Hochzeitsnacht mit Hindernissen

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Originaltitel: All In Good Time

Regie: Nigel Cole
Musik: Niraj Chag
Drehbuch: Ayub Khan-Din / Bill Naughton

Produktion: © Left Bank Pictures
Kamera: David Higgs
Schnitt: Michael Parker

Grossbritannien / 2012

Hauptdarsteller: Reece Ritchie / Amara Karan / Harish Patel / Meera Syal…u.a.

HANDLUNG


Atul und Vina sind frisch verheiratet. Ihre Hochzeitsnacht verbringen sie in Bolton im Elternhaus von Atul. Dabei sorgt der von der Hochzeitsfeier völlig betrunkene Vater Atuls für so einige peinliche Szenen. Der Mangel an Privatsphäre führt schliesslich dazu, dass sich Atul und Vina derart gestört fühlen, dass sich ihre Hochzeitsnacht alles andere als geplant abspielt. Sie trösten sich damit, dass sie am nächsten Tag in ihre Flitterwochen nach Goa (Indien) reisen werden und dort viel Zeit zusammen verbringen können.
Da der Reiseveranstalter Konkurs geht, findet die Reise aber nicht statt. Das Leben unter dem selben Dach mit Atuls Eltern wird zunehmend zur Belastung. Wobei sich vor allem Atul und sein Vater immer wieder in die Haare geraten. Als schliesslich das junge Glück zu scheitern scheint, muss Atul eine Entscheidung treffen…

REZENSION


Ich sah mir diesen Film mit zwei Grunderwartungen an: Dass ich einen Bollywood-Streifen und eine Komödie sehen würde. Beide Erwartungen lösten sich nach relativ kurzer Zeit in Luft auf. 
Der Streifen hat zwar durchaus Humor, gleicht diesen aber durch seine Sozialkritik und die Darstellung zwischenmenschlicher Probleme wieder so weit aus, dass wir es hier mit einer astreinen Tragikkomödie zu tun haben. Selten habe ich mich, obwohl meine Erwartungen in keinster Weise erfüllt wurden, gleichzeitig so gut unterhalten gefühlt. Die Geschichte ist mitreissend erzählt, hat einen guten Drive und erstklassige Dialoge. Zudem merkt man jeder Szene an, dass der Regisseur früher mal am Theater gearbeitet hat; die Inszenierung und das Timing derselben ist ganz grosses Kino. 
Last but not least: Die schauspielerische Umsetzung, insbesondere
die des Vaters, ist einfach grandios. 

Für mich eine kleine Filmentdeckung, die mich sehr angenehm überrascht hat. Eine berührender, witziger wie auch ernsthafter kleiner Film mit hervorragenden Schauspielern. Wohl nichts für Bollywood-Fans, aber für alle, die einen handwerklich gutgemachten Film zu schätzen wissen...

Der Butler - Ein Mann. Ein Leben. Sieben Präsidenten

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Originaltitel: The Butler

Regie: Lee Daniels
Musik: Rodirigo Leão
Drehbuch: Danny Strong

Produktion: © Laura Ziskin Productions / Windy Hill Pictures u.a.
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Joe Klotz

USA / 2013

Hauptdarsteller: Forest Whitaker / Oprah Winfrey / David Oyelowo / Cuba Gooding Jr.

HANDLUNG

Der Film basiert auf der wahren Geschichte Eugene Allens, der von 1952 bis 1986 als Butler im Weissen Haus tätig war.
Im Film wurde der Name der Hauptfigur in Cecil Gaines abgeändert. Erzählt wird die Geschichte seiner schweren, von Armut geprägten Kindheit im Süden der USA, als Sohn eines Baumwollpflückers.
Gaines schafft es, als Butler Fuss zu fassen und landet schliesslich in Washington D. C., wo er eine Familie gründet und als Butler im Weissen Haus Beschäftigung findet.
Während Cecil Gaines vordergründig als angepasster Diener von sieben Präsidenten arbeitet, wendet sich sein Sohn Louis offen gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung und schliesst sich anfänglich der Bewegung um Martin Luther King an. Louis landet unzählige Male im Gefängnis, was schliesslich zum Bruch mit seinem Vater führt. Bis sie wieder zueinander finden, vergehen Jahre - Jahre, in denen die USA sich wandelt und die afroamerikanische Bevölkerung ihrem Recht auf Gleichstellung immer näher kommt…

