The Founder

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✮✮✮✮✮✮

Originaltitel: The Founder

Regie: John Lee Hancock
Musik: Carter Burwell
Drehbuch: Robert D. Siegel

Produktion: © FiilmNation Entertainment / The Weinstein Company
Kamera: John Schwartzman
Schnitt: Robert Frazen

USA / 2016

Hauptdarsteller: Michael Keaton / Nick Offerman / John Carroll Lynch / Linda Cardellini / Patrick Wilson / Laura Dern…u.a.


HANDLUNG

Wir befinden uns in den 1950er-Jahren - Ray Kroc ist als Vertreter für Milchshakemaschinen unterwegs. In seinem Leben läuft es nicht gerade rund; er ist schon über fünfzig, seine Frau Ethel und er haben sich nicht mehr viel zu sagen, und seine Geschäfte laufen alles andere als gut.
Eines Tages trifft Ray auf einen aussergewöhnlichen Burger-Laden im kalifornischen San Bernardino. Geführt wird das Geschäft von den zwei Brüdern Mac und Dick McDonald. Ray ist begeistert von der Effizienz und der durchdachten Arbeitstechnik, die in diesem Geschäft angewendet wird. Schnell ist ihm klar, dass die Brüder McDonald hier etwas Wegweisendes geschaffen haben. Ray will ein Teil davon werden und versucht die Brüder davon zu überzeugen, ihre Gaststätten-Idee zu lizenzieren und von anderen Leuten im ganzen Land im Franchiseverfahren betreiben zu lassen. Nach anfänglichem Zögern stimmen Mac und Dick zu.
Ray Kroc gelingt es, durch seine gute Menschenkenntnis und seine Erfahrung, innert kürzester Zeit ein riesiges Imperium zu erschaffen – doch es gibt nicht nur Sieger auf dem Weg zum Erfolg…

REZENSION

Gerade zu Beginn ist die Erzählweise sehr bedächtig und schafft dadurch ein gutes Gefühl für die Zeit und die Atmosphäre der 50er-Jahre. Das kommt auch den Figuren zugute, die sehr glaubhaft und realistisch rüberkommen. Mit fortschreitender Handlung verliert sich der rote Faden etwas, ohne dass dies dem Film selber schaden würde.
Michael Keaton spielt hervorragend und verleiht der, an sich nicht gerade sympathischen, Hauptfigur Glaubhaftigkeit – überhaupt ist der gesamte Cast sehr gut gewählt.
Es ist spannend zu sehen, wie ein Restaurant, das heute wohl jeder kennt, entstanden ist. Wenn ich auch die historischen Zusammenhänge zu wenig kenne, um beurteilen zu können, ob die Umsetzung authentisch geschehen ist oder nicht, war der Film jederzeit unterhaltsam und interessant inszeniert.

Alles in allem beste Unterhaltung, bei der man auch noch was lernen kann. So oder so ähnlich hat es sich wohl abgespielt - und falls nicht, ist es zumindest gut erfunden…

Fazit: Gut gemachter Unterhaltungsfilm, der sowohl mit einer interessanten Story, als auch überzeugender schauspielerischer Leistung punkten kann.

Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel

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Originaltitel: Mein Schwiegervater, der Stinkstiefel

Regie: Sven Bohse
Musik: Jessica de Rooij
Drehbuch: Uli Brée

Produktion: © ARD Degeto / Tivoli Film Produktion
Kamera: Henner Besuch
Schnitt: Ronny Mattas

Deutschland / 2015

Hauptdarsteller: Michael Gwisdek / Mai Duong Kieu / Stefan Murr / Simon Schwarz / Marlene Morreis / Robert Palfrader…u.a.

HANDLUNG

Auf einer Urlaubsreise mit seinem Kumpel Otmar (dem Dorfpfarrer), heiratet Joe die junge Thailänderin Lamai. Als diese eines Tages vor der Tür seines väterlichen Bauernhofs steht, bringt das Joe in eine unangenehme Lage, denn sein Vater Hans weiss noch nichts von der Braut seines Sohnes und reagiert völlig schockiert.
Die Situation läuft total aus dem Ruder, als Joe nach der ersten Liebesnacht mit Lamai an einem Herzanfall stirbt. Laut Testament erbt Lamai den gesamten Hof, womit sich ihr Schwiegervater jedoch auf keinen Fall abfinden will - und auch Joes Ex-Frau Wiebke hat mit ihm noch eine alte Rechnung offen…

REZENSION


Culture-Clash-Komödien, oder wie in diesem Fall Tragikkomödien, sind nicht gerade eine neue Erfindung, haben jedoch ihren ganz eigenen Reiz und können - wenn sie so gut inszeniert und gespielt sind, wie in diesem vorliegenden TV-Film - bestens unterhalten.
Der Zusammenprall der beiden Welten, Thailand und das etwas rückständige Alpen-Dorf, ist heftig und nachhaltig. Der cholerische Schwiegervater wird wunderbar von Michael Gwisdek gespielt und die stoische Schwiegertochter eben so überzeugend von Mai Duong Kieu. Die beiden haben nun wirklich nichts gemeinsam, und diese Kontraste werden einander gekonnt in humorvoller und zuweilen auch nachdenklicher Weise gegenübergestellt.
Das chaotische Treiben ist vor allem zu Beginn abwechslungsreich und wird erst durch den etwas überhastet erzählten Schluss in seinem Fluss gebremst.
Alles in allem ist Sven Bohse mit seinem TV-Film eine unterhaltsame und kurzweilige Persiflage über das Fremdsein und das Spiessbürgertum gelungen, welches ich mir, trotz einiger Klischee-Fallen, gerne angesehen habe.

Vielleicht keine hohe Filmkunst, dennoch beste Unterhaltung in ansprechender Umsetzung!

Ein Hologramm für den König

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Originaltitel: A Hologram For The King

Regie: Tom Tykwer
Musik: Johnny Klimek
Drehbuch: Tom Tykwer

Produktion: © Playtone
Kamera: Frank Griebe
Schnitt: Alexander Berner

USA / Deutschland / Mexico

Hauptdarsteller: Tom Hanks / Alexander Schwarz / Sarita Choudhury / Sidse Babett Knudsen / Ben Whishaw…u.a.

HANDLUNG

Der 54-jährige Verkaufsmanager Alan Clay erlebt gerade keine einfache Zeit. Privat steckt er in einer finanziellen Krise, und seine Ehe ist in die Brüche gegangen.
Es ist so etwas wie seine letzte Chance für Alan, als er von seiner Firma Reliant einen wichtigen IT-Auftrag erhält. Er soll ein holografisches Kommunikationssystem verkaufen - und das an niemand Geringeren als den König von Saudi-Arabien.
Letzterer plant den Bau einer riesigen Retortenstadt mitten in der Wüste. Genau da soll ihm Alan Clay die Software präsentieren. Diese Vorführung gestaltet sich aber alles andere als einfach. Clays Team arbeitet unter unmöglichen Umständen in einem Zelt, und wann der König erscheinen wird, steht in den Sternen.
Clay versucht seinen Frust im Alkohol zu ertränken, leidet unter einer Zyste am Rücken und gerät von allen Seiten unter Druck. Er fühlt sich in dieser fremde Welt fehl am Platz und unwohl. Einzig sein Fahrer Yousef bringt ihn von Zeit zu Zeit auf andere Gedanken.
Als Alan sich wegen seiner Zyste im Spital behandeln lassen muss, lernt er die Ärztin Zahra kennen. Sie kommen sich näher, und plötzlich eröffnen sich Alan völlig neue Perspektiven…

REZENSION

Das anspruchsvollste Film-Genre ist, meiner Meinung nach, die Komödie. Nichts ist so komplex, wie zu erreichen, dass etwas komisch oder humorvoll ist, ohne gleichzeitig albern oder deplatziert zu wirken.

Der deutsche Regisseur Tom Tykwer hat viele Fähigkeiten, besitzt aber leider weder ein Gespür fürs richtige Timing, noch für Situationskomik. So kommt es in diesem Streifen, der eigentlich eine sehr tragische Geschichte einer Midlife-Crisis beschreibt, immer wieder zu hochnotpeinlichen Szenen. Die „Gags“ sind leider nicht nur peinlich, sondern vor allem auch in ihrem Timing schlecht.

Die Story um Alan Clay ist äusserst skurril und dramatisch angelegt und hätte somit durchaus grosses Potential für Komik gehabt. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich dachte: Was hätten wohl Wes Anderson, Jim Jarmusch oder die Coen-Brüder aus diesem Stoff gemacht…

Tom Hanks bemüht sich redlich, und ihm ist es schlussendlich auch zu verdanken, dass der Streifen nicht völlig versumpft.
Richtig gut wird die Geschichte immer dann, wenn sie sich von der eigentlichen Haupthandlung entfernt. Wie zum Beispiel beim Besuch von Yousefs Familie und der nächtlichen Wolfsjagd.
Solche Szenen sind aber leider sehr rar, und so bleiben vom Film nur die sehr schönen Landschaftsbilder und die Erkenntnis, dass sich Tom Tykwer offensichtlich keine Sekunde mit der gesellschaftspolitischen Seite Saudi-Arabiens auseinander gesetzt hat.

Die sehr behäbige Geschichte bietet mir persönlich zu wenig Lichtblicke, als dass ich sie schlussendlich hätte geniessen können. Einfachste Unterhaltung mit schmalzig-kitschigem Schluss. Etwas mehr hätte den Zuschauern schon zugetraut werden dürfen…

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück

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Originaltitel: Hector and the Search for Happiness

Regie: Peter Chelsom
Musik: Dan Mangan / Jesse Zubot
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rehbuch: Peter Chelsom / Tinker Lindsay / Maria von Heland

Produktion: © Wild Bunch / Head Gear Films / Erfttal Film…u.a.
Kamera: Kolja Brandt
Schnitt: Claus Wehlisch

Deutschland, Grossbritannien, Kanada, Südafrika, USA / 2014

Hauptdarsteller: Simon Pegg / Rosamund Pike / Toni Collette / Stellan Skarsgard / Jean Reno / Ming Zhao / Christopher Plummer…u.a.

HANDLUNG

Hector hat viel erreicht in seinem Leben. Er arbeitet als erfolgreicher Psychiater und führt eine harmonische Beziehung mit Clara. Trotz allem fühlt er sich zunehmend frustriert durch seine Patienten.
Von einem Tag auf den anderen beschliesst er deshalb, sich auf eine Reise zu begeben. Er will herausfinden, was wahres Glück ist und wie man dazu kommt. Seine abenteuerliche Expedition führt ihn ins Hochgebirge Chinas, in die Steppen Afrikas, um schliesslich in Los Angeles zu enden. Dabei trifft er auf viele Menschen, die ihm bei der Beantwortung seiner Frage weiterhelfen. Es wird aber auch die Frage aufgeworfen, ob es so etwas wie Glück überhaupt gibt - bis er eines Tages erkennt, was das wahre Glück für ihn bedeuten könnte…

REZENSION

„Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ reiht sich nahtlos in die Riege zahlreicher Selbstfindungs-Filme ein - und leider hebt er sich nur in der Verpackung von seinen Vorgängern ab.
Die Verpackung besteht aus unzähligen wunderschönen Landschaftssequenzen aus fernen Ländern, wodurch der Streifen eine abenteuerliche James-Bond-Note erhält.
Inhaltlich jedoch wird kaum ein Klischee ausgelassen, und die Geschichte dümpelt fröhlich an der Oberfläche der Thematik vor sich hin, ohne jemals Gefahr zu laufen, der Sache zu viel Ernst beizumessen.

Die beiden Hauptfiguren wirken auf mich gekünstelt und unecht. Der männlichen Hauptfigur fehlt es nach meinem Empfinden an Glaubhaftigkeit. Sowohl Simon Pegg als Hector, wie auch Rosamund Pike als dessen Freundin Clara, überspielen ihre Rollen permanent, was zu einer unfreiwilligen Komik führt. Die Handlung aus dem kindlichen Blickwinkel zu beleuchten, wie das im Film immer wieder (erfolglos) versucht wird, kann das beschriebene Manko meines Erachtens ebenfalls nicht ausbügeln. Hätte man Jean Reno in die Hauptrolle gesteckt und Rosamund Pike etwas zurückgebunden, hätte vielleicht etwas daraus werden können…

Kurz: Der Regisseur Peter Chelsom war vermutlich noch zu stark im Hannah-Montana-Modus, um erkennen zu können, dass wirkliche Komik wie auch philosophische Fragen einer gewissen Ernsthaftigkeit bedürfen, um ihre Sprengkraft zu bewahren…

Kein Film, den man gesehen haben muss, der aber durchaus seine netten Momente hat, durch wunderschöne Landschaftsaufnahmen besticht und über einen ausgezeichneten Soundtrack verfügt - man kann halt nicht alles haben…


Hochzeitsnacht mit Hindernissen

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Originaltitel: All In Good Time

Regie: Nigel Cole
Musik: Niraj Chag
Drehbuch: Ayub Khan-Din / Bill Naughton

Produktion: © Left Bank Pictures
Kamera: David Higgs
Schnitt: Michael Parker

Grossbritannien / 2012

Hauptdarsteller: Reece Ritchie / Amara Karan / Harish Patel / Meera Syal…u.a.

HANDLUNG


Atul und Vina sind frisch verheiratet. Ihre Hochzeitsnacht verbringen sie in Bolton im Elternhaus von Atul. Dabei sorgt der von der Hochzeitsfeier völlig betrunkene Vater Atuls für so einige peinliche Szenen. Der Mangel an Privatsphäre führt schliesslich dazu, dass sich Atul und Vina derart gestört fühlen, dass sich ihre Hochzeitsnacht alles andere als geplant abspielt. Sie trösten sich damit, dass sie am nächsten Tag in ihre Flitterwochen nach Goa (Indien) reisen werden und dort viel Zeit zusammen verbringen können.
Da der Reiseveranstalter Konkurs geht, findet die Reise aber nicht statt. Das Leben unter dem selben Dach mit Atuls Eltern wird zunehmend zur Belastung. Wobei sich vor allem Atul und sein Vater immer wieder in die Haare geraten. Als schliesslich das junge Glück zu scheitern scheint, muss Atul eine Entscheidung treffen…

REZENSION

Ich sah mir diesen Film mit zwei Grunderwartungen an: Dass ich einen Bollywood-Streifen und eine Komödie sehen würde. Beide Erwartungen lösten sich nach relativ kurzer Zeit in Luft auf. 
Der Streifen hat zwar durchaus Humor, gleicht diesen aber durch seine Sozialkritik und die Darstellung zwischenmenschlicher Probleme wieder so weit aus, dass wir es hier mit einer astreinen Tragikkomödie zu tun haben. Selten habe ich mich, obwohl meine Erwartungen in keinster Weise erfüllt wurden, gleichzeitig so gut unterhalten gefühlt. Die Geschichte ist mitreissend erzählt, hat einen guten Drive und erstklassige Dialoge. Zudem merkt man jeder Szene an, dass der Regisseur früher mal am Theater gearbeitet hat; die Inszenierung und das Timing derselben ist ganz grosses Kino. 
Last but not least: Die schauspielerische Umsetzung, insbesondere
die des Vaters, ist einfach grandios. 

Für mich eine kleine Filmentdeckung, die mich sehr angenehm überrascht hat. Eine berührender, witziger wie auch ernsthafter kleiner Film mit hervorragenden Schauspielern. Wohl nichts für Bollywood-Fans, aber für alle, die einen handwerklich gutgemachten Film zu schätzen wissen...

Der Butler - Ein Mann. Ein Leben. Sieben Präsidenten

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Originaltitel: The Butler

Regie: Lee Daniels
Musik: Rodirigo Leão
Drehbuch: Danny Strong

Produktion: © Laura Ziskin Productions / Windy Hill Pictures u.a.
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Joe Klotz

USA / 2013

Hauptdarsteller: Forest Whitaker / Oprah Winfrey / David Oyelowo / Cuba Gooding Jr.

HANDLUNG

Der Film basiert auf der wahren Geschichte Eugene Allens, der von 1952 bis 1986 als Butler im Weissen Haus tätig war.
Im Film wurde der Name der Hauptfigur in Cecil Gaines abgeändert. Erzählt wird die Geschichte seiner schweren, von Armut geprägten Kindheit im Süden der USA, als Sohn eines Baumwollpflückers.
Gaines schafft es, als Butler Fuss zu fassen und landet schliesslich in Washington D. C., wo er eine Familie gründet und als Butler im Weissen Haus Beschäftigung findet.
Während Cecil Gaines vordergründig als angepasster Diener von sieben Präsidenten arbeitet, wendet sich sein Sohn Louis offen gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung und schliesst sich anfänglich der Bewegung um Martin Luther King an. Louis landet unzählige Male im Gefängnis, was schliesslich zum Bruch mit seinem Vater führt. Bis sie wieder zueinander finden, vergehen Jahre - Jahre, in denen die USA sich wandelt und die afroamerikanische Bevölkerung ihrem Recht auf Gleichstellung immer näher kommt…

REZENSION

Forest Whitaker, Oprah Winfrey und David Oyelowo können in diesem Film, in dem ein knappes Jahrhundert der amerikanischer Bürgerrechtsbewegung ausgebreitet wird, auf der ganzen Linie überzeugen. Anhand der eindrücklichen Vater-Sohn-Beziehung, wird gekonnt aufgezeigt, dass es nicht nur ein Konflikt zwischen Weiss und Schwarz war, sondern auch ein Generationenkonflikt innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft. Es gelingt dem Regisseur Lee Daniels ausgezeichnet, die daraus entstehenden Konflikte und innere Zerrissenheit darzustellen.
Die Dialoge waren für meinen Geschmack allzu einfach gestrickt und mit sehr vielen Klischees durchwirkt. Ab und an hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet. Allerdings ist es natürlich ein schwieriges Unterfangen, eine so grosse Zeitspanne (82 Jahre) in gut zwei Stunden historisch seriös abzuhandeln.
Schlussendlich wurde die hervorragende Vater-Sohn-Geschichte etwas durch die holzschnittartige Grundgeschichte geschmälert.

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Streifen, der nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Umsetzung und auch den zahlreichen Kurzauftritte vieler Weltstars (Robin Williams, Vanessa Redgrave, Jane Fonda, Mariah Carey etc…) sehenswert ist.

Fazit: Eine gefühlvolle und mitreissend inszenierte Vater-Sohn-Geschichte, die lediglich etwas unter der Menge der Ereignisse, die erzählt werden wollen, zu leiden hat.

Didi - Der Doppelgänger

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Regie: Reinhard Schwabenitzky
Musik: Harold Faltermeyer / Arthur Lauber
Drehbuch: Hartmann Schmige / Christian Rateuke / Dieter Hallervorden

Produktion: © Universum Film / ZDF
Kamera: Charly Steinberger
Schnitt: Clarissa Ambach

Deutschland / 1984

Hauptdarsteller: Dieter Hallervorden, Ruth Maria Kubitschek, Tilo Prückner, Elfi Eschke…u.a.

HANDLUNG

Der Grossindustrielle Bauunternehmer Hans Immer und der Kneipenbesitzer Bruno Koob haben wirklich nicht viele Gemeinsamkeiten – bis auf die Tatsache, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen.
Als der Multimillionär und bekennende Kotzbrocken Hans Immer bemerkt, dass Entführer hinter ihm her sind, verfällt er auf einen heimtückischen Plan: Er engagiert den in finanzieller Not steckenden Bruno Koob und setzt diesen als Doppelgänger an seine Stelle, derweil er sich mit seiner Freundin nach Kitzbühel verziehen will.
Bruno Koob hat nun nicht nur einen Grosskonzern zu leiten und Immers eifersüchtige Ehefrau am Hals, er muss sich auch noch mit den Entführern herumschlagen, die im allerdings in Sachen Tölpelhaftigkeit in Nichts nachstehen.
Als Koob herausbekommt, dass Hans Immer hinter dem Grossbauprojekt steht, bei dem seine geliebte Kneipe abgerissen werden soll, rächt er sich, in dem er Immers Weltkonzern samt Privatleben gehörig auf den Kopf stellt.
Immer versucht zu retten, was zu retten ist, muss aber feststellen, dass es einfacher ist, einen Doppelgänger einzustellen, als ihn wieder los zu werden…

REZENSION

Dieter Hallervordens 80er-Jahre-Klamotte funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Die etwas angestaubt wirkenden Kulissen und der 80er-Mief werden durch Hallervordens mitreissende Spielweise und charmante Komik wettgemacht. Zudem gibt es spektakuläre Stunts zu sehen, die man so in deutschen Filmen bis dato kaum bewundern konnte.
Die Handlung an sich ist relativ einfach gestrickt und dient als Zulieferer für Hallervordens Slapstick-Einlagen. Trotz der Überpräsenz der Hauptfigur, gelingt es einigen Nebendarstellern, sich souverän in Szene zu setzen. Am besten hat mir hierbei Immers Sekretärin gefallen, die von Elfi Eschke dargestellt wird. Obwohl sie kaum Text hat, meistert sie ihren Part beeindruckend und trägt nicht wenig zur Grundkomik bei.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Soundtrack. Harold Faltermeyer gibt alles und lässt, zusammen mit seinem Synthesizer, keine Sekunde Unklarheit darüber aufkommen, aus welchem Jahrzehnt der Film stammt…
„Didi – Der Doppelgänger“ mag nicht zu den allerbesten Filmen von Dieter Hallervorden gehören, unterhält und amüsiert aber heute noch genau so gut wie vor dreissig Jahren…


The Nice Guys

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Originaltitel: The Nice Guys

Regie: Shane Black
Musik: David Buckley / John Ortmann
Drehbuch: Anthony Bagarozzi / Shane Black

Produktion: Joel Silver
Kamera: Philippe Rousselot
Schnitt: Joel Negron

USA / 2016

Hauptdarsteller: Russell Crowe / Ryan Gosling / Angourie Rice / Kim Basinger…u.a.

HANDLUNG

Das erste Zusammentreffen von Holland March und Jackson Healy ist alles andere als erfreulich. Der Privatdetektiv und der Berufsschläger schliessen sich dennoch zusammen, da sie sich gegenseitig nützlich sein können. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach Amelia, die in grösster Gefahr zu schweben scheint.
Je näher die beiden Schnüffler ihrer Zielperson kommen, umso prekärer entwickeln sich die Geschehnisse: Eine bekannte Pornodarstellerin wird ebenso umgebracht, wie der Drehbuchautor des Filmes, in dem sie gespielt haben soll. Als dann auch der Produzent des Streifens das Zeitliche segnet, wird Holland und Jackson klar, dass sie da in etwas hineingeraten sind, das für sie eine Nummer zu gross ist…

REZENSION

Regisseur Shane Black ist bekannt als Mann fürs Grobe, der sich auf Buddy-Action-Komödien spezialisiert hat.
Leider ist die Umsetzung von „The Nice Guys“ meiner Ansicht nach gescheitert. Das liegt aber auf keinen Fall an den beiden Hauptdarstellern. Ryan Gosling und Russell Crowe spielen hervorragend und schaffen es sogar stellenweise, der trägen Story etwas Leben und Witz einzuhauchen.
Allein, das genügt nicht, um dem in jeder Beziehung behäbigen Stoff die richtigen Vibes zu verabreichen. Der Streifen strotzt nur so von ausgelatschten Klischees. Klischees, mit denen leider kaum gespielt wird, sondern die dem Zuschauer kommentarlos vorgesetzt werden und dadurch mehr irritieren, als witzig rüber kommen. Es bleibt zum Schluss eine wirre Anhäufung von Sexszenen, Frauen verachtenden Sprüchen und sinnloser Gewalt. Subtilität oder Geheimnisvolles sucht man in diesem Werk vergebens. Shane Black versucht mit einem wirren Handlungsverlauf eine komplexe Detektive-Story vorzugaukeln, diese entpuppt sich aber beim genaueren Hinsehen als banale Verschachtelung von Gehaltlosigkeiten.

Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, was die Cohn-Brüder wohl aus so einem Stoff gemacht hätten…
So bleibt schlussendlich nur die Erkenntnis, dass Shane Blacks Holzhammer-Verfilmung dank der grossartigen Arbeit der beiden Hauptdarsteller als harmloser Unterhaltungsfilm für anspruchslose Momente durchgehen mag - für mehr reicht es leider nicht…

Das Krokodil und sein Nilpferd

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Originaltitel: Io sto con gli ippopotami

Regie: Italo Zingarelli
Musik: Walter Rizzati
Drehbuch: Barbara Alberti & Amedeo Pagani

Produktion: © Denver Film Productions
Kamera: Aiace Parolin
Schnitt: Claudio M. Cutry

Italien / 1979

Hauptdarsteller: Bud Spencer, Terence Hill, Joe Bugner…u.a.

HANDLUNG

Tom (Bud Spencer) fährt mit seinem Bus Touristen und Grosswildjäger durch den Busch Südafrikas. Als Tierfreund lädt er aber die Gewehre seiner Kunden mit Platzpatronen. Als sein Cousin, der ein noch radikalerer Tierfreund ist, in Südafrika auftaucht, hat Tom gar keine Freude. Er fürchtet um sein Geschäft…
Bald schon verbünden sich die beiden aber gegen den skrupellosen Spekulanten und Tierhändler Jack Ormond.
Sie müssen schon all ihre Schlitzohrigkeit und Schlagkraft ausspielen, um es mit dem gerissenen Gegner und seinen Handlangern aufzunehmen…

REZENSION

Nach unzähligen erfolgreichen Italo-Western, waren die verantwortlichen Leute wohl der Ansicht, dass es an der Zeit wäre, die Location etwas zu verändern. Und so verpflanzte man diesen Spencer/Hill-Film kurzerhand nach Südafrika. Die Handlung freilich blieb dem Westernfilm treu. Die Geschichte könnte 1:1 auch im Wilden Westen spielen. Sämtliche Zutaten sind vorhanden. Auch die obligate Fressorgie wird zelebriert und macht Spass beim Zusehen.
Und so ist es dann auch nicht erstaunlich, dass man alles schon irgendwie mal gesehen zu haben glaubt.
Südafrika wird primär nur als Dekoration verwendet, und so sind einige sehr schöne Aufnahmen der Tier- und Pflanzenwelt zu sehen.
Richtig gute Stimmung kommt jeweils bei der musikalischen Untermalung auf. Der ohrwurmmässige Titelsong wurde von Bud Spencer selber geschrieben und verfolgt den Zuschauer in verschiedenen Versionen durch den ganzen Film hindurch. Musikalischer Höhepunkt bildet meiner Meinung nach das wunderschöne Lied Shosholoza, das gegen Ende eingespielt wird. Der Song wurde ja schon von unzähligen westlichen Musikern verwendet, unter anderem auch von Manfred Mann. Hier kriegen wir eine afrikanische Originalversion zu hören.

Alles in allem gehört „Das Krokodil und sein Nilpferd“ zu den besseren Filmen des Duos, auch wenn dem Streifen gegen Ende etwas die Luft ausgeht…

Mel Brooks' Blazing Saddles

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Originaltitel: Blazing Saddles

Regie: Mel Brooks
Musik: Mel Brooks, John Morris
Drehbuch: Mel Brooks..u.a.

Produktion: © Crossbow Productions / Warner Brothers
Kamera: Joseph F. Biroc
Schnitt: Danford B. Greene / John C. Howard

USA / 1974

Hauptdarsteller: Cleavon Little, Gene Wilder, Mel Brooks, Madeline Kahn…u.a.

HANDLUNG

Da der Bau einer Eisenbahnstrecke in der Nähe der Wildweststadt Rock Ridge vorbeiführen wird, steigt der Wert des Bodens ins Unermessliche. Um einfach an den begehrten Boden zu kommen, versucht der geldgierige Vizegouverneuer Hedley Lamarr mit allen Mitteln, den Bewohnern von Rock Ridge das Leben schwer zu machen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, die übelsten Revolverhelden und Halsabschneider zu engagieren, um die Leute einzuschüchtern. Als schliesslich der Sheriff erschossen wird, entsendet Lamarr den schwarzen Eisenbahnarbeiter Bart als neuen Sheriff nach Rock Ridge, wohlwissend, dass der arme Bart damit zwischen alle Stühle fallen wird und kaum einen Tag am Leben bleiben dürfte.
Er hat die Rechnung aber ohne den gewitzten Bart und seinen neuen Freund Kid the Kid gemacht, die dem hinterhältigen Vizegouverneur bald gehörig die Suppe versalzen…

REZENSION

Mel Brooks Filme sind ja allgemein sehr kontrovers. Die einen halten sie für oberflächlich, albern und überzeichnet. Die anderen, und dazu möchte ich mich auch zählen, sind der Ansicht, dass doch einiges mehr dahintersteckt als der vordergründige Klamauk, der zugegebenermassen natürlich als erstes ins Auge fällt.
Mel Brooks ist einer der wenigen Hollywood-Regisseure, der sich an sehr heikle Themen wagt und den Zuschauer auf provokante Art und Weise damit konfrontiert.

In dem hier vorliegenden Werk hat er sich dem Thema Rassismus angenommen. Der erste schwarze Sheriff, der sich mit der Ignoranz und den Vorurteilen der „anständigen“ Bürgern herumschlagen muss, und erst etwas Anerkennung findet, nachdem es ihm gelingt, dem hinterhältigen Treiben des Vizegouverneurs Einhalt zu gebieten.

Der Streifen hätte ursprünglich eigentlich in den 1970er-Jahren spielen sollen. Brooks bekam aber Ärger mit Warner Bros. über verschiedene Szenen. So entschloss man sich, den Film in der Vergangenheit spielen zu lassen, um die gesellschaftspolitische Brisanz etwas zu entschärfen. Brooks liess es sich allerdings nicht nehmen, seine Protagonisten gegen Ende des Filmes dann doch noch in die Gegenwart stolpern zu lassen…

Das Drehbuch strotzt, wie bei Brooks üblich, vor originellen und unerwarteten Einfällen. Mag er ab und an auch etwas übers Ziel hinausgeschossen sein, ist das Ganze wilde Treiben auch aus heutiger Sicht immer noch witzig und amüsant.
Die Szene mit dem jiddisch sprechenden Häuptling mag als Beispiel für Mel Brooks subversiven Humor herhalten. Man kann das als platten, etwas deplatzierten Witz ansehen. Kennt man sich jedoch etwas aus in der indigenen Geschichte, eröffnet sich eine viel tiefere Dimension; im 19. Jahrhundert fand tatsächlich eine ernsthafte Diskussion darüber statt, ob es sich bei den indianischen Völkern nicht etwa um die Verlorenen Stämme Israels handle…

Wie man es auch dreht und wendet, entweder man mag ihn oder eben nicht. Ich mag ihn…