff. Die ganze Gesellschaft landet schliesslich als Schiffbrüchige in Madagaskar. Ihre erste Erfahrung mit der Wildnis ist allerdings ganz anders, als sie sich das vorgestellt hatten…

REZENSION

Madagascar ist schräg, liebenswert und originell.
Trotzdem kann ich diesen Animationsstreifen aus dem DreamWorks-Studio nicht zu meinen Lieblingsfilmen zählen. Zum einen, weil dem Streifen einfach die Tiefe fehlt, wie man sie zum Beispiel aus Produktionen der Pixar-Studios kennt. Madagascar ist eindeutig für Kinder gemacht, nicht für Erwachsene.
Zum anderen sind die Hauptfiguren irritierenderweise die langweiligsten Charaktere im Film. Die vier Pinguine stehlen den vier Hauptfiguren ohne Frage die Show. Auch die Figur des Lemuren-Königs ist um Klassen witziger und interessanter ausgefallen als Marty oder Alex.
Ich habe mich dabei ertappt, wie ich gehofft habe, dass die Pinguine bald wieder erscheinen würden, während mich das Gekeife von Marty zu nerven begann.
Die Geschichte an sich ist im Grundkonstrukt originell, aber sehr einfach und flach umgesetzt, bis hin zum offenen Schluss, der wohl schon mit Blick auf Teil zwei konzipiert wurde.
Nein, wirklich begeistert bin ich von Madagascar nicht, als nette Unterhaltung kann man sich das dennoch durchaus mal ansehen.

Song für Marion

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Song for Marion

Regie: Paul Andrew Williams
Musik: Laura Rossi
Drehbuch: Paul Andrew Williams

Grossbritannien, Deutschland / 2012

Hauptdarsteller: Terence Stamp, Vanessa Redgrave, Gemma Arterton…u.a.

HANDLUNG

Arthur Harris ist der mürrische Ehemann von Marion, die
unheilbar an Krebs erkrankt ist. Trotzdem engagiert sie sich weiterhin mit viel Freude im örtlichen Seniorenchor. Dies sehr zum Unmut ihres mürrischen Ehemannes Arthur, der befürchtet, dass Sie sich damit zu viel zumutet. Abgesehen davon hält er die Songs, die einstudiert werden, für peinlich.
Als Marion schliesslich stirbt, bricht für Arthur eine Welt zusammen. Er bricht den Kontakt zu seinem Sohn ab und verliert seinen Lebensmut.
Der jungen Chorleiterin Elizabeth gelingt es, Arthur davon zu überzeugen, dass Marion stolz darauf wäre, wenn er ihren Platz im Chor einnehmen würde.
Auch wenn Arthur nicht über seinen Schatten springen kann, begibt er sich doch mit dem Chor auf eine Reise, die alle verändern wird…

REZENSION


Manchmal sind es eben gerade kleine Independent-Filme, die ohne grosses Budget und ohne grossartige Kulissen auskommen, welche es schaffen, einen Zauber auszuströmen, der den Zuschauer in seinen Bann zieht.
Genau so eine Filmperle ist „Song for Marion“. Schauspielerisch absolut überragend gespielt, mit realistischem und packendem Drehbuch versehen, taucht man als Zuschauer völlig in die Geschichte ein.
Die sehr rührende Erzählweise wird zu keiner Zeit rührselig oder gar kitschig. Man kann nicht mal behaupten, dass die Gratwanderung gelungen sei, denn es gibt keine solche.
Die wunderbare Inszenierung überzeugt von Anfang an durch Souveränität und treibt die Story gekonnt voran.
Diese sehr realistische und überlegene Umsetzung hat freilich aber den Nachteil, dass kaum ein Auge trocken bleibt und man den Taschentuchvorrat mit Bedacht schon vorgängig bereitlegen sollte…

Fazit: Eine Liebesgeschichte, verpackt in einer Tragikkomödie mit überzeugendem Drehbuch und hervorragender schauspielerischer Umsetzung. Was will man mehr?

Honig im Kopf

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Regie: Til Schweiger
Musik: Rik Reichardt, Martin Todsharow
Drehbuch: Til Schweiger, Hilly Martinek

Deutschland / 2014

Hauptdarsteller: Dieter Hallervorden, Emma Schweiger, Til Schweiger, Jeanette Hain...u.a.


HANDLUNG

Amandus Rosenbach, ehemaliger Tierarzt, weist nach dem Tod seiner Frau immer mehr Anzeichen einer fortschreitenden Demenz auf. Da er nicht mehr alleine leben kann, nimmt ihn sein Sohn Niko bei sich auf. Seine Ehefrau Sarah ist von dem chaotischen Durcheinander, das der zunehmend verwirrter werdende Amandus anrichtet, überfordert. Die elfjährige Tilda hingegen freut sich sehr, ihren geliebten Grossvater bei sich zu haben.
Als Tilda befürchtet, dass ihr Grossvater in ein Heim für Alzheimer-Patienten gesteckt werden soll, reisst sie zusammen mit Amandus aus. Sie machen sich auf den Weg nach Venedig, wo Amandus und seine Frau in jungen Jahren glücklich waren. Eine lange Reise beginnt, die von vielen unvorhergesehenen Ereignissen geprägt ist…

REZENSION

Ich möchte mit dem Positiven anfangen: Die schauspielerische Leistung von Dieter Hallervorden ist grossartig. Er spielt den an Alzheimer erkrankten Grossvater sehr glaubhaft und bewegend. Auch Emma Schweiger spielt ihre Rolle überzeugend.
Weniger überzeugend, und damit wären wir nun bereits beim Negativen, ist das Drehbuch und die Inszenierung.
Der ganze Streifen ist auf geradezu penetrante Weise auf Effekthascherei ausgerichtet. Kaum eine Szene, bei der nicht das Gefühl aufkommt, dass der Requisiteur Amok gelaufen sei.
Am Auffälligsten wird das zum Beispiel in der Klosterszene, wo hunderte von brennenden Kerzen im ganzen Kloster verteilt sind.
Die Dialoge konnten mich ebenfalls nicht überzeugen. Zuviel wird auf Kallauerbasis operiert, zu oft mit billigem Sexismus nach platten Lachern gefischt.
Es spricht an sich nichts dagegen, ein so heikles Thema in Komödienform aufzuarbeiten. Für dieses Unterfangen dürfte Til Schweiger aber definitiv nicht die geeignete Person gewesen sein, dafür fehlte es im sowohl an Einfühlungsvermögen wie auch Sensibilität. So werden dann auch immer wieder Szenen, die eigentlich todtraurig wären, durch die grobschlächtige Umsetzung zu irritierenden Erlebnissen.

Auf die ganzen handlungstechnischen Unstimmigkeiten möchte ich hier gar nicht weiter eingehen. Es sind einfach zu viele an den Haaren herbeigezogene Handlungsverläufe, als dass man sie alle aufzählen könnte.

Man kann sich diesen Streifen durchaus mal ansehen, alleine schon wegen Dieter Hallervorden, aber sowas wie eine schlüssige Story oder gar intelligenten Humor darf man nicht erwarten…

Mr. Turner - Meister des Lichts

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Mr. Turner

Regie: Mike Leigh
Musik: Gary Yershon
Drehbuch: Mike Leigh

Grossbritannien / 2014

Hauptdarsteller: Timothy Spall, Paul Jesson, Marion Bailey, Dorothy Atkinson…u.a.


HANDLUNG

Wir lernen in dieser Filmbiografie den Maler William Turner (1975-1851) näher kennen, wobei der Fokus auf die letzen 25 Lebensjahre gelegt wird.
Turner war alles andere als ein einfacher Zeitgenosse. Verschroben, mürrisch und unnahbar begegnet er seiner Umwelt. Nur in seinem Atelier oder unterwegs mit seinem Skizzenbuch konnte er aus sich herausgehen.
Seine getriebene Art wird nach dem Tod seines Vaters noch exzessiver. Mehr und mehr entfernt er sich mit seiner Malerei von der realen Darstellung und stösst damit in der Öffentlichkeit auf Unverständnis, die schliesslich in Hohn mündet.
Turner versucht, aus seinem Alltag zu fliehen. Als sich das anfängliche Verhältnis zur Witwe Sophia Booth zu einer Beziehung entwickelt, beginnt Turner ein Doppelleben zu führen, von dem bis zu seinem Tod niemand weiss…

REZENSION

Mike Leigh hatte schon in seinem letzten Werk „Another Year“ bewiesen, dass er ein unglaublich gutes Gespür für langsame Inszenierungen hat.
Turner lebte in einer aufregenden Zeit, in der neue Technologien wie die Eisenbahn oder der Fotoapparat zu markanten Veränderungen führten. Auch seine Malerei war modern, für manchen Zeitgenossen wohl zu modern.
Der Film ist sehr bedächtig inszeniert und gibt den Schauspielern Raum zur Entfaltung. Es ist spannend, den Figuren bei ihrer Entwicklung zuzusehen. Dank dieser vorsichtigen und behutsamen Herangehensweise wirken die Bilder für sich und werden lediglich durch Dialoge unterstützt. Oft reicht ein Blick oder eine Geste, um das Wesentliche auszudrücken.
Ein dezenter Streifen, auf dem man sich einlassen muss und, der so manch gestressten Zuschauer durch seine Bedächtigkeit wohl auch auf die Palme bringen kann…
Mit beträchtlichem Aufwand wird das frühe 19. Jahrhundert zum Leben erweckt. Dies gelingt durch hervorragend gewählte Drehorte und anspruchsvolle Kulissen, die den Film sehr authentisch rüber bringen. Dazu kommt eine Kameraführung, die unter anderem durch extrem schöne Landschaftsaufnahmen beeindruckt.

Zugegeben, der Film lässt zum Schluss mehr Fragen offen, als er beantwortet, aber es wäre auch etwas vermessen, von einer Filmbiografie etwas anderes zu erwarten. Mir hat er sehr gefallen, und ich kann ihn allen empfehlen, die etwas mit Malerei am Hut haben oder gerne gut umgesetzte Historienfilme sehen.

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

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Originaltitel: The Monuments Men

Regie: George Clooney
Musik: Alexandre Desplat
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov

USA, Deutschland / 2014

Hauptdarsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Cate Blanchett...u.a.

HANDLUNG

Während sich der Zweite Weltkrieg langsam seinem Ende zuneigt, wird immer deutlicher, dass die deutschen Einheiten gezielt, Kunstschätze stehlen und abtransportieren. Um diesem Treiben ein Ende zu setzen, wird in den USA unter der Leitung von Lt. Commander Frank Stokes eine Spezialeinheit „Monuments, Fine Arts, and Archives Section“ gegründet. Die Einheit besteht ausschliesslich aus Kunsthistorikern, Kuratoren, Architekten und Museumsdirektoren, die „Monuments Men“ genannt werden.
Ihr Auftrag besteht darin, hinter den Kampflinien die Kunstgüter in Kirchen, Museen etc. zu schützen und bereits gestohlene Kulturschätze wieder zu finden und zu sammeln.
Nach einem kurzen militärischen Crashkurs wird die Einheit ins Kriegsgebiet gebracht, wo sie sich an ihre Aufgabe macht.
Schnell wird klar, dass der Auftrag noch viel schwieriger wird als vorgestellt und ehe sie sich versehen, sind sie mitten drin im Krieg...

REZENSION

Kann ein Film, in dem Bill Murray, John Goodman, Matt Damon und George Clooney mitspielen, schlecht sein, habe ich mich gefragt. Wobei ich die beiden erstgenannten mit zu meinen Lieblingsschauspielern zähle. Dazu kommt eine sehr originelle Grundgeschichte. Ich muss gestehen, dass ich zuvor noch nie etwas von diesen „Monuments Men“ gehört hatte. Die Story interessierte mich, und ich habe mich auf den Streifen gefreut.

Bedauerlicherweise war die Vorfreude die einzige Freude, die mir dieses Werk bereitet hat. Das Drehbuch ist äusserst behäbig aufgebaut, die Dialoge, um es mal zurückhaltend zu formulieren, banal. Zudem erinnert die ganze Inszenierung an Kriegsfilme aus den 50er- oder 60er-Jahren. Wobei man nur die pathetische Opulenz und die äusserst einseitige Weltsicht aus dieser Zeit übernommen hat.
So werden sämtliche Figuren äusserst holzschnittartig wiedergegeben. Die Deutschen sind alle charakterlose Lumpen oder Naivlinge und die Russen natürlich böse und angsteinflössend. Als wären siebzig Jahre historischer Aufarbeitung komplett spurlos an Herrn Clooney, der das Drehbuch verfasst hatte, vorbeigezogen.
Selbst so herausragende Schauspieler wie John Goodman und Bill Murray wurden derart zurückgebunden, dass sie grösstenteils blass und unscheinbar wirken. Cate Blanchett als französische Résistance-Aktivistin ist meiner Meinung nach eine Fehlbesetzung. Eine Audrey Tautou oder Sophie Marceau wären wohl die bessere Wahl gewesen.
Wie auch immer. Ich habe daraus zwei Dinge gelernt: Erstens, es gab Monuments Men im Zweiten Weltkrieg und zweitens, ich werde mir keinen Film mehr ansehen, bei dem George Clooney Regie führte oder das Drehbuch verfasst hat – so gesehen war der Streifen nicht ganz für die Katz...

Fazit: Kann man sich ansehen, wenn einem langweilig ist, muss man aber nicht gesehen haben, dafür ist das Leben eigentlich zu kurz.

Ich, beide & sie

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Me, Myself & Irene

Regie: Peter und Bobby Farrelly
Musik: Pete Yorn, Lee Scott
Drehbuch: B. und P. Farrelly, Mike Cerrone
USA / 2000

Darsteller: Jim Carrey, Renée Zellweger, Chris Cooper…u.a.


HANDLUNG

Charlie Baileygates ist Polizist bei der Highway Patrol und vermutlich einer der gutmütigsten und naivsten Zeitgenossen, die es gibt, was von seinen Mitmenschen auch schamlos ausgenutzt wird.
Eines Tages passiert, was passieren muss, er erleidet einen Zusammenbruch. Sein Alter Ego Hank Evans ist das genaue Gegenteil von ihm, ein Draufgänger und unangenehmer Zeitgenosse. Die Psychologen stellen bei Charlie eine gespaltene Persönlichkeit fest und geben ihm Medikamente, um sein böses Ich zu unterdrücken… doch das gelingt nicht wirklich…

REZENSION

Nachdem ich mich nach einer halben Stunde recht gut unterhalten gefühlt habe und gespannt war auf die weitere Entwicklung, kam dann der Schock. Dabei wäre die Ausgangslage doch durchaus vielversprechend gewesen. Der super nette Durchschnitts-Typ, der von allen verarscht und ausgenutzt wird, entwickelt eine gespaltene Persönlichkeit und zeigt es allen mal so richtig (Die im Film immer wieder erwähnte "Schizophrenie“, ist übrigens eine völlig falsche Bezeichnung, da es sich dabei um eine ganz andere Krankheit handelt. Die korrekte medizinische Bezeichnung hier wäre: Dissoziative Identitätsstörung). Was hätte man daraus für einen tollen Streifen machen können... Nicht so hier. Der Humor rasselt so richtig tief und immer tiefer in den Keller und bleibt dann so beim vorpubertären Schmuddel-Witz hängen. Ok, wenn man einen Jim Carrey-Film schaut, erwartet man keinen kulturell hochstehenden, psychologisch tiefgreifenden cineastischen Höhenflug. Aber wenn Klamauk nur noch als Selbstzweck dient und die Spässe konstant nur noch unter der Gürtellinie stattfinden, kann man nach meinem Verständnis nicht mehr von einem gelungenen Filmprojekt sprechen. Der völlig verblödete Hollywood-like Schluss ist dann gewissermassen nur noch die abschliessende Bestätigung, dass man es hier wohl mit einem der schwächsten Carrey-Filme zu tun hat, der gewissermassen nur eine Neuverfilmung von "Die Maske" darstellt, ohne jedoch jemals auch nur entfernt an die Ironie und das perfekte Timing dieses Streifens heranzureichen...

Für hartgesottene Jim Carry-Fans mag der Film was taugen, alle anderen sollten einen Bogen darum machen...

Miss Bodyguard - In High Heels auf der Flucht

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Originaltitel: Hot Pursuit

Regie: Anne Fletcher
Musik: Christophe Beck
Drehbuch: David Feeney / John Quaintance

USA / 2015

Hauptdarsteller: Reese Witherspoon, Sofia Vergara…u.a.


HANDLUNG

Daniella Riva und ihr Mann sind die einzigen Zeugen, die gegen den inhaftierten Kartellboss Vicente Cortez aussagen können. Als die beiden in ihrem Haus von der Polizistin Rose Cooper und ihrem Kollegen abgeholt werden, geraten sie in einen Hinterhalt, dem Daniellas Ehemann und auch Roses Kollege zum Opfer fallen.
Die beiden sehr ungleichen Frauen sind nun auf sich allein gestellt. Bald zeigt sich, dass wohl nicht nur Kartellmitglieder hinter den beiden Frauen her sind, sonder gewisse Polizisten ebenfalls auf der Gehaltsliste des Kartellbosses stehen. Der Weg bis zum Gericht in Dallas ist lang und Gefahr lauert an jeder Strassenecke. Officer Cooper ist eine pedantische Paragrafenreiterin und Danielle Riva eine exzentrische Nervensäge, was schon bald für ordentlich Ärger zwischen den beiden Damen sorgt…

REZENSION

Roadmovies mit zwei weiblichen Hauptdarstellerinnen sind auch heutzutage immer noch etwas eher Seltenes. Vermutlich war das auch der Reiz, den Reese Witherspoon dazu verleitete, nicht nur eine Hauptrolle zu übernehmen, sondern den Streifen auch gleich mitzuproduzieren.
Es gibt einige durchaus witzige Dialoge zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen. Die Handlung an sich ist jedoch sehr einfach gestrickt und leicht zu durchschauen. Auch das Drehbuch besticht nicht gerade durch Originalität.
Obwohl Reese Witherspoon und Sofia Vergara ihre Parts gut verkörpern, gelingt es ihnen nicht, die beschriebenen Mängel zu überspielen. Vielmehr operieren die beiden in nicht wenigen Szenen an der Grenze zum Overacting, was die Geschichte zuweilen noch alberner wirken lässt, als der Glaubwürdigkeit gut tut.
Es sind dann immer wieder kleine Szenen, kurze Sätze oder gar nonverbale Einlagen zwischen den beiden, die einem von Zeit zu Zeit doch wieder ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern und aufzeigen, dass die Chemie zwischen ihnen sehr gut funktioniert. Dass beide Figuren dem Zuschauer nicht wirklich ans Herz wachsen, liegt eindeutig am etwas unbeholfenen Drehbuch und der konzeptionellen Umsetzung und nicht am schauspielerischen Können.

Alles in allem eine einfach gestrickte Roadmovie-Komödie, die vor allem Fans der beiden Hauptdarstellerinnen ansprechen dürfte. Ansonsten nette Unterhaltung für zwischendurch ohne Anspruch auf mehr…

Fazit: Ein Streifen, den man nicht gesehen haben muss, den man sich aber durchaus mal ansehen kann.

Restless

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Originaltitel: Restless

Regie: Gus Van Sant
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Jason Lew

USA / 2011

Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Henry Hopper, Ryô Kase…u.a.


HANDLUNG

Das Leben von Enoch Brae ist nach dem Unfalltod seiner Eltern ziemlich aus dem Ruder gelaufen.
Er hat mit seinem eigenen Leben abgeschlossen, geht nicht mehr zur Schule und verbringt seine Freizeit mit Besuchen von Beerdigungen. Zudem sieht er den Geist eines japanischen Kamikazefliegers, mit dem er sich unterhält.
An einer Beerdigung trifft er auf Annabel Cotton. Die junge lebenslustige Frau ist fasziniert von Enoch, und bald schon finden die beiden zusammen. Trotz offensichtlichen Gegensätzen merken die beiden, dass sie viele Gemeinsamkeiten verbindet.
Als Enoch erfährt, dass Annabel Krebs im Endstadium hat, verspricht er ihr, sie bis zum nahen Ende zu begleiten. Annabel versucht, die kurze verbleibende Zeit mit Enoch zu geniessen und Enoch hat, anders als beim Tod seiner Eltern, die Möglichkeit sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden…

REZENSION

Die Geschichte ist stellenweise sehr anrührend. Immer wieder schleichen sich aber auch etwas skurrile Momente ein, die die ganze Handlung etwas unglaubhaft werden lassen. Die Geschichte mit dem japanischen Kamikazeflieger zum Beispiel, nimmt, nach meinem Dafürhalten, viel zu viel Raum ein. Umso mehr, da bis zum Schluss eigentlich nicht klar wird, weshalb Enoch einen Kamikazeflieger als Geist sieht.
Henry Hopper als Enoch ist hier in seiner ersten Rolle zu sehen, und seine Unsicherheit ist deutlich zu spüren. Dies führt zu einigen Szenen, in denen die Harmonie zwischen den beiden Hauptfiguren etwas leidet.
Die Dialoge wirken zuweilen etwas hölzern und aufgesetzt. Ich bin mir jedoch bewusst, dass man versucht hat „natürlich“ zu wirken. Die Grenzen zwischen natürlich und gekünstelt sind allerdings fliessend und das Drehbuch holpert hier schon einige Male beträchtlich.
Dessen ungeachtet ein sehenswerter Independent-Film, der einen originellen Blick auf das Thema Tod und Abschied wirft. Der Streifen strahlt (trotz aller Tragik) eine lebensbejahende Gelassenheit aus, die dem Zuschauer etwas hilft, die traurigen Ereignisse zu verdauen.
Der Soundtrack ist zudem sehr gut, wenn auch ab und an etwas zu penetrant eingesetzt…
Ein für Genreliebhaber, trotz einiger Mängel, sehenswerter Film.

Stolz und Vorurteil

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Pride & Prejudice

Regie: Joe Wright
Musik: Dario Marianelli
Drehbuch: Deborah Moggach

Frankreich, Grossbritannien / 2005

Hauptdarsteller: Keira Knightley, Matthew Macfadyen, Rosamund Pike, Donald Sutherland...u.a.


HANDLUNG

Mrs. Bennets Lebensziel scheint es zu sein, alle ihre fünf Töchter schnellst und bestmöglich zu verheiraten. Dies sehr zum Missfallen ihrer zweitältesten Tochter Lizzie, die Männer grundsätzlich als etwas rückständig und anstrengend erachtet.
Die Bekanntschaft mit dem sehr stolz wirkenden Mr. Darcy scheint ihre Vorurteile nur noch zu bestärken. Doch mit der Zeit bemerkt Lizzie, dass nicht alles so ist, wie es scheint und sie versuchen sollte, ihre Vorurteile zu überwinden...

REZENSION

Ich bin der Ansicht, dass man einen Roman von Jane Austen ebenso wenig verfilmen kann wie die Werke von Virginia Woolf.
Dennoch wird es jedoch mit schöner Regelmässigkeit gemacht.
Was dabei herauskommt, ist in den meisten Fällen eine etwas einfach gestrickt wirkende Liebesgeschichte, die im Einzelfall auch Anzeichen einer Telenovela aufweisen kann. Das deshalb, weil man die ganzen Tiefen der Austen-Figuren nur schwerlich zeigen kann, ebenso wie die psychologischen Verwicklungen und inneren Konflikte. Was dann übrig bleibt, ist meist eine ziemlich oberflächliche Geschichte.
Die hier vorliegende Verfilmung von „Pride & Prejudice“ macht da im Grossen und Ganzen keine Ausnahme. Die Umsetzung wirkt etwas weichgespült. Mr. Bennet ist nicht so zynisch und Mrs. Bennet nur ansatzweise so hysterisch wie in der Buchvorlage. Auch der Hauptfigur Lizzie fehlt der typische Charme und die witzige Pfiffigkeit des Originals.
Betrachtet man den Film aber mal völlig autark, findet sich auch Gutes: Man hat sich redlich bemüht, das Lokalkolorit des 18. Jahrhunderts aufleben zu lassen. Die Dialoge sind zuweilen witzig und originell. Die schauspielerische Leistung weiss zudem zu gefallen, und die Landschaftsaufnahmen sind wunderschön.
Alles in allem also ein unterhaltsamer Streifen, der für sich betrachtet durchaus zu geniessen ist...

Fazit: Wer damit leben kann, dass die sozialkritischen Elemente aus Jane Austens Romanvorlage gestrichen wurden, wird an dieser Verfilmung gefallen finden.

Alice im Wunderland

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Alice in Wonderland

Regie: Tim Burton
Musik: Danny Elfman
Drehbuch: Linda Woolverton

USA / 2010

Hauptdarsteller: Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Johnny Depp, Anne Hathaway…u.a.


HANDLUNG

Die mittlerweile erwachsene Alice hat ihre Abenteuer im Wunderland, welche sie als Sechsjährige erlebt hatte, längst vergessen. Als sie bei einer Gartenparty einen Heiratsantrag erhält, bittet sie um Bedenkzeit. Sie sieht ein merkwürdiges Kaninchen mit Taschenuhr und folgt diesem. Sie fällt durch das Loch des Kaninchenbaus ins vermeintliche Wunderland. Dort wird sie in die Auseinandersetzung zwischen der bösen Roten Königin und deren Schwester der Weissen Königin hineingezogen. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle im Unterland (Alice hatte als Kind den Namen falsch verstanden) glauben, dass es sich bei der jungen Frau um die selbe Alice wie vor 13 Jahren handelt und ihr skeptisch gegenüber stehen. Wird sie der Weissen Königin helfen können und wieder zurück in ihre Welt finden…?

REZENSION

Wer Disneys Alice-Verfilmung im Hinterkopf hat, dürfte über diesen Film doch etwas irritiert sein - mir hat er aber sehr gut gefallen. In der Burton-typischen Art ist alles sehr finster und unheimlicher gehalten, als das aus der Originalgeschichte bekannt ist. Diese ganze Fantasy-Welt, die Burton da erschaffen hat, ist sehr faszinierend und hat mir um Längen besser gefallen, als zum Beispiel die glattgebügelte, sterile Welt in Avatar. Die Geschichte wird spannend erzählt und spielt mit dem Original.
Für meinen Geschmack war das Ende dann aber etwas zu überhastet und gehetzt.
Mia Wasikowska verkörpert die Alice sehr überzeugend und verpasst ihr einen eigenen Charme, Johnny Depp spielt gut wie immer und gehört bei Burton-Filmen ja längst zum festen Inventar…

Fazit: Ein sehenswerter Fantasy-Streifen mit Tim Burtons eigenem finsteren Charme. Wer Burton mag, wird auch diesen Streifen mögen…

Lachsfischen im Jemen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Salmon Fishing in the Yemen


Regie: Lasse Hallström
Musik: Dario Marianelli
Drehbuch: Simon Beaufoy

Grossbritannien / 2011

Hauptdarsteller: Ewan McGregor, Emily Blunt, Amir Waked…u.a.


HANDLUNG


Scheich Muhammad hat die exzentrische Idee, im Jemen die Lachsfischerei einzuführen. Er beauftragt die Anwältin Harriet Chetwode-Talbot, den anerkannten Fischereiexperten Alfred Jones für das Projekt zu gewinnen. Dieser lehnt aber das in seinen Augen unsinnige Anliegen ab. Erst als die britische Regierung, die in diesem Unternehmen ein Prestige trächtiges Projekt zu erkennen glaubt, Druck auf ihn ausübt, erklärt er sich zur Mitarbeit bereit.
Die Anwältin und der Fischexperte kommen sich näher, und plötzlich scheint auch das Projekt nicht mehr so unmöglich zu sein, wie anfänglich gedacht…

REZENSION

Die recht originelle Grundidee dieses Filmes funktioniert vor allem in der ersten Stunde sehr gut. Sarkastisch-ironische Wortgefechte, und die erfrischende Spielweise von McGregor und Blunt machen den Streifen kurzweilig und unterhaltsam. Die zweite Filmhälfte relativiert das Ganze dann leider etwas. Die Liebesgeschichte wird etwas gar holzschnittartig dargestellt, und auch textlich mag die zweite Hälfte nicht mehr so ganz mithalten. Was am Schluss bleibt, ist ein unterhaltsamer Film, der aber wohl mehr wegen den wirklich schönen Landschaftsaufnahmen in Erinnerung bleiben wird, als wegen einer gelungenen Story...

Ein unterhaltsamer Streifen, der zwar einige inhaltliche Mängel aufweist, aber trotzdem sehenswert und amüsant bleibt.

Gedreht wurde übrigens nicht im Jemen, sondern in Marokko.

Kabinett ausser Kontrolle

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: In the Loop

Regie: Armando Iannucci
Musik: Adem Ilhan
Drehbuch: Armando Iannucci

Grossbritannien / 2009

Hauptdarsteller: Peter Capaldi, Tom Hollander, Chris Addison, Anna Chlumsky..u.a.


HANDLUNG

Der britische Entwicklungsminister Simon Foster ist alles andere als geschickt im Umgang mit der Presse. So äussert er sich in einem BBC-Interview zum drohenden Einmarsch im Irak sehr ungeschickt und bringt dadurch den Kommunikationsdirektor des Premierministers gegen sich auf.
Simon Foster versucht seinen Fauxpas ausbügeln und will in einem internationalen Meeting seinen Standpunkt richtigstellen. Seine unbeholfene Art führt zu noch mehr Verwirrung und der Konflikt zwischen Kriegsgegnern und -befürwortern spitzt sich zu.
Foster wird sowohl von der einen, wie auch von der anderen Seite manipuliert und ausgenützt. Als die verschiedenen Ränkespiele schliesslich zum Kriegseintritt führen, wird Simon Foster als Bauernopfer fallengelassen.

REZENSION

Was hätte man aus dieser wunderbaren Grundgeschichte nicht alles herausholen können! Leider ist der Film aber in jeder Beziehung übermotiviert.
Es wurde viel zu viel ins Drehbuch gepackt, dadurch wirkt der Streifen völlig überladen. Dazu kommt, dass es so viele Figuren gibt, dass es unmöglich ist, auch nur eine davon vertieft darzustellen, was wiederum dazu führt, dass die Geschichte markant an Gehalt und Glaubwürdigkeit verliert.
Sämtliche Protagonisten werden zudem entweder als durchgeknallte Choleriker, rückgratlose Wendehälse oder schlicht naive Deppen dargestellt. Natürlich gibt es Politiker, die in diese Kategorien gehören, wenn aber sämtliche Figuren so drauf sind, verliert die Geschichte extrem an Authentizität.
Wer noch die geniale BBC-Serie aus den 80er-Jahren „Yes Minister“ kennt, kann erahnen wie viel Potential bei dem hier vorliegenden Werk verschenkt wurde.
Ich bin ein grosser Fan des britischen schwarzen Humors, und auch für Satire und groteske Komödien bin ich stets zu haben. Was die Macher von „In the Loop“ aber ignoriert haben, ist die Tatsache, dass erwachsene Menschen, die sich 100 Minuten lang Fäkalausdrücke an den Kopf werfen, keineswegs satirisch wirken, und mit schwarzem Humor hat das ebenso wenig zu tun.
Eines muss ich noch zur deutschen Synchronisation los werden: Die ist wirklich grauenvoll. Die Stimmen passen nicht zu den Figuren, die Sprache wirkt gekünstelt aufgesetzt und die Hintergrundgeräusche wurden grösstenteils weggelassen, was die Atmosphäre völlig kaputt macht. Da der ganze Streifen im Dokumentarstil gedreht wurde, wirkt diese stummfilmartige Hintergrundumsetzung zusätzlich grotesk und zerstört die Bemühung um Glaubhaftigkeit, bevor sie zur Wirkung kommt...

Maria, ihm schmeckt's nicht

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✮✮✮✮✮✮

Regie: Neele Vollmar
Musik: Niki Reiser
Drehbuch: Daniel Speck & Jan Weiler

Deutschland, Italien / 2009

Hauptdarsteller: Christian Ulmen, Lino Banfi, Mina Tander, Maren Kroymann…u.a.

HANDLUNG

Jan möchte seine grosse Liebe Sara heiraten. Geplant ist eine ruhige, einfache Hochzeit. Sara hat einen italienischen Vater und eine deutsche Mutter. Ersterer ist gar nicht begeistert von Jans Vorstellungen. Wenn schon Hochzeit, dann richtig. Saras Vater besteht auf einer traditionellen Hochzeit mit der ganzen Familie in seinem italienischen Heimatdorf. Jan, der kein Wort italienisch spricht, ist nicht sonderlich begeistert von dieser Idee, kann sich aber gegen Saras sehr resoluten Vater nicht durchsetzen. So machen sie sich also auf ins apulische Dorf…

REZENSION

Nette, aber harmlose Komödie, die leider kaum mit überraschenden Momenten aufwarten kann. Die Geschichte ist schnell durchschaut und wird dann auch dementsprechend abgespult. Ein Lichtblick ist für mich Christian Ulmen, der durch seine zurückhaltende Spielweise das Ganze auf einem einigermassen annehmbaren Niveau hält. Für eine Fehlbesetzung halte ich den Schwiegervater (Lino Banfi). Es ist unglaubwürdig, dass ein italienischer Gastarbeiter, der seit 38 Jahren in Deutschland lebt und fast ebenso lang mit einer deutschen Frau verheiratet ist, kaum Deutsch spricht. Da hätte man entweder synchronisieren oder besser einen anderen Schauspieler engagieren sollen. Wirklich lachen musste ich während dieses Filmes eigentlich nie. Ab und an ein Schmunzeln, mehr war mir leider nicht vergönnt...

Fazit: Wer sich nicht von der an sich banalen Handlung abschrecken lässt, sieht einen netten Unterhaltungsfilm, den man sich an einem verregneten Nachmittag durchaus mal ansehen kann - für mehrmaliges Ansehen ist er jedoch kaum geeignet...

Das schwarze Schaf

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✮✮✮✮✮✮

Regie: Helmuth Ashley
Drehbuch: István Békeffy, Hans Jacoby
Musik: Martin Böttcher

Deutschland / 1960

Hauptdarsteller: Heinz Rühmann, Lina Carstens, Siegfried Lowitz, Karl Schönböck…u.a.

HANDLUNG

Wieder einmal konnte es der kriminalisierende Pfarrer Brown nicht lassen und klärt, sehr zum Unmut der örtlichen Polizei und seines Bischofs, einen Mordfall praktisch im Alleingang auf.
Sein Bischof hat diesmal aber genug und lässt Pfarrer Brown strafversetzen. Kaum ist Brown zusammen mit seiner murrenden Haushälterin am neuen Wirkungsplatz eingetroffen, kommt es auch schon zu einem Verbrechen. Während die örtliche Polizei ratlos ist, nimmt sich Brown der Sache an und gerät schon bald in Teufels-Küche…

REZENSION

Diese deutsche Adaption der „Father Brown“-Geschichten von G. K. Chesterton versteht es ausgezeichnet, den Schalk und die Pfiffigkeit der Originalfigur zu treffen. Ohne Frage ein Verdienst von Heinz Rühmann, der in dieser Figur eine Paraderolle gefunden hatte.
Diese Mischung aus vergnüglicher Unterhaltung und Kriminalfilm kam beim Publikum in den Sechzigern so gut an, dass man zwei Jahre später unter dem Titel „Er kann’s nicht lassen“ noch einen zweiten Teil nachschob. In der Tat funktioniert das Konzept auch aus heutiger Sicht nach wie vor. Wenngleich die Kriminalgeschichte für gegenwärtige Zuschauer etwas zu behäbig und konstruiert wirkt, trifft der schalkhafte Humor und die Ignoranz der Obrigkeit noch immer den Nerv der Zeit. Zudem kann der Streifen mit einer guten Atmosphäre punkten.
Alles in allem ein Film, der durch viel Liebe zum Detail auffällt und allein schon wegen der ewig murrenden Lina Carstens als Haushälterin Smith sehenswert ist…

Fazit: Egal ob man diesen Film aus nostalgischen Gründen anschaut oder weil man einfach Rühmann-Fan ist, bereuen wird man es nicht!

Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Mirror Mirror

Regie: Tarsem Singh
Musik: Alan Menken
Drehbuch: Marc Klein, Jason Keller, Melissa Wallack

USA / 2012

Hauptdarsteller: Julia Roberts, Lily Collins, Armie Hammer...u.a.

HANDLUNG

Nachdem der König unter mysteriösen Umständen im Zauberwald verschwunden ist, bleibt seine Tochter Schneewittchen alleine mit ihrer Stiefmutter zurück.
Letztere setzt alles daran, Schneewittchen zu unterdrücken und zu demütigen. Je hübscher Schneewittchen wird, umso eifersüchtiger wird ihre Stiefmutter.
Als unerwartet ein Prinz aus Valencia auf Besuch kommt, den die Stiefmutter sofort als veritablen Ehemann bzw. Geldquelle für sich ins Auge fasst, eskaliert das Verhältnis zu ihrer Tochter vollständig. Schneewittchen gelingt die Flucht, während der sie auf merkwürdige Gestalten trifft, die sich aber alsbald als wertvolle Unterstützung für den Kampf gegen die böse Stiefmutter erweisen. Der Weg zu Krone und Prinz ist jedoch noch weit…

REZENSION

Ich stehe Märchenverfilmungen eher kritisch gegenüber. Die Gefahr, eine Geschichte ihrer Glaubwürdigkeit und Tiefe zu berauben, ist in diesem Genre unglaublich gross.
Wenn es sich dann noch um einen solchen Klassiker wie Schneewittchen handelt, ist die Gefahr umso grösser.
Auf noch dünneres Eis gerät, wer sich wie im vorliegenden Werk vornimmt, eine Persiflage des eigentlichen Märchens zu erstellen.

In der Tat hat man bei „Spieglein, Spieglein“ äusserst markante Änderungen an der Originalvorlage vorgenommen. So werden die Zwerge als Strauchdiebe vorgestellt. Nicht Schneewittchen, sondern der Prinz wird durch einen Kuss aus seiner misslichen Lage befreit, und auch den berühmten vergifteten Apfel kriegt jemand anders verabreicht.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die ganze Story nicht nur trotzdem perfekt funktioniert, sondern sogar die Kernaussage der Grundgeschichte beeindruckend beibehalten wird. Auch hier wird aus einem unbeholfenen, an sich selber zweifelnden Mädchen eine selbstbewusste Frau, die weiss was zu tun ist und sich nicht vom rechten Weg abbringen lässt, während die böse Stiefmutter an ihrer eigenen überheblichen Selbstgefälligkeit zu Grunde geht.
Die technische Umsetzung kann ebenfalls überzeugen. Es ist schon beeindruckend, was heute mit Computeranimation alles geschaffen werden kann.
Was die schauspielerische Umsetzung anbelangt, kann einem Lily Collins in der Rolle als Schneewittchen etwas leid tun, da sie neben der über sich hinauswachsenden Julia Robert als böse Stiefmutter kaum eine Chance hat. Ich kann mich nicht erinnern, Julia Roberts schon mal in einer solchen Rolle gesehen zu haben. Normalerweise stellt sie ja eigentlich nur Gutmenschen dar. Hier durfte sie mal eine Bösewichtin geben und scheint sichtlich Spass an dieser Herausforderung gefunden zu haben.

Der Film hat durchaus auch einige Schattenseiten: Der Humor hat kein durchgängiges Niveau, zudem gibt es einzelne (wenige) Szenen, wo man sich etwas verliert und Action der Action wegen zelebriert. Übers Ganze gesehen vermögen diese Makel den Filmgenuss aber nur unmerklich zu schmälern.

Fazit: Wer Märchenfilme mag, wird an dieser aufwändigen Produktion sicher seine Freude haben. Allein schon die Möglichkeit, Julia Roberts bei der Arbeit zuzusehen, macht aus diesem Film ein Erlebnis.

St. Vincent

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: St. Vincent

Regie: Theodore Melfi
Musik: Theodore Shapiro
Drehbuch: Thedore Melfi

USA / 2014

Hauptdarsteller: Bill Murray, Melissa McCarthy, Jaeden Lieberher, Naomi Watts...u.a.

HANDLUNG

Zu behaupten, Vincent MacKenna stünde vor dem Abgrund, beschreibt seine Situation nur unzureichend, eigentlich ist er bereits einen Schritt weiter…
Er trinkt was das Zeug hält und steht genau genommen nur auf, um in die Strippbar oder zum Pferderennen zu gehen. Er hat bei allen und jedem Schulden und keine Aussicht, dass sich daran in Zukunft etwas ändern könnte.
Die alleinstehende Maggie Bronstein und ihr kleiner Sohn Oliver ziehen, nichts ahnend, ins Nachbarhaus. Als Maggie Vincent bittet, nach der Schule auf ihren Sohn aufzupassen, ist niemand erstaunter als Vincent selber.
Oliver begleitet Vincent in Nachtclubs, Bars und auf die Rennbahn. Zudem stellt Vincent dem Jungen die schwangere Stripperin Daka vor.
Als Oliver in der katholischen Schule, den Auftrag erhält, einen Vortrag über einen „Heiligen“ der Gegenwart zu halten, ist für Oliver schnell klar, dass dies nur Vincent sein kann… Das verrückte daran ist, er kann es sogar plausibel begründen…

REZENSION

Bill Murray wird, wie ein guter Wein, mit zunehmendem Alter immer besser. Die schauspielerische Darbietung in diesem Streifen gehört mit zum Besten, das ich bis jetzt von ihm gesehen habe. Niemals zuvor habe ich einen abgehalfterten, misanthropischeren, kauzigeren und gleichzeitig irgendwie liebenswerteren Vietnamveteran gesehen, als in diesem wunderbaren Streifen.
Zugegeben, die Handlung als solche strotzt nicht gerade vor Originalität. Die Geschichte wurde so oder ähnlich schon unzählige Male in Hollywood abgedreht. Die Mischung zwischen Drama und Komödie ist hier jedoch unglaublich gut gelungen. Man leidet und lacht mit, was zu einem Grossteil der ausgezeichneten schauspielerischen Umsetzung geschuldet ist. Wobei beileibe nicht nur Bill Murray brilliert. Melissa McCarthy und Jaeden Lieberher stehen ihm kaum nach.

Bei all dem Gutgemachten schaut man generös über den etwas schmalzigen Schluss hinweg und wird spätestens beim Abspann, wo wir Bill Murray beim Topfpflanzen giessen zusehen dürfen, während im Hintergrund Bob Dylans „Shelter From The Storm“ läuft, voll und ganz entschädigt.

Fazit: Wer gut gemachte Tragikkomödien zu schätzen weiss und einen Bill Murray in Bestform erleben möchte, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Another Year

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Another Year

Regie: Mike Leigh
Musik: Gary Yershon
Drehbuch: Mike Leigh

Grossbritannien / 2010

Hauptdarsteller: Jim Broadbent, Ruth Sheen, Lesley Manville, Oliver Maltman…u.a.

HANDLUNG

Das ältere Ehepaar Tom und Gerri leben glücklich und zufrieden in ihrem kleinen Haus. Ihr Heim ist eine Oase des Friedens und ihre Ehe verläuft ausgesprochen harmonisch. Das wird auch von der unglücklichen Mary so empfunden, die sich in regelmässigen Abständen bei den beiden einfindet. Sie ist auf der Suche nach einem Mann und hat ein Auge auf Joe, den Sohn von Tom und Gerri geworfen. Joe zeigt aber keinerlei Interesse an Mary, was zu einem Konflikt und schliesslich sogar zum Bruch mit Tom und Gerri führt. Als dann noch die Ehefrau von Toms Bruder verstirbt, treten ganz andere Probleme in den Vordergrund.
Die Geschichte ist nach Jahreszeiten aufgeteilt, die nicht nur das fortschreiten der Zeit symbolisieren, sondern auch die Vergänglichkeit des Lebens…

REZENSION

Eine wunderbare kleine Filmperle. Ich mag Filme, in denen einem nicht alles vorgekaut und auf dem Silbertablett serviert wird. Der Streifen besticht aber nicht nur durch ein exzellentes Drehbuch, sondern auch durch wirklich gute Dialoge - Wobei das Nichtgesagte mindestens ebenso gewichtig ist, wie das Ausgesprochene. Was einen dann endgültig umhaut, ist die schauspielerische Leistung, die ich schlicht als genial bezeichnen würde. Wahrlich kein leichter Film für zwischendurch, sondern einer, der den Zuschauer fordert und der sich auch nach dem Ende im Kopf weiterdreht.

Fazit: Ein genialer Streifen für Liebhaber des gepflegten Dialogfilmes - für Hollywood-Junkies jedoch vollständig ungeeignet...

Fack ju Göhte

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✮✮✮✮✮✮

Regie: Bora Dagthekin
Musik: Beckmann, Diorkaeff, Beatzarre
Drehbuch: Bora Daghekin

Deutschland / 2013

Hauptdarsteller: Elyas M‘Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann...u.a.


HANDLUNG

Zeki Müller kommt nach 13 Monaten Haftstrafe wieder auf freien Fuss. Als er die Beute seines letzten Coups ausgraben will, muss er feststellen, dass seine Freundin die Beute auf einer Baustelle vergraben hatte. Dort steht nun eine Schulsporthalle, was das Herankommen verunmöglicht. Zeki bewirbt sich um die Stelle als Hausmeister in der Schule und wird aus einem Missverständnis heraus als Aushilfslehrer engagiert.
Nachts gräbt er nach seiner Beute und tagsüber unterrichtet er oder tut zumindest so als ob. Allerdings ist Zeki alles andere als ein Pädagoge. Seine Art die Probleme zu lösen, hat er auf der Strasse gelernt, was aber genau das Richtige zu sein scheint bei der Problemklasse 10b.
Als er dann auch noch Gefühle für eine Lehrerin entwickelt, werden die Dinge zusehends komplizierter, Zeki muss sich entscheiden…

REZENSION

Ich muss gestehen, dass ich kein Freund der neueren deutschen Komödien bin. Irgendwie bin ich nicht kompatibel mit diesem, meist unter der Gürtellinie operierenden, Humor.
Aus diesem Grund bin ich auch mit etwas gemischten Gefühlen an diesen Film herangegangen.
Nun, ich wurde überrascht.
Obwohl es sich um einen Klamauk-Streifen handelt, der mit vielen abgehalfterten Klischees hantiert, funktioniert es überraschend gut. Die Texte sind witzig und pointiert, der Storyverlauf ist rasant und gut durchdacht.
Die Gefahr, eine Rolle zu überspielen, ist bei dieser Art von Komödie ungeheuer gross und kann aus einem an sich guten Drehbuch schnell einen albernen Streifen machen. Das ist hier aber definitiv nicht geschehen; alle Beteiligten spielen auf einem wirklich ansprechenden Niveau und mit der nötigen Ernsthaftigkeit, aufgrund derer viele Szenen erst witzig werden.
Nebst den beiden Hauptdarstellern hat mir persönlich Katja Riemann besonders gut gefallen. Sie spielt die stets am Rande des Wahnsinns operierende Schulleiterin einfach genial.
Fack ju Göhte hat mir wiedermal aufgezeigt, dass man nicht so voreingenommen sein sollte, wie ich es bin. Manchmal kann auch eine moderne deutsche Komödie ein richtig guter und unterhaltsamer Film sein…

Zwei wie Pech und Schwefel

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Altrimenti ci arrabbiamo!

Regie: Marcello Fondato
Musik: Guido & Maurizio De Angelis
Drehbuch: Vicente Coello, Jesus R. Folgar..u.a.

Italien, Spanien / 1974

Hauptdarsteller: Terence Hill, Bud Spencer, John Sharp, Donald Pleasence… u.a.


HANDLUNG

Ben (Bud Spencer) und Kid (Terence Hill) gewinnen zusammen einen Strandbuggy. Da sie sich nicht einigen können, wem er denn nun gehören soll, wird das Ganze kurzerhand bei einem Würstchen- und Bier-Wettessen ausgemacht. Leider machen die Handlanger eines Ganovenbosses ihnen einen Strich durch die Rechnung, und der Buggy wird zerstört.
Das lassen sich die zwei natürlich nicht bieten und wollen nun Ersatz vom Ganovenboss. Der braucht allerdings etwas länger bis er bemerkt, mit wem er sich da angelegt hat…

REZENSION

Auf der einen Seite einer der besten Spencer/Hill-Filme. Unter anderem deshalb weil die obligaten Prügeleien an Originalität in keinem späteren Streifen überboten wurden und einzelne Szenen, wie zum Beispiel die Chorprobe, wohl mit zum Genialsten gehören, das die zwei abgeliefert haben. Auf der anderen Seite aber auch einer der wohl inhaltslosesten Filme. Eine wirkliche Handlung gibt es kaum, und der Klamaukgrad nähert sich der Grenze des Erträglichen gefährlich. Nicht zuletzt auch wegen der kongenialen Synchronisation ein kurzweiliges und spassiges Filmvergnügen, dem durch den famosen Soundtrack der De Angelis-Brüder noch die Krone aufgesetzt wird. In diesem Sinne: Come with me for fun in my buggy...

Der Weg nach Westen

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Way West

Regie: Andrew V. McLaglen
Musik: Bronislau Kaper
Drehbuch: A. B. Guthrie Jr., Mitch Lindemann, Ben Maddow

USA / 1967

Hauptdarsteller: Kirk Douglas, Robert Mitchum, Richard Widmark, Sally Field...u.a.

HANDLUNG

Captain William J. Tadlock organisiert einen Siedlertreck, der von Missouri nach Oregon führen soll. Tadlocks Vision ist der Bau einer neuen Stadt nach seinen Vorstellungen.
Er heuert Dick Summers, einen erfahrenen Pfadfinder an.
Schon bald nach Aufbruch des Trecks, stösst Tadlocks autoritäre Art und sein menschenverachtender Umgang auf Kritik bei seinen Mitreisenden. Als er schliesslich, um Zeit zu sparen, die Abkürzung durch die Wüste wählt, eskaliert das Ganze, und es kommt zur offenen Meuterei gegen Tadlock. Doch der schwierigste Teil der Reise steht erst noch bevor, denn eine tiefe Schlucht stellt alle vor eine beinahe unlösbare Aufgabe. Nun wird sich zeigen, ob die Gruppe es schafft, sich wieder zusammen zu raufen, um ihr Ziel zu erreichen…

REZENSION

„Der Weg Nach Westen“ gehört zu jenen Monumental-Western, die zu einer Zeit entstanden, in der das klassische Western-Genre eigentlich schon zu einer aussterbenden Filmgattung gehörte.
Noch einmal wurde versucht, mit viel Aufwand und Authentizität, die grossen Themen und Tugenden aufleben zu lassen.
Herausgekommen ist ein relativ harmlos inszenierter und wenig mutig umgesetzter Standard-Western. Auch das Indianerbild ist noch stark dem klassischen Klischee verhaftet.
Dennoch hat er auch Bemerkenswertes zu bieten. Wunderschöne Szenenbilder zum Beispiel oder ein ganz gut agierendes Dreierteam in den Hauptrollen mit Kirk Douglas, Richard Widmark und Robert Mitchum.
Das wirkliche Highlight dieses Streifens ist aber eine junge Dame, die hier ihren allerersten Auftritt in einem Spielfilm hat und meiner Meinung nach die drei Herren locker an die Wand spielt: Sally Field. Allein schon deswegen ein sehenswerter Western.

Scharfe Kurven für Madame

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Originaltitel: Le grand restaurant

Regie: Jacques Besnard
Musik: Paul-Louis Marion
Drehbuch: Jean Halain, Jacques Besnard, Louis de Funès

Frankreich / 1966

Hauptdarsteller: Louis de Funès, Bernard Blier, Maria-Rosa Rodriguez…u.a.


HANDLUNG

Septime ist der Besitzer eines renommierten Gourmetrestaurants in Paris. Mit eiserner Hand und pedantischer Art führt er seinen Betrieb und treibt seine Angestellten damit regelrecht in den Wahnsinn.
Als sich ein hoher Gast in Form eines südamerikanischen Präsidenten ankündigt, läuft Septime zur Höchstform auf.
Als er aber den erlauchten Gästen seine berühmte Nachspeise „Bombe surprise“ servieren will, geschieht das Unfassbare: Nach einer Explosion ist der Präsident verschwunden. Septime wird vom Polizeichef ins Verhör genommen und anschliessend als Lockvogel für die vermeintlichen Entführer verwendet. Das funktioniert an sich auch, nur nicht ganz so wie sich das die Beteiligten vorgestellt hatten…

REZENSIION

„Le grand restaurant“, gehört meiner Meinung nach nicht zu den allerbesten Funès-Filmen. Dazu fehlt ihm etwas der Charme, zudem konnte man sich nicht richtig entscheiden ob man nun eine Gesellschaftskomödie, eine Gaunerkomödie oder vielleicht doch lieber einen Agentenfilm hätte machen wollen.
Auch Logikfehler, wie zum Beispiel, dass der in den französischen Alpen zu Schrott gefahrene Citroen DS am selben Abend wieder neu vor der Polizeiwache steht, ist man sich aus Funès-Filmen so eigentlich nicht gewohnt.
Dennoch funktioniert der Streifen, was nicht zuletzt natürlich der grandiosen schauspielerischen Leistung von Louis de Funès im Zusammenspiel mit Bernard Blier geschuldet ist. Wie Funès den cholerischen Gastronomen mimt, ist schon sehenswert und hilft einem, das etwas holprige Drehbuch zu vergessen.
Was den deutschen Vertrieb geritten hat, diesen sinnfreien Titel zu vergeben, hat sich mir leider nicht erschlossen. Falls Sie jetzt denken, dass es nicht schlimmer hätte kommen können, muss ich sie enttäuschen. Der Streifen lief im deutschen Sprachraum auch noch unter den Alternativtiteln: „Oscar hat die Hosen voll“ und „Louis, der Spaghettikoch“.
In der DDR wurde der Film übrigens unter dem Titel: „Das grosse Restaurant“ veröffentlicht, was wieder mal eindrücklich belegt, wie nützlich Fremdsprachenkenntnisse doch sind…

Heidi

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✮✮✮✮✮

Regie: Alain Gsponer
Musik: Niki Reiser
Drehbuch: Petra Volpe

Schweiz, Deutschland / 2015

Hauptdarsteller: Anuk Steffen, Bruno Ganz, Quirin Agrippi, Isabelle Ottmann…u.a.


HANDLUNG

Das Waisenmädchen Heidi wird von ihrer Tante zu ihrem Grossvater gebracht. Dieser lebt als Einsiedler in den Schweizer Bergen. Wider Erwarten rührt Heidi den wortkargen Eigenbrötler und endlich erfährt sie, was es bedeutet, ein Zuhause zu haben.
Zusammen mit dem Geissenpeter geniesst Heidi ihre Freiheit und die wunderschöne Natur in den Bergen.
Diese Idylle wird durch ihre Tante zerstört, die Heidi völlig unerwartet wieder abholt und nach Frankfurt bringt. Dort soll sie bei der wohlhabenden Familie Sesemann leben, als Spielkameradin für die an den Rollstuhl gefesselte Klara.
Obwohl Heidi und Klara bald Freundinnen werden, hat Heidi schreckliches Heimweh nach den Bergen und natürlich nach ihrem Grossvater. Als sie schliesslich krank wird, ist allen klar, dass es nur eine Lösung geben kann…

REZENSION

Es gibt schon so viele Heidi-Verfilmungen, dass ich mich zu Beginn gefragt habe, ob es wirklich nötig sei, eine weitere abzudrehen. Schlussendlich ist aber jede Verfilmung ein Spiegel der jeweiligen Zeit, und da bildet auch diese aktuelle Veröffentlichung keine Ausnahme.
Die meisten Figuren sind ausgesprochen gut und authentisch umgesetzt worden. Allen voran Heidi, die von Anuk Steffen grossartig verkörpert wird. Auch der Geissenpeter (Quirin Agrippi) oder der von Bruno Ganz gespielte Grossvater sind souverän umgesetzt. Einzig die Figur des Vaters Sesemann wirkt gegenüber der Buchvorlage etwas weniger sympathisch.

Wie so oft bietet die Verfilmung natürlich eine sehr verkürzte Version der eigentlichen Geschichte. So wurde zum Beispiel die ganze Vorgeschichte des Grossvaters weggelassen oder die enge Beziehung zu Peters Grossmutter extrem eingeschränkt dargestellt.
Ebenfalls gestrichen, und da wären wir nun wohl beim eingangs erwähnten Zeitgeist, wurden sämtliche religiösen Elemente.
Trotz dieser und allen anderen Verkürzungen, hat man es aber ausgezeichnet verstanden den Kern der Geschichte herauszuschälen und eine Atmosphäre zu schaffen, die derjenigen der Originalgeschichte schon sehr nah kommt. Ebenfalls schön gelungen sind die Naturaufnahmen.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass dies nun die ultimative Heidi-Verfilmung geworden sei. Wir haben es aber zweifellos mit einer sehr authentischen und gelungenen Umsetzung zu tun, die dieser alterslosen und universellen Geschichte durchaus gerecht wird.

Bernie - Leichen pflastern seinen Weg

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Bernie

Regie: Richard Linklater
Musik: Graham Reynolds
Drehbuch: Skip Hollandsworth & Richard Linklater

USA / 2011

Hauptdarsteller: Jack Black, Shirley MacLaine, Matthew McConaughey...u.a.

HANDLUNG

Die Sonne geht auf, als der herzliche und zuvorkommende Bernie Tiede ins kleine texanische Städtchen Carthage zieht. Er findet Arbeit im ansässigen Bestattungsunternehmen und geht förmlich auf in seiner Arbeit. Seine freundliche und aufopfernde Art lässt keinen unberührt, der mit ihm zu tun hat, und bald schon ist er einer der beliebtesten und angesehensten Persönlichkeiten von Carthage.
Als Marjorie Nugents Ehemann stirbt, kümmert er sich auch um sie, wie um jede andere Witwe, sehr zum Erstaunen der Gemeinde, da Marjorie das absolute Gegenteil von Bernie darstellt. Sie ist herrisch, verbittert und äusserst besitzergreifend. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden, die eigentlich nicht gut gehen kann, und so geraten die beiden in einen Sog, der schliesslich für beide in der Katastrophe endet…

REZENSION

So harmlos und unscheinbar die Geschichte beginnt, so unfassbar und dramatisch endet sie. Dabei sollte man sich nicht durch den völlig unangebrachten deutschen Titel irritieren lassen, da wollte wohl jemand witzig sein…

Jack Black in einer Paraderolle - wieder mal, ist man versucht zu sagen. Er glänzt einmal mehr mit einer absolut überzeugenden Darstellung und punktet auch als Sänger. Diesmal allerdings nicht als Rocksänger, sondern als Gospelinterpret, und das klingt richtig gut!
Da die Story auf einer wahren Begebenheit beruht, hat Richard Linklater die dokumentarische Erzählform gewählt. So wird ein Grossteil der Handlung retrospektiv durch Interviews mit Bewohnern erzählt. Das führt zu einer sehr guten Authentizität.
Im Englischen wird bei solchen Filmen von Dark Comedy gesprochen, was auf Deutsch wohl am besten mit Tragikkomödie übersetzt werden könnte. Wobei mir der komödiantische Teil zuweilen etwas zu ausgeprägt ausgelebt wurde. Alles in allem wird aber das bigotte Kleinstadtleben sehr eindrücklich eingefangen.
Jack Blacks One-Man-Show ist etwas vom Besten und Eindrücklichsten, das ich seit langem gesehen habe. Auch wenn der Film selber vielleicht nicht gerade ein Meisterwerk darstellt, so ist auf jeden Fall ein bemerkenswerter Streifen entstanden, der einen zum Nachdenken bringt…

It's Kind of a Funny Story

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: It’s Kind of a Funny Story

Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Musik: Broken Social Scene
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck

USA / 2010

Hauptdarsteller: Keir Gilchrist, Zach Galifianakis, Emma Roberts…u.a.

HANDLUNG

Der 16-jährige Craig Gilner ist überfordert. Unter Druck gesetzt durch seinen Vater und andere belastende Situationen, hat er Suizidgedanken und entschliesst sich deshalb, sich in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses einweisen zu lassen.
Da die Jugendpsychiatrie wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, kommt er in die Erwachsenenabteilung.
Nach und nach lernt er andere Patienten kennen, schliesst Freundschaften, verliebt sich gar und findet nach und nach den Schlüssel für seinen eigenen Weg…

REZENSION

Ich habe selten einen Film gesehen, der ein so heikles Thema mit so viel Witz, Charme, Wärme und ehrlichem Ernst behandelt, ohne dabei ins Lächerliche oder Kitschige abzugleiten. Obwohl er sich einiger Klischees bedient, versteht er sie auch immer wieder zu brechen und dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. Auch die schauspielerische Leistung kann nicht hoch genug gelobt werden. Ein Streifen, der einfach Spass macht beim Zusehen und der es versteht, intelligent zu unterhalten - was man beileibe nicht von vielen Filmen der Gegenwart behaupten kann...

James Bond 007: Skyfall

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Skyfall

Regie: Sam Mendes
Musik: Thomas Newman
Drehbuch: John Logan, Neal Pruvis, Robert Wade

UK, USA / 2012

Filmreihe: James Bond 007 - Film Nr. 23

Hauptdarsteller: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Bérénice Marlohe…u.a.


HANDLLUNG

Dem MI6 wurde eine Festplatte gestohlen, auf welcher sich wichtige Geheimdaten zur Identität von unzähligen Agenten befinden.
Bonds Versuch, diese Festplatte in Istanbul wieder zu erlangen, scheitert – er wird von seiner Kollegin angeschossen und von seinen eigenen Leuten für tot gehalten.
Bald werden zwei Sachen klar: James Bond ist nicht tot, und hinter dem Festplattendiebstahl steckt wesentlich mehr, als vom MI6 erst angenommen. Der ehemalige Agent Raoul Silva wurde vom MI6 fallengelassen und will sich nun dafür an „M“ rächen.
Bond wird auf die Spur des genialen Bösewichts gesetzt. Die Verfolgungsjagd führt von London nach Shanghai, weiter nach Macau und endet schliesslich in Bonds Elternhaus in Schottland…

REZENSION

Bis zum vorliegenden Film konnte ich mich mit Daniel Craig als James Bond nicht anfreunden. Es war nicht mehr der klassische Bond, wie ich ihn mochte. Es fehlte an Charme, Schalk und den typischen Storyverläufen.
Dies gehört nun dank Skyfall der Vergangenheit an. Sam Mendes Verfilmung lehnt sich stark an die klassischen Bond-Streifen aus den sechziger Jahren an. Diese Feststellung wird durch nichts besser unterstrichen, als durch den genialen von Adele gesungenen Titelsong.
Man hat sich aber nicht darauf beschränkt, mit einfachen Verknüpfungen in die Vergangenheit zu punkten, sondern versteht es gleichzeitig, durch diverse Neuerungen aus Bond einen modernen Agenten-Action-Streifen zu machen.
Dieses Kunststück kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Selten habe ich eine so gelungene Wiederbelebung gesehen, die kaum Wünsche offen lässt.
Die Idee, Bond nicht nur als taffen Agenten zu zeigen, sondern als verletzlichen Menschen, ist eine dieser „Neuerungen“, die der Figur eine zusätzliche Tiefe verleiht.
Dazu kommt eine aussergewöhnlich gute bildtechnische Umsetzung, die stellenweise schon epische Ausmasse erreicht.
Bond ist zurück - ich freue mich schon auf den nächsten…

Orphan - Das Waisenkind

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Orphan

Regie: Jaume Collet-Serra
Musik: John Ottman
Drehbuch: Alex Mace & David Leslie Johnson

USA / D / CDN / F / 2009

Hauptdarsteller: Vera Farmiga, Peter Sarsgaard, Isabelle Fuhrman…u.a.

HANDLUNG

Nach einer Fehlgeburt entschliessen sich Kate und John Coleman ein Mädchen zu adoptieren, um ihre Familie zu vervollständigen. Nachdem die kleine Esther bei den Colemans eingezogen ist, geschehen vermehrt merkwürdige Dinge. Die hübsche, etwas frühreife Esther erscheint plötzlich in einem anderen Licht. Als Recherchen ergeben, dass Esthers Identität gefälscht wurde, dämmert es den Colemans, dass sie sich das personifizierte Böse ins Haus geholt haben, aber wie werden sie es wieder los?

REZENSION

Obwohl ich an sich überhaupt nichts mit Horror-Filmen am Hut habe, hat mir dieser Streifen sehr gut gefallen. Das mag daran liegen, dass es kein reiner Horror-Film ist. Wir haben es hier vielmehr mit einem Genregemisch aus Drama, Psychothriller und eben Horror zu tun. Die Handlung ist psychologisch interessant und schlüssig. Auch weiss man als Zuseher eigentlich nie so genau, wohin sich die Handlung weiterentwickeln wird. Es gab einzelne Szenen, die für meinen Geschmack etwas zu gewalttätig waren. Ich denke aber, dass man da auch ganz bewusst mit gewissen Horror-Elementen gespielt hat.

Ein Film, der auch für Nicht-Horror-Fans wie mich lohnenswert ist. Eine psychologisch durchdachte Handlung, eine schauspielerische Grossleistung und ein unerwarteter Ausgang machen diesen Streifen zum Erlebnis der besonderen Art...

Shine a Light

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Shine a Light

Regie: Martin Scorsese
Musik: The Rolling Stones

USA / 2008

Im Herbst 2006 veranstalteten die Rolling Stones im New Yorker Beacon Theater zwei Konzerte. Begleitet wurden sie von niemand Geringerem als von Martin Scorsese, der bei dieser Gelegenheit einen Konzertfilm mit der Band aufnahm.
Weltpremiere feierte der Streifen dann am 7. Februar 2008 als Eröffnungsfilm der Berlinale.

Zu Beginn war ich ja echt geschockt. Dieses verrauschte Bild, die banalen Texte von Scorsese & Co., dazu die MTV-Schnitttechnik, bei der mir beinahe übel wurde...
Zum Glück fing dann bald schon das Konzert an, und das ist wirklich gut und mitreissend. Echt beeindruckend wie diese Alt-Herren-Truppe immer noch abrockt. Auch wenn ab und an ein falscher Ton dabei war, macht ja gerade das den Charme eines Konzerts aus. Auch die Gastauftritte von Jack White und Buddy Guy sind absolut sehenswert. Christina Aguilera hat nicht ihren besten Tag erwischt, dafür steht sie vollständig bekleidet auf der Bühne, was auch schon erwähnenswert ist.
Zum Schluss war ich dann wieder versöhnt mit dem Streifen und konnte diesen Konzert-Film wirklich geniessen.

Fazit: Ein toller Konzert-Film, der zum Teil etwas darunter leidet, dass man besonders originell sein wollte. Nicht unbedingt für Scorsese-Fans geeignet. Alle, die auf die Rolling Stones oder wie ich einfach auf gute Rockmusik stehen, werden bei diesem Streifen auf ihre Kosten kommen!

James Bond 007: Im Geheimdienst Ihrer Majestät

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: On Her Majesty‘s Secret Service

Regie: Peter R. Hunt
Musik: John Barry
Drehbuch: Richard Maibaum, Simon Raven

Grossbritannien / 1969

Filmreihe: James Bond 007, Film-Nr. 6

Hauptdarsteller: George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas...u.a.


HANDLUNG

Bond ist auf der Suche nach dem Bösewicht Blofeld. In Portugal trifft er auf eine geheimnisvolle Frau, die sich als Contessa Teresa di Vincenzo entpuppt, Tochter eines portugiesischen Mafioso. James und „Tracy“ kommen sich näher, die traute Zweisamkeit ist aber nicht von langer Dauer.
Nachdem Bond einen wichtigen Hinweis zu Blofeld erhält, macht er sich auf den Weg in die Schweiz, nach Bern. Von dort geht es weiter zur geheimen Forschungseinrichtung von Blofeld, die sich auf dem Gipfel des Piz Gloria befindet. Bond gelingt es, sich als Ahnenforscher einzuschleichen, wird dabei enttarnt und muss fliehen. Auf seiner Flucht begegnet er Teresa wieder, diese wird jedoch kurze Zeit später von Blofeld gekidnappt.
Bond gelingt es mit Hilfe von Teresas Vater und dessen Leuten, Blofelds Labor zu erstürmen und Teresa zu befreien.
Teresa und Bond heiraten. Doch ihr Glück währt nur kurze Zeit…

REZENSION

„Teresa war eine Heilige, ich bin Tracy“. So stellt sich in diesem Bond-Abenteuer, die weibliche Hauptdarstellerin unserem Helden vor und macht damit gleich mal klar, wie der Hase läuft.
„Im Geheimdienst seiner Majästät“ ist in vielerlei Hinsicht ein aussergewöhnlicher „Bond“. Nebst der selbstbewussten Hauptdarstellerin, wunderbar verkörpert durch Diana Rigg, fällt natürlich vor allem George Lazenby auf, der hier seinen ersten und zugleich letzten Bond gibt. Lazenby war eigentlich kein Schauspieler, sondern Dressman. Leider ist das vor allem zu Beginn des Streifens auch deutlich zu sehen. Seine etwas hölzerne Spielweise wirkt doch etwas befremdend. Mit zunehmender Spieldauer fällt das aber immer weniger auf, was nicht zuletzt am genialen und rasant inszenierten Drehbuch liegt. Die Stunt-Szenen auf Skiern oder in der Bobbahn von St. Moritz machten den Streifen zum Kultfilm.
Man merkt der Handlung deutlich an, dass hier ein Roman von Ian Fleming als Grundlage diente und nicht eine zusammengeschusterte Geschichte, wie dies bei anderen Filmen dieser Serie zuweilen der Fall war. Die atmosphärische Dichte und der ganz spezifische Charme ist hier zu finden, also genau das, was den neueren Bond-Abenteuern mitunter etwas fehlt...
Für mich ist „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ einer der besten, wenn nicht sogar „der“ beste Film aus der Bond-Reihe.

Soul Men

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Soul Men

Regie: Malcolm D. Lee
Musik: Stanley Clarke
Drehbuch: Robert Ramsey & Matthew Stone

USA / 2008

Hauptdarsteller: Samuel L. Jackson, Bernie Mac, Sharon Leal…u.a.

HANDLUNG

Louis und Floyd hatten vor zwanzig Jahren zusammen in einer Soulband als Background-Sänger gearbeitet.
Nachdem sich der Lead-Sänger entschieden hatte, eine Solokarriere zu starten, blieben Louis und Floyd alleine zurück und traten fortan als „The Real Deal“ auf. Bald schon gerieten sie aber in Streit und trennten sich.
Jahre später stirbt der Lead-Sänger und Floyd hat die Idee, zusammen mit seinem alten Kumpel Louis auf eine Reunion-Tour zu gehen. Es gelingt ihm, Louis zu überreden.
Bald schon haben sie mit ersten Problemen zu kämpfen und stellen fest, dass sie sich noch immer nicht ausstehen können.

REZENSION

Die Grundstory wäre eigentlich vielversprechend, aber mit der Umsetzung hatte ich so meine Mühe. Obwohl es immer wieder gute Sprüche und ganz witzige Szenen gibt, ist der Humor in diesem Film für mich etwas zu derb geraten.
Dazu kommt, dass Bernie Mac seine Rolle völlig überspielt. Man möchte förmlich als Zuschauer in den Film hineinrufen: Bitte etwas dezenter, bitte etwas leiser..! Samuel L. Jackson spielt gewohnt souverän und entschädigt etwas für den Rest. Wären da nicht einige ganz gute musikalische Einlagen, würde der Film kaum aus der Masse herausragen. Die Handlung an sich ist zu banal und vorhersehbar und macht das Ganze zu einem durchschnittlichen 08/15-Streifen.
Anlehnungen an die „Blues-Brothers-Filme“ sind nicht zu übersehen. Das vorliegende Werk kann aber in Sachen Charme, Witz und Timing zu keiner Zeit mit den Blues-Brothers-Streifen mithalten.

Fazit: Irgendwie hat man alles schon mal irgendwo besser und origineller gesehen. Aber als einfacher Feel-Good-Movie für ein verregnetes Wochenende taugt er durchaus...

Young Adult

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Young Adult

Regie: Jason Reitman
Musik: Rolfe Kent
Drehbuch: Diablo Cody

USA / 2011

Hauptdarsteller: Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson… u.a..


HANDLUNG

Mavis Gary (Charlize Theron) steckt in einer Lebenskrise. Sie wohnt alleine in Minneapolis, ist frisch geschieden und beruflich auf dem Abstellgleis gelandet. Als sie in einer E-Mail erfährt, dass ihr Ex-Freund aus der Jugendzeit, Buddy Slade, eine Tochter bekommen hat, entschliesst sie sich in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Ihr Ziel: Sie will Buddy zurückerobern – eine bescheuerte Idee, aber es kommt noch schlimmer. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

REZENSION

Ich mag die Filme von Jason Reitman sehr. Sie strahlen eine frische und natürliche Kraft aus, die sie von anderen modernen Produktionen abhebt. So auch in diesem Streifen "Young Adult", in dem die Geschichte einer psychisch sehr angeschlagenen, unter dem Borderline-Syndrom leidenden Autorin erzählt wird. Die Figuren sind allesamt hervorragend gespielt und wirken glaubhaft. Der Film ist zu keiner Zeit romantisch, nie nett und schon gar keine Liebesgeschichte. Aus dem Leben gegriffen eben und mit allem Realismus versehen, den Hollywood so fürchtet.
Und was den Schluss angeht... nun, die meisten Probleme lösen sich eben tatsächlich nicht einfach so in Wohlgefallen auf...

Nicht gerade ein Film, den man sich ansehen sollte, wenn es einem nicht so gut geht. Er kann schon etwas deprimieren, trotz vereinzelten komischen Szenen. Die schauspielerische Leistung von Charlize Theron jedenfalls ist grossartig und die Story originell.

Saving Mr. Banks

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: Saving Mr. Banks

Regie: John Lee Hancock
Musik: Thomas Newman
Drehbuch: Kelly Marcel & Sue Smith
USA / 2013

Hauptdarsteller: Tom Hanks, Emma Thompson, Annie Rose Buckley...u.a.


HANDLUNG

Walt Disney (Tom Hanks) versucht der Autorin P.L. Travers (Emma Thompson) die Erlaubnis abzuringen, ihr Erfolgsbuch „Mary Poppins“ als Kinoadaption verfilmen zu dürfen. Dies erweist sich allerdings als sehr schwieriges Unterfangen, da Mrs. Travers sehr genaue Vorstellungen hat, wie ihr Buch umgesetzt werden soll.
Eines ist für sie klar, es darf auf keinen Fall ein Trickfilm werden, und auch von der Idee ein Musical daraus zu machen, ist sie alles andere als begeistert. Ihre direkte und unverblümte Art führt in der Zusammenarbeit mit dem Drehbuchteam immer wieder zu Konflikten, die schliesslich im Eklat enden.
Erst als Walt Disney die Hintergründe von Mrs. Travers Verhalten erkennt, beginnt eine Annäherung...

REZENSION

Ich kannte den Hintergrund der Entstehung des Mary-Poppins-Film nicht und finde, dass die filmische Umsetzung sehr gut gelungen ist und spannend inszeniert wurde.
Natürlich ist es keine Walt-Disney-Biografie, und auch sonst wurde vielleicht etwas viel Rührseligkeit hineingepackt, die eigentliche Grundgeschichte ist aber sehr gekonnt und mit viel Drive inszeniert worden. Man hat es ausgezeichnet verstanden, die 60er-Jahre aufleben zu lassen. Die regelmässigen Rückblenden in die Kindheit von P.L. Travers sind ausgezeichnet arrangiert, sie decken nach und nach den eigentlichen Kern der Geschichte auf.
Ich habe schon lange keinen Unterhaltungsfilm mehr gesehen, bei dem das Verhältnis von Information, Umsetzung und Konzept derart stimmig war, wie bei diesem Werk.
Zusammen mit den wunderschönen Landschaftsaufnahmen und der beeindruckenden schauspielerischen Leistung der Hauptfiguren ein sehr zu empfehlender Film.

Kiss The Cook - So schmeckt das Leben!

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✮✮✮✮✮

Originaltitel: Chef

Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Jon Favreau
USA / 2014

Hauptdarsteller: Jon Favreau, Sofia Vergara, John Leguizamo, Scarlett Johansson...ua.

HANDLUNG


Carl Casper ist mit Leib und Seele Koch und arbeitet in einem der beliebtesten Restaurants Los Angeles.
Kreativ ist er aber in eine Sackgasse geraten. Der Besitzer des Restaurants will nichts verändern und verlangt von Carl die immer gleichen Menus. Als ihm ein berühmter Gastrokritiker diese Ideenlosigkeit vorwirft und ihn über seinen Blog öffentlich blossstellt, hat Carl die Nase voll und versucht sich zu wehren. Was als virtueller Disput im Internet beginnt, entwickelt sich zum offenen Streit im Restaurant und vor allen Gästen…
Carl wird gefeuert und sucht nach einer neuen Herausforderung.
Da die Beziehung zu seinem achtjährigen Sohn aus seiner gescheiterten Ehe sowieso immer zu kurz kam, entschliesst er sich, das Angebot seiner Ex-Frau anzunehmen und als „Kindermädchen“ die beiden nach Miami zu begleiten. Dort eröffnet sich eine neue Möglichkeit für ihn, mit einem Food-Truck die Gastrowelt aufzumischen, und er packt die Chance…

REZENSION

Ein Kochfilm, der in einem Roadmovie endet. Ist doch mal was anderes. Der Streifen macht richtig gute Laune. Die Kochszenen sollte man sich jedenfalls nicht mit leerem Magen ansehen, und auch sonst hat der Film einiges zu bieten.
Kongenial wird das Ganze durch einen mitreissenden und sehr überlegt ausgewählten Soundtrack unterstützt, der aus einer Mischung aus Folk, Soul und kubanischer Musik daherkommt.
Will man ein Haar in der Suppe suchen, wird man am ehesten bei den Dialogen fündig. Man merkt schon, dass Jon Favreau hier nicht in seinem üblichen Filmgenre ist, den Dialogen fehlt es etwas an Substanz und Spritzigkeit. Dies wird jedoch sehr gekonnt durch die unterhaltsame Handlung sowie die bereits erwähnte gute Musik kaschiert.

Fazit: Wer Kochfilme mag und auch noch etwas für kubanische Musik übrig hat, wird an diesem Gute-Laune-Film seine helle Freude haben.