REZENSION

Forest Whitaker, Oprah Winfrey und David Oyelowo können in diesem Film, in dem ein knappes Jahrhundert der amerikanischer Bürgerrechtsbewegung ausgebreitet wird, auf der ganzen Linie überzeugen. Anhand der eindrücklichen Vater-Sohn-Beziehung, wird gekonnt aufgezeigt, dass es nicht nur ein Konflikt zwischen Weiss und Schwarz war, sondern auch ein Generationenkonflikt innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft. Es gelingt dem Regisseur Lee Daniels ausgezeichnet, die daraus entstehenden Konflikte und innere Zerrissenheit darzustellen.
Die Dialoge waren für meinen Geschmack allzu einfach gestrickt und mit sehr vielen Klischees durchwirkt. Ab und an hätte etwas mehr Tiefe nicht geschadet. Allerdings ist es natürlich ein schwieriges Unterfangen, eine so grosse Zeitspanne (82 Jahre) in gut zwei Stunden historisch seriös abzuhandeln.
Schlussendlich wurde die hervorragende Vater-Sohn-Geschichte etwas durch die holzschnittartige Grundgeschichte geschmälert.

Alles in allem ein durchaus sehenswerter Streifen, der nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Umsetzung und auch den zahlreichen Kurzauftritte vieler Weltstars (Robin Williams, Vanessa Redgrave, Jane Fonda, Mariah Carey etc…) sehenswert ist.

Fazit: Eine gefühlvolle und mitreissend inszenierte Vater-Sohn-Geschichte, die lediglich etwas unter der Menge der Ereignisse, die erzählt werden wollen, zu leiden hat.

Didi - Der Doppelgänger

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Regie: Reinhard Schwabenitzky
Musik: Harold Faltermeyer / Arthur Lauber
Drehbuch: Hartmann Schmige / Christian Rateuke / Dieter Hallervorden

Produktion: © Universum Film / ZDF
Kamera: Charly Steinberger
Schnitt: Clarissa Ambach

Deutschland / 1984

Hauptdarsteller: Dieter Hallervorden, Ruth Maria Kubitschek, Tilo Prückner, Elfi Eschke…u.a.

HANDLUNG

Der Grossindustrielle Bauunternehmer Hans Immer und der Kneipenbesitzer Bruno Koob haben wirklich nicht viele Gemeinsamkeiten – bis auf die Tatsache, dass sie sich zum Verwechseln ähnlich sehen.
Als der Multimillionär und bekennende Kotzbrocken Hans Immer bemerkt, dass Entführer hinter ihm her sind, verfällt er auf einen heimtückischen Plan: Er engagiert den in finanzieller Not steckenden Bruno Koob und setzt diesen als Doppelgänger an seine Stelle, derweil er sich mit seiner Freundin nach Kitzbühel verziehen will.
Bruno Koob hat nun nicht nur einen Grosskonzern zu leiten und Immers eifersüchtige Ehefrau am Hals, er muss sich auch noch mit den Entführern herumschlagen, die im allerdings in Sachen Tölpelhaftigkeit in Nichts nachstehen.
Als Koob herausbekommt, dass Hans Immer hinter dem Grossbauprojekt steht, bei dem seine geliebte Kneipe abgerissen werden soll, rächt er sich, in dem er Immers Weltkonzern samt Privatleben gehörig auf den Kopf stellt.
Immer versucht zu retten, was zu retten ist, muss aber feststellen, dass es einfacher ist, einen Doppelgänger einzustellen, als ihn wieder los zu werden…

REZENSION

Dieter Hallervordens 80er-Jahre-Klamotte funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Die etwas angestaubt wirkenden Kulissen und der 80er-Mief werden durch Hallervordens mitreissende Spielweise und charmante Komik wettgemacht. Zudem gibt es spektakuläre Stunts zu sehen, die man so in deutschen Filmen bis dato kaum bewundern konnte.
Die Handlung an sich ist relativ einfach gestrickt und dient als Zulieferer für Hallervordens Slapstick-Einlagen. Trotz der Überpräsenz der Hauptfigur, gelingt es einigen Nebendarstellern, sich souverän in Szene zu setzen. Am besten hat mir hierbei Immers Sekretärin gefallen, die von Elfi Eschke dargestellt wird. Obwohl sie kaum Text hat, meistert sie ihren Part beeindruckend und trägt nicht wenig zur Grundkomik bei.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Soundtrack. Harold Faltermeyer gibt alles und lässt, zusammen mit seinem Synthesizer, keine Sekunde Unklarheit darüber aufkommen, aus welchem Jahrzehnt der Film stammt…
„Didi – Der Doppelgänger“ mag nicht zu den allerbesten Filmen von Dieter Hallervorden gehören, unterhält und amüsiert aber heute noch genau so gut wie vor dreissig Jahren…


The Nice Guys

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Originaltitel: The Nice Guys

Regie: Shane Black
Musik: David Buckley / John Ortmann
Drehbuch: Anthony Bagarozzi / Shane Black

Produktion: Joel Silver
Kamera: Philippe Rousselot
Schnitt: Joel Negron

USA / 2016

Hauptdarsteller: Russell Crowe / Ryan Gosling / Angourie Rice / Kim Basinger…u.a.

HANDLUNG

Das erste Zusammentreffen von Holland March und Jackson Healy ist alles andere als erfreulich. Der Privatdetektiv und der Berufsschläger schliessen sich dennoch zusammen, da sie sich gegenseitig nützlich sein können. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach Amelia, die in grösster Gefahr zu schweben scheint.
Je näher die beiden Schnüffler ihrer Zielperson kommen, umso prekärer entwickeln sich die Geschehnisse: Eine bekannte Pornodarstellerin wird ebenso umgebracht, wie der Drehbuchautor des Filmes, in dem sie gespielt haben soll. Als dann auch der Produzent des Streifens das Zeitliche segnet, wird Holland und Jackson klar, dass sie da in etwas hineingeraten sind, das für sie eine Nummer zu gross ist…

REZENSION

Regisseur Shane Black ist bekannt als Mann fürs Grobe, der sich auf Buddy-Action-Komödien spezialisiert hat.
Leider ist die Umsetzung von „The Nice Guys“ meiner Ansicht nach gescheitert. Das liegt aber auf keinen Fall an den beiden Hauptdarstellern. Ryan Gosling und Russell Crowe spielen hervorragend und schaffen es sogar stellenweise, der trägen Story etwas Leben und Witz einzuhauchen.
Allein, das genügt nicht, um dem in jeder Beziehung behäbigen Stoff die richtigen Vibes zu verabreichen. Der Streifen strotzt nur so von ausgelatschten Klischees. Klischees, mit denen leider kaum gespielt wird, sondern die dem Zuschauer kommentarlos vorgesetzt werden und dadurch mehr irritieren, als witzig rüber kommen. Es bleibt zum Schluss eine wirre Anhäufung von Sexszenen, Frauen verachtenden Sprüchen und sinnloser Gewalt. Subtilität oder Geheimnisvolles sucht man in diesem Werk vergebens. Shane Black versucht mit einem wirren Handlungsverlauf eine komplexe Detektive-Story vorzugaukeln, diese entpuppt sich aber beim genaueren Hinsehen als banale Verschachtelung von Gehaltlosigkeiten.

Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, was die Cohn-Brüder wohl aus so einem Stoff gemacht hätten…
So bleibt schlussendlich nur die Erkenntnis, dass Shane Blacks Holzhammer-Verfilmung dank der grossartigen Arbeit der beiden Hauptdarsteller als harmloser Unterhaltungsfilm für anspruchslose Momente durchgehen mag - für mehr reicht es leider nicht…

Das Krokodil und sein Nilpferd

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Originaltitel: Io sto con gli ippopotami

Regie: Italo Zingarelli
Musik: Walter Rizzati
Drehbuch: Barbara Alberti & Amedeo Pagani

Produktion: © Denver Film Productions
Kamera: Aiace Parolin
Schnitt: Claudio M. Cutry

Italien / 1979

Hauptdarsteller: Bud Spencer, Terence Hill, Joe Bugner…u.a.

HANDLUNG

Tom (Bud Spencer) fährt mit seinem Bus Touristen und Grosswildjäger durch den Busch Südafrikas. Als Tierfreund lädt er aber die Gewehre seiner Kunden mit Platzpatronen. Als sein Cousin, der ein noch radikalerer Tierfreund ist, in Südafrika auftaucht, hat Tom gar keine Freude. Er fürchtet um sein Geschäft…
Bald schon verbünden sich die beiden aber gegen den skrupellosen Spekulanten und Tierhändler Jack Ormond.
Sie müssen schon all ihre Schlitzohrigkeit und Schlagkraft ausspielen, um es mit dem gerissenen Gegner und seinen Handlangern aufzunehmen…

REZENSION

Nach unzähligen erfolgreichen Italo-Western, waren die verantwortlichen Leute wohl der Ansicht, dass es an der Zeit wäre, die Location etwas zu verändern. Und so verpflanzte man diesen Spencer/Hill-Film kurzerhand nach Südafrika. Die Handlung freilich blieb dem Westernfilm treu. Die Geschichte könnte 1:1 auch im Wilden Westen spielen. Sämtliche Zutaten sind vorhanden. Auch die obligate Fressorgie wird zelebriert und macht Spass beim Zusehen.
Und so ist es dann auch nicht erstaunlich, dass man alles schon irgendwie mal gesehen zu haben glaubt.
Südafrika wird primär nur als Dekoration verwendet, und so sind einige sehr schöne Aufnahmen der Tier- und Pflanzenwelt zu sehen.
Richtig gute Stimmung kommt jeweils bei der musikalischen Untermalung auf. Der ohrwurmmässige Titelsong wurde von Bud Spencer selber geschrieben und verfolgt den Zuschauer in verschiedenen Versionen durch den ganzen Film hindurch. Musikalischer Höhepunkt bildet meiner Meinung nach das wunderschöne Lied Shosholoza, das gegen Ende eingespielt wird. Der Song wurde ja schon von unzähligen westlichen Musikern verwendet, unter anderem auch von Manfred Mann. Hier kriegen wir eine afrikanische Originalversion zu hören.

Alles in allem gehört „Das Krokodil und sein Nilpferd“ zu den besseren Filmen des Duos, auch wenn dem Streifen gegen Ende etwas die Luft ausgeht…

Mel Brooks' Blazing Saddles

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Originaltitel: Blazing Saddles

Regie: Mel Brooks
Musik: Mel Brooks, John Morris
Drehbuch: Mel Brooks..u.a.

Produktion: © Crossbow Productions / Warner Brothers
Kamera: Joseph F. Biroc
Schnitt: Danford B. Greene / John C. Howard

USA / 1974

Hauptdarsteller: Cleavon Little, Gene Wilder, Mel Brooks, Madeline Kahn…u.a.

HANDLUNG

Da der Bau einer Eisenbahnstrecke in der Nähe der Wildweststadt Rock Ridge vorbeiführen wird, steigt der Wert des Bodens ins Unermessliche. Um einfach an den begehrten Boden zu kommen, versucht der geldgierige Vizegouverneuer Hedley Lamarr mit allen Mitteln, den Bewohnern von Rock Ridge das Leben schwer zu machen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, die übelsten Revolverhelden und Halsabschneider zu engagieren, um die Leute einzuschüchtern. Als schliesslich der Sheriff erschossen wird, entsendet Lamarr den schwarzen Eisenbahnarbeiter Bart als neuen Sheriff nach Rock Ridge, wohlwissend, dass der arme Bart damit zwischen alle Stühle fallen wird und kaum einen Tag am Leben bleiben dürfte.
Er hat die Rechnung aber ohne den gewitzten Bart und seinen neuen Freund Kid the Kid gemacht, die dem hinterhältigen Vizegouverneur bald gehörig die Suppe versalzen…

REZENSION

Mel Brooks Filme sind ja allgemein sehr kontrovers. Die einen halten sie für oberflächlich, albern und überzeichnet. Die anderen, und dazu möchte ich mich auch zählen, sind der Ansicht, dass doch einiges mehr dahintersteckt als der vordergründige Klamauk, der zugegebenermassen natürlich als erstes ins Auge fällt.
Mel Brooks ist einer der wenigen Hollywood-Regisseure, der sich an sehr heikle Themen wagt und den Zuschauer auf provokante Art und Weise damit konfrontiert.

In dem hier vorliegenden Werk hat er sich dem Thema Rassismus angenommen. Der erste schwarze Sheriff, der sich mit der Ignoranz und den Vorurteilen der „anständigen“ Bürgern herumschlagen muss, und erst etwas Anerkennung findet, nachdem es ihm gelingt, dem hinterhältigen Treiben des Vizegouverneurs Einhalt zu gebieten.

Der Streifen hätte ursprünglich eigentlich in den 1970er-Jahren spielen sollen. Brooks bekam aber Ärger mit Warner Bros. über verschiedene Szenen. So entschloss man sich, den Film in der Vergangenheit spielen zu lassen, um die gesellschaftspolitische Brisanz etwas zu entschärfen. Brooks liess es sich allerdings nicht nehmen, seine Protagonisten gegen Ende des Filmes dann doch noch in die Gegenwart stolpern zu lassen…

Das Drehbuch strotzt, wie bei Brooks üblich, vor originellen und unerwarteten Einfällen. Mag er ab und an auch etwas übers Ziel hinausgeschossen sein, ist das Ganze wilde Treiben auch aus heutiger Sicht immer noch witzig und amüsant.
Die Szene mit dem jiddisch sprechenden Häuptling mag als Beispiel für Mel Brooks subversiven Humor herhalten. Man kann das als platten, etwas deplatzierten Witz ansehen. Kennt man sich jedoch etwas aus in der indigenen Geschichte, eröffnet sich eine viel tiefere Dimension; im 19. Jahrhundert fand tatsächlich eine ernsthafte Diskussion darüber statt, ob es sich bei den indianischen Völkern nicht etwa um die Verlorenen Stämme Israels handle…

Wie man es auch dreht und wendet, entweder man mag ihn oder eben nicht. Ich mag ihn…

Best Exotic Marigold Hotel 2

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Originaltitel: The Second Best Exotic Marigold Hotel

Regie:
John Madden
Musik: Thomas Newman
Drehbuch: Ol Parker

Produktion: © Blueprint Pictures
Kamera: Ben Smithard
Schnitt: Victoria Boydell

USA, Grossbritannien / 2015

Hauptdarsteller: Judi Dench, Maggie Smith, Dev Patel, Tena Desae, Richard Gere…u.a.

HANDLUNG

Während einige der älteren Besucher aus dem ersten Teil es sich im Best Exotic Marigold Hotel gemütlich gemacht haben, hat der umtriebige Hotelbesitzer Sonny bereits ein neues Grundstück ins Auge gefasst. Er träumt vom Second Best Exotic Hotel. Sonny versucht zusammen mit Muriel Geldgeber für sein neues Projekt zu finden, gleichzeitig steckt Sonny bis über beide Ohren in der Vorbereitung zur Hochzeit mit seiner Freundin Sunaina.
Auch die anderen Bewohner verwickeln sich in verschiedene Beziehungsgeschichten. Als dann zwei neue Bewohner eintreffen, kommt Unruhe in die Gesellschaft, da Sonny den einen von ihnen für einen Hotelinspektor hält…

REZENSION

Nach dem Überraschungserfolg „Best Exotic Marigold Hotel“, gibt es in diesem zweiten Teil ein Wiedersehen mit den agilen Rentnern in Jaipur, Indien.
Es wird allerdings rasch ersichtlich, dass die Macher wohl selber ziemlich überrumpelt worden sind vom Erfolg des ersten Teiles. Das Drehbuch dieser Fortsetzung wirkt recht ideenlos und einfach gestrickt. Gab es im ersten noch einige Überraschungen und interessante Beziehungsgeschichten zu bestaunen, bewegt sich der zweite Teil weitestgehend im bekannten und sicheren Fahrwasser des Erfolges.
Die Neuzugänge wie etwa Richard Gere waren wohl als Überbrückung dieser inhaltlichen Leere vorgesehen, können den Streifen aber auch nicht wirklich weiter bringen…
So bleibt dem Zuschauer nur, sich an der nach wie vor starken schauspielerischen Leistung von Judi Dench, Maggie Smith und Dev Patel zu erfreuen. Auch der indische Charme ist der Verfilmung zum Glück nicht abhanden gekommen, und zusammen mit der schönen Filmmusik kann man dann trotz allem einen angenehmen, wenn auch recht ereignislosen, Filmabend geniessen.
Als Fortsetzung für Leute, die den ersten Teil mochten, ist der Streifen durchaus sehenswert. Kennt man den ersten Film jedoch nicht, dürfte diese Fortsetzung kaum von Interesse sein…


Chinese zum Mitnehmen

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Originaltitel: Un cuento chino

Regie: Sebastian Borensztein
Musik: Lucio Godoy
Drehbuch: Sebastian Borensztein

Produktion: © Pampa Films / Tornasol Films / Television Federal
Kamera: Rodrigo Pulpeiro
Schnitt: Pablo Barbieri Carrera / Fernado Pardo

Argentinien / 2011

Hauptdarsteller: Ricardo Darin / Ignacio Huang / Muriel Santa Ana / Ivan Romanelli…u.a.

HANDLUNG

Der Einzelgänger Roberto betreibt in Buenos Aires ein Eisenwarengeschäft, das mehr schlecht als recht läuft. Roberto ist das recht, hat er doch sowieso mit den Menschen abgeschlossen. Er will in Ruhe gelassen werden und öffnet sich selbst gegenüber den schüchternen Annäherungsversuchen von Mari, der Schwester eines Bekannten, nicht.
Um der Welt zu beweisen wie skurril sie ist, sammelt er Zeitungsberichte mit unglaublichen Geschichten, die er fein säuberlich in ein Buch klebt.
Eines Tages fällt ihm sprichwörtlich der Chinese Jun vor die Füsse. Jun spricht kein Wort spanisch und scheint völlig mittel- und auch orientierungslos. Widerwillig hilft Roberto ihm bei der Suche nach seinem Onkel. Der Onkel ist aber nicht aufzufinden, und so beginnt für die beiden ungleichen Schicksalsgenossen eine über Wochen dauernde Odyssee. Roberto muss lernen, dass nichts so skurril ist wie das richtige Leben und findet überraschend einen Ausweg aus seinem misanthropischen Dasein…

REZENSION

Lassen Sie sich vom dümmlichen (und leicht rassistischen) deutschen Titel nicht abschrecken. Bei „Ein chinesisches Märchen“, so der Originaltitel, handelt es sich nicht um eine oberflächliche Komödie, wie der deutsche Titel vermuten lässt. Vielmehr haben wir es hier mit einer sehr vielschichtigen und subtilen Erzählung zu tun.
Dabei gibt es sowohl richtig witzige Situationskomik wie auch emotionale Momente, die dem Film seine sehr melancholisch-humorvolle Note verleiht.
Zu Beginn wirkt die Geschichte etwas holzschnittartig, gewinnt aber mit fortschreitender Laufzeit immer mehr an Tiefe und trotz aller Skurrilität auch an Glaubwürdigkeit. Das Gleiche gilt für die Figuren, die zu Beginn etwas plakativ wirken und sich dann immer mehr zu dreidimensionalen, vielschichtigen Persönlichkeiten entwickeln.
Trotz der melancholischen Note, ist der warmherzige Humor allgegenwärtig und zaubert dem Zuschauer ein konstantes Lächeln ins Gesicht.


Die Bestimmer

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Originaltitel: Parental Guidance

Regie: Andy Fickman
Musik: Marc Shaiman
Drehbuch: Lisa Addario, Joe Syracuse

Produktion: © Dune Entertainment III / 20th Century Fox
Kamera: Dean Semler
Schnitt: Kent Beyda

USA / 2012

Hauptdarsteller: Billy Crystal, Bette Midler, Marisa Tomei, Tom Everett Scott… u.a.

HANDLUNG

Artie Decker (Billy Crystal) wird entlassen. Er war Stadionsprecher eines Baseballteams. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, sagt seine Frau Diane (Bette Midler) zu, ihre Enkelkinder zu beaufsichtigen, während ihre Tochter und der Schwiegersohn wegfahren. Artie ist alles andere als begeistert von diesem Unterfangen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, gelingt es ihm aber den Kindern näher zu kommen.

REZENSION

Ein Film, in dem Billy Crystal, Bette Midler und Marisa Tomei mitspielen, kann eigentlich gar nicht schlecht sein. So zumindest war meine Grundhaltung, bevor ich diesen Streifen besichtigt habe. In der Tat sind es dann auch die oben genannten, die aus einem unglaublich platten Drehbuch und einer ebenso lahmen Inszenierung, ohne irgendwelche Überraschungen oder auch nur originellen Wendungen, einen Film gemacht haben, den man sich dennoch ansehen kann. Ich hätte mich wohl vorher über die anderen Filme des Regisseurs schlau machen sollen. Vielleicht wäre ich dann von selber auf die Idee gekommen, dass das nichts für mich ist. Es wird hier wirklich kein Kalauer ausgelassen, und in der ersten Hälfte der Geschichte bewegen wir uns auf der Stufe von recht infantilem Humor. Zum Glück wird das in der zweiten Hälfte etwas besser. Wobei auch dann noch kaum eine Gelegenheit ausgelassen wird einen platten Witz anzubringen. Selbstverständlich darf auch die seit ca. 100 Jahren in diesen Filmen obligate "Tortenschlacht" nicht fehlen (wobei das 1922 durchaus noch originell und lustig war). Alles in allem, war ich dann froh, dass diese Familienkomödie irgendwann ein Ende fand.
Als Fan der drei Hauptdarsteller kann man sich das durchaus mal ansehen, weiterempfehlen kann ich ihn leider nicht...


Liebe auf den ersten Schlag

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Originaltitel: Les Combattants

Regie: Thomas Cailley
Musik: Philippe Deshaies, Lionel Flairs, Benoît Rault
Drehbuch: Thomas Cailley, Claude Le Pape

Produktion: © Nord-Ouest Productions
Kamera: David Cailley
Schnitt: Lilian Corbeille

Frankreich / 2014

Hauptdarsteller: Adèle Haenel, Kévin Azaïs, Antoine Laurent…u.a.


HANDLUNG

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, und so erstaunt es nicht, dass sich der sanftmütige und introvertierte Arnaud von der aggressiven, selbstbewussten Art von Madeleine angezogen fühlt.
Arnaud hat gerade Sommerferien und hilft seinem grossen Bruder in der Schreinerei aus. Während sich Arnaud Gedanken zu seiner Zukunft macht, ist für Madeleine klar, dass es keine Zukunft geben wird. Sie ist der festen Überzeugung, dass die Welt in absehbarer Zeit untergehen wird und nur die Stärksten eine Chance haben zu überleben. Aus diesem Grund trainiert sie wie wild und meldet sich gar bei einem Survival-Kurs der Armee an. Arnaud begleitet sie, merkt aber bald, dass Madeleine überhaupt nicht in die Armee passt. Bei einer mehrtägigen Übung in einem Wald eskaliert die Situation, und Arnaud und Madeleine setzten sich von ihrer Gruppe ab.
Sie beschliessen, ihr eigenes Survival-Programm durchzuziehen und kommen sich dabei näher. Unvermutet geraten sie in Lebensgefahr – und aus dem vermeintlichen Training wird bitterer Ernst…

REZENSION

Es stimmt, der Film hat keine sonderlichen Höhepunkte. Ebenso zeichnet sich das Drehbuch nicht gerade durch ausgesprochene Originalität aus. Auch weiss man zwischenzeitlich nicht so recht, wohin die erzählerische Reise gehen soll.
Warum, habe ich mich gefragt, hat mir dieser Film trotzdem so ausnehmend gut gefallen? Es muss an der wirklich aussergewöhnlichen Atmosphäre liegen, der Chemie, die zwischen den beiden Hauptfiguren von Anfang an spielt. Der Zuschauer wird neugierig, neugierig darauf wie diese Figuren zusammenkommen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Adèle Haenel spielt die Rolle der abgelöschten Madeleine beängstigend realistisch und wird dabei genial unterstützt durch Kévin Azaïs, der den zurückhaltenden Arnaud ebenso überzeugend verkörpert und durch seine sanfte Art Madeleines gnadenlose Weltsicht umso drastischer erscheinen lässt.
Schlussendlich wird klar, dass der Streifen vor allem an den beiden herausragenden Hauptdarstellern festgemacht ist. Es gelingt diesen beiden Jungschauspielern in absolut überzeugender Weise, das etwas fade Drehbuch vergessen zu machen. Der Film ist keine Sekunde langweilig und schafft es, Drama und feinen Humor gekonnt zu einer unterhaltsamen Tragikkomödie zu verbinden…

Fazit: Beste französische Unterhaltung mit hervorragendem Cast